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Die orfraie und der alcyon in der französischen Litteratur 280 Wümotte, M. Notes sur la flexion wallonne 72 Untersnchnngen m Moliere^s Medecin malgre Ini. A. Einleitendes. a. Die bisherigen Angaben über die Quellen des MSdecin malgri lux. Auch der MSdecin malgre lui trägt die Moli^re'sche Signatur: Je prends mon bien oü je le trouve. Das noch heute auf der Bühne wie beim Lesen seines Erfolges sichere Stück, von Laun^} mit Recht die tollste und genialste aUer Mölihreschen Possen genannt, erweist sich sogar in besonderem Masse als Entlehnung, deren Quelle oder Quellen ausfindig zu machen man sich schön früh bemüht hat. Was nach und nach und an den verschiedensten Orten an Materialien zur Quellenfrage des M, m. l. beigebracht worden ist, haben zuletzt die Franzosen Despois*) und Moland,*) die Deutschen Laun,*) Wilke*) und Mahrenholtz^) mehr oder weniger ausführlich und voUständig zusammengestellt und zu kritischen Resultaten verwertet. Wie mir scheint, ist aber ein genügend klares Bild der Entstehungsgeschichte des M. m. l. noch nicht erzielt worden. Zuerst, d. h. um die Wende des 17, und in den beiden ersten Dritteln des 18. Jahrhunderts, wurden Anekdoten, deren Inhalt einen Hörer oder Leser an den M. m. l. erinnerte, schlankweg als die Quelle des Moli^re'schen Stückes bezeichnet.'') Nachdem aber durch Barbazan's Fabliaux et Contes 1756 auch das Fableau Du Yüain ^) Malier e^ mit deutschem Commentar, Einleitungen und Excwrsen herausgegeben von Dr. Adolf Laun, Bd. IX (Berlin 1876) p. 3. ') Oeuvres de Moliere p. p. Despois et Mesnard. Nouvelle fid. Tome VI. Paris, Hachette, 1881. (Grands iJcrivains de la France). ') Oeuvr. de Mölihre p. p. L. Moland. Deuxiöme 6d. Tome Vni. Paris, Garnier Fröres, 1882. (Chefs-d'oeuvre de la Litt. Frang.) *) Laun, 1. c. p. 4 s. (Die Einleitung erschien vorher selbst- ständig in Gosches Archiv f. LiU.- Gesch. V, 33 --40.) •) Wilke, Ce que Mol. doit aux anciens poetes frangais. Ghfmn.- Progr. Lauhan 1880. S. 8—11 und 21. •) Mahren holtz, Moli^r^s Lehen und Werke vom Standpunkt der heutigen Forschung. Heilbronn 1881. Grosse Ausgabe: Französisdie Studien Bd. II., spec. S. 197/8; 360. Sehr ansprechend würdigt Mahr, auf S. 198 die Bedeutung des M. m. l. '') Z. B. in den Menagiana, und in der Vie de Molihre von 1724. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX». 1 2 August Kugel. Mire bekannt geworden war, galt direkte Entlehnung des M. m. h ans dem Vilain Mire, der ältesten damals bekannten, zndem fran- zösischen und poetischen Version eines Stoffes, der ja unzweifelhaft im M. m. l. wiederkehrt, zwar eine Zeitlang bloss als wahrscheinlich, jedoch schon bald als feststehende Thatsache.®) In den meisten Moli^reausgaben und in den späteren Sammlungen der Fableaux ist diese Meinung seitdem wieder und wieder ausgesprochen. Erst verhältnismässig spät fand sie Widerspruch und wurde endlich schrittweise dahin modifiziert, dass „der Stoff des Fableaus auf Um- wegen zu Moliere gekommen sei". Von den übrigen Gründen ab- gesehen, veranlasste schon das allmähliche Bekanntwerden einer ganzen Anzahl vormoli^re'scher Erzählungen von „Aerzten wider Willen", von denen Moliere mindestens die eine oder andere ebenso gut hätte kennen können wie das Fableau, dazu, die strikte Be- hauptung der Entlehnung aus dem F. M, einzuschränken.^) Zu den vormoli^re 'sehen „Aerzten wider Willen" hatte Benfey^^) 1-59 eine indische Form gestellt, die 40. Erzählung der ^ukasaptati, in welcher er die Mutter aller übrigen Formen, spec. aber des Vüain Mire sah und womit er eine weitere Stütze für die „orien- talistische Theorie" gewonnen zu haben glaubte. Seitdem galt^^) der „Arzt wider Willen" gemeinhin als orientalischer Stoff, die Quka- saptati als Quelle des Vilain Mire. Gegen diese Annahme wandte ®) 1772 macht Sinn er, Catalogus Codicum MSS. Bibl, Bemensis, tom. III. p. 375 auf die Stoffverwandtschaft des V. M. und des M. m. l. aufinerkbam. M. Bret {Oeuvres de Mol. Paris, par la Compagnie des Libraires associes. Tome IV, 1773, p. 3) spricht nur von der Wahr- scheinlichkeit einer Entlehnung. Positiv behauptet wird Entlehnung des M. m. l. aus dem V. M. 1774 in dem Sammelwerk: Le Voyacfeur Frangois^ ou la Connoissance de V Anden et du Nouveau Monde, mis au jour par M. l'Abb^ Delaporte. Nouv. Ed. Tome VII. Paris, L. Cellot, 1773, (die königl. Approbation datiert erst von 1774), S. 313. Der Vf. rühmt sich , seine Kenntnis des V. M. aus einem MS. geschöpft zu haben : Je me souviens d'avoir lu un manuscrit du treizieme siecle ... Ob Sinner zuerst auf die Aehnlichkeit des M. in. l. und V. M. aufmerksam gemacht hat, konnte ich nicht ermitteln. In die Fableauxsammlungen ist dieser Nachweis m. W. von Le Grand d'Aussy 1779, und zwar aus Bret's Mol. - Ausgabe , übernommen worden. •) Am entschiedensten und mit der eingehendsten Begründung geht Wilke, l. c. p. 10, vor. Er giebt die oben angeführte Modifikation, p. 21. Mahrenholtz, Mol. Leb. S. 360, stimmt ihm durchaus zu. Wenn Mahr, hier aber sagt, dass nach Wilke der Vil. Mire 1581 zu Paris erschienen sei, so hat er m. B. eine auf Fauchet's 1581 zu Paris gedruckten Becueil de Vorigine de la langue frangoise z u b e- ziehende Angabe Wilkes, 1. c. p. 10, missverstanden. *") Benfey, Pantschatantra. Fünf Bücher indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen. Leipzig, 1859. Bd. I. § 212, p. 514 Ö. (Bd II. p. 551). '') siehe z. B. Moliere p. p. Mol and « VIII, 6. Untersuchungen zu Moliere^s Mededn malgre lui. 3 sich 1893 der extreme Angreifer der orientalistischen Theorie, J. B6dier,^2) ohne jedoch für diesen besonderen Fall andere als seine allgemeinen Gründe gegen jene Theorie geltend zu machen. Weiter hat man teils für das Ganze, teils für Partieen des M, m, l. Abhängigkeit Moli^re's von spanischen und italienischen Vorbildern behauptet. Lope's Äcero de Madrid^^) und ein bisher unauffindbar gebliebener Medico a palos^^) sind die spanischen Stücke, die den M. m. l. beeinflusst haben sollen. Die Angaben über eine italienische Quelle des M. m. l. sind zum Theil recht unklar. Sie zielen schliesslich alle darauf ab, dass ein Arlecchino Medico Volante der Commedia dell' Arte diese Quelle gewesen sei. Wenn dieses Stück aber in einer Weise angeführt wird, die es als eine Dramatisierung des, kurz gesagt, italienischen Vilain Mire: „II Medico Grillo'' erscheinen lässt,^^) so ist das ganz unzutreffend, denn sein Inhalt ist ein ganz anderer. Wohl aber ist richtig, dass der Ärl. Med. Vol. so viel Anklänge an den M. m. l. enthält, dass seine Heranziehung durchaus be- gründet ist. Er ist jedoch bisher etwas nebensächlich und vielfach nur in Erläuterungen zu Moli^re's Mededn Volant behandelt worden. ^^) *^) Joseph Bedier, Les Fabliaux. JiJiudes de litt, popul. et d^hist litt, du moyen äge. Ire Ed. Paris 1893, p. 166 u. a. {^me Ed. P. 1895). Die p. 481 (Mc.) angekündigte Kritik des ganzen Benfey'schen § 212 ist m. W. noch nicht erschienen. *^) Entlehnung der idea primera behauptet Ochoa, Tesoro del Teafro Espaflol. Paris, Baudry, 1838, t II, p. 549; des ganzen Planes Graf Schach^ Gesch. d. dram. Litt. u. Kunst in Spanien^ JBeriin 1845. II, 685; einiger Bestandteile Ticknor, Gesch. der schönen Litt, in Spanien, dtsch. v. Julius Bd. I (Leipzig 1852), p. 579, doch spricht die Anm. 5 von „weidlicher Plünderung" ; Benutzung des Schlusses nimmt Mahrenholtz an. 1, c. p. 198. Robert Peters, der seiner Unters, über Paul Scarron's Jodelet Duelliste und seine span. Quellen (Münch. Beitr. zur Born, und Engl. Phil. Heft VI, 1893) eine Einleitung: „Die Re- sultate der bisherigen Forschung über den spanischen Einfluss auf das französische Drama des XVII. Jahrhunderts", vorausgehen lässt, führt darin in Bezug auf spanischen Einfluss auf den Med. m. lui nur die letzt- erwähnte Stelle von Mahrenholtz an. Gegen die Annahme von Entlehnung aus dem Äcero de M. hat sich schon 1843 Puihusque, Hist. comparee des litt esp. et fr., tom. II, p. 224. 226/7 ausgesprochen. — Le Giere. Hist. litt. XXIII, 197 scheint den A. de M. für einen dramatisierten Vilain Mire zu halten, kannte also seinen Inhalt nicht. ^*) s. unten Gruppe „Arzt aus Zwang''. ^5) Das thun Le Clerc {Bist. litt. XXIII, 197) und, wohl ihm iolgend, Montaiglon et Raynaud, Becueil gener al et complet des fa- bliaux, tome III (1878j, p. 379. Le Clerc kannte anscheinend auch weder den Medico Grillo noch den Ärl. med. vol. anders als aus Citaten und vermengte sie deshalb, wie er ebendort dem Äcero de Madrid un- wissentlich Unrecht that. **) Moliere p. p, Despois et Mesnard, N. E., I (Paris 1873), p. 12. 47 — 50. VI, 17. Xoww, l. c. p. 5, 6. Wilke, l. c. p. 11. Mahrenholtz i. c. p. 46. 1* 4 August Kugel Mehr Gerechtigkeit ist ihm nur vereinzelt, z. B. von Mahrenholtz 1. c. 97, widerfahren. Es beruhte dies wohl darauf, dass man für seinen Inhalt bis vor Kurzem nur auf dem fragmentarischen Canevas des Dominique (Domenico Biancolelli senior) fussen konnte. Inzwischen sind andere Versionen des Medico Völante gefunden worden, mit deren Hilfe gerade es möglich sein wird, die Entstehungsgeschichte des M, m. l. aufzuklären. Meines Wissens werden diese Versionen im Folgenden zum ersten Male eingehend im Hinblick auf den Medecin malgre lui besprochen. b. Kritik der früheren und Plan der vorliegenden Untersuchungen. Das Resultat der früheren zusammenfassenden Untersuchungen ist die Erkenntnis gewesen, dass Möllere nicht eine, sondern mehrere Quellen für den M. m. l. benutzt hat. „Es sind Eeminiscenzen ver- schiedenster Art**, sagt Mahrenholtz, der 1. c. p. 197 die beste Zusammenfassung giebt, „die Mol. hier mit grossem Geschick zu- sammenfügte.** Zwei Quellen sind im beträchtlichsten Masse am M, m. h beteiligt; der einen ist die Eache der Martine und das unfreiwillige Heilkünstlertum Sganarelle's, der anderen, wie Mahr, sagt,^') „die List der Tochter des G6ronte** entlehnt. Auf sie, die „Hauptquellen**, bezieht sich meine Untersuchung in erster Linie. Daneben bleiben im M. m. l. einige Züge übrig, die in keiner der Hauptquellen erscheinen. Ihre Quellen, die um so mehr als Neben- quellen bezeichnet werden können, als jene Züge für das Ganze des M. m, l. von untergeordneter Bedeutung sind, werden nur kurz behandelt werden. Das eben wiedergegebene Resultat der früheren Untersuchungen lässt aber immer noch die wichtigen Fragen offen: 1) Welches sind Moliöre's direkte Quellen gewesen und was boten ihm diese? 2) Was benutzte er davon und wie benutzte er es? Mit anderen Worten: Welches ist der Anteil der einzelnen Hauptquellen am Medecin mälgri lui^ und in welchem Verhältnis stehen diese Anteile zu einander und zum Ganzen? Auch über die Geschichte (Ursprung, Entwickelung und Fortpflanzung) des Stoffes, bezw. der Stoffe der Hauptquellen verbreiten die früheren Untersuchungen noch wenig Licht. Deshalb erscheint eine Wiederaufnahme und Fortführung jener Untersuchungen in doppelter Hinsicht begründet und für die Moliere- forschung wie die vergleichende Litteraturgeschichte von Interesse. Im Folgenden soll nun der Versuch gemacht werden, auf ") vgl. Anm. 53. TJniersuchungen zu Molidre^s Medecin malgrS lui. 5 Grund sorgfältiger Revision und Ergänzung des bisher zum M. m, l. beigebrachten Materials, zweitens mit besonderer Berücksichtigung der Moli^reschen Stücke, in denen Aerzte auftreten, und drittens durch die Wahl anderer als der bislang üblichen Gesichtspunkte in erster Linie jene noch offenstehenden Fragen in Bezug auf den M. m. l, zu beantworten, in zweiter Linie auch die Geschichte der Hauptquellen des M. m, l. zu geben. B. Der Medecin malgre Ini und seine Quellen. Die angegebenen Quellen und das Ganze des Med. m, lui. Der Inhalt des M. m. l. darf als bekannt vorausgesetzt werden.^®) Ganz kurz gefasst ist er etwa folgender: Lucinde stellt sich stumm, um die von ihrem Vater Gorgibus gewünschte Heirat mit dem alten Villebrequin zu hintertreiben. Als Arzt wird ihr der Holzhauer Sganarelle mit Gewalt zugeführt, den seine Frau Martine fälschlich als Arzt ausgegeben hat, um sich an ihm für erhaltene Prügel zu rächen. Es gelingt aber Lucinde's Liebhaber Löandre, der weiss, dass Luc. 's Krankheit simuliert ist, sich mit dem angeblichen Arzt ins Einvernehmen zu setzen, Gorgibus zu über- listen und die „geheilte" Lucinde zu gewinnen. Zum guten Ende versöhnen sich die Liebenden mit Gorgibus, Sganarelle mit Martine. Haben nun auch schon die früheren Untersuchungen über den M. m. l. zu dem Ergebnis geführt, dass er eine Mischung von Eeminiscenzen sei, so könnte man doch der einheitlichen Gestalt Sganarelle 's gegenüber noch einmal versucht sein zu fragen: Hat Moliere nicht vielleicht doch ein Vorbild für das Ganze gehabt und benutzt? — Bis jetzt hat sich weder in der vormoliöreschen Litteratur Frankreichs, noch in der Italiens oder Spaniens, wo man es dann zunächst vermuten würde, noch sonstwo ein Werk nach- weisen lassen, das sich in seinem Ganzen mit dem M, m, l, deckte. Systematische Durchsicht der Hilfsmittel lieferte auch mir wieder ein negatives Resultat. Deshalb könnte ein solches Werk aber doch existieren und eines Tages gefunden werden. Nur wird sich fragen, ob seine Existenz nach dem, was sich für die innere Kom- position des M, m. l, ergeben wird, an und für sich Wahr- scheinlichkeit hat.^^) I. Die Hauptquellen des M, m. l. Aus den verschiedenen Quellen des M. m. l, Hessen sich auf Grund der früheren Forschungen zwei Hauptquellen ausscheiden. Sie sind inhaltlich von einander verschieden. Keine von ihnen deckt sich mit dem Ganzen des M. m, l. Jede von beiden kommt *^) Die Personen s. Anhang IH. *•) Ygl. am Schluss: „Was hat Moliöre seinen Quellen entnommen?" 6 Atigust Kugel. in einer Reihe von Erzählungen oder anderen litter. Formen vor. Wenn man trotz der Zahl der beigebrachten Versionen noch keine rechten Resultate erzielt hat, so mag das daran liegen, dass man bisher immer und immer wieder die Formen, in denen ein „Arzt infolge von Prügeln*^ auftritt, in den Vordergrund gestellt hat, während es richtig gewesen wäre, die Erzählungen etc. zunächst gleichberechtigt neben einander zu stellen. Wie nun eine Musterung dieser sämmtlichen dem M. m. l. stoffverwandten Erzählungen etc. sofort ergiebt, zerfallen sie, in bester üebereinstimmung mit der Zweizahl der „Hauptquelleu" , in zwei Klassen. Die eine Klasse bilden diejenigen, teils prosaischen, teils poetischen Erzählungen, in welchen eine wirkliche Krankheit von einer Person, die nicht von Beruf Arzt ist, trotzdem wirklich geheilt wird. Die andere Klasse bilden mehrere dramatische Werke, in welchen zu bestimmtem Zwecke Krankheit simuliert und dieser Zweck dann mit Hilfe eines Arztes, der ebenfalls kein wirklicher, sondern ein improvisierter ist, erreicht wird. Natürlich ist dabei von keiner, oder höchstens von simulierter Heilung die Rede. Gemeinsam haben die beiden Klassen nur den Zug, dass der Arzt kein wirklicher Arzt ist. Es sei gestattet, die zwei Klassen der Kürze halber mit Namen zu bezeichnen. Ich nenne die erste: „Arzt aus Zwang", die zweite: „Diener als Arzt". Man wird diese Bezeichnungen später begründet finden. Auf diese beiden Grundformen lassen sich alle zum M. m. l. angezogenen Versionen sofort verteilen. (Auch der Äcero de Madrid fügt sich leicht ein). Entweder reihen sie sich in die eine oder in die andere Klasse ein. Ein Schwanken, wie es etwa Mischung von Zügen aus beiden Klassen zu einer Form veranlassen könnte, findet nirgends statt, weil eben solche Mischungen fehlen. Ich lege diese Scheidung meiner Untersuchung zu Grunde, beginne jedoch nicht mit der erstgenannten Gruppe, die in der ab- strahierten Grundform nur in entfernter Beziehung zum M. m, l. zu sein scheint, sondern mit der zweitgenannten, deren Grundform sogleich die lebhafteste Erinnerung an den M. m. l. weckt. Wird doch in ihm, das fällt sofort auf, zu bestimmtem Zwecke (Vereinigung zweier Liebenden) Krankheit simuliert und ein Arzt, der kein Arzt ist, hilft das Ziel erreichen. a. Die Gruppe: Diener als Arzt. Von Formen dieser Klasse sind mir die folgenden bekannt geworden: Unterstichtmgen zu Molihre^s Medecin malgre lui. 7 1. El Äcero de Madrid des Lope de Vega. 2. 11 Medico Volante. Scenario bei Bartoli, Scenari inedüi della Commedia delV Arte, Firenze 1880, p. 105 — 115. 3. Trufaldino Medico Volante, comedia nova e ridkola. Milano, Glos. Morelü, 1673.20) 4. Arlecchino Medico Volante, das Scenario des Dominique (Domenico Biancolelli's des Aelteren.) 5. Akt in der Stegreifkomödie La Zerla, ebenfalls Scenario des Dominique. 6. Le Medecin Volant von Moli^re. 7. Le Medecin Volant von Boursault. Ihnen anzuschliessen sind, als wenigstens zum Teil unter die Grundform fallend, Moliöre's L^Amour Medecin und Le Malade Imaginaire.^^) 1 — 7 haben die Grundform sämtlich zu folgender „Liebes- intrigue" ausgestaltet: Trennung zweier Liebenden durch hindernde Umstände; Simulierung von Krankheit seitens des Mädchens und Verständigung mit dem Geliebten durch seinen als Arzt auftretenden Diener; gemeinsame Flucht aus dem Vaterhause; Entlarvung des „Arztes" ; Zusammentreffen des Paares mit dem Vater und Ver- söhnung. — Aber dies Gerippe findet sich reich umkleidet. Es fragt sich nun einerseits: „Welches sind die Beziehungen dieser Versionen zu einandei;, ist eine von ihnen die Quelle der übrigen und vielleicht auch die ürsprungsform des Sujets überhaupt?", andererseits: „Welches sind ihre Beziehtingen zum Medecin malgre lui^f Die 3 ersten Versionen, sämtlich Dreiakter, lassen sich daraufliin, dass sie eine sehr komplicierte Handlung (Mehrzahl von Liebespaaren etc.) und Hinderung des Hauptpaares durch eine Ver- wandte der Heldin gemeinsam haben, zu eiuer Untergruppe zu- sammenfassen, in der wieder zwei Stufen zu scheiden sind. Wie schon die eben gemachten Angaben über ihren Inhalt zeigen, sind sie weit vom M. m. L entfernt. Am weitesten ist es zeitlich und inhaltlich der 1603 verfasste Acero de Madrid des Lope de Vega. 1. El Acero de Madrid. Mag der A. de M. in Moli^re's Bibliothek gewesen und sonst von ihm benutzt worden seiu,^^) als der Dichter den M. m. l. schrieb, hat er keine oder doch nur eine vage Erinnerung an den A. de M, gehabt. Dies Urtheil, in dem ich mich mit Puibusque ^) Zu 2 u. 3 vgl. das oben S. 6 zum Med. Vol. Gesagte. **) Die Personen Verzeichnisse zu den Komödien dieser Gruppe findet man in der Anlage IH, wo sie vergleichend zusammengestellt sind. **) vgl. Mol and, Mol. et la comidie italienne * p. H. 8 Äugtist Kugel. gegen Ochoa, Schack, Ticknor treffe, möge eine Analyse des Ä, de M. bestätigen.**) Ich halte dieselbe mit Absicht ausführlich, einmal um die irrige Meinung Ochoa's etc. möglichst endgiltig zu beseitigen, sodann wegen der Wichtigkeit des Ä, de M. für die Geschichte der ihm zu Grunde liegenden Liebesintrigue überhaupt und für die Ausgestaltung in den drei ersten Formen im besonderen. Der Ä, de M. ist ein Dreiakter mit häufigem Scenenwechsel. Gerade auf diesen Umstand stützt Ochoa seine Annahme, dass der M, m. Z., der gegen Moli^re's Gewohnheit die Einheit des Ortes nicht wahrt, vom A, de M. beeinflusst sei. Ich schalte darum die Ortsangaben Lopes durchweg in die Analyse ein; es wird dann ohne weiteres klar, dass Ochoa's Grund unhaltbar ist.**) — Die Personen des Ä. de M, findet man in Anl. III, dem „vergleichenden Personen Verzeichnis" zur Gruppe „Diener als Arzt". Akt I. (Vor der Kirche). Die Freunde Lisardo und Riselo warten vor der Kirche auf das Herauskommen Belisa's, der Tochter des alten, über seine Hausehre eifersüchtig wachenden Prudencio, die Lis. liebt, aber nur hier sehen kann, da eine Tante, Teodora, eine heuchlerische Betschwester, jeder Annäherung an Beiisa hindernd in den Weg tritt (Sc. 1). Bei. kommt bald in Begleitung dieser Tante heraus, die die jungen Männer mit grossem Aerger erblickt und sofort einen neuen, von Bei. geschickt ermöglichten Annäherungs- versuch Lis.'s zu vereiteln weiss, als kaum ein paar Worte gewechselt sind. Bei. fügt sich ihr nach einigem Widerspruch, weil ihr in der Kirche eine andere List gelungen ist (Sc. 2). Dort hat sie nämlich dem Diener Lis. 's, namens Beitran, in einem Handschuh, den sie absichtlich verlor, ein Briefchen an seinen von ihr wieder- geliebten Herrn zuzuschmuggeln verstanden. Beltr. liefert den Brief auch richtig ab, freilich nicht ohne eine besondere Vergütung bei seinem Herrn herauszuschlagen. In dem Brief teilt nun Bei. ihrem Verehrer einen Plan mit, den sie ausgedacht hat, um sich mit ihm treffen zu können Sie will sich krank stellen, und zwar opüada. Lis. seinerseits soll ihr einen ihm befreundeten Arzt (un mSdico amigo) schicken, mit dem er sich verständigt hat und der ihr den Gebrauch der Madr. Stahlquellen verordnet. Dahin will Bei. dann jeden Morgen mit Teod. gehen; Gleiches sollen Lis. und Eis. *•) Ich benutzte den Druck bei Ochoa, Tesoro dd Teatro Espaflöl, Paris, Baudry, 1838. Tom. H, p. 549—583. (Auch separat als; Teatro escogido de Lope de Vega). Eine französische Uebersetzung des A. de M. findet sich in den Oeuvr. dramat, de L. d. V. trad. par Baret. Paris, Didier, 1874. Tome IL. **) Ochoa, 1. c. p. 549: Moliere en el M, m. l se resolviö ä la enorme temeridad de mudar el lugar de la escena por no desaprove- char los preciosos datos que le ofreda para hacer una comedia rauy mter- esante d genio de nueslro inmortcU Lope de Vega, en el Acero de Madrid. Untersuchungen zu Möliere*s Midedn mcdgrS lui, 9 thun. Letzterer aber soll Teod., deren Scheinheiligkeit Bei. durch- schaut hat, Liebe heucheln und sie derart beschäftigen, dass sich die Liebenden ungestört sprechen können. Aber Lis. sowohl wie sein Pylades Ris. sind in Verlegenheit, als sie den Brief gelesen haben. Sie wissen keinen Arzt, der ihnen helfen würde. Da erbietet sich keck Beitran,**) den Doktor zu spielen: Ponedme ä mi si quereis TJn häbito dodoräl, Que yo se que no hare mal Lo que los dos pretendeis: Un poco se de latin De hs redpes, y harS Con esto poco que se Que tenga scdud. Natürlich rechnet er auf reiche Belohnung. Lis. zögert, nimmt aber zuletzt auf Ris/s Drängen hin Beltran's Vorschlag an (Sc. 3). — {In Prudencio^s Haus.) Inzwischen ist bei Prudencio ein Neffe, üctavio, mit seinem Diener Salucio zu Besuch eingetroffen (4. 5). Ebenda erscheint kurz darauf Beitran, im Kostüm eines Arztes und von Lis. als seinem Schüler begleitet. Er giebt an, ihn schicke eine Freundin Belisa's, der letztere in der Kirche von ihrer Krankheit gesagt habe. Nach einer für die Eingeweihten recht deutlichen, auch mit Latein gewürzten Konsultation verordnet der Arzt der Kranken (gegen ihre opüacion) den Gebrauch der Stahl- quelle im Prado. Dann empfiehlt er sich, steckt aber zu Lis. 's Aerger vorher noch nach kurzer, scheinbarer Weigerung ein ihm von Prud. gebotenes Honorar ein (6. 7). Soweit scheint sich alles für die Liebenden aufs beste anzulassen ; in Wirklichkeit droht ihnen Gefahr. — (Infi Haus Marcela's), Ein Nebenbuhler Riselo's bei dessen Braut Marcela, namens Florencio, hat sowohl die Briefscene in der Kirche als die Annäherung der beiden Freunde an Bei. und Teod. vor der Kirche bemerkt. Er erzählt Marc, davon und macht sie glauben, sie sei von Ris. um Teod. 's Willen verlassen. Als echte Spanierin schwört Marc, dem Verräter Rache; mit der Ausführung ihres Racheplans soll sie bald verhängnisvoll in das Geschick Bei. 's und Lis.'s eingreifen (8). — Hiervon nichts ahnend, treffen sich inzwischen die Liebenden im Prado. Ihre Zusammenkunft verläuft nach Wunsch. Lis. und Bei. bleiben ungestört. Teod. lässt sich von Ris. bethören. Und auch Beitran geht nicht leer aus, sondern hofiert Bei. 's Dienerin Leonora mit bestem Erfolg (9. 10. 11). *^) Es spielt also im A. de M. der Diener des Liebenden den Arzt, und nicht ein Freund, wie Ticknor (übs. v. Julius) n,379 angiebt. 10 Ät^gust Kugd. Akt II. (Im Hause Prudencio's). Noch von anderer Seite ist das Glück der Liebenden geftlhrdet. Octavio hat sich in Beiisa verliebt und trägt sich mit dem Gedanken, um sie zu freien, obwohl sie ihn mit solcher Kälte behandelt, dass sein vertrauter Diener Salucio ganz empört darüber ist (Sc. 1). Vor Verliebtheit förmlich krank, klagt Oct. dem als Arzt zurückkommenden Beitran seine Schmerzen und ist geradezu beglückt, als dieser ihm den wahren Grund derselben sofort angeben kann. Salucio hingegen betrachtet den Arzt mit Misstrauen (2). In der sich hieran anschliessenden zweiten Konsultation schildert Beiisa dem Arzt ihr Leid und ihr Hoffen in einem Traum, den sie gehabt haben will. Ihr Befinden habe sich gebessert, sagt sie, um nicht Verdacht zu erwecken (3). Dafür erklärt jetzt Teodora krank zu sein und der Kur zu bedürfen, denn sie ist, weil sie bei Eiselo ernste Absichten annimmt, für FortsetzuEg der schon Monate lang dauernden Morgenspazier- gänge. Der Arzt stimmt ihr bei (4). Als aufmerksamer, auf die seelischen Zustände seiner Patienten gern aufheiternd wirkender Arzt sendet er von der Strasse aus einen Trupp Musikanten, die Bei. und Teod. vorspielen und vorsingen sollen. Das Liebeslied, das sie singen, erweckt jedoch nur im alten Prudencio den Gedanken, es sei an der Zeit, Bei. zu verheiraten. Er äussert seinen Gedanken zu Oct. Dieser wirbt sofort um seine Cousine, und die beiden Männer werden dahin einig, gleich um den nötigen päpstlichen Dispens nachzusuchen. Teod. soll Bei. auf ihre Verlobung mit Oct. vorbereiten. Natürlich arbeitet sie aber im Einverständnis mit Bei. dem Plane Prud.'s sofort entgegen, indem sie Riselo durch einen Brief, den Leonora an Bei trän befördern muss, benachrichtigt (5). — {Bei Mar Celans Haus.) Den Brief erhält Eis. gerade, als er sich zusammen mit Lis. vergeblich bemüht, die ihm zürnende Marc, zu versöhnen. Schon durch die ünerbittlichkeit Marc. 's zur Verzweiflung gebracht, gerät Eis. jetzt durch die Not seines Freundes und dadurch, dass Teod. zugleich von ihren Heiratsge- danken schreibt, in vollste Ratlosigkeit. Da aber Marc, allen seinen erneuten Beteuerungen ebensowenig Glauben schenkt und bei ihren Eacheplänen bleibt, lässt sich Eis. von Lis. bewegen, diesen wieder in den Prado zu begleiten und das Spiel mit Teod. fortzusetzen (6 — 10). — Marc, jedoch macht nun ihre Drohungen wahr. Sie überrascht die beiden Paare (im Prado) und klärt Teod. über Eis. 's Betrug auf. Zum Unglück ist auch Octavio, den Salucio misstrauisch gemacht hat, Beiisa zum Prado gefolgt und hat sie belauscht. Alles eilt verstört auseinander, und die Sache der Liebenden scheint verloren (11 — 15). Akt III. {Im Hause Prudencio^ s.) Doch geben sie den Mut nicht auf, vor allem Beiisa nicht. Teils durch Bitten, teils Untersuchungen zu Moliere's Mededn malgre lui. 11 durch die Drohung, Teodora bei Prud. als Kupplerin hinzustellen (und das würde dieser das Kloster eintragen!), weiss sie Teod. zur ferneren Unterstützung ihrer Sache zu veranlassen. Die Bundes- genossin hat sie um so nötiger, als inzwischen der päpstliche Dispens angelangt ist und als Prud. Verdacht gegen den Arzt gefasst hat, der, während man weder in der Stadt noch am Hofe von einem Doctor Bei trän etwas weiss, so lange schon sein Haus besucht und dabei doch mit seiner Kur so wenig Erfolg hat. Teod. bringt es aber fertig, Prud. zu beruhigen. Sie sei auf ihren Spaziergängen stets wachsam gewesen, dass nichts die Ehre seines Hauses verletze (1. 2.). — (Beim Hause Mar Celans.) Inzwischen ist es auch Lis. gelungen, Marc, mit Ris. auszusöhnen. Doch hat unglücklicher- weise Florencio die Versöhnung belauscht und beschlossen, sich an Lis. durch Werbung um Beiisa zu rächen, während sein Freund Gerardo um Teodora werben soll (3 — 5). — Ehe es noch hierzu kommt, hat die Sache der Liebenden bereits die schlimmste Wendung ge- nommen. Beitran, der in Frud.^s Haus gegangen war, um im Interesse seines Herrn sein Verhältnis zu Leonora wieder anzuknüpfen, ist dabei in seiner Dienertracht von Prud. und Oct. angetroffen worden (6). Er hat sich vergeblich zu verstecken gesucht. Sein Märchen von dem ihm aufs Haar gleichenden Bruder, welcher der Arzt Beitran sei, findet keinen Glauben. Salucio, der hämische Geselle, bindet ihn und schliesst ihn in sein Zimmer ein (7). Es gelingt jedoch Beitran, sich vom Fenster aus Bei. und Teod. bemerklich zu machen. Sie helfen ihm zur Flucht in Frauenkleidern, und mit ihm flieht Beiisa, die keinen andern Weg mehr weiss, der sie mit Lis. vereinen würde (8. 9). Inzwischen hat Oct., der natürlich Beitran gut verwahrt glaubt, den Prud. von jenem Vorfall im Prado in Kenntnis gesetzt, und dessen Zorn ergiesst sich gerade über Teodora, als sich zwei Edelleute melden lassen (10). Es sind Florencio und Gerardo, die um Beiisa und Teodora werben wollen. Aber Prud. hält sie für die Edelleute aus dem Prado (also Flor, für Beitrans Herrn) und erwidert ihre Werbung mit einem heftigen Zornesausbruch. Als sie leugnen, die Beschuldigten zu sein, sendet er Salucio nach Beitran, um diesen mit den Eittern zu konfrontieren. Jedoch Sal. kommt mit der Meldung zurück, Beitran sei entflohen und wie er sei Beiisa verschwunden. Durch sein Anerbieten, Prud. auf die Spur der Flüchtigen zu bringen, verscheucht Flor, auch dessen letztes Mistrauen. Man macht sich zur Verfolgung der Entflohenen auf (11. 12). — Wie Flor, richtig vermuthet hat, findet man sie in Lisardo^sHaus, wo auch Ris. und Marc, sind (13. 14. 15). Prud. will sofort seinen Zorn in Lisardo's Blut kühlen, aber dessen Erklärung, dass er Beiisa heiraten wolle, versöhnt ihn, denn damit ist ja seine Ehre wieder hergestellt. So verzeiht Prud. auch dem 12 August Kugd. fingerten Arzte seinen Betrug**) und gestattet ihm, Leonora zu heiraten. Versöhnt und heiter zieht schliesslich Alles nach Prudencio's Haus zum Verlobungsmahl (16). Wie man sieht, haben El Acero de Madrid und Le Medecin mälgre lui allerdings die S. 8 festgelegte Grundidee der Klasse „Diener als Arzt"*'') gemein. Jedoch würde die ganze Ausge- staltung, die Lope diesem Plane giebt, die komplicierte Handlung, in der nicht weniger als drei Liebespaare nach mancherlei Zwischen- fällen zum erwünschten Ziele gelangen und worin die Rolle des Arztes bei weitem nicht zu der Bedeutung kommt, wie im M, m. l. mit seiner einfachen Handlung, seinen wenigen Personen und den vielen Verschiedenheiten im Detail, den Gedanken an eine direkte und bewusste Benutzung des A. de M, durch Moli^re (sie hätte in einer Vereinfachung bestehen müssen) schon fast ausschliessen, wenn die letztere nicht auch dadurch ganz unwahrscheinlich gemacht würde, dass Meliere eben einfachere Ausführungen der nämlichen Grundidee kannte. Auch hätte der M. m. l. wenig vom „spanischen Geiste** bewahrt.*®) — Auf Lope beruht vielleicht der Zug, dass Moli^re seinen Arzt nicht ganz unvorbereitet zu dieser Rolle sein lässt. Weiss Beitran ein wenig Latein, so ist Sganarelle einmal Diener eines Arztes gewesen. Doch kann dieser natürliche Zug recht wohl hier und dort spontan sein. 2. II Medico Volante (Bartoli). Obgleich erst im 18. Jahrhundert niedergeschrieben, kenn- zeichnet sich doch das Scenario : H medico volante, Commedia fatta da commedianti bei Bartoli, Scenari inedUi della Commedia delV Artet Firenze 1880, p. 105 — 115*^) durch eine Reihe von Zügen, die weder in Dominique's Arl, med, vol. noch in Boursault's oder Mo- li^re's Med. Vol. erscheinen, wohl aber mit dem Acero de Madrid übereinstimmen, als inhaltlich älter wie die 3 erstgenannten Formen und dem Acero de Madrid am nächsten stehend. Es hat ebenfalls 3 Akte, fast gleiche Personenzahl*®) wie Lope's Stück, und vor allem wie dieses die mehrfache Liebesintrigue. '") Dem stolzen Spanier ist die Person des Lakaien keiner Beachtung wert. Vgl. in,16 die Worte über Beitran: Oct. Matari le? Prud Noq que ivvporta Que Viva? *') Sollte Ochoa diese mit seiner idea primera meinen, so wäre da- gegen nichts einzuwenden. Doch ist das nicht wahrscheinlich. ^^) Vgl. dazu Moland, Mol. et la com. itäl, * p. HI; Sa comidie n'a jamais, ou bien rarement, ni Vallure ni le ton de la comidie espagnole. '•) Vgl. dazu Neri im Giom. storico ddla lett. ital. I, 1883, p. 75 ff., der aber vom Acero de Madrid nichts erwähnt. ^) S. Anlage III das Personenverzeichnis. Untersuchwngen zu MoU^e's M^ecin mälgri hd. 13 Wie im -4. deM. steht den Liebenden eine Verwandte (Ardelia) der fingierten*^) Kranken (Lucinda) im Wege, die erst durch den Freund (Ottavio) des Liebhabers (Valerio) bethört werden muss, wodurch wieder dessen wirkliche Geliebte (Leonora) sich mit ihm entzweit. Auch der Nebenbuhler fehlt nicht, wenn er auch nicht mehr der Vetter Luc. 's ist; und ihn begleitet wieder ein misstrauischer Diener, der es fast bitterer empfindet als sein Herr selbst, dass dieser von Luc. verschmäht wird. Auch Valerio erhält durch einen Brief Kenntnis von Luc. 's Plan (nur trägt sie ihm gleich auf, un medico finto zu senden). In der ersten Consultation erscheinen, wie im Ä, de M., der fingierte Arzt (Valerio's Diener Cola) und der Liebhaber zusammen; der Arzt heisst Luc. und Ardelia spazieren gehen. Auch der Capitan konsultiert Cola, wie Octavio den Beitran. Bei der zweiten Consultation Cola's durch Luc. hat diese ebenfall seinen „Traum^ zu erzählen. Dann folgt die Benachrichtigung Ottavio's, der dem Riselo des vorigen Stückes entspricht, durch den zweiten Brief (von Seiten Ardelia's), und die „Verzweiflungsscene" Leonora's-Marcela's. So stimmt das Scenario auch im Gange der Handlung zum I. und n. Akt Lope's, und es entsprechen sich Lope II . . I . .11 Bartöli 2 . 3 . 4 . 5 . 7 . ni . 2 . 3 . 5 . (Musicos) 8 . 9 . 10 . . 2 3 5 . 7 8 . ni . 3 4 6 (Sonatori) 9 . 14 . 15 Die Verschiedenheiten, welche das Scenario bis dahin dem A. de M. gegenüber zeigt, sind im Verhältnis zu solcher Gleichheit von geringer Bedeutung. Ein Teil derselben findet sich in den jüngeren Formen: Arl. med, vol., Moli^re's Med. vol. und Boursault's Med. vol. wieder. So fehlt der Nebenbuhler Ottavio's bei Leonora-Marcela, die vielmehr durch ihren Vater Nachricht von Ottavio's scheinbarer *^) Das Personenverzeichnis des Scenario nennt diese Verwandte Ardelia, nipote di Lucinda, wofür doch wohl nipote d^übaldo zu setzen ist. Vgl. Nerl, GHom stör. 1,77. Das Scenario ist auch sonst nicht frei von Irrtümern. 14 August Kugel, Untreue erhält. Das Liebeselement wird dafür durch die Werbung des neu eingefügten Vaters der Leonora um Ardelia und die des Ubaldo (des Vaters Lucinda's) um Leonora auf seiner Höhe gehalten (vgl. A, de M, : Florencio 's und Gerardo's Werbung 111,12). Der Nebenbuhler ist nicht mehr ein Neffe oder wenigstens Verwandter Ubaldo 's, sondern schlichtweg der Capitano, dessen Misserfolge das Scenario ganz im Sinne, wie die Comm. dell' Arte den Capitano zu behandeln pflegt, in einigen zugegebenen Scenen mit besonderer Freude ausgemalt hat. Die Kranke leidet nicht mehr an opüacion, sondern an gravidanza. Der „Arzt" kommt nicht direkt zu ihr ins Haus, sondern wird von ihrem Vater auf der Strasse, wo er diesem durch seine „gelehrten" Eeden auffällt, angetroffen und zu ihr gebracht. Er schreibt der Kranken auch ein Recept. — Der Traum Lucinda's 11,4 wird durch einen zweiten Traum Zanni's, des Dieners desCapitans, und einen dritten Cola's persiffliert. Die erste Konsultation 1,8 enthält bereits die wenig anmutige, aber speciell von der Comm. dell' Arte gepflegte und mit grossem Behagen fortgepflanzte^^) Besichtigung des orincde. Akt 11,3 giebt schon für Zanni und den Capitano Scherzmittel an. {Capitano li domanda parere sopra il mal della pietra, dice Cola, che sicut gutta cavat la- pidem, che si facda venir la gotta che guarirä, Zanni domanda la ricetta per il dolor di denti, Cola Vinsegna teuere in bocca una mela appiola, metter la testa in fomo, fintanto che detta mela sia cotta, masticandola guarirä. Mit Scene 11 — 13 des IL Aktes schiebt das Scenario Bar- toli^s ein erstes Zusammentreffen Cola's in Dienertracht mit dem Capitan und Zanni ein. Sie glauben in ihm den Arzt zu erkennen und erzählen es Ubaldo. Dieser stellt seine Tochter zur Rede, bringt aber nichts aus ihr heraus. Das Intermezzo bleibt ohne Ein- fluss auf den Fortgang des Stückes. Von der 16. Scene des 11. Aktes ab differenziert sich das Scenario Bartoli's mehr vom Acero de Madrid. Zwar bleibt als Grundgedanke der komischen Lösung, dass der fingierte Arzt in Lakaientracht vom Vater Luc. 's getroffen und ungeachtet aller Finten mit „dem Bruder" erkannt und entlarvt wird, sowie dass der Vater trotz des ihm gespielten Streiches schliesslich der Werbung des Liebhabers der „Kranken" zustimmt. Aber es sind in der 2. Hälfte des Medice Volante (Bartoli) alle anderen Liebeshändel ausser dem des Valerie und der Lucinda verschwunden, tragen also auch nichts mehr zur Schürzung oder Lösung des Knotens bei. Und zweitens wird der fingierte Arzt jetzt, um seine Entlarvung zu ver- hüten, zum „fliegenden Arzt", ganz in der Weise, wie er es 32) Bartoli, Introd. Xm. Untersmhungen zu Möllere's Midecin mälgre lui. 15 bei Moliöre und Boursault ist. Ich gebe diese Scenen (11,16—18; in,l — 6) kurz wieder: Cola wird auf der Strasse in Dienertracht von Ubaldo ge- troffen. Er hilft sich mit dem Märchen von dem ihm feindlich ge- sinnten Bruder, welcher der Arzt sei. übaldo verspricht, sie mit einander auszusöhnen. Schon nach wenigen Minuten trifft er denn auch den „Arzt", in den sich Cola schnell wieder verwandelt hat, und schliesst ihn in seinem Hause ein, damit er bleiben muss, bis übaldo seinen Bruder, den Diener, herbeigeschafft hat. Um die ihm damit auf- genötigte Doppelrolle durchführen zu können, springt Cola, den aber Zanni hierbei beobachtet, aus dem Fenster und erscheint nach kurzem als der Diener wieder. Von übaldo neuerdings getroffen, schickt Cola diesen, damit er den Arzt erst noch einmal beschwichtige, voran ins Haus, steigt selbst, wieder von Zanni beobachtet, durch's Fenster zurück, und empfängt übaldo als der Arzt. Dies Spiel (das dem Medico volante den Namen giebt) wiederholt sich mehr- mals, bis übaldo schliesslich unten bleibt und Cola durch das Ein- greifen des Capitans und Zanni's gezwungen wird, mit verstellter Stimme ein erregtes Zwiegespräch zu fingieren und sich sogar mit seinem Bruder am Fenster zu zeigen, was ihm durch geschickte Verwendung seines Baretts gelingt. Während nun Ubaldo beruhigt ins Haus geht, springt Cola wieder aus dem Fenster, wirft das ärztliche Gewand ab und gesellt sich dankend als der Diener zu Ubaldo. Indem kommt Zanni, der Cola's Kleider gefunden und an- gelegt hat, und deckt Cola's Streiche auf. Aber Ubaldo's Zornes- ausbruch, der (ähnlich wie im Äcero) bis zur Bedrohung mit der Waffe geht, wird durch das Erscheinen Valerio's und Ottavio's gehemmt. Nachdem übaldo über die j>:etibte List Autklärung erhalten hat, willigt er in Valerio's Werbung. Gleiches thut Pandolfo, der Vater Leonora's, dem Ottavio gegenüber. Erscheint somit auch am Schlüsse das zweite Liebespaar wieder, so ist es doch, wie oben gesagt, von 11,16 ab ohne Einfluss auf die Entwicklung der Intrigue. 3. Trufaldino Medico Volante. Das kurze Scenario Bartoli's erhielt im Jahre 1883 eine er- freuliche Ergänzung durch den von Neri aufgefundenen,^*) ge- druckten^) Trufaldino medico volante. Oomedia nova e ridicola. ^) Neri, üna Commedia delV Arte. Giom. stör, della lett. itcU. I (1883) p. 75—86. Vgl. dazu Vesselowsky im Mol-Mus. Bd. II (Heft 6) p. 98. «*) Despois' [Mol p. p. Desp. Nouv. td. I, 1873, p. 48] Zweifel an der Möglichkeit des Vorhandenseins eines gedruckten oder geschrie- benen Med. vol. vor Dominique, ohnehin kaum stichhaltig begründet, sind dadurch aufs glücklichste beseitigt. Vielleicht ist der Fund zugleich eine 16 ÄtigtMt Kugd, Milano, Gioseffo Morelli, 1673. Der glückliche Fand Neri's (leider sagt Neri nicht, wo er den Trufaldin gefanden hat, und in wessen Besitz derselbe ist), ist für die Geschichte des Medice Volante vom grössten Werte, umsomehr als er, wohl von einem Darsteller niedergeschrieben, den echten dialogo improwiso bietet. Dieser Druck ist nicht einmal der erste. Er trägt das Eeimprimatnr in einer Weise, dass ihm mehrere Drucke vorausgegangen sein müssen.^) Der Truf, med. vol. kann also schon lange vor 1673 gedruckt ge- wesen sein. Ausserdem weist Neri 1. c. 75 mehrere Venezianische Drucke — man bedenke den Namen Trufaldino! — leider ohne Jahr, auf Grund von Allacci's Drammaturgia^ Venezia, Pasquali, 1775, col. 796 nach. Die kurze Gegenüberstellung des Truf. Med. Vol. mit Bartoli's Med. Vol., die Neri 1. c. 77 ff. giebt, erweist volle Ueber- einstimmung der beiden in Akten, Personen^^) und Handlung. Die Verschiedenheiten sind leichte und unbedeutende, aus dem Wesen der Stegreifkomödie und der Art, wie ihre Stücke weiter lebten, entsprungene Abweichungen. Hie und da ist z. B. eine Scene anders gestellt, oder eine weggelassen, oder auch eine Scene des Scenarios inhaltlich auf mehrere des Druckes verteilt. Auch finden sich die Abweichungen hauptsächlich in den Lazzi,''') wo ja jedem Darsteller der freieste Spielraum gegeben war. Mit dem Äcero de Madrid stimmt, wie sich hieraus ohne weiteres ergiebt, der TVuf. Med. Vol. also ebenso überein wie Bartoli's Scenario. Die Textstellen, welche Neri aus dem Tntf. zum Abdruck bringt, lassen aber die üebereinstimmung beider mit dem Äcero de Madrid noch schärfer hervortreten, als sie beim Vergleich des kurzen Scenarios mit Lope's Stück sichtbar wurde. So entspricht z. B. der Gedankengang des Gesprächs zwischen Isabella und Eosetta, welch letztere, wie Teodora bei Lope, Tante der Heldin ist, genau dem des Gesprächs bei Lope 1,2. Am Ende des ersten Aktes gehen die beiden Frauen — dies ist also auch der Sinn des kurzen: Donne per strada a far esercieio bei Bartoli — nach dem Criardino a spasso, wo sich Ardelio, Trufaldino und Florindo zu ihnen gesellen und der letztere sich speciell Rosetta widmet; vgl. die Zusammenkünfte im Prado bei Lope. — Wie der Äcero, endigt auch der Trufaldino mit einer kurzen, höflichen Rede an das Publikum. Rechtfertigung Cailhava's, der nach Despois 1. c. in seinen ^tudes sur Meliere, 1802 p. 133, 154 von einem Med. vol. spricht, als habe er ihn gedruckt vor sich. w) Neri, 1. c. 75, Anm. 3. »•; Siehe Anlage HI. ") Neri, 1. c. 76. Untersuchungen zu Molüre^s Mededn mälgre luL 1*7 Betrachtet man die Abweichungen der beiden italienischen Stücke vom Ä. de M. auf ihren Charakter hin, so erscheinen sie durchaus sekundär. Sie lassen sich am natürlichsten erklären, wenn man, wozu ja auch die Uebereinstimmungen drängen, den A. de M. als die Quelle der beiden Stegreifkomödien annimmt. Teils wären sie Consequenzen des Strebens der Commedia deir Arte nach straffer Zusammenfassung der Handlung,^^) teils Umwandlungen ins Derbe**) oder Possenhafte dem Geschmacke des Publikums zu Liebe, teils Concessionen an die Bühnenverhältnisse, Motive, die natürlich nicht stets getrennt, sondern meist vereint gewirkt haben würden. So erklärt sich z. B. der Fenstersprung aus den beiden letzten Motiven zusammen.^®) Das endgiltige Urteil über den Zusammenhang zwischen Ä. de M, einerseits, Bartoli's Scenario und Trufaldino andererseits setze ich noch aus. Doch ist schon hier zu konstatieren: 1) dass letztere beide Stücke dem Ä. de M, gegenüber jüngere Formen sind, auf einer späteren Stufe der Entwickelung des Grundstoffes stehen als jener; 2) dass sie ebensowenig wie der A, d. M. die von Moli^re be- nutzten Formen des Stoffes gewesen sind. 4. Arlecchino Medice Volante. Einen Schritt weiter, auch über diese Formen hinaus, hat der Arlecchino Medico Volante gethan, wie man gewöhnlich das Scenario des Dominique, Domenico Biancolelli's des Vaters, bezeichnet. Biancolelli kam 1660 nach Paris, wo Moli^re's und Boursault's Med. Vol. bereits gespielt waren. Die Aufführung des Arl, M. V. wird von den Freres Parfaict für 1667, also nach dem Med, mälgrS lui, angesetzt, wobei sie jedoch die Möglichkeit früherer Aufführung durchaus offen lassen. Leider ist das Scenario, wenigstens in GueuUette's Uebersetzung, sehr kurz gefasst und bricht, was mehr zu bedauern ist, mitten im 11. Akt ab.*^) Doch ist genug vor- handen, um daraus jetzt, nachdem mehrere italienische Versionen ^) Vgl. Mol and, Mol. et la comidie ital. ' p. 6. ^*) Isab. leidet angeblich ebenso wie Luc. bei Bartoli an gravi- danza, cf. Neri, 1. c. 77. ***) Vgl. dazu Bartoli, 1. c. Introd. XV: A noi, per esempiOj da molta noia qud continuo cicaleggio che troviamo fatio dalla finestra: ma questa e la conseguenza necessaria delV aver sempre posta la scena o neUa strada o nella piazza. **) Vgl. die Notice zum M6d. Vol. in Mol. p. p. Despois et Mesnard, N. E. I, 47 ff. Ich konnte nur den Abdruck von GueuU.'s Uebersetzung bei den Fr6res Parfaict, Rist, de Vancien theätre italieriy P. 1753, p. 215—225 benutzen, dagegen nicht erlangen Desboulmiers (= J. A.- Jullien), Hist. anecdot. et raisonnee du theätre italien. P. 1769 (I, 76 bis 84). Letzterer bricht ebenfalls mitten im Stücke und wohl an gleicher Stelle ab. Ztschr. f. frz. Spr. n. Litt XX^. 2 18 Äugusi Kugd, des Med, Vol. bekannt geworden sind, anf die Stellang des Ärl, Med, Vol. in der Entwickelang des Stoffes „Diener als Arzt*' Schlüsse ziehen za können. Die Handlang dehnt sich noch über 3 Akte aas, ist aber weiter vereinfacht, zameist dadurch, dass nar mehr ein, das Haapt- Liebespaar, erhalten ist.^^) Von dem zweiten Liebespaar ist nur Cintio, der Freand des Helden Octave, geblieben. Seine eifersüchtige Liebste erscheint nicht mehr, ebensowenig ihr Vater; and aach Cintio spielt nar mehr eine FigarantenroUe. Der Capitan und Trivelin sind dürftige Beste des Nebenbahlers and seines Dieners. Die im Ä. de M, so wichtige Bolle der feindlichen, erst za gewinnenden Verwandten ist ganz umgestaltet; die Feindin ist durch eine den Liebenden von vornherein günstig gesinnte und ihnen helfende Dienerin (Diamantine) ersetzt. An die Stelle der Hindemisse, welche die Tante oder Cousine den Liebenden bereitete, ist kurzweg der Widerspruch des Vaters(Pantalon) gegen diese Verbindung getreten. Doch zeugen eine Beihe von Zügen dafür, dass der Ärl, M. V, seinem Kern nach älter ist als Moli^re's und Boursault's Med. Vol. Arlequin bringt seinem Herrn einen Brief, in dem ihm Eularia die beabsichtigte List mitteilt. Octave und Cintio veranlassen zu- sammen Arl., den Arzt zu spielen. Pantalon und der „Arzt" treffiBU sich auf der Strasse; Arl. wird von Pantal. aufgefordert zur Kranken mitzukommen (ebenso: Bartoli's Scenario und Trufaldino). Bei der 1. Konsultation begleitet ihn Oct. als einer seiner Schüler. Eularia ist opüee; sie soll gesunden durch Spazierengehen. Etwas vorgerückt ist der Scherz: gutta cavat lapidem (cf. Bartoli). Die Urinprobe wird mit Gründlichkeit vollzogen, und das Geld Pantalons nach kurzem Sträuben von Arl. gern acceptiert. Auch der Gang der Handlung des I. Aktes ist derselbe wie in der schon besprochenen Gruppe. Der II. Akt beginnt, ebenfalls mit ihr übereinstimmend, mit der Konsultation des vermeintlichen Arztes durch den Capitan und Trivelin, wobei das nämliche Mittel gegen Zahnschmerzen empfohlen wird wie bei Bartoli. Und in der folgenden Scene zwischen dem „Arzt" und Eularia erzählt diese wieder einen „Traum**, den Arl. deutet. Von hier an weicht der Ärl. M. V. von jenen drei Fassungen ab: es erscheint ein „Docteur**, dem Arl. vergeblich auszuweichen sucht, weil er ihn für einen Arzt hält (der Docteur ist bei Dom. ein Jurist, der auch Medicin studiert hat), und den er schliesslich mit Unverschämtheit abfertigt. — Hier bricht das Scenario ab. *•) Die Personen siehe Anl. HI. Sie sind nach dem Fragment bei den Fr^res Parfaict zusammengestellt. Für zwei, die ausfallen, tritt eine neu ein. Untersuchungen zu Möliere^s Medecin malgre lui. 19 Wie sich nun die Figur des Docteur nur bei Boursault und in Moli^re's Med. Vol. wieder findet, so ist das noch für einige Züge der Fall, die fast bis auf die Worte zu den erwähnten beiden französischen Stücken (und zum Teil auch zum Med. malgre lui) stimmen. Arl. übernimmt die Arztrolle nur mit Widerstreben, ist aber bald von Selbstbewusstsein durchdrungen. Die Patienten sollen es sich gesagt sein lassen, nicht ohne ihn zu sterben: au mains que mes malades ne s^avisent point de mourir avant que je leur aie rendu ma visite. (Mol. M. vol.. Med. m. l.; Bours.). Ferner: Arl. betastet den Puls Pantalons, des Vaters der Eularia, und erklärt auch diesen für krank, denn, sagt er: tel est le pdre, tels sont les enfants . ... Eh bienfle sang de votre fille eta/nt echauffe, altere, le vötre le doit etre aussi. (Mol. M. vol., M. m. l; Bours.J. Als der Docteur kommt, behauptet Arl. gehen zu müssen: mes malades m'attendent (Mol. M. vol.). — Vielleicht ist auch Diamantine eine Copie Jacqueline's im M. m. l. f Doch spricht m. E. hiergegen, dass auch Bours. die den Liebenden freundlich gesinnte Dienerin hat. — Leicht mag auch die Moliere'sche Gewandtheit in der Steigerung und Zuspitzung des Dialogs auf Domenico's Arl. gewirkt haben. Stellen wie die 1. Konsultation bei Domenico erinnern un- willkürlich an Moli^re's Art. Nach den oben gegebenen Daten ist eine Beeinflussung Domenico's durch Moliere, sei es vom Med. Vol., sei es vom Med. m. l. aus, nicht nur sehr möglich, sondern ganz wahrscheinlich, wenn man bedenkt, wie sehr gegenseitige Entlehnungen von Bühne zu Bühne im Schwange waren. Die Freres Parfaict (Hist. de Vanc. th. it. p. 225) nehmen die zweite Möglichkeit auch an. Sie sagen: On peut remarquer aisement dans cette piece plusieurs endroits imites de la comedie du Medecin malgre lui de M. Moliere. Ich setze mein Urteil hierüber noch aus. Es wäre nun die Annahme ganz natürlich, dass der Arl. Med. Vol. sich in ähnlicher Weise wie die besprochenen oder die noch zu besprechenden Komödien vom „Diener als Arzt" weiter entwickelt und geendet habe. Dem scheint ein Zusatz Desboulmiers' zu dem Fragment zu widersprechen, worin er (nach Despois, 1. c. 1,49) sagt: La Situation qui donne le titre ä la piece est une lettre qu^Arlequin {deguise en medecin) doit remettre ä Vamoureuse] la porte lui etant interdite, il entre et soti plusieurs fois par la fenetre. Aber könnte sich Desboulmiers mit dieser Angabe nicht geirrt, oder sie nach einer Form gemacht haben, in der er zu seiner Zeit den Medico Volante aufführen sah?^^) *^) Der Arl. M. Vol. wurde im 18. Jahrhundert in Frankreich noch gespielt. Vgl. Freres Parfaict, Hist. de Vanc. th. ital. p. 215; Hist du theätre frangais IX,83. 2* 20 Äuffust Kugel, Jedenfalls ist der Ärl. Med. Vol. Domenico's seinem Kerne nach, wenn dieser auch wiederum vereinfacht ist, eine ältere Form des „Dieners als Arzt", als sie Boursault's und Moli^re 's Stücke dar- stellen, und zwar scheint er mir zwischen den drei erstbesprochenen und den beiden letztgenannten Formen die Mittelform. 5. La Zerla (La Hotte). Die Fr^res Parfaict beginnen^) die Analyse des Ärl. Med. Vol. mit den Worten: Le fond de cette piece se trouve dam le troisüme acte de la precedente; ceUe-ci n^en differe que par les ditaüs qui y sont plus aUonges. Die pidce precedente ist ein ebenfalls dem /Scenano des Dominique entnommener, dreiaktiger Canevas: La Zerla (La Hotte).^^) Für uns ist in der That nur der III. Akt dieses Stückes von Belang. Denn der I. und II. Akt von La Zerla haben eine Handlung für sich, deren Inhalt kurz folgender ist. Eularia, die Frau eines Docteur, d. h. des Dottore der Comm. delPArte, ist in einen jungen Mann namens Octave verliebt. Sie weiss Octave durch seinen Diener Arlequin von ihrer Neigung zu ihm Nachricht zu geben, und nach einigen missglückten Versuchen gelangt Octave auch dadurch, dass ihn Arl. in einem Tragkorb (daher der Titel des Stückes) ins Haus des Docteur trägt, zu Eularia. Doch wird er vom Docteur bei ihr überrascht und aus dem Hause gejagt. Mit dieser Handlung hat die des III. Aktes absolut nichts zu thun. Zwar erscheinen in ihm die Figuren bez. Namen Eularia, Octave, Arlequin wieder; das ist aber auch der ganze „Zusammenhang" des in. Aktes mit den beiden ersten. Der Docteur ist in ihm ganz verschwunden; Eularia ist nicht mehr Frau des Docteur, sondern die noch ledige Tochter Pantalons, um die der junge Octave wirbt.*^) Wer aber vermuthet, nun den Ärl. M, Vol., in einen Einakter zusammengezogen, wiederzufinden, wird enttäuscht werden. Denn der m. Akt von La Zerla ist nur eine freie, wohl ganz aus Domenico's Phantasie stammende Ausgestaltung des Gedankens, der auch dem Ärl, Med. Vol, zu Grunde liegt: Erreichung eines Liebeszieles durch simulierte Krankheit und fingierten Arzt. Solche Variationen des in der Comm. dell'Arte unstreitig beliebten Sujets sind ohne Zweifel häufiger gewesen.*'') Arl. trägt nämlich in Arzt- kleidung Eularia, die Tochter Pantalons, die sich tot stellt, aus dem Hause ihres Vaters fort, erweckt sie gegen gute Belohnung von Seiten ihres Liebhabers Octave, seines Herrn, wieder zum Leben ^) Eist, de Vanc. thedtre ital. p. 215. *») ibidem p. 205—215 *•) Die Personen siehe Anlage III. *') ^S^' Fournel, Les cofitemporains de Moliere 1,97 in der Vor- rede zu Boursault's Med. vol.: On en retrouve le fond dans plusieurs comidies de la mime sehne, en pa/rticuUer dans le troisieme acte de la Zerla. Untersuchungen zu Moli^e's MSdedn malgr^ lui. 21 und hilft dann den Liebenden zur Flucht. Sie werden aber von Pantalon ereilt und in sein Haus eingeschlossen. Als sie Arl. mittelst einer Leiter befreien will, kommt Pant. mit der Polizei. Arl. entflieht, Oct. wird festgenommen. Doch besänftigt seine jetzt ausgesprochene Werbung den Zorn Pantalons, und es wird fröhliche Verlobung gefeiert. Diese Variante hat weder zu Boursault noch zu Moli^re Be- ziehungen. Wir können sie deshalb verlassen, ohne sie weiter zu berücksichtigen. Moli^re's und Boursault's Medecins Volants. Eine vierte Stufe des Stoffes „Diener als Arzt", die letzte vor dem Med. m. lui, stellen Moli^re's und Boursault's gleich- namige Stücke zusammen dar. Beide sind sie Einakter, in denen der Gang der Handlung gleich, wenn auch bei Boursault auf mehr Scenen verteilt ist. In beiden steht dem einen Liebespaare von Anfang an eine freundliche Helferin zur Seite, die den Liebhaber mündlich zur Sendung des medico finto veranlasst: die Briefe fallen fort. Der Nebenbuhler des Liebhabers tritt nicht mehr auf, sondern kommt bei Moliere noch zur Erwähnung, fehlt bei Boursault ganz. Da aber die Rolle des misstrauischen Beobachters, die früher der Diener des Nebenbuhlers ausfüllte, bewahrt ist, blieb dieser Diener, nur dass er sich in einen solchen des starrköpfigen Vaters der Geliebten umwandelte. Der Freund des Liebhabers, dessen Eolle schon im Arl. M. Y. bedeutungslos war, ist hier ebenfalls beseitigt. Der Diener des Liebhabers tritt, da die Briefbestellung fehlt, erst auf, als sein Herr schon die Absicht hat, ihn als Arzt zu verwenden. Seine Doppelrolle führt er ganz wie in den besprochenen italienischen Komödien vermitttelst des Fenstersprunges durch. Die DerbheiUen jener Komödien sind so gut wie nicht abgeschwächt. Der Traum, den die Heldin sonst gehabt hat, fehlt in beiden französischen Fassungen. Beide haben aber das Zusammentreffen des fingierten Arztes mit einem wirklichen Arzt oder von ihm doch dafür ge- haltenen „Doctor", wie der Arl. Med. Vol. Dies die Moliere und Boursault gemeinsame Grundform. In ihrer Ausführung weichen sie von einander ab, wie die Einzel- besprechung sofort zeigen wird. 6. Moli^re's Medeciu Volant. Ich stelle diesen voran, weil er älter als der M. Y. Bour- sault's ist, und analysiere ihn ausführlicher, einmal um ihn mit Boursault's Stück der öfters behaupteten Nachahmung wegen zu vergleichen, besonders aber um sein Verhältnis zum Med. m. lui und den anderen Stücken Moli^re's, in denen Aerzte vorkommen, später vermittelst dieser Analyse leichter festzustellen. 22 Äugiist Kugel. An der Authenticität von Moli^re's MSd. Vol. ist wohl eben- sowenig ein Zweifel wie an seiner Abstammung von der Commedia dell' Arte. Wollte man den M. V. den italienischen Dreiaktern äusserlich angleichen, so Hessen sich Scene 1 — 5 als I. Akt, 6 — 14 als n. Akt und 15 und 16 als HI. Akt bezeichnen. Die Per- sonen des Moli^re'schen M. V. sind nicht mehr so sehr blosse Typen wie die der italienischen Komödien, aber das Ganze trägt doch durchaus noch den Character der commedie improvise. Scene 1>®) Sabine, die Cousine Lucile's, berichtet deren Lieb- haber Val^re, dass der alte Villebrequin um Luc. geworben habe, und diese auf den Einfall gekommen sei, sich krank zu stellen, um diese Heirat zu hintertreiben. (Die Krankheit, die sie simuliert, wird aber nicht genannt.) Sabine ist von Gorgibus, Luc. 's Vater, nach einem Arzte gesandt und schlägt daher Val. vor, er solle ihr einen ihm befreundeten Arzt senden, der Luc. Landaufenthalt ver- ordne. Dann werde Gorg. sie gewiss in seinem Gartenpavillon ein- logieren. Dort aber könnten die Liebenden leicht zusammen kommen. Als Val. keinen Arzt weiss, der ihm diesen Dienst leisten würde, rät ihm Sab., doch seinen Diener Sganarelle als Arzt zu verkleiden und herzuschicken. Gorgibus werde sich gewiss von ihm düpieren lassen. Scene 2. Sganarelle nimmt denn auch für zehn Pistolen den Auftrag an, wird angewiesen, recht viel mit Galen und Hippo- krat um sich zu werfen, und geht mit Val. ab, seine Arztrobe und seine „ärztlichen Licenzen" {venez. . . me donner mes licences qwi sofU les dix pistoles promises) in Empfang zu nehmen. Scene 3. Gorgibus, der um Luc. in grosser Sorge ist, will inzwischen auch noch seinen Diener Gros-Ren6 nach einem Arzte senden. Aber Gros-Rene ist wenig willig zu gehen. „Was soll ihr ein Arzt helfen?" denkt er. „Gebt ihr einen jungen Mann". {Croyez^ous que ce ne soU pas le desir qu'elle a d^avoir un jeune komme qui la travaillef) Er hat sich schon auf einen Hochzeits- schmaus gefreut, und dessen Verzögerung passt ihm gar nicht. Scene 4. Da kommt Sab. mit der Nachricht zurück, sie habe einen Arzt gefunden, der aus fernen Landen komme und die schönsten Geheimmittel besitze (qui saü les plus beaux secrets). Als Arzt verkleidet, tolgt ihr Sgan. auf dem Fusse. Von Gorg-. respekt- vollst begrüsst, rühmt er sich und seine Kunst in Reden voll bur- lesken Lateins und greift, sie zu zeigen, nach Gorgibus' Puls. Der Einwand, dass dieser gar nicht der Patient sei, macht Sgan. nichts aus; kann er doch auch nach Gorg.'s Befinden Lucile's Zustand be- urteilen. (Sabine: EhI ce 71" est pas lui qui est malade, c'est sa fille. *®) Die Personen siehe Anlage III. Untersuchungen zu Molih'e's MSdecin mcHgre Im, 23 Sgan. II nHmporte; le sang du pbre et de la fUe ne sont qu^unt meme chose, et par VältSration de celui du pdre^ je puis connaUre la maladie de la fiUe.) Dann untersucht Sg. den Urin der E[ranken und lässt hierauf diese selbst holen, denn ü ne faut pas qu^eUe s'a- muse ä se laisser mourir sans Vordannance du mSdecin, Scene 5. Der „Kranken" weiss Sg. den „Grund" ihrer Krankheit sehr klar zu machen; als ein gutes Zeichen erklärt er es dabei, dass sie grosse Schmerzen fühlt. ( . . Seniee-vous de grandes douleurs ä la tete, aux reins? — Owi, monsieur, — C^est fort Men fait.) Schon will er ein Recept verschreiben, da fällt ihm bei, dass er ja gar nicht schreiben kann. So begnügt er sich da- mit, einen Landaufenthalt zu verordnen. Dazu schlägt Gorg. in der That seinen Oartenpavillon vor, und sie gehen zusammen ab, diesen zu besichtigen. Scene 6. Indem kommt der Advokat des Hauses, der von Luc.'s Krankheit gehört hat, um seine Teilnahme zu bezeugen und sich „für alle Fälle" zu empfehlen. Scene 7. Gorg. erzählt ihm von Sgan. und muss ihn auf seine Bitte mit diesem bekannt machen. Scene 8. Sgan. fürchtet jedoch, von dem wissenschaftlich gebildeten Manne als Nicht- Arzt erkannt zu werden, und möchte der Unterhaltung mit ihm ausweichen. {Je n^ai pas le loisir .... mes malades m'attenderU.) Trotzdem muss er eine lange, mit Latein gespickte Rede auf die Heilkunst anhören (Fi^a brevis, ars vero longa, occasio auiem praeceps, eoiyperimentum periciUosum, Judicium difficüe u. a.), ehe der Advokat merkt, dass er Sgan. unbequem ist {Mon- sieur, fai peur de vous etre importun), und sich empfiehlt. Jetzt ist Sgan. wieder hoch. H sait qtielgue petUe chose, ist sein Urteil über den Advokaten, als Gorg. danach fragt. Dann verabschiedet sich Sg. ebenfalls. Das ihm hierbei von Gorg. angebotene Geld nimmt er dankend an, wenn auch mit der Versicherung: Je ne suis pas un komme mercennaire. Scene 9. Während dieser Zeit hat Valöre von keiner Seite Nachricht über Sgan. und dessen etwaige Erfolge erhalten. In be- greiflicher Unruhe auf ihn wartend, trifft er ihn endlich, wie er seinerseits, wieder in Dienertracht, nach Valere sucht. Scene 10. Mit Freude hört nun Val. Sgan. 's Bericht und macht sich schnell zu dem Pavillon auf. Ehe aber auch Sgan. Zeit gefunden hat, sich zu entfernen, kommt Gorgib us herbei. Sgan. kann ihm nicht ausweichen und beschliesst , einer Erkennung durch eine kecke List zuvorzukommen. Scene 11. Er empfängt also Gorg. sofort mit einer Frage nach dem Arzte Sganarelle, seinem Zwillingsbruder, (sich selbst nennt er Narcisse), erzählt, wie ihn dieser wegen zweier zerbrochener 24 August Kugel. Phiolen ans dem Hanse gejagt habe, nnd schildert sehr beweglich sein jetziges Unglück: Je suis un pauvre gargon ä prSsentj sans Support, Sans aucune connoissance. Gorg., der die ihm gleich auf- gefallene Aehnlichkeit des Dieners mit dem Arzte nun ganz natür- lich findet, wird hierdurch so gerührt, dass er die Brüder zu ver- söhnen verspricht. Darauf geht der Diener Narcisse ab, um sofort in Scene 12 als Doctor Sgan. zurückzukommen. Allen Bitten des Gorg. setzt dieser aber sich steigenden Zorn entgegen, besonders weil Narcisse gewagt habe, sich gleich an Gorg. zu wenden {mais voyee Vimpudence de ce coquin-lä, de vous aUer trouver pour faire son accard). Schliesslich giebt Sg. nach, wie er betont, nur Gorg. zu Liebe, und sie trennen sich wieder. Scene 13. Kaum ist Sg. nun wieder in Dienertracht zurück- gekehrt, so trifft er mit dem vom Pavillon kommenden Valere zu- sammen. Eben will er diesem auch seine zweite List erzählen, da erscheint Gorg. Valöre entflieht, Sgan. -Narcisse bleibt. Scene 14. Mit grosser Freude berichtet Gorg. dem Narcisse sofort, dass sein Bruder ihm verzeihen wolle. Da Gorg. aber der Aufrichtigkeit des Arztes nicht ganz traut, hat er sich in den Kopf gesetzt, dass die Versöhnung vor seinen Augen geschehen müsse. Damit nun Narc. nicht etwa aus Angst entflieht, schliesst ihn Gorg. in sein Haus ein; dann macht er sich auf, den Doctor zu suchen. Sgan. ist jetzt in grosser Verlegenheit. Wie soll er Arzt und Diener weiterspielen? Rasch entschlossen, springt er aus dem Fenster, um zunächst seine Arztkleidung zu holen, und dann sein Glück zu versuchen. Scene 15. Den sonderbaren Springer bemerkt jedoch Gros- Rene. Er wundert sich über ihn und beschliesst auf ihn aufzu- passen. — Es folgt nun mehrmaliges Ein- und Aussteigen durch's Fenster und schliesslich, als Gros-Ren6 auch seinen Herrn miss- trauisch gemacht hat, die Täuschung der beiden durch das fingierte Zwiegespräch und die geschickt gemachte Umarmung. Dann kommt der Arzt aus Gorgibus' Hause zurück, und zwar ohne seinen Bruder, weil er sich desselben schäme. (Je rCai pas vonlu que ce coquin soü descendu avec moi parce qu^ü me fait honte). Während Gorg. geht, auch Narcisse herauszulassen, wirft Sg. rasch die Arzt- robe bei Seite, steigt wieder ins Zimmer hinein und kehrt von da als Narc. mit Gorg. zurück. Aber inzwischen hat Gros -Rene die Arztrobe gefunden und wahrgenommen, dass Lucile und Valere entflohen sind. Das corpus delicti in der Hand, entlarvt er den vermeintlichen Arzt. Aber Sg. bewahrt seine Ruhe. Nicht einmal Gorgibus' Drohung: tu seras pendu, fourbe, coquin/ schreckt ihn. Er rät vielmehr, da ja Rang und Besitz gleich seien, das Geschehene anzuerkennen und zu verzeihen. Das sei das Beste. Untersuchungen zu Molidre^s Midecin mdlgre lui. 25 Scene 16. Als in diesem Augenblick das Liebespaar zurück- kommt und sich, um Verzeihung und Zustimmung flehend, Gorgibus zu Füssen wirft, sieht dieser auch ein, dass Sgan. recht hat. Er verzeiht, und alle ziehen fröhlich zum Verlobungsmahl. 7. Boursault's M6decin Volant. Mit Moli^re's Stück zeigt, wie schon ausgeführt wurde, der etwas jüngere Midecin Volant von Edme Boursault*^) (vom Jahre 1661) eine so weitgehende üebereinstimmung, dass er mit jenem zu einer Gruppe zusammengestellt werden durfte und musste. Nach Boursault's eigener Angabe^®) ist sein Med, Vol. die metrische ge- treue Uebersetzung eines italienischen Sujets, das schon vorher, sowohl in Prosa als in Versen, ins Französische übertragen worden sei und allenthalben mit Beifall gespielt werde. Trotz dieser Versicherung liegt in der That die Vermutung, Boursault's Einakter sei nichts als eine Versificierung des Moli^re'schen, nahe genug, undBoursault ist wirklich vielfach des Plagiats an Moliere beschuldigt worden. Wenn ich mit Despois^^) diese Annahme abweise, so veranlassen mich dazu nicht sowohl Despois' hauptsächlich aut Boursault's Charakter und seine Stellung zu Moliere basierten Argumente, auch nicht der Umstand, dass Boursault's Med. Vol. im ganzen Tone viel mehr an die Stegreifpossen erinnert als Moliere's Stück (das könnte ja eine Wiedervergröberung sein, die Boursault's ge- ringerer dichterischer Befähigung zur Last fiele); sondern es ver- anlassen mich dazu eine beträchtliche Anzahl Abweichungen Boursault's von Moliere, von denen ein Theil in bei Moliere fehlenden Uebereinstimmungen mit älteren Formen des „Dieners als Arzt** besteht. Erstens steht bei Bours. den Liebenden nicht von vornherein (wie bei Mol.) eine' Werbung von anderer Seite im Wege. Sie sind getrennt und behindert, weil der Vater (Fernand), auf seines Hauses Ehre eifersüchtig (cf. Lope), die Tochter (Lucrece) eingeschlossen hält. Zweitens deutet Lise, Lucrece's Dienerin, dem Verliebten das anzuwendende Mittel nur an, so dass er von selbst auf die Idee kommt, seinen Diener Crispin als Arzt verkleidet zu Lucr. zu senden. Drittens wird der Arzt nicht von Lise eingeführt (sie behandelt ihn sogar nicht bloss wie einen ganz Fremden, sondern verächtlich, wie einen Bettler, damit Fernand ja keinen Verdacht schöpfe), sondern der Arzt triflt, wie in Bartoli's Scenario, im Truf. und Arlecch., auf der Strasse mit Fernand zusammen, erregt dessen Aufinerksamkeit durch ") Abgedruckt beiFournel, Contempor. de Moliere. I, 103 — 126. Die Personen siehe Anlage DI. "®) In dem Avis au Lecteur, abgedruckt in Despois' Mol.-Äusg. N. E. 1,50. ") Omvr, de Mol. N. K 1,50. 26 Augtisl Kugel. lautes, gelehrt klingendes Selbstgespräch und wird daraufhin von ihm an- gesprochen und zu der Kranken gebeten. Viertens wird als Lucr.'s Leiden angegeben : eile sepiaint du venire, (cf. Äc, deM., Baxt.^^ Scenario, Trvf,^ Ärl.), während bei Mol. die Krankheit gar nicht genannt wird. Fünftens schreibt Crispin wirklich ein Recept (cf. Bart., ebenso wohl Trvf,\ während Sgan. bei Mol. es nur thun will. Sechstens ordnet Crispin ausserdem an, dass Lucr. nach vorn heraus schlafen solle. Die Entführung wird also hier etwas anders als sonst ermöglicht. Siebentens ist der Doctor, dessen Erscheinen Crispin in Verlegenheit setzt, ein wirklicher Arzt, den Fernand's ebenfalls nach einem Arzt gesandter Diener Philippin herbeiführt; von den 3 Fassungen dieses Eencontres die bestmotivierte und natürlichste. Endlich achtens weicht auch der Schluss von Mol. ab, indem Fern, zur Wiederbe- stellung seiner Ehre dem zurückgekehrten Liebespaar die Ehe zur Bedingung macht (cf. Lope). Wenn ich auf Grund dieser Abweichungen Boursault's Med. Vol. nicht als eine Versificierung und blosse Copie Moli^re's ansehen kann, so will ich damit doch nicht behaupten, dass Bours. nicht Entlehnungen bei Moli^re gemacht haben könnte. Ob man die Zusammendrängung des Stoffes in einen Akt als eine solche auffassen darf, wird besser unentschieden bleiben, da nichts die Auffindung eines italienischen einaktigen Vorbildes unmöglich erscheinen lässt. Uebrigens ist sie ein ganz äusserlicher, die Handlung kaum beeinflussender Kunstgriff, der (ja auch heute noch) häufig Verwendung findet. Man denke z. B. nur daran, dass der Dreiakter DAmour Mededn oft als Einakter gespielt worden ist. — Folgende Züge aus Boursault möchte man ihrem Wortlaut nach vielleicht für Moli^re in Anspruch nehmen: Boursault. sc. 7. Fern j'ay peur de satnort Crisp. . . . Elle a donc guel- gue mauvaü desseinj Puisgu'elle veut mourir sans au- cune ordonnance. sc. 12. Vita brevis, ars vero longa, occasio aiäem praeceps, Experimentum periculosumf Jtidi- cium difficile Mais peut-estre, Monsieur, je vous suis incommode. sc. 13. Fern. He hien, ce mededn, vous voyez comme il cause, Qu'en dites-vousf Crisp. / sgait quelque pe- tite chose. sc. 19. Fern. Jeveux qu'il te pardonne en ma propre presence. Moliöre. sc. 4. Gorg j'ai grand^peur Qu'elle ne meure. Sgan. Ah! gu'elk s'en garde bien! il ne faut pas qu'elle 8*a- muse ä se laisser mourir sans Vordonnance du mededn. sc. 8. Vita brevis, ars vero longa, occa- sio autempraeceps, experimentum periculosum, judidum diffidh . . Monsieur, j'ai peur de vous ^*r« importun. sc. 8. Gorg. Que vous semble de cet homme-läf Sganarelle: 11 sait quelque petite chose. . . . sc. 14. Gorg. ... je veux qu'il vous emr brasse en ma precence. TJntermchimgen zu Molikre^s Medecin mälgrS lui. 27 sc. 22. Philipin: 3fa foy^ ce sauteur est plaisant Mais il sort de chez notis, il n*a rien que je sgache; II taut pour Vepier gu*un moment je me cache. sc. 24. Crisp. . . J'ay fait defense au coquin de me suivre; J'en aurois de la honte. sc. 15. Gros-Ren«: Akt ma foi, voilä qui est dröle! comme diable on saute id par les fenetres! II faut que je demeure ici, et que je voie ä quoi tout cela aboutira. sc. 15. S g a n. ... Je n'ai pas voulu que ce coquin soit descendu avec moi^ parce qu'il me fait honte. Jedoch zwingend sind diese Uebereinstimmungen nicht (zur erstgenannten Stelle vgl. die Parallele im Ärl. Med. Vol. des Dominique, oben S. 21), und Boursault's Med. FoZ. ist trotz derselben jedenfalls als eine, zwar vielleicht hie und da von Moli^re beeinflusste, im Ganzen aber selbständige Bearbeitung eines italienischen Medico Volante zu erachten. Die Seite 23 hervorgehobenen Uebereinstimmungen mit Mol.'s Med. Vol. aber sind dahin zu erklären, dass beide Stücke zurück- gehen auf einen italienischen Typus, der dem Ärl. M. V. gegen- über, neben oder nach welchem er sich entwickelte, wiederum ver- einfacht war, in erster Linie durch mündliche Verabredung der List, Auftreten des „Arztes" ohne Begleitung, und Wegfall des Neben- buhlers sowie des Freundes des Liebenden. Dieser Typus erzeugte, wie es bei der Art der Fortpflanzung und Erhaltung der commedie improwise nicht anders zu erwarten war, leicht variierende Ver- sionen, die bald diese, bald jene älteren Züge festhielten. Hier ist die Vermittlerin noch mit der Kranken verwandt, dort ist sie nur mehr ihre Dienerin; hier wird der Nebenbuhler noch erwähnt, dort ist er ganz verschwunden, u. a. Eine Variante der zweiten Art hat Boursault, und zwar — warum sollten wir seiner Versicherung nicht trauen? — mit grosser Treue, eine solche der ersten Art Meliere, dieser aber, wie es seinem Genius entspricht, mit grösserer Selbständigkeit benutzt. Ist der Acero de Madrid Quelle und Urform der Gruppe: Diener als Arzt? Halten wir hier inne, um einen zusammenfassenden Rückblick auf die Geschichte des bisher nach den einzelnen Erscheinungs- formen besprochenen Stoffes : „Diener als Arzt" zu werfen, ehe wir uns zu seiner weiteren Benutzung durch Moli^re wenden. Die älteste Behandlung der Grundidee : „Erreichung des Liebes- zieles durch Simulierung von Krankheit und Beihilfe eines fingierten Arztes" fanden wir in Lope's Acero de Madrid. Ist dieser die Mutterform, die Quelle der jüngeren Behandlungen, die wir kennen lernten? Und: ist er auch die Urform? Auf diese beiden Fragen wird jetzt zu antworten sein. 28 Augtist Kugel, Die erste Frage darf, wie ich glaube, bejaht werden. Erstens sind die äusseren Bedingungen, die hierzu nötig wären, in vollem Masse gegeben. Schon seit Philipps 11. Zeit halten sich italienische Stegreiftruppen in Spanien auf.^^) Die regsten Beziehungen ver- binden auf dem Grunde politischen Zusammenhangs Italien und Spanien im 16. und 17. Jahrhundert überhaupt. So konnten die italienischen Komödianten den beliebten und erfolgreichen Äcero de Madrid, sei es in Italien, sei es in Spanien, sehr wohl kennen lernen. Und wenn sie ihn in Anerkennung der vis comica ihrem Repertoire einverleibten, so übten sie damit einen Brauch, den sie oft genug auf litterarische Komödien angewandt haben. Zur äusseren Möglichkeit kommt die Wahrscheinlichkeit aus inneren Gründen. Es ist nicht nötig, noch einmal die Details zu- sammenzustellen, welche gebieterisch fordern, alle Formen des „Dieners als Arzt" vom Äcero de Madr. abzuleiten. Nur einen Zug möchte ich noch hervorheben, der, bei Lope logisch und wohl- begründet, in den späteren Komödien nicht mehr recht verständlich ist und doch bewahrt wird, eben in seiner Beibehaltung eine treff- liche Stütze meiner Annahme. Mit der Simulation von Krankheit bezweckt Beiisa zunächst sich die Möglichkeit häufigen Zusammen- treffens mit Lisardo zu schaffen. Zu letzterem waren Spaziergänge nach den gerade damals in Mode stehenden Stahlquellen von Madrid die schönste Gelegenheit. Also wählt Bei. eine Krankheit, die den Gebrauch der Stahlquellen begründet, und ist deshalb magenleidend: opilada. Weshalb aber muss Eularia im Ärl. M. V. gerade opilee sein? Weshalb giebt Boursault als Leiden der Lucrece an: eile se plaint du venire? Weist das nicht zwingend auf den Äc d. M, zurück? — Und was die gra/oidanea der Lucinda bei Bart.^ der Isabella im Truf. anbetrifft, so ist sie doch unzweifelhaft desselben Ursprungs und eben nichts als eine absichtliche Vergröberung seitens der Commedia dell' Arte. Es genügt, die Veränderungen, welche die Gestaltung des Stoffes von Lope bis zu Moliere's Med. Vol. erlitten hat, im Ganzen zu überschauen. Sie sind ein konsequenter Prozess der Verein- fachung, dem das Streben der Commedia delP Arte nach energisch fortschreitender, straff zusammengefasster Handlung zu Grunde liegt. In die vereinfachten Formen aber mischt die Stegreifcomödie Possen- haftes und Unflätiges, teils als ganz neue Einschiebsel, teils als Umgestaltungen älterer Züge. Auch vergisst sie nicht mit ihrer Bühne zu rechnen, deren beschränkten örtlichen Verhältnissen gemäss sie die Handlung der Quelle ändert, und zwar um so lieber, wenn diese Aenderungen sich derbkomisch gestalten lassen, wie z. B. der 6») Cf. Bartoli, Scenari inediti .... Introd. CCXXIX. Untersuchungen zu MoUere's Medecin mälgre lui. 29 Fensterspriing. Eine solche Aenderung aus Bülinenrücksichten ist es auch, wenn die Liebenden nicht wie bei Lope verfolgt werden, sondern von selbst zurückkehren, und die Aussöhnung nicht im fremden, sondern im Hause des Vaters erfolgt. Auf die Namensgleichheiten oder Aehnlichkeiten lege ich kein Gewicht. Man kann mit ihnen nichts beweisen, weil in der Commedia dell' Arte bekanntlich die Personen derselben Comödie von Truppe zu Truppe mit den Darstellern meist auch die Namen wechselten, d. h. die (Theater-) Namen der Darsteller annahmen. Von Italien aus ist dann der „Diener als Arzt" mit der Comm. d. A. nach Frankreich und weiter gelangt, freilich nur für den- jenigen noch deutlich als Spross des Ac. d. M. erkennbar, der die Mittelformen von Lope bis Meliere und Boursault durchforscht. Schwieriger ist die Antwort auf die zweite Frage: „Ist der Äc. d. M. auch die Urform des Stoffes?" Nein, wenn wir letzteren auf die einfachste Cfrundidee^^) reducieren, nämlich : Erreichung eines Liebes-Zieles durch Simulierung von Krankheit. Nein, auch dann noch, wenn wir hinzufügen: und mit Hilfe eines Arztes. Denn wie sich diese Ideen noch heute im Leben bethätigen und iitterarisch verwendet werden, so haben sie natürlich auch zur Zeit Lope's und vor ihm im Lebengewirkt und in der Litteratur Verwendung gefunden. Viel- leicht dürfen wir Lope die Einführung des fingierten Arztes in die Liebesintrigue, und die Verwendung des Dieners als solchen zu- schreiben. Für den Diener aber hat natürlich der alte Dienertypus, der antike serimSy spanische criado^ italienische servo, Modell ge- standen. Trotzdem, meine ich, ist der Äcero de Madrid mit seinem echt spanischen Character und seiner dichterischen Vollendung als Ganzes original, ist er die Urform der Comödien vom „Diener als Arzt", die, wenn auch aus gegebenen Elementen, geschaffen zu haben das Werk Lope's ist. In der Anlage II habe ich meine Resultate in Form einer Tafel darzustellen versucht. — Erst nach dem Abschluss dieses *^) Diese nennt Mahrenholtz 1. c. 197 (s. oben S. 6) die List der Tochter des Geronte, von der er mit Recht sagt, sie sei: ein beliebtes Thema der Farce des 16. Jahrhunderts gewesen. Aber dieser Grundgedanke ist zu allgemein. Er ist ebensowohl auf den M. m. l als auf L'Amour Medecin, auf den Ac. d. Madr. und die Medecins Vol., auf Scarron's Jod. Duell, und dessen spanisches Vorbild No hay peor sordo que el que no quiere oir von Tirso de Molina, etc. etc. anwendbar. Er muss jeweils zur Aufklärung etwaiger Quellenverhältnisse durch spe- eifische Differenzen eingeschränkt werden. Eine solche wird zunächst die Art der simulierten Krankheit sein, und Mahrenholtz dürfte in seinen Worten wohl die Stummheit Lucinde's mitinbegriffen haben. Doch ist gerade für den M. m. l. dieser Zug unwichtig. Für ihn ist die ent- scheidende Differenz die Rolle des „Dieners als Arzt". 32 Augtist Kugel, gemeinen Elementen im M. m. h auch Details erscheinen, die Moli^re in der Form, welche sie im M. m, Z. haben, nnr in seinem MSd, Vol fand. Den genauen Nachweis des ans dem Med. Mol. Entlehnten setze ich noch aas, um später, was erst nach Untersuchung der anderen Quellenklasse möglich sein wird, gleich die Frage, wie Moli^re das vom Mid. Vol. Gebotene benutzte, mit erledigen zu können. So viel dürfte aber schon ersichtlich geworden sein, dass Despois, der zwar soviel sah, dass Meliere den M. F. für den M. m. Z. benutzt hat, doch irrt, wenn er bloss meint: H y a quelques phrases et quelques inddents de la premiere [sc. piece = Med. Vol.] qui nous sont conservSs dans le Medecin mälgre lui.^^) 11. Le Malade Imaginaire. Noch ist schliesslich des Mal. Im, zu gedenken ; auch in ihm tritt ja ein fingierter Arzt auf, Toinette. Aber er hat es nicht mit simulierter, sondern eben mit eingebildeter Krankheit zu thun, und seine Absicht ist nicht, den Liebeshandel der Tochter Argan's zu fördern, sondern Argan von seiner Einbildung zu heilen. Dieser fingierte Arzt ist nur mehr ein schwacher Nachklang des Med, Vol.y und zudem ist er für die Handlung des Stückes von geringer Be- deutung. Man könnte die Scene, wo Toinette als Arzt auftritt, streichen und das Stück würde nichts, was in ihm nötig ist, ver- missen lassen. Toinette selbst ist sozusagen eine Mischung aus Sabine {Med. Vol,\ Jacqueline (M. m. l.) und Lisette {Am. Mid,) einerseits, dem „Arzte** Sganarelle andererseits. Vgl. Med. vol. 1;4 mit Mal, Im, 1,10, 11,1 ;2; Am. Med. 111,6, Mal. Im. 11,3; 6. b. Die Gruppe: Arzt aus Zwang. Als das andere Element, das zum Med, m. lui als Hauptquelle beigetragen habe, ohne dass sich jedoch eine seiner Erscheinungs- formen ganz mit ihm deckte, bezeichnete ich eine Gruppe von Er- zählungen mit dem Grundgedanken: „Einer wirklichen Krankheit tritt eine Person, die nicht von Beruf Arzt ist, gegenüber und erzielt wirkliche Heilung.* Diese ganz allg. Fassung, zu der die Verschiedenheit der unter sie fallenden Erzählungen nötigt, bedarf näherer Bestimmung, um in Bezug auf den M. m. l, verständlich zu werden, enthält letzterer doch weder eine wirkliche Krankheit noch eine wirkliche Heilung. Sie wird verständlich, sowie man sich des Titels der Moliöre'schen Komödie und der starken Betonung, die das Fableau du Vilain Mire bisher in der Qaellenfrage gefunden hat, erinnert. Es fallen nämlich unter die allg. Fassung auch Formen, ^®) cf. Oeuvres de Mol p. p. Despois. N. E. 1,12; vgl. auch 1,60; VI,17. Untersuchungen zu Meliere'' s Medecin mdlgi'e lui. 31 leme Baiidesgenossui zur Seite. Sie ist es, die Clitandre anf die Idee bringt, als Arzt verkleidet sein Glück zu versuchen, und die ihn als solchen bei Sgan. einführt, Züge, die m. E. mehr an den Med. Vol. Moli^re's als den Äc. de M. erinnern. Erwägt man dazu die Ersetzung des Dieners durch den Liebhaber selbst, die Ein- führung der wirklichen Doktoren, die ganz neue „glückliche Lösung" durch die angeblich nur fingierte, in der That aber giltig vollzogene Vermählung Clitandre's mit Lucinde, so wird man L'Amour Medecin als eine selbständige Ausgestaltung des Grundgedankens durch Meliere, mit dem Med. Vol. als Basis, aufzufassen geneigt sein. Letzteres bestätigen auch Einzelzüge und -Wendungen, die schon im Med. Vol. vorhanden, in L'Am. Med. ebenfalls verwandt • sind (und zum Teil auch im Med. m. lui erscheinen); vgl. z. B. 111,2 Lisette zum Dr. Tom^s: Un insolent . . . qui, sans votre or- donnance, vient de tuer un komme, mit Mol. Med. Vol. 4, Med. m. l. 11,6 (auch Bours. sc. 7 und Dom.'s Ärl. m. v. I). Vgl. femer (111,5) das Betasten von Sgan. Puls (Clitandre, tdtant le pouls ä Sgan.: Votre fiüe est bien malade. Sgan. Vous connaissez cela icif Clit. Oui, par la Sympathie quHl y a entre le pere et la fille) mit Mol. Med. vol. 4 (auch Bours. sc. 11 und Dominique's Arl. m. v. I). Direkt vorbildlich für den Med. m. lui (und zwar in,6) ist von IjAm. Med. wohl nur 111,6 gewesen, in der Art nämlich, wie Lisette es den Liebenden möglich macht, sich zu verständigen, und wie der „Arzt" den Vater Lucinde's veranlasst, ihm die Anwendung seines unfehlbaren Mittels bei der in ihren Liebesgedauken hart- näckigen Kranken zu erlauben. 10. Le Medecin malgre lui. Im Ganzen haben L'Am. Med. und M. m. l. nur die Grund- idee gemein, in deren Gestaltung sich der M. m. l. nicht sowohl An L'Am. Med., als durchaus an den Med. Volant anschliesst. Die Liebesintrigue des M. m. l. ist ganz die des Med. Vol. Die Tochter, welche, dem unerwünschten Freier zu entgehen, Krankheit simuliert; der Arzt, der mit ihrem Liebhaber unter einer Decke steckt und den Liebenden zur Flucht verhilft; die Ent- larvung des Arztes; die Eückkehr der Liebenden nnd die Aus- söhnung mit dem überlisteten Vater kehren zwar in allen Medecins Volants wieder. Dass Meliere sie aber für den Med. m. lui aus seinem Med. Vol. entlehnt hat, dieser also die direkte Quelle des M. m. l. ist, wird erwiesen dadurch, dass neben jenen all- meinsamen Grundgedanken*' viel zu vag, wenn er ihn dahin bestimmt, dass eine Lieheskranke durch Vereinigung mit dem Geliebten geheilt wird. Er hätte wenigstens hinzufügen müssen, dass die Liebeskranke ander- weitige Krankheit simuliert. Aber auch dies gentigt noch nicht, Abhängig- keit des einen Stückes vom andern zu erweisen, siehe Anmerkung 53. 32 Augtist Kugd. gemeinen Elementen im M. m. l. auch Details erscheinen, die Moli^re in der Form, welche sie im M. m, Z. haben, nur in seinem Med, Vol fand. Den genauen Nachweis des aus dem Med, Mol. Entlehnten setze ich noch aas, am später, was erst nach Untersachung der anderen Qaellenklasse möglich sein wird, gleich die Frage, wie Moli^re das vom M^. Vol. Gebotene benatzte, mit erledigen zu können. So viel dürfte aber schon ersichtlich geworden sein, dass Despois, der zwar soviel sah, dass Möllere den M. F. für den M. m. Z. benutzt hat, doch irrt, wenn er bloss meint: B y a quelques phrases et quelques inddents de la premiere [sc. piece = Mid. Vol.] qui nous sont conserves dans le Medecin mälgre lui,^^) 11. Le Malade Imaginaire. Noch ist schliesslich des Mal. Im. zu gedenken ; auch in ihm tritt ja ein fingierter Arzt auf, Toinette. Aber er hat es nicht mit simulierter, sondern eben mit eingebildeter Krankheit zu thon, und seine Absicht ist nicht, den Liebeshandel der Tochter Argan's zu fördern, sondern Argan von seiner Einbildung zu heilen. Dieser fingierte Arzt ist nur mehr ein schwacher Nachklang des Med. Vol.y und zudem ist er für die Handlung des Stückes von geringer Be- deutung. Man könnte die Scene, wo Toinette als Arzt auftritt, streichen und das Stück würde nichts, was in ihm nötig ist, ver- missen lassen. Toinette selbst ist sozusagen eine Mischung aus Sabine {Med. Vol.\ Jacqueline (M. m. l.) und Lisette {Am. MSd.) einerseits, dem „Arzte** Sganarelle andererseits. Vgl. Med. vol. 1;4 mit Mal Im. 1,10, 11,1 ;2; Am. Med. 111,6, Mal. Im. 11,3; 6. b. Die Gruppe: Arzt aus Zwang. Als das andere Element, das zum Med. m. lui als Hauptquelle beigetragen habe, ohne dass sich jedoch eine seiner Erscheinungs- formen ganz mit ihm deckte, bezeichnete ich eine Gruppe von Er- zählungen mit dem Grundgedanken: „Einer wirklichen Krankheit tritt eine Person, die nicht von Beruf Arzt ist, gegenüber und erzielt wirkliche Heilung.* Diese ganz allg. Fassung, zu der die Verschiedenheit der unter sie fallenden Erzählungen nötigt, bedarf näherer Bestimmung, um in Bezug auf den M. m. l. verständlich zu werden, enthält letzterer doch weder eine wirkliche Krankheit noch eine wirkliche Heilung. Sie wird verständlich, sowie man sich des Titels der Moliöre'schen Komödie und der starken Betonung, die das Fableau du Vilain Mire bisher in der Quellenfrage gefunden hat, erinnert. Es fallen nämlich unter die allg. Fassung auch Formen, VI,17. ") cf. Oeuvres de Mol p. p. Despois. N. E. 1,12; vgl. auch 1,50; Untersuchungen eu Molidre*s Medecin mälgrS lui, 33 in denen der „Arzt** gezwnngen wird, als Arzt zu fungieren; ja, sie sind die wichtigste Variante und deshalb habe ich die ganze Gruppe nach ihnen genannt. Eine solche Form hat aber den M» m, l. ohne Zweifel stark beeinflusst. Festzustellen, welche das gewesen ist, und wie Moli^re sie benutzt hat, ist das eine Ziel, dem die Untersuchung dieser Gruppe zustrebt; die Aufhellung der Geschichte der Gruppe ist das andere Ziel. Auf welche Züge in den einzelnen Versionen dabei besonders zu achten ist, ergiebt folgende Zusammenstellung: Die Krankheit ist gewöhnlich ein Halsleiden. Die Person des Kranken wechselt; meist ist es ein junges Mädchen. Der „Arzt^ heilt zumeist durch Lachen. Sein eigentlicher Beruf wird verschieden angegeben. Er tritt selten freiwillig (aus Geldgier), meist unfreiwillig als Arzt auf. Im letzteren Fall hat ihn eine dritte Person (ihr Motiv ist fast immer Bache; einmal Geldgier?) als Arzt ausgegeben, und er lässt sich nun entweder durch Zureden bestimmen, als Arzt zu fungieren, oder er muss (dies die speciell für den M. m. l, wichtige Form) durch äussere Mittel (Prügel) dazu gezwungen werden. Häufig tritt zur Heilung durch Lachen noch eine zweite. Sie wird durch Furcht erzielt, ist aber nur eine angebliche. Beide Heilungen treten auch als selbständige Erzählungen auf.'^) Die an- geführten Züge aber vermischen sich, wie es bei einem verbreiteten und beliebten Stoff nicht anders denkbar ist, mit einander wie mit anderen Elementen und gestalten sich mannigfach um. Folgende Erzählungen zur Gruppe „Arzt aus Zwangt sind mir bekannt geworden: a) Orientalische Form: 1. Die 40. Erzählung der QükasaptatL ß) Occidentalische Formen: a) im westlichen Teil des Occidents: 2. Das Fäbleau du Vilain Mire. 3. Die Version der Compüatio singtdaris exemplorum. 4. „ „ des Jacques de Vitry. 5. „ „ der Mensa phüosophica, 6. „ „ des Nicole Bozen. 7. Die Grillo-Versionen. 8. Die Version des G. Beuchet. 9. Straparola V, 1. — Derbask. ^Bodefm,^ — Belphegor. ^) An! die zweite Heilung ist, da sie im M, m. l. nicht mit er- scheint, im Text fast nur da eingegangen, wo sie mit der ersten zusammen auftritt. Für ihre selbstdg. Formen vgl. man die Anlage I: „Zur 3. Episode des Vilain Mire." Ztschr. f. frz. Spr. n. Litt. XX^ 3 34 August Kugel. b) im östlichen Teil des Occidents: 10. Das lit. Märchen „vom Häusler, der ein Doktor ward.^ 11. Die Version des Olearius. Folgende Versionen angeblich gleichen Inhalts konnte ich nicht erlangen: 1. eine rnss. volkst. Erzählung/*) cit. v. Eaynand, im Eecueil general . . des fäbliaux III, 379. 2. eine Version des Grotius, cit. v. Bret u. a.'*) 3. einen Medico a pcdoSy cit. v. Ticknor, Gesch. der schön. IM. in Spanien, dtsch. von Jnlins, II, 579.'') •*) Die Vers, soll nach Raynaud im Figaro vom 27. Mai 1877 erschienen sein, war jedoch weder hier, noch überhaupt in den Jahrgg^ 1876. 77. 78, die Herr A. Maire, Bibliothekar an der Sorbonne, für mich durchzusehen die Güte hatte, zu finden. Da auch der von Baynaad 8. Zt. {Bomania Bd. VIH) angekündigte Aufsatz Les fahleaux frangais dans la litt, popül. russe m. W. nicht erschienen ist, muss ich mich bei jenem negativen Resultat der Nachforschungen bescheiden. •') M. W. weist zuerst M. Bret {Oeuvr. d. Mol. p. p. M, Bret, P. 1773, t. IV, p. 3) auf eine dem M. m. l. stoSverwandte ,relation du fameux Grotius' hin. Le Grand d'Aussy {Fahl. 1779. I, 410; 1829 in, 12), Le Clerc, Bist. litt. XXni, 179, Dunlop-Liebrecht, Prosa- dicht, p. 207, u. a. wiederholen diese Angabe einfach. Nur spricht Le Clerc wenigstens von einem .docte ouvrage latin' des Grotius. Gemeint ist wohl Henricus Grotius. Oder Luigi Groto? — Ich habe die Bei. aber weder beim einen noch beim andern finden können. •^) Am angegeb. Orte meint N. H. Julius (oder F. Wolff?) in der Anm. 5, Mol. habe im M. m. l. neben dem Äcero de Madrid noch einen älteren (also vor 1603 vf.?) „Medico a pälos'^ benutzt, entw. direkt oder indirekt durch einen auf dem Th6ätre de la Foire aufgeftlhrten Midecin Volant, „der eine Nachahmung dieses Medico a palos gewesen.'' Wilke {Ce que Mol. doit aux anc. poet. frg., p. 10) hat nach diesem Med. a palos eifrig, jedoch vergeblich gesucht, scheint aber trotzdem Julius^ Ausgabe als richtig anzusehen. Ich habe die bibliogr. und litterarhist. Hilfsmittel nochmals nach dem Med. a palos durchforscht. Es war ebenso vergeblich, wie auch meine Anfragen bei Bibliotheken nur verneinend beantwortet werden konnten. Ich glaube aber bis zum Beweis des Gegenteils einen Irrtum von Julius annehmen zu dürfen. Julius hat wohl Moratin^s Pseudonyme Bearbeitung des M. m. l. unter dem Titel: „^ medico a palos^ eben nur nach dem Titel gekannt, für ein altes Stück gehalten und zu schnell als ,Quelle Moli^res* angesetzt. [Moratin's Bearbeitung ist betitelt: El Medico a Palos ^ comedia por Inarco Celenico (= Moratin), imitada de Meliere: El Medico per Fuerza. Madrid 1814. — Nouv. [fed. Bordeaux 1836. — Auch in den Oeuvr. de Moratin, Paris, Baudry, 1838. Vgl. Lacroix, Bihl. itfoi.« No. 619]. In meiner Annahme bestärkt mich die eigentümliche Zusammenstellung des Med. a Palos mit einem Med. Volant. Sie scheint mir eine ähnliche Verwechslung wie die erwähnten Le Clerc'schen Vermengungen von Arlecchino Medico Volante und Lavoratore Grillo, sowie von Äcero de Madrid und Vilain Mire. Untersuchungen zu Moliere's Mededn mcUgre lui. 35 a« Die orientalische Form. 1. Die 40. Erzählung der Qnkasaptati. Die 40. Erzählung der Quk. ist die älteste Form der Gruppe ,Arzt aus Zwang." Benfey, der sie zuerst dem Vilain mite näherte und für die Quelle des Schwankes vom Arzt wider Willen erklärte,'*) kannte sie nur aus Galanos^ neugriech. Uebersetzung eines neuind. Papageienbuches.*') Wenigstens ist die Erzählung, die er gibt, nur eine Uebertragung des Galanos'schen Textes ins Deutsche. Erst neuerdings ist von R. Schmidt ein Sanskrittext der Quiz, und eine Uebers. desselben ins Deutsche veröffentlicht worden. ••) Es sei ge- stattet, die Erz. der Quk, hier in Schmidt's Uebersetzung der alten Sanskritform zu reproducieren.*') „^s giht eine StacU namens Pancapura. Dort lebte ein König namens Qatrumardana. Seine Tochter Madanarekha bekam am Hälse ein Geschunlr und wurde von den Aerzten als unheilbar auf- gegeben. Da Hess der König unter TrommelschaU bekannt machen: Wer au>ch immer meine Tochter heilte den wiU ich reich machen. Das hörte die Frau eines Brähmanen, die aus einem anderen Dorf gekommen war, und berührte die Trommel. Nachdem sie die Trommel berührt hatte, sprach sie: Mein Mann ist ein Beschwörer, der wird die Königstochter gesund machen. Da umrde er von den Leuten des Königs herbeigeholt, und une er hingeführt umrde, sagte die Frau: Herr, gehe (getrost) in die Stadt; wenn du die Königstochter gesund machst, ujird dir reicher Löhn werden. [Wie soU er nun bestehen, da er, in den Kreis getreten, Zaubersprüche u. s. w. nicht kanntet So lautet die Frage. Der Papagei gab die Antwort:] Als der Be- schwörer atle Ceremonien eines Acarya vollzogen hatte, sprach er folgenden Zauberspruch: Woher sollte ich ein Heilmittel wissend Mich drückt selbst das Unglück. Qeniesse das Glück deiner guten Thaten •«) •*) Pantschatantra, Lpz. 1859, I. 515 ff. vgl. oben S. 4. Benfey selbst erkannte aber schon richtig, dass die 40. Erz. der Quk. die Ver- kürzung einer älteren Form sein muss. w) WiTTaxov fivd'oXoyiav vvxrsQivalj angefügt an Galanos* Hito- padesaübers (hsg. von Typaldos, Athen 1851). *•) Abh. f. d. Kunde d, Morgenl.^ hsg. von Windisch, Bd. X, No. 1: Die Quk, (Textus simpUdor) hsg. v. R. Schmidt. Lpz. 1893. — Die Quk., übs. von R. Schmidt (Text simpl), Kiel 1894. ") Die guk. übers, von R. Schm., S. 59. — Die Erzählung soll Prabhavati als Beispiel der Geistesgegenwart dienen; der Papagei be- ginnt sie : Becht ist es, Herrin, d(i88 Du gehst, falls Du, dorthin gelangt, in der Verlegenheit etwas Ordentliches zu sagen weisst wie der Brahmane.'^ ^) Die Worte der ,Beschwörung^ eine lückenhafte und zusammen- hangslose Beschreibung einer üppigen Waldscenerie, lasse ich weg. 3* 36 August Kugel. AU der Brahmane so sprach, lachte die Königstochter, und infolge der hastigen Bewegung hei dem Lachen ging das Halsgeschwür auf\ dadurch ward der K(hftigstochter wohl. Der Brahm. wurde von dem Herrscher zufrieden gestellt und ging in seine Wohnung.'^ Galanos^ Fassang unterscheidet sich hiervon nur dnrch be- deutungslose Abweichungen, wie sie das Fortleben der Erzählung' mit sich bringen musste, z. B. hie und da ein breiteres Ausmalen. Die Orient. Erzählung bietet also, mit dem abstrahierten ,Kem' übereinstimmend: Heilung einer Person (Königstochter) von wlrkl. Krankheit (Halsgeschwilr) durch einen Nichtarzt (Brahm.), der von einer dritten Person (seiner Frau) als Arzt ausgegeben und aufzutreten veranlasst wird und die Kur vollbringt (das Geschwür durch Lachen platzen macht). Stimmt sie soweit, wie wir sehen werden, auch zur Mehrzahl der occident. Fassungen, so weicht sie von diesen in zwei wichtigen Punkten ab. Das Motiv der Frau scheint Geldgier zu sein, und der Mann lässt sich durch Zureden bestimmen, den Arzt zu spielen. Ob die Orient, und die occident. Erzählungen nicht trotzdem identisch sind, kann erst nach genauer Feststellung aller Ueberein- stimmungen und Verschiedenheiten zur Entscheidung kommen. Doch seien schon hier die Momente angeschlossen, die sich aus der Ge- schichte der Quk., soweit diese bekannt ist, für oder gegen die Wanderung der Erzählung vom Orient zum Occident ergeben. Von den nicht sehr zahlreichen Sanskritmanuskripten der guk., die man kennt und die E. Schmidt in einen Textus simplicior und einen Textus omatior scheidet,'^) enthält nur der T. S. unsere Erzählung.'**) Wie der ganze T. S. in seiner für derartige Sans- kritwerke auffälligen Kürze und Schmucklosigkeit sich als Auszug aus einem umfangreichen Werk charakterisiert, so ist sicher auch die 40. Erz. der (7uA;. aus einer ausführlicheren Form zusammenge- strichen (vgl. Anm. 64). In Indien hat diese verkürzte Form fortgelebt und ist noch (vgl. Galanos) in den neuind. Papageienbüchern enthalten. Nach Benfey's Annahme {Pantsch. I, 515) wäre nun die 40. Erz. der Quh, „wohl unzweifelhaft in das [für uns verlorene^] äUeste persische Tutinameh übergegangen,*^ das bekanntlich für Benfey das grosse Sammelbecken mehrerer oriental. Erzählungsströme ist, dem „der Occident die Mehrzahl seiner NoveUen- u, ä. Stoffe verdankt^ ,'^^) ••) R. Schmidt, 4 Erz. aus der Quh. (Diss.) Kiel 1890. S. 9. '<>) Vgl. die Tabelle in R. Schmidts Ausg. der Quk., S. VIII. IX. Uebrigens fehlt sie danach auch in einer allerdings sehr schlechten Hs. (P) des T. S. ") Pantsch. I 26. Vgl. auch Benfey, GöU. Gel. Am. 1858, 1, 553 ff. und Pertsch, Z. d. D. M. G. XXI, 515. Untersuchungen zu Mölih'e's MSdecin mcdgre lui. 37 und ans diesem wäre sie nach dem Occid. gelangt. Bis die Auf- findung oder die Eekonstmktion des ersten pers. Pap.-Buches ge- glückt ist, bleibt Benfey's Annahme natürlich Hypothese. Sie würde sehr an Wahrscheinlichkeit gewinnen, wenn die jüngeren, uns erhaltenen Papageienbücher, die von jenem anscheinend ver- lorenen abstammen, die 40. Erz. der Quk. noch enthielten. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Erz. fehlt vielmehr ebenso im 2, pers, Tüttndmeh des NachschaM wie im Tütinämeh des türk, Anonymus und in der 3. pers. Bearbeitung des Pap.-Buches durch KadirL Ungleich KcUüäh und Dimnah und anderen Werken Orient. Erzählungskunst hat die Quh,^ so viel man bis jetzt weiss, im Mittelalter üeberführung in den Occid. durch eine Gesamtübersetzung oder -Bearbeitung nicht erfahren. Trotzdem finden sich schon im Ma. Stoffe, die auf die Quh, zurückgehen, ja selbst Benutzung ihres Rahmens,^^) so dass ihr Einfluss auf die occid. Litt, des Ma. nicht zu bezweifeln ist. Ebenso ist sicher, dass sie auf die östlichen litteraturen Einfluss geübt hat. Selbst wenn man also von der trotz B6dier'8 Angriffen feststehenden beträchtlichen Wanderung Orient. Stoffe überhaupt in den Occid. ganz absieht, die doch, was für einige Erzählungen bewiesen ist, auch für andere anzunehmen erlaubt, selbst dann ergibt die Geschichte der Quk, allein noch, dass die 40. Erz. recht wohl wie ihre Schwestern nach dem Orient hätte wandern und dort neue Formen gebären können. Freilich vermissen wir noch heute wie s. Zt. Benfey den Nachweis schriftlich fixierter Formen aus dem langen Zeitraum, der die Quk, von den Versionen des XIII. Jh. trennt. ß. Die occidentalischen Versionen des Arztes aus Zwang, a. Im westlichen Teil des Occidents. Von den occident. Versionen (die Erz. der Quk. ist, abgesehen von ihrer neoind. Fassung und deren Uebertragung, bis jetzt die einzige bekannte Orient. Form) reicht nämlich keine über das XIII. Jahrh. zurück. In diesem erscheinen jedoch, was sehr zu beachten ist, gleich drei Versionen: das Fdbleau du Vilain Mire^ die Er- zählung der Compilatio Singularis JExemplorum von Tours und das Exemplum des Jacques de Vitry. Ausser der zeitlichen Nähe haben diese drei Versionen zwei wichtige, sie von der Quk. scheidende, dem M, m. l. aber annähernde Züge gemein: dass näm- lich Eache für empfangene Prügel das Motiv ist, weshalb die Frau ihren Mann als Arzt ausgibt, und dass der Mann ihrer Bache ver- fällt, d. h. ebenfalls geprügelt werden muss, ehe er als Arzt ") cf. Landau, Quellen des Dekameron^ 89-- 97. ^) cf. Jülg, Mongöl. Märchen, 1868, p. IX. X. XV. »*) in „Les Fabliaux^ P. 1893. 2me ]g;d. 1895. 38 August Kugel. fangiert, dass er also „Aizt ans Zwangt ist. Zwei von ihnen, das FäbL und die Compü. Sing., haben wie die Qük, die kranke (hals- leidende) Königstochter, die dnrch Lachen geheilt wird, fügen aber an die erste noch eine zweite, nnr angebliche Heilung durch Furcht. Jacq. de Vitry hat als Kranken den „König*, aber weder Krank- heit noch Heilung werden geschildert. Seine Exempelsammlung enthält die IL Heilung auch, aber von der ersten getrennt als selbständige Erzählung. Mit seinem „König als Kranken^ steht J. de Vitry der Qük. jedenfalls ferner als die beiden anderen Fassungen aus dem XIII. Jh. Ich stelle ihm dieselben deshalb voran. 2. Das Fableau du Vilain Mire. Von den beiden Formen: FM. und Compü, Sing, ist das Fableau die ausführlichere und, wie ich glaube, auch die ältere. So lange und oft als direkte Quelle des M, m. l. angesehen, er- fordert der Yüain Mire eingehende Berücksichtigung. Trotzdem das Fahl, selbst nicht schwer zu erlangen ist, gebe ich seinen In- halt hier noch einmal ausführlicher wieder, um schnelles Vergleichen nach vor- und rückwärts zu ermöglichen. Man thut gut, dabei mit Crane {Exempla of J, de Vitry, London 1890, p. 282) das Fahl, in 3 Episoden zu teilen, deren erste den Zwist der Eheleute und die Bezeichnung des Mannes als Arzt, deren zweite die erste Heilung, deren dritte die zweite Heilung umfasst. (Die Quk. würde, analog betrachtet, Epis. 1 und 2 enthalten). Der Inhalt des Fabl. ist nun folgender:") 1. Episode. Ein reicher, aber geiziger Bauer heiratet auf Drängen seiner Freunde die Tochter eines armen Edelmanns, die ihn zwar nicht gern, aber der guten Versorgung wegen doch ohne '6) Hss: A. — Paris, B. N.. f. fr. 837. — J5. — Bern No. 354. — C. Brit. Mus. ms. Hamilton 257. fol. 11 d— 13 c. A stammt aus d. Ende des XIIL Jh. cf. P. Paris, les man, fr, de la Bihl, du Bot, T. VI (1845), p. 404. B. steht in einem im 13. u. 14. Jh. geschr. Sammelbd., der im Bes. des Henricus Stephanus war, vgl. Sinner, Catal. codic. msc, Bihl. Bern. HI (1772) p. 375. Zu C. vergl. Montaiglon-Raynaud, Becueü gin. des fabl. VI, 274. Ausgaben: Barbazan, Fäbl. et Contes . . . P. 1756. II. M6on, Fabl. et Contes . . P. 1808. III 1—13. Le Grand d'Aussy, Fabl. ou Contes . . . P., Renouard, 1829. III. App. 1 — 5. Montaiglon et Kaynaud, Bec, gin. et compl. des fabl. T. in (P. 1878.) p. 370—378. Mahrenholtz' Angabe, der Vil. Mire seJL 1581 zu Paris gedruckt worden, ist irrig, vgl. oben S. 2, Anm. 9. — Ich citiere nach dem Druck des Vil. Mire bei Mol and, Oeuvr. de MoU VIII 83—91. Analysen: bei Le Grand d'Aussy, Fabl. 1829. m 1— 11. Hist. litt. XXm. 196/7. Benfey, PanUch. l. § 212. S. 515 S. (diese nach Le Grand d^Aussy; Bf. fasst aber Braie im Nebentitel: Le Mededn de Braie irrtümlich als Ortsnamen auf). Laun, Mol. mit dtsch. Comm. IX, 4. 5 (sehr kurz) u. a. Untersuchungen zu MoUdre^s Medecin mälgre luL 39 langes Sträuben nimmt.'®) Kurz nach der Hochzeit will der Bauer, wie er's trotz seines Reichtums stets gethan, wieder aufs Feld gehen und dort wie früher den ganzen Tag arbeiten, Da fällt ihm bei, dass die junge Frau, in ritterlichen Sitten und Unsitten aufge- wachsen, seine Abwesenheit wohl dazu benützen würde, sich mit irgend einem yVassdl^ oder auch dem yChapelain^ die Zeit zu ver- treiben. Um ihr das zu verleiden, verfällt er auf ein seltsames Mittel: »Ich prügele sie des Morgens, ehe ich fortgehe, dann weint sie tagsüber und denkt nicht an Liebeleien. Des Abends bitte ich sie um Verzeihung, und sie wird dann schon wieder freundlich zu mir sein.** Gedacht, gethan. Wie nun aber am zweiten Tage die Frau weinend daheim sitzt, erscheinen zwei Königsboten, an ihren weissen Rossen als solche kenntlich, grüssen sie, steigen ab und erbitten Speise und Trank, Freundlich bewirtet, erzählen sie der neugierigen Frau, sie wären auf dem Wege nach England (passer devons en Engleterre, 142),") um dort nach einem Arzt für die Königstochter, Demoiselle Ade, zu suchen. Der sei eine Fischgräte im Halse stecken geblieben, so dass sie weder essen noch trinken könne. Da kommt der Frau der Gedanke: „Das ist ja eine herr- liche Gelegenheit, deinen Mann auch einmal fühlen zu lassen, wie Prügel thun!" Ihr Plan ist schnell gefasst und wird sofort ins Werk gesetzt. „Den Weg nach England könnt ihr euch sparen," sagt sie den Boten. „Denn ihr habt's gut getroffen. Mein eigener Mann ist ein fions mires' (154), der ^certes . . scet plus de micines et de vrais jugemens d'orines gm onques ne sot Ypocras^ (155 — 157). Aber er hat die Eigentümlichkeit, seine Kunst nur auszuüben, wenn er durch Prügel dazu gezwungen wird. Ihn nehmt mit euch." Natürlich sind die Boten froh über diese rasche Beendigung ihrer Reise und gern bereit, den Bauer so viel als nötig zu prügeln. Nach der Anweisung der Frau haben sie den vermeintlichen Arzt bald bei seinem Pfluge gefunden. Sie begrüssen ihn respektvoll und fordern ihn auf, seine Kunst bei Ade zu erweisen. Als er erstaunt und heftig versichert, kein Arzt zu sein, bringen sie ihn schnell durch Prügel zum Schweigen und führen ihn dann auf ihren Rossen mit zum König. 2. Episode. Aber auch vor dem König bleibt der Bauer, freilich zitternd und zagend, bei der Behauptung, kein Arzt zu sein: „De fisique ne sai rien^ (220). Von neuem geschlagen, verspricht er endlich, die Königstochter zu heilen. Man führt sie ^et tainte '*) lieber die Geschicklichkeit, mit welcher der Trouveur den Schwank besonders in dieser Einleitung zeitgemäss gestaltet, äussert sich treffend Benfey, Panisch. I, 517. 518. ^^) Laun, 1. c. p. 4, macht aus ihnen irrtümlich Boten des Königs von England. 40 Augti^ Kugel, et pale* (230) dem ,Arzte* zu, der verzweifelt nachsinnt, wie er sie kurieren könnte: ,Quar il sgait bien que ä garir li convient ü ou ä mourir: (223/4). Znm Glück fällt ihm ein Mittel bei: „Dn mnsst die Königstochter zu heftigem Lachen bringen, dann wird die Gräte, die ja nicht tief gedrungen ist, ihr aus dem Halse springen, und sie geheilt sein." Er lässt nun ein grosses Feuer anzünden, setzt sich, nachdem alle, auch der König, sich entfernt haben, da- neben, entkleidet sich und beginnt sich aus Leibeskräften zu kratzen (schlimmer als die Leute von Samur, 256/7). Darüber muss Ade auch so lachen, dass die Gräte aus ihrem Halse bis ins Feuer springt. Triumphierend trägt nun der Bauer die Gräte zum König, der ihn reich beschenkt und in seine Dienste zu nehmen wünscht. 3. Episode. Der Bauer will jedoch aus Sorge um sein Haus- wesen nicht bleiben. Durch nochmalige Prügel dazu bewogen, hofft er wenigstens von weiteren Proben ärztlicher Kunst verschont zu werden. Aber schon haben die Kranken des Landes von der Wunderkur gehört. Mehr als achtzig, kommen sie wehklagend und Heilung erflehend zum König. Der befiehlt natürlich dem Wunder- doktor, sie zu heilen, und jetzt genügt schon die Drohung erneuter Prügel dazu, die Zustimmung des Bauern zu erlangen. Er heisst wiederum ein grosses Feuer im Saale anzünden und den König und alle Gesunden sich entfernen. Dann wendet er sich also zu den Kranken: „Euch alle zu heilen ist nicht leicht. Es geht nur, wenn ich den Kränksten von euch in diesem Feuer zu Asche (Pulver) verbrenne und diese die andern einnehmen lasse, die dann sofort geheilt sein werden." Aber als er nun daran geht, den Kränksten auszusuchen, ist keiner, der — und sei's ^por Normendie^ — zugäbe, der kränkste zu sein. Vielmehr behauptet jeder, wieder ganz ge- sund zu sein, und folgt gern dem barschen Gebot des Arztes, sich dann zu scheeren. Auch dem König, der an der Thür des Saales wartet, versichern alle, geheilt zu sein, und in kurzem ist der Saal geleert. Hoch erstaunt über des Arztes seltene Kunst, beschenkt ihn der König wieder aufs reichste und lässt sich von ihm ver- sprechen, ihm auch ferner Arztdienste zu leisten. Dann nimmt das Bäuerlein Urlaub und kehrt heim, geheilt von Geiz und Eifersucht und, dank der Kache seiner Frau, die er von jetzt ab nur liebevoll behandelt, wie dank seiner Schlauheit und Geistesgegenwart zum berühmten Arzte geworden: Äinsi cHa com je vous di: Par sa fame^ et par sa voisdie Fu hons mestres, et sans clergie. (390—392). Untersuchungen zu Moliere^s Medecin malgre luL 41 Es erweisen sich hiernacli der Vü, Mire und die 40. Erz. der Quk. von grosser Aehnlichkeit. Wirklich verschieden ist das Fäbl. von letzterer durch die Züge ,Kachemotiv' und ,Arzt aus Zwang', sowie durch die Anhängung der 3. Episode und natürlich die land- und zeitgemässe Umgestaltung. Die anderen Abweichungen (Geschwür im Hals, Qük, — Gräte im Hals, Fablr, Erregung des Lachens durch sinnlose Worte und Ceremonien, Qük, — durch sonderbare Vorkehrungen und unanständige Gesten, Fäbl,) sind im Grunde dieselben Züge und verhalten sich wie Ursprüngliches zu Sekundärem. An den M, m. l. klingen im Fabl., um hier nur das Wich- tigste herauszuheben, sofort folgende Züge an: das Rachemotiv, die einen Arzt suchenden Boten, der Arzt infolge von Prügeln, die Kranke ein junges Mädchen, ihre Krankheit ein Halsleiden, der glückliche Ausgang des Auftretens als Arzt. Wo und wann ist das Fableau wohl entstanden? Als seine Heimat ist vielleicht die Touraine anzusehen (man beachte die Ortsnamen: Samur, Normendie und Engleterre im jeweiligen Zu- sammenhang, und vgl. unten S. 42 das aus Anlass der Compü. Sing, von Tours Gesagte), als Entstehungszeit das 1. Drittel des XIII. Jahrh. Ich komme zu letzterer Annahme dadurch, dass sich in den deutschen j,If äffen Ämts^, der vor 1236 verfasst ist, die 2. Heilung (3. Epis.) in einer Form eingefügt findet, die m. E. nur eine Nachahmung des Fabl. sein kann. Bei fast gleicher Verszahl wird dort die Heilung in ganz gleicher Weise erzählt. Was differiert, ist sekundäre, die Heilung dem Pfaffen Amis an- passende Umformung. Meine Annahme würde auch dem gewöhn- lichen Verhältnis der Wanderung von Schwank- u. ä. Stoffen aus Frankreich nach Deutschland durchaus entsprechen. Setze ich so- mit die Abfassung des Fableaus vor 1236, ins erste Drittel des XTTT. Jh., so kann sein Stoff natürlich schon länger in Europa im Volksmund als Erzählung gelebt haben, ehe ihn der Verf. des Vü, Mire in poetisches Gewand kleidete, vorausgesetzt, dass ihn der Trouveur überhaupt aus dem Volksmund geschöpft hat, was ich allerdings mit Grane, Fx, of J, de Yüry, p. 232, annehmen möchte. 3. Die Compilatio Singularis Exemplorum. Mehrfach haben geistliche Autoren sich des unterhaltenden Schwankes für ihre Exempelsammlungen bemächtigt, so der Verf. der Compil, Sing. Ex, von Tours, die leider bisher nur auszugsweise publiziert ist.") Nach Delisle's Ansicht ist diese Sammlung von '8) von Delisle, Bibl de VJ^cole des Chartes. XXIX (1868), 6me s6rie, 4me tome, p. 598 suiv. (Dies Ex. p. 601). Sie ist in e. Ms. aus dem 15. Jh. (Bibl. von Tours No. 468, früher 205) und e. Copie dess. aus dem 17. Jh., B. N. Coli. Baluze, tome 77, fol. 169 ff., erhalten. -^ 42 Äugusi Kugd, einem Dominikaner, der besonders die Tonraine, Maine und Anjon kannte, in der 2. Hälfte des XIII. Jhd., etwa zw. 1267 u. 1297 verfasst.'*) Sie wäre also jünger als des 1240 verstorb. J. de Vitry Exempla, ist diesen aber voranzustellen, weil sie eine ältere Form des Stoffes bietet. Sie hat mit J. de Vitry nichts als die Orundztige gemein. Dagegen trägt sie in der Vereinigung der drei Episoden, im Gange der Handlung und auch in den Details eine fast aufdringliche üebereinstimmung mit dem Fabl. du Vü. Mite zur Schau, wenn sie sich auch, wie es bei Exempeln Brauch war, der Kurze befleissigt und manches, was der Hörer oder Leser leicht ergänzen konnte, oder was dem Vf. von seinem Standpunkt ans unwesentlich erschien,^^) weglässt. Man vergleiche: „1. Epis. Die Frau wird von ihrem Mann alle Tage geschlagen. Königsboten treffen sie an und erzählen ihr von der Königstochter, der eine Gräte im Halse stecken geblieben. Sie schlägt ihren Mann als Arzt vor, und er wird unter Prügeln ins Schloss gebracht. 2. Ep. Dort bringt er neben einem grossen Feuer und in Abwesenheit des Königs die Königstochter durch Kratzen seines nackten Körpers so zum Lachen, dass ihr die Gräte aus dem Halse springt. 3. Ep. Dann wird er wie im Fabl. zur 2. Heilung gezwungen und ver- richtet sie ebenso wie dort. Danach kehrt er zu seiner Frau zurück und behandelt sie hinfort gut.^ P. Meyer ist im Zweifel, ob diese Kedaktion die Quelle oder das E6sum6 des Yil. Mire sei, er meint wohl eher ersteres.®^) Da ich das Fahl, in das 1. Drittel des XIII. Jh. setze, müsste ich schon infolge- dessen in der Comp. Sing, ein R6sum6 des Vü. Mire sehen, auch wenn mir die Version der Comp, nicht an sich, wie sie es thut, den Ein- druck einer getreuen, nur kürzenden Copie des Fabl. machte. Beide entstammen sie der Touraine. Dort, in seiner französ. Heimat (wie ich meine), wird das Fabl. besonders beliebt gewesen und be- sonders treu bewahrt worden sein. Dort hörte es der Bruder Dominikaner und verleibte es mit geringer Kürzung als eines der j^exempla quae , . . ab narrantibus audita sunt,^^ der Compü. Singuh ein. Ist das von Dunlop-Liebrecht^ 273 u. Anm. 348a sowie Benfey, Pantsch. I 525 erwähnte ^verlor. Ms. der Bihl. de St. Martin de Tours'' vielleicht mit diesem Ms. 468 (205) der Bibl. von Tours identisch? '») Delisle, 1. c. 603. 604 ®°) So war ihm gleichgiltig, weshalb der Bauer seine Frau schlug, und er Hess das fort. ^^) Les Contes morälises de Nicole Bozon, p. p. Smith et P. Meyer, P. 1889. p. 247. „Cette redaction est la souree ou peut-etre le resume du Vilain Mire.^ Untersiichungen zu Molihre^s Medecin malgrS luL 43 4. J. de Vitry. Wie schon gesagt, charakterisiert sich die Version des Erz- bischofs J. de Vitry, trotzdem sie zeitlich der Compil. Sing, vor- angeht, dem Inhalt nach als jüngere Form. J. de Vitry berichtet die 1. u. 2. Epis. im Exempl, CCXXXVII in einer Fassung, die von der des Vil, Mire stark und noch stärker von der der Qukas. abweicht.®*) Gemeinsam haben Fäbh und J. de V. der Qük. gegenüber das „Rachemotiv" und den „Arzt infolge von Prügeln". Von ein- ander scheiden sie sich, indem bei J. de V. die Frau ihren Mann durch beständigen VSTiderspruch dazu reizt, sie zu prügeln,®') zweitens der Kranke nicht des Königs Tochter, sondern der König selbst ist (was ihm fehlt, bleibt ungesagt), und drittens der Bauer trotz aller Prügel dabei bleibt, er sei kein Arzt, und er deshalb aus dem Schloss geworfen wird, also auch die Heilung ausfällt. — Die Ur- sache dieser Abweichungen und der offenbar gewollten Kürze bei J. de V. ist nichts als der Umstand, dass er dem Stoff, der im Fabl. nur zu erheiternder Unterhaltung dienen soll, eine moral. Tendenz untergelegt hat. Er soll ein Beispiel sein für „die Schlechtigkeit der Frauen*. Zu dieser Tendenz stimmt völlig der veränderte Eingang und der plötzliche Schluss, sowie der geringe Wert, der auf die Krankheit und Heilung gelegt ist. Den angegebenen Zügen nach könnte Vitry's Exemplum wohl das Fabl. noch zur Quelle haben. Aber eine noch nicht her- vorgehobene, vielmehr an die Qük, erinnernde Abweichung vom Vü, Mire macht mir einen solchen Zusammenhang doch unwahr- scheinlich. Die Frau hört nämlich — wie? sagt J. de V, nicht — von des Königs Krankheit, geht daraufhin ins Schloss und gibt ihren Mann als Arzt an, der den König heilen könne. Dann erst kommen die Boten des Königs und holen ihn. Es ist bereits erwähnt worden, dass Vitry 's Sammlung auch die 2. Heilung (:= 3. Epis.), aber als selbständige Erzählung {Ex, CCLIV) enthält. Auch sie ist tendenziös umgestaltet, doch erfolgt die angebliche Heilung ebenso wie im Fableau. J. de Vitry be- zeichnete beide Exempla als „gehörte" (audim), und man hat keinen Orund, diese Angabe zu bezweifeln. Ich glaube, dass auch für J. de V. die mündl. Volkslitteratur die Quelle gewesen ist, aus der er geschöpft hat.»*) Ob ihm diese Quelle Epis. 1 -f 2 mit Ep. 3. ®*) The exempla of J. de Vitry. Ed. by Thom. Fred. Crane {Publ of the Folk-Lore Society XXVI), London, D. Nutt. 1890. Text des Ex. p. 99. Analyse und Anm. p. 231. *•) J. de Vitry flicht eine reizende Anekdote aus dem Stoffkreis der ,widerspruchsvollen Frau' ein. ") Crane, l. c. 232. „Fabliau and exemplum probably had tkeir source in the oral populär litter ature oj the Middle Ages.'' — Vgl. S. 41. 44 August Kugel. verbanden dargeboten hat, lässt sich kaum entscheiden. Es ist ebenso wohl denkbar, dass J. de Y. die Episoden selbst von ein- ander getrennt, als dass er sie getrennt kennen gelernt hat. 5. Die Mensa philosophica. Nichts als eine den Stoff aufs Aensserste znsammenpressende Kürzung des Vitry'schen Ex. CCXXXVII ist die (deshalb hier gleich angeschlossene) Anekdote in Scotus^ Mensa phüosophica, lib. 4 de mülieribus (im Druck von üllerich Zell, Cöln 1470, fol. 72 1. 11): ^^Quaedam mulier percussa a viro suo ivit ad casteUanum in- finnum, dicens virum suum esse medicum, sed non mederi nisi forte percuteretur; sie eum fortissime percuti procuravü" Bedürfte es hierfür noch eines Beweises, so liefert ihn der Umstand, dass auch die M, ph, die 3. Epis. separat und, bis auf analoge Verkürzung, ganz wie J. de Y. erzählt. (Crane), p. 241, Es ist überflüssig, die kühne Behauptung der Menagiana (Ausg. Amsterdam 1716, t. IV, p. 52), die Version der M, ph, sei die Erzählung ,,d^ou Molih'e a pris le sujet de sa camedie du M. m. h" mit viel Worten zu korrigieren. 6. Nicole Bozen. Die dritte Exempelsammlung, welche den „Arzt aus Zwang" enthält, sind die Contes moralises des nach 1320 im nördlichen (?) England schreibenden Franziskaners Nicole Bozen.®*) Unsere Er- zählung steht dort als 2. Beispiel (Narratio ad idem) zu dem Satz No. 44: Qiiod Dem, quos diligü, corripit ei castigat (worauf die Narratio anzuwenden, für uns nicht leicht sein möchte). Crane meint, dass Bozen sie aus dem von ihm wohl häufiger, aber jeden- falls sehr frei benutzten J. de Vitry entlehnt habe.®^ Die Heraus- geber Bozon's nehmen an, er habe sie aus einer dritten noch on- aufgefundenen latein. Eedaktion geschöpft.®^; Suchen wir behufs Stellungnahme zu diesen Ansichten die für Bozon's Form charakter- istischen Besonderheiten, so ergeben sich folgende. Die Frau wird von ihrem Mann ^sanz reison' geschlagen. Der Kranke ist der Sohn des Königs. Woran er leidet, wird nicht gesagt (cf. Vitry). Die Erzählung bricht plötzlich ab, da wo im Fabl. und in der Compü, Sing, die 1. Heilung anhebt, ohne dass aber wie bei Vitry noch berichtet würde, was dem Bauern infolge seiner steten Weigerung schliesslich geschieht. **) Les contes moralisis (?e Nicole Bozen, Frbre Mineur, p. p, la Ire fois d' apres les manuscr. de Londres et de Cheltenham p. Lucy Toulmin Smith et Paul Meyer. P. 1889. (Soc. d. A, T, Fr,), pag. 62. 63. «») Ex. of J. de Vitry, introd. p. CXII. ^') Contes moräl., notes p. 248. Untersuchmigen bu Möllere's M^decin niälgri luL 45 Von diesen Zügen abgesehen, erinnert die Erzählung Bozon's stark an das Fablean. Es wird mit behaglicher Breite und lebendigem Dialog ausgemalt, wie die zwei Diener des Königs die Frau des Bauern weinend antreffen, von ihr instruiert werden und den sich heftig weigernden Bauern unter Prügeln vom Pfluge fort mit sich schleppen, und wie der Bauer, da er trotz verheissener Belohnung auch vor dem König dabei beharrt, kein Arzt zu sein, wieder geprügelt wird. Also mag Bozen Yitry's Exemplum gekannt und nach dessen Vorbild seine Erzählung vor der Heilung geschlossen haben. Da- neben aber wird er, wenn man nicht eine ganz auffällig mit schon Vorhandenem zusammentreffende Neudichtung annehmen will, viel- leicht nicht das Fableau, wie wir es haben, aber doch eine nur leicht variierende Bearbeitung desselben sei es von Hören, sei es aus einer schriftlichen Redaktion gekannt, und somit aus beiden Quellen zusammen seine Form gestaltet haben. 7. Die Grillo-Versionen, Ein bestimmteres Urteil gestatten die italienischen Versionen des „Arztes aus Zwang'S die Erzählungen vom yLavoratore Grillo ü qu(Ue völse diventar medico^ oder, kurz gesagt, vom ,Medico Grr%Uo\ Noch heute sind sie wenigstens in gewissen Gegenden Italiens in der mündlichen Tradition lebendig. Schon 1521 finden wir einen gedruckten Grülo, der in Ottaverime abgefasst ist und mehrfache Auflagen erlebt hat.®*) 1738 wurde dieser GriUo von Girolamo Baruffaldl unter dem Pseudonym Enante Vignaiulo, um ^^alcuni faUicelli occorsi a i miei giomi^^ vermehrt und bedeutend breiter erzählt, aufs neue herausgegeben.*^) Neuerdings hat Pitr^ einen aus dem Volksmund geschöpften Medko GhiUo veröffentlicht.^) ^) Das Werkchen ist heute eines der seltensten der alt. it. Litt. Le Grand d'Aussy, der Fabl ' 1829, HI, 11 Grillo et Vil. Mire zu- sammenbrachte, kannte selbst nur eine Ausgabe des Grillo: „ü rCen existe, je croiSf qu'une seule edition, de Venise, 1552 , petit in-S^,'^ Wilke {Ce que Möliere doit .... p. 10) hat aus dieser absichtlich unbestimmten Angabe versehentlich eine positive gemacht: y^une seiUe idition, Venise 1552.* Graesse, TrisorY, 26 gibt als Ort u. Jahr des, soviel bekannt, ältesten Druckes richtig Venedig (Zopino & Vincentio) 1521 an und weiss mehrere Nachdrucke anzuführen. Ich benutzte das Ex. der Egl. Bibl. zu Berlin (Xo 8912), betitelt: „Opera Nova / Piacewle e da ridere^ / Di un ViUano Lavoratore / Nominato Grillo / II quäle volse diventar Medico. I Historia bellissima in ottava rime, di helle Figure adornata. / In Venetia et in Bassano / Per Gio: Antonio Bemondin. / Con Licenza de* Su- periori, / s. a., Titelbl. mit leer. Revers, und 23 Bl. *•) Grillo, canti died d*Enante Vignaiulo. — Aeltest. Druck Venetia, Homobon Bettanino, 1738. — Kgl. Bibl. zu Berlin Xp. 1960. •0) Pitr^, Nov. popol. toscane, Firenze 1885, No. LX, p. 283 ff. Die hier noch angeführten Grillos haben mit dem uns interessierenden Dr. Grillo nur den Namen gemein. Doktor Grillo bei Miss Busk {Folk- 46 Augtist Kugd, Alle drei Versionen bieten wie der Vüain Mire (nnd die Compü, Sing,) die 3 Episoden vereinigt nnd stimmen auch im Detail auffallend zu ihm, während sie zu Formen wie Vitry und Bozon augenscheinlich ohne alle Beziehung sind. Halten wir den GriUo von 1521 (€hr, 1) und den von 1885 (Gr. II) vergleichend zusammen, so ergibt sich in der Grundidee üebereinstimmung unter einander und mit dem Fableau. Die Differenzen in Gr, I rühren vom persönlichen Geschmack des litterar. gebildeten Verfassers, die in ffr. II vom mündlichen Fortleben des Stoffes her. Vom Grillo des Baruffaldi können wir bUlig absehen, da er ja nichts als eine kunst- mässige Bearbeitung des Qr. I ist. 1. Episode, ffr. J. Ein Bauer, namens Grillo, der mit Frau und drei Söhnen bisher zufrieden gelebt hat, wird durch das grosse Glück, dessen sich sein Bruder, ein Arzt, erfreut, neidisch gemacht und kommt auf den Gedanken, auch Arzt zu werden. (Qr, IL Des Bauern Neid wird durch den Anblick eines gemäch- lich daherreitenden Arztes geweckt.) — Gr, I u, II: Er verkauft seine Habe, lässt einen Teil des Erlöses den Seinen und macht sich auf den Weg zur Stadt. — Gr, I Frau und Bruder suchen ihn unterwegs vergeblich zur Umkehr zu bewegen. Gr. zieht weiter; seine Frau folgt ihm heimlich nach. In der Stadt {Cuccagna- Schlaraffenland) geht Gr. in die „Herberge zur Jungfrau '^j kauft sich alsdann Doktorbarrett und -Kleid und lässt sich von einem listigen Betrüger ein Büchlein „cAa insegna Varte deUa medecina^^ für viel Geld aufschwatzen. Seine Frau hat sich inzwischen als Magd in der königlichen Küche verdingt. Beim nächsten Mahle bleibt der Königstochter eine Gräte im Halse stecken, und niemand kann helfen. Da fällt Grillos Frau ein, dass sie sich jetzt an ihrem Manne für sein Fortgehen rächen könne: Tälche de GriUo la Moglie prudente Vedendo questo prese per partüo De vendicarsi contra stw Marüo. Sie sagt dem König: „In der Herb, zur Jungfr. ist ein fremder Arzt von wunderbarer Kunst angekommen, Ma Vha piacer di farsi un huomo grosso E di raro sul far sapienea älcuna Che non sia deUa vita minacdato,^^ Der König lässt daraufhin schnell die Aerzte der Stadt kommen, Lore of Bame, London 1874. p. 392) erzählt, wie der Diener eines grossen Arztes namens Grillo sich für diesen selbst ausgibt, Zulauf und Glauben findet und der echte ,Doktor Grillo' von allen verspottet und missachtet wird. ,Lu Zannu' in Pitr^'s Fiabe sicüiane No. CLXVH ist kein anderer als der bekannte „Doktor Allwissend^', nur mit dem Namen Grillo (resp. Griddu). Vgl. hierzu Anm. 93. Untersuchungen zu Moliere's Medeein mälgrS lui, 47 damit der Fremde sie durch seine Kanst beschäme. Dann lässt er diesen selbst holen. 2. Episode. Gr. I. Grillo kommt auch willig, verliert aber allen Mut, als er die Krankheitsgeschichte hört, und versucht sich damit herauszureden, dass er sein Studium erst begonnen habe. Aber als der König ihm droht: „Du heilst meine Tochter binnen 3 Tagen oder du stirbst," fügt er sich. (ffr. IL Die Frau folgt Gr. nicht. Gr. kommt zur Stadt, hört gleich von der Krankheit der Königstochter [„sie habe Schmerzen in der Kehle*'] und geht von selbst zum König, der seine Dienste annimmt und für den Fall der Heilung reichen Lohn, für das Misslingen der Kur den Tod verheisst). — Qr, I u, II: Gr. bleibt nun mit der Prinzess (ffr. I: und dem König) allein, vollzieht neben einem grossen Feuer seine sonderbare und derbe Kur, bei der die körperliche Berührung auf die Kranke übertragen wird [gili imburrö ü cido (Or, I), tvite le spaUe (Gr. IIJ], und die Prinzess lacht so, dass ihr die Gräte aus dem Hals springt und sie geheilt ist. Gr. wird reich belohnt und bleibt am Hofe (ffr. 2. als Modearzt). 3. Episode. Gr, I u, II: Die Aerzte der Stadt aber sind gegen Gr. höchst aufgebracht und wissen den König zu überreden, dass er Gr. die Aufgabe stellt, unter gleichen Aussichten wie bei der ersten Kur (reicher Lohn oder Tod) die Kranken des Spitals in 3 Tagen zu heilen. Gr. lässt nun im Spitalhof ein grosses Feuer anzünden. Das wundert die Siechen, und sie fragen nach dem Zweck. — Gr, I, Grillo antwortet: „Wenn das Wasser kocht, wird einer von euch hineingeworfen und gekocht. Dann essen ihn die Andern und gesunden.* (Gr, II, „Auf Befehl des Königs werf' ich euch da hinein; wer aber noch fortgehn will, darf es.") — ffr. I u. II. Natürlich leert sich das Spital im Nu, und Gr. em- pfängt die verheissene Belohnung. Gr. II fügt nun gleich den Schluss an: Gr. kehrt, um den Nachstellungen seiner Kollegen in der Stadt zu entgehen, „wie ein Herr gekleidet" zu den Seinen zurück. — Gr. I. gestaltet den Schluss so: Gr. behagt es am Hofe nicht mehr; er kehrt heim in seine Hütte, wohin ihm seine Frau vorauseilt, doktoriert fröhlich weiter (vgl. Vil. Mire) und lebt glücklich mit den Seinen. — Vor- her hat aber Gr, I noch 2 Episoden eingefügt. 1) Gr. werden seine Schätze gestohlen. Aber er errät die Diebe, 3 Höflinge, binnen 3 Tagen durch die aus dem Märchen vom „Dr. Allwissend" wohl bekannte Art: „Das wäre der erste" u. s. f. 2) Gr. wird auf dem Heimweg vom König, der ihn eine Strecke begleitet, noch durch die Eätselfrage geprüft: „Was hab' ich in meiner Hand?" Auch sie löst Grillo, nämlich durch den Ausruf: „Ach, ich armer Grülo!" (Vgl. ebf. „Dr. Allwissend"). Endüch hat ffr. I noch 48 August Kugel, den Schlass dadurch erweitert, dass er zum Beleg für die Wirksam- keit von Grillos Eormethode die ans Poggio bekannte Anekdote vom „wiedergefundenen Esel" einschob. Es scheint mir unzweifelhaft, dass die Uebereinstimmung des Grülo mit dem Vüain Mire auf Abstammung Grülo^B vom Fableau beruht. Es ist eine bekannte Thatsache, dass franz. Fableaux in grosser Zahl von den Trouveurs nach Italien (spec. Nordit.) ge- bracht worden sind und sich dort fest eingebürgert haben. Auf diese Art ist gewiss auch der Vüain Mire nach Italien gekommen. Dort hat er gefallen, sich sesshaft gemacht und sich in mündlicher Tradition allmählich und stufenweise zum Medico Grülo entwickelt, wie ihn dann s. Zt. der Vf. des Gr. I aus dem Volksmund ge- schöpft und als Kern seiner poet. Erzählung benutzt hat. Ganz natürlicher Weise ist bei diesem Fortleben im Volksmund mancher Zug vergröbert worden und mancher verschwunden. Dieser Prozess ist selbstverständlich im Grülo von 1885 bedeutend weiter fortge- schritten als im Griüo von 1521 (so, wenn sieh z. B. in diesem das Eachemotiv noch findet, in jenem aber nicht mehr). Woher stammen nun aber die Veränderungen im Eingang, die erweiternden Episoden, und so mancher Zug, z. B. die Ersetzung der Prügel durch Androhung des Todes, die sich zum Fableau nicht in Beziehung setzen, sich nicht als Vergröberungen oder Umge- staltungen von Zügen desselben erklären lassen? Die Antwort ist eigentlich schon gegeben. Der Volksmund hat das alte Märchen vom „Dr. Allwissend" ^^) mit dem Schwank vom „Arzt aus Zwang" oder, wie ich einmal sagen möchte, vom „Dr. Allkönnend" frühe und zäh gemischt, sie fest und innig mit einander verschmolzen. Das ist die Ursache und Quelle der sonst unerklärbaren Ab- weichungen GriUo^s vom Fableau. Naturgemäss hat bei dieser Combination bald das eine, bald das andere Element überwogen, je nach dem Geschmack des Er- zählers, nach Ort und nach Zeit. — In den Combinationen, welche den Namen j^Girülo" führen, geht der Anteil des Dr. Allwissend so weit, dass er ihnen den Namen gegeben hat. Der „Doktor'^ musste •*) Vgl. über dies Märchen Benfey, Orient und Occident 1 371 ff. Deutsch: Dr, Mltvissend (Br. Grimm No. 98). Ital. Dottore TutteaaUe. Lit. „Der Häusler, der ein Doktor ward,^ Schleicher, IM. Märchen, Weimar 1857, S. 116 ff. Mongol. cf. Benfey, /. c. 378. Ind. Katha- saritsägaruj Beb. 6 etc. Auf das lit. Märchen, das eine wichtige Parallele zu den ital. Kombinationen bildet, komme ich unten ausführlicher zu sprechen. Auch die Episode vom „wiedergefundenen EseP' stammt aus dem Dr. Allwissend. Vgl. z. B. das mongol. Märchen, 1. That: „Das wiedergefundene Pferd''. Selbständig erscheint sie, wie erwähnt, z. B. in Poggio^s Facetien. Unterstichungen zu Meliere'' s Medecin mälgre lui. 49 einen Namen haben, der die im Dr. Allwissend fast regelmässig wiederkehrende „Rätsel-Episode" ^^y in ^en Vilain MireSto^ einzu- fügen erlaubte. So gab man ihm einfach denjenigen Namen, welchen der Dr. Allwissend in seinen ungemischten italien. Formen führt ,^^) nämlich „ffnZ^", und dieser Name ist geblieben, auch wenn die Rätselepisode ausfiel wie in Grillo II. Was Baruffaldi in der Vorrede seines Grülo v. 1738 von einem wirklichen Bologneser Arzt dieses Namens erzählt, der durch seine Sympathiekuren den Anlass zur ganzen 6rrt7Zodichtung gegeben habe, ist ihm selbst zu wenig beglaubigt als dass er es acceptieren möchte. Pitre {Nov, pop. tose. 287/8) folgt ihm darin mit Recht nach. Natürlich hatten sich „Dr. Allkönnend'' und „Dr. Allwissend" im Volksmund verschmolzen, ehe der Verf. des Grülo von 1521 sich entschloss: „mit gütiger Erlaubnis der Musen den fröhlichen Schwank, desgleichen kaum bei Boccaccio zu finden, in wohlgebaute Ottaverime zu kleiden." Dass der Medieo Grülo den Medecin mälgre lui nicht beein- flusst hat, bedarf keiner besonderen Erwähnung. 8. Guillaume Bouchet. Wohl aber war es dem „Arzt aus Zwang" bestimmt, in das Land, das er als Vilain Mite verlassen, als Medieo Grillo zurück zu wandern. Wie viele Stoffe seines gleichen ist er aus dem Adoptiv- vaterland in die alte Heimat zurückgekehrt. Aber das neue Ge- wand hat ihn dort als Fremdling erscheinen und den Sohn des Landes nicht mehr in ihm erkennen lassen. Der Vermittler des (in der vergleich. Litteraturgeschicht^ und spec. in der Geschichte der Fableauxstoffe ja wohlbekannten) Rückwanderungsprozesses scheint für den Med. Gr. der würdige ,Juge et Consul des Messieurs les Marchands de la Ville de PoUiers\ Guillaume Bouchet, Sieur de Brocourt, gewesen zu sein, in dessen Serees^) sämtliche drei Episoden des Grillo, bez. des Vil. Mire, eingeschaltet sind, aber — dies eine interessante Parallele — in der Trennung, in welcher sie im XIIL Jh. bei J. de Vitry erscheinen : 1 + 2; 3. Die X^e ser6e,»5) Des Mededns et de la Medecine, berichtet die Befreiung einer ^fille de grande maison' von einer verschluckten Fischgräte durch Grillo fast ganz wie Gr. 7, geht aber, denn Grillo ist von vornherein ein •2) Vgl. den „Dr. Krebs" im deutschen Märchen {Br. Grimm 98). •*) So bei Sercambi, Nov. XX (Italien. Bibl. hsg. von Ulrich, Bd. IJ, Lpz. 1891, Einl. S. XXVL Text S. 146, 147). In ^Lu Zannw", Pitre, Fiab. sicü. CLXVII; siehe Anm. 90. **) Les Serees de G. B., Sieur de Broc. Divisees en 3 Uwes. 1584—1608. Ich benutzte die £Jdit. derniere, Lyon 1618, aus der Hzgl. Bibl. zu Wolfenbüttel. Neu hsg. sind die Ser. in 6 Bdn., mit Anm. u. Ind., von C. E. Eoybet, Paris, Lemerre 1873—1883. •5) td. dern. livr. I. p. 376—379. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX». 4 50 Augtist Kugel. berühmter Arzt, nicht anf Gr, /., sondern auf eine weiter yorge- Bchrittene (Bouchet vielleicht mündlich zugekommene?) Grilloform znrück. Die XXX™« s6r6e,^), Des pauvres et des mandians, er- zählt die 2. Eeilnng so, wie sie schon am 1460 Poggi o im selbständigen .Facetum cujusdam FetrilU td liheraret hospUaU a sordidis'^'^ zu bissigem Spott gegen den Cardinal von Bari verwandt hatte. Mög- lich ist es ja, dass Bonchet zur X™« S6r6e eine ital. Form benutzte^ die nur Epis. 1 + 2 enthielt. Wahrscheinlicher aber dünkt mir, dass er aus einer Grilloform mit 1 + 2 + S die dritte Epis. strich, weil es ihm in der X™® S6r. nur um wirkl. Heilangen zu thun war. Zum M^d. m, lui steht Bouchet natürlich ebenso wenig in näherer Beziehung wie der Medico Grillo, 9. a. Straparola. b. Le Docteur (baskisch). c. Belphegor. Es erübrigt noch, zweier dem westl. Teil des Occidents an- gehörender Erzählungen von Heilungen durch Lachen zu gedenken,, deren eine an die Qükas,, die andere an den Vil, Mire oder über- haupt an die Formen mit ,Gräte im Hals' erinnert. Erstere ist die Stelle in Straparola, Nov. V, fav. J, wo die wilde Erscheinung des Waldmenschen eine Fee derart zum Lachen bringt, dass ihr davon ein sie schon lange quälendes Geschwür in der Herzgregend platzt und sie gesundet. Nach Benfey^s Ansicht {Pantsch. II 551) stände diese Heilung „der indischen Form, d. h. der Qukas., zu- nächst ^ Trifft sich hier vielleicht eine — durch die Lachkur im ^GrüW angeregte? — Erfindung Straparola's zufällig mit der ältesten bekannten Form? Dergleichen ist ja nicht selten; man denke z. B. an die eigentümliche üebereinstimmung Voltaire^s und Cazwini's in ihren Versionen von L'Ange et VErmite (G. Paris, Poesie du nioyen-dge J, 184). Die andere Heilung, die sicher zu den Formen mit ,Gräte in» Hals' in Beziehung steht, ist die kurze baskische Erzählung ,Le Docteur' bei J. Vinson, Folklore du pays basque, P. 1883, p. 109 (angezogen von Bedier, FaU, * 481). Hier bleibt einem Mann bei einem Festmahl eine Fischgräte im Halse stecken. Sein Sohn, der Arzt ist, aber bisher seine Kunst nicht ausgeübt hat, wird herbeigeholt and bringt seinen Vater durch den Ausruf: ^Quoit mon pdre, ne savee-vous donc pas que je ne sais gvsrir mes malades qu'avec des crottes de hrehisf^ derart zum Lachen, dass ihm die Gräte aus dem Halse herausspringt. Von da ab kuriert der Sohn flott ,nach seiner Art' weiter und wird ein steinreicher Mann. •8) 6d. dern. livr. m. p. 150. 151. •^) Lea Faceties de Pogge, trad. en fr. avec le texte latin. Fd, compl. 2 tomes. Paris, Liseux, 1878. Tome H p. 110. 111. üntersiMhungen zu Molibre's Medecin mälgrS luL 51 Jedenfalls geht dieser Schwank auf eine ohne die 8. Epis. von Mnnd zn Mund gewanderte Version des Arztes aus Zwang zurück. Seine Gestalt bei Yinson stellt ihn auf eine ebenso späte wie dichterisch niedrige Stufe. Für den Med. m, l, lehrt er nichts. Verschiedentlich hat man auch noch die Episode des Bel- phegor, in welcher der teufelaustreibende Bauer wider seinen Willen zur Heilung der besessenen Prinzessin gezwungen wird, mit der 1. u. 2. Epis. des Vil. Mire in Parallele gestellt. Dieser be- liebte Schwank ist wohl aus Macchiavell's Novelle und La Fontaine's Bearbeitung derselben am bekanntesten. ®®) Der Bauer Matteo, der den Teufel Belphegor vor seiner bösen Frau Honesta und seinen Gläubigern verborgen hat, darf zum Danke dafür dreimal Personen heilen, in die Belph. verabredeter Weise fährt. Die 3 ,Kuren' ge- lingen bestens. Als dann Belph. aber (um vor Honesta sicher zu sein) in die Tochter des Königs von Neapel gefahren, wird natür- lich Matteo, dessen Ruhm sich inzwischen weit verbreitet hat, wieder herbeigeholt und durch Androhung des Todes ge- zwungen, auch diese, die vierte, Heilung zu versuchen. Sie ge- lingt ihm dadurch, dass er Belph. vorspiegelt, Frau Honesta nahe sich auf der Suche nach ihm, worauf Belph. voller Angst schleunigst die Kranke verlässt und in die Hölle zurückflieht. — Ich glaube nicht, dass man nötig hat oder gut daran thut, diese Zwangsepisode wie Dunlop-Liebrecht (wenn ich ihn recht verstehe) als eine Inter- polation aus dem Kreis^ des ,Arztes aus Zwang' anzusehen. Viel- mehr nehme ich mit Benfey (Fantsch, I, 519) an, dass ^die innere Verwandtschaft der beiden Kreise in ihrer WeUerentmchelung zu solchen Berührungen mit einander geführt hat,^ Der Bauer ist hier und dort kein wirklicher Arzt, aber er gilt dafür und wird, ajs er sich weigert, hier und dort eben gezwungen, als Arzt zu fungieren. Darauf dass auch im Belph. die Kranke eine Prinzess und der Arzt ein Bauer ist, darf auch kein besonderes Gewicht gelegt werden, da diese beiden Personen ja in den Wunderkuren wie überhaupt im Märchen sehr häufig mit einander erscheinen. ß) Die Occidental. Formen des ,Arztes aus Zwang'. b. Versionen aus dem östl. Teil des Occidents. Spärlich an Zahl ist der Beitrag, den der östliche Teil des Occidents zu unserer Gruppe liefert: nur zwei Erzählungen, oder drei, wenn ich die unfindbar gebliebene russische hinzurechne (vgl. S. 34) ^) Vgl. zu diesem Stoff besonders die Einleitg. Henry Regnier's zum Belph. in s. Ausg. La Fontaine's, Bd. VI {Grands ^criv., P., Hachette, 1890). Ferner Dunlop-Liebrecht, Prosadicht. ^ 21^ u. Anm. 348a; Benfey, Pantsch. I, 526 (mit dem Irrtum: ^uk. 24 statt Quk. 40), Le Grand d'Aussy » lU, 13. Wilke p. 10; Herrigs Archiv 90, 160 u. 92, 170; Crane, J. de Vitry, introd. LI. 4* 52 Augmt Kugel. 10. Das litauische Märchen. Die eine ist das lit. Märchen „vom Häusler^ der ein Doktor tvard^,^^) dessen ich bereits S. 48 Erwähnung that, weil es mit seiner Kombination von Dr. Allwissend und Dr. Allkönnend (wobei hier sicher ersterer den Grundstock bildet) eine vortreffliche Parallele zum ital. Chillo ist. — Im lit. Märchen, 2. That, kommt der „Arzt", als man ihn ruft, natürlich willig und ganz getrost zur kranken Prinzessin. Drei Tage lang richtet er nichts aus. Da schreit er sie endlich verzweifelt und wütend so an, dass sie heftig erschrickt und zusammenschauert. Dadurch platzt ein Geschwür in ihrem Hals, von dem man nichts gewusst hat, und sie ist geheilt. Der Doktor aber erhält reichen Lohn und zieht stolz heim. Die hier geschehene Ersetzung der „2. That* durch eine Heilung führt Benfey'****) auf Einfluss des mongol. Märchens Ssidikür No. 4 zurück, wo ebenfalls an 2. Stelle eine wunderbare Heilung (an einem Chan) vollzogen wird. Dies mag richtig sein. Doch hat uns schon die Parallele des Grrillo gezeigt, wie nahe es über- haupt lag, in den „Dr. Allwissend*' Heilungen einzufügen, eine Mischung, die gewiss noch öfter und wohl meist selbständig erfolgt sein wird. Dass jedoch die Kranke im lit. Märchen eine Königs- tochter und ihre Krankheit ein Halsgeschwür ist, zeigt entschieden eine nähere Verwandtschaft des lit. Märchens mit ^kas. als sie die Formen des „Arztes aus Zwang" aus dem westlichen Teil des Occidents mit QuJe, aufweisen. Dem gegenüber ist die wohl in den Mittelkanälen erfolgte Ersetzung der Lachkur durch eine Heilung durch Schrecken nicht von grossem Gewichte. Denn auch sie lag nahe, da es eine alte und allgemeine Erfahrung ist, dass Freude und Schreck heilend wirken können. 11. Olearius. Den jArzt aus Zwang', auf den es uns des Med, m, lui wegen hauptsächlich ankommt, der aber im lit. Märchen fehlte, finden wir in der anderen Erzählung aus dem östlichen Teil des Occidents wieder, nämlich in des Olearius' Bericht vom Zaren Boris Gudenoff und seinem unfreiwilligen Arzte. ****) Delaporte, der die Erz. des Olearius in sein schon erwähntes Sammelwerk: ,Le Yoyageur Frangois' übernommen hat und dabei das ihm bekannte FM, du Vil. Mire erwähnt, protestiert jedoch zugleich in ,edlem National- »«) Schleicher, Lit. Märchen (Weimar 1857), S. 116 ff. >oo) Orient u. Occid. J, 379. Bf. glaubt aas dieser Beeinflussg. auch folgern zu dürfen, dass der Dr. Allwissend von den Mongolen nach Europa gebracht sei. i"i) Voyages tres curieux et tres renommes faits en Moscovie, Tar- tarie et Persie ("1635 — 1639) par le Sr. Adam Olearius . . . trad. de Vorig, et augm. p. l. Sr. de Wicquefort. Dem. !&d. Leyde 1719. Tome I, livr. m, p. 207—209. Untersuchungen zu MoUere^s Medecin mcUgre lui, 53 stolz' gegen die Annahme, des Ol. Relation und etwa nicht der Vil. Mire sei die Quelle des Jf. w. V^^) Er hat insofern recht, als das Fabl. dem Jf. m. l. gewiss näher steht wie die Erz. des Olearius. Trotzdem ist letztere für uns von grossem Werte. Freilich muss der weil. Pastor Martin Baar, der „Gewährsmann" des OL, ge- statten, dass wir trotz seiner Bürgschaft der geschichtlichen Wahr- heit dieser Kur am Zaren Gudenoff nicht so ganz trauen, sondern auch hier das stille, aber mächtige Wirken der Sage erkennen, die immer aufs neue histor. Personen, auch gleichzeitig lebende, mit uralten Gewändern schmückt. Folgende Züge sind aus Olearius hervorzuheben. Der Fürst selbst ist krank (cf. Vitry). Dies wird öffentlich bekannt gemacht und eine grosse Belohnung dem verheissen, der ihn heile (Quk.). Das hört eine Frau, die von ihrem Mann schlecht behandelt wird, und gibt an, ihr Mann wisse ein Heilmittel, da er aber den Zaren nicht liebe, wolle er es nicht sagen. Kann sie doch sicher sein, dass er nun reichlich Prügel erhält (und sie also gerächt wird), wenn er den Besitz des Mittels leugnet. (Rachemotiv). Man holt den Mann und prügelt ihn denn auch, da er leugnet, ein solches Mittel zu kennen, wiederholt aufs furchtbarste. Endlich gibt er nach und heilt den Zaren. Reich belohnt kehrt er alsdann heim und lebt seitdem mit seiner Frau in Frieden. Diesen Uebereinstimmungen mit früher bespr. Versionen stehen als hauptsächlichste Verschiedenheiten Ersetzung des Halsleidens durch die Gicht und Heilung durch ein äusseres Mittel (ein Kräuter- bad) entgegen. Sie scheinen mir die Züge zu sein, die an der ganzen Krankheitsgeschichte vom Zaren Gudenoff histor. wahr sind. — Die sonstigen Abweichungen bei Ol. sind in der trefflich durch- geführten Lokalisierung der alten Erzählung im Despotenstaate Russland begründet. Moliere hätte die Erz. des Olearius kennen können, da eine, frz. üebers. des Ol. Werkes schon 1656 erschien und bald die zweite und dritte Auflage (1659, 1663) erlebte. Vielleicht hat er sie auch gekannt. Für den MSd. m, l. hat er sie aber keinesfalls benutzt. Denn dieser hat zu viele Züge, die sich in Versionen finden, welche nicht bloss wie Ol. in ,Rachemotiv' und ,Arzt infolge von Prügeln' mit dem Med. m. l. übereinstimmen. Unzweifelhaft sind aber die Relation des Ol. und das Fabl. du Vil. Mire Sprossen aus einer Wurzel, freilich weit ab von einander aus ihr emporgewachsen. Ibi p. 304 yjUn Frangois ne doit pas permettre que des etrangers se fassent honneur des prodtictions de son pays.^'' Le Grand d' Aussy citiert Delaporte {Fabl, ^ 1829, ü, 11), hat ihn aber missverstanden. 54 August Kugel. Ursprung und Entwicklung der Gruppe: ,Arzt aus Zwang\ Wir sind am Ende der Einzeluntersuchung der als Gruppe: ,Arzt aus Zwang' zusammengefassten ErzählungcE angelangt. Was ergibt sich nun für die Geschichte dieses Stoffes ?^^') Sind die bespr. Erzählungen wirklich identisch, d. h. gehen sie auf eine Quelle zurück? Und ist die 40. Erz. der Quk.^ oder doch eine oriental. Form, diese Quelle gewesen? Die bespr. Erzählungen schieden sich uns bereits in 3 Parteien : hier die Versionen des westlichen, dort die des östlichen Abend- landes, als dritte die orientalische Redaktion. Die Identität der Formen aus dem Westen des Occidents kann nicht zweifelhaft sein. Die spezialisierenden Züge (deren Vorhandensein oder Fehlen allein in dieser Frage entscheiden kann): „Rachemotiv" — „Arzt aus Zwang bez. infolge von Prügeln" — das „Halsleiden" bez. „Gräte im Hals" — die „ Lachkur ^ u. s. f. kehren, wenn auch nicht stets alle gleichzeitig, in diesen Formen wieder und wieder und erweisen so deren Identität. Die meisten dieser Versionen schlössen sich mehr oder minder direkt an das Fahl, du Vil. Mire an. Neben dies stellte sich J. de Vitry. Von ihnen beiden beeinflusst erschien Nicole Bozen. J. de Vitry und der Verf. des Vil. Mire haben ohne Abhängigkeit von einander wohl beide aus dem mündl. Erzählungsschatz des Mittelalters ge- schöpft. Die Form, welche sie fanden (auf der Stammtafel als y bezeichnet), hat ohne Zweifel die Halskrankheit (wohl schon „Gräte im Hals"), das Rachemotiv, den Zwang durch Prügel und die Heilung durch Lachen enthalten. — Ob in ihr die 3. Epis. schon mit 1 + 2 vereint war oder ob sie erst vom Trouveur angeschmiedet worden ist, möchte ich nicht entscheiden. ^'^*) Dieser Typus y aber ist mit dem Olearius gewiss identisch und in letzter Linie aus einer Quelle geflossen. Hier sowohl wie dort erscheint das Rachemotiv, der Arzt infolge von Prügeln, die Prinzessin mit der Halskrankheit, *°^) also Epis. 1 u. 2. Ihre ge- meinsame Quelle X wird demnach Epis. 1 u. 2 mit ;, Rachemotiv, 103J Vgl. Anlage IV. (Stammbaum der Gruppe ,Arzt aus Zwang'). ^°*) Benfey, Pantsch. 1, 517: „Die 3. Umwandlung besteht nur in dem Gharakterzug späterer Nachahmung, nämlich Uebertreibung : es ist noch eine wunderbare Heilung hinzugefügt und diese sogleich im grössten Massstabe angelegt.'^ Dies findet sicli bei Wunderkuren früh, ef. Pantsch. I, 511. — Zur Entwickl. der 3. Epis. (ihren Ursprung verfolge ich nicht) vgl. man Anl. I u IV. ^®^) Die Vertauschung von Person des Kranken, Krankheit und Kur mit anderen wird nach dem allenthalben Ausgeführten nicht mehr gegen die Identität sprechen. Uniersmhungen su Mdliere's Medecin malgre lux. 55 kranker (halsleidender) Prinzessin, Arzt infolge von Prügeln und Feilang durch Lachen '^ gewesen sein. Der Grundform x der occid. Versionen — mit Ausnahme des lit. Märchens — steht als einzige orientalische Form (neben Galanos und der neuind. Fassung) die 40. Erz. der Qukasaptati gegenüber. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass auch die Erz. der Quk. und die Form x inhaltlich identisch sind. Doch trägt die Erz. der ^uk. m. E. einen ursprünglicheren Charakter. Der Arzt ist in ihr zwar auch ein unfreiwilliger, wird aber nicht durch äussere Gewalt gezwungen, sondern durch üeberredung bestimmt. Er reizt in der Quk, durch komische Worte und Gesten, in x vielleicht schon durch unanständiges Gebahren zum Lachen. Der Beweggrund für die Frau, ihren Mann als Arzt auszugeben, scheint in der Quk. Geld- gier zu sein. Ob diese oder etwas anderes (vielleicht Rachsucht?) in der Vorlage der Quk. das Motiv der Frau gewesen, muss ganz dahingestellt bleiben. Absichtlich blieb bis jetzt das ^^lU. Märchen^'' fast unerwähnt. Ohne Zweifel steht es der QtJtk. durch die S. 52 hervorgehobenen Züge näher als die anderen occidental. Formen. Eine direkte Ver- wandtschaft mit den letzteren kann dagegen nicht angenommen werden, wie der Inhalt des Märchens sofort ergibt. Es ist deshalb in Anlage IV zwar zur Quk. in Beziehung gesetzt, aber von den anderen dort erwähnten Erzählungen ganz getrennt. Dass die oriental. Form die älteste ist, die wir vom „Arzt aus Zwang*' kennen, darf natürlich nicht dazu veranlassen, den Stoff selbst ohne weiteres für orientalisch, und vielleicht noch dazu eben die 40. Erz. der Quk. für seine eigentliche Quelle zu erklären. Ich glaube aber doch, dass der „Arzt aus Zwang" orientalischen Ursprungs ist. Zum Beweis für diese Annahme in den occid. Eedaktionen nach indischen spec. buddhist. Zügen zu suchen, würde eine vergebliche Mühe sein. Denn spec. Indisches od. Buddhistisches enthält n. m. A. nicht einmal die 40. Erz. der Quk.^ wo die Einkleidung des Arztes in einen Brahmanen etwas durchaus Aeusserliches ist. Aber die Idee: „eine Frau ihren Mann ohne sein Vorwissen als Arzt für eine bisher unheilbare Kranke ausgeben zu lassen, ohne dass sie selbst weiss und ohne dass es sie kümmert, wie ihr Mann sich aus der Gefahr, in die sie ihn damit stürzt, heraus helfen soll", die scheint mir denn doch nicht zu den Ideen zu gehören, die ,partout et toujours retrouvables' sind. Deshalb glaube ich alle Erzählungen, in denen sie sich findet, auf eine Quelle zurückführen zu dürfen. Da nun die älteste Erzählung dieses Inhalts zugleich dem Orient angehört und als die ursprünglichste erscheint, ist mir der orientalische Ursprung des Stoffes durchaus wahrscheinlich. 56 August Kugel. Natürlich wird die 40. Erz. der Quk. nicht die erste Fassung sein, die der Stoff überhaupt gefunden, und will ich auch nicht be- haupten, dass der Stoff unbedingt durch Vermittlung der Quk, aus dem Orient hinausgewandert sei. Es ist also cum grano salis zu verstehen, wenn der angefügte Stammbaum die Quk, zur Wurzel hat. Auch darüber, welchen Weg die Erz. eingeschlagen hat: ob sie von Indien in Asien ostwärts und dann mit den Mongolen ins östl. und von da ins westl. Europa gezogen ist, oder ob sie einer- seits mit den Mongolen ins östliche, andererseits (mit den Arabern?)^***) ins westl. Europa gelangt ist [das Letztere würde schon eine Orient. Form mit Rachemotiv voraussetzen], lässt sich erst ent- scheiden, wenn ein reicheres Material an oriental. Versionen gefunden sein wird.**^^) Dahingegen dürfte wohl auch mit dem vorhandenen Material die Identität der europäischen Erzählungen vom „Arzt aus Zwang" mit der 40. Erz. der Quk, erwiesen und die Abstammung des Schwankes aus dem Orient wahrscheinlich gemacht sein.^®*) Moliere's Quelle in der Gruppe: Arzt aus Zwang. Von allen Erzählungen vom „Arzt aus Zwang" war, wie die Einzeluntersuchung festgestellt hat, die einzige Form mit der- artigen üebereinstimmungen mit dem Med. m, lui, dass eine nähere Beziehung zwischen ihr und letzterem angenommen werden durfte, das Fableau du Vüain Mire. Aber das Fableau selbst hat Moli^re nicht gekannt und benutzt; dies darf zumal nach Wilke's Aus- führungen ^°*') als feststehend angesehen werden. Seine Quelle ist aber jedenfalls eine Weiterbildung aus dem Fableau gewesen, sonst wären so weitgehende üebereinstimmungen, wie VU. Mire und Med, m, lui sie zeigen, unerklärlich. — Man könnte sich diese Weiter- bildung derart denken, dass sich der Vil. Mire vielleicht in ein „dramatisiertes Fableau", eine Farce, verwandelt habe und so von der franz. Bühne selbst zu Moliere gekommen sei, oder dass die Commedia deU'Arte das Fableau dramatisiert nach Frankreich ^^) Dazu würde das plötzl. Auftauchen im XIU. Jh. vortrefflich passen. Cf. G. Paris, Poesie du M. A. I, 171: „Zes recits arabes, sauf ceux qui sont venus par VEspagne, rCont guere passe en Europe qu^ä^ Vepoque des Croisades et surtout au XIII» stecleJ" ^^'^) Eine Förderung über den jetzigen Stand hinaus darf, wenn überhaupt möglich, wohl in erster Linie von R. Schmidt's verheissener Geschickte der Qukasaptati erhofft werden. ^^^) Ich weiss nicht, ob sich B6dier in der in Aussicht gestellten Kritik von Benfey, Pantsch. 1, § 212 mit dem ,Arzt aus Zwang" ein- gehender zu beschäftigen gedenkt, weise aber auf diese Stelle {Fabl, * 431, Mc) nochmals hin. »<>») Wilke, Ce que Mol . . . p. 9. Untersuchungen zu Möllere's Medecin malgre lui. 57 zurückgebracht liabe.^^^) Dem steht es aber doch reeht im Wege, dass man bis jetzt weder eine frz. noch eine ital. Posse diese» Inhalts, auch nur erwähnt gefunden hat. So bleibt vorderhand nur die durchaus wahrscheinliche An- nahme: Das Fableau hat in der mündlichen Tradition als Anekdote fortgelebt und ist als solche zu Moli^re ge- langt."^) Dazu stimmt vortrefflich, was die als zuverlässig be- kannte ,Vie de Moliere^ von 1724^^^) wzählt: „f7w6 personne quv est aujourdhui dans un dge fort avance, wCa appris que le Med, m. lui n^etait point de Vinvention de Meliere quant au fond du sujet-,. mais que quelqu^un ayant raconte en presence du Boi une histoire ä peu pres semblable arrivee du temps de Frangois I^^ qui fut lui-meme une des personnes de Vintrigue, Molidre la trouva tres propre ä etre accommodee en farce, et qu^avec quelques changenients il en fit la< comedie du Medecin malgre lui." Dass die Anekdote den Inhalt des Fableau sehr getreu be- wahrt hatte (was bei der üebereinstimmung des Vil. Mire und M, m. l, angenommen werden muss), wundert keinen, der auch nur einmal die ,tradition tres puissante et durable indefinimenV "*) in der Geschichte der Litteratur in ihrem Wirken verfolgt hat. Ich hoffe so die Art der ,föiation hien certaine entre le fableau du XIII^ sihcle et la comedie du XVII* siede' "*) mit einiger Sicher- heit näher bestimmt zu haben. Moliere's Fagotier. Ehe ich nun aber zu den ,Nebenquellen' des M m. l, über- gehen kann, zwingt noch die Erwähnung eines auf Moliöre's Bühne wiederholt aufgeführten Fagotier ^^^) zu kurzem Verweilen. Leider wissen wir nichts Positives über den Inhalt dieses Stückes. Doch lässt die Thatsache, dass der angegebene Titel sicher von Zeit-^ genossen Moliere's, vielleicht auch von ihm selbst, hie und da zur ^*®) Wie stand es darin wohl mit der der C. d. A. unentbehrlichen Liebesintrigue? "*) Damit wäre der Stoff Mol. wohl nicht ,par detours' (Wilike p. 21), sondern auf ganz natürl. und direktem Wege geliefert worden. "^) Oeuvr. de Mol.y Amsterdam, Wetstein & Schmidt, 1735, vol. I, p. LXXI). — Lacroix nennt diese Biographie .excellmte' cf. Bibliogr. Mol. ^ No. 991. 309. 317. — Dass Franz I. in der Anekdote figuriert, ist ebenso erklärlich und zu erklären wie das Erscheinen des Boris Gudenoff in Olearius* Erzählung. "^) Petit de Julie vi lle, la comedie et les moeurs en France aur moyen äge. P. 1886. p. 43. "*) Oeuvres de Mol., p. p, Moland « VIII, 8. "') Zum ersten Mai erwähnt ihn La Grange's Begister (p. p. Thierry, P. 1876. p. 54) unter dem 14. Sept. 1661. — La ThorilUere nennt ihn« 'Le Fagoteux.' Man vergl. zu dieser Namensfrage Oeuv. de. Mol. p. p:. Despois et Mesnard, N. E. I, p. 9. •58 Augud Kugel, Bezeichnung des Med, m, lui gebraucht worden ist, annehmen, dats der Fagotier sich inhaltlich wenigstens mit einem Teile des Mid, m, lui gedeckt hat. Ist dem in der That so gewesen, dann wird Moli^re allerdings seine eigene dramatische Bear- beitung des alten Schwankes vom ,,Arzt aus Zwang" bei der Abfassung des Med. m, lui ebenso benutzt haben, wie er sich für andere Partieen des Med. m. lui seines eigenen M6decin Volant bedient hat. Zvim yFagotier^ wird sich übrigens der ehemalige Bauer wohl im Laufe der Tradition vor Moli^re umgestaltet haben. IL Nebenquellen des Medecin malgre lui. In keiner der bespr. ,Hauptquellen' erscheinen ein paar Züge aus dem M. m. Z., die nur von untergeordneter, ja für den Gang der Handlung eigentlich von gar keiner Bedeutung sind: die Epi- sode mit dem Nachbar Robert (I. 2. 3) und die Stummheit der Lucinde. Auch sie sind nicht original, sondern entlehnt. Ihre Quellen dürfen wegen der geringen Wichtigkeit der Züge als ,Nebenquellen' bezeichnet werden. Um jedoch nicht zu weit geführt zu werden, beschränke ich mich darauf, die Nichtursprünglichkeit dieser Züge bei Moliere kurz dazuthun. Die Episode vom „friedenstiftenden Nachbarn", der zum Dank für seine gute Absicht schliesslich von dem eben noch uneinigen Ehepaar gemeinsam geprügelt und hinausgeworfen wird, war sowohl in der ital. Posse ^^®) wie auf dem franz. Theater des MA. bekannt. Ein prächtiges Exemplar des unglücklichen Nachbarn findet sich .z. B. im Mystere Saint Christophe de Chevälet von 1527 (Pet. de JuUeville Mt/st. 1. 270): y,Dans ce meme myst. on voit aussi un paysan hattre sa femme et celle-ci se fächer lorsqu'on veut empecher son mari de la baUre; mari et femme se reunissent pour rosser Vimportun.^ P. de Juli, erinnert sofort an den M. m. l.: y,Est'Ce lä Vorigine dhmt scene hien connue du Med. m, lui .*" — Auch das Gegenstück fehlt nicht, wenn die Versöhnungsversuche des Nachbarn z. B. in der ,, Farce des femmes qui demandent les arrerages"" (P. de Juli. Repert. 134) von Erfolg gekrönt werden. Der Docteur in der Jalousie du BarbouUle, sc. 6., der den Barb. und Ang^lique auf Wunsch von Gorgibus versöhnen will resp. soll, ist ohne Zweifel ein Sprössling dieses Typus. Mol. hat also diese Figur schon vor dem Med. m. l. verwandt und man kann es insofern cum grano salis acceptieren, wenn Mahrenholtz {Mol. p. 198) im Docteur der Jal. du Bari), den Keim des Nachb. Robert im Med. m. lui sieht. «Ohne Zweifel hat Mol. die Scenen vom Nachbar Robert in erster Linie '^vegen der sicheren Wirkung auf das solche handgreifliche Komik ^^°) LauHj Mai. mit dtsch. Comm. IX, p. 6. Untersitchungen zu Molihre^s Medecin mälgrS lui. 59 liebende Publikum eingefügt, vielleicht auch als Ersatz für eine andere Scene, vgl. unten S. 66. Auch der Zug, dass ein Mädchen liebeshalber stumm zu sein fingiert, ist in der vormol. Komödie vorhanden. Er ist eines der beliebten Mittel der Comm. dell'arte (cf. Bartoli, scen. ined., in- trod, XI) und hat wohl auch der franz. Bühne nicht gefehlt. Kurz, beide, der „friedenstiftende Nachbar" und die „fingierte Stumme*, sind alte Züge. Sie gehören zu denen, von welchen P. de Juli. {Myst. I. 2B9) sagt: ^Une Observation que suggere Väude des mysth'es et que confirmera celle des farces c'est que certains moyens comiques semblent imperissables, et se transmettent de sikcle en siedle ä travers les metamorphoses de la lüterature et du theätre."^ Von ihrer immer wiederholten Anwendung sagt Fournier^") mit Recht: „il rCy apoint lä plagiai, mais appropriation successive d'une plaisanterie traditionnelle. ' ' Man hat als Quelle Moliere's für diesen Zug im M, m. l. häufig eine Stelle aus Rabelais genannt. Rab. erzählt nämlich in 34 von der bekannten Studentenauffiihrung in Montpellier, in der er selbst mitgewirkt. Aufgeführt wurde die Farce von der „stummen Frau*, welche, durch Operation von einer Hals- geschwulst befreit, die Sprache erlangt, aber von ihr so reichlich (jebrauch macht, dass der Ehemann wünscht, seine Frau könnte wieder stumm gemacht werden — ein Wunsch, den ihm der Arzt freilich nicht erfüllen kann. Nur das kann und will der Arzt thun, ihn taub machen."®) Im M. m. l. aber erscheint nicht nur die (fingierte) Stumme, sondern wir finden darin auch die folgenden Stellen: II. 6. Sgan. Et qui est ce sot-lä, qui ne veut pas que sa femme soit muettef Hut a Dieu que la mienne eüt cette mäladiel je m^en garderois bien de la vouloir guerir. Und 111,6 G^r. Ah! quelle impetuosite de pa- rolesl II nCy a pas nioyen d^y reskter. (d Sgan.) Monsieur^ je vous prie de la faire redevenir muette. Sgan. Cesi une chose qui ni'est impossible. Tout ce que je puis faire pour votre Service est de vous rendre sourd^ si vous voulez.^'' Nach dem, was oben über das Vorkommen von fingierter *^') Fournier, Chansons de Gaultier Garguille p. XXV. — Citiert von P. de Juli., Myst I, 270. "^j Bahelais, III, 34. IJdit. Elzevir. Paris, Jannet, 1858. tome I,p. 480, 481. „ . . . jouastez . . . . la niorale comoedie de celluy qui avoist espouse une femme mute Le bon mary voulust qu'elle parlast. Elle parla par Vart du Medecin et du Chirurgien, qui lui coupperent un ency- Uglotte qu'elle avoit sous la langue. La parole recouverte, eile parla tant et tant, que son mary retourna au Medecin pour remede de la faire taire. Le Medecin respondit en son aH bien avoir remedes propres pour faire parier les femmes, n'en avoir pour les faire taire; remede unicque estre surdite du mary contre cestuy interminable parlement de femme.^ 60 August Kugel, Stummheit in der Komödie gesagt wurde, wird es richtig sein, den Hinweis auf Rabelais nicht so aufzufassen, als habe Moli^re über- haupt nur aus Rabelais den Gedanken genommen, resp. nehmen können, Lucile als Stumme auftreten zu lassen. Er kann das eben- sowohl beeinflusst von anderen Beispielen fingierter Stummheit gethan haben. Unzweifelhaft hat er aber diesen Zug durchaus im Anschluss an Rabelais ausgestaltet, und das war ein höchst glücklicher Griff."*) Auf einzelne entlehnte Wendungen, wie das: H y a fagots et fagots (nach Scarron) einzugehen, dürfte nach Mahrenholtz etc., wie bei dem Zwecke dieser Untersuchungen überflüssig sein. C. Die Resultate für den Medecin malgre lui. I. Was hat Moli^re seinen Quellen entnommen? Ziehen wir jetzt das Facit der Untersuchungen in Bezug auf die stofflichen Elemente des Med, m, lui, so ergiebt sich, dass Mol. sich durchaus alter Züge bedient und von ihm selbst geschaffene nicht verwandt hat. Entlehnt sind, um die unbedeutenden Züge vorauszunehmen, die Episode vom Nachbar Robert und die Stumm- heit der Lucinde. Entlehnt ist — nicht weniger als alles Andere, der ganze Inhalt des Stückes, und zwar aus zwei Stoffkreisen, die von vornherein als ,Hauptquellen' desselben bezeichnet werden durften, aus der Gruppe : „Diener als Arzt" und der Gruppe : „Arzt aus Zwang". Jene hat zum Med, m. lui durch Molieres eigenen MSdecin Volant beigetragen, diese durch eine Weiterbildung des Fäbleau du Vüain Mire, die, als Anekdote zu Moliere gelangt, von ihm vielleicht auch schon einmal (im Fagotier) dramatisiert worden war und, wenn dies der Fall gewesen, gewiss in dieser dramat. Form für den Med, m. lui benutzt worden ist. Für die erstgenannte Quelle kann erfreulicherweise auf Molieres Med. Vol. selbst, für die zweite muss auf den Vüain Mire zurückgegriffen werden. In- dem ich jetzt den Beitrag derselben zum Med. m. lui genau zu kon- statieren versuche, schliesse ich mich treu an die Scenenfolge im MSd m. lui an, damit zur Bekräftigung meiner Quellenhypothesen neben den Uebereinstimmungen in Personen und Zügen, d. h. im Stoff, auch die ebenso vorhandene Gleichheit der Disposition und "*') Die Vermutung von Peters in der S. 4. cit. Schrift: „Scarron's Jod. DuelV^ p. 33, dass ,,die simulierte Taubheit der Lucinde in Le M, m. l. {II, 6) der der Lucie im J. D. (F, 6) nachgebildet sei,'^ ist na- türlich hinfällig. P. übersah, dass Lucinde gar nicht Taubheit, sondern Stummheit simuliert. — Auch im Uebrigen haben J. D. und M. m. l. nichts gemein als die Idee: „Simulierung von Krankheit zur Erreichung des Liebeszieles." Untersuchungen zu MoUere^s Medecin mdlgre lui. 61 der dramatischen Auf Wickelung ^^®) zwischen Möllere und den an- genommenen Quellen recht deutlich hervortrete. Natürlich muss ich infolgedessen nunmehr im Gegensatz zu ihrer Reihenfolge in der Einzeluntersuchung den „Arzt aus Zwang" dem „Diener als Arzt" voranstellen, denn von jenem stammt hauptsächlich der I. Akt, von diesem der II. und III. Akt. A. Der Beitrag des ,,Arztes aus Zwang." Pe rsonen: Der „Vilain Mire" ... . Sganarelle. Seine Frau Martine. Die zwei Boten . , . . . Lucas, Valöre. Der König Geronte. Seine Tochter Lucinde. L AM = I. Episode, sc. 1. Sgan. ist mit seiner Frau in ehelichem Z wist und prügelt sie schliesslich. sc, 3, Die Eheleute versöhnen sich und Sg. geht an seine Arbeit. sc. 4. Mart. sinnt auf eine fühlbare Rache. sc. 5. Die zwei Boten treifen mit Martine zusammen und erzählen ihr, dass sie nach einem Arzt für ihres Herrn (halsleidende) Tochter suchen. Mart. gibt ihren Mann als Arzt aus, be- schreibt seine „Eigentümlichkeiten", schärft wiederholt das Prügeln ein und zeigt endlich den Boten den Weg zu ihm. sc. G. Die Boten begrüssen Sgan. respektvoll und reden ihn als den 'grossen Arzt' an. Er leugnet, Arzt zu sein. Sie prügeln ihn wiederholt, und er folgt ihnen endlich. IL AM = IL Episode. sc. 1. Die Boten melden ihrem Herrn, sie hätten einen Arzt ge- funden, aber er sei sonderbar. In sc. 3. ist vielleicht die Prügelung G6ronte's durch Sgan. eine Umgestaltung der nochmaligen Prügelung des Vilain Mire vor dem König. In sc. 6. ist die Stelle: „Sgan. assis entre Ger. et Luc.: Voilä une malade qui n'est pas tant degoütante, et je tiens qu^un homme hien sain s'en accommoderait assee. — G^r. Vous Vavez fait rire, monsieur. — Sgan. Tant mieux: lorsque le medecin fait rire la malade, c'^est le meilleur signe du monde^' . . . gewiss eine Reminiscenz an die Lachkur. *2ö) Dies wichtige Moment in Quellenfragen hat auch Wilke, 1. c. bei seiner Vergleichung des Vilain Mire und M6d. m. lui. nicht voll aus- genutzt. 62 Äugmt Kugel. IIL AU. sc. 2, — Kann mau vielleicht in der Konsultation Sgan. durch Tiüband und Perrin (und in Sgan. Worten: On me vieni chercher de tous cötes, III 3) eine Nachwirkung der III. Epis. sehen, so dass Mol. doch einen „Arzt aus Zwangt' mit der 111. Epis. ge- kannt hätte? sc, 6. = IL Epis. Die Kur ist Sgan. gelungen. Lucinde spricht wieder. sc. 11. = II. hee. III. Epis. Sgan. Wiederzusammensein und Aus- söhnung mit Martine. — Sg. bleibt Arzt. B. Der Beitrag des „Dieners als Arzt." Die Personen s. Anl. III. (Der Arzt heisst in beiden Stücken Sganarelle, der Vater im einen G^ronte, im anderen Gorgibus. Auch die übr. Personen haben verschiedene Namen^ stimmen aber im Weseu überein). Mededn mälgre lui. I. Akt. sc. 5. Lucas u. Valere auf der sc. 1. Suche nach einem Arzt für Lucinde, deren Krank- heit sie für eine wirk- liche halten. — Der von Lucinde verschmähte Freier. — Unwille der Diener. sc. 6. Sgan. übernimmt die Arzt- sc. 2. rolle, durch den verheissen. Lohn mit beeinflusst. — Er bedingt sich eine Arzt- robe aus. Mededn Volant. Sabine nach e. Arzt ge- schickt, erzählt von Luc. simulierter Krankheit. — Der zurückgewies. Freier. — [Unwille Gros-Renö's- in sc. 3]. Sg. übernimmt die Arzt- rolle gegen Lohn. — Er bedingt sich eine Arzt- robe aus. sc. 1. sc. 2. IL AU. Lucas u. Valere melden, dass sie einen Arzt ge- funden haben. Jacqueline liest G6ronte den Text. („Za mdUeure medegaine que Van pourroü hailler ävotrefille, ceseroU^ Selon moi, un biau et hon mari, pour qui alle eüt de Vamiquie.*^) SC i. Sabine meldet, dass sie einen Arzt gefunden hat. sc. 3. Gros-Ren6tadeltGorgibus. {,^Que diable amsil pour- quoi vouloir donner votre fille äunvidllardf Croye«- vous que ce ne soit pas le desir qu'elle a d'avoir un jeune komme qui la tra- vailleP') Untersuchungen zu MölUre^s Medecin mcHgre luL 6a. sc. 3, sc. 6. sc. 8. sc, 9, Der Arzt tritt ein, Re- sc. 4. spektvolle Begrüssung. „Hippocrate dit . . ." , Je n'ai Jamals eu d'au- tres licences^^ Jacq. geht Lncinde holen. Lucinde erscheint. Kon- sc. 5. sultation mit sich ähnlich steigerndem Diaig. Sgan. Qu^elle s'en garde bien! H ne faul pas qu^elle meure sans Vor- donnance du medecin. Sgan. Sent-eUe de gran- des douleurst — G6r. Fort grandes. — Sgan. C^est fort bien fait. Die „Geldscene." sc. 8. „Je ne suis pas un mSde- ein mercenaire. C( Komplot zwischen Sgan. = sc. ^. u. L6andre. L6andremuss zahlen. Der Arzt tritt ein. Re- spektvolle Begrüssung. ^yHippocrate dit . . ." = y^venes . . . me donner mes licences^^ sc. 2 Sabine geht Lucile holen.. Lttcile erscheint. Kon- sultation. Sgan. Qu^elle s'en garde- bien ! il nefaut pas qu^eUe s^amuse ä sc laisser mou- rir sans V ordonnance de la medecine. (= VÄm. Med. III, 2J. Sgan. Sentez - vov^ de grandes douleurs . . ./ Luc. Ouiy tnonsieur. — Sgan. C est furtbien fait. • Die „Geldscene." „Je ne suis pas un komme mercenaire.^'' (= VAm. Med. 11,2). Komplot zw. Sgan. u. Va- 16re. Val^re bezahlt Sga- narelle's Hilfe. Akt m. sc. 4. Lucas ist erbittert gegen Sgan. sc. 8. Lucas meldet die Flucht der Liebenden; Sgan. ist entlarvt. „ Votre fille s^en est enfuie avec son Liandre.^^ „Monsieur le medecin^ vous serez pendu.^'^ sc. 10. Sg. sucht G^ronte umzu- stimmen. sc. 11. Rückkehr des Liebes- paares. G6r. willigt in die Heirat und verzeiht die Täuschung. sc. 15. Gros -Rene schöpft Ver- dacht gegen Sg. sc 15. Gros-Ren^ meldet d. Flucht der Liebenden. Sgan. ist entlarvt. ,^Valere et votre fille sont ensemble qui s'en voni ä tous les diables.^^ ^ Tu seras pendu, fourbe, coquin.^' sc. 15. Sg. sucht Gorg. umzu- stimmen. sc 16, Rückkehr der Liebenden. Gorg. willigt in die Heirat u. verzeiht die Täuschung.. ^4 August Kugel, IL Wie hat Moliere die Quellen benutzt? Dadurch, dass sich feststellen Hess, dass Mol. seinen eigenen Med, Vol. so getreu und weitgehend für den M. m, l, benntzt hat, scheint mir zugleich erwiesen, dass nicht anzunehmen ist, Mol. habe vielleicht doch für das Ganze des M, m. l. ein die zwei Stoffe schon vereinigt bietendes Vorbild gehabt/ ^^) Die Zusammenschmiedung der beiden Stoffe: „Arzt aus Zwang*' und „Diener als Arzt'* zu dem einen Stücke ist vielmehr Moll^re's eigenstes Werk. Wie Moliere sie kombiniert, d. h. also, wie er seine Quellen benutzt hat, ist nun noch zu beantworten. Und diese Frage ist um so mehr von Interesse, als nach meiner Ansicht das Verhältnis der beiden Hauptquellen des M. m. lui zu ihm nnd zu einander bisher falsch aufgefasst worden ist. Man hat nämlich bisher, vom Titel verlockt, den „Arzt aas Zwang** als den Hauptbestandteil, das Fundament des ^^Medecm moLgre lui^* angesehen, ihn demgemäss auch in der Quellenfrage stets in den Vordergrund gestellt und daneben vom Medecin Volant, nur •wenig wissen wollen oder gar diesen ganz vernachlässigt. Nur ^^quslques inddents^^ und ^,guelques phrases^* seien letzterem entlehnt, ^meint noch Despois. (Oeuvr. de Mol, N, E. 1,2; 1,50; VIjj^). Das Höchste, was man ihm zugestand, war eine nicht näher be- stimmte ,Combination* mit der Idee des „Arztes aus Zwang**, in der letzterer aber die Hauptrolle behielt (Wilke, 1. c. p. 11). Ja, eine Combination der beiden Stoffe hat in der That statt- gefunden. Aber in dieser Combination hat nicht der „Arzt ans -Zwang" das Übergewicht, stehen sich auch nicht etwa die beiden Elemente mit gleichem Anteil am ganzen Stück gegenüber. In dieser gewissnichtsowohl überlegend berechneten, als in- tuitiv genialen Combination ist der „Diener als Arzt** das die Grundlage bildende, der „Arzt aus Zwang** das an- gefügte Element. Das Fundament, der alte Bau ist jener ; dieser ist nur das neu aufgesetzte Stockwerk, das freilich eben durch seine Neuheit die Blicke der Vorübergehenden auf sich zieht und sie den alten, unscheinbar gewordenen Grundstock übersehen lässt. — Denn was bildet eigentlich die Handlung des Medecin mälgre lui? Doch nichts anderes als die Intrigue des Medecin Volant. Zwei Lieben- den, denen der Vater nicht günstig gesinnt ist, gelingt es, mit Hilfe eines fingierten Arztes, der das Krankheit simulierende junge Mädchen behandelt, zu fliehen. Die Flucht wird entdeckt und der vermeint- liche Arzt entlarvt. Aber die Rückkehr der Liebenden und ihre Aussöhnung mit dem Vater des Mädchens löst das Ganze friedlich auf. Neben diesem vermeintlichen Arzt hatte nun Moliere einen '21) V^l. S. 5 oben. ■ '-» ■ - ■ Untersuchungen zu Meliere s Mededn modere lui. 65 anderen fingierten Arzt in der Anekdote vom „Arzt aas Zwang,, kennen gelernt und vielleicht auch schon einmal selbständig anf die Bühne gebracht. Es lag nahe, die beiden Scheinärzte zu einer Person zu vereinigen, zumal sie beide nicht von selbst als Ärzte auftraten. Dass jenen Geld, diesen Prügel hierzu bestimmen, ist ja im Grunde nur ein gradueller, kein genereller Unterschied und bildete kein Hindernis. Ob der fingierte Arzt in jener Intrigue Diener des Liebenden war oder nicht, war für die Handlung gleichgiltig, wo- fern Arzt und Liebhaber nur im Einverständnis waren. Endlich liess sich der Schwank vom „Arzt aus Zwang", da er selbst keine Liebesintrigue besass, dem „Diener als Arzt'* bequem voranstellen, ohne dass in der Handlung des letzteren allzu bedeutende Änderungen erforderlich wurden. Ein Bühnenpraktiker und komischer Dichter wie Moli^re musste sehen^ dass eine Combination, die in die Handlung des Mededn Volant die Figur des durch Prügel zur ärztlichen Wirk- samkeit gezwungenen „Arztes wider Willen** einfügte und ihr auch die Geschichte dieses Arztes vorausgehen liess, dem alten Repertoire- stück den Schein der Neuheit geben und durch die übermütige, derbe Komik des Elements „Arzt aus Zwangt dem so geschaffenen Ganzen einen dauernden Bühnenerfolg sichern würde. Moliöre sah es und vollzog die Vereinigung. Aus dieser Combination mit „Diener als Arzt" als Grundlage, „Arzt aus Zwang" als Einfügung erklären sich nun ohne alle Schwierigkeit die Änderungen, welche beide Hauptquellen in Med, m. lui erfahren haben und erfahren mussten, wenn ihre Ver- schmelzung ein einheitliches Stück ergeben sollte. Im Element „Arzt aus Zwang" musste aus der wirklich Kranken eine Scheinkranke werden. Das Halsleiden behielt Meliere bei, aber er machte es zu simulierter Stummheit. Die wirkliche Kur fiel na- türlich aus. Doch blieben Reste davon. Lucinde muss lachen und spricht wieder. Es ist also scheinbar eine Heilung vollzogen worden. Der jArzt wider Willen' ist natürlich zuerst der Meinung, er habe es mit einer wirklich kranken Person zu thun. Hierüber wird er aufgeklärt. Dann handelt er mit voller Absicht als Helfer der Liebenden. Damit die Versöhnung zwischen Sgan. und Martine bei- behalten werden konnte, musste Martine ihrem Manne nachziehen. '^^) Im Element „Diener als Arzt" verschwand die in Moliere's Med. Vol. unbestimmt gelassene Krankheit zu Gunsten der fingierten Stummheit. Der Liebhaber selbst weiss zwar, dass die Krankheit seiner Geliebten simuliert ist, hält aber Sgan. für einen wirklichen **^) Diese üebereinstimmung mit Grillo I ist gewiss zufällig. ^^) Auch diese Üebereinstimmung mit anderen Formen des Dieners als Arzt {Äc. de M., Ba/rt., Arl.) scheint mir zufällig. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX». 66 August Ktigel. Arzt nnd muss diesen also fiii* sich zu gewiiinen suchen. Das kann natürlich erst geschehen, nachdem Sgan. schon als Arzt bei Lac. aufgetreten ist. So erklärt sich die Zurückstellung der 2. Scene des Med, Vol, Naturgemäss fiel auch die Vermittlerrolle Sabines, doch blieb ein Rest dieser Figur in Jacqueline. Da Sgan. von allen (ausser Mart.) für einen wirklichen Arzt gehalten wird, müssen die Hauptbeteiligten irgendwie erfahren, dass er das gar nicht ist. Dem L^andre sagt Sgan. es selber. Lucinde erfährt es durch L6andre, der zu diesem Zwecke Sgan. bei der H. Konsultation begleitet.*") Da Sgan. keine Doppelrolle (Arzt und Diener) durchzuführen hat, ist der „Fenstersprung" beseitigt und der vermeinte Arzt wird nur durch die Mitteilung des Lucas von der Flucht des Liebenden ent- larvt. Beseitigt sind schliesslich im M, m l, die ^Advocaten'-Scenen des Med, Vol., wohl einfach, um zu viel Anklänge an diesen zn vermeiden. Die Episode vom Nachbar Eobert mag mit als Ersatz für die Advocaten-Scenen eingeschaltet sein (vgl. S. 59). Aus der Combination erklärt sich endlich auch die bei Mol. sel- tene Nichteinhaltung der Ortseinheit (I. Akt: Wald; IL u. III. Akt: Zimmer im Hause des 66ronte, und Platz bei dessen Haus). Es ging einfach nicht anders als die Ortseinheit zu opfern, wenn die Combination möglich sein sollte, und es ist deshalb müssig, den Wechsel des Orts auf Einfluss des Äcero de Madrid zurückzuführen. — Musste nun auch Moliere das geistige Eigentum an den stofflichen Elementen, aus welchen sich der Med, m, lui zusammen- setzt, völlig abgesprochen werden, so beeinträchtigt dies Eesultat doch die Anerkennung, die dem Stücke und seinem Schöpfer noch heute gezollt wird, in keiner Weise. Denn das Werk, zu dem Me- liere jene Elemente zusammengefügt hat, kann er durch die Art der Combination voll und ganz als seines Geistes Kind in Anspruch nehmen. Und ist der MSdecin mdlgre lui auch nur eine Posse, so muss man doch von ihm gestehen: „Owf, c^est tine farce\ mais c^est une farce de Moliere, on Vy reconnaU partotU,^^ Anhang. I „Zur 3. Episode des Vilain Mire." Die „3. Episode" des Vilain Mire tritt, wie S. 41 u. 43 er- wähnt, im Xni. Jhdt. zweimal selbständig auf : im Pfaffen Amis^**) und bei J. de Vitry.^**^) Dort erschien sie in einer Form, die ich als Nachahmung des Fableaus bezeichnet habe; hier ist sie ganz eigen- iM) Erzählungen u. Schwanke des Mittelalters, hsg. v. H. Lambel, Leipz. 1872. S. 46—50. Vers 80Ö—932. iw) Ex of J. de Vitry, «(?. Crane. No. CCLIV. Untersuchungen zu Mölüre's M4decin mcUgre lui. 67 tümlich umgestaltet und unzweifelhaft sekundär. Kann man viel- leicht doch annehmen, dass die 3. Episode ihrem Ursprung nach eine — schon im Orient vorhandene? — Zudichtung zum „Arzt aus Zwang" (=1 + 2) gewesen ist? - - Natürlich konnte sie sich jeder- zeit leicht von den beiden anderen Episoden ablösen, ein Vorgang, der sich auch am Italien. Grillo vollzogen hat. Ohne Zweifel hat sich Poggio's^^*) Anekdote: ^Facetum cujusdam PetrülV von einer Grillo- form losgelöst. Die Vitry'sche Form der 3. Episode ging über in die Mensa Fhüosophica,^^'^) und von da, einfach übersetzt, in die „Certayne Conceyts and Jests,^^^^^) Der Ulenspiegely^^^) der sie als XVII. Historie enthält, hat sie nach des Verf. eigener Angabe aus dem Pfaffen Amis geschöpft, ist aber m. E. auch von Poggio beeinflusst. Poggio wurde kopiert von Bouchet^ *'^) dieser wiederum von den Anekdotensammlungen: „Xa Gibeciere de Jlfome"*'*) und „Ze Courier Facetieux^*.^^^) Ich habe die genannten Formen in den „Stammbaum der Gruppe Arzt aus Zwang" (Anl. IV) mit aufgenommen, bin aber in den „Untersuchungen . . . ." absichtlich nur da ausführlicher auf die eine oder andere von ihnen eingegangen, wo dies vielleicht zur Klärung der Quellengeschichte des Medecin mcdgrS lui beitragen konnte. Die genannten selbständig lebenden Formen der ^3. Episode' sind natürlich ohne alle Beziehung zum M. m. lui; ich habe sie aber hier zusammengestellt wegen ihres angeblichen Zusammenhanges mit dem Fableau du Yüain Jfire."') *'*) Les Facäies de Fogge, trad. en fr. avec le texte latin. !ßd. compl., Paris, Liseux, 1878. Tome n. p. 110/111. Vgl. oben S. 48. '") Abgedruckt bei Crane, jKr. of J. d. F., p. 241. 128) Ygf Crane 1. c. p. 242: merely a translation of Scotus. — Shakespeare Jest-Books, ed. by W. C. Hazlitt, London 1864. Vol. III. No. 29. ''") Dr. Thomas Mumer's ülenspiegel Hsg. von J.M. Lappenberg. Lpz. 1854. S. 22. 23. 238. ^3°) Les Serees de G. Bouchet. td. dem. — Vgl. S. 50. *^*) La Gibeciere de Mome ou le thresor du ridicule. Paris, Pierre David. 1644. petit in — 8<^. p. 456. Subtile ruse d'un Cardinal. — [Hzgl. Bibliothek zu Wolfenbüttel]. ^'^) Le Courier Facetieux ou recueü des meilleures rencontres de ce temps. Lyon, Larivi^re, 1650. in — ö^. p i29: Subtile ruse d'uu Cardinal). — (Kgl. Bibl. zu Berlin]. »«») Vgl. z. B. Le Grand d'Aussy, FabV 1779, 1, 410. 5* 68 August Kugel. II. Vergleichende Übersicht über die Komödieu 1.2.3.4.6.7. der Gruppe: „Diener als Arzt." 1. Stnfe : ElAcero de Madrid: 3 Liebespaare. Hindernde Verwandte. Nebenbuhler (verwandt). „Arzt" begleitet. Sofortige Entlarvung des „Arztes." Verfolgung der Liebenden. 2. Stufe: II Medice Volante (Bartöli)] TrufaUino M. F.: 3. Stufe: Arlecchino Medice Volante : 2 Liebespaare. Hindernde Verwandte. Nebenbuhler (nicht verwandt). „Arzt" begleitet. „Fenstersprung." Rückkehr der Liebenden. 1 Liebespaar. Helferin. Nebenbuhler (nicht verw.). „Arzt" allein. Briefl. Verstän- digung. Drei- akter. 4. Stufe : BoursauU^ Moliere M. V.: 1 Liebespaar. Helferin. Nebenbuhler nur b. Moliere. „Arzt" allein. „Fenstersprung". Rückkehr der Liebenden. Mündl. Verstän- digung. Einakter. Untersuchungen zu Moliere^s Medecin malgre lui 69 m. Vergleichendes Verzeichnis der Personen in den Komödien 10.1.2.3.4.5.6.7.9.11. der Gruppe: „Diener als Arzt." 3A. TH-ufaldino Medico Volonte. 3A. M 0 1 i ö r e Le Medecin malgre lui. 3A. Lope de Vega. El Acerp de Madrid. SA. // Medico Volonte. (Bartoli.) .lA. Arlecchino Medico Volonte G6ronte, pöre de Lucinde. Lucinde , Alle de G6ronte. L6aiidre,ainant de LuQinde. Hganarelle mari deMartine. Martine, femme de Sg. M. Kobert, voi- sin de Sg. Valöre, domes- tiquedeG6ronte. Lucas, mari de Jacqueline. Jacqueline, nourrice chez G6ronte et fem- me de Lucas \ Thibaud) pöre de I Pay- Perrin | sans. Perrin j Prudencio, viejo. Beiisa, su hija. Ubaldo, padre di Lucinda. Lncinda, sua üglia, amante di Valerie. Lisardo,amante' Valerio, aman- de Beiisa. | te di Lucinda. Beltran,criadolCola, suo servo de Lisardo. Maenifico, paare Isabella, iiglia, amante di Ar- delio. Ardelio. aman- te di Isabella. Saluoio,criado de Octavio. Zanni, servo del Capitan. Teodora, tia de Beiisa. L e 0 n 0 r , esclava Riselo, amigo de Lisardo. Ardelia, nipote di Lucinda (lies : Ubaldo). Ottavio, aman- te di Leonora. Pantalon, päred'Eularia. Eularia,mat- tressed'Octave Octave, amant d'Eu- laria. Trufaldino,serj Harlequin, vo, finto medico. valet d'Octave F 1 a u t i n 0, servo di Coviello. Trivolin, va- let du Capitan. Diaman- tine, suivante. d'Eularia Rosetta, zia, innamorata di Florindo F 1 0 r i n d 0 , amante di Cintia. Gintio, ami d'Octave. Marcela,dama. Leonora, figlia'Cintia,figliadel j. «.,.,*_ , Dottore, amante di Florindo. Dottore, padre. Florencio, ri- vale de Riselo. Gerardo, su amigo. Octavio, 80- brino de Pru- dencio y rivale de Lisardo. Caballeros, Mu- sicos y Criados. di Pandolfo Pandolfo, pa- dre di Leonora. Gapitano. Capitan Covi eflo. Le Capitan. Le Doctour 70 Augtist Kugel, m. Vergleichendes Verzeichnis der Personen in den Komödien 10. 1.2. 3. 4. 5. 6. 7. 9. 11. der Gruppe „Diener als Arzt." La Zerla. Atto ni. lA Boursault. LeM^decin Volant lA. Moliöre. Le Midedn Volant, Moliöre. L'Ämour Medecin. Moliöre. Le Malade ImaginaU'e. Pantalon. Eularia, sa ttlle Octave, amant d'Bolaria. Arlequin. Trivelin (Ami d'Arleqoin i) Fernand, pöre de Lucrdce. Lucröce, mat- tresse de G16on. C16on, amant de Lucröce. Crispin.yaietde CUon,m6a.volant. Philipin, de Fernand. Lise, servante de Lucröce. GoreibuSypdre de Lucile. Lucile, fiUe de Oorgibus. Yalöre, amant de Lucile. Sganar eile, valet de Valöre. Sganarelle, pöre de Lucinde. Lucinde, fiUe deSg. Clitandre, amant de Luc. valet Gr OS -Ben6, va- let de Gorgibus. Sabine^ oousine de Lucile. Champagne, valet de Sg. Lisette, sui- vante de Luc. Lucröce, niöce de Sg. Argan, mala- de imaginaire. Ang61ique, Alle d'Argan. G16ante, amant d'An- gölique. Toinette, servante. (Toinette). ßöline, se- conde ferame d'Argan. Cantöas, habiio Un Avocat. mödecin. i I Aminte, voisine de Sg. M. Guillaume, I marchand de ta- j pisserie. !M. Josse, orfövre. |Les Docteurs: iThomöSjDesfonan- drös, Macroton, Bahis, Filerin. Un Notaire. Thomas Diafoirus. Haralde, fröre d'Argan. Louison, pe- tite ftlle d'Ar- gan. Les Doc- teurs: Diafoi- rus, Purgon. M. Fleurant, Apothöcaire. M. Bonnefoi, iiotaire. Untersuchungen zu Moliere^s Mededn malgrS lui, 71 IV. Stammbanm der Gruppe: Arzt aus Zwang Qukasaptati 1 + 2 • ... lit. Märchen. (1 + 2 mit Rachemotiv) 2. Olearins. 1+2. (1 + 2) + 3? Jacquen de Vitry 1 + 2 3 Le Yilain Mire 1 + 2 + 3 MenBaPhilosophica (1+2) 3 Z Pfaff Amis (Vilain Mire+Dr. Allwissend) 3 CompU. Sing. Nicole Bozen 1+2+3 1 + 2 Gert. Conceyts 8. Grillo 1738 1+2 + 8 Grillo II (1885) 1+2 + 3 Beuchet 3 2 Le Docteur 2. Gib. de Mome Conr. Facet. ^ 3. Notes snr la flexion wallonne. J'ai rintention, dans les pages snivantes, de compl^ter, an point de vue sp^ial du wallon, Tanalyse critiqne qne M. Behrens a faite ici meme, dans la livraison d'aoüt 1895 (XVII, 4), des 400 premi^res pages, du 2® tome de Touvrage de M. Meyer-Lübke. Non qne M. Behrens se soit interdit les additions qne fonrnissait r§tnde de ce dialecte; mais son compte rendn avait nn caract^re trop g6n§ral ponr qnll put s^6tendre longuement snr les particnlarit6s d'nn senl parier, omises ou mal interpret6es par M. M.-L. De plus, j'anrai moins sonvent recours anx pnblications ant6rieures, sources uniques des not es de M. B., qu'ä des recherches propres ou f altes en collaboration, et dont les resnltats n'ont pas encore et6 mis an jour. § 78 il ponr el (eile) n'est pas plus rare en wallon qu'en lorrain on en bl^sois; on l'a dans la r^gion vervi6toise (Mel, toaUons^ p. 58. s. V. eile sans determination plus pröcise), en Hesbaye, par ex. k Fexhe-Slins oü il = eile et el = elles; k Li^ge meme, dans les Äiwes di Tongtie (1700) etc.; dans les gloses de Darmstadt 39 VO7 etc.; la suppression du pronom ä la 3® pers. sg. et plnr. n'est pas etrang^re au wallon, non plus qne djü {dje) = no(s). C'est h partir de St. Hubert (Lnxembonrg) qne s'observe ce demier ph6no- möne, general dans les arrondissements d'Arlon et de Virton; il est cnrienx de noter que, dans certaines commnnes, la forme diffi^re vocaliquement an. sg. et an plnr. A Anlier, j'ai note dji an sg. et cije au plnr. La tendance en question semble avoir plntot gagne qne perdn du terrain; k Li^ge meme, la forme inten'ogative de ^nom avons^ est en patois avän qui ne pent gu^re s'interpreter qne comme 6tant avan{s)-dj(i) ponr avan(s)'n(os)y et non äne comme on lit p. 369 (408 de la trad.). § 83 lezi se dit dans le Nord-wallon aussi-bien qu'ä St. Hubert; k Li^ge elzi el lesi par (exemple dans le Choix de B. et D., p. 186: "qu'ill le^ siev' di tais-ti-böche"); au cas regime le pronom atone, pr6c6dant le verbe, est k la 3® pers. el on IL Dans Li mdie neur d^ä Colas^ p. 76, on lit El fdt-ü-rispdmerf L'auteur anrait pu dire Li fät-il ou plutot Li fdt-i — "Le faut-il rincer?" Notes sur la flexion wallonne, 73 Zevef= levez vous (§ 84) est en wallon aussi genSral qu'en lorrain; on dlt de meme ISvan = leyons nons, qni n^est pas senlement inter- rogatif. § 90. M. Behrens a d6jä attir6 Tattention sur an passage pen clair oü M. M. essaie d'6tablir une d^marcation entre in(e) et m(e)n = mon atone. En reälit6 m(e)n se dit jnsqn'an coeur d'ane r6gion qai englobe Namar. En ce qni concerne Fanalogie in- contestable de traitement qne Ton constate ponr mem et rem, il est bon de noter que rie est exceptionnel dans le Nord-Est; re, ren sont les formes ordinaires, dans la r6gion liegeoise et vervi6toise; il semble qne la premi^re, nasalis§e on d6nasalis§e (rS) domine snrtout dans le Nord, tandisqne la seconde est plns r^pandne an 8. 0.; on Pa d6jä k Hognonl et ä Momalle, c'est-ä-dire snr nne ligne qni correspond k pen pr^s an trac6 dn chemin de fer de Li^ge ä Waremme. Plns an S. 0. qnelqnes villages ont nne sorte de r6sonnance, qn'nn de mes 61^ves a not6e ainsi : ^yifiene) ; les riverains de la Mense (Ampsin, Jehay, etc.) ont e, qni se retronve de ei de lä, dans le Lnxembonrg. üne formation interessante c'est anx 2® et 3« pers. tok et sök = (le) tien, (le) sien anxqnels correspond en Nord-wallon li meh (Grand Lanaye, Roclenge, Boir, Glons, Hontain St. Sim6on, Wihogne), oü M. Delaite {Qrammaire, etc., II, p. 73) avait bien tort de reconnaitre Tinflnence dn flamand. § 96 cel toniqne a snbsiste jnsqn^an si^cle dernier dans le dialecte litt^raire. On lit dans le Choix de B. et D. p. 164: "Ho! c'est bin fait di s'marier-Ces qn'el polet esse* — Maintenant on dit li cif plnr. U ci; qne ceZ = ece'llli est d'antant plns vraisemblable qne Ton a conserv6 el = Uli dans js-dl oü z est adventice. § 107. De meme qne ponr lejsiy il fant observer ici qne ken et ten sont des f ormations tr^s g^n^rales en wallon ; ä la limite septentrionale de ce dialecte j'ai releve ken h Emael ; k Eben on a kan masc. et Mn fem. ; ken se retronve k Hannt, k Jehay-Bodegn6e, etc. Mais ce qni est plns snrprenant, c'est la forme kek, peut- etre refaite sur mek et qni existe, comme eile, a Grand-Lanaye. TSn est sporadique dans les provinces de Namnr et de Lnxembonrg. § 128. M. M. Signale nn seul ex. de modification de Tinfi- nitif sous rinfluence du participe passe. Les rapports de ces denx modes dans les patois enssent m6rite une etude particuli^re. En wallon il y a une tendance de plus en plus marquee k refaire l'infinitif sur le participe; anx formes voksr, polosr, d^vcer etc. se substituent, dans bien des communes, völu, polu, d^vu (ou volü ou vohe), Dans le seul canton de Fexhe-Slins j'ai note l'identitö des formes k Fexhe-Slins, k Hontain St. Sim§on (-ö), k Tilice, ä, Enixhe et k Heure le Romain (-«). Ce qui est plus digne de remarque. 74 M. WUmotte. c^est le traitement particnlier qui a 6chn k hdbere-utu et k sapere-- utu (voyez le § 243). Infinitif: avu et savu\ mais poloer, volosr, d^voer, etc. k Voroux, Liera, Milmort, Viveg^nis, Hermalle-sous-Argenteau, Nivelles et Grand-Lanaye, c'est-ä-dire sur une ligne qui serait-trac6e au Nord-Ouest de Li^e, fl^chirait 16göre- ment dans la directiou de la vall^e et suivrait le fleuve jusqu'ä la fronti^re hollandaise. lufinitif et participe pass6. Oyü et sgt/ü, mais polu, volu, d'vu etc., k Rocour, Villers St. Simeon, Juprelle, Paifve {pyü seulement), Wihogne. A Oupeye, la meme distinctiou se constate; toutefois, on dit ^-ti, sg-u, mais völmr^ polcer, d^vcsr k Tinfinitif ; il en est de meme k Basse- Hermalle; k AUeur et k Lantin les deux inünitifs ont u; les participes sont respectivement am, savü et volu, polu, d^vu, etc. A Otli6e infinitif s avü, soyü; poloe, d*voe, etc. participes oyce, soy(B\ polü, d^vü, etc. § 136 — 9. Toutes les personnes de Tindicatif prösent feraient utilement Fobjet d'un examen nouveau; je me contenterai de grouper quelques observations de detail: La 1^^® pera. du sg. poss^de, une forme faible, en.-ey, signalee par M. Delaite, Essai, etc. I, p. 39. et §tudi6e § 204, par M. M. qui transcrit a tort sposay, etc. au lieu de sposey oü ey est plutot bref que long. II n'eüt pas et§ superflu d'ajouter que des verbes n'appartenant pas k la 1^^® conjugaison connaissent Tinfixe ey et que le son qui est dans celle-ci ne pent §tre identifi6 avec celui de marey = marie (1 sg.). A la 2® plur. -oü ne pent repr^senter e, comme il est dit p. 197 (177); c donne <£, dans le Nord wallon, ü plus au Midi et non o(i)] il faut donc chercher ailleurs Torigine de cette formation en'0(£^) qui n' a pas encore 6te d61imit6e depuis la fronti^re flamande jusqu'ä la frontiöre allemande, mais qui, en tout cas, est d6jä generale au Nord de Namur {k Hannut, k Burdinne, etc.; Jehay Bodegnde a oß, Fumal a un son interm^dlaire; la limite s'encline ensuite dans la directiou de l'Est; on a -e, non -g k Laroche et dans les villages voisins; en revanche Hampteau, Les Tailles et Gouvy ont -o.). A la 3® plur. il y avait lieu de signaler le phenomene propre au sud de la Bei- gique, mais moins r^pandu qu'on le croit geueralement et que j*ai ^tudi6 Bomania XIX, 89 et Gloses de Barmstadt] je veux parier du double recul de l'accent qui aboutit k des formes telles que tchätnu, emnu, alors que le Nd a tchäte, eme = cantant, amant, § 147. Je ne saisis pas la restriction formul^e dans la regle relative aux subj. pr6s. en -sse wallons. Cette terminaison n'aurait persistß que **dans les verbes de III {ere, ere), en taut qu'ils ne se terminent pas en voyelle + te, de,^ Mais parmi les ex, cit^s Notes sur la flexion waUonne. 75 il y a d6ja prendam, il pourrait y avoir anssi credant, videam^ poteam, etc.; sentire a donne ses h cöte de set et ce n'est pas le seul verbe en-ire, qui connaisse ce traitement. L'explication donn6e de celui-ci ne me parait pas non plus convaincante. Pour. quoi reSj dces k cöte de rede^ dcevef Et comment l'analogie de cette -s aurait-elle op6re au pluriel? Si j'anticipe sur les obser- vations auxquelles donne lieu la conjugaison du verbe etre, je constate que le subj. präsent de celui-ci possMe la d^sinence en -s aux 3 pers. plur. et non au sing. On dit, sauf variantes dont 11 sera question plus loin: seyäs ou seyä/, seyes ou 5^y^/, seyh ou s^^^/> ß^8,is ki dji (ü, i) säy. Ce sont lä, des fonnes 6videmment imitdes de Timparfait du subjonctif, qui a fourni Tunique moyen de les diff6rencier de Celles de Tindicatif präsent; c'est aisö ä v6ri- fier \k oü on dit estos ou esto/,^ au subjonctif et esto k Tindicatif (c'est le cas k Liers, k Paifve, k Juprelle; plus au S. 0., k Pellaines et dans la r6gion brabani^onne); dans le sud du Luxem- bourg, ä Etalle, on dit respectivement ä la 1 sg. et la 1 plur. du pr§sent et de Timparfait du subjonctif: hi dj 'sw; ki c{j^at€s; ki dj Otts, ki dj ^ates\ Temprunt est donc flagrant (voyez l&-dessus Meyer, § 307). Si Ton ajoute k cet argument celui que fournit Tanalogie de certains verbes de la 2® conjugaison {sentiam a donne r6guli6re- ment gue je sench(e) en anc. picard, ki dji sex ou ses en wallen) toute difficult§ disparait. Loin donc de donner k la 3® conjugaison un rdle pr6pond6rant dans l'explication du ph§nomöne, il convient de reconnaitre que c'est en tout dernier lieu que l'analogie a du opörer sur eile. -— A la fin du § 147 M. M. rapproche les formes wallonnes vuelge, tienge des autres ex. „du subjonctif en-^a*^ qui lui fournissent les textes de l'Ouest. Je ne sais ce que ces ex. ont de probant, mais ce que je crois certain, c'est que lg, ng wallons ne representent que le mouillement de la liquide et de la nasale; g est dans ce dialecte le signe de la palatale; de \k les fonnes volg = volhy creguz = creyuz, dans les IHal, Greg,, de \k gh = g(eji) dans les chartes du pays {Emiania, XVII, 562); de \k peut-§tre aussi ces graphies si embarrassantes du plus ancien document wallen, c'est-ä-dire de la cantil^ne d'Eulalie: regiel et pagiens, que je lis reiiel et paiiens, avec ce mouillement tr^s prononce que le wallon a garde jusqu'aujourd'hui. § 172—3. n est interessant de constater que le wallon a montr6 une rare fidelit6 k 1 'Etymologie dans la conjugaison des verbes k radical termine par une dentale ou une labiale. Dans co(n)suere, le groupe s-r n' a pas plus rec^u la consonne d'appui qu'en lorrain, d'oü les formes du präsent dji käs, no(s) kosä, l'in- finitif käs, etc. ; en revanche pas de f ormation analogique avec s dans sedere ni videre. Dormir a 1 sg. präsent dji dwdr pu 76 M. WilmoUe.- äji dwem, Dans vi(s)1ce, le Ä; a pris pied dans toute la conju- gaison. § 206 et sg. Les additions de M. Behrens n'ont pas epuise la question des formes divergentes du verbe etre, II est peu de villages qui n'offrent ä, cet 6gard une cr§ation analogique propre, sous rinflnence des lois phon6tiqnes qui r6gissent son vocalisme ou son consonnantisme. Voici nn tablean da subj. present que j'ai dressö pour le N. 0. de la province de Li^ge; on y rel^vera quel- ques omissions que je n'ai pas le temps de reparer en ce moment: 1 — 3 sg. 1 plur. 2 plur. 3 plur. Liers soeß Juprelle id. Oth^e id. Paifve id. Wihogne id. Lantin id. Houtain St. Sim6on et Xhendremael id. Voroux id. Tilice id. Vevegnis id. Heure-le-romain id, Lixhe, Loen id. Haccourt id. Oupeye, Herm^e id. Basse-Hermalle id. HognouljHermallesous Argenteau id. Glons, Boir id. Roclenge, Bassenge id. Wonck id. Le subj. imparfait prete aux memes remarques que le parfait d^ü il est r6guli6rement issu. Ce demier temps, lorsqu'il n'a pas disparu, difföre parfois 6galement de village k village (§ 299); on dit dji fu, no furi(n) ä Xhendremael, Loen, Roclenge, Wonck, et, sur la rive droite de la Meuse, ä Berneau; dji fu, no fuyi k Warsage; dji fuya, no fuyi k Oupeye et a Vivegnis; dji fun, no fun{n) k AUeur k Hermalle et k Othee; k Villers-rdveque estin a valeur de parfait, estive celle d'imparfait; k Herstap, sur la f ren- tiere des langues, toute diff^rence entre les deux formes a disparu; ailleurs, il n'y a plus de parfait, sinon periphrastiques : c'est le cas estos ^), estes, estes. esiäs, estes, s^y^s. estö/, estex, smx- estoj, estey, estes. estä/, estex, estfX' seyäs, Sfyes, m^s. smx, sgyex, sey^X' sdox, — soyä/, sceyaos, soeyes, saey^s. id., id., sey^s. s^yas, smx* smx- sopyäSy myly. soeyey. sceyäs, S(eyls, soeygs. seyäx, sceyls, scey^x- s^yäx. seyix, smx- s^yo/, smx, smX' soeyäx, soeyex, S€ey?X' soeyo/. id. id. ^) Ces formes en äs (os) ou ä^ (o/) se retrouvent en pays namu- rois, oü le subj. präsent est ki no sgyäl et le subj. imparfait fuSäs; k la 2 plur. la finale -oiz) de rindicatif a p6n6tr6 jusqu'ici, et on dit sgygs an präsent, de meme que oeyoS (ayez). Notes sur la fleximi wallonne, 77 ä Wihogne, ä Houtain S. Simeon, ä Basse-Hermalle, k Haccourt, k Lixhe, k Boir et jnsqn^ä Bombaye, tandisqne Warsage est plns avantag^ sous ce rapport. En somme il n'y a gn^re, dans la r^gion septentrionale, que le present et rimparfait de rindicatif, et les temps composes avec avoir, qui offrent une certaine uniformite. An Sud, il en va differemment. Je ne pnis, dans T^tat actnel de mes recherches, dresser nn tablean complet; je signalerai senlement les formes de quelques villages, qui ont d6jä le traitement lorrain au pr6sent de Pindicatif : Habay la vieille ) , , ^ .w ^ ^Uer j ^^' ^' ^' ^^' ^' ^' Bulles id, so, e, so. Etalles et St. Marie id, ata, at^y, ata. L'imparfait est atu-aten {ate) ou aslu{Q\ etc., suivant les lieux. Ce sont d6jä les formes all^u^es par M. Meyer (p. 253, 282 de la trad.) et M. Behrens comme 6tant caracteristiques du lorrain. § 219 et sq. Tons les verbes §tudi§s k la suite de esse, mais particuli^rement stare Äafterc m^riteraient d'§tre envisagdes de faQon d6taill6e. Je me bomerai k quelques constatations. Statt (§ 224) que M. Meyer Signale dans S. Brandan, a surv^cu jusqu'au XVn® en wallon; on le trouve dans un texte de 1631 {Choix, etc. B. 66): Mi qui stä Ik so cost6 Mi qui veut, qui n'ois'mote. cmp. p. 68: pus qu'i VsUd sol'von' de cour. Le futur stieret ibid. p. 67. Le subj. estas a d6jä 6te Signale; il forme le pluriel de sosy dans plusieurs lieux; il n'est donc pas propre aux textes normands. Quant k Tinf. dale (§ 231), si le wallon ne l'emploie pas, il poss^de une forme dyä qui ne peut guere s'expliquer que comme le representant de {in)de + eamus, avec la valeur interjective de: eh bien, allons. Le pendant du fi l'analogie est i djont que M. Delaite {Grammaire, etc., p. 181) a retrouve k Mortroux et qui signifie: ils vont; la 1 plur. Jons est dejä dans un texte de 1634 (Choix, etc. p. 100) — Habere offre plus d'une analogie avec esse dans la formation des temps du passe. Les subj. estas et fut/as ont leurs correspondents aväs, gt/äs, etc. ; sur le parf. dfava on a refait un subj. imparf. aväs, dont les 3 per- sonnes du pluriel k Vivegnis, par exemple, sont avts; ams-, gyis, A AUeur on dit avä/. Ce sont \k des creations r6centes, qui ont supplant6 presque partout les formes plus anciennes dfoeri ou dfoe, d'oü le subj. euxh (3 sg.) et exhin (1 plur.) dans une piece de 1634 {Choix, p. 109). Une troisi^me formation est celle dont M. 78 M. Wilmoüe. Suchier (Zs. f. B. Ph, II) a fait riiistoire; ou la trouve encore dans Tati U perrqui, de meme que d^vinv ou vinf = (de)vint dans le Choix, p. 155; la 1 sg. du present, qui est a, est conserv^e, non seulement dans les r6gions li6geoise et namuroise, mais jusqu'ä Textreme Sud; on dit h Etalle et ä S*®- Marie a, ^, ^; avan^ ave; avän, § 251. Dire que l'infinitif 'polör est wallon, ce n'est pas assez nettement indiquer la predominance, dans ce dialecte, des formes analogiques de Celles de volere\ on dit au präsent no pola, vo pole, i poU\ rimparf. le parf. et le subj. impf, ont de meme poUf, pöla et pölas, Ce sont lä, des traits bien modernes, surtout aux temps pass6s. En 1634 {Choix, etc., p. 104) on disait encore vöf=voluit et vraisemblablement pof = potuit] en 1700 je note le parf. fdf = fallut, qui est plus extraordinaire {Choix, etc., p. 150). M. M. cite ces formes (§ 281) mais sans les dater. Le futur a 6t6 vtielrai-as-a, d'oü voiront (= voudront) vers le milieu du XVII® s. (Choix, etc. p. 166); le condit. 1 plur. voirin (id. p. 76) et 3 p. voiri{nt) (id, pp. 8 et 75); de meme on 2bpoirans (id. p. 79), poiret'Ont dans les Äiwes di Tongtie, c'est ä dire pue{l)raU-anS'Ont. § 299. Sur fis (qu'on a notamment dans les Äiwes di T, ä la 3 sg. et que fha a supplant6) on avait fait un subjonctif im- parfait fix (fih dans le meme texte, Choix, etc. p. 148). § 307. A propos de ce que dit M. Meyer, dans des termes d'ailleurs peu clairs, de la confusion qui est ä Torigine des temps actuels du subjonctif en wallon, particuliferement des subj. präsent et imparf. en -äs (-«/), il convenait, comme je Tai indique plus haut, de citer les formes du verbe etre qui sont tres significatives. Le sg. estäx usit6 k Liege et le pluriel estä^ (1), estex (2), est^x (3)> qu'on a, par exemple, k Wihogne, sont dans un rapport aussi etroit que possible, et il est plus vraisemblable, que c'est de ce verbe et de ses congen^res en -are, qu'est partie Timpulsion. D'abord on a dit au präsent: söey, sosyds-es-fs (formes pr^dominantes en Hesbaye) et ä Timparfait fux'Xil plus tard sur un parfait esta on a refait un subj. imparf. estax'Xi ®t sur celui-ci un pluriel du subj. präsent ^äx-ex-exy le singulier resistant davantage, comme on Tobserve en Hesbaye; ä Li^ge et dans certains villages sosj/] sc^äs-es-^s sont encore seuls usit^s; il en est de m§me k Namur. M. WiLMOTTE. 80 E, Brugger. zwar mit Zimmer auch nicht durch Dick und Dünn ; aber man mag in seinen Ansführnngen an Einzelheiten auszusetzen haben, so viel man will: die Grundzüge seiner Theorie bleiben als gesichert be- stehen. Zimmer hat Beweise gegeben, die jeder vorurteilsfreie Leser als solche anerkennen muss, dafür, dass die französischen Arthurromane und Lais zum Teil und zwar zum grossen Teil aus der Bretagne stammen. Wenn er glauben sollte, auch bewiesen zu haben, dass gar nichts aus wälschen Quellen stamme, so ginge er zu weit. Ich neige mich zwar auch dieser letztern Ansicht zu, in Anbetracht dessen, dass bis jetzt noch von keinem einzigen Lai oder Romane direkt — wälscher Ursprung (ich betone direkt) nachgewiesen wor- den ist, von englisch-anglonormannischer Durchgangsstufe gar nicht zu reden. Doch erst wollen wir das Ergebnis weiterer Unter- suchungen abwarten, ehe wir uns definitiv und exklusiv entscheiden. Versuche, einen Nachweis für wälschen Ursprung zu erbringen, gibt es zwar genug; aber kein einziger kommt auch nur einem Wahr- scheinlichkeitsbeweis gleich. So wie die Dinge jetzt stehen, hat die armorikanische Theorie vor der wälsch-anglonormannischen den be- deutenden Vorsprung, dass sie bereits auf Sicheres, sojrar von den Gegnern nicht mehr Bestrittenes, fussen kann, während die letztere einstweilen nur höchst Problematisches aufzuweisen hat. G. Paris hat es bis jetzt noch ganz unterlassen, die zahlreichen von den Gegnern ins Feld geführten Argumente zu widerlegen; er hat sich damit begnügt, das Versprechen zu geben, dies einmal zu thun. Aber ein anderer Gelehrter, Lot, unternahm es neulich {Roniania, XXIV u. XXV), die angegriffene Theorie zu verteidigen, und wenn es aufs Lärmschlagen ankäme, würde er wohl viel mehr ausrichten als G. Paris selbst. Auch Loth (in einem Aufsatz in der Revue Cel- tique) machte die Paris'sche Theorie zum Teil zur seinen, und Baist (in der Zeitschrift für romanische Philologie) begann eine Serie von Aufsätzen, die, wie der Verfasser ankündet, die Hypothese von G. Paris bestätigen sollen. Diese scheint also eine Art Nachblüte zu erleben. Hoffen wir, dass sie von kurzer Dauer sei, und man bald wieder vom Phantasieren auf das Gebiet der nackten That- sachen zurückkehre! Ich wähle hier nur einen kleinen Abschnitt zur Betrachtung aus, auf dessen Wichtigkeit für die Gesaratfrage ich bereits hingewiesen habe, nämlich die Anwendung der Ausdrücke Bretagne, Breton in mittelalterlichen Texten, ein Thema, mit dem sich sowohl G. Paris, als auch Lot und Loth beschäftigt haben. Ich werde hier zu zeigen versuchen, wie sehr die Argumentation der Anhänger der wälsch-anglonormannischen Theorie sich vom Na- türlichen und Logischen abwendet und in's Geschraubte verfällt. Dass sie auf andern Gebieten ihrer Beweisführung die Thatsachen nicht minder missachten und in nicht minder gewaltthätiger Weise Ueber die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 81 zu Gunsten ihrer Theorie nmzndeuten and zn entstellen versnchen, dies zu beweisen, hoffe ich, später einmal Gelegenheit zn finden; einstweilen beschränke ich mich auf den einen Punkt. Es sind nicht so sehr die Romane als die Lais, welche in der jfBretagne*^ entstanden gedacht, den ^Bretons^ als Verfassern zu- geschrieben wurden. Es besteht nun bekanntlich die Hypothese, dass Lais und Romane nichts mit einander zu thun haben und darum verschiedenen Ursprungs sein möchten. Für diejenigen, welche dieser Ansicht huldigen, wird die Frage natürlich eine zwiefache, und das hier zu behandelnde Thema hat für sie nur Belang, so lange es sich um den Ursprung der Lais handelt, während es bei der Frage nach dem Ursprung der viel wichtigeren Romane nur von untergeordneter Bedeutung sein mag. Doch ist die erwähnte Hypothese ganz unbegründet, wie ich an anderm Orte nachweisen werde. G. Paris, und die Anhänger seiner Theorie halten dafür, dass die Romane aus den Lais hervorgegangen sind; und da ich mich hier nur gegen sie zu wenden habe, ist die Frage für mich auch nicht zwiefach. Der Streit zwischen den Anhängern der wälschen und den- jenigen der armorikanischen Theorie spitzt sich auf die Frage zu, ob in mittelalterlichen Texten ^Bretagne^ auch in der Bedeutung „TFoZcs", ^Breton^ auch in der Bedeutung „Wälscher, wälsch" an- gewendet werden konnte und angewendet wurde. Die erstem be- jahen die Frage, die letztern verneinen sie. Sehen wir zunächst vollständig ab von den wirklichen Ver- hältnissen, wie wir sie in den Texten vorfinden! Nehmen wir an, diese Texte existierten gar nicht, oder jene Ausdrücke wären darin gar nicht zu belegen! Wie würden wir uns dann die Verhältnisse vorzustellen haben vermittelst blosser Anwendung des gesunden Menschenverstands und logischen Schliessens? Britannia hiess bei den Römern im engern Sinne das Land, welches von den Britones bewohnt wurde. Das Land der Britones reichte wie die römische Provinz Britannia bis zu den Firths of Forth und of Clyde; aber da das Land der Pikten, das heutige schottische Hochland, nur ein kleines Gebiet war, so wurde Britannia im weitern Sinne auch für das heutige Great BrUain angewendet, während der Begriff Bri- tones sich natürlich nicht wohl in entsprechender Weise erweitern konnte. Der Plural ^Brüanniae'^ findet sich in der Bedeutung des heutigen United Kingdom^ war aber wohl niemals populär. Am Ende der germanischen Eroberung hatte die Provinz ^^Britannia^^ längst aufgehört zu existieren; die Britones behaupteten sich nur noch an den westlichen Küstenstrichen; ein Teil hatte sich übers Meer nach Armorica geflüchtet. Die zurückgebliebenen Britones ver- loren jegliche Bedeutung ausser für ihre germanischen Nachbarn Ztschr. f. frz. Spr. n. Litt. XX». 6 82 E Brugger. und andere inselkeltische Stämme. Wie immer aber auch insel- keltische Stämme sich selbst oder einander nennen mochten, kann ans gleichgültig sein: sie waren selbst zu bedeutungslos.^) Es waren natürlich die germanischen Eroberer, die spätem Engländer, dazu bestimmt, den zurückgebliebenen Britones den definitiven Namen zu geben, der allgemein acceptiert wurde ; andererseits blieb es den Galliern, den spätem Franzosen, vorbehalten, den ausgewanderten Britones den definitiven Namen zu geben. Die germanischen Er^ oberer gaben ihren westlichen Nachbarn den Namen, den die Ger- manen allen Nichtgermanen, wenigstens allen Kelten, zu geben pflegten, Wäihös, AE Wealas\ die Gallier dagegen, deren Sprache kein derartiges Wort enthielt {barbari war nicht populär), bezeich- neten ihre westlichen Nachbarn mit demjenigen Namen, den diese sich selbst gaben, und den sie, die Gallier, ihnen gegeben hatten, als sie noch in ihrer alten Heimat BrUannia gewohnt hatten. Mit dem Stammnamen Britones lebte auch der geographische Name Bri- tannia in Gallien wieder auf,^) und verdrängte nach und nach den alten Namen Armorica.*) Von den Engländern überkamen die Fran- zosen den Namen Weälas^ welcher zu Gndles wurde (im Germani- schen wurden bekanntlich Völkemamen zu Ländernamen), und das Adjektiv wdihisc{us), welches Guäleis wurde; von den Franzosen überkamen wohl umgekehrt die Engländer die Namen Bretagne Bretons für Armorica Armoricani, In beiden Fällen waren wohl die Anglonormannen die Vermittler; denn erst seit der normannischen Eroberung Englands kümmerten sich die Franzosen um die Kelten Grossbritanniens, die Engländer um die Bewohner von Armorica. um zu diesen Resultaten zu gelangen, brauchen wir die mittelalter- lichen Texte gar nicht; wir brauchen nur den gesunden Menschen- ') Die letzten Kaste der Britten nannten sich übrigens nicht mehr Britones, sondern Kymri ^ hommes du mime pays, compatriotes, von Kym = avec und bro = pays^ eine Etymologie, die durch Zeugnisse ge- sichert ist. Der Name Eymri existiert erst seit dem Ende der germanischen Eroberung Britanniens. Er entstand so spät, dass die brittischen Stämme, welche vom 5. bis 7. Jahrhundert nach Armorica auswanderten, ihn noch nicht kennen und mitbringen konnten (cf. De Courson, Cartulaire de Bedon p. V— VI). *) Par nos Bretons sera Bretaigne {Brut 6073). ') Des cel tens, par cele acquoison Perdi Ärmoriche son non, Si ot a non Bretagne et a; Ja mais, jo croi, ne le perdra. (Brut 6080 ff). Oalfrid setzt bekanntlich dieses Ereignis schon ins 4. Jahrhundert; aber die Geschichte von Conan Meriadoc ist als Fabel erwiesen. Britannia existiert statt Armorica seit dem 6. Jahrhundert (cf. Courson Cartulaire de Rennes p. XIV). Früher hiess nur der von den Britten kolonisierte Teil von Armorica Britannia, während der andere Teil noch Armorica oder Bomania hiess (nämlich die Grafschaft Bennes und ein Teil der Grafschaft Nantes); die Bewohner jener Gegenden heissen heute noch Bretons GaUots (cf. de Courson op. c, p. CCCXLIV— VIII). lieber die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 83 verstand walten zu lassen. Das Gesagte betriftt Dinge, die jedes Schulkind weiss; aber von Vertretern der wälsch-anglonormannischen Theorie wurden sie in gröbster Weise entstellt oder ignoriert. Denn aus den eben klargelegten Verhältnissen folgte, dass nur folgende 2 populär entwickelte Bedeutungen der Worte Bretagne^ Bre- ton zur Zeit der Abfassung der Arthurromane und Lais möglich war: I. Bretagne bezeichnet das heutige Grossbritannien (mit Einschluss oder Ausschluss des schottischen Hochlandes) vor, z. Th. noch während der germanischen Eroberung; also z. B. das Eeich König Arthurs in der Sage. Bretons bezeichnet dem entsprechend die Bevölkerung des eben genannten und abgegrenz- ten Landes, nur im engem Sinne (d. h. die Bewohner des schotti- schen Hochlandes ausgeschlossen), auch nur vor und während der germanischen Eroberung; also z. B. auch König Arthur und seine Ritter in der Sage.*) n. Bretagne bezeichnet das Gebiet des ehemaligen Armo- rica seit der Einwanderung aus Grossbritannien, und dem entsprechend bezeichnet Bretons die Bewohner dieses Gebietes seit der Einwanderung.**) Diese beiden Bedeutungen sind aber auch die einzigen, welche sich volkstümlich aus den gegebenen Verhältnissen entwickeln lassen. Wo wäre Eaum gelassen für die volkstümliche Entstehung einer Identifikation von Bretagne Breton mit Wales, wälsch ? Hin- gegen ist es möglich, dass, wo es sich um die lange Periode der germanischen Eroberung Britanniens und der gleichzeitigen britischen Eroberung Armoricas handelte, j^Bretons^ die Britten der Insel so- wohl wie die kontinentalen Britten bezeichnen mochte; aber, wie gesagt, nur für jene Periode! Doch ist dies nicht eine neue Be- deutung; es ist einfach die Addition der Bedeutungen I und II. Bei Bretagne ist eine entsprechende Addition nicht denkbar (Bre- ^aö'we= Grossbritannien + Armorika); Ländernamen lassen sich nicht addieren und verschmelzen wie Völkernamen.®) Neben den 2 populär entwickelten Bedeutungen der Ausdrücke Bretagne Bretons waren auch noch 2, und nur 2 archaische Be- deutungen derselben möglich, welche wir im Anschluss an jene unter III und IV rubrizieren wollen. Der eine Archaismus ging von *) Ueber eine Einschränkung der Bedeutung I infolge eines Ana- chronismus vgl. unten p. 84 Anmerkung 8. ^) Es muss beachtet werden, dass es uns für die Frage nach dem Ursprung der Arthurromane immer nur darauf ankommt, welche Bedeu- tung die Worte im Munde der Franzosen und Engländer haben mochten. ^) Man kann die Gesamtheit der Leute deutscher Zunge oder deut- scher Abstammung „Deutsche'* nennen, nicht aber die von ihnen bewohnten Länder kurzweg als „Deutschland'* bezeichnen. 6* 84 E. Brugger. der Continuität des Landes, der andere von der Continuität des Volkes aus: m. Bretagne mochte für die Gelehrten das Gebiet des heutigen Grossbritanniens auch noch nach der germanischen Eroberung bleiben.') Für sie blieb der Name des Landes als fix bestehen, wie immer auch die Bevölkerung wechseln mochte. Weil aber die Engle (und Sachsen) es waren, die eigentlich an Stelle der Britones getreten waren, und die an Wichtigkeit die übrigen Nationalitäten der Insel weit überflügelten, so mochte wohl auch Bretagne „England" par excellence bedeuten/) Wir können also auch bei dem archaischen Ausdruck Bretagne einen weitem Begriff (Grossbritannien) und einen engern (England) unterscheiden. Aber ganz unerklärbar wäre eine Einschränkung innerhalb der Grenzen von Wales oder Schottland. Erst sekundär mochte man dann auch die Einwohner von Bretagne im erwähnten weitern und engern Sinn Bretons nennen, in Analogie dazu, dass gewöhnlich Land und Leute verwandte Namen tragen. Aber während der erwähnten archaischen Verwendung von Bretagne wegen der politischen Wichtig- keit des damit bezeichneten Landes und der universellen Verbreitung der lateinischen und der französischen Sprache im Mittelalter grosse Popularität in Aussicht stand, konnte dies offenbar bei der ent- sprechenden Verwendung von Bretons nicht der Fall sein, da gerade die Gelehrten, welche den Archaismus verbreiten und den Laien überliefern sollten, sich dagegen sträuben mussten, die Engleis, welche sie als Besieger der Bretons kannten, selbst Bretons zu heissen.') Eine ') Vgl. z. B. die jüngere Version des Carle of Garlyle v. 9—10: The Be of Brittaine called is Both England und Scotland iwis; Wales is an angle of that Be (vgl. ebenso eine Stelle in Nennius, citiert unten p. 106. A. 35). ®) Aehnlich wie z. B. heute „England** häufig das ganze „United Kingdom'^ bezeichnet. Die Bevorzugung Englands mochte dann auch auf die Zeit vor der germanischen Eroberung übertragen werden, so dass auch Bretagne in Bedeutung I speziell das spätere Gebiet von England, im Gegensatz zu Wales (auch eine anachronistische Benennung) und Schott- land bezeichnen konnte. Von hier ausgehend, mochte natürlich auch der Begriff von Bretons in Bedeutung I entsprechend verengert werden. Aber diese Verwendung der Worte beruht eben einzig auf Unkenntnis der Ge- schichte, auf üebertragung späterer Verhältnisse auf frühere Zeiten. Wace z. B. lässt beim Einfall der Sachsen die ,,Bretons*^ nach Gales und Bretagne Armorique auswandern. V. 14365 stellt er .^Breton et Galois^^ neben einander; Von Amauris li Orcanois sagt er(v. 12595): ,yNe sai sHl fu Bres ou Wdlois^^; in allen diesen Fällen sind die kontinentalen Bre- tonen ausgeschlossen. (Vgl. auch die Beispiele aus Gaimar und aus der Folie Tristan unten p. 108 f.) •) Vgl. z. B. llle et Galeron v. 135 ff: Saciis que. II. Bretagnes sont Et gens diverses i estont. Li Engleis sont en le greignorj Mais li Normant en sont signor. En la menor sont li Breton. Dies zeigt klar, dass man die Bewohner von Bretagne le greignor nicht Bretons nannte, sondern Engleis und Norman; dass also die Anwendung des Völkemamens derjenigen des Ländernamens nicht parallel ging. lieber die Bedeutung von Bretagne^ Breton. 85 Addition der Bedentungen II und HI von Bretons lässt sich kaum denken, da das Vorkommen der Bedeutung HI selbst sehr zweifel- haft ist. Eine entsprechende summarische Bedeutung von Bretagne {=n + III) ist aus andern Gründen ausgeschlossen (vgl. p. 83). IV. Bretons mochte für Gelehrte die Bezeichnung der nach der germanischen Eroberung in Grossbritannien zurückgeblie- benen üeberreste der alten Britten bleiben, und zwar mochte dieser Name auch im weitern und engern Sinn gebraucht werden, im weitern für die Bewohner von Com wall, Wales und Strathclyde, im engern für die wichtigsten unter ihnen, die Wälschen.**^) Nun ist aber zu beachten, dass, während Britannia vermöge der Wichtigkeit des Landes kontinuierlich im Munde der Gelehrten aller Länder und in ihren Büchern fortlebte, die Britones für alle Ge- lehrte (unter den früheren Angelsachsen gab es bekanntlich keine) als ausgestorben gelten und vollständig ignoriert werden mussten. Die lange Zeit seit der germanischen Eroberung bis zu der spätem angelsächsischen Periode, in der die zurückgebliebenen Britones für die gelehrte Welt quasi todt waren, und die sehr geringe Bedeutung, die ihnen noch in der spät-angelsächsischen und anglonormannischen Periode, auf dem Continente wenigstens, beigemessen wurde, geben wohl genügend Anlass zu der Annahme, dass die erwähnte archaische Bedeutung von Bretons einen harten Stand haben musste. Offenbar hatten nur wälsche Patrioten oder andere Freunde und Bewunderer der wälschen Nation (wenn es solche gab) ein Interesse daran, einen solchen Archaismus aufleben zu lassen, um die Wälschen dadurch an ihre Abstammung von den alten Britten zu erinnern. Natürlich muss theoretisch als möglich zugegeben werden, dass man, ausgehend von der Identität Wälsche = Bretons, sekundär auch die Identi- tät Wales = Bretagne aufstellen konnte. Wenn aber schon dem primären Archaismus Bretons fast alle Lebensbedingungen man- gelten, wie sollte dann erst der davon abgeleitete Archaismus Bre- tagne sich verbreiten, ja überhaupt nur entstehen können? Denn die blosse Möglichkeit der Entstehung des letztern setzt eine ge- wisse Häufigkeit des erstem voraus. Eine Addition der Bedeutungen n und IV von Bretons war möglich, musste aber wohl wie Be- deutung IV selbst sehr selten sein. Wir haben also gesehen, dass ohne irgend welche Rücksicht- nahme auf die thatsächlich existierenden mittelalterlichen Texte, nur je 4 Bedeutungen der Ausdrücke Bretagne, Bretons zulässig sind, die aber in Bezug auf Häufigkeit von einander sehr verschieden sein mussten, indem sowohl Bretagne als Bretons in den Bedeutungen I und II von Haus aus populär sein mussten, der Archaismus Bre- ^^) Die sich selbst Eymri nannten. 86 E. Brugger. iagne in III grosse Popularität erreichen, der Archaismas Bretons in IV nur vereinzelt vorkommen, die sekundären Archaismen Bretons in ni und Bretagne in IV kaum lebensfähig sein konnten. In den mittelalterlichen Texten nun finden wir die ohne Zuhülfenahme derselben gefundenen Resultate genau bestätigt. Die Bedeutungen I und n finden wir in allgemeinem Gebrauch und zwar in lateinischen und französischen Texten; die Zahl der Bei- spiele ist Legion, und es ist darum ganz unnötig, welche aufzu- zählen; übrigens ist das allgemeine Vorkommen dieser Bedeutungen meines Wissens noch von keinem Anhänger der wälsch - anglonor- mannischen Theorie bestritten worden. Auch die Verwendung des Ausdrucks Bretagne in Bedeutung III ist sehr häufig, als Archais- mus natürlich in lateinischen Texten relativ zahlreicher vertreten als in französischen. Auch hierfür ist es unnötig, Belege zu geben. Die Verwendung des Ausdrucks Bretons in Bedeutung IV ist sehr selten und auf lateinische Texte beschränkt; die wenigen Beispiele, die man bis jetzt gefunden, hat Lot besprochen ; ich werde auf sie zurückkommen. Dem Ausdruck Bretons in Bedeutung III und dem Ausdruck Bretagne in Bedeutung IV bin ich noch nie begegnet; auch die Vertreter der wälschen Theorie haben bis jetzt noch keine Belege hierfür geliefert.") Trotzdem die Ausdrücke Bretagne Bretons je 4 Bedeutungen haben können, so ist es im allgemeinen sehr leicht zu entscheiden, welche von ihnen jeweils in Betracht kommen kann. Die Confusion ist lange nicht so gross, wie es uns die Vertreter der wälschen Theorie weismachen wollen, um aus der Zwei- oder Mehrdeutigkeit der Worte Kapital schlagen und im Trüben fischen zu können, lange nicht so gross wie in den Schriften eben jener Gelehrten, wo man nie recht weiss, ob man's mit Fisch oder Vogel zu thun hat. Die zwei populär entwickelten Bedeutungen lund II sowohl von Bretagne als von Bretons sind von einander zeitlich genau geschieden. In fast allen Texten ist die Zeit, welche für jeden speziellen Fall in Betracht kommen kann, genügend durch den Zu- sammenhang gekennzeichnet, um jene Unterscheidung zu ermöglichen. Die Bedeutungen HI und IV von Bretagne und Bretons stehen einander gegenüber wie das Ganze und der Teil; die primäre Be- deutung III ist an Häufigkeit der sekundären Bedeutung IV ") Allerdings wird heute im Englischen Briten British, im Deut- schen BrittCf hrittisch etc. in eioer Art erweiteter Form von Bedeutung III gebraucht, nämlich zur Bezeichnung der vereinigten Engländer, Wäl- schen, Scbottländer und Irländer; aber diese Bezeichnung existiert wohl erst seit der Constituierung des „United Kingdom^* und sollte wohl zu letzterm Ausdruck ein Pendant bilden wie englisch zu England, irisch zu Irland etc.; sie entsprang rein patriotisch-unionis tischen Motiven und ist darum im Mittelalter noch nicht anzutreffen. Ucher die Bedeutung von Bretagne, Breton, 87 angeheuer überlegen, (letztere ist, wie gesagt, noch nirgends belegt worden, figuriert also hier nur als potentiell); derjenige Autor also,, welcher letztere gebrauchen wollte, war gezwungen, da ihm ja die erstere wegen ihrer Häufigkeit auch bekannt sein musste, sie von dieser durch den Context zu unterscheiden, um sich seinen Lesern verständlich zu machen, während umgekehrt derjenige Autor, welcher erstere gebrauchen wollte, eine besondere Unterscheidung von der letztern, mit der er nicht einmal vertraut sein mochte, nicht nöthig hatte. Wo also beim Gebrauch von y^Bretagne^ keine nähere Be- stimmung vorhanden ist und zugleich I und II eliminiert sind, da kann IV nicht gemeint sein. Die sekundäre Bedeutung III und die primäre Be- deutung IV erheischten wohl beide wegen ihrer Seltenheit (erstere* ist noch nirgends belegt, letztere nur vereinzelt) eine Erklärung durch den Zusammenhang. Die Bedeutungen I und III von Bretagne sind zeitlich von einander getrennt; eine Unterscheidung hat hier übrigens nicht den geringsten praktischen Wert. Die Bedeutungen II und III von Bretagne sind örtlich von einander geschieden. Eine örtliche Bestimmung ist notwendig, da die Häufigkeit beider Bedeutungen unbegrenzt ist, kommt aber in den Texten nicht so leicht zum Ausdruck, wie eine zeitliche; dies ist denn auch der Fall, wo man noch am ehesten von Confu- sion reden kann. Oft wird die Unterscheidung durch Vorsetzung oder Nachsetzung eines Adjektivs {major — minore la maiour, la greignour — la menour, la grande — la petite) gemacht; aber ge- wöhnlich muss man die Bedeutung doch aus dem weitern Zusammen- hang erschliessen, und dabei ist zu bemerken, dass bisweilen, wo- uns der Sinn nicht ganz klar sein mag, er doch dem Autor und seinen zeitgenössischen Lesern selbstverständlich sein mochte. So musste im allgemeinen einem französisch schreibenden Franzosen Bretagne II geläufiger sein als Bretagne III^ einem lateinisch schreibenden Eng- länder umgekehrt. Die Bedeutungen I und IV von Bretagne müssen in den Texten sehr leicht auseinanderzuhalten sein; denn gegenüber der uneingeschränkt häufigen Bedeutung I erheischt die notwendig sel- tene Bedeutung IV (Belege dafür gibt es noch nicht) natürlich durchaus eine nähere Bestimmung; fehlt eine solche, so kann darum IV nicht gemeint sein. Ganz ebenso wie mit der Unterscheidung der Bedeutungen I und IV, verhält es sich auch mit den Bedeutungen IlundIVvon Bretagne^ indem II die Rolle von I hat. Die Bedeutungen I und III von Bretons unterscheiden sich zeitlich und daher wohl im allgemeinen leicht. Die notwendig seltene* SB E. Brwgger. (noch nirgends belegte) Bedeatang m erfordert eine nähere Be- stimmung gegenüber der sehr häofigen L Die Bedeutungen I und IV Ton Bretons unterscheiden sich nicht bloss zeitlich, sondern auch noch wie das Ganze und der Teil; der Verwechslung ist also leicht vorzubeugen. IV muss gegenüber dem ungleich häufigem I determiniert werden. Bretons H ist von Bretons III örtlich geschieden; das letztere, als das notwendig viel seltenere (noch nii^ends belegte) kann nicht in Betracht kommen, wo es nicht als solches deter- miniert wird. Die Bedeutungen II und IV von Bretons sind örtlich von einander geschieden. Es ist auch hier Bedeutung IV als die weit- aus seltenere diejenige, welche eine nähere Bestimmung verlangt. Die Notwendigkeit einer genügenden nähern Bestimmung, wo «onst die Möglichkeit eines Missverständnisses vorhanden wäre, ist ein Moment, welches von den Vertretern der wälschen Theorie ig- noriert oder abachtlich stillschweigend übergangen wird. Es ist aber doch selbstredend, dass es einem Autor ebenso sehr daran ge- legen sein musste, von seinem zeitgenössischen Pubbkum verstanden zu werden, wie diesem, ihn zu verstehen,es sei denn, dass er aus einem speziellen Grunde Zweideutigkeit wünschte. Man kann wirklich nicht verstehen, wie einem die Verfechter der genannten Theorie zumuten, zu glauben, dass ein Autor die Worte Breton Bretagne ohne jegliche nähere Bestimmung in Bedeutung IV anwandte, während er doch wissen musste, dass sie der Verwechslung mit den allgemein gebräuchlichen Bedeutungen 11 und (z. Teil) III ausgesetzt waren, und er so leicht durch Anwendung der ganz gewöhnlichen Ausdrücke Cambria Cambrensis, Oktales G-ualeis jedem Miss Verständnis vorbeugen konnte. Doch ich will nun zu der Kritik der zu Gunsten jener Theorie vorjrebracliten Arf^umente übergehen und meinen Lesern einen Ein- blick zu geben suchen in die Art und Weise, wie die Anhänger der Theorie mit dem in den Texten vorliegenden Material gewirt- schaftet haben. Man HoUtc meinen, es wäre für jedermann klar, dass Belege für liräafjwt, lirdom als blosse Archaismen für die Frage nach dem ilrspriin^c ih-r LaiM nichts beweisen; denn die für diese Frage in \U*Xr',u'Ml kommenden Zeugnisse sind fast alle populärer Art; be- Honderx tch", ebenso wie Saxonice nicht mictelenglisch (dies wäre Anglice), sondern ,, angelsächsisch'' bedeuten musste. Galfrid aber, der das ags. ceaster nicht kannte, gab das^ me. cestre als ags. aus. N Ueher die Bedeutung von Bretagne, Breton. 97 mochten. Wenn sie es aber thaten f nnd nicht einmal für den Verfasser der V. G. scheint dies sicher zu sein)**), so ist dies eben ein Irrtum ihrerseits, welcher nicht dem altern W. v. M. in die Schuhe ge- schoben werden darf, der allerdings dadurch, dass er zwei wälsche Wörter (ynis toürin und aväUa) stillschweigend als altbrittisch {brp- tonice) ausgab, der Entstehung eines solchen Irrtums Vorschub leistete. Was Lot zur Erklärung des Namens Avalen vorbringt, passt zu dem übrigen; es ist nichts als kondensierter Unsinn; die Argumente Z's (Zeitschrift XII p. 238—9) werden übrigens von Lot nicht wider- legt; sie bestehen also noch immer; das Verschweigen der Argu- mente des Gegners macht die Stärke von Lots Kritik aus. Ich werde an anderer Stelle ausführlich die Avalen -Frage behandeln; mit der hier zu betrachtenden Frage steht sie in keiner Beziehung. Es erhellt aus unserer Untersuchung, dass in den aus den Antiquitates citierten Beispielen Britones brUonice nicht die Bedeutung IV haben können, und dies ist für uns genügend. Ich gehe nun mit Lot (p. 504 — 6) zu einem Beispiel über, das Z. dem Speculum ecclesiae des Giraldus Cambrensis entnommen hat. Es wird dort gesprochen von den Britonum populis ipsum (sc. Arthurum) adhuc vivere fatu>e contendentibtis, von den fabulosi Britones et eorum cantores, welche fingere solebant, dass eine Göttin Morganis Arthur nach der instda Avälonia gebracht habe, um seine Wanden zu heilen; und dass er von dort redibit rex fortis et potens ad Britones regendum, welche expectant adhtw venturum. Nach Z , Interpretation der Stelle öm il semble avoir äe particuliere- ment malheuretcx (Lot p. 502) hat Britones hier die Bedeutung 11. Nun kann doch gewiss kein vernünftiger Mensch bestreiten, dass wenigstens die Möglichkeit vorhanden ist, dass es hier die Bedeutung II hat, da es ja unbestreitbar ist, dass die Bretonen an ein Fort- leben und eine Rückkehr Arthurs glauben. Was Giraldus sagt, mochte er, der belesene und weitgereiste Mann, teils bei Galfrid, der auch schon von Arthurs Entführung nach Avalen (Galfrid: ad sananda vulnera sica; Giraldus ad e^us vulnera sanandum) spricht, **) In den Worten post advenium Angligenarum et exptUsis Bri- tannis scilicet Wallensibus, revocata est Glastigberi, welche die folgenden Wilhelms wiedergeben: Haec itaque insula prima Tnis untrin a Britoni- bus dicta, demum ab Anglis terram sibi subjugantibus, interpretato priore verbOy dicta est stia lingua Glastynbiryy werden allerdings die Wallensea identificiert mit den Bntanm, welche von den Germanen vertrieben worden waren Aber den am Ende der Periode der germanischen Eroberung lebenden Britten mochte man eben noch den alten Namen Britanni (in Bedeutung I) wie auch schon den neuen Namen Wallenses (hier im weitern Sinne, alle Britten umfassend) beilegen, so dass die Identität von Bri- tanni und Wallenses für diese Periode ganz begreiflich erscheint, und man Britanni gar nicht in Bedeutung IV aufzufassen braucht. Ztflchr. f. frz. Spr. u. Litt. XX» 7 96 E. Brugger. gelesen and ans bretonischen Lais, vielleicht sogar schon ans fran- zösischen Romanen, gehört haben. Wenn Giraldus auch hänfig die Bedeutung IV anwandte, so folgt daraus selbstverständlich noch keineswegs, dass er es nicht auch in den allgemein gebräuchlichen Bedeutungen I und n anwenden konnte. Er brauchte auch Bri- tones, wenn er es in Bedeutung 11 anwenden wollte, gar nicht weiter zu definieren, da diese Bedeutung populär war, während IV den meisten Lesern ganz unbekannt sein mochte; und wenn es keine wälschen „carUores^ gab, welche über Arthurs Entführung nach Avalen und ähnliche ntigae berichteten, so musste die Bedeutung^ des Ausdrucks Britonum cantores für jeden damaligen Leser klar sein Die Möglichkeit von Z'.s Auffassung yon BrUones in der citierten Stelle steht also ausser Frage. Wie steht es aber mit den Aus- sichten der Bedeutung IV in diesem Falle? Der Zeugnisse, dass in Grossbritannien der Glaube an das Fortleben Arthurs existierte, sind sehr wenige ; für Wales selbst sind gar keine gefunden worden, trotzdem wir doch einen grossen Teil der wälschen Litteratur und Volkssagen kennen. Auch impliciert der Glaube an's Fortleben Arthurs durchaus noch nicht notwendig den Glauben an seine sieg- reiche Rückkehr als König, der für Grossbritannien noch nirgends bezeugt ist. Übrigens sind es ja gerade die Anhänger der wälschen Theorie, welche immer nachweisen wollen, wie freundschaftlich sich die Beziehungen der Wälschen zu den Anglonormannen gestalteten, was doch mit einer dem „espoir breton*^ entsprechenden Hoffnung nicht wolil vereinbar wäre. Wenn sich auch in Wales lokal etwas Ähnliches finden mochte, so kam ihm jedenfalls nicht die Bedeutung zu wie dem espoir hreton. Wie hätte ausserdem Giraldus von den Erwartungen der jBnYowcs= Wälschen sprechen können, wenn jeder seiner Leser zuerst an den espoir breton der Bretonen, der besonders in jener Zeit, d. h. zur Zeit des Herzogs Arthur, blühte, hätte denken müssen? Hätte er nicht erklären müssen, dass er nicht die Bertonen, sondern die Wälschen im Sinne hatte? Z. hat auch immer noch recht, wenn er darauf hinweist, dass sowohl Avalen als Morgan in der ganzen wälschen Litteratur, welche nicht unter fran- zösischem Einfluss stand, nicht zu belegen ist, trotz dem » Beweis*, den Lot an anderm Orte {Born. XXIV p. 327 — 35) gegeben hat, und auf den er sich hier (p. 505) kurzweg bezieht. Dieser „ Be- weis" ist wie alle „Beweise" Lots nur ein Beweis seiner, um nicht mehr zu sagen, totalen Unfähigkeit, klar und logisch zu denken. Es sind allerdings nicht Bretonen, welche Avalon mit Glastonbury identifizierten, aber auch nicht Wälsche. Die letztern hatten ebenso wenig Interesse daran wie die erstem. Natürlich, wenn man Arthur nach dem jedermann leicht zugänglichen Glastonbury versetzte, so konnte man den Glauben nicht mehr aufrecht erhalten, dass er in JJeher die Bedeutung van Bretagne^ Breton, 99 einem Feenreich weiter lebe; dann musste man ihn notwendig tot and dort begraben sein lassen und damit auch die Hoffnung anf Wiederkehr aufgeben. Nur die Geistlichkeit von Glastonbury selbst und die in ihrem Solde stehenden Schriftsteller, also vor allem Eng- länder, konnten die auf Etymologisieren beruhende Identifikation vor- nehmen, indem sie in der partiellen üebereinstimmung des Namens Isle de voirre (= AvdUm) mit ihrem Glastonbury (falsch abgeleitet vom englischen glas) einen schwachen Anhalt fanden, der ihren materiellen Interessen förderlich schien; ihnen allein musste es daran gelegen sein, den Glauben aufkommen zu lassen, dass der tote Arthur, also eine Reliquie, sich in Glastonbury befinde. Die Iden- tifikation geht nicht weiter zurück als auf die AntiquUates des W. V. M. Galfrid von Monmouth,*') der Verfasser der Vüa Merlini und W. V. M. selbst in seinen frühen Werken (vgl. Z. Zeit- schriß Xn p. 246) haben sie jedenfalls noch nicht gekannt. Die Auffindung der Gebeine Arthurs fällt erst in die Eegierungszeit Heinrichs II und verdient daher keinen Glauben; und es ist lächerlich, wenn Baist {Zeitschrift für romanische Philologie 1896 p. 333) irgend einen Werth darauf legen will, dass ein isolierter Landrücken bei Glastonbury heute „ The Isle of AvcHon^ heisse, wenn er diesen Namen nicht sehr früh zurückdatieren kann. Die gelehrte Identi- fikation erhielt übrigens auch erst in den spätem Eomanen eine ge- wisse Popularität. Die Wälschen hatten daran, wie gesagt, ebenso wenig Anteil wie die Bretonen, und die Zugehörigkeit von Avalen und damit von Morgan zu der wälschen Sage ist darum nicht er- wiesen. Giraldus hat in seinem Abschnitt über das Grab Arthurs nicht nur Galfrid von Monmouth, sondern auch W. v M. benutzt (auf letztern weist schon der Ausdruck in^srüam Avalloniam, ferner die von Lot p. 502 citierte Stelle). Diese beiden Schriftsteller aber kennen Brüones in Bedeutung IV nicht. Dasselbe gilt von dem spätem Gervasius von Tilbury, der ungefähr das gleiche berichtet wie Giraldus {unde secundum vulgarem Britonum traditionem in insulam Avalloniam ipsum dticunt translatum ut vulnera quotannis recrudes- centia subinterpolata sanatione curarentur a Morganda fatata quem fabulosi Britones post data tempora credunt rediturum in regnum: San Marte Ausgabe des G. v. M. p. 418). Wie sollte Giraldus, der zeitlich zwischen jenen zweien und diesem steht, allein Britones in derselben Stelle in anderem Sinne gebrauchen? Giraldus mag aber, wie gesagt, auch populäre Quellen gehabt haben; natürlich lagen ihm, dem Wälschen, wälsche Quellen zunächst; aber wenn es keine *') Er sagt kurz, in insulam Ävällonis advectus, während W. v. M. in den Äntiquitates und spätem Schriftsteller hinzufügen quae nunc Glastonia didtur oder ähnliches, weil dies nicht als selbstverständlich erschien. 7* 100 E. Brugger, solchen gab? Dann wird er eben auch die lais hreUms and romans bretons benatzt haben, welche ja zn seiner Zeit überall, sogar in Wales, bekannt sein mnssten;'^) and zwar weist sein Nominatiy Morganis (offenbar das französische Morgains) gegenüber dem kel- tischen Morgen (so z. B. in der Vita Merlin!) anf französische Qaellen hin (wie aach das Morganda des Gervasias aaf das fran- zösische Morgant), sei es, dass die cantores, die er meint, französisch sprechende Bretonen waren, sei es, dass es Franzosen selbst waren, die sich auf bretonische Qaellen beriefen. Doch in einer andern Stelle des Specülum heisst es: sicui ex gestis BrUonum et eorum cantoribus historicis rex audierat (Lot p. 506). Die Gesta Brüonum identifiziert Lot mit Galfrids Historia regum Brüanniae, welche in der That in der Vita Merlini (v. 1559) so bezeichnet wird. W. v. Malmesbury aber versteht in seinem Werke De gestis regum An- glorum (lib. I § 4) anter den Gestis Brüonum sicher das Bach des Nennius, welches er wie seine Zeitgenossen für das Werk des Gildas hielt. Aber diese Gesta sollen nach des Giraldns Angabe eine Be- schreibung von Arthurs Grab enthalten ; ^*) doch weder Nennius noch Galfrid sprechen davon; die Historia sogar anerkennt überhaupt nicht Arthurs Tod. Dies macht die Stelle sehr verdächtig. Lot sagt von den cantores historici de ces memes Bretons wie in dem Ausdruck Gesta Britonum: 11 est parfaitement evident qu'ü s'cigU ici des insulaires {Gallois ou Cornouaillais) et non des Armoricaius (p. 506) ; denn letztere hätten nicht Avalen mit Glastonbury indenti- ficieren können. Doch habe ich eben gezeigt, dass dies für die Galhis ou Cornouaillais ebenso wenig wahrscheinlich wäre. Aber wer beweist uns denn, dass diese cantores historici über Glastonbury berichteten? Wenn Giraldus den Gesta Britonum einen Inhalt zu- schreibt, den sie nicht haben, können wir ihm dann trauen, wenn er den cantores historici denselben Inhalt zuschreibt? Kann man nicht ebenso gut das Ganze für Trug halten, für eine Erfindung, die dazu dienen sollte, die Ansicht, dass Arthurs Grab sich in Glastonbury befinde, zu stützen? Ferner ist in dem Ausdruck Gesta Britonum Britones natürlich in Bedeutung I zu nehmen, be- zeichnend die Bewohner des alten Britanniens, besonders des dem heutigen Eno^land entsprechenden Teiles. Wie kann denn eorum in Bedeutung IV genommen werden = Gallois ou Cornouaillais, wie Lot es thut? Es mussten vielmehr auch unter den cantores histo^ rici eorum alte Britten, Zeitgenossen Arthurs, gemeint sein; da Gi- raldus oder König Heinrich 11 keine solchen (auch nicht aus Büchern) **) Vgl. übrigens auch das p. 93 Gesagte. ^^) ^gl- die ganze ähnliche Beschreibung in den Annales de Margan, citiert von San Marte in seiner Ausgabe Galfrids p. 419. - . • • • Ueber die Bedetdung von Bretagne, Breton, 101 kennen konnten, so mnss aach aus diesem Grande die Stelle als eine reine Erfindung bezeichnet werden. Jedenfalls kann die Kritik anf einer so dabiosen Stelle nicht fassen. Das Argument Lots fällt also dahin. Noch möge nebenbei bemerkt werden, dass es nicht sehr wahrscheinlich wäre, dass der patriotische Griraldus über seine Landsleute und ihre nationalsten und edelsten Sagen mit solcher Verachtung sprechen würde, wie er es in dem von Lot citierten Absatz über die Britones thut; verständlich aber wird diese Ver- achtung, wenn sie nur die nugae der Bretonen trifft, welche von seinem Vorgänger Wilhelm von Malmesbury in gleicher Weise ver- höhnt wurden. Wenn man sich alles das vor Augen hält, so kann man wohl nicht, ohne ungerecht zu werden, verneinen, dass die Aus- sichten für die Bedeutung II von Britones viel besser sind als für die Bedeutung IV. Dass der Ausdruck Britonum popüli, den Giral- dus einmal (und nur einmal) gebraucht, nicht auf die Armorikaner beschränkt werden dürfte, scheint mir auch nicht einleuchtend. Kann mau nicht, wenn man etwas gewählt sprechen will (und dies ist ja Giraldus' Manier), Völker für Volk sagen? Wenn Britonum populi im weitern Sinn gebraucht sein sollte, so könnten damit nur Bretonen + Inselkelten gemeint sein (die Bedeutungen 11 und IV lassen sich einfach summieren vgl. p. 85).^') Doch fällt namentlich gegen eine solche Auffassung ins Gewicht, dass Galfrid von Mon- mouth und Wilhelm von Malmesbury, die hier von Giraldus benutzt werden, Britones nicht in diesem zusammenfassenden Sinne noch in Bedeutung IV anwenden. Die Anhänger der armorikanischen Theorie können übrigens leicht auf dieses Beispiel als zweifelhaft verzichten, da ihnen eine Fülle von andern Beispielen zu Gebote steht. Auf keinen Fall aber können wir zugeben, dass etwa auf Grund dieses Beispiels Avalen und Morgen als dem wälschen Volksglauben an- gehörig bezeichnet werden, und ich glaube, der Gründe dafür genug angegeben zu haben. Im Anschluss hieran erwähne ich noch zwei Bemerkungen. Lot sagt (p. 506 n. 2), der Satz des Giraldus: redibit rex fortis et potens ad Britones regendum sei nicht verständlich, wenn angewandt auf die Armorikaner; denn ces demiers furent, Selon Gaufrei, les vassatix d' Arthur, non ses sujets directs. Wurzelt denn ihr espoir nicht tiefer als in der Lektüre der Historia Galfrids, der übrigens nicht einmal vom espoir breton spricht, sondern ihn nur durchblicken lässt? Ebenso auffällig ist das folgende: Lot sagt (p. 505): Je repete que Vassertion de M. Z. (nämlich betreffend die '•) In einem andern Werke De jure et statu Menevensia ecclesiae gebraucht Giraldus allerdings den Ausdruck gens britannica in einem solchen zusammenfassenden Sinn, aber nicht ohne den Leser durch die Abjektivbestimmung tarn transmarina scilicet quam dsmarina ausser Zweifel zu setzen (citiert von Lot p. 511). 102 E. Brugger. Unterscheidung von Britones WaUenses bei Autoren des 11. und 12. Jahrhunderts) est exade d\une manihre gSnerale, mais, dans tous les cos partictdiers oü il essaye de Vappliquer, eile se heurte ä des diffictUtes trds grandes. Wir haben gesehen, dass das letztere durch- aus nicht der Fall ist. Aber man beachte die Ansicht, dass, wenn das Allgemeine d. h. die Summe der Einzelfälle wahr (exade) ist, es dann doch Einzelfälle geben könnte, welche nicht dazu stimmen. Die zwei Bemerkungen mögen einen Einblick in den Zustand von Lots Denkvermögen geben. Hier will ich nur noch schnell ein Beispiel besprechen, welches Lot in einem andern Aufsatz {Eom, XXIV p. 332 ff.) citiert. Es ist der bekannte schon früher von Ward und Z. besprochene Reise- bericht der Kanoniker von Laon aus dem Jahre 1113, wo es heisst ; Sed, sicut Britones solent jurgari cum Francis pro rege Ar-- turo, idem vir {atis Bevonshire) coepit rixari cum uno ex famuUs nostris, nomine Haganello, qui erat ex familia domni Guidonis, Lau- dunensis archidiaconi, dicens adhuc Arturum vivere. Man bedenke, dass ein Franzose dies schreibt, für welchen doch die Bedeutung 11 von Britones notwendig die zunächst liegende sein musste. Es ist ferner jedem, der die mittelalterliche Litteratur auch nur etwas kennt, bekannt, wie die Franzosen sich über den espoir der Armori- kaner lustig machten; es klingt darum natürlich, dass sie mit den Bretonen, besonders den bretonischen Spielleuten, welche in ihr Land kamen, häufig über Arthurs Fortleben disputierten. Und stimmt dazu nicht die Bemerkung des Franzosen Alanus ab Insulis, dass, wer in der Bretagne Zweifel gegen die Wiederkehr Arthurs zu äussern wagte, riskierte, vom Volk gesteinigt zu werden (Z. Zeit- schrift XII p. 240; San Marte 1. c. p. 418)? Aber wie könnte man sich auch nur vorstellen, dass Franzosen und Wälsche über diesen Gegenstand zu disputieren pflegten (jurgari solent)? Was hatten Franzosen und Wälsche mit einander zu thun? Trotz alle- dem trägt Lot kein Bedenken, auch hier die Britones schlechterdings als Wälsche zu erklären. Nur einem vollständig Blinden kann so etwas passieren. II ne me semble pas douteux que les Brdons dont ü est question id ne soient les habitants de la Comouaille d du De- vonshire. Man forscht nach einen Beweis oder wenigstens nach einigen Scheinargumenten. Doch vergebens! Statt dessen holt Lot zu einer längern Anmerkung aus, worin er Z's Leistungen auf dem Gebiete der Arthursagen als une erreur complete bezeichnet. Aber Tadel von Seiten Lots ist so viel wie Lob. Man ist manchmal wirklich im Zweifel, ob der Herr, der so viel Lateinisches citiert, wirklich auch Latein versteht. Nachdem Lot erklärt hat (p. 506), Z's Prinzip sei richtig, trotz- dem alle seine Argumente den Zweck hatten, die Unanwendbarkeit^ Ueber die Bedeutung von, Bretagne, Breton, lOS also Unrichtigkeit dieses Prinzips nachzuweisen, veriässt er die Bei- spiele Z's und probiert, auf eigenen Füssen zu stehen. Was nun kommt, soll aber auch wieder beweisen, dass das von ihm selbst gut gcheissene Prinzip asse/si souvent sich nicht bewähre. Viele Leute werden wohl diese Methode etwas unsicher finden; aber Lot denkt nicht mehr an Gefahr, als ein Eind, das die Hand in's Feuer hält. Er will sich auf wälsche Schriftsteller beschränken; aber wo ihm gerade ein Franzose oder Engländer in die Hände läuft, kann er der Versuchung nicht wiederstehen, auch ihn auszuplündern. Lot beginnt mit dem Satz (p. 506): II n''est pas exact que Britannia designe seulement le pays des Bretons continentaux. Sehr wahr gesprochen! Aber durchaus falsch ist es, wenn die hierin zurückgewiesene Behauptung Zimmer oder irgend einem Anhänger der armorikanischen Theorie untergeschoben wird. Kein vernünftiger Mensch, der auch nur ein wenig in mittelalterlicher Litteratur be- wandert ist, würde eine solche Behauptung aufstellen. Aber nun zieht Lot Beispiele aus 7 Autoren herbei, um zu beweisen, dass die fingierte Behauptung unrichtig sei, und fügt hinzu: On en troth verait d^autres encore. Gewiss, noch ein ganzes Heer! Lot stellt Strohmänner auf, um sie wieder umzuwerfen. Die weitere Behauptung Lots: Les deux Bretagnes sont d^ordinaire soigneusement distinguees^ cette demiere etant designee par Vemploi arclvaique du mot „Ärmorica^ öu par quelque. autre sacrifice, mag wahr sein, wenn man sie auf wälsche Schriftsteller einschränkt; sie gilt sicher auch mindestens ebenso gut für englische Schriftsteller, und es nimmt sich deshalb eigentümlich aus, wenn Lot in den Beispielen nach 2 Franzosen (Wace und Marie) meme (siel) un Änglais, Boger de Hoveden, citiert. Für Schriftsteller Grossbritanniens ist es jedenfalls natürlich, Brir- tannia zunächst in den Bedeutungen I und III zu gebrauchen, so- fern sie nicht hauptsächlich über kontinentale Dinge sprechen ; aber für Franzosen ist es in gleicher Weise natürlich, das nackte Bri' tannia zunächst in Bedeutung II aufzufassen, sofern sie nicht haupt- sächlich über grossbritannische Verhältnisse schreiben. Lot ver- gisst (?) zu sagen, dass man nicht nur die Ausdrücke Bretagne la Menour, Bretagne Ärmoriche etc. gebrauchte, sondern auch Bretagne la Maiour, Bretagne la Grant etc., und dass man das einfache Bre- tagne nicht nur für Grossbritannien, sondern ebenso häufig für Ar- morika anwandte. Lot weist darauf hin (p. 507 n. 4), dass Wace im Brut unter dem einfachen Bretagne immer Grossbritannien ver- steht, während er Armorika mit Bretagne la Menour bezeichnet.^ Dass derselbe Wace im Ron mit Bretagne immer Armorika bezeichnet, findet er hien entendu, da eben dort nicht viel von Grossbritannien die Rede ist.'^) Der Sprachgebrauch im Brut aber ist ebenso- ") Doch kommt auch Bedeutung I vor: Engleterre Bretainne ot nun Et primes ot nun Älbiun {Bou v. 15 — 16). 104 E. Brugger, hien entendu, da dort fast immer nur von Grossbritannien gesprochen wird. Die französischen Arthurromandichter verstehen in der Regel unter dem einfachen Bretagne Grossbritannien, aus dem- selben Grunde wie Wace im Brut ; andere verstehen unter dem ein- fachen Bretagne in der Regel Armorica, aus demselben Grunde wie Wace im Ron; sie bezeichnen Grossbritannien als Grande Bretagne^ ein Ausdruck, der ganz anders populär gewesen und geblieben ist als Bretagne Menour, Bretagne Armorique, Petite Bretagne etc. Aber Lot, der sich doch hier nicht bloss auf wälsche Autoren beschränkt, vergis8t(?), auf dieses Faktum hinzuweisen. Doch, wie schon ge- sagt, niemand hat je bestritten, dass Bretagne in den Bedeutungen I und III vorkomme; wir bestreiten nur, dass es in Bedeutung IV vorkomme; für letztere Bedeutung hat Lot kein einziges Beispiel gefunden.^®) Aber darin besteht eben der Kniff Lots: er sucht immer stillschweigend die Bedeutungen I und III an Stelle von IV zu schieben, obschon er genau weiss, dass nur diese letztere Bedeutung in Betracht kommen kann. Um diese schleicht er herum, wie die Katze um den Brei, Mir erscheint seine Kritik nicht nur thöricht, sondern auch nicht ehrlich. Nachdem sodann Lot in einer Anmerkung (p. 508 n. 3) dasselbe für das Wort Bretons bewiesen hat wie eben vorher für Bretagne^ nämlich etwas, das niemand je bestritten hat, bringt er endlich echte Beispiele für den Gebrauch von Britones (resp. Britanni, bri- tannicus) in Bedeutung IV. Er findet sie in den Ännales Canibriae, in der Vita Merlini und in mehreren Werken des Giraldus Cam- hrensis, Lot nennt auch noch die Vita Grildae\ aber ich habe oben (p. 97 Anmerkung 22) gezeigt, dass dort die Bedeutung IV keineswegs gesichert ist. Lot gibt die Vita Merlini ohne weitere Bemerkungen als das Werk Galfrids von Monmouth aus; so viel ich weiss, ist aber dessen Autorschaft nicht gesichert;**) besonders zweifelhaft aber erscheint mir dieselbe für den Schluss, in dem sich eben das Beispiel befindet. Verse wie die: '^) La Borderie hatte geglaubt, dass man Britannia in der be- kannten Stelle im letzten Kapitel von Galfrids Historia in Bedeutung IV (2a partie de Vile oü se conservait la langue bretonne) aufzufassen ge- zwungen sei. G Paris in seiner Recension [Bom. XII p. 373) wendet mit Recht dagegen ein: Mais il faudrait trouver un exemple de cet usage, ßoit dans Gaufrei soit aiUeurs ; und er zeigt dann, dass La Borderie ^s un- natürliche Behauptung sich durch eine petitio prindpii erklärt. **) G. Paris sagt allerdings, in einer Recension eines Buches von La Borderie {Born. XU p. 375), dass die V. M. sans aucun doute von G, V. M. verfasst worden sei. Wenn dies irgendwo bewiesen worden ist, so hätte doch wohl G. Paris die Stelle nennen dürfen; er hätte dadurch La Borderie und andere mit der einschlägigen Litteratur nicht genügend Vertraute belehren und weiterh Irrtümern vorbeugen können, während seine rein negative Kritik wenig nützen wird. Ueber die BedeiUung von Bretagne, Breton, 105 Vo8 ergo, Britanni, Laurea serta date Qaufrido de Monumeta; Est enim vester: nam quondam proelia vestra Yestrorumque dticum cednU, scripsitque libellum Quem nunc Gesta vocant Britonum, celebrata per orbem würden sich doch im Munde Galfrids selbst etwas stark ausnehmen.'**) Fassen wir die 6 miserables vers als einen spätem Zusatz auf, so haben wir auch nicht mehr jenen Widerspruch mit dem, was Gal- frid in der Historia sagt: Barbarie autem irrepente, jam non voca- bantur Britones sed Guallenses^^) citiert von Lot p. 509 n. 1). In dem Satze: Ab ülo ergo die vocatus fuU Utherpendragon ^^) quod britannica lingua Caput draconis appellamus, den Lot (p. 512) Gal- frids Historia entnimt, möchte ich doch sehr bezweifeln, dass unter britannica lingua wälsch verstanden ist. Grammatikalisch richtig ist die Wendung jedenfalls nicht; denn „britannisch" mtisste nach der Satzkonstruktion nicht das Wort Pendragon sein, sondern das Caput draconis, also das Lateinische, natürlich eine Unmöglichkeit, Wir haben hier eine jener vagen Construktionen, wo der Gedanke durch die Sprache ungenau wiedergegeben ist. Was Galfrid sagen wollte, war doch wohl dies: Ab ülo ergo die vocatus fuit Uther Pendragon; britannicum verbum quod lingua nostra caput draconis interpretamur ; britannica ist gewissermassen durch Attraktion in den Nebensatz gerathen, und hat die Bedeutung I, nicht IV. ^') Zum mindesten *°) In der Ausgabe von Michel und Wright heisst es in der Proface: H est probable que la seule autorite pour attribuer le poeme ä O. de M, consiste dans les six miserables vers que quelque copiste d*une epoque plus recente a ajoutes ä la fin; et que Leland qui le mentionne aoait vu le meme manuscrit (d Glastonbury) et avait parle d'apres la meme autorite. Sollte etwa G. Paris die Bemerkungen von P. Paris in Bomans de la Table Bonde I p. 71 ff. als einen Beweis für die Autorschaft Galfrids halten? Ich finde daselbst nichts, was auf den Namen Beweis Anspruch erheben könnte. '*) Les remenailles des Bretons Que nos or Galois apdons {Brut 15279-80). '*) Zu verbessern Uther Pendragon: „Uther wurde von jenem Tage an Pendragon genannt". *') Es wäre dies nicht das einzige Mal, dass Galfrid britannica lin- gua in der Bedeutung „altbrittisch^ anwendet; ich habe p. 96 Anm. 21 ein ähnliches Beispiel citiert; in diesem Sinne muss auch das britannici ser- monis jener berühmten Stelle (1. XII c. XX) aufgefasst werden: Galfrid sagt, er habe seine Quelle (d. h, eine seiner Quellen) aus Britannia er- balten, welches in Bedeutung III (= Grossbritannien) zu verstehen ist (cf. G. Paris Rom. XII p. 373 ff); das Werk, gab er vor, sei in alt- brittischer Sprache geschrieben gewesen, um die Authenticität seiner Ge- schichten zu verbürgen; wohl möglich ist es, dass er ein in wälscher Sprache geschriebenes Werk als altbrittisch ausgab, und also eine ähnliche Substitution vornahm wie W. v. M. (vgl. p. 96). Auch die Prophetiat Merlini behauptet er, aus dem Altbrittischen in's Lateinische zu über- setzen (de Britannico in Latinum transferre: lib. VII c. 2). 106 E. Brugger. ist eine solche Auffassnng ebensogut gestattet, wie diejenige Lots, welche nicht minder von der wörtlichen üebersetzung abweicht. Galfrid hat sonst nirgends Britones britannicus in Bedeutung IV; er, der eine sehr geringschätzige Meinung von seinen Landsleuten hat, sie als undankbar und händelsüchtig schildert und als degene- rati a britannica nobilitate Gualenses (Lot p. 509 n, 1) bezeichnet, er dürfte sie nicht wohl mit dem alten ruhmvollen Namen Britones beehrt haben. Patriotismus wird aber wohl das Motiv gewesen sein, welches andere wälsche Autoren veranlasste, ihre Landsleute, die degenerati Gualenses wieder an ihre Abkunft von den alten Britones zu erinnern und diesen Namen wieder aufkommen zu lassen**}; bei Giraldus Cambrensis wenigstens war dieser patriotische Zug offenbar das treibende Motiv. Während Britannia in Bedeutung IV noch nirgends belegt ist, haben wir also Britones Britanni in dieser Be- deutung bei sage drei lateinisch-schreibenden wälschen Autoren im Gebrauch gefunden, doch immer so angewandt, dass aus dem Context die Bedeutung sofort ersichtlich ist.^**) Also nichts berechtigt uns zu der Annahme, dass sogar wälsche Autoren Britones in Bedeutung IV, ohne nähere Bestimmung, gebrauchten; auch sie mussten die Bedeutung IV, die ihrem Publikum, das nicht nur aus Wälschen bestand, ganz unbekannt sein mochte, durch den Context kennzeichnen. Aber was gehen uns schliesslich diese wälschen Autoren an ? Bei ihnen finden wir das Wort Britones nirgends an Stellen von originellem Wert für die Frage nach dem Ursprung der Arthurromame. Solche wertvolle Stellen finden sich nur in französischen und englischen Autoren (abgesehen von dem Wälschen Galfrid, der aber die Be- deutung IV nicht anwendet). Warum holt Lot seine Beispiele für die Bedeutung IV nicht bei diesen ? Warum beschränkt er sich auf die Wälschen? Lot sagt uns den Grund nicht; aber er ist leicht zwischen den Zeilen zu lesen: man muss eben die Beispiele da holen, wo man sie findet. Dies ist eine gute Entschuldigung Lots; aber sie vernichtet seine Theorie. Nachdem ich hiermit die Besprechung des ersten Teils von Lots Arbeit beendet habe, möge noch einmal **) Man vergleiche z. B., was Nennius in der Praefatio zu seinem; JSistoria Britonum sagt: Ättamen intemum vtUntis circum praecordia vol- vens aegre ferebam, si propriae gentis nomen quondam famosum et in- signe corosum fumatim evanesceret (cf. Pertz Mon. Germ. Eist. 1894. vol. III fasc. I p. 126). '^) Als vierter wäre hinzuzufügen Nennius selbst, welcher sagt: In instda Britannia habitant quaituor gentes, Scotii et Ficti et Britones ei JSaxones (ibid. p. 147). Wir begreilen diese Anwendung von Britones leicht, nach der eben citierten Stelle aus der Praefatio. Bemerkenswert ist aber, dass Nennius Britannia nicht, dem Britones entsprechend, in Bedeutung IV (Wales), sondern in Bedeutung III (Grossbritannien) ge- braucht. Auch diejenigen Autoren also, welche die primäre Bedeutung IV anwenden, wagen es nicht, der sekundären sich zu bedienen. üeher die Bedeutung von Bretagne^ Breton. 107 daran erinnert werden, dass dadurch, dass die Bedeutung IV bei lateinischen Autoren nachgewiesen wird, auch wenn die Belege viel zahlreicher wären, als wir sie eben gefunden haben, noch nichts zu Gunsten der wälschen Theorie gewonnen ist. Wie ich bereits gesagt, sollte die Aufgabe der Vertreter dieser Theorie darin be- «tehen, darzulegen, dass der Archaismus IV populär geworden ist; dass das französische Bretagne^ Breton = WsiIqb, wälsch vor- kommt und zwar so häufig, dass es ersichtlich ist, dass die Bedeutung IV wirklich allgemein gebräuchlich geworden ist. Alles übrige ist zwecklos; Aber die Confusion in den Schriften der Vertreter der wälschen Theorie ist so gross, dass sie sich nicht einmal darüber klar geworden sind, dass bloss Bedeutung IV in Frage kommt. Sogar 108 E. Brugger. wendet wurden, für „kymrisch, Wales**. Ja Z. gibt sogar in einem andern Artikel (Zeitschrift Xu p. 255 — 6) zu, dass Brüones im 12. Jahrhundert auch gelegentlich Wälsche bedeuten könne. Also Loth scheint gar nicht zu wissen, um was es sich handelt. Trotzdem Loth, anschliessend an das Citierte, sagt: Je laisse aux romanistes^ le 8oin de le dedder, so hält er es doch für nötig, ein Paar Bei- spiele als Beweise zu geben. Die ersten zwei dieser Beispiele aber beweisen vollends, dass er die Frage nicht nur falsch ausgedrückt, sondern wirklich falsch verstanden hat. Zwei der citierten Stellen sind Gaimar entnommen; die eine findet sich v. 993 ff. (ed. Hardy & Martin in Ber, BrU. Med. Aevi Script), wo es von den sächsischen Königen heisst: Bonc si con- guistrmt Gloucestre; Si pristrent Badhe e Cyecestre] Ceulinz e Cude avant cUererU, Bretons quistrent tant he troverent Hieraus folgert Loth, dass auch die j^gens de Gloucestre^ Bretons genannt wurden. Nun ist allerdings Cirencester in Gloucestershire und Bath ganz in der Nähe; aber, wer das Vorangehende liest, findet, dass unter Bretons nicht so sehr bloss die gens de Gloucester, als die von den Sachsen nach Gloucestershire vertriebenen Bewohner Ostbritanniens (des nachherigen Englands) gemeint sind; schon v. 885 ff. wird aus- drücklich gesagt: E les Bretons (im Gebiet des spätem Englands) par la luv gvtere (mit den Sachsen) Estut gtierpir la hone tere. En- vers Wales en Voccident U ererU luv altre parent, S^en alouent e la fuaient. Aus dieser Stelle geht auch zugleich hervor, dass sogar die alten Bewohner von Wales bisweilen nicht zu den Bretons ge- rechnet, sondern von letztern als ihre parent unterschieden wurden, was allerdings ein Anachronismus ist. Dasselbe beweist eine andere Stelle in Gaimar; v. 17 ff. Este vus ci acheson Dunt en grant, travail entrent Breton ; Si funt Escoz e les Pictais, Li Gawcdeis e li Combreis, die hier erwähnte Begebenheit fällt in die Zeit, wo König Mordret den Sachsen die Länder zurückgab, welche früher Hengis besessen hatte. Die von Loth angezogene Stelle bezieht sich auf den Zeitraum zwischen 577 und 584 nach den Herausgebern; also ist die Zeit in beiden Fällen die Periode der germanischen Eroberung, und Bretons erscheint daher in beiden Fällen in Bedeutung I (im engem Sinn; vgl. p. 84 A. 8). Sogar, wenn in Loths Beispiel die gens de Gloticester mit Bretons bezeichnet würden, so wären damit nicht die Zeitgenossen Gaimars, sondern diejenigen Ceawlins und Cutha's gemeint.^®) Nicht besser steht es mit dem andern Beispiel, das Loth aus '•) Wie klar Gaimar seine Zeitgenossen, die Wälschen, von den alten Britten, durch die Benennung untjrscbeidet, zeigen die bekannten Verse: Bobers li quens de Gloucestre Fist translater iceU geste Solum les Uveres as Wal eis E^il averent des bretons reis. Ueber die Bedeutung von Bretagne, Breton, 10^ Gaimar holt (v. 1475 ff.): Et en cel an fu la hataüle Bei bamage de Cornewaille E des Bräons, a ki Kentwine Fit fuir treska la ma- rine (Loth lässt den Nebensatz aus, ohne den doch das Bretons un- verständlich ist). Daraus folgert nun Loth (man traut seinen Augen kaum), dass les habitants de la Cornouaille anglaise {sie!} et leurs voisins auch Bretons genannt wurden. Die Stelle bezieht sich auf das Jahr 682, also auf die letzte Periode der germanischen Eroberung, wo der Sachse Kentwine die ursprünglichen Einwohner des heutigen Englands (diese sind unter Bretons verstanden; wie hätte Gaimar sie anders bezeichnen können?) nach Com wall getrieben hat, wo- selbst sie natürlich mit dem bamage de Cornewaille in Eouflikt kamen^ welche über die Eindringlinge, trotzdem sie Stammesgenossen waren, nicht sonderlich erbaut sein mochten; aber dass Loth die Bretons und. die habitants de la Comotiaüle, die Gaimar ausdrücklich als feindliche Parteien unterscheidet, identifizieren will, ist wirklich zu stark.*') Noch schöner nimmt sich das Beiwort anglaise aus, womit die Be- gebenheit in eine Zeit gerückt wird, wo Cornwall bereits anglisiert ist. Natürlich gebraucht Gaimar auch in diesem Beispiel Breton^ in Bedeutung I. Loth bemerkt (p. 489): 8i des ecrivains instruits des choses de Vile (Gaimar etait originaire de Troyes, mais ecrivait en Angleterre) commettent de ces erreurs, comment les ecrivains fran- gais n^auraient - ils pas continueUement confondu les Bretons insti- laires et les Bretons continentaitxf Mir scheint, dass Gaimar sehr w^ohl wusste, was er schrieb, und dass die erreurs ganz auf Seiten Loths sind. Die Bezeichnung erreurs ist übrigens schon eine be- deutende Concession von Seiten der Anhänger der wälschen Theorie. Aber wie soll man sich vorstellen, dass die Confusion beständig (continueUement) gemacht wurde? Dies würde wirklich einen sehr bedenklichen intellektuellen Zustand bei den Franzosen des 12. Jahr- hunderts voraussetzen. Doch die Franzosen unserer Zeit (mit Aus- nahme einiger Gelehrten) sind meines Wissens durchaus im Stande, die in ihrem Land sebshaften Britten von den Überresten der alten Britten in Grossbritannien auch sprachlich zu unterscheiden. Wa- rum sollte man den Franzosen des 12. Jahrhunderts diese Fähigkeit absprechen? Die Verhältnisse sind ja dieselben geblieben. Betrachten wir endlich noch Loths drittes Beispiel, das er in der Histoire de Foulques Fit js;- Warin, einem Prosaroman dea «') Das Beispiel hat dennoch bei Lot {Born. ZXIV 333—4) Anklang gefunden (auch wieder ohne den notwendigen Nebensatz citiert); man möchte sagen merkwürdigerweise; aber w6dd man Lot etwas näher kennt, findet man es begreiflich. Er ist es auch, der jenem Beispiel noch ein analoges anreiht {La guwimoit Marces U reis Od Bretuns e od Cornwaleis) und nicht sieht, dass die Bretons^ Zeitgenossen des Königs Mark, nicht wohl Wälsche sein konnten. 110 JE. Brugger, 14. Jahrhunderts gefanden hat. Bei der Beschreibung einer Expe- dition König Wilhelms I gegen Wales, wo damals Ywein Goynez prince de Gattes war,^®) finden wir folgende Stellen: Le roy William Bastard approcha les mountz e les vals de Gales, sH vist une vüe motst iarge, dose jadys de hatäz murs, que tote fust arse e gastee ; e par- desotäh la vüle, en une pleyne^ fist tendre ces pavylons, e lä demoreü, ce du, cele nuyt. Lors enquist le roy de un Bretoun coment la vüle avoit a noun e coment Just ensi gaste.^^) „Sire, fet le Bretoun, je vous dirroyi Le chastiel fust jadys apellSe chastiel Bran; mes ore est apelee la Vele Marche, Jadys vindrent en ceste pays Brutus, un ^hevaler numt vaylaunt, e Coryneus, de quy Cornewagle ad uncore le noun, e plusours autres estretz du lignage Troyene, e nid rCy habita ces parties, estre trelede gentz, grardz geans, dont lu roy fust apelee {jreomagog etc. Es ist merkwürdig, wie Loth ans dieser Stelle**^) Bre^own = Wälscher herauslesen kann. Wenn der König wirklich einen Bewohner des Landes befragt hätte, so wäre doch wohl auch gesagt worden, wie dieser Wälsche in sein Lager gekommen war; -denn die Bewohner eines Landes, das verwüstet wird, bieten sich doch sonst nicht gerade ihrem Feinde an, um alte Greschichten über ihr Land zu erzählen. Anderseits ist es bekannt, dass Wilhelm der Eroberer viele Bretonen (Armorikaner) in seinem Heere führte, -welche wohl auch mit einigen Lokalsagen des ihrem Lande benach- barten Süd-Wales bekannt sein und fauie de mieux als Autoritäten auf diesem Gebiete betrachtet werden mochten, übrigens waren die Geschichten vom lignage Troyene in der Bretagne und in Wales gleich wenig populär, und der Verfasser hat sie seinem Bretoun offenbar selbst in den Mund gelegt, um seine Gelehrsamkeit an- bringen zu können. Wie hätte der Verfasser voraussetzen können, dass seine Leser das Wort Bretoun, wenn es wirklich ausser „Armori- kaner'* auch noch „Wälsche** hätte bedeuten können, gerade in der letztern Bedeutung auffassen würden, welche doch nicht etwa unmittel- 1)ar aus dem Zusammenhang hervorgeht ? Warum sollte er hier nicht die jedermann verständliche, unzweideutige Bezeichnung Gäleys ge- l>raucht haben, die er doch sonst (z. B. p. 45) für die Wälschen anwendet? Aller Wahrscheinlichkeit nach hat also Bretoun in Loths Beispiel Be- deutung II, nicht IV ; zum mindesten müsste das Beispiel als zweifel- haft, als nichts beweisend erklärt werden. Hiermit können wir Loths Argumente entlassen. Jedermann wird billigerweise zugeben müssen, dass sie der armorikanischen Theorie nichts anhaben können. ^) Owen Gwinned regierte aber von 1137 bis 1169, während die Expedition nach der Sachsenchrouik 1081 stattfand; also ein Anachronis- mus! (Vgl. die Ausgabe von Moland & H6ricault p. 18.) *•) Man hört hier noch deutlich die 8 silbigen Verse heraus. ^^) Loth hat sie nur erwähnt, nicht wiedergegeben. > TJeber die BedeiUung von Bretagne, Breton, 111 Gaston Paris und Lot im zweiten Teile seiner Arbeit haben auch den Versuch gemacht, die Bedeutung IV in populären Werken**) nachzuweisen. Lasst uns sehen, wie! Zunächst muss es uns ge- wiss befremden, dass ihre Beispiele fast ausschliesslich den Lais entnommen sind, während doch eben die Frage nach ihrer Provenienz von der Frage nach der Bedeutung von breton zum Teil wenigstens abhängig ist. Es ist, wie wenn man in einem Eechtsfall nur inter- essierte Zeugen vorlüde. Doch, wenn man eben keine andern hat, muss man sich mit diesen begnügen. Nicht dass etwa Bretagne, breton in der altfranzösischen Litteratur, abgesehen von den Lais, selten anzutreffen wären, im Gegenteil, die Beispiele finden sich vielleicht zu Tausenden, aber eben nie in Bedeutung IV. So müssen denn die Lais herhalten. Nicht dass sich hier Beispiele von Be- deutung IV fänden; aber hier kann man wenigstens noch im Trüben fischen. Durchgehen wir nun die Argumente der beiden Gelehrten, zunächst diejenigen von Gaston Paris. In Bomania VIII untersucht Gaston Paris zuerst die Lais der Marie de France, den Lai de VEspine und den Lai d^Ignaure, um die Bedeutung der Worte Bretagne, Bretons und damit die Her- kunft der Lais zu ermitteln. Nur bei dreien dieser Lais {Guigemar, Deux Ämants, Ignaure) spricht er sich über die Bedeutung von Bretagne resp. Bretons aus, und zwar für Armorika Armorikaner; zu den Deux Ämants bemerkt er sogar : Certainement ici les Bretons qui j,en firent un lai^ etaient de France et non d^Ängleterre, In allen übrigen Fällen konstatiert er einfach, wo die Scene der Lais ist, ohne weitere Bemerkungen daran anzuknüpfen. Hier findet sich eine Lücke in der Gedankenfolge des Kritikers; denn ganz unver- mittelt heisst es nun: II est curieux, si Breton dans ces passages et atäres peut etre synonyme de Grdtois gtCon ne rencontre jamais ce mot ä la place du premier. Aber wo hat denn G. Paris gezeigt, dass Breton peut etre synonyme de Galois? Wohl in einer Folge- rung, die er dem Leser nicht mitteilt. Wir müssen also das irreale pouvait für peut einsetzen, und damit fällt das Argument ganz in die Hände der Gegner der wälschen Theorie und ist auch von Zimmer (G. G. A. 1890 p. 796) genügend betont worden. G. Paris setzt sich über das „merkwürdige*' Faktum ziemlich leicht hinweg; doch fügt er bei: au moins je n^en connais qu'un exemple, nämlich: wo Breton als Synonym von Galois erscheint; aber gleich darauf nimmt er auch dieses Beispiel wieder zurück; denn la presence meme des deux mots britünsche et gäloise semble indiquer qu^üs ne sont pas **) Die Lais müssen wir populäre Werke nennen. Sie waren zwar vor allem für die Aristokratie bestimmt; aber diese war ja damals fast ebenso angelehrt, wie das gemeine Volk. 112 E. Brugger. synonymes. Es handelt sich nämlich um jene Stelle in Gottfried von Strassburg, wo von den Lais gesprochen wird, welche Tristan am Hofe von Isoldens Vater sang. Die Nebeneinanderstellung von britünsche und gäloise nicht nur scheint zu beweisen, sondern be- weist sicher, dass die beiden Adjektiva verschiedene Bedeutung haben müssen, sofern man in Gottfried einen geistig normal konstituierten Menschen erblicken darf; sonst möchte man ja gerade so gut auch latinsche und franzoise für synonym erklären, oder wie Loth und Lot es thun, den barnage de Cornewaüle mit ihren Feinden, den Breton^ identifizieren (vgl. p. 109). Gaston Paris' Argument stellt sich also folgendermassen dar: Breton kann synonym sein mit Galois (eine aus der Luft gegriffene Prämisse, die, wenn auch in hypothetischer Form gegeben, doch dargestellt wird, wie wenn sie durch Vorhergehendes bewiesen worden wäre); darum ist es „merk- würdig**, dass man niemals Galois an Stelle von Breton findet; einmal aber findet man diesen Fall (nämlich, wie aus dem Folgen- den zu erschliessen , „dass sie synonym sind"; aber logisch sollte man erwarten: „dass Galois für Breton eintreten kann", was nicht dasselbe ist); aber gerade in diesem Fall scheinen sie nicht syno- nym zu sein. Also, dies ist der notwendige Schlusssatz, den wir hinzufügen müssen, besteht die „Merkwürdigkeit" fort, vorausgesetzt immer, dass die unbewiesene Prämisse, von der G. Paris ausging, den Thatsachen entspricht. Und „merkwürdig" erscheint mir, offen gestanden, auch die ganze Argumentation. G. Paris aber sagt (p. 36): La conclusion ä tirer de tous ces textes et d'autres recherches que je ne veux pas exposer ici semble etre que les lais etaient surtout repandus dans la Bretagne frangaise et exicuies par des Bretons armoricains, que cependant üs n^etaient pas inconnus dans le pays de GaUes oü plmieurs plagaient la scene des aventures quHls chantaient; et qtCenfin ils etaient conntis en Irlande et exeetäes parfois par des Irlandais. Die erste dieser drei Folgerungen können die Anhänger der armorikanischen Theorie mit Freuden acceptieren; denn, wenn die Lais zumeist aus der Bretagne stammen, so müssen auch die Eomane, welche ja nach G. Paris eigener Theorie aus den Lais abzuleiten sind, zumeist bretonischen Ursprungs sein. Wir würden gerne auch jene aiäres recherches kennen, welche zu diesem wichtigen Resultate führten; aber leider haben wir seither nichts mehr erfahren, und dürfen auch nicht erwarten, dieselben je kennen zu lernen; denn G. Paris hat seither die Ergebnisse seiner eigenen Forschungen zerstört, allerdings nirgends durch Beweisgründe, son- dern nur durch Behauptungen, die an kategorischer Fassung nichts zu wünschen übrig lassen, aber nicht an den Verstand, sondern nur an den blinden Autoritätsglauben der Leser appellieren. Die zweite der citierten Folgerungen zeigt uns, wie jene oben erwähnte Lücke Ueher die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 113 in der Gedankenfolge des Kritikers auszufüllen ist. Dass nämlich die Lais auch in Wales bekannt waren und demnach Breton peut etre synonyme de Galois, soll wohl daraus hervorgehen, dass der Schauplatz der Abenteuer in mehreren Lais Wales ist. Von diesem Argument hat besonders Lot häufig Gebrauch gemacht, und ich werde später darauf zurückkommen. Die dritte Folgerung aber ist sehr befremdend. Sie stützt sich auf den Lai de VEspine^ wo es von einer Versammlung von Eittern am Hofe eines Königs von Bretagne heisst: Le lai escoiitent d'Aelie Que uns Irois sone en sa rote,**) Auf dieses einzige Zeugnis hin werden den Irländern Lais zuge- schrieben, obschon sich in der ganzen irischen Litteratur keine Spur davon findet. Warum sagt G. Paris nicht auch noch, dass man lateinische Lais sang, auf das Zeugnis Gottfrieds hin, der Tiistan lateinische Lais singen lässt? Was nötigt uns denn, einem Dichter Glauben zu schenken, der nicht eher wusste, was an dem Hofe jenes Königs vorging, als wir? Denn jener König ist ein Märchenkönig, den man sich nicht etwa im 12. Jahrhundert, sondern in längst ver- gangener Zeit lebend dachte, den der Dichter selbst wohl in Arthurs Zeit versetzte, da er sich ja auf Schriften in Carlion, Arthurs Re- sidenz, beruft. Doch man wird einwenden, der Dichter habe eben die Verhältnisse seiner Zeit auf die Vergangenheit übertragen; aber zu dieser Annahme ist man nicht eher genötigt als zu der, dass zu Gottfrieds oder Thomas' Zeiten lateinische Lais gesungen wurden. Gottfried resp. Thomas glaubt an die Existenz lateinischer Lais, weil eben mehrere Dichter von Lais, gerade z. B. derjenige des Lai de VEspine sich auf estores, d. h. lateinische Quellen, berufen. Aus ganz ähnlichen Gründen kann man sich auch denken, dass der Dichter des Lai de VEspine an die Existenz irischer Lais glaubte. Im 12. und 13. Jahrhundert dachte man sich nämlich wohl so ziemlich allgemein, dass an gewissen Festtagen die Eitter ihre Aben- teuer vortrugen und zwar häufig in Form von Lais (vgl. Lecheor), und dass diese Erzählungen, ins Lateinische übertragen (vgl. Tyolet\ in Arthurs Residenzstadt Carlion (vgl. Espine) für die Nachwelt aufbewahrt wurden. Dachte man sich aber die Lais zu Arthurs Zeit verfasst (und zu diesem Glauben trug auch ein Tristanlai bei, welcher Tristan selbst als Verfasser erscheinen lässt), so war es natürlich, dass man sich auch vorstellte, dass alle keltischen Stämme, welche Arthurs ünterthanen waren, Britten, Armorikaner, Schotten und Iren, an der Lais-Dichtung teilgenommen haben mochten. Ausserdem,, wenn man wusste, dass Tristan am Hofe eines irischen Fürsten Lais vortrug, so mochte man sich auch denken, dass man **) Diese Stelle wird von Lot (p. 624—5) noch einmal aufgetischt und die Folgerung von G. Paris wird im Gefühle absoluter Sicherheit wiedergegeben. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX». 8 114 JE?. Brtigger, in Irland nicht nur Lais hörte, sondern auch verfasste. Der Irois im Lai de VEspine trägt übrigens neben dem Lai d'Aelie auch den Lai d'Orphey vor, der uns in englischer Übersetzung erhalten ist und der sich auch als lai breton ausgibt. Zudem ist es nicht wahr- scheinlich, dass ein Irländer einen Lai von einer Heldin sang, die einen französischen Namen (Aelü) trägt; die Vermischung des Kel- tischen und Französischen erklärt sich befriedigend nur in der Bre- tagne.*') Doch ich will nun der Argumentation von G. Paris weiter folgen. Er sagt am Schlüsse seiner Besprechung der Lais der Marie de France (p. 36) : La qtiestion de savoir si le mot Breton peiU sig- nifier Galkis reste riservee; en ce qui concerne le mot Bretagne^ eUe paraU plus claire ; il est certain que Bretagne s^est dit ä la fois pour Ärmorique et pour Ängleterre, Nun wir bestreiten das letztere nicht, obwohl es aus dem von G. Paris aus dem Tyolet citierten Beispiel nicht erhellt;**) aber dass Bretagne England oder auch Grossbritannien bedeuten konnte, das hat eben mit unserer Frage gar nichts zu thun. Dieses Faktum geniert die armorikanische Theorie nicht. Aber wie kommt denn G. Paris plötzlich auf England zu *'*) Wenn in der zweiten Version der Folie Tristan {Michel II p, 106) Tristan zu Isolde sagt: Bons lais de harpe vous apris Lais hre- tur^ de vostre pays, so hat doch wohl de die Bedeutung von sor] denn Tristan konnte natürlich nicht irische Lais lehren, als er zum ersten Mal nach Irland kam; oder dann ist vostre in nostre zu verbessern. Nicht mehr werth als das Zeugnis des Lai de VEspine für die Existenz irischer Lais ist dasjenige Gottfrieds für die Existenz wälscher Lais. Ausser der oben (p. 101 f.) erwähnten Stelle sind aus seinem Tristan anzuführen die Verse 3503 ff.: (Marke) losete sere an einer stete Einem leiche den ein har- pfaere tete, ein meister siner liste, Der beste den man wiste; Der selbe was ein Gdlois. Da es sich um einen Gdlois handelt, der ein Zeitgenossse Marke's war, so haben wir Grund genug, um an der Authenticität dieses Zeugnisses zu zweifeln, abgesehen davon, dass Gdlois hier ein Anachronis- mus für Cambrois ist. Aber dieser Gälois singt nicht etwa einen gäloischen, sondern einen britünschen leich; denn Gottfried lässt Tristan jenem Meister zur Anwort geben: ir harpfet woly Bise noten sind rehte fürbraht, Sen- liehe und als ir wart gedäht, Die macheten Britüne Von minem herm Gurune Und von siner friundinne. Vgl. dazu auch eine Stelle aus An- seis de Carthage: Bois Änsets doit muintenant souper Mais il faisoit un Breton vieler Le lai Goron (Wolf: Lais, Sequenzen u. Leiche p. 237) und 2 Stellen aus Guillaume d* Orange: en I Breton Qui doucement harpe le lay Gramon (la loi Gorhon) (F. Michel: Tristan HI p, XII). **) Jadis au tens qu' Artus regna Que il Bretaigne governa Qui Engleterre est (corrigiert von G. Paris aus ert) apelee. Bretaigne hat hier nicht Bedeutung III (England), sondern I (ganz Alt-britannien). Der Gegensatz von governa (Vergangenheit) und est (Gegenwart) beweist viel- mehr klar, dass Bretagne in Bedeutung IH sich noch lange nicht mit Engleterre messen konnte. Auch j^Engleterre*^ bedeutet folglich hier, wie heute noch oft, Grossbritannien. Aehnliche Stellen finden sich übrigens genug, z. B. Gaimar v. 32 ff. : Si Vapelent Engeland. Este vus ci uns acheson Bar quei Bretaigne perdi son nun. üeber die Bedeutung von Bretagne^ Breton, IIB sprechen? Die Proportion, die er angefangen, sollte doch heissen: Breton: QäUois = Bretagne: Galles. Unvermerkt hat sich aber Ängleterre an Stelle von Gälks eingeschlichen. Wir bestreiten aber, dass Bretagne = Galles sein könne, und sehen noch keinen Grund zur Widerrufung dieser Behauptung. G. Paris geht sodann zur Besprechung der 5 von ihm zum ersten Mal veröffentlichten Lais über. Bei diesen begnügt er sich auch wieder damit, zu konstatieren, wo der Schauplatz der Handlung ist.**) Nur beim Tydorel spricht er sich darüber aus, wer die Bretons waren, welche diesen Lai verfassten, und auch hier wieder ganz zu Gunsten der armorikanischen Theorie: H a le merite de nous conserver un fragment des traditions poetiques des Bretons de France , , , et , , , nous avons la preuve de Vanciennete et du ca- ract^e bien armoricain de la tradUion {Rom. VIII p. 66). In seiner Besprechung des Tyolet aber findet sich eine Andeutung, die eine andere Ansicht erraten lässt: il faut remarquer en ce cas les „Bre- tons^ qui fönt leurs lais sur ces matidres purement galhises (p. 37), was doch etwa sagen will: es ist kaum glaublich, dass Armorikaner über rein wälsche Geschichten berichteten und dass darum Bretons hier Armorikaner bedeute. Unmittelbar vorher sagte er, dass die lateinische Abenteuersammlung, die der Verfasser des Tyolä erwähnt, wohl identisch sei mit dem recueil d'aventures que Vauteur du lai de VEspine pretend exister ä Carlion, Dies lassen wir gerne als Ver- ") Dabei ist ihm ein seltsamer Schnitzer untergelaufen: Der Lai del Lecheor beginnt nämlich: Jadis a Saint Pantelion, Ce nos racontent li Breton, Solercnt gram gern asembler Por la feste au saint honorer. Es ist klar, dass a Saint Pantelion hier für das gewöhnlichere a la (feste) Saint Pantelion steht {la ist weggelassen, entweder um der Verszahl willen, oder in Anlehnung an a Pasques, a Pentecoste etc.); au saint wäre ja sonst sinnlos ; nachher bezieht sich denn auch der Dichter wieder auf a. S. P., indem er sagt : Ä la feste dont je vos di Ou li Breton venoient ci etc. Pantaleon, der während der grossen Christenverfolgung Diocletians (a. 303) die Christen unterstützte und dafür den Tod erlitt, war ein im alten Frankreich sehr bekannter Heiliger (in Mute sans frein v 666 schwört Gawain bei St. Pantalion; Grosley nennt eine Eglise de St. PantaUon in Troyes etc). Migne {Nouv. Encycl. Theol. t. YJ gibt seinen Namenstag als den 27. Juli, wohl ein Fehler für den 17. Juli (vgl. Smith Biet, of Christ. Bihl.). Der Tag passt sehr gut für eines der Hoffeste; denn diese fielen fast alle in die schöne Jahreszeit: Ascension (z. B. Claris & Larisv. 16422), Pentecoste (z. B. Lanval v. 11: a la pentecuste en este), la St. Jean etc. Ö. Paris bemerkt zu der citierten Stelle (p. 37): les Chevaliers et les da- mes se reunissent ä Saint Pantelion; je ne puiß dire oii se trouve, soit en Bretagne soit en Galles, une localite de ce nom (sie!). In einer Perceval- interpolation der Versionen H. J. (cf. H. Waitz: die Fortsetzungen von Chrestiens Perceval) wird ein Ritter genannt ,,Mascaron de PanthaJeon*' ; im MeravgisromdJi (Michelant's Ausgabe p. 166) wohnt Gorveinz im Chastel de Pantalion aber wenn auch Pantelion Ortsname sein mochte, so ist dies jedenfalls nicht der Fall im Lecheor. 8* 116 E. Brugger, mutang zu, aber auch, wenn dem so wäre, so darf man nicht etwa schliessen, dass deshalb die Bretons, welche den ursprünglichen Ti^olet verfassten, nicht Armorikaner waren. Lesen wir die Stelle**) genau, so finden wir als unmittelbare Quelle einen conte eines von Bretons verfassten Lai d. h. was sonst allgemein heisst, eines Lai hretoriy sei es nun in bretonischer oder in französischer Sprache; aber eine estore en latin et en parchemin ist ausgeschlossen. Was immer deshalb der Verfasser von einer lateinischen Fassung spricht, ob er sich dieselbe in Carlion dachte oder nicht, kann uns voll- ständig gleichgültig sein. Er wiederholt einfach, was andere vor- gaben, und was wohl in Frankreich und England allgemein geglaubt wurde, dass die Abenteuer Arthurs und seiner Ritter durch zeit- genössische lateinische Aufzeichnungen erhalten und später ins Fran- zösische übertragen wurden; aber er selbst kennt diese Quelle nur vom Hörensagen; er führt sie aber als garant für die Wahrheit seiner Erzählung an, ganz wie der Verfasser des Lai de VEspine den recueil von Carlion als garant citiert, aber einen conte als Quelle benutzt (vgl. unten p. 139). Es gab wohl im Mittelalter zwei An- sichten über den Ursprung der lais bretons: die eine, die ältere, populäre, war, dass sie von den Bretons des 12. Jahrhunderts ver- fasst und dann (vielleicht von bilinguen Bretons selbst) ins Fran- zösische übertragen wurden ; die andere, die spätere, gelehrte, war, dass sie (oder wenigstens ihre mattere) schon zu Arthurs Zeit von clers lateinisch niedergeschrieben und dann im 12. Jahrhundert fran- zösisch bearbeitet wurden. Die letztere Ansicht beruht selbst- verständlich auf reiner Erfindung vieler mit Gelehrsamkeit prahlender Jongleurs. Der Tyolet zeigt uns die beiden Ansichten neben ein- ander. Aus den Quellenangaben dieses Lais also lässt sich nicht schliessen, dass die Bretons, welche ihn verfassten, nicht Armorikaner sein konnten. Ueber die Behauptung aber, dass Armorikaner kaum über eine ,rein wälsche mattere^ Lais dichten konnten, werde ich später im Zusammenhang sprechen; hier sei nur so viel bemerkt, dass die matiere des Tyolet gar nicht „rein wälsch" ist. Der Schau- platz ist die Bretagne, (in Bedeutung I, nicht IV ; vgl. oben A. 44), und die Personen sind ausser Tyolet (der einen bretonisch klingen- den Namen hat: bretonisch -et, -ec = wälsch -oc, -auc) die be- kannten Ritter jeuer Bretagne: Qauvain, Evain, Urien, Keu und Lodoer (= Beduert). Man vermenge ja nicht „altbrittisch" mit „rein wälsch" (IV)! Wenn etwa G. Paris die matiere des Tyolet *•) Mises estoient (sc. las aventures) en latin Et en escrit, en parche- min Por ce qü'encor tet tens seroit Que Ven volentiers les orroit. Or sont dites et racontees De latin en romanz trovees; Bretons en firent lais plu- sors, Si con dient nos ancessors. ün en firent que je dirai Selonc le conte que je sai. Ueber die Bedeutung von Bretagne^ Breton. 11 7 als „rein wälsch" hält, weil der erste Teil dem Anfang des wälsclien Peredur ähnlich ist (wie Lot p. 523 sagt, der, seiner Gewohnheit nach, alles verschweigt, was seiner Ansicht im Wege stehen möchte and darum auch nichts davon sagt, dass der Tyolet ebenso mit dem französischen Perceval Chrestiens und besonders mit den französi- schen Quellen des englischen und des deutschen Perceval Aehnlich- keiten hat), so soll er (oder Lot) uns zuerst beweisen, dass der wälsche Peredur und speziell die mit dem Tyolet übereinstimmenden Züge „rein wälsch" sind. Zu JDoon bemerkt G. Paris (p. 37. n. 2): Ct lai a donc ite compose en Grande-Bräagne, weil darin die fran- zösische Bretagne mit Bretaigne dela la mer bezeichnet wird. Doch wenn dem so wäre, dürfte man nicht etwa schliessen, dass der Lai, weil in seiner jetzigen Form in England verfasst, aus Wales stammte und etwa ein Beispiel jener berühmten anglonormannischen Zwischen- stufen wäre. Wir könnten dann nur so viel sagen, dass die uns überlieferte Fassung von einem Anglonormannen, oder, der Sprache nach zu schliessen, eher von einem in England wohnenden und für englische Höfe dichtenden Franzosen herrührt. Dass bretonische Sänger ebenso gut nach England wie nach Frankreich kamen, ist selbstverständlich. Im Lecheor heisst es z. B. Cil qui savoient de note .... Fors de la terre le (= le lai) jportoient Es roiaumes ou ü äloient Unter diesen roiaumes war wohl nach Frankreich Eng- land das erste. Es ist ja auch wahrscheinlich, dass Marie de France den bretonischen Sängern in England ihre Lais abgelauscht hat. Ich möchte aber sehr bezweifeln, ob G. Paris Recht hat, wenn er glaubt, dass der Lai in England verfasst wurde, weil es heisst (v. 67 ff.: En Bretaingne dela la mer V (sc. la novele de Vorgueilleme damoisele) oi un(s) chevalier{s) conter. Der Dichter spricht in den ersten 66 Versen nur von Grossbritannien; er erzählt von der org. Dam. in Daneborc und von ihren Freiern. Wenn er nun plötzlich von der französischen Bretagne sprechen wollte, so musste er sagen dela la mer, ob er in Grossbritannien oder auf dem Continente wohnte. Es kommt gar nicht darauf an, wo er wohnt, sondern nur wohin er die Scene verlegt hatte. Er dichtet ja für den Hörer oder Leser, nicht für sich selbst, „dega la mer^ wäre in diesem Falle vollständig Unsinn. En resume, sagt endlich G. Paris (p. 37), par Vambiguite des renseignements quHls donnent sur leur patrie — Bretagne ou Galles — nos cinq lais inedits sont parfaitement sem- blables ä ceux qu'on connaissait dejä. Es muss also für G. Paris wohl auch von jenen gelten, was er von diesen gesagt hat: La question de savoir si le mot Breton peut signifier Gallois reste reservee. Hiermit gesteht G. Paris selbst, dass sein Versuch, Breton in der Bedeutung Gallois nachzuweisen, zu einem vollständigen Fiasko ge- führt hat. 118 E, Brugger. Geradezu enttäuschend ist, was G. Paris seither über diese Frage geschrieben hat. Ich lasse hier alle einschlägigen Stellen folgen:*^) In Rom, X p. 466 lesen wir: Les romans bretons sont le produü du contact de la social frangaise et des CeUes ; ce contact a eu lieu surtout, sinon exclusivement, en Ängleterre (il faut admettre cependant qu'ü s^est produit, quoique plus faiblement, entre Bretons et Normands sur le söl Continental). Nachdem G. Paris so- dann die Bretons (Verfasser der cönam, Fraisne. Chaitivd) nicht. Also drei gegen drei : da lässt sich doch nicht entscheiden, wie sie^s gehalten hat. ^') Marie dürfte sich besonders an Beroul angeschlossen haben, der auch Tristan für einen Südwälschen hält. 134 E, Brugger, darum sagen, unechte Lais.'^) Ich glaabe nicht an den armorikanischen Ursprung derselben, aber ebensowenig an den wälschen; ich erblicke ihre Quelle in den französischen Tristanromanen; die Möglichkeit wenigstens einer solchen Auffassung wird jeder Leser dieser Lais einräumen müssen. ^^) Aber auch, wenn man die uns erhaltenen ^') Ein ähnliches Beispiel eines unechten Tristan-Lais ist das Can- tare de Tristano e Landdotto quando combattieron dl petrone di Merlino, das nach G. Paris (Born. IV p. 143) einfach dem Prosa - Tristan ent- nommen ist. Die Existenz echter Tristan-lais ist überhaupt problematisch. Auch der lyrische Chievrefoil mag ganz gut erst im Anschluss an den Tristanroman gedichtet worden sein. Die Sage kennt Tristan als Sänger; dass man die Lieder des keltischen Sängers Tristan für Lais hielt, zu einer Zeit, wo die keltischen Lais so bekannt und beliebt waren, ist na- türlich, und es lag darum nahe, ihm einen lyrischen Lai wie den Chievre- foil (zu dem dann später ein ctmte gedichtet wurde), in den Mund zu legen. Der Prosa-Tristan enthält ja eine Reihe lyrischer Lais, welche sicher erst ad hoc verfasst wurden. Nach meiner Meinung, die ich hier nicht weiter ausführen kann, war die erste litterarische Gestalt der Tristan- sage diejenige eines. Romans oder Epos ; die Sage gehörte wohl zur selben Klasse wie die Hörn- und Kudrunsagen. '*) Es sind wohl 2 Klassen epischer Lais zu unterscheiden : I j solche, welche vollständig abgeschlossen und meist gut gegliederte Handlung zeigen; sie bilden auch den Grundstock der Romane; II) solche, welche inhaltlich unfertig, unbefriedigend, erscheinen und eine Ergänzung vor- aussetzen; sie lesen sich als Commentare zu etwas anderem; die Ergän- zungen, die sie nötig haben, liefern die lyrischen Lais ; sie sind die contes zu letztern. Die eigentlichen epischen Lais sind diejenigen der ersten Klasse; es ist sehr zweifelhaft, ob diese je lyrische Lais neben sich hatten (wenigstens sind uns keine solche erhalten). Sie konnten allerdings auch contes genannt werden, insofern dieser Name allen erzählenden Gedichten (z. B. auch Romanen) zukommen mochte; daraus entstand denn wohl Ver- wechslung der beiden Klassen; und es wurde nicht mehr ein strenger Unterschied zwischen den Ausdrücken lais und contes gemacht. Die eigent- lichen epischen Lais bilden unter den uns erhaltenen Lais die grosse Mehrzahl; contes zu lyrischen Lais sind wohl nur der Lecheor, (dies ist ein Beispiel eines conte, dessen Inhalt eine bourde ist; der zugehörige lyrische Lai war wohl auch in ähnlichem Styl gehalten. lieber den mannigfaltigen Inhalt der Lais vgl. Sir Orfeo v. 5 ff: Sum ben of wele and sum of wo, and sum of joy and merthe also, Sum of trechery and sum of gyle. And sum of happes that fallen by whyle, Sum of bourdys and sum of rybandry, And sum ther ben of the feyre Of alle thing that men may se, Moost off luffe forsothe they be. Die keltischen Lais, welche von bourdys und rybandry handeln, entsprechen wohl den französischen Fableaux), der Chaitivel und der Chievrefoil. Wenn nicht die Lais der ersten Klasse nur contes, d. h. Commentare zu lyrischen Lais sind und letztere als Ergänzungen voraussetzen (und jedermann wird wohl den Eindruck bekommen, dass dies nicht der Fall ist), so müssen wir anneh- men, gestützt auf zahlreiche Zeugnisse (hier eines für viele: Fasia a un juglar Lo lais de dos amans cantar : aus Jaufre citiert von Zimmer), dass diese epischen Lais auch gesungen wurden (natürlich nicht mit gleichen notes und vielleicht auch nicht mit Begleitung der gleichen Instrumente, wie die lyrischen). Eine ähnliche Ansicht finde ich eben durch Freymond im Jahresbericht ausgesprochen. Man vergleiche auch, was Chancer, der sich wohl Ueher die Bedeutung von Bretagne, Breton, 135 Tristanlais als unabhängig von den uns erhaltenen Tristanromanen erklärt, so ist doch die Frage nach der Provenienz der einen von derjenigen nach der Provenienz der andern nicht zn trennen. Nun, die Tristansage war ursprünglich lokalisiert im alten Piktenland auf ältere Zeugnisse stützen musste, im Prolog zu The Frankeleyns Tale sagtr These cid gentil Bretons (dass unter den Bretons die Armorikaner ver- standen sind, geht schon daraus hervor, dass die Scene der Handlung In Armorike that ccUled is Bretagne ist) in hir dayes Of diverse aven- tures maden layes, Bimeyed in hir firste Breton tonge; Which layes mth hir instruments they songe Or elles red den hem for hir plesance And on of hem have i in remembrance etc. (schon citiert in Bitson Anc. Engl. Metr, Born. vol. III p. 304). Das songe or elles redden weist deutlich auf eine zwiefache Vortragsweise hin ; man darf wohl annehmen, dass das chanter in frühester Zeit, das dire in späterer Zeit die gewöhnlichste Vor- tragsweise war. In der That sind uns ja in einem Manuskript des Graelent noch die Notenlinien erhalten. Die contes dagegen wurden jedenfalls ohne Gesang vorgetragen, wahrscheinlich als Einleitung zu dem gesanglichen Vor- trag der zugehörigen lyrischen Lais (oder ähnlich wie die Prosa in Aucassin et Nicolete, waren vielleicht ursprünglich in Prosa). Da die contes von den lyri- schen Lais abhängig sind, so müssen sie erst nach diesen verfasst worden sein. Die uns erhaltenen Tristanlais sind (ausser dem gleich zu besprechenden Lai du cor) die einzigen, welche weder in sich selbst vollständig sind, noch durch lyrische Lais allein ergänzt werden können. Marions Chievrefoü ist ein cunte, der nachträglich, mit Hülfe eines Tristanromans, dem lyrischen Lai del Chievrefoil zugesellt wurde. Die beiden Versionen der Folie Tristan sind offenbar keine contes. Aber sind es etwa Lais der ersten Klasse? Wie soll ein Lai anfangen wie die erste Folie Tristan : Mout est Tristanz mellez a cort^ Ne set ou aille ne ou tort, oder wie die zweite: Tristan sujume en sim pais! Nicht nur fehlt vollständig der formelhafte Anfang und Schluss, die sonst bei allen Lais und contes zu finden sind, sondern der Inhalt ist auch ganz unverständlich für den, der den Tristan- roman nicht kennt. Fr. Michel, der hierin Fragmente eines Romans er- kannt hat, hat jedenfalls klarer gesehen als seine durch alle möglichen und unmöglichen Theorien verblendeten Nachfolger. Inwiefern unterscheidet sich denn die Folie Tristan von den Beroul- und ITtomos-fragmenten? Nur dadurch, dass jene absichtlich, diese zufällig aus einen grössern Com- plex herausgerissen sind. Lutoslawski {Born. XV p. 520) hält die ge- meinsame Quelle der beiden Versionen als einen lai independant du reste des poemes de Tristan, weil es sonst schwierig zu erklären wäre, warum beide mit den gleichen Ereignissen beginnen und schliessen. Aber man braucht doch nur anzunehmen, dass schon die gemeinsame Quelle aus einem Roman herausgerissen worden war : dann ist die Schwierigkeit aus dem Wege geräumt. Uebrigens erklärt sich die Sache auch leicht ohne Annahme einer gemeinsamen Quelle. Wenn 2 Jongleurs den gleichen berühmten Abschnitt isoliert wiedergeben wollen, so werden sie fast not- wendig gleich anfangen und aufhören müssen. Wenn 2 Bearbeiter aus je einem Tristanroman z. B. den Abschnitt La mort Tristan auswählten, ihre Fragmente würden wohl auch im Anfang und Schluss übereinstimmen. Das Argument Lutoslawskis hinkt also. Der Inhalt der Folie Tristan findet sich in allen Tristanromanen, überall etwas verschieden behandelt; es war also jedenfalls ein alter, wenn auch nicht integrierender Bestand- teil des Tristanromans. Ursprünglich mag das Thema den Inhalt eines Lais gebildet haben, wie G. Paris {Born. XV p. 599) vermutet (verwandt 136 E, Brugger. (besonders Loenois = Lothian^ und Morois = Murray'^^) und früh a.uch schon in Farmenie oder Permenie, d. h. nach meiner Meinung in Irland, ^^) welches gut dazu passt, dass nach den einen Versionen (cp. Lot Eom, XXV p, 24 — 25) Tristan sich in England einschiffen musste, um nach Fermente zu gelangen.") Später verbreitete sie sich nach Wales, Cornwall und der Bretagne. In Cornwall und der Bretagne nahm die Sage neue Elemente auf, dort den König Marc, hier den Riwalin; beide sind auch in die französischen Romane über- gegangen. In ihren ältesten Bestandteilen erscheint mir die Tristan- sage als eine mit keltischen Elementen verschmolzene Vikingersage, und vielleicht waren es die Vikinger selbst, die sie von einer Küste zur andern verpflanzten; möglicherweise aber kam sie aus dem be- nachbarten Cornwall in die Bretagne. Nach allem zu schliessen, erscheint sie in ihrer jüngsten, vollständigsten Gestalt in der Bre- tagne. Die Verschmelzung der Tristansage mit der Riwalinsage kann nur in der Bretagne selbst vollzogen worden sein; sie tritt uns aber schon in den ältesten französischen Versionen, bei Beroul und Thomas ^®), entgegen. Sie scheint also älter als das Uebergehen mit der histoire du retour d* Ulysse miconnu par sa femme et reconnu par son chien) aber die uns erhaltene Folie Tristan kann nicht direkt aus einem solchen Lai stammen, sondern muss durch einen Roman hindurch- gegangen sein, wie oben begründet wurde. '5) Vgl. Lot in Born. XXV p. 16 ff: Diese Untersuchung Lots über die Tristansage ist nach meinem Dafürhalten der einzige Teil seiner Etudes sur la Provenance etc., der ihm als Verdienst angerechnet werden kann, oder von dem man sagen kann, was er von der entsprechenden Untersuchung Zimmers, die ihm sehr zu Statten kam, sagt: la seule con- trihution serieuse quHl ait apportee ä la question de la provenance des legendes dites arthuriennes. '*) Hyhernia ergab französisiert Hyvemie, H konnte in Hand- schriften leicht als P gelesen werden, yv ebenso als me, wenn die 4 Striche, aus denen es besteht, undeutlich gesclirieben waren; die Transposition des er erklärt sich leicht, da es wohl in der Form des bekannten Abkürzungs- zeichens mitten über yv stand und so beim Lesen ebenso gut voraus- genommen wie nachgesetzt werden konnte. So mochte Permenie durch Pemernie hindurch (vgl. z. B, auch GovemaU und Gorvenal in den Tristanromanen, Gernemant Germenant im Chevalier as. U. espees) aus Hyvernie entstehen. Sehr gut erklärt sich dann die Nebenform Ermenie durch die fakultative Aphaerese des H, während das Fehlen des P sonst auffällig wäre. '') Uebrigens war das durch schriftliche Ueberlieferung aus Hyhernia entstellte Permenie natürlich von seiner Entstehung an unverständlich. '^) Thomas bezieht sich bekanntlich auf einen Breri als (lewährs- mann (F. Michel Tristan III v. 835 ff), und da Giraldus Cambrensis einen wälschen FabtUator Bledhericus nennt, so waren die Anhänger der wälschen Theorie gleich bereit, die Quelle des Thomas und die Tristan- lieber die Bedeutung von Bretagne^ Breton. 137 der Sage in die französische Litteratur. Was hindert uns also, an- zanehmen, dass die Sage, wenn auch nicht ursprünglich armorikanisch, doch erst in ihrer armorikanischen Fassung in die französische Litteratur aufgenommen wurde? Wir können allerdings nicht be- weisen, dass die ganze Tristansage, so wie wir sie aus den fran- zösischen Eomanen kennen, in der Bretagne bekannt war; aber nichts spricht für das Gegenteil. Doch ich will mich nun hier nicht weiter auf dieses Thema einlassen; uns genügt, dass die Möglichkeit des Imports aus Armorika nicht zu leugnen ist; dass ferner zum min- desten die Möglichkeit besteht, dass unsere Tristanlais auf den Eomanen beruhen, resp. Bruchstücke von Romanen sind; dass also kein Grund dazu vorhanden ist, unsern Lais wälsche Originale unter- sage überhaupt als wälsch zu erklären. Der Breri, auf den sich Thomas beruft, Ky solt le{s) gestes et le{s) cuntes De tuz le{s) reis, de tuz le{s) cuntes Ki orent este en Bretaingne, scheint hiernach der Verfasser eines arthurisierten Tristanromans und vielleicht noch anderer Arthurromane gewesen zu sein. Thomas nämlich citiert Breri. wo es sich um Details handelt, wie sie in den einfachen Lais kaum vorkommen; die Quelle des Thomas war jedenfalls bereits ein Roman oder mehrere Romane ; und da er bereits den armorikanischen Riwalin, und den wahrscheinlich armori- kanischen Kaherdin (letzterer gerade erwähnt, wo sich der Verfasser auf Breri beruft), also die jüngsten, armorikanischen, Bestandteile der Tristan- sage kennt, so ist es wahrscheinlich, dass die Quelle, d. h. der Roman des Breri, armorikanischen Ursprungs ist. Da es ferner nicht wohl denk- bar ist, dass die Lais bereits in keltischer Sprache zu Romanen um- gearbeitet wurden (und, ich glaube, dies ist auch die Meinung der An- hänger der wälschen Theorie), so muss man annehmen, dass das Werk des Breri in französischer Sprache verfasst war, dass also Breri, der einen keltischen Namen trägt, ein französisch-sprechender Bretone war. Wenn Breri ferner, wie Thomas berichtet, von den gestes der reis et cuntes de Bretaingne erzählte, so fragt es sich, ob Bretaingne hier Armorica oder örossbritannien bedeute. Lot (p. 522 n. 2) sagt: Dans le Tristan de Thomas, dont Vorigine insulaire est absolument ccrtaine (sie!), Bretagne signifie toujours, sauf cependant dans le fameux passage sur Breri, l Ar- morique (Wie leicht lässt er hier eine Ausnahme zu, er, der sich z. B. p. 501 so sehr gegen Ausnahmen sträubt!). G. Paris dagegen behauptet, dass Bretagne Bretons in Thomas immer VAngleterre celtiqvke (was übrigens ein sehr ungenauer Ausdruck ist) et ses habitants bedeute (Rom. VIII p. 428); er schliesst dies aus seinem rapprocJiement von Breri und Bled- hericus, obschon er selbst sagt, er glaube nicht, dass Thomas aus Breris Werk geschöpft habe. Lassen wir die beiden Gelehrten dies unter ein- ander ausfechten! Wenn Bretaigne hier Armorika bedeutete, so wäre dies ein neuer Beweis dafür, dass Breri ein Armorikaner war. Wenn aber Bretagne Grossbritannien (I) bedeutete, so fassen wir eben Breris Werk als einen arthurisierten, unter Galfrids Einfluss bearbeiteten Tristanroman (wie es z. B. dei^enige des Thomas selbst ist) auf. Ohne also auf den Bledhericus Bücksicht zu nehmen, kommen wir zu dem Schluss, dass Breri ein Bretone, Verfasser eines französischen, bereits der Dekadenz angehörigen, Tristanromans war. Sehen wir nun ebenso ganz von Breri ab, und suchen wir zu bestimmen, wer Bledhericus sein mochte. Giraldus (Ber. Brit. Med, Aev. Script. Opera VI 201—2) 138 E. Brugger. zaschieben. Nur noch eine Bemerkung zu dem Beispiel, das Lot (p. 522 — 3) aus der Döwce- Version der Folie Tristan citiert, wo Bre- taine le grant Grossbritannien bedeute. Dass Grossbritannien Gross- britannien bedeutet, wissen wir; aber man sollte die Leser nicht immer mit solchen blödsinnigen Beispielen belästigen. Doch Lot lässt uns keine Euhe; zum zweiten Mal tischt er uns das bereits p. 334 von ihm erwähnte und A. 37 von mir besprochene, nicht weniger absurde, Beispiel auf. Den Tyolet habe ich bereits oben (p. 115 f.) besprochen und dort zugleich mit den Argumenten von G. Paris diejenigen Lots als sagt in seiner Descriptio Cambriae: Sunt et his naviculae ad piscandum, seu flumina transnaviganduniy vimineae; non ohlongae^ non rostratae, vd potius in trianguLum formatae; undique cories animalium crtidis non intus, sed extra contectae. Cum autem navtcuHam salmo injectus forte cauda fortiter percusserit, non absque periculo plerumque vecturam pariter et vectorem evertit. Namenlos istas piscatores, barbaro ritu, ad aquas eundo et redeundo humeris portant. ünde famosus ille fabulator Bledhericus qui tempora nostra paulo praevenit, super hoc casu sie aenigmatice proloqui consueverat: „Sunt apud nos gentes quae cum ad praedandum deproperant, equos humeris impositos usque ad praedam ipsam portant. Ad praedam vero capiendam equis insiliunt^. Eaque capta, statim equos humeris Herum injectos domum redeundo reportant. Giraldus also, der die Fischer in Wales ihre Boote auf dem Rücken tragen sah, erinnert sich, dass ein anderer Wälscher, ßledherius, von den Jägern in Wales behauptete, dass sie ihre Pferde auf dem Rücken zu tragen pflegten. Die Identifikation des Breri mit Bledhericus gründet sich auf folgende Coin- cidenzen: beide Autoren tragen denselben Namen; beide schrieben zur selben Zeit und beide sind fabulatores. Ist aber ein fabulator notwendig ein Dichter von Arthurromanen? Ein fabulator ist überhaupt ein writer of fiction. der Gegensatz eines wahrheitsgetreuen Geschichtsschreibers. Wir dürfen z. B. Giraldus selbst einen fabulator nennen; und wenn Giraldus die von ihm citierte Stelle, die er mit Ironie „enigraatisch" nennt, in den Werken des Bledhericus vorfand, so hatte er auch schon Grund genug, den Bledhericus einen fabulator zu nennen. Famosus be- deutet „berüchtigt", ebenso gut wie „berühmt", wenn es nicht schon wie das französische fam£ux den Sinn von „gewaltig" hatte {famosus fabu- lator = gewaltiger Aufschneider). A priori erscheint es gewiss wahr- scheinlicher, dass Bledhericus wie Giraldus eine Descriptio Cambriae ge- schrieben hat, die wohl ebenso voll von fabulae und mirabilia war wie z. B. des Giraldus Topographia Hibemiae. Was aber das Herumtragen von Pferden mit den gestes der brit tischen Könige für eine Bewandtnis haben soll, entgeht mir. Es bliebe noch die Eigentümlichkeit, dass un- gefähr zu gleicher Zeit in Wales und in der Bretagne ein Breri existierte. Wenn man aber bedenkt, dass dieser Name in beiden Ländern allgemein verbreitet war, so hat auch diese Coincidenz nichts mehr Auffallendes. Sogar wenn man die Möglichkeit zugiebt, dass Bledhericus und Breri ein und dieselbe Persönlichkeit waren, so liegt doch in der blossen Möglichkeit kein Beweisgrund zu Gunsten der wälschen Theorie. Aber man sieht, wie sich die Anhänger derselben an jeden Strohhalm anklammern müssen. Ihr Breri- Argument reiht sich in Bezug auf Nichtigkeit würdig dem Geiss- blattargument an. Merkwürdig ist, dass auch Zimmer (Zeitschrift XII p. 84) noch an jener Gleichsetzung festhalten will, so lange es geht. Ueher die Bedeutung von Bretagr^^ Breton, 139 nichtig zarückgewiesen. G. Paris selbst hebt hervor, wie sehr sich in diesem Lai das ritterliche Element breit mache. Mit der Ein- fährang des ritterlichen Elementes ging aber auch fast regelmässig die Einfähmng Arthurs und seiner Eitter und damit auch der aus Galfrid bekannten arthurischen Geographie Hand in Hand. Der Lai ist in der That schon auf derselben Stufe der Arthurisierung (man erlaube mir diesen bequemen Neologismus) angelangt wie die altern der Romane (z. B. der Bd Inconnu), Die arthurischen Namen aber wie auch alle ritterlichen Elemente lassen sich noch leicht als blosses Pflaster erkennen, unter denen das ursprünglich Märchenhafte doch noch durchscheint. Schon der Umstand beweist die Un Wichtigkeit der arthurischen Namen in diesem Lai, dass sowohl die Erzählung des ersten wie diejenige des zweiten Teils mit verschiedener Nomen- klatur in Romanen wiederkehrt. Der Name des Helden mit seinem Suffix et=^ ec scheint bretonisch zu sein. Die Arthurisierung wurde na- türlich nichtvondenKelten, sondern erstvondenFranzosen vorgenommen. Die Erwähnung des Eoain le filz Morgain dürfte uns sogar fast das Recht geben, die Abfassungszeit des Lais erst in den Anfang des 13. Jahrhunderts zu rücken, da das hieraus erschliessbare Verwandtschafts- verhältnis erst in Robert de Boron's Merlin erscheint.^') Gehen wir nun mit Lot zum Lai de VEspine über®^)! Lot sagt darüber: Quant auxBretons („lA Breton en firent un lai^\ il ne semble pas que ce puissent etre des Ärmoricains. Was es nun immer auch Lot scheinen mag, ist uns wieder durchaus gleich- gültig. Uns genügt die Thatsache, dass Lot keine Argumente zur Stütze dieser persönlichen Ansicht finden konnte. Was er für einen Beweisgrund auszugeben scheint, ist die Erwähnung des mostier Saint Aaron in Carlum, wo der Dichter die estores aufbewahrt sein lässt, welche die matiere des Lais enthalten sollen. Wie G. Paris (Rom. XXin 610) sagt, der Verfasser ne pretend pas avoir puise dans le recueü de GarHon; er sagt von demselben nur, dass er peut lui servir de garant pour la veriti des aventures^ welche den Gegen- stand seines Lais bilden. Ich habe schon früher gesagt, dass solche Angaben der Dichter gegen diejenigen gerichtet sind Qui que des lais tigne a mengonge (v. 1), während sie selbst die ärgsten men- gonges sind, und dass sich Caerleon als schon aus Galfrid bekannte, wichtigste Residenzstadt Arthurs am besten ^Is Aufbewahrungsort arthnrischer Annalen eignen musste. Aber Lot sagt: Non setUement la mention de Carlion^ mais ceUe du cuUe de saint Aaron nous in- diguent un komme famüier avec les choses gaUoises, Dies ist Unsinn; '•) Im JErec (v. 4218) ist Morgain zwar Schwester Arthurs, aber nicht Frau Urions. In Galfrid erscheint Urianus noch nicht als Arthurs Schwager. ^®) Vgl. die Aehnlichkeit des Abenteuers am Oui de VEspine mit demjenigen am vurt vwr Noirespine in der Kröne v. 3356 ff. Der Sire de la Naire Espine in Tvain 470Ö hat nichts Gemeinsames mit dem Schwarzdomritter. 140 E. Brugger, der Verfasser brauchte nur Galfrids Historia (lib. IX c. XII) oder Waces Brut (II p. 95) zu kennen, wo bei der Beschreibung des Pfingstfestes zu Caerleon auch St. Aaron nicht vergessen wird.**) Dass in dem Lai Bretagne Grossbritannien oder gar Wales bedeute, haben weder G. Paris noch Lot bewiesen. Ueber die supponierten irischen Lais, denen Lot hier noch einen Absatz widmet, habe ich mich bereits oben ausgesprochen. Im Melion ist die Handlung zum Teil wenigstens in Irland lokalisiert. Man wird zugeben müssen, dass die Bretonen und Fran- zosen die Hauptstadt Duveline ebenso gut kennen mochten wie Wälsche. Lot beweist sodann, dass L'auteur a du avoir connaissance^ diree- tement ou non, de Voeuvre de Gaufrei de Monmouth'^, und schliesst mit dem Unsinn: 11 mentionne y^Grauwain^^ ,^Iwain^, Je roi Ydd*^ (Ider), y^Urien'^ qui sont des heros des GaUois et desBretons du Nord de VUe. Weiss er denn nicht, dass diese 4 Helden auch bei dem- selben Gaufrei de Monmouth vorkommen, den der Dichter gekannt haben muss? Uebrigens ist der Inhalt dieses Lais so ziemlich iden- tisch mit dem des armorikanischen Bisclavret. Lot führt endlich als letzten der 10 gefährlichen Lais den Lai du Cor an. Dieser Lai wird aber nirgends lai breton genannt, er erscheint nirgends in einer Lais-Sammlung unter dem Titel Lais de Bretagne; er ist vielmehr ganz isoliert überliefert. Im Lai selbst werden nicht die Bretons als Verfasser angegeben, wird nicht ge- gesagt, dass er aus der Bretagne stamme, wie sonst in fast allen Lais.®^) Der Verfasser, ein niedriger Jongleur,^^) scheut sich nicht, den Helden selbst für den Dichter des ursprünglichen Lais auszugeben. Biket scheint nichts von einer gesanglichen Vortragsweise des Lais zu kennen; der a&e, der ihm den conte mitteilte, wird ihn wohl nicht gesungen haben ; auch wird in keinem andern Texte von einem ®^) In Gerberts Gralromanfortsetzung wird neben dem veegues de Carlion auch eil de Saint Aaron en Gales genannt (VI p. 206). Wenn Lot „mit G. Paris'- (^om. VIII 35) sagt: Saint Aaron (sc. de Carlion) est en effet completement inconnu sur le continent, au point que les BoUan- distes »« le mentionnent meme pas, so ist dies unrichtig ; denn in den Acta Sanctorum findet sich unter dem 1. Juli t. I p. 15 ein Kapitel, be- titelt: Le Sanctis Martyribus Britannis Julia, Aaron et Sociis in der Legionum urbe. Ausser dem St. Aaron^ moine en Bretagne au FT« sihcle (so in Mas Latrie Tresor de Chronologie p. 666), über den die Bollan- disten handeln in dem Kapital : Le S. Aarane Monacho in Insula Litto- rali Brittanniae {Junius t. Vp. 212—13) kennen sie einen S. Aaron eveque d'Auxerre, welcher Anfangs des 9. Jahrhunderts lebte (Oct. 27 t. XII p. 373). In der Bretagne gibt es auch eine Ortschaft, mit Namen Saint Aaron {Cotes du Nord con de Lambälle). ^^) Man beachte, dass eine solche Bemerkung gerade auch in dem unächten Chievrefoil und natürlich in den beiden Folie Tristan fehlt. ^) Nach dem Dialekt zu schliessen, ein Ostfranzose (vgl. Warnatch in Weinholds Germanistische Abhandlungen II). V. . Ueher die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 141 singbaren Lai du Gor gesprochen. Das Versmass dieses Lais ist yerschieden von demjenigen aller übrigen Lais nnd der ans ihnen aufgebauten romans bretons; und es wäre absurd, anzunehmen, dass die grosse Laislitteratur ursprünglich in Sechssilbern abgefasst war, und dass sich davon nur noch der Lai du Cor in ein Manuskript des 14. Jahrhunderts gerettet hätte. Der Lai du Cor sticht von den lais bretons noch viel mehr ab als die Tristanlais. Es fehlt ihm die für die erste Klasse der Lais (vgl. oben A. 74) charakteristische Einheit der Handlung;®*) der Lai du Cor ist vielmehr ein poeme ä tiroirs. Ein Lai der zweiten Klasse, d. h. ein conte zu einem lyrischen Lai ist er auch nicht; denn er hat keinen solchen als Ergänzung nötig; wie wäre ein lyrischer Lai dazu inhaltlich überhaupt denk- bar? Der Lai du Cor ist vielmehr ein gewöhnlicher conte, nicht ein conte d^un lai. Er hat mit den lais bretons nichts mehr als den Namen lai gemein, der auf der einzigen Autorität des Possenreisser& Biket {qui molt par set d'dbez: v. 584) beruht. Ein solcher »Lai** kann nicht nur keinen Einfluss haben auf die Frage nach der Be- deutung von Bräons, da ja die Bretons gar nicht als Verfasser ge- nannt sind und der Lai selbst nicht als breton bezeichnet ist; sondern er kann auch für die Frage nach dem Ursprung der Lais bretons kaum in Betracht kommen, da nichts beweist, dass es ein lai breton ist. Auffallend ist auch die ziemlich lange Eitter- und Fürstenliste im Lai du Cor] solche Aufzählungen kommen in keinem andern Lai vor, sind dagegen ein Gemeinplatz der Eomane. In der That ergibt sich unser „Lai** bei näherer Betrachtung als ein Roman- fragment: der Held und die Heldin des „Lais" nämlich müssen für jeden, der nur diesen „Lai" kennt, durchaus unbekannte Persönlich- keiten sein, welche durch nichts die hervorragende Stellung, die sie einnehmen, rechtfertigen. Die echten Lais bleiben dem Hörer oder Leser die Erklärung der Handlungen und Personen nicht schuldig. Wir können auch mit Gewissheit sagen, durch was für einen Roman der Lai du Cor hindurchgegangen sein muss; denn die Aufschlüsse, die uns der „Lai" vermissen lässt, gibt uns der Caradoc-Roman, der uns in einer der Perceval-Fortsetzungen erhalten ist. Derselbe ent- hält auch das Abenteuer mit dem Hörn, genannt Bounef (v. 15 687), und wohl noch mit altern Zügen. Ursprünglich hatte wohl dieser „conte" auch mit der Caradoc-Sage nichts zu thun; aber wurde ein- mal in sie eingeführt, doch so äusserlich, dass er leicht wieder los- getrennt werden konnte. Bikets Lai du Cor stammt nicht direkt aus der uns erhaltenen Version des Caradoc-Romans. Bekanntlich **) Dieselbe fehlt allerdings im Tyolet\ aber man sieht ja leicht, dass dieser Lai eigentlich aus zweien zusammengesetzt ist; er ist schon eine Art Roman. 142 E. Brugger. haben wir neben dem Lai du Cor die verschiedenen Versionen des Conte du Mantel^ welche ganz das gleiche Thema in gleicher Weise behandeln. Die Ritterlisten variieren sehr; aber für unsere Frage kommt es nicht darauf an, was für Namen sie enthalten; denn diese Namen können und werden wohl alle aus den jeweiligen Eomanen entlehnt sein, durch welche jede der Versionen hindurchgegangen ist. Welche Namen dem ursprünglichen Lai, wenn es einen solchen gab, zukamen, lässt sich unmöglich bestimmen. Der Held aller Ver- sionen (mit Ausnahme derjenigen im Lanzelet^ worüber s. G. Paris Rom. X p. 477), Caradoc, der allerdings nach meiner Meinung dem ursprünglichen lai oder conte kaum angehört haben dürfte (ur- sprünglich war wohl eher der König selbst Sieger), ist nach dem Caradoc-Roman ein Bretone, wie auch schon die Nebenform Caraduec (einmal durch den Reim gesichert) beweist. Ob er ursprünglich der inselkeltischen Sage entstammte, (was wahrscheinlich ist), geht uns zunächst nichts an. Sofern ein Sagenstoff durch bretonische Ver- mittlung zu den Franzosen gelangt ist, sagen wir, er sei bretonischen Ursprungs. Die Frage, woher die Bretonen ihre Sagen hatten, ist eine sehr interessante, aber für die französische Litteraturgeschichte sekundäre.®^) Dies sind die 10 Lais, welche nach Lots Meinung Zimmers Theorie gefährden; p. 527 setzt er die Zahl auf 6 herab {Yonec, Müon, Chievrefoil, Folie Tristan, Melion, Cor), bei denen er die Autorschaft der Bretonen für durchaus ausgeschlossen erklärt. Ich denke nun klar gezeigt zu haben, dass, wo immer sich etwas über den Ursprung der 10 Lais und über die Bedeutung von Breton sagen lässt, alles zu Gunsten von Zimmers Theorie spricht, und der Vor- wurf, dass Z. diese Lais schweigend übergangen habe, weil sie ihm im Wege gewesen wären, ist also, abgesehen von anderm, auch noch lächerlich. Ich bespreche nun noch kurz die Bemerkungen Lots zu den 3 Lais, in denen sich nach seiner Meinung die Bedeutung von Bre- tagne, Bretons nicht bestimmen lässt. Zum Equitan: Lot ficht eine Erklärung Z.'s an, nach welcher Nans die Namnäes bezeichne. Je crois tout simplement ä une mSprise pour Camant. Das toiU simplement können wir natürlich nicht als Beweis hinnehmen, und persönliche Ansichten Lots lassen uns kalt. Wenn man in Nans eine mSprise sehen will, warum sollte man nicht ebenso gut das zweisilbige Nantes wie das zweisilbige ^) Wenn in der Caradoc-Sage noch die Erinnerung an den alten Britten Caractacus fortlebt (wie Ahlstrom, Studier i den Fornfranska LaiS'Literaturen p, 33, zu glauben scheint), so mochte die Sage leicht durch die Auswanderung nach Armorika verpflanzt worden sein. lieber die Bedeutung von Breiagney Breton. 143 Camant einsetzen können? Was Gamant bedeutet, kann uns in Bezug auf den Lai d'Equitan gleichgültig sein; denn die Correktur von Nans durch Gamant ist eine Supposition in's Blaue. Ich schlage eine andere Correktur vor, welche, wie ich glaube, sich begründen lässt: Im Tresor de Ghronologie des Gomte de Mas-Latrie p. 1572 finden wir unter dem Jahre 874 als Nachfolger Salomons in, Königs der Bretagne, verzeichnet : 1) FasguUen^ gendre de Sahmon, prä U iure de comte de Yannes^ m. en 877; 2) Gurvandy gendre d^Eri^oä^ comie de BenneSy m, en 877, und als Nachfolger dieser beiden: Alain I le Grand, frdre de Pasquiten (vgl. auch Art de verifier les dates t XIII p, 195). De Courson (Gartulaire de Bennes p. XLI) sagt: Les etats du grand Nomino'e resierent entre les mains de Gur- vand, comte de Bennes, de Pascweten, comte de Vannes et de plusieurs autres petits princes respectivement independants, tels que les comtes de Gornouaüle, de Leon, de Poher etc, Malheuremement Vambitian qui avait arme coivtre Salomon les comtes de Bennes et de Vannes, les poussa bientöt ä se combattre Vun Vautre, La guerre dvüe desola la Bretagne, Battu par un rival dont la seule presence vaut une armee, Pascweten appelle les Normands. Gwrwand, avec une poignee dlwmmes, est partout vainqueur , mais il meurt au milieu de son triomphe. Pascweten lui survit, pour perir assassine par les Nor- mands, juMe punition d^une alliance impie avec les oppresseurs du pays, p. XLU wird uns gesagt, dass Pascweten Prostion zur Frau hatte, die 876 starb. Es liegt nun ziemlich nahe, den Namen EquUan (so in H und N, aber Aquitan in S) mit Pasquiten {Pascuüanus auch belegt in der von E. Merlet herausgegebenen Ghronique de Nantes) zu identifiziere?! ^®) : und es ist dann klar, dass der Vers Sire des Nans justise e reis, eine Correktur erheischt, etwa wie die folgende: S'ert de Vanes justise e reis,^"^) Zu bemerken ist übrigens, dass die Form des Nans des Herausgebers Verbesserung zu sein scheint, der hierin auch die Namnetes erblickt. De Vanes mochte leicht gelesen werden als de Nanes^^), dann de Nams (so las wohl *•) P mochte als H gelesen werden (vgl. A. 76 einen Fall, wo wohl umgekehrt jff für P gelesen wurde), und H war der Aphärese aus- gesetzt. Die Handschrift S gibt in v. 18 die erste Silbe durch ein Zeichen wieder. Uebrigens kommt bisweilen auch Ausfall anderer Initialen als H vor, vgl. z. B. in Kröne: Iwal = Binäl, Iwalin = Biwiilin, 0rcade8 = MorcJMdes, im Prosatristan: Ossenam = Gosouain, im Conte du Graal: Arides ^ Carides etc. Wir dürfen bei den Lais und Romanen ganz wohl schriftliche üeberlieferung voraussetzen. Finihus terrarum >• Fineposteme (vgl. Zimmer Zeitschrift XIH) z. B. erklärt sich nur bei solcher Annahme. ®') Als Nachfolger des Königs Salomon gab sich wohl Pasquiten auch den Titel König. Es ist übrigens bekannt, wie bei den altbretonischen Fürsten die Titel König, Herzog, Graf leicht wechselten. ®®) Für den Wechsel von N u. V vgl. z. B. die Nebenformen Neutres und Ventres {de Garlot) in den Merlin -Eomanen. 144 E. Brugger. der nordische Uebersetzer, der Nams noch als Stadt anffasst: Nams- horg^ also wohl noch de^ nicht des in der Vorlage fand) oder Nanns; Nams ergab Nains in S, Nanns ergab Nauns in H; zugleich wurde das Wort wegen des -s als Plural und folglich als Völkemame auf- gefasst und de wurde deshalb zu des; S^ert wurde endlich als Sire gelesen, da dem Vers sonst eine Silbe gefehlt hätte. Bemerkens- wert ist, dass Pasquiten im Jahre 877 ermordet wurde; nach unserm Lai aber starb Aquitan auch eines unnatürlichen Todes, wurde auch gewissermassen ermordet. Es ist wohl möglich, dass die Sage, immer zur Beschönigung geneigt, das für die Bretagne schimpfliche Bündnis mit den Normannen aus dem Spiele lassen wollte und darum den Grafen nicht mehr durch die Normannen, sondern durch seinen Seneschall ermorden Hess. In der Sage wie in der Geschichte hat der Graf seinen Tod selbst verschuldet. Der Leser möge nun wählen zwischen dieser und Lots Erklärung und demnach entscheiden, ob die Bretun, welche den Lai verfassten, eher Bretonen oder Wälsche waren. Den Lai de Gruingamor entlässt Lot ohne Bemerkung. Ich erinnere hier nur daran, dass dieser Lai das gleiche Motiv behandelt wie der gleichbetitelte Guigemar von Marie de France und nament- lich auch wie der Graelent und dass Guingomar und sein Bruder Graelent die bekanntesten bretonischen Sagenhelden sind. Im übrigen verweise ich auf den trefflichen Artikel Zimmers in dieser Zeit- schrift Bd. XIII. Als letzten der zweifelhaften Lais nennt Lot den Eliduc. Der Name des Helden ist nach Lot nicht klar; aber offenbar ent- hält er das spezifisch bretonische Suffix -öc, -wec, -ec, -uc (wie in Ybwec, Meriaduc, Maduc neben Madoc etc.). Im Cartülaire de Vab- haye de Landevennec (ed. Arth. de la Borderie p. 144) findet sich unter dem Jahre 1057 der Name eines Abtes von Landevennec als Elisuc (zufällig erwähnt von Zimmer, Zeitschrift XIII p. 12).*") ^•) In dem ganz späten Roman Claris et Laris^ wo die EigeDDamen pelemele gebraucht werden, kommt ein Helidus Elidus als König von Irland vor (v. 6334, 13134 etc.); in dem relativ alten, durch und durch bretonischen Roman Ble et Gdleron erscheint ein Elidits, Vater des Helden nie, als Vasall des Bretonenherzogs Gonain. Galfrid hat seinen Aliduc fWace: Elidtic) wohl bretonischen oder französischen Quellen entnommen. Dass er unter andern auch solche benutzt hat, wird ja wohl von nieman- dem bestritten. Vielleicht kannte er einen Lai von Eliduc, wo der nicht sehr weit von Toteneis und Excestre (v. 88 u. 91) gelegene, zeitweilige Auf- enthaltsort des Eliduc, Tintagel genannt wurde, was ja der geographischen Lage nach wohl möglich war; so konnte Galfrid unsern Helden als Aliduc de Tintagöl bezeichnen. Gautier in seiner PercevaZ - Fortsetzung nennt einen Elideus, Vater des Fischers Eliasdu (v. 24667). In Floriant et Florete ist Elyadus, König von Sicilien, Vater des Helden Floriant, Vgl. auch noch den Roman Eledus et Serene, und dazu Suchier in Gröhers Zeitschrift XXI. 112 ff., sowie Romania XXVI. 327. üeher die Bedeutung von Bretagne^ Breton. 145 Z. hat auch nachgewiesen, ohne sich anf unsern Fall bezogen zu haben, dass die alte bretonische Media d im Mittelbretonischen als d, s, th und t geschrieben wurde (Zeitschriß XIII p. 51). Der sicher bretonische Roman Ille ei Gäleron behandelt dasselbe Thema, wie unser JEliduc, ohne einfach eine Bearbeitung des letzteren zu sein; der ihm zu Grunde liegende Lai, verwandt mit dem uns erhaltenen, muss also auch acht bretonisch gewesen sein.'°) Was endlich die geographischen Namen anbetrifft, so sagt Lot: Le heros est hien de „Bretagne la Menour*^, mais ä'un autre cötS, la meniion precise de certaines locälUes de la cöte sud du Cornwäll et du Devonshire^ autori- sent Vhesitation (p. 526). Wenn der Held eines Lais aus Wales gebürtig ist, so genügt dies sonst Lot immer, um den Lai als wälsch zu erklären, wenn gleich auch armorikanische Ortschaften darin genannt werden; hier aber findet er es für gut, seinem eigenen Prinzip ungetreu zu werden, üebrigens verschanzt er sich hier hinter einer Aeusserung B6diers. Die erwähnten localites sind Totnes und Exeter (v. 88, 92) in Devonshire (nicht Cornwäll!). Dies sind die früh schon sehr bedeutenden und für die Bretonen am nächsten gelegenen Hafenstädte Englands. Wenn die Bretonen auch nur etwas von dem Inselreiche kannten, so mussten sie diese beiden Orte kennen. Wie die Erwähnung derselben in einem lai hreton allein Lots hesitation rechtfertigen soll, ist wirklich schwer verständlich. Wenden wir uns nun zu dem Argument Bediers, das Lot auch zu dem seinigen macht und das nicht nur speziell auf den Eliduc Bezug hat, sondern eine allgemeinere Bedeutung hat und uns be- quem zu der Betrachtung der letzten Serie von Lais hinüberleitet: Marie, vivant en Ängleterre, a pu, de son chef, et sans etre excep- tionneUement savante en geographie, placer dans le pays de Galles Vaction de certains contes sans quHl sott prouve par lä guHls lui •0) Lot selbst hat jüngst in Born. XXV p. 585 ff. gezeigt, dass der Roman Ille et Gäleron auf bretonischen Sagen beruht. Ich glaube, dass der Mörder des Grafen Eoel nicht bloss Gäleron, sondern Ille Gäleron hiess; es wäre dies nicht der einzige Doppelname, der vorkommt. Gautier hat dann wohl Hle gäleron als JUe e Qaleron aufgefasst und wenn Ille gäleron etwa in der Sage nicht nur Vasall, sondern Schwiegersohn des Herzogs Conain war, so mochte er leicht dazu kommen, sich Gäleron als Tochter des Herzogs und Gemahlin des Ille vorzustellen. So dürfte sich die ridicule meprise Gautiers erklären. Der Doppelname ist in der That zu belegen, nämlich in der P- Version der Suite Merlin (Auszug Freymonds § 79 in dieser Zeitschrift XVII p. 51). Während Gautiers Roman den Standpunkt der Bewohner der Grafschaft Rennes vertritt, also lUe et Gäleron sympathisch darstellt, scheint die P- Version der Suite Merlin den Stand- punkt der Bewohner der Grafschaft Nantes zu vertreten, indem sie Hles gäleron als einen der bösgesinnten Verwandten des Königs Alain von Escavalon darstellt, die den Helden (Gawain) zu tödten beabsichtigen und ihm bei seinen Abenteuern auflauern ; Illesgaleron ist hier der hinterlistige Mörder wie Galuron in der Chronique de Nantes. Ztschr.f.frz.Spr.u.Litt. XX». 10 146 E. Brugger. vmssent de Jongleurs gällois (wie übrigens Lot dies acceptieren kann, befremdet, da es seinen vorher geäusserten Ansichten vollständig widerspricht). Mais Vargument a la meine vcUeur retargue: Marie, Normande d^origine, a pu^ de son chef et sans Hre remarquablement geographe, placer ä Saint-Malo ou ä Bot Vactian de certains autres contes sans guHl s^ensuive nicessairement qu^eUe Us aU regtis de Jongleurs „bretons'^. Zunächst die Frage: Warum wählt Marie, die „ Normannin ^, als Scene von Lais Leon, JDol, Saint-Mdlo^ Nantes^ Mont-Saint-Michel, Vannes, alles bretonische Städte und nirgends normannische'*) oder sonst französische? Deshalb, weil sie Nor- mannin ist, soll sie die Scene der Lais auf dem Continent aus- schliesslich in die Bretagne versetzen? Ich verstehe diese Logik nicht. Doch hier liegt noch nicht der Schwerpunkt. Ich habe oben das Argument zurückgewiesen, dass ein Werk da entstanden sein müsse, wo es die Scene der Handlung hinverlegt, ein Argument, das von Lot zwar nie ausdrücklich ausgesprochen wird, aber doch in Wiiklichkeit überall angewandt wird, wo es ihm passt. Ich habe dagegen ebendaselbst gesagt, dass dieses Argument, wenn ein- geschränkt und spezialisiert, richtig ist. Die Lais-Erzählungen waren in ihrer Heimat populäre Stoffe, Volksmärchen und Volkssagen; derartige Erzeugnisse werden in der Eegel da lokalisiert, wo sie gewachsen sind. En effet^ sagt Lot selbst gelegentlich (p. 517), les Ugendes naiionales sont localisees dans le pays meme du peuple. Es ist undenkbar, dass ein wälscher Lai (es mrd hier nur, um der Argumentation willen, angenommen, dass es solche gab) die Haupt- scene z. B. nach Nantes, in die Bretagne, verlegte; es ist ebenso undenkbar, dass ein (im engern Sinn) bretonischer Lai die Haupt- scene z. B. nach Caerleon an der üsc, nach Wales, verlegte. Na- türlich, wenn der Inhalt eines Lais es mit sich brachte, dass der Held oder sonst eine handelnde Person das Vaterland verliess, so mochte ein anderes Land vorübergehend Scene der Handlung werden, und diese wurde dann daselbst je nach der grössern oder geringern geographischen Kenntnis des betreffenden Dichters genauer oder vager lokalisiert; aber die Hauptscene, von der die Handlung aus- geht und zu der sie wohl auch wieder zurückkehrt, wird doch immer die Heimat des Dichters oder der Sage sein. Nun ist aber zu be- achten, dass wir „strictly ^edking' weder bretonische noch wälsche Lais besitzen, sondern nur französische. Es fragt sich also: Hatten die Franzosen irgend welche Ursache, den Ort der Handlung, wie **) Der Lai des Daus Ämunz macht nicht etwa eine Ausnahme: denn das normannische Pistre rührt hier nicht von Marie her, da ja die Sage daselbst wirklich lokalisiert ist. Das normannische Barfleur im Müun hat nur den Zweck, als Zwischenstation zwischen Southampton und Mont-Saint-Michel zu dienen. TJeber die Bedeutung von Bretagne, Breton. 147 sie ihn in den wälschen oder bretonischen Lais vorfanden, zn ver- ändern? Die lais bretons sind in Frankreich zwar sehr beliebt, aber nie eigentlich heimisch geworden; sie wurden immer als ans fremdem Lande kommend gefühlt nnd gerade dies machte ihren Reiz ans und trug viel zn ihrer Beliebtheit bei. Die Tendenz, die Lais zu nationalisieren, bestand also in Frankreich jedenfalls nie; und in der That finden wir auch in den Lais keinen einzigen Fall von üebertragung der Scene in ihre neue Heimat, das nicht-bretonische Frankreich. Fragen wir dann weiter: Hatten die französischen Dichter einen Grund, um den Ort der Handlung wftlscher Lais aus Wales oder Grossbritannien überhaupt, nach der Bretagne zu über- tragen? Ein Grund dieser Art scheint mir kaum denkbar. Wenn die Gegner der armorikanischen Theorie erfinderischer sind und einen solchen ausfindig machen können, so mögen sie ihn sagen und wir wollen ihn dann prüfen. Einstweilen haben sie noch keinen solchen Grund genannt. Wenn Bedier behauptet, Marie habe von sich aus {de son chef) die Scene aus Wales nach St. Malo oder Dol übertragen können, so bestreite ich dies. Sie hatte keinen Grund dazu; folglich hat sie's auch nicht gethan. Vernünftige Leute führen bewusste Handlungen nicht ohne Grund aus. Wenn also gewisse Lais die Hauptscene in der Bretagne haben, so ist es nicht denkbar, dass ursprünglich die Scene Wales war und dass die Franzosen ge- ändert hätten. Wir dürfen somit als ganz gesichert annehmen, dass Guigemar, wo die Scene ausschliesslich Bretagne laMenour, speziell Idun, ist, Le Fraisne mit der Scene in Dol, Laustic mit der Scene in Saint Motto, Le Chaitivel und Tydorel mit der Scene in Nantes, Ignaure mit der Scene in Biol in der terre Hohiel (wohl Rieux im Arr. Vannes, also im Gebiet des Grafen Hoel von Vannes), JDoon mit der Hauptscene in der Bretagne, besonders MontSaint- Michel, Yonec mit der Scene in und bei Carwent am Daoulas (wenn meine Vermutung das Richtige getroffen hat), dass alle diese Läis aus der Bretagne stammten. Nun müssen wir aber in analoger Weise wie oben fragen: Hatten die französischen Dichter einen Grund, um den Ort der Handlung in den Lais aus der Bretagne nach Wales oder überhaupt nach Grossbritannien zu übertragen? Und hierauf antworte ich mit einem entschiedenen Ja. G. Paris, der Hauptvertreter der wälschen Theorie, hat die grosse Verbreitung und hohe Bedeutung von Galfrids Historla zwar genügend hervor- i^ehoben, aber er will ihr fast gar keinen Einfluss auf die Romane und Lais einräumen®'^). Wenn aber die Historia einen so mächtigen **) Bom. X p. 488: nos rmnans en vers . . . . ne doivent rien ä Gau frei de Monmouth. Manuel de la Literature frangaise § 5i: il n'en {i. e. des romans) est que trhs peu, et parmi eux les moins anciens qui Vaient utüise. Nutt {Studies an the Legend of tJie Höly Grail p. 229) hatte 10* 148 E. Brugger, Erfolg hatte dans le monde des clercs, so wäre es doch merkwürdig, wenn die nach G. Paris zum Teil über den gleichen Gegenstand handelnden und wohl grossenteils von clers declasses verfassten resp. bearbeiteten Lais and Eomane dem Einflnss eines solchen Werkes entgangen wären. Nnn, die Merkwürdigkeit existiert nicht; denn es lässt sich nachweisen, dass, ganz unserer Erwartung gemäss, der Einfluss dieses ungeheuer verbreiteten Werkes auf die Lais und Romane ein ganz ungeheurer war. Allerdings sind nicht etwa die Lais und Romane Bearbeitungen einzelner Kapitel der Episoden der Historia. Der Einfluss ist, besonders anfangs, nur ein äusserlicher. Aber kann nicht ein äusserlicher Einfluss bei so gehaltlosen Werken wie den meisten, wenn nicht allen, Arthurromanen, von der höchsten Tragweite sein? Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man be- hauptet, dass die Arthurromane der Historia ihre Zugkraft, vielleicht sogar ihre Existenz verdanken. Ich behalte mir vor, diesen Einfluss der Historia an anderm Orte nachzuweisen; man braucht übrigens nur die Augen aufzuthun, und man wird sehen. Hier will ich nur kurz skizzieren, wie ich mir den Vorgang der Beeinflussung vor- stelle. Galfrid berichtet als Geschichtsschreiber die Thaten der alten Bretons^^); die Lais erzählen die Abenteuer der alten Bretons {U ancien Bretun). Geschichtliche Ereignisse und ro- mantische Abenteuer sind für uns verschiedene Dinge, waren es aber nicht fürs mittelalterliche Publikum. Die heros „bretons'^, welchen diese in den Lais geschilderten Abenteuer zugeschrieben wurden (wie Graelent, Guingamor, Tidorel, Aquitan etc.) waren wohl selten, vielleicht nie, dieselben heros „bretons'^, welche mit Arthur kämpften; es waren zumeist Bretons aus viel späterer Zeit. Aber bei den Franzosen hatten die einen denselben Namen wie die andern, und da man wusste, dass die Bretonen aus Grossbritannien stammten, so mochte man leicht zu der Ansicht kommen, die Abenteuer, welche die Bretonen von ihren ancessur erzählten, wären die Thaten der alten Britten, der Zeitgenossen Arthurs, gewesen. So entstand denn wohl auch die wahrscheinlich bei den Franzosen ziemlich allgemein gesagt: Geoffrey of Monmouth .... thereby opened up to the world at large a new continent of romantic story, and exercised upon the development of literature an influence compa/rahU in its kind to that of Cölumhu^ achie- vement upon the course of geographical discovery and poUtical effort, Twenty years had not passed before the British heroes were househöld names throttghout Europe. Hierauf antwortet G. Paris (Rom. XVIII 690): En realiti, Vinfluence de Gaufrei sur les romans bretons se reduit ä fort ptu de chosej et il est probable que^ sans son intervention^ ils se seraient dSveloppes sensiblement de mime. Ce que fai dit ä ce sujet dans mon Manuel {§ 54) est plutöt au-delä qu'en degä de la veritS. *') Die Thaten mögen erfunden oder unmässig aufgebauscht sein; aber die Schilderung derselben hält sich doch innerhalb der Grenzen des Möglichen, bewahrt den historischen Charakter. TJeber die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 149 verbreitete Meinung, dass die alten Britten (die ancessur) selbst Lais über ihre Abenteuer dichteten und dass die den Franzosen be- kannten Lais zum Teil aus der Zeit der alten Britten datierten: Die lais bretons in Bedeutung II wurden häufig (doch nicht etwa immer) als lais hretons in Bedeutung I aufgefasst. Hier lag wohl der Berührungspunkt zwischen den Lais und der Historia, der den Einfluss der letztem auf erstere erklärt. In der Bretagne und be- sonders unter den bretonischen Spielleuten aus dem Volke war wohl die Historia kaum bekannt. Erst von den Franzosen, müssen wir annehmen, und zwar besonders von ihren clers, denen ja der Inhalt der Historia geläufig sein musste und die auch aus derselben die Stammesverwandtschaft der Bretonen und der alten Britten er- sehen konnten, wurden die Lais unter dem Einfluss der Historia allmälig umgestaltet. Dieser Einfluss äussert sich besonders darin, dass nun ein Mittelpunkt geboten war, um den alles gruppiert werden konnte, die Person des Königs Arthur. Einige Lais — dies sind wohl in der Regel die ältesten — sind der Arthurisierung ent- gangen. Die erste Stufe der Arthurisierung bestand wahrscheinlich darin, dass man die in den Lais ursprünglich wohl meist unbestimmt ge- lassene Zeit der Handlung mit der Regierungszeit Arthurs zusammen- fallen liess: das Abenteuer, das, wenn überhaupt nicht ganz er- funden, sich vielleicht an eine Begebenheit erst des 10. oder 11, Jahrhunderts anlehnen mochte, ereignete sich nunmehr al tens que rois Artus regnoit. Dieser erste Schritt zur Arthurisierung zog wohl auch gleich den zweiten nach sich, die Ortsveränderung: die Scene der Handlung wurde in Arthurs Reich versetzt, in die alte Bre- tagne = Grossbritannien. Zwar gehörte ja Armorica auch zu Arthurs Reich nach der Historia; aber einmal war es nur in geringer Abhängigkeit von Arthur, und dann war es vom arthurischen Ge- sichtspunkt aus zu unwichtig, um als Schauplatz der Abenteuer zu gelten. Falls der bretonische Spielmann die Scene en Bretagne ver- legte, so brauchte der französische clerc zunächst nichts daran zu ändern; er fasste einfach Bretagne in Bedeutung I statt in 11 auf**). Ganz ähnlich erging es wohl auch dem Wort Cornouaille, indem Cornouaille = Kerne einfach als Cornouaille = CornwäU aufgefasst wurde (vgl. auch Z. in Zeitschrift XII p. 117). Bald drangen dann auch Ortschaften der Grande Bretagne ein, so Tintagol, Caerguen (i'rz. Cruincestre), Ehoracum {Evroc\ Glamorgantia (Ciamorgan, als Stadtname aufgefasst) etc., namentlich sehr früh die in der Historia •*) So wird z. B. der alte Ritter im Laustic, der in Saint-Malo, also in Bretagne- Armorica wohnt, wohin auch die ganze Scene des Lais verlegt ist, in der Jüngern, in den Benard Contrefait aufgenommenen, Version zu einem alten König, Namens Odoire, in Bretagne qui or est nomee Ängleterre (vgl. R. Köhler in der Ausgabe des Lais p. XO). 150 JE. Brugger. 90 grossartig beschriebene Residenz Ai*tlinrs, die Urbs Legianum, Caerleon in Süd- Wales, wo (nach der Historia) Arthur mit ausser- ordentlichem Pomp das Ffingstfest feierte. Das Eindringen vieler grossbritannischer Ortschaftsnamen in die Lais erklären wir nns wohl am besten anch ganz mechanisch: die in den Lais vorkommenden bre- tonischen Namen wurden gleichsam in ähnlich klingende, bekannte, grossbritannische Namen übersetzt: bretonisch Ker Leon (St, Pol); Kerdud; Kervegant; Kermelo oder ähnliche (natürlich in ihrer alt- bretonischen Form) wurden zu grossbritannisch Carluil, Carlion, Gardigan, Ca(r)melot^% Vgl. auch oben p. 124. A. Als dritte Stufe der Einwirkung der Historia auf die Lais dürfen wir wohl die Arthurisierung der Personen annehmen: Arthur selbst trat nun, wenn anch nur schattenhaft, im Lai auf und der Held des Lais wurde als sein Vasall betrachtet. Die wichtigsten von Arthurs Kampf- genossen nach der Historia erhielten in den Lais zunächst un- bedeutende Nebenrollen, z. B. als Freunde des Helden, als Staffage des Hofes. AUmälig wurde der Kreis der Vasallen Arthurs, die aus der Historia in die Lais einwanderten , immer grösser , und die clers mochten endlich linden, dass den Arthurrittern, die in der Historia einen so hohen Rang einnehmen, nicht bloss unwichtige Rollen beschieden sein sollten, während Ritter, die in der Historia gar nicht vorkommen, also lauter homines novi, alle Abenteuer be- standen und jene ganz in den Schatten stellten. Von diesem Ge- rechtigkeitsgefühl beseelt, kamen sie wohl dazu, die Helden der Historia in Hauptrollen einzusetzen und einen Teil der bretonischen Laishelden vollständig auszumerzen. Natürlich kam bei der neuen Bollenbesetzung dem Walgainus als dem Neffen Arthurs und be- deutendsten Kämpen nach der Historia der Löwenanteil zu. Arthur selbst konnte man nicht wohl die Rollen von Laishelden geben, da er diesen übergeordnet war; so musste Arthur immer thatenlos bleiben. Auf dieser Stufe der Arthurisierung muss denn wohl auch schon die Romanbildung begonnen haben. Nicht-arthurisierte Lais konnte man •*) Von letztern war wohl Camelot am wenigsten bekannt, darum erscheint es auch am spätesten. Es war wohl nicht ein Franzose, sondern ein Engländer (Anglonormanne), der diese Identifikation vornahm. Camelot findet man anch fast ausschliesslich in den Prosaromanen (und den von ihnen beeinflussten Versromanen), auf welche die Engländer einen grossen Einflnss hatten. Nach G. Paris' Analyse {Born. XII 464) wäre allerdings Gamaalot schon im Karrenritter zu finden; aber Jonkbloets Handschrift enthält den Namen nicht. Ein späterer Kopist dürfte ihn aus der Prosa- version (Jonkbloets Lancelot H, p. LXXVIH) herübergenomraen haben. Tarb^s Ausgabe steht mir z. Zeit nicht zur Verfügung; doch nach der Varia lectio Jonkbloets (p. 49) enthält die von Tarb6 kopierte Handschrift den Namen Camalot (v. 34). Der Anfang der übrigen Handschriften fehlt oder ist unbekannt (Born. XH 463 — 4). Ueber die Bedeutung von Bretagne^ Breton. 151 nicht wohl zusammenfügen; es fehlten die nötigen Bindeglieder. Hatten aber die Lais die Handlung in die Zeit Arthurs, ins Land Arthurs versetzt, Hessen sie ihre Helden als Vasallen Arthurs von Arthurs Hof aus auf Abenteuer ausziehen und wieder dahin zurück- kehren, hatten sie sogar ihren Helden Namen aus der Historia ge- geben, so dass die Träger der verschiedenen Abenteuer nun häufig den gleichen Namen (namentlich Gawain) trugen, so stand der Ver- einigung solcher Lais nichts mehr entgegen; im Gegenteil, sie mussteu sogar einander anziehen. So entstanden auf natürliche Weise durch Aneinanderreihen oder Ineinanderschachteln von Lais die Romane, in denen Arthur, selbst unthätig, doch alle Träger der Handlungen um sich versammelt, in denen Arthurs grossartige Hoffeste den Ausgangspunkt der verschiedenen Abenteuer bilden. Jeder, auch nur oberflächliche, Beobachter wird zugeben müssen, dass man es den Arthurromanen gleich ansieht, dass sie nur au& löse zusammengenähten Stücken bestehen. Dieser äusserlichen Arthurisierung folgte aber auch Schritt für Schritt eine innere Um- gestaltung ®®), das allmälige Einsickern des ritterlichen, des fran- zösischen Geistes. Die bescheidenen Helden der einfachen bretonischen Lais waren dem Rittertum zu niedrig gewesen; erst als sie durch Arthurisierung geadelt wurden und neben ihnen und an ihrer Stelle die weltberühmten Helden der Historia auftraten, geruhte die ritterliche Gesellschaft, dieselben sich zu assimilieren, ihnen ihre eigenen An- schauungen und Ideale einzuhauchen. So ungefähr stelle ich mir den Prozess der Arthurisierung der Lais vor. Doch ich bin in meinen Ausführungen etwas weiter gegangen, als zur Beantwortung der oben (p. 147) aufgestellten Frage nötig war. Die Frage war, ob französische Dichter einen Grund haben mochten, die Scene der Handlung aus der Bretagne nach Wales (resp. Grossbritannien) zu übertragen. Ich glaube nun nachgewiesen zu haben, dass die Ten- denz, die Lais zu arthurisieren, ein genügender Grund dazu war. Bei der Einzelbesprechung der Lais, die Lot nicht als armorikanisch anerkennt, habe ich gezeigt, dass die Länder-, Orts- und Völker- numen, welche in den echten Lais®^) vorkommen, alle (mit Aus- nahme von Cardoil, worüber vgl. A. 52) entweder den bretonischen oder französischen Dichtern geläufig sein mussten oder aus Galfrids. Historia stammen können. Greifen wir z. B. den Müun heraus! Dieser Lai zeigt zwar nirgends sichere Zeichen der Arthurisierung; **) Diese wird auch von G. Paris (Lit frang. § 64) betont; aber man kann sich dieselbe nicht erklären ausser im Gefolge der von G. Paris bestrittenen äussern Arthurisierung. •^) Als unecht, betrachte ich, wie gesagt, die Tristanlais und den Lai du Cor, die aus Romanen herausgerissen sind oder (im Falle des Ckievrefoü) die Benutzung von Romanen voraussetzen. 152 E, Brugger, aber man kann sich ganz gut denken, dass Marie, den Lai für ar- thnrisch haltend, die Heimat Milnns nach Süd-Wales in die Nähe von Caerleon versetzte, welches Gebiet in der Historia so recht eigentlich als das Arthnrland par excellence gilt; auch Norhumbre mochte sie, wenn nicht den eigenen geographischen Kenntnissen, der Historia entnehmen (z. B. lib. XII. c. I: Northanhumbria)-, sicher war letzteres der Fall bei Guhtlande, Loegre etc. Lot aber erklärt umgekehrt das bretonische Mont-Saint Michel als blossen Einschub, während er in der Erwähnung von Suhtwales, Carlion, Norhumbre, ChüUlande etc. sichere Zeugnisse für wälschen Ursprung sieht. Bei einer andern Gelegenheit (p. 517), aber wohl mit Beziehung auf diesen Lai, sagt Lot: Lorsque le heros d^un lai sera un Gallois ou Breton insulaire, et le siege de ses aventures en Grande-Bretagne, la provenance armoricaine du lai sera, non pas assuree comme le vetU M, Zimmer (noch niemand hat behauptet, dass sie dann assuree sei, auch Zimmer nicht), mais äbsolument invraisemblable. Die Unrichtig- keit dieser Behauptung glaube ich nun erwiesen zu haben. Was von den geographischen Namen gilt, lässt sich mtUatis mutandis auch auf die Personennamen anwenden: Ist es denkbar, dass in bretonischen Lais wälsche Personennamen, in wälschen Lais bretonische Personennamen gebraucht wurden? Nein, zum mindesten kaum. Hatten etwa die französischen Dichter einen Grund, wälsche Namen durch bretonische zu ersetzen ? Ein solcher Grund ist nicht denkbar. Folglich, wenn in den Lais bretonische Personennamen vorkommen, so müssen wir annehmen, dass die Lais, welche solche enthalten, bretonischen Ursprungs sind. Wir dürfen deshalb von diesem Gesichtspunkte aus für sicher bretonisch erklären die Lais: Guiguemar (ausser dem Helden sind bretonisch: Hoilas und Me- riadus), Guingamor, Graelent, Äquitan, Tydorel (li quem Alains Et puis apres ses fitz Conains), Ignaure (Hohiel), für wahr- scheinlich bretonisch die Lais: Tyolet, Yonec (resp. Eudemarec), Eliduc, Auch das Vorkommen bretonischer Appellativa beweist na- türlich bretonische Herkunft des Lais: Darum ist der Laustic sicher, der Bisclavret^^) wahrscheinlich bretonischen Ursprungs. '^) Was Lot gegen Zimmer vorbringt, kann die Argumente des letztern nicht stark entkräften. So gut wie aus den wälschen Wörtern, die er anführt, könnte man Bi8cla{v)ret auch aus den sicher bretoniscben Bleiz-Garo ableiten [garo = frz. garou{lf) ?), Da im Bretonischen o ue und e wechseln, so mochte man auch bilden Bleiz Gar(u)e, welches im Französischen im Nominativ etwa zu Bits - Gar{u)e8 wurde. G und C wechseln sehr häufig am Anfang von Silben (vgl. Garaduec und Caraduec, Garahes und Cardhes^ Glamorgan und Ciamorgan, Calocreant in Krone und Calogrenant in Chrestien etc. etc.); so erhalten wir Bliscar{u)e8 und mit Verschiebung des l (bei einem fremden Wort leicht erklärlich) Bisclar{ü)e8, wovon sich die beiden uns überlieferten Formen Biscla^ret (ursprünglich IJeher die Bedeutung von Bretagne, Breton, 153 Hatten französische Dichter irgend einen Gmnd, wälsche oder bre- tonische Personennamen durch einheimische, französische, zn ersetzen? Nein, ebensowenig wie bei geographischen Namen. Die fremden Eigennamen, wie kompliziert und wunderlich sie auch klingen mochten, waren gerade, was sie wollten, kamen ihrem Bedürfnis nach Selt- samem und Exotischem entgegen^*). Wenn also in den Lais fran- zösische Personennamen vorkommen, so müssen sie ursprünglich darin enthalten gewesen sein; da aber französische Personennamen in wälschen Lais nicht, in bretonischen Lais sehr wohl denkbar sind^^^), so müssen die Lais, welche solche enthalten, bretonischen Ursprungs sein. Von diesem Gesichtspunkte aus müssen wir als bretonisch erklären die Lais: Milun und Doon, Hatten aber französische Dichter einen Grund, wälsche oder allgemein gross- britannische Personennamen in bretonische Lais einzuführen? Ich habe bereits gezeigt, dass ein solcher Grund sehr wohl denkbar ist: der dritte Schritt zur Arthurisierung der Lais traf die Personen- namen; es wurden die Namen altbrittischer Helden eingeführt. Gawain, Iwain, Bedoer, Keu, Uriain, Ider, die sich in den Lais belegen lassen, finden wir alle auch in Galfrids Historia. Li keinem der uns erhaltenen Lais ist die Arthurisierung soweit vorgeschritten, dass einer dieser Arthurritter die Hauptrolle usurpiert hätte; denn, wie schon gesagt, auf jener Stufe der Arthurisierung trat eben wohl gewöhnlich Romanbildung ein. Das Eesultat dieser Untersuchung ist also: Während wir bei Voraussetzung wälscher Herkunft der Lais die armorikanischen Elemente darin nicht erklären könnten, lässt sich umgekehrt bei Voraussetzung armorikanischer Herkunft das Eindringen wälscher Eigennamen leicht erklären. Zum Schlüsse bemerkt Lot (p. 527), es sei fraglich, ob der Ausdruck lai hreton nicht bloss konventionell sei. Dann behauptet er, dass die Lais Le Fraisne und Les Bous Amanz mit der tnaüere de Bre- tagne nichts zu thun hätten. Gründe für diese seltsame Behauptung sieht er in der „Sentimentalität* und in dem Ort der Handlung dieser Lais. Dass eine Geschichte, deshalb weil sie rührend ist *°*), nur Accusativform?) und Bisclarel leicht ableiten lassen. Das t möchte auch erklärt werden, wie Zimmer (Zeitschrift XIU p. 50) es an einem andern Wort (Lancelot) zeigt. Man vergleiche übrigens auch den bretonischen Ortsnamen Kerlavarec (C^e Trineven, Finistere). **) Dasselbe gilt z. B. für die deutschen Uebersetzer. Der Leser fühlt, mit welch* sichtbarem Wohlbehagen z. B. Wolfram Namen wie Liahturteltart. FOydiconjtmz, Külirjacac etc verwendet. 100^ Man durchmustere die alten Urkunden der Bretagne! Sie sind voll von französischen Personennamen. ^^^) Sentimental ist zu viel gesagt; denn Sentimentalität ist immer etwas krankhaftes, während in den beiden Lais alles naiv und natürlich ist. 154 E. Brugger, an« irgend einem Lande, also z. B. ans der keltischen Bretagne ans- geschlossen werden soll, ist wirklich eine zn lächerliche Ansicht, als dass sie diskntierbar wäre. Dass diese beiden Lais nichts spe- zifisch, ansschliesslich bretonisches enthalten, bestreite ich nicht; doch dasselbe gilt von verschiedenen andern Lais, welche sicher echt bretonisch sind, vom Lattstic, Äqmtcm etc. Aber wäre es nicht thöricht, darans, dass ein Stoff überall vorkommen kann oder anch faktisch an verschiedenen Orten vorkommt, zn schliessen, dass er nicht anch in einem echt bretonischen Lai vorkommen mochte? Uebrigens liegt ja der Stoff des Fraisne, sogar noch mit dem Namen Fraisne anch dem dnrch nnd durch bretonischen Boman de Gälerent zn Grnnde, der nicht etwa bloss eine üeberarbeitung von Mariens Lai ist. Doch die Scene im Fraisne, sagt Lot, liegt „hors de la Bretagne bretonnante^ , nämlich in Dol. Ist denn die Bretagne fran- Caise nicht auch ein Teil der Bretagne, nnd konnten Lais, die dort entstanden, nicht auch breton genannt werden? Die Anhänger der armorikanischen Theorie haben die Bretagne frangaise niemals aus- geschlossen, ihr im Gegenteil immer eine grosse Bedeutung zu- geschrieben. Der Lai des dous Ämanz behandelt offenbar eine nor- mannische Lokallegende; aber ich sehe nicht ein, wie man hieraus schliessen kann, dass der Lai nicht von Bretonen verfasst wurde. Kann sich denn diese hübsche Legende nicht von der Normandie aus in die Bretagne verbreitet haben, wo ihr erst die poetische Gestalt, die spezifisch bretonische Form eines Lai. gegeben wurde? Mag nicht ein cJianteur oder conteur breton, der in der Normandie umherzog, sich dieses für einen Lai wie gemachten Stoffes bemächtigt haben ^^^)? Auch der Lai d'Orphey, einer der von Lot vergessenen Lais, ist nicht minder ein lai breton, wenn schon der Stoff offenbar griechisch ist; er wird als einer der lais Oregons bezeichnet *®*), hat die gleiche Form wie die übrigen, ist ausserdem von keltischen An- schauungen durchdrungen. Woher der Stoff eines Lais zu den Bre- tonen gekommen ist, darauf kommt es zunächst gar nicht an; die Frage ist für uns nur, woher die Lais zu den Franzosen kamen. Une legende est ceUique quand eile a ete transmise par les CeUes, 10«) When they myght owher heryn Of aventures that ther wergn, they toke her harpys with game, Maden layes and gaf it name {Sir Orfeo V. 16 — 19). G. Paris selbst hielt übrigens diesen Lai für armorikanisch {Bofti, Vni; vgl. oben p. 111). ****) in der euglischen Uebersetzung : In Brytain ihis layes ame ywryte, Fürst yfounde and forthe ygete, Of aventures that ßlen by dayes Wherof Brytouns made her layes etc. Die Einleitung zum Sir Orfeo, welche wir ebenfalls als Einleitung zu der englischen Bearbeitung des Fraisne finden, war wohl ursprünglich das Vorwort zu einer ganzen LaissammluDg. Ueber die Bedeutung van Bretagne, Breton, 155 germanique guand eUe provient des Germains, Qm nous imparte ici gue le combat de Tristan contre un dragon se retrouve en Ferse. Ce n'est point ä Firdomi que les poetes frangais du XII^ siedle Vont emprunte, c'est evidemment ä une tradition galUnse, bretonne ou cor- notMÜtaise^ comme Von voudra; ce redt est donc celtique guand bien meme les CeUes Vauraient emprunte ä V Orient. JEn appliguant le Systeme de M, GoUher on pourrait se donner le plaisir facäe de di- montrer gu'ü n y a rien de germanique dans Vepopee germanique {Rom, XXV p. 31. n. 1). Dies ist sehr richtig. Erkennt wohl Lot hierin seine eigenen Worte wieder? Alle Sagen. Legenden, Märchen, Schwanke etc., die von Bretonen litterarisch (Prosa ist dabei nicht ausgeschlossen) bearbeitet wurden, können wir mattere de Bretagne nennen. Dies war wohl auch die ursprüngliche Bedeutung dieses Ausdrucks, wenn er wenigstens alt ist. Offenbar wurde aber nach- her der Inhalt von Galf rids Historia als mauere de Bretagne xav^a^o/ji^v aufgefasst, und der letztere Ausdruck wurde so eine Zeit lang nicht nur in Bedeutung II, sondern auch in Bedeutung I, und schliesslich, als die Arthurisierung allgemein vollzogen war, nur noch in Be- deutung I verstanden. Lot hat in keiner Weise bewiesen, dass Le Fraisne und Les dovs Amam nicht bretonische Lais seien und dass folglich jder Ausdruck lai breton nur konventionell gewesen sei. Unsere Betrachtung der einzelnen Lais hat zu dem Re- sultat geführt, dass sich bei der Mehrzahl der Lais bretonischer Ursprung nachweisen lässt; dass bei der Mehrzahl der hierdurch ausgeschiedenen Lais bretonischer Ursprung als sehr wahrscheinlich erscheint; dass endlich bei den ganz wenigen so noch übrig bleiben- den Lais nichts zu Gunsten wälscher Provenienz spricht. Nun aber, wenn wir die Lais nicht mehr bloss einzeln, sondern im Zusammen- hang betrachten, so dürfen wir wohl noch einen Schritt weiter gehen. Ist es denn wahrscheinlich, dass die (ächten) Lais, die einander fast in jeder Beziehung gleichen wie ein Ei dem andern, (innerhalb der beiden von mir A. 74 unterschiedenen Klassen), verschiedenen Ur- sprungs sind? Ist es wahrscheinlich, dass zwei Volksstämme, nach- dem sie ein halbes Jahrtausend von einander getrennt gewesen waren und sich unabhängig von einander und unter ganz verschiedenen Bedingungen entwickelt hatten, noch ganz gleiche litterarische Pro- dukte aufweisen sollten? Ist es wahracheinlich , dass, wenn Marie de France direkt aus dem bretanz übersetzt, sie sowohl des Bre- tonischen als auch des Wälschen mächtig war^®*)? Ist es blosser **^) G. Paris {Lit. fr. § 55) nimmt nämlich an, dass sie „Ze hreton ou au moins l'anglais^^ gelernt habe, während er früher {Born. XIV p. 604) allerdings gesagt hatte: II me parait tres probable qu'elle n*a connu les lais bretons qu^ä travers les rScits anglais et frangais. Wenn Marie aus dem breton {= wälsch) übersetzt hätte, so müsste sie daneben auch das 156 E. Brugger. Zafall, dass in keinem Lai wälsche Ortsnamen oder wälsche Per- sonennamen sich finden, die nicht auch in Galfrlds Historia vor- kommen, während in acht wälschen Sagen ausser diesen eine Menge anderer ganz geläufig sind ? Wir dürfen wohl auf alle diese Fragen mit Nein antworten, und es muss wohl jedem, der den Blick aufs Ganze nicht verliert, als das Natürlichste erscheinen, dass alle Lais einer und derselben Herkunft sind, und dass sie folglich (diese In- duktion ist wohl berechtigt), da es sich nur um bretonischen und wälschen Ursprung handeln kann und ersterer bei vielen als sicher, letzterer bei keinem als nur wahrscheinlich nachgewiesen werden kann, bretonischer Herkunft sein müssen. Und in der That werden sie auch alle unter derselben Bezeichnung lais de Bretagne oder gewöhnlicher lais bretons zusammengefasst, und bei den meisten Lais (und zwar bei zweifelhaften ebensowohl wie bei sicher bretonischen) werden die Bretons als Verfasser angegeben (Guigtiemary Bons AmanZy Latistic^ Graelenty Tydorel^ Lanval^ Doon, Tt/olä, Espine, Äquitan, GruingamoTy Goron, Orphey, indirekt auch in: Bisclavret und Ignaure). Die Bretonen konnte man nicht anders bezeichnen als Bretons ] die Wälschen aber Messen (gewöhnlich: so viel müssen auch unsere Gegner zugeben; wir sagen: immer) Gallois. Warum heisst es denn nie: Un lai en firent li Galois? warum nie lais galois, trotzdem doch diese Bezeichnung viel besser gewesen wäre als das nach der Ansicht unserer Gegner zweideutige lais bretons? G. Paris hat dies schon als „merkwürdig" gehalten. Z. (6r. G, Ä. 1890 p. 796) hat es mit allem Nachdruck betont; aber Lot, der es doch in seiner ganzen Arbeit immer auf Z. abgesehen hat, schweigt ganz darüber und lässt dennoch seine Leser glauben, dass er alle Argumente Z.'s der Kritik unterzogen hat. Ist die Folgerung, die Z. aus dem NichtVorkommen des Ausdrucks lais galois zieht, falsch, so war es die Pfiicht seines Gegners, die Falschheit des Schlusses nachzuweisen oder dann überhaupt zu schweigen. Lot greift Z. nur in Details an, und geht wie die Katze um den Brei herum. Ein gerechter Opponent wird es als seine Pflicht halten, in erster Linie die Haupt- argumente des Gegners direkt anzufassen; wer dies nicht thut, ist ein Sophist. Meine Aufgabe war es hier nicht gerade, die bretoniche Herkunft der Lais nachzuweisen; mir genügt es, alle Argumente, welche dafür ins Feld geführt worden sind, dass breton häufig wälsch bedeute, vernichtet und damit unsere Berechtigung geltend gemacht zu haben, breton in allen Fällen, wo Bedeutung I (zeitlich) aus- geschlossen ist, in Bedeutung II aufzufassen. Hieraus folgt denn Bretonische gekannt haben, da ja auch nach G. Paris ein Teil ihrer Lais wenigstens bretonischen Ursprungs sind; wenn sie aus dem Englischen geschöpft hätte, so müsste sie aus dem nämlichen Grund auch noch das Bretonische daneben gekannt haben. Ueher die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 157 allerdings mit Notwendigkeit, dass alle sogenannten lais bretons, d. h. überhaupt alle ächten Lais, bretonischen Ursprungs sind; doch, wie gesagt, dies gehört nicht zu meinem Thema. Was ich hier be- wiesen, war schon von Z. bewiesen worden, dessen kritische Be- trachtung der Lais zu folgendem Resultate geführt hat {G. G, A, 1890 p, 801) : „Eine einfache Betrachtung der Thatsachen ergiebt also, dass, wo bei Marie de France bretun mit lai verbunden vor- kommt, nur an wirkliche Bretonen (Bewohner der heutigen Bretagne) gedacht werden kann, und wo Wörter aus der Sprache der Bretun bei ihr angeführt werden, diese Wörter spezifisch bretonisches Laut- gepräge tragen und nicht kymrisch sein können. Damit ist Gaston Paris' Ansicht von der Abkunft der matiere de Bretagne^^^) aus Wales wohl endgültig das Urteil gesprochen." Z. gab sich der Hoffnung hin, dass ein Appell an den gesunden Menschenverstand und ein streng logisch geführter Beweis ihre Wirkung nicht ver- fehlen könnten. Er musste aber erfahren, dass sie gegen ein- gefleischte Vorurteile nichts fruchten. Die Anhänger der armorikanischen Theorie haben es, so zu sagen, ganz unterlassen, Beispiele, in denen hreton „wälsch* bedeuten sollte, aus andern französischen Werken als den Lais zu eitleren. Was ich hier zu besprechen habe, sind nur 2 Beispiele aus Wace, die Lot gelegentlich (p. 507. n. 4) citiert und für seine Theorie auszubeuten versucht. Es sind die beiden bekannten Stellen aus dem Brut, wo von den fahles der Bretun über die roonde table und von dem Glauben der Bretun an Arthurs Fortleben in Avalun die Rede ist. Während Wace im Ron breton immer in der Bedeutung „armorlkanisch" (II) anwende, habe er sich im Brut einen empJoi plus large angewöhnt ^**^). II serait vraiment bizarre qu'ayant em- ploye plus de cent fois le mot de Breton pour designer la race bre- tonne en general, et plus particulierement les insülaires, Wace en restreigne le sens dans deux vers seulement, sans que rien dans ce qui precede ou ce qui suit permette d^en saisir la raison. Lot kann es also nicht fassen, dass Wace bei seiner üebersetzung Galfrids nicht ^^) In Bezug auf die matiere de Bretagne mache ich übrigens den oben (p. 155) geäusserten Vorbehalt; Z. scheint mir hier nicht genügend darauf Rücksicht zu nehmen, dass matiere de Bretagne zu verschiedenen Zeiten wohl auch Verschiedenes bedeutete. ^®^) Von „Angewöhnen" zu sprechen, ist übrigens Unsinn. Wenn einer zuerst von den Römern unter König Humbert und nachher von den Römern unter Kaiser Augustus spricht, braucht er sich da einen emploi plus large des Wortes Römer besonders anzugewöhnen? Doch gewiss ebensowenig wie an den Uebergang von Frangais zu GauloiSy von ÄUe- mand zu Germain^ von cheval zu änCy wenn er nicht mehr von einem Pferd, sondern von einem Esel spricht! Dies nur zur Illustration von Lots Sprachgebrauch. 158 E. Brugger, vollständig vergessen haben sollte, dass die Bewohner Armorikas, «eine ihm persönlich bekannten Zeitgenossen, anch Bretans Messen. Da steht ihm der Verstand still. Nichts erlanbe d^en saisir la raison, Lot ist blind. Bemerkt er denn nicht, dass Wace, wenn er Breton in Bedeutung I gebraucht , immer ein Verbum in der Vergangenheit damit verbindet, in diesen 2 Versen aber das Verbum in der Gegenwart gebraucht? Weiss er nicht, dass in Bretun dient, und Bretun Vatendent . . . dient et entandent die Bedeutung I notwendig ausgeschlossen ist, und, da die Be- deutungen ni und IV von Bretons nirgends zu belegen sind, not- wendig Bedeutung 11 als einzig möglich übrig bleibt? Wace kannte jedenfalls den Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit besser als Lot. Ist es übrigens überhaupt denkbar, dass Wace, wenn er im Brut sagt: la roonde table Bunt Bretun dient mainte fable andere Bretons meint als im Eon, wo er ganz gleich sagt: Brecheliant Dont Breton vont sovent fablant. Z. hat schon diese beiden Stellen konfrontiert und dazu bemerkt (6r. 6r. A. 1890 p. 795): „Hier helfen keine Ausflüchte, Breton sind eben die Bre- tonen und die üebereinstimmung dieser gelegentlich von dem- selben Schriftsteller gethanen Aeusserungen ist so gross, dass die Stelle im Brut neue Stütze erhält" etc. Lot räumt dieses Argument wieder in schnöder Weise aus dem Weg dadurch, dass er es ver- schweigt. Auf das Avalon - Argument will ich hier nicht weiter eintreten, nur noch einmal wiederholen, dass Lots Behauptungen zum mindesten ebenso sehr „sans fondement^ sind wie nach seiner Meinung diejenigen Z.'s, und dass er wieder die Argumente Z.'s entstellt oder verschweigt, hier wie in dem vorhergehenden Artikel. Was die Table Eonde betriftt, so citiert Z. (p. 796 A.) einen wäl- schen Text, der beweist oder es wenigstens sehr wahrscheinlich macht, dass die Tafelrunde unwälsch und aus der Bretagne impor- tiert ist. Lot musste wohl diese Anmerkung auch gelesen haben; aber sie scheint ilin geniert zu haben, nnd er sagt nichts davon, weist jedoch gleichwohl Z.'s Ansicht als pure Hypothese zurück. Nun, wir brauchen eigentlich alle diese Argumente nicht; uns ge- nügt, um die Bedeutung von Breton in den citierten Stellen zu er- kennen, die Anwendung des Präsens und die Thatsache, dass in den zahllosen Fällen, wo breton belegt ist, es noch niemals als gleich- bedeutend mit galois nachgewiesen worden ist. Lot mag nun auch dazu sagen wie p. 507 n. : mais le sens de ce mot (breton) est pre- dsiment en question: c^est un cercle videux et non une demonstration. Lot unterfängt sich hier, von logischen Dingen zu sprechen, während er doch genugsam zeigt, dass er von Logik keine blasse Ahnung hat. Ihm und den Anhängern der wälschen Theorie überhaupt ant- worten wir folgendes: Eure Sache ist es, einen positiven Beweis lieber die BedetUung van Bretagne y Breton, 159 für die Identität breton = galois zu liefern, nicht unsere, das Gegen- teil zu beweisen. Wenn A den B des Diebstahls anklagt, so ver- langt der Richter von A, dass er den Diebstahl des B nachweise, nicht von B, dass er seine Unschuld nachweise; alles, was B zu thun hat, besteht darin, die Argumente des A, wenn dieser solche vorbringt, zu widerlegen. Gerade so ist's auch hier. Die Ge- bräuchlichkeit des Wortes breton in den Bedeutungen I und II an- erkennt auch Ihr. Wenn Ihr behaupten wollt, dass es auch in Bedeutung IV populär sei, so beweist's! Auf euch liegt das onus probandi. Nun darf man nicht etwa sagen, dass zu einem solchen Beweise das Vorkommen des Wortes breton zu selten ist; denn Be- lege dafür giebt es, so viel man nur will ; nicht etwa, dass von un- bekannten Texten noch etwas zu erwarten wäre oder dass die be- kannten Texte noch nicht genug durchsucht wären ; wenn breton in der Bedeutung galois vorkäme, so wären die Bedingungen zur Ent- deckung solcher Fälle ausserordentlich günstig. Ihr habt, wohl trotz eifrigen Nachsuchens, nichts gefunden; folglich haben wir durchaus das Recht, wo immer wir breton finden, es in Bedeutung II auf- zufassen, sofern Bedeutung I zeitlich ausgeschlossen ist, ebensogut wie B als unschuldig gelten muss, wenn A keine triftigen Gründe für seine Schuld vorgebracht hat. Hiermit schliesse ich die Kritik von Lots Arbeit. Ich glaube, dass auch das härteste Urteil über diese Arbeit nicht zu hart sein kann. Die grenzenlose Anmassung, die sich darin breit macht, kon- trastiert seltsam mit der totalen Unfähigkeit, logisch zu denken und der absoluten Unkenntnis der elementarsten Regeln der wissen- schaftlichen Kritik. Aber schlimmer als dies ist, was man in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht finden sollte, die Sophistik. Dass Lot sich dieser Waffe bedient, habe ich im Laufe meiner Arbeit häufig genug zu zeigen Gelegenheit gehabt (er thut's übrigens auch in den hier nicht kritisierten Artikeln); was er für Z.'s schwächste Argumente ansieht, die zerzaust er wütend; aber Z.'s stärkste Argumente (und diese treffen gewöhnlich die Hauptsachen) pflegt er ganz zu verschweigen. Es ist ja wahr: der Advokat braucht nicht für seinen Opponenten zu plädieren; aber ein wissenschaft- licher Kritiker soll kein Advokat sein. Ich habe wohl hie und da etwas scharfe Ausdrücke gegen Lot gebraucht; aber es ist kaum möglich, dass ich hierin Lot selbst überboten habe. Lot scheint es als seine Pflicht betrachtet zu haben, immer das Kind gleich beim rechten Namen zu nennen; ich that desgleichen. Wie man in den Wald schreit, so schallts heraus. Es handelte sich im ersten Teil dieser Arbeit darum, zu unter- suchen, welche Bedeutungen die Worte Bretagne Breton a priori 160 E. Brttgger. haben können, ferner darzuthun dass a priori die Bedeutung „Wales wälsch" als selten erklärt werden muss; endlich dass, ebenfalls a priori, Confusion der verschiedenen Bedeutungen fast ganz aus- geschlossen ist, jedenfalls leicht vermieden werden kann. Im zweiten, längern Teil stellte ich mir zur Aufgabe, nachzuweisen, dass das a priori Gefundene durch die Thatsachen immer bestätigt, nirgends widerlegt wird. Dabei blieb es mir erspart, für die Bedeutungen I, II, ni Belege zu geben, da in Bezug auf diese unter den Kri- tikern Einigkeit herrscht. Da meine These verneint, dass Be- deutung IV populär war und darum auch ohne nähere Bestimmung angewandt werden konnte, so war es natürlich nicht meine Auf- gabe, Beispiele für diese Bedeutung aufzutreiben. Meine Pflicht bestand nur darin, zu zeigen, dass die Beispiele der Bedeutung IV, welche von den Gegnern gesammelt worden sind, entweder keine richtigen Beispiele sind oder doch nicht genügen, um die Popularität dieser Bedeutung darzuthun. Dabei deckte ich zunächst Fehler in der Methode meiner Gegner auf: Ich wies darauf hin, dass es nutz- los ist, Beispiele aus gelehrten (lateinischen) Autoren zu sammeln, um die Popularität der Bedeutung IV zu begründen; ich wies den Irrtum nach, der darin besteht, Beispiele für die Bedeutung I und in vorzuführen, um damit das Vorkommen der Bedeutung IV zu beweisen; ich machte endlich auf das zweifelhafte Verfahren derjenigen aufmerksam, welche die Beispiele den Lais entnehmen, die gerade selbst der Aufklärung durch die Lösung der Frage nach der Bedeutung von Bretagne, Breton bedürfen. Ich besprach alle von den Gegnern citierten Beispiele einzeln, um jeweils zu zeigen, dass durch sie die armorikanische Theorie nicht gefährdet wird; es war dabei nicht etwa notwendig für mich, darzuthun, dass die Bei- spiele auf keinen Fall Bedeutung IV haben können; man darf von mir nicht mehr verlangen als dass ich feststelle, dass auch eine andere Bedeutung als IV möglich ist; allerdings ist es mir in der Eegel auch gelungen, die Bedeutung IV als unmöglich oder ganz unwahrscheinlich nachzuweisen. Das Kesultat des zweiten Teils meiner Arbeit war, dass Bretagne in Bedeutung IV überhaupt nie, Breton in Bedeutung IV nur bei wenigen lateinisch schreibenden Autoren wälscher Nationalität belegt worden ist. Gestützt auf die Eesultate des ersten und zweiten Teils dieser Arbeit schliesse ich, dass meine Behauptung, Bedeutung IV sei zum mindesten nicht populär gewesen, bewiesen ist. Ich gestehe, dass ein Nebenzweck dieser Arbeit auch war, die Inkompetenz Lots für alle Unter- suchungen, welche logisches Eaisonnement verlangen, darzuthun und damit die Leser seiner übrigen Artikel einstweilen zu warnen, nicht alles für baare Münze anzunehmen, seine Citate genau zu kontro- lieren, und seine Kritik selbst einer sorgfältigen Kritik zu unter- Ueber die Bedeutung von Bretagne^ Breton, 161 ziehen. Dies erklärt, dass ich etwa Lot in Details gefolgt bin, welche für mein Thema selbst nur von sekundärer Bedeutung waren. Erst nachdem das Obige bereits abgeschlossen war, habe ich die beiden folgenden, zum teil denselben Gegenstand behandelnden Arbeiten gelesen: Ahlström: Studier i den Fornfransha Lais-LUtera- turen, üpsala 1892 und B6dier: LesLais de Marie de France in JRevue des deux Mondes 15, Oct, 1891, Die erstere enthält im zweiten Kapitel (8 — 18) eine Untersuchung über ^Betydelsen af Breton och Bretagne^, Ahlström kommt zu demselben Schlüsse wie Zimmer und ich, wenn auch auf Grund von Argumenten, die ich nicht immer zu den meinen machen könnte. Anders die Arbeit B^diers. Lot hat dieselbe ein- mal citiert (vgl. oben p. 145), doch glaubte ich zuerst, dass es sich nur um eine gelegentliche Bemerkung BMiers handelte, da Lot selbst sonst nie auf B6diers Artikel Bezug genommen hat, und da man in der Bevue des deux Mondes gewöhnlich keine Abhandlungen über altfranzösische Litteratur zu finden hoffen darf. Die nachherige Lektüre von B6diers Arbeit hat mir nicht den geringsten Anlass gegeben, meine Stellungnahme zu der Frage zu modifizieren. So- weit die Ansichten B6diers von den meinen* abweichen, sind seine Argumente bereits sämtlich im vorigen widerlegt. Euer folgen nur noch einige spezielle Bemerkungen. BMier geht offenbar nicht so weit wie G. Paris in seinen spätem Arbeiten oder wie Lot: II est en effet certain que la majorite de ses contes ne peuvent venir que de notre Bretagne. Le faU est indSniäble: Marie ticnt la plupart de ses contes de Jongleurs armori- cains (p. 848). Doch hält er es für ebenso wahrscheinlich, (d. h, doch wohl sicher, certain, indeniable?\ dass vier von ihren Lais (Ghevrefoil, Elidm, Yonec, Milun) wälschen Ursprungs seien, des- halb, weil in ihnen die Handlung in Comwall, England, Wales spiele. In einer Anmerkung (p. 848) aber sagt er: On pourrait dire que ces raisons geographiques ne prouvent pas grand^ chose, Marie vivant etc, (Hieran schliesst sich die von Lot citierte Stelle, vgl. oben p. 145). Bedier entscheidet aber nicht, ob diese geo- graphischen Gründe wirklich wenig wert sind, ob er sich auch zu den j^on*^ zählt. Der Eindruck ist, dass er dies thut; doch hat er vorher, nur auf geographische Gründe sich stützend, die bretonische Abkunft von 7 Lais, die wälsche von 4 Lais als „fait indiniable^ hingestellt. Schliesst er sich den „on" an, so besteht ein Wider- spruch. Schliesst er sich von den ^on'^ aus, warum widerlegt er denn nicht ihre These, dass geographische Argumente nichts be- weisen? Wir bezweifeln daher das folgende Kesum6: Cette virite Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX«. 11 162 E. Bmgger, paratt donc acquise que la mattere des lais venait aiissi hien du pays de GdUes que de rÄrmoriqm (p. 849). B6dier ist jedenfalls schnell bereit, eine persönliche Ansicht als Faktum aufzustellen. p. 849 sagt er weiter, im Mittelalter habe man sehr gut zwischen contes bretons und contes gallois unterschieden; er citiert Gottfrids hrUünsche und gdloise und den lais-vortragenden harpeur des Königs Marc, derselbe was ein Gdlois, Doch wenn man im Mittelalter sehr gut zwischen bretonischen und wälschen Lais unterschied, dadurch dass man jene breton diese galois nannte, dann sind doch alle Lais, welche als breton bezeichnet werden, armori- kanisch; d. h. es sind alle Lais, über deren Ursprung wir überhaupt etwas sagen können, armorikanisch; auch B^diers 4 „wälsche" Lais sind in Sammlungen von lais de Bretagne überliefert; die beiden Stellen in Gottfried sind anders zu erklären, wie ich oben (p. 111 f. und A. 44) gezeigt habe; lais galois sind gar nicht authentisch bezeugt. Wir bezweifeln daher auch wieder die Eichtigkeit des Schlusssatzes: Marie de France a donc recueüli indistindement ses lais sur des Uvres galhises et sur des Ihrres bretonnes: et, seul, Vesprit de Systeme U peut nier (p. 849). B6dier bringt keine neuen Argumente; er verschmilzt nur eklektisch diejenigen von G. Paris und Zimmer. Neue Forschungen scheint er für seine Arbeit nicht gemacht zu haben. Natürlich ver- langt man dies nicht für einen Artikel in der Bevue des deux Mondes, der doch wohl nur die Vulgarisierung der Ergebnisse der wissenschaftlichen Kritik zum Endzweck hatte. ^°*) Aber ein bischen mehr Vorsicht im logischen Schliessen wäre zu empfehlen. Nach Bomania XX VI p, 477 machte Loth in der Bevue Gel- tique zwei Vorschläge zur Erklärung von Ermenie, Parmenie. Der eine derselben, die Ableitung von Eubonia^ gefällt mir besser als der von mir (oben A. 76) gemachte, wenn nicht etwa sachliche Gründe gegen die Insel Man als Heimat Tristans sprechen. E. Brügger. 10«) Sehr verdienstvoll, wenn auch nicht neu in den Ideen, sind die beiden letzten Kapitel des Artikels, welche sich mehr mit ästhetischer Kritik befassen. Zum geistlichen Knnstliede in der altprovenzalischen Litteratar bis zar Gründung des Consistori de! Gai saber. Fauriel widmet einen langen Abschnitt^) seiner Histoire de la poesie provengale dem Versuche, eine so erstaunlich vereinzelte Erscheinung wie die plötzlich erblühte provenzalische Dichtung auf einen Rest antiker Lebensfreude, antiker Gleichgültigkeit gegen metaphysische Ethik zurückzuführen. Thatsache ist — und das hat Diez^ und nach ihm Mild y Fontanals'*) gesehen — dass die Religion an der Blüte dieser Litteratur keinen unmittelbaren Anteil hat. Unter der dichterischen Hinterlassenschaft der guten Zeit, bis um 1230, findet sich nur eine verschwindende Zahl von Liedern, die andächtigen Gefühlen entspringen, vom Kreuzlied abgesehen.*) Diez weist (a. a, 0.) darauf hin, dass kein Bedürfnis nach ihnen vorhanden war : man Hess sich an den lateinischen Kirchenliedern ge- nügen. Die Altenhandelten also nach dem Worte eines späten Dichters: 1) S. 55—181 des 1. Bandes. •) Poesie der Troubadours 469, n49. *) Los Trobadores en Espafla 33. ^) Man könnte das Fehlen solcher Gedichte in den Handschriften auf die persönliche Abneigung der späteren Sammler zurückführen wollen. Dagegen spricht einmal das Schweigen der älteren Poetiken bis zu den Leys d'amors herunter. Dann wird nur von einem, dazu nachklassischen und italienischen Trobador, Lanfranc Cigala, besonders bemerkt: . . trobava volentiers de deu^ und die Regel bestätigt sich hier wie immer an der Ausnahme. Auch zeugen Sammlungen wie C und B, die mehrfach geistliche Lieder von Dichtern aufbewahren, von denen nichts weiter zur Verfügung stand, durchaus von dem Interesse der Kompilatoren für sie. Aber die Quellen, alt und gut, wie viele der Unika beweisen, boten ihnen nicht mehr. Aus nordfranzösischen Handschriften weist Gauchat {Bom. 22, 363—404) 113 provenzalische Gedichte nach, deren jüngste diejenigen Cadenets (1208—1239) sind: Kein geistliches ist darunter. Am meisten aber beweist mir Dantes Zeugnis. Er kennt wohl einen Sänger der Liebe, des Kampfes, der Bechtschaffenheit, aber keinen Sänger Gottes oder des Glaubens (vgl. Vülg. eloq. n, 2.). Vielleicht erlaubt auch das gänzliche Fehlen religiöser Lieder im Cancioneiro general (s. Gröbers Gru/ndriss 11, 2, 193) den Schluss, dass die provenzalischen Muster das fromme Empfinden in keiner Weise angeregt haben. Selbst des späteren Alfons* X Loores sind nur in der Technik, nicht in ihren Quellen, provenzalisch (s. Groebers Qrundriss a. a. 0. S. 105.). 11* 164 Victor Lowinsky, . . . gue dirai de vostr* dUa persona^ Quar veg tot jom, que la Gleyza vos canta? Joyas, p. 51. Und wirklich hält es Peire von Corbiac für nötig, sein Unter- nehmen, die heilige Jungfrau in der lenga romana zu besingen, zu begründen. Doch das Bedürfnis war auch später nicht vorhanden, trotzdem mehrten sich die geistlichen Lieder. Darum muss aus den Dichtungen der alten Zeit der Nachweis geführt werden, dass inner- halb ihres Gedanken- und Gefühlskreises für jene kein Platz war. Das scheint möglich zu sein. Dass die Dichter auf ihrer Jagd nach tiberschwänglichen Bildern und Vergleichen vor Religion und Kirche Halt machen sollten, lässt sich von vorne herein nicht erwarten. So finden wir in der That häufig gebetartige Wendungen, dem Kirchenliede ver- traute Metaphern im Dienste der Liebe verwendet. Gavauda be- ginnt sein Klagelied auf die Geliebte (Bartsch^ Grundriss 174, 3): Crezens, fiSj verays et entiers Fui vas mi dons . . Lanfranc nennt die seine {Grundriss 282, 7.): . . de tot faU benestan Cims e raditz^ flors e frutz e semensa; — alles Epitheta Christi und Maria, aus der Hymnendichtung hinlänglich bekannt. Das mag noch hingehen ; und wenn Wilhelm IX. Gott und Sanct Julian für eine recht un- heilige Gabe preist {Grrundriss 183, 2.), so mag er sich des Unehr- erbietigen der Wendung ebenso wenig recht bewusst geworden sein, wie Zorzi, der den heiligen Geist zum Zeugen der Härte seiner Dame anruft (Grundriss 74, 15.), oder Daude von Pra- das, der die seine „bei dem Gotte, der am Kreuze hing**, beschwört (Grrundriss 124, 3.\ Anstössiger ist es schon, wenn Peire Vidal ihr zuruft: JDomna, dem, qu^es Ujäls e vers, Vos a dat präz, honor e he Pro mais, que no räenc ab se {Grundriss 364, 20). Dieser ver- liebte Held geht in der Verhimmelung der Angebeteten am wei- testen. Einmal vergleicht er ihre Worte an Honigsüsse mit denen des heiligen Gabriel, ihre körperlichen Reize mit denen der Töchter Israels, nennt sie Taube ohne Galle, in beidem durch das hohe Lied inspiriert; er dient ihr treuer, als Abel seinem Gotte, liebt sie mehr als Jakob die Rahel. Oft geht dem Dichter seine Schöne über die ewige Seligkeit*), er glaubt in ihrem Gottes Antlitz zu schauen^). Der Himmel wird gebeten, die Dame zum Erbarmen zu stimmen''). Arnaut Daniel behauptet, er höre täglich die Messe, spende Wachs- lichter und Öl, damit Gott ihm gegen die helfe, die ihn ohne Kampf überwinde (Grundriss 29, 10.). Bedenklich wird es aber, wenn Aimeric von Belenui sagt: . . Tan mi ten dejointU Cilh quem •) z. B. Quillem v. Berguedan 17. •) Peire Vidal 39 (Bartsch' Ausg.). ^) Raimon Jordan 2. Zum geistlichen KunstUede in der aUprovenzälischen LUteratur. 165 don dem vezer nuda — , {Qrundriss 9, 5.) oder Raimbaut von Aurenga bittet: Bleu prec, tan de mort m^escrimay JDomna, e m^aja suffert, Tro qu^ie'us embraz ses chamiza (Grundriss 389, 40.). Dem Raimon Jordan liegt weniger am Paradiese als an einer Nacht bei der Geliebten (Grundriss 404, 4). Die unglaublichste Gleich- giltigkeit gegen das dritte Gebot zeigt aber wieder der älteste, Graf Wilhelm: Enquer me lais dieus viure tan, Qu^aia mos mos soz so mantel. (Grundriss 183, 1.). Burlesk geradezu wirkt Guillemvon Berguedan: Er wünscht sich eine Nacht bei seiner Schönen, die von Ostern bis zum Feste der Märtyrer dauerte, indessen der Gatte fest schliefe, und bittet: Si anc s'averet oratz, JDieus, aquest mesia datz {Grundriss 210, 14.). Frivoler noch erscheinen die Gebete, die Guiraut von Borneil und Bertran von Alamanon ihren Tageliedern vorausschicken. Dazu stellt sich die Tenzone zwischen Aimeric vonPeguilhanundElias(von üisel? Grundriss 10 fil ,), in deren Verlauf dieser den Meineid in Liebessachen für erlaubt er- klärt, da man ihn ja durch eine Wallfahrt sühnen könne. Die Fragestellung drängte einen von beiden zu dieser Entscheidung; deshalb kann man sie füglich als Zeichen einer bedenklich leicht- fertigen Auffassung von Religion ansehen. Man darf nun freilich solche Stellen, die sich leicht vermehren Hessen, nicht mit dem Massstabe modernen Empfindens messen; Peire Cardinais Estribot (Grundriss 335, 64.) lehrt uns in seiner hand- festen Brutalität zur Genüge, mit was für Diugen man selbst in löblicher Absicht den Namen Gottes zusammen nannte. So viel aber dürfte klar sein: Wo der Verkehr mit der Gottheit so naiv sinnlich war, dass man sie mit den unwahren Schwüi'en und fleischlichen Wünschen einer wenig tiefen und in ihrem Grunde unsittlichen Liebe in Verbindung brachte, da war nicht der rechte Nährboden für einen aus dem Herzen quellenden Lobgesang des Ewigen. Es soll damit nicht behauptet werden, dass die provenzalischen Dichter schlechte Katholiken gewesen wären; aber sie Hessen es wie der grösste Teil der abendländischen Christenheit an der blossen Werk- gerechtigkeit genügen, die nach vulgärer Anschauung zum Seelen- heil ausreichte. Die Kirche hatte die Formeln ausgebildet, nach denen jeder durch Vermittelung ihrer Priester mit dem Himmel zu verkehren hatte, und noch drängte keine innere Offenbarung, kein Zug des Herzens den schlicht Gläubigen dazu, seinem Gotte mehr zu sagen, als was in seinem Brevier ihm vorgesprochen wurde. Als man erst an der Unfehlbarkeit dieser Vermittelung zu zweifeln anfing, und die Herzen wieder selbst den Weg zum Ewigen suchten, da ertönte auch in Südfrankreich das geistliche Lied lauter. Aber Vor- gänge anderer Art hatten die Lebenskraft der einheimischen Kunst vernichtet: sie konnte auf dem neuen Gebiete keine neuen Bahnen 166 Victor Lounnsky, finden, mnsste sich von der franziskanischen Dichtung Italiens weit tiberholen lassen und verzünftelte und versumpfte unter den Händen der Toulousaner. Eine starke Quelle frommer Begeisterung floss dem 12. und dem 13. Jahrhundert aus den Kreuzzügen. Die Wecklieder, die sie in grosser Zahl hervorgerufen haben, könnten zu den geistlichen Mahnliedern gestellt werden. Aber neben den eintönig wiederholten geistlichen Motiven nimmt das Ritterlich-Komiantische, nehmen Politik und Per- sönliches einen so grossen Spielraum ein, dass die Kreuzzugslieder sich eher zu den polemischen Sirventesen gesellen.®) Schon bei Dichtern von dem Alter Guillem Ademars ist die religiöse Be- geisterung so verblasst, dass er Alfons VIII von Kastilien deshalb zum Zuge ermuntert, weil er neben einem verdienstlichen Werke ihm damit noch den Gefallen erweise, den eifersüchtigen Gatten seiner Schönen ihm vom Halse zu schaffen {(jrundriss 202, 9.) Das- selbe zeigt sich bei Rambaut von Vaqueiras und Blacatz, die zwischen Liebe und Kreuzug schwanken.^) Zu dieser Gattung gehörea ja auch Lieder, die über die Misserfolge dieser Unter- nehmungen klagen, wie dasjenige Austorcs von Segret {Grund- riss 41, 1.) oder des Templers {Grundriss 439, 1.), solche die sich mit ihren bösen wirtschaftlichen Folgen befassen, wie das Guillems von Mur {Grundriss 226, 2.), oder rein moralische Sirventese, wie das Bernart Alahans {Grundriss b^^ 1.) oder Guiraut Riquiers {Grundriss 248, 87.), die den Verfall der Kreuzzugsidee dem all- gemeinen Sittenverfall zur Last legen. Aus diesen Gründen glaube ich die Kreuzzugslieder aus den folgenden Untersuchungen ausschliessen zu sollen, soweit sie nicht zur Charakteristik der zu besprechenden Dichter beitragen.^®) Moralische ßügelieder dann den geistlichen zuzurechnen, wenn sie Lohn und Strafe im Jenseits ins Feld führen, wie Guirautvon Borneil selten, Marcabru und Peire Cardinal mit Vorliebe thun, halte ich für unangemessen, weil ihnen das oberste Kriterium eines geistlichen Liedes : die religiöse Ergriffenheit, abgeht. In ein- zelnen Fällen kann die Zuteilung zweifelhaft bleiben, wie in den unten zu besprechenden Liedern Gavaudas {Grundriss 174, 9.)^^) und Guiraut Riquiers {Grundriss 248, 86.),^^) im ganzen bewährt sich das angegebene Merkmal. ^) So hält es Gaston Paris mit den gleichartigen altfranzösischen Liedern ; s. La litt, frang. au w.-d. § 163. ») Grundriss 392, 3. bezw. 156, 4. ^^) S. über den Gegenstand Fauriel n, 110 ff. und Schindler, die Kreuzzüge in der altprovenzalischen und mittelhochdeutschen Lyrik, Dresden 1889. Erschöpfend behandelt ist er noch nicht. ") S. unten. ") S. unten. Zum geistlichen KunsÜiede in der aUprovenzalischen Litteratur, 167 Es erübrigt noch, das geistliche Kunstlied gegen die anderen Erzeugnisse der frommen Stimmung, insbesondere gegen das, was man geistliches Volkslied genannt hat, abzugrenzen. Bezüglich des Inhalts zunächt bestimmt Ferdinand Wolf ^^) den unterschied dahin: der kunstmässige geistliche Gesang sei vorwiegend lyrisch, das Volks- lied vorwiegend episch. Das trifft auch für die provenzalische Litte- ratur zu, ja, für die durchaus epische Natur des volksmässigen Ge- sanges haben wir ein ausgezeichnetes Beispiel in dem Weihnachts- lied des 11. Jahrhunderts Mei amic e mei fiel,^^) dessen Strophen mit dem gregorianischen Hymnus In hoc anni circuh abwechseln. Während der Hymnus, die zu verherrlichenden Geschehnisse der Heilsgeschichte als bekannt voraassetzend, sich betrachtend in Metaphern und Lob- preisungen ergeht, enthält der provenzalische Text im wesentlichen einen Bericht von der Verkündigung. Ein vom Herausgeber^^) Friere ä la Vierge überschriebenes Lied ist nur in den zwei ersten Strophen und in den zwei letzten Versen ein Gebet ; der ganze Best beschäftigt sich mit dem Sündenfall, berichtend und dogmatisierend. Diese Haltung entspricht ganz der Bestimmung der Lieder: das lateinlose Volk mit den Vorgängen der Heilsgeschichte bekannt zu machen. Ganz anders ist der Zweck des Kunstliedes: Hier tritt das Herz, sei es voll Weltentsagung und Reue, sei es jubelnd und lobpreisend un- mittelbar dem Göttlichen gegenüber. Den formellen Unterschied bestimmt Wolf^^) dahin, dass das Kunstlied sich in den Formen der Kunstlyrik, das Volkslied sich in denen der lateinischen Prosen und Hymnen bewege. Provenzalische Lieder geistlichen Inhalts in Pro- senform^'') sind nicht erhalten.^®) Die beiden eben genannten Lieder bedienen sich gebräuchlicher Hymnenformen. Die übrige geistliche Litteratur: gereimte Gebete, Glaubensbekenntnisse, Beichtformeln, Psalmenübersetzungen, Paraphrasen von liturgischen Gebeten haben durchweg gleich schlichte Metra.^®) Auch stilistische Unterschiede ^*) Ueber die Lais, Leiche und Sequenzen. S. 117. ") Paul Meyer, Aneiennes poesies religieuses en langue d^oc, p. 15 — 17. ") Paul Meyer, a. a. 0. p. 18—19. ") a. a. 0. S. 117. ") wie sie Wolf S. 108 ff. und 130 ff. bestimmt. ^^) Oder dar! man das alte Glaubensbekenntnis Anc. pois. rel. p. 6 ff. als eiue Prosa auffassen, da auch nach Steugels Redaktion (Zs. /*. rom, Phil. X, 153 ff.) noch 5 Abschnitte durch die metrische Form von ein- ander geschieden werden? Das Gedicht wäre alsdann eine interessante Zwischenstufe zwischen der lateinischen Prosa und dSm provenzalischen Descort. Ueber den la]/ de la Passion, denEaimon Feraut nach seiner Angabe verfasst hat, s. Eomania VI, 355. ^•) Das Reimpaar herrscht vor, meist aus Acht-Sübnern, Zehn- silbnern, vereinzelt nur Alexandrinern; selten, wie in den Psalmenüber- setzungen stellenweise, finden sich einreimige Vierzeilen. 168 Victor Lomnsky. haben statt.*®) Wir werden sehen, dass das Kunstlied auch hier eine Annäherung an die weltliche Lyrik erstrebt, in verschiedenen Perioden in anderer Stärke und in anderer Weise.*^) 1. Historisch -biographische üebersicht. Der Versuch einer historisch-biographischen Darstel- lung der religiösen Lyrik rechtfertigt sich zunächt durch ihre Stellung in der Produktion jedes einzelnen Dichters. Ein doppelter Nutzen erwächst daraus. Einmal wird sich manche Dichtergestalt voller abrunden, sodann werden sich mehrfache Fingerzeige über Stellung und Bedeutung des frommen Gesanges innerhalb der provenzalischen Dichtkunst überhaupt darbieten. In Verbindung hiermit sind die ausserlitterarischen Momente aufzuzeigen, die das geistliche Lied in irgend welcher Eichtung beeinflussen konnten. Wenn dieses endlich zu verschiedenen Zeiten ein verschiedenes Ge- sicht zeigt, so ist klar, dass der Besprechung seiner Formen und Stoffe eine solche seiner Geschichte mit Fug vorangeht. Diez sagt von der geistlichen Dichtung: Sie blieb . . auf die enge Zelle und gewöhnlich auf einen späteren Lebensabschnitt des Dichters beschränkt.^^) Diese Ansicht bestätigt sich zunächst an vier Dichtern der guten Zeit, die im Kloster geendet haben.**) Ja, noch ein fünfter, und zwar der Senior aller, Graf Wilhelm von Poitiers, kann die Regel bekräftigen. Diez (X. u, W.^ 13—14) setzt sein Busslied {Grundriss 183, 10) vor eine Pilgerfahrt. Wenn man die Worte (V. 31 — 32): Ar no puosc plus soffirir lo fais^ Tan sui apropchaz de la fi — so betont, wie es V. 37 K nahelegt, so ist *°) Vgl. dazu die nicht durchweg richtige Gegenüberstellung Ville- marqu6's, angeführt von Wolf, a. a. 0. S. 311. *^) Die Marienklagen, deren wir sechs besitzen {Bomania 14, 530; Appels ehrest. No. 103 ; Eecueü d'anc. textes 131 ss. ; Eev. d, languea rom, 32, 678 ff. und 34, 125—7; D.-Arbaud, Chantspop. de la Provence 11,226 ff.)ge- hören zu den Erzeugnissen, die am meisten lyrische Stimmung atmen ; eine der- selben {Eev. d. langues rom. 32, 578 ff.) bedient sich sogar einer ziemlich kunstvollen, in der späten Lyrik sehr beliebten Strophenform. Da aber regelmässig, dem lateinischen Muster getreu, der Monolog Maria unter- brochen wird, durch Erzählung und durch Trostworte Christi, so hat die epische Dichtung mehr Anspruch auf sie. Auch sind sie kaum anders denn als gereimte Übersetzungen zu betrachten, etwa gleich den Psalmen ; 8. Wechssler, die romanischen MarienklageUj Halle 1893, mit etwas anderer Auffassung. ") a. a. 0.* 169. '') Von 14 Dichtern wird uns das berichtet ; von einigen andern ist es mit Sicherheit zu schliessen. Zur richtigen Beurteilung des Verhältnisses muss man von den im Cfrundriss von Bartsch, 60 ff. genannten 104 Namen die 10 Frauen und die Geistlichen von Beruf abziehen, ferner alle die Berichte, die nur razös sind , so wird sich ergeben, dass etwa ein Drittel der Dichter, von denen wir etwas wie eine Biographie besitzen, im Kloster ihr Leben beschlossen haben. Zum geistlichen Kunstliede in der altprovenzälischen Litteratur. 169 es kurz vor dem Lebensende nnd beim Eintritt in ein Kloster ge- dichtet. Kaum eiti anderer Dichter zeigt in seiner Blüte- zeit weniger Neigung und Befähigung zur religiösen Inspiration wie dieser weltfreudige Sinnenmensch. Nicht zwar seinem Inhalte nach, wohl aber nach dem Anlass können wir mit diesem Gedicht die geist- liche Kunstdichtung beginnen lassen, die so in höchst charakteristi- scher Weise von einem Bussliede eröffnet wird. Peire von Auvergne ist von den andern der älteste. Möglicher Weise ist aber das erste geistliche Gedicht von Folquet von Marseille verfasst, da dieser 1214, bis zu welchem Jahre Peire nachzuweisen ist,**) das Dichten in der Muttersprache längst verlernt hatte. Peires Weltentsagungslied (Grundriss 323, 18) bietet keinen chronologischen Anhalt; denn Herren von Beaucaire*^) sind die Grafen von Toulouse eigentlich ununterbrochen bis 1229 geblieben. Wenn er nun auch in diesem Liede der Liebe, d. h. dem weltlichen Treiben, feierlich entsagt, so ist es bei dem lehrhaften Zuge dieses Dichters wohl denkbar, dass seine beiden geistlichen Mahnrufe (Grundriss 323, 13 und 14) noch während seines Welt- lebens verfasst sind. Vier weitere Lieder jedoch gehören seinem Aufenthalte im Kloster an: Zwei von ihnen setzen der irdischen Liebe und Freude die himmlische gegenüber^®) {Grundriss 323, 19 und 20), und sind um deswillen später entstanden als Lied 18, wo von einer frommen Umwertung der ritterlich -romantischen Liebes- begriffe noch nicht die Rede ist. Sie stehen am Anfang der Ent- wicklungsreihe die um die Mitte des 13. Jahrhunderts zum geist- lichen Minneliede führen wird. Die beiden anderen Gesänge {Grund- riss 16 und 21) setzen eine Vertrautheit mit gewissen Arten von Hymnen voraus, wie der Dichter sie kaum anderswo als im Kloster erwerben konnte.*^) Von Lied 16 bemerkt auch Diez (X. u. W,^ 66), dass es an klösterliche Zurückgezogenheit erinnere. Die beiden unter Folquets von Marseille Namen überlieferten geistlichen Stücke: ein Bussgebet in gepaarten Achtsilbnern und ein Morgengebet in Albenform^®), will Pratsch*^) dem als Minnedichter bekannten gleichnamigen Trobador absprechen. Indem er auf die Verworfenheit der im ersten Gedichte (besonders V. 14 ff.) bekannten Sünden hinweist, glaubt Pratsch, dem reichen Kaufmannssohne nicht derartige „Hab- oder besser Raubgier" zuschreiben zu dürfen. Ab- gesehen davon, dass man die Worte eines Sündenbekenntnisses nicht ") L. u. W.«62. ") Vgl. Str. 8 g. ••) S. unten. «») S. unten. *V Grundriss 155, 19. bezw. 155, 27. *•) Biographie des Troubadours Folquet von Marseiüe^ Diss. Halle 1878. «0 Grundriss 305, 16, zitiert i. u, TT,* S. 194. 170 Victor Lowinsky, so streng wägen darf, ist doch Folqnet von Harseille nicht, wie es nach Pratsch scheinen könnte, nur der Sohu seines Vaters gewesen, sondern hat auch selbst Handel getrieben. Die Worte des Mönchs von Montaadon^^) and diejenigen des Bnssgedichtes bestätigen sich hierin gegenseitig. Grosser Reichtum vollends feit auch heute nicht gegen den Wunsch, ihn zu vermehren. Seine mit dieser zusammenhängende Vermutung, dass der Minnedichter und der fanatische Bischof Folquet nicht identisch seien, ent- nimmt Pratsch daraus, dass sich bei jenem nichts von dem aus- schweifenden und lasterhaft sinnlichen Charakter zeige, den man bei diesem voraussetzen müsse. Einmal aber gaben die Trobadore in der Mehrzahl an ihre Liebeslieder zu wenig von ihrem Innern, um einen unfehlbaren Schluss auf ihre Gemiitsanlagen zu gestatten. Dann aber ist Pratsch eine Stelle aus einer Predigt Roberts von Sorbon*^) entgangen, die beider Identität bestätigt und auch eine gewisse Leidenschaftlichkeit der Reue über den weltlichen Gesang erkennen lässt. Ich sehe nichts, was gegen das Zeugnis des 1201 geborenen Robert einzuwenden wäre. Er hat den Bericht von Fol- quets Selbstzüchtigung sicher von Augenzeugen. Dagegen beweist es gar nichts, wenn Dan te^*) von Folquets geistlicher Dichtung nichts weiss. Am Ende seiner Dichterlaufbahn, vielleicht beide im Kloster entstanden, waren sie offenbar weniger verbreitet und beliebt, weshalb sie nur in Handschriften aus der Provence erhalten sind.'*) Die Alba möchte Pratsch Folquet von Romans zusprechen,**) doch hat Zenker*^) dargethan, dass wir nicht berechtigt sind, sie dem Marseiller zu entziehen. In demselben Orden wie Folquet, dem der Cisterzienser, fand Perdigo die letzte Zuflucht. Im Kloster zu Silvabella, also nach 1218,*^) wird er auch sein Marienlied*^) verfasst haben. Etwa ein Jahrzehnt darauf, um 1230,*®) fordert Cadenet seinen 8^) s. Haur6au, Mem. de VAc. des imcr. XXXI, II, 142, (zitiert von P. Meyer, Eomania XIX, 4). Andere Zeugnisse gegen Pratsch' These bringt Zingarelli bei, La personcUitä storica di Fokhetto di Maraiglia nella „Commedia" di Dante^ Napoli 1897 {Atti deW Accad, di archeol. e belle arti di Napoli^ vol. XIX.); derselbe zeigt auch, S. 3, dass Pratsch bei völliger Kenntnis der Publikationen über seinen Gegenstand nicht hätte au! seine schiefe Vermutung kommen können. M) Par. IX, 67 ff. »») In C bezw. C [,C reg.], R u. f. **) Auf Grund von C reg. u. R. **) Leben u. Werke des Trob, F. von Romans, Halle 1896, S. 6. »•) L. u. TT.* 441. ") Grundriss 370, 15. ") Blacatz starb 1236 oder 1237 (L. u. W.« 324.), wohl recht hoch be- tagt, wie 0. Schultz Z.f.r,Ph. IX, 131 mit grosser Wahrscheinlichkeit nach- gewiesen hat. Mehrere Jahre vorher könnte also Cadenet jene Mahnworte an ihn gerichtet haben (Grundriss 106, 24; vgl. L. u. TF*439). Cadenets sonstige Lieder erlauben nicht, den Beginn seiner frommen Periode zu bestimmen. 2^m geistlichen Kunstliede in der aUprcvensälischen LüteraturAli Freund (compaire) BlsiCRtz auf, seinem weltlichen Leben ein Ende zu machen, seiner ewigen Angelegenheiten zu gedenken, und er selbst macht in einem schlichten und innigen Bussliede^^) seine Rechnung mit dem Himmel. Der kräftige Fusstritt, den er der bösen Welt im Geleite des Gedichtes versetzt, macht es sehr wahrscheinlich, dass dieses nach seinem Eintritt in den Hospitaliter-Orden entstanden ist, dem er 1239 noch angehörte.*®) Was bewog jene Vier dazu, der Welt Lebewohl zu sagen? Peire von Auvergne offenbart uns auch hier seine nüchterne, seichte Art: Er gesteht, gern hätte er sich noch in der Welt ver- gnügt gemacht;*^) doch der Kluge baut vor, darum wolle er, ehe der Tod ihn überrasche, von der Welt ab und den ewigen Dingen sich zuwenden. „Liebe, so erklärt er (V. 50—53) ausdrücklich, es müsste mich schmerzen,*^ wenn irgend ein anderer ausser dem ge- rechten Richter geschickt genug wäre, mich von Dir abzubringen." Noch in Lied 16 bittet er daher (Str. 4) um Kraft, sich von den Freuden dieser Welt loszureissen. Peire handelt also nach dem Rezepte: Lustig gelebt und selig gestorben. Derselbe Wunsch, seine ewigen Angelegenheiten zu ordnen, nicht gemischt mit Gefühlen bitterer Enttäuschung oder Gewissensqual, führt Cadenet aus der Welt in die Klosterzelle. Durchaus romantisch-konven- tionell in Ausdruck und Gesinnung verraten seine Lieder nirgends irgend welchen Hang zur Weltentsagung.*^) Für ihn war also dieselbe Überlegung bestimmend, die er Blacatz zu bedenken giebt: dass dieser Welt Glanz und Ehre in der anderen Trübsal und Schmerz ist. Folquet hingegen trieben Gründe persönlichster Natur hinter die Klostermauern: es war die Hand des Schicksals, die rings mit seinen Freunden und Gönnern aufräumte.**) Besonders der Tod Barrals von Marseille (1192) hat ihn vom Minnegesange ab und ernsteren Stoffen zugewendet {Grundriss 155, 7 u. 12); er eifert gegen die Thorheit der Liebhaber und die Habgier der Reichen (155,7), und mit einem Kreuzliede (155, 15) betritt er bereits religiöses Ge- biet. Während er in Lied 19 sich Gnade flehend vor seinem Gotte "} Grundriss 106, 10. *°) 8. Chabaneau in der Eist. gen. du Languedoc, X, 301, Note 4. **) Grundriss 323, 18, V. 29—31. V. 29 möcht ich lesen: Mas sin sab ja dieus lo ver: Aber Gott möge doch die Wahrheit hierüber erfahren. Dies passt gut zum Vorangehenden, wo er die Klugkeit dessen rühmt, der sich zur Zeit von der Welt und ihren Freuden scheidet. *') V. 50 statt be'm degratz voler: bem degra doler, nach a (Appel, provem, Inedita S. 203). Voler erscheint auch vorher schon als Reim wort. ") Von 24 Liedern (106, 19 sind ungedruckt) behandeln 20 Gegenstände der Minne; zwei Sirventese über die Nichtachtung adeliger Sitte, das eine allgemein tadelnd (106, 6), das zweite mit mildem Vorwurfe an den Grafen von Barlatz gerichtet (106, 13), bleiben in den gleichen Rahmen. **) s. X. u. TT.« 204, Bist gen. du Lang. X p. 292, Zingarelli a. a. 0. p. 25, 172 Victor Lowinsky, windet, hat er in dem Morgenliede den Frieden mit dem Himmel gefunden, and kann nun andere lehren, zn beten und zu lobsingen. Für Perdigo war das Kloster der Rettungshafen aus dem Schiffbruche seines Lebens, der Ort, an dem er die Schande vor der Welt verbarg, die sein Verrat an Gönnern und Landsleuten ihm eingetragen hatte.**) Die tiefe Müdigkeit des geschlagenen Mannes zittert in den Schlussversen seines Marienlobes nach: . . . gran dezir aiy Qu'ieu fos el renc lai, Senes tot cossire^ On san Peir^ estay. Wo ist hier noch eine Spur von dem streitbaren Ton, der den Zeit- genossen aus seinen Kampfliedern gegen die Albigenser entgegenklang? P erdig OS Marienlied, so mlttelmässig an sich, stellt sich uns doch, nach der mittelbaren Ursache seiner Entstehung einerseits und nach seinem Stoffe andererseits als das Ergebnis zweier Bewegungen, dar, deren eine auf das Schicksal Südfrankreichs, die andere auf das religiöse Leben des Mittelalters, beide aber auf die Eichtung, die die provenzalische Litteratur nehmen sollte, einen bedeutenden Ein- fluss gewannen; der albigensischen Häresie*^) und der Gründung des Predigerordens durch den heiligen Dominikus (1213); die erste ist, wie bekannt, die Ursache der zweiten. Jene war zunächst nichts weiter als der Ausdruck der Em- pörung der mittleren Klassen gegen die Verwilderung des Klerus, der nicht mehr fähig schien, das Seelenheil der Menschheit zu sichern. Bei dem Adel, der unter den Missständen weniger zu leiden hatte, und seinem Pflegekinde, der provenzalischen Dichtung, fand die Waldenserbewegung daher in ihren ersten Jahrzehnten gar keinen Wiederhall. Erst das Vorgehen Koms gegen den Grafen von Tou- louse zog auch feudale Kreise und damit die Hofdichtung in Mit- ^B) Man könnte geneigt sein, das Lied {Qrundriss 370, 15) einem sprachlich sonst durchaus korrekten Dichter wie Perdigo abzusprechen. Wir haben Obliqua wie salvaire, laire (Str. 1), peccaire (Str. 2), jauzire (Str. 5), hom (Str. 3); Nom. veray (Str. 4), den französischen IJom. aire (Str. ö). Auch finden sich 3 Reimwiederholungen : faire in Str. 1 und 2, esmay in Str. 1 und 3, veray in Str. 3 und 4 (at in Str. 2 und 5 möchte ich nicht hierher rechnen, da aver wie esser in dieser Beziehung Aus- nahmen zu gestatten scheinen). Angesichts des Zusanmiengehens von C und E., folglich auch ihrer alten Quellen (s. Gröber in Bom. Stud. II, § 31), sind wir jedoch dazu nicht berechtigt, wenn auch dem Dichter mit der Entlastung von diesem poetisch schwachen Erzeugnis ein Gefallen ge- schähe. Der litterarisch gebildeten Gesellschaft hätte er mit solchen Ver- stössen wohl nicht kommen dürfen, das andächtige Gemüt seiner schön- geistig anspruchsloseren Klosterbrüder mochte über sie hinwegsehen. Auch sein Zeitgenosse Cardinal nähert sich in seinen Bügeliedem zuweilen den Flexionsformen der Umgangssprache ; vgl. besonders Grrundriss 335, 55 (nach Bartsch, Chrest.^ 173) u. 335, 62 V. 1, auch sein langes Mahngedicht in Mahn, Werke 11, 201. *•) lieber ihre Entstehung, Verlauf und Lehre s. Dieckhoft, Gesch, der JValdenser im M.-Ä.f 1851, Peyrat, Eist, des Älbigeois, 1870—2. Zum geistlichen Kunstliede in der altprovengälischen LUtercUur, 173 leidenschaft. Obgleich nun der Ketzerei der Gedanke der freien Predigt zu Grunde lag, eine in die Kirchenverfassung tief einschnei- dende Idee, zeigte sich doch in dem Bunde des römischen Stuhles mit Frankreich zu sehr der politische Pferdefuss, als dass das reli- giöse Motiv dagegen hätte durchdringen können. Die Sache der Waldenser wurde zur Sache der südfranzösischen Freiheit. Hass gegen die Geistlichkeit, die den Sturm heraufbeschworen, und gegen die Franzosen, die sich zu iliren Werkzeugen gemacht, ertönt in den Liedern der Dichter, die der Kampf jener Tage hervorgebracht hat, von Peire Cardinal und Guido von Cavaillo bis zu Guillem Figueira und Bernart Sicart. Aber mit den Ketzern wollen auch sie, wohl die heftigsten Angreifer der Klerisei, nichts gemein haben. Cardinal erklärt sie sogar in allen ihren Schattierungen für Bastarde, hervorgegangen aus dem ehebrecherischen Treiben der schwarzen Mönche {Grundriss 335, 64). Peire Vidal spricht gewiss die Meinung nicht nur seiner Kunstgenossen, sondern der ganzen feu- dalen Gesellschaft Südfrankreichs aus in den Worten: , . . Wie haben doch der Papst und die falschen Lehrer die heilige Kirche in solchen Jammer gestürzt.*^) Sie sind so thörichte Sünder, dass die Ketzer sich erhoben haben. Sie geben das Beispiel im Sündigen. Da kann kaum Einer anders handeln.** Vorsichtig lenkt er aber ein: „Doch ich will nicht weiter Händel machen." Auch Guillem Fi- gueira, dessen Dichten der letzten Periode des Kampfes angehört, lässt nirgends Zweifel an seiner Eechtgläubigkeit aufkommen. Be- ginnt er doch sein berühmtes Schmähgedicht auf Eom*®) mit den Worten: „Rom, ich wundere mich nicht, dass die Menschen irren." Gavauda, der sehr energisch die Partei der Grafen von Toulouse ergreift, lässt alles Religiöse aus dem Spiel.*') So hat denn diese Bewegung der religiösen Kunstdichtung keine neue Inspiration zugeführt. Im Gegenteil haben die Dichter, die infolge der Niederlage der provenzalischen Sache an Friedrichs II Hofe eine Zuflucht suchten und fanden, den Samen religiöser Gleich- gültigkeit gewiss tief in sich aufgenommen.*®) Dadurch freilich, dass der Krieg Wohlstand und Freiheit des Südens brach und durch Beseitigung der kleinen Höfe der freien, heiteren Kunst den Boden entzog, hat er die lehrhaft-moralische Richtung vorbereitet, die den Erzeugnissen der provenzalischen Muse in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts den Stempel aufdrückt. Unmittelbar befruchtend jedoch wirkte das Auftreten des hei- *') Grwndriss 364, 35. Bartsch ändert grundlos; es ist zu lesen: Quar com an vout'* en tcU pantais (i. e. sancta Gleiza). ") Grundriss 217, 2, Levy 2. *•) 8. besonders Grundriss 174, 1. «0) s. Gebhart, ntalie mystique, Paris 1890 p. 165. 174 Victor Lowinsky, ligen Dominikas and seines Ordens in Südfrankreich. Die Einrich- tung des Rosenkranzes und die Begründung der Eosenkranzbrüder- Bchaften haben eigentlich erst den Marienkultus zu einem wirklichen Gottesdienst, um in der Kirchensprache zu reden, aus einer Hyper- doulia zu einer Latria gemacht.*^) Da die Waldenser die Marien- verehrung verwarfen,^*) so war, sich zu ihr zu bekennen, ein sicheres Schutzmittel gegen die Verfolgungen der Inquisitition. So hat der Verfasser von des Sünders Reue,*^) der nach eigenem Geständnis in der Jugend Ketzer gewesen war und von Rückfällen heimgesucht wurde, sich nicht besser zu rechtfertigen gewusst, als indem er zwölf seiner Gebete der Verherrlichung der Jungfrau widmete. Die Ausbreitung des Mariendienstes war für die Litteratur insofern von Bedeutung, als nun der Antrieb gegeben war, auch ausserkirchlich das Lob der Jungfrau zu singen; der Dichter hatte ein weites Publikum. Zum zweiten war die Gestalt der schönsten und reinsten Frau, die im Namen der elementarsten Gefühle bei ihrem strengen Sohne für die Menschheit eintritt, poetisch ungleich fruchtbarer, als der gefürchtete, strafende Gott, der in der Vor- stellung der abendländischen Welt fast zum Moloch geworden war, und den erst der kindliche Sinn eines Franziskus wieder lieben lernte und lehrte. Beweisend für den Einfluss des neuen Ordens auf die Marien- verehrung auch in der Kunstdichtung ist die Thatsache, dass vom zweiten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts die Lieder an die Jung- frau in der frommen Litteratur den grössten Platz einnehmen,^) während Peire von Auvergne und Folquet von Marseille der Gottes- mutter nicht einmal Erwähnung thun. **) s. Clemens Frantz, Versuch einer Geschichte des Marien- und Ännenkultus Halberstadt 1854; über Dominikus und seine Wirksamkeit in Südfrankreich s. den betr. Artikel und ^ Dominikaner'' bei Ersch und Gruber. M) Vergebens sucht man ihren Namen in Waldenserdichtungen. Geradezu polemisch nimmt sich eine Stelle im Avangeli de U quatre semencz aus: MoVier es de Vagneil e dicta la soa spoza^ BeUa e ben faczona, placzent e gradosa, Humil e casta e vio mot vertuosa . . {Z. f. r. PÄ. IV, 540, V. 238—240. Die Schilderung geht noch einige Verse weiter.) In diesen Ausdrücken wird bei katholischen Dichtern ständig Maria gefeiert. Hier aber ist die Aussaat der Apostel gemeint, und ihre Frucht, die Kirche, im Anschluss an die Parabel vom Sämann, nach Matth. 13. "') Suchier, Denkmäler prov. Sprache und Litteratur, S. 340 ft. Der Dichter schrieb um 1230 (s. die Anm. des Herausgebers), kurz nach der förmlichen Einsetzung der Glaubensgerichte. ") Vgl. auch Azais, Les Troubadours de Biziers^ 49 u. 86. Zum geistlichen Kunstliede in der altprovenzälischen Litteratur, 175 Zunächst ist Peire Cardinal hier zu nennen, mit einer Marienretroencha, die sich in ihrem noch völlig kirchlichen Tone zu Perdigos Lied stellt.^^) Peires Charakter weicht in vielem be- deutsam von dem der oben besprochenen vier Dichter ab, und zeugt so von dem sich vorbereitenden Umschwünge in den Gemütern. Sehen wir davon ab, dass er dem Minnesang abhold war ; das war Marcabru, wenngleich nur als Misogyn, vor ihm gewesen. Aber seine ganze Kritik der Zeitschäden geht nicht, wie bei allen Früheren und be- sonders bei seinem älteren Zeitgenossen Guiraut von Borneil, vom ständisch ritterlichen, sondern vom sittlichen und religiösen Stand- punkt aus, seine Satire umfasst alle Stände. Er will nicht y^pretz^ und ^argueza^ wieder erwecken, sondern tritt mit dem Anspruch des Sittenpredigers, ja nicht selten des geistlichen Malmers auf .^^) Häufig schlägt er den Ton des Gebetes an. Ein heftiger Sirventes gegen die Geistlichkeit und die Geizhälse schliesst mit einer Bitte um Ver- zeihung für die Sünder,*'') ein anderer auf die Nichtigkeit irdischen Gutes wendet sich in der Tornada an die heilige Jungfrau.*^) Eine lange Satire schliesst mit drei Strophen Gebet an Christum und seine „süsse Mutter".*^) Auch darin stellt er sich über den Durchschnitt der Gläubigen, dass er mit Zweifeln ringt. Mit naiver Kühnheit wagt er sich an den Gegensatz von göttlicher Gerechtigkeit und göttlicher Gnade.^®) Eine Verherrlichung des Kreuzholzes^^) steht so vereinzelt da in der provenzalischen Litteratur, dass Neuere, wie Fauriel (II, 126), das Gedicht für ein Kreuzlied hielten.^*) In der lateinischen Dichtung ist dieser Stoff schon seit dem 11. Jahr- hundert heimisch.^3) ") Grundriss 335, 70. Die formell gleiche Kanzone Sordels (437,1) ist, wie Maus, Peire Cardindls Strophenbau S. 71 zeigt, vor 1229, also zwischen 1225 und 1229 zu setzen. Maus will Sordels Priorität nicht behaupten, aber Peire, der sich überwiegend fremder Formen bedient, wird auch in diesem Falle als Nachahmer zu betrachten sein, das Lied ist mithin nach 1225 entstanden (s. u.) Sein Lobgesang auf das Kreuz, um es gleich vorauszunehmen, entlehnt Form und Reime von Jaufre Rudel (s. Maus S 32.) Eine Datierung ist bei ihm also noch weniger möglich. "') Vgl. besonders Grundriss 335, 42. ") Grundriss 335, 55. w) Grundriss 335, 34. ") Grundriss 335, 27. •0) Grundriss 335, 67. Vgl. auch L. u. TT.* 375, Diez' metrische Uebersetzung. •*) Grundriss 335, 15. •^) Auch Maus S. 32. Ich folge Herrn Prof. Toblers in den Vor- lesungen über provenz. Litteratur vorgetragener Meinung. Ein Kreuzugs- lied ohne Beziehung auf das heilige Grab und die Pflicht der Christenheit, es zu befreien, ist undenkbar. Zum Text: Str. ^h ist linh {Raja.) in lenh zu ändern. Die Stelle bezieht sich auf die Legende, nach der das Kreuzes- holz aus dem Baume der Erkenntnis gefertigt war. Daher wird Christus als Frucht vom Baume der Erkenntnis bezeichnet (Str. 4 g.) •') s. u. 176 Victor LotmnsJct/, Peire Cardiiials religiöse Dichtungen sind nicht, wie die seiner Vorgänger, das Erzeugnis des reuigen Alters oder des moralischen Bankerotts, sondern der Ausdruck einer tief innerlichen, ihm wesens- eigenen Frömmigkeit. In mehr als einem Sinne sein Gegenbild ist Guiraut von Borneil, die Verkörperung des ritterlichen Standesgeistes. Auch er moralisiert gern, aber nie gilt sein Tadel allgemein menschlichen Gebrechen, sondern adligen Lastern, dem Verfall von Grossmut und Freigebigkeit, dem Geiz und der Habsucht, die sich in ihrem Ge- folge einstellen, und das wieder nicht so sehr aus Gründen der Moral, sondern weil sie von Missachtung für seine Kunst begleitet waren. Wie eng seine religiösen Vorstellungen mit seinen feudalen An- schauungen verwachsen waren, zeigt ein Sirventes {Grundriss 242,73), demzufolge Geiz und Habgier, wie Geringschätzung des Gesanges den Verlust der ewigen Seligkeit herbeiziehen. In genau gleichem Sinne predigt er mit Feuer den Kreuzzug. ^) Da heisst es: . . Die Vornehmsten müssten sich am meisten bemühen, ihm (Gott) zu ge- fallen, da feine Ausrüstung und schöner Aufzug, Hofesart und Er- götzen ihnen nicht schadet, wenn nur der heilige Geist in ihnen wurzelt; und um ihrer schönen Kleider willen, deswegen, weil sie höfisch und zierlichen Benehmens sind, brauchen sie nicht zu fürchten, dass unser Herrgott von den Edelsten und Bitterlichsten sich ab- wende, wenn ihnen sonst kein Grund zum Schaden gereicht.^*) Aber er erfuhr an eigener Haut, dass die Zeiten echten Eitter- tums dahin waren,^^) er fühlte sich als Prediger in der Wüste,^') und während Peire Cardinal sich nie von der Welt getäuscht oder gemisshandelt glaubte, weil er über ihr stand, musste Guiraut am Ende seiner Laufbahn gestehen: „Wohl sehe, erkenne und weiss ich, dass, wer am längsten in dem Weltleben {mon) verharrt, am meisten Schmerz und Ungemach zu erdulden hat."^^) Nicht Heiter- •*) in vier Liedern: Grundriss 242, 6. 15. 24. 77. Nach einer alten Angabe hat er selber an dem Kreuzzuge König Richards I. teilgenommen (s. Eist. gen. X, 222), und dieser Bericht wird durch sein Klagelied auf Herrn Aimars Tod (Grundriss 242, 56) bestätigt, wo es Str. 8 heisst: Qu'el {Gott) deing auzir cels queill querran Qe a Varma U don repauSy El sainz vas en qu'el fon pausatz, QuHeul vi baizar mout humilmen^ li sifa) en loc de hon garen (Mahn, Ged. 875). «») Grundriss 242, 24, Str. 3. ««) 8. die alte Nachricht Rist. gen. X, 223. ) Vgl. besonders Grundriss 242, 23 und 55. •®) Grundriss 242, 26. Chronologische Bestimmungen fehlen. Das Gedicht ist aber der folgerechte Abschluss seiner Laufbahn. Sind Lig n au re und Raimbaut von Orange eine Person, wie Kolsen (Guiraut v. Bor- neil I, S. 44—51) meint, so fällt es wohl nach dessen Tode, der 1234 er- folgte. Auch in der Form scheint sich ein Nachlassen nicht so sehr des künstlerischen Vermögens, als der Schaffenslust zu offenbaren; s. u. Zum geistlichen Kunstliede in der altprovenzalischen Litteratur, 177 keit der Entsagung, sondern tiefe Verstimmung ist der Grundton seines geistlichen Malmrufes. Dieses biographische Interesse lässt Folquets von Romans sonst nahe verwandtes Mahnlied^^) vermissen. Manches hat er mit seinem grösseren Kunstgenossen gemein: den Eifer für die Kreuz- zugsidee,''®) die Tendenz zum Moralisieren in romantischem Geiste;'^) aber er ist nüchterner, ausgetragener. Nachdem ihm in der Heimat das Glück der Liebe gelächelt hat, sendet er seiner Dame aus Italien noch einige sehnsüchtige Grüsse,''^) um sich dann ganz ernsten Gegenständen zuzuwenden, weil andere Zeiten andere Lieder fordern. Diese beiden Epochen seiner Laufbahn bedeuten zugleich Vergangen- heit und Zukunft der provenzalischen Dichtkunst. Was bei Guiraut noch durch- und miteinander geht : Romantik und Reflexion, ist bei Folquet schon streng geschieden.'^) Da somit sein Busslied sich vollkommen in dem Gedankenkreise seiner zweiten Epoche bewegt, so wage ich nicht, mit Zenker (S. 28) aus den Todesgedanken auf hohes Alter des Dichters zu schliessen.'*) Den gleichen Wandel wie Folquet hat Gavauda der Alte durchgemacht. Aus seiner Jugendperiode sind uns nur zwei Pasto- rellen geblieben Grundriss 174, 4 und 6), sowie der Abschied von ihr: das Klagelied auf den Tod seiner Geliebten (Grundriss 174, 3). Den hier ausgesprochenen Vorsatz hat er, soviel wir sehen können, gehalten, und sein Singen war von nun an, nach seinen eigenen Worten, Tadeln und Loben {Grundriss 174, 5). Mit dem Wechsel der Themen geht ein solcher des Stils und der Form Hand in Hand : '*) Grundriss 156, 10, zuletzt gedruckt bei Zenker, in seiner Aus- gabo von Folqnets Liedern, S. 65. Es ist unten mit Guirauts Lied ver- glichen. '0) Grundriss 156, 6 und 12. ") 156, 11 und 14. ^^) Seine kleine Herzensgeschichte stellt sich in folgender Lieder- reihe dar: 156, 2: Der Dichter ist schüchtern verliebt. — 3: Seine Hul- digung wird angenommen. — 5: Ein unzweideutiges Zeichen der Huld berechtigt zu den höchsten Hoffnungen, — 14: die sich auch erfüllen; doch muss er, um der Sicherheit der Dame willen sein heimatliches Vien- nois verlassen. — 8: In der Ferne gedenkt er mit Freude und Trauer derer, die ihn so hold verwundet hat, und des freundlichen Abschieds, den sie ihm vergönnt. '*) Die moralisierende Seite seiner Thätigkeit bezeichnet die Bio- graphie mit j^sirventes joglaresc de lauzar los pros et de hlasmar los mal- vatz/^ Sirventes joglaresc ist nur in dem Sinne zu verstehen, den 0. Schultz. Litt.-Bl 1891, Sp. 237, dem Worte vindiziert hat. ^*) Immerhin wird er nicht mehr jung gewesen sein. Schon 1215 (nach Schultz, Z. /". r. Ph. IX, 134) fordert ihn Hugues von Bersie zur Busse auf, da sie bereits beide vom Leben genug kennen gelernt hätten, und 1233 ist er noch am Leben, (a. a. 0 133). Ztschr. f. frz. Spr. ü. Litt XX». 12 178 Victor Lowinslct/. er geht zum dunklen Stil und schweren Reimen über,'^) so schweren, dass einmal sogar der alte Seneca samt seinem Schüler Nero ein- springen müssen (Grundriss 174, 8). In die Reihe dieser dem ^trobar clus'^ angehörigen Stücke stellt sich auch sein Predigtgedicht über den Text: „Liebet eure Feinde." Er selbst citiert Paulus in Str. 6, und es ist leicht, in mehreren Versen Stellen besonders aus Ephes. 2 und 4, Matth. 5 und 6, Apokal. 20 zu identifizieren. 'ß) Der Graf R. der Tornada ist wohl Reimund VI von Toulouse, für dessen Sache er auch in Lied 1 gegen den vom römischen Klerus bestochenen Adel eifert.'^ Genannt wird er auch hier nicht; aber das Gedicht steht sichtlich noch unter dem frischen Eindrucke der Ereignisse, während deren sich die Partei gegen den Grafen bildete. Auch Peire Guillem von Luzerna,'^) der sich mit einem Marienliede zu den geistlichen Dichtem stellt, ist, nach dem wenigen Erhaltenen zu urteilen, vom Minnesang zum lehrhaften Tone über- gegangen. Er ist für die liebebedürftige Cuuizza eingetreten {Grund- riss 344, 5), hat der Johanna von Este gehuldigt (344, 3), in einer Cobla erscheint er ernstlich verliebt (344, 2).'^^) Doch er wendet sich von der Minne ab: „Lasse Gott mich mein Glück anderswo finden, und gebe mir solche Freude, die mir zum Vorteil werde; denn die Freuden der Liebe werden zu Klagen und Thränen." Er singt ein frommes Lob der Zufriedenheit (344, 3), und es liegt im Zuge seines Wesens, wenn er seine weltliche Kunst schliesslich für fronune Gegenstände verwendet. Er ist der erste,®®) oder doch einer "*) Das wird nach 1195 geschehen sein. Denn in seinem zu Anfang dieses Jahres, vor der Schlacht bei Alarcos, verfassten Kreuzliede (Grund- riss 174. 10; vgl. L. u. W} 423) ist er noch schlicht und bedient sich leichter Reime. ^•) Grundriss 174, 9. Strr. 6.-1.-2.-3.-5. Gavauda schmückt sich auch sonst gern mit Bibelken atnis. In dem Planh wird die Offenbarung, in den Pastorellen Salomons Verliebtheit und der Eva Ungehorsam an- geführt, '') Das Gedicht fiele mithin zwischen 1195, Schlacht bei Alarcos, und 1222, Tod des Grafen. '^) Die Ausgabe von P-E-Guarnerio, Genova 1896, war mir nicht zugänglich, auch das Criom. della soc. di letture e conversaz. scientif.y fasc. UI, 1896, nicht, wo sie zuerst erschien. '•) Auch das „närrische Gehaben" (folla parvensa), dessen er sich in seinem frommen Liede zeiht, weist auf eine Zeit des Minnedienstes zurück. ®°) Datierung ist kaum möglich. Rairaon Jordan, dessen zwölftes Lied für Bau und Keime das Vorbild hergegeben hat, wird in der Eist, gen. du Lang. X, 378 zwischen 1190 und 1200? angesetzt, von Guirondet (Bulletin, d. l. soc. arcMol. de Tam-et-Garonne, 1879, p. 153) auf Nostra- damus fragliche Autorität hin bis 1208. Wenn Peire, nach Schultz' wohl- begründeter Vermutung {Z. f. r. Fh. VII), um 1225 in Italien noch Liebes- lieder sanof, Bo wird das Mariengebet nach 1225 zu setzen sein. Das letzte Datum seiues Lebens liefert Lied 8, das nach Jahrb. XIII, 35 vor Cortenuova, 1227, fallt. Zum geistlichen Kunstliede in der dltprovenzalischen Litteratur. 179 der ersten, die Maria in Wendungen der Liebeslyrik preisen. Wir haben die erste geistliche Parodie.®^) Er preist die Jungfrau und die Glückseligkeit ihrer Verehrer in stets gegenwärtigem Gegensatz zu dem Verhältnis von Kitter und Dame. Hierin haben wir einen Hauptunterschied zwischen kirchlich - populärer und kunstlyrischer Gebetsweise voll ausgebildet. Diese Behandlungsweise übernehmen die meisten Späteren. Aus ihr geht Guiraut Riquiers geistliches Liebeslied hervor, eine Form, die der Toulousaner Reimverein seinem ästhetischen Kodex zu Grunde legen wird. Perdigos und Cardinais Lieder stellen dem gegenüber die ältere Schicht dar, wo Maria mehr als Gottesmutter mit Ehrfurcht, denn als Herzensdame mit Liebe ver- ehrt wird. Um dieselbe Zeit etwa preist der gelehrte Verfasser des Teeaur^ Peire von Corbiac, die Jungfrau in einem Liede voller Wohllaut. Es ist im wesentlichen eine litaneiartige Zusammenstellung der Prä- dikate Mariä®^) in ihrer doppelten Eigenschaft als Gottesgebärerin (bis Str. 5) und Helferin, Fürbitterin (bis Str. 9.). Nur die Tor- naden schliessen mit Gebet. ^^) Dass Peire Geistlicher war, legt nicht nur seine Betitelung ,,maestre^^ nahe,^) sondern auch die Widmung seines „Schatzes" an den Heiland und die Jungfrau, so wie das Schlussgebet, in Ruhe leben zu können mit dem, was er besitzt, und gute Werke zu üben die sein Seelenheil am Tage des Gerichts sichern. Einen neuen Weg des Marienlobes findet Peire E spanhol,®*) indem er die alte Metapher, die Maria als Gebärerin der Gottessonne mit der Morgenröte vergleicht, zu einer geistlichen Alba ver- wendet, ähnlich wie Folquet von Marseille schon früher ein Gebet verfasst hatte. Das Lob der Gottesmutter wird in Aus- drücken der Minnelyrik gesungen, doch tritt besonders in den letzten zwei Strophen der geistliche Mahner stark in den Vordergrund. Bei wenigen Dichtem fällt ihr geistliches Lied so sehr aus dem Rahmen ihres lyrischen Schaffens wie bei einem Kirchendiener ®^) S. u. über diesen Begrift. ®') Hist. litt, d, l. France 19, 502: „. . une esphce de paraphrase ahrigie des Utanies.^* ^^) Das Lied gehört in die ersten Jahrzehnte des Jahrhunderts; Peire von Corbiac ist Oheim des bis 1240/1 nachzuweisenden Alm er ic von Belenui (L. u, TT.« 449). ®*) In der Biographie seines Neffen. ^') Grundriss 342, 1; herausg. v. Stengel in Z. f. r. Ph, X, 160. Zeitlich bestimmt wird Peire Espanhol dadurch, dass Aim. v. Belenui in seiner Klage um Nun ho Sanchez (1240/1) eine Liebescanzone von ihm (342, 3) in Bau und Reim nachgeahmt hat. Die Priorität hat wohl in solchen Fällen durchweg die Eanzone. 12* 180 Victor Lowinskif. von Beruf: Daude von Pradas, dem Domherrn von Maguelonne. Der grösste Teil seiner Lieder (18 von 20) ist der höfischen Minne gewidmet ;^^) doch kennt er auch die weniger höfische aus Erfahrung. Frei wie wenige spricht er sich über das Verhältnis der Geschlechter und das sehr irdische Ziel der Liebe aus.^^) Nicht nur trägt er (Lied 2, besonders Str. 2) sehr bedenkliche sittliche Grundsätze vor, mit rabelaisischem Lächeln schildert er die Behaglichkeit einer zwischen seiner Dame, einem gefälligen Bürgermädchen und einer Dirne geteilten Liebe. Er ist cynisch ofien, ohne doch Gegner des romantischen Frauendienstes zu sein ; er bemülit sich nur zu wenig, den idealen Schimmer zu erhalten, auf den in dieser Dichtkunst alles ankam. So vollzieht sich in ihm die Selbstkritik der Manier, und wir verstehen den Bericht des Biographen, seine Kanzonen hätten keinen Beifall gefunden, weil sie nicht von Minne beseelt waren.^^) So scheint er in späteren Jahren die höfische Lyrik gelassen zu haben, und behandelte zunächst Moralisches in romantischem Stile,^^) und sang dann Gottes und der Jungfrau Lob in gleicher Art. Daude geht in der Verwendung der weltlichen Ehetorik noch einen Schritt weiter als die bisher betrachteten Dichter. Er stellt nicht beide Arten von Liebe gegen einander, sondern Gott als der höchste wird ihm auch zum einzig würdigen Gegenstand der Liebe, ja zur Liebe selber (Str. 2). Auch vermeidet er jegliche epische Anspielung mehr als alle Früheren. Ob hier schon ein Einschlag franziskanischer Gefühlsweise vorliegt? An sich konnte die pro- venzalische Dichtung auf dem schon von Peire von Auvergne bezeichneten Wege (s. o.) allein dahin gelangen. Aber bei der ge- ringen Aufmunterung, die der geistliche Gesang zu dieser Zeit noch in ihr fand, wird man die Möglichkeit fremder Einwirkung, zumal bei einem Geistlichen, nicht ohne weiteres von der Hand weisen ®®) Man muss das dem Geistlichen verdacht haben. In Lied 12, Str. 5 verteidigt er sich: Die Liebe stehe der ewigen Seligkeit nicht im Wege. Aehnlich hat sich der Mönch von Montaudon durch eine moralische Auffassung der Minne gerechtfertigt. (Zitiert von A. Thomas, Francesco da Barberino et la litt, provengale en Italic au m-ä. p. 109.) «') Vgl. z. B. Grundriss 126, 1. 2. 10. 18. ^^) „Car no movian d'amor.^ In wie weit diese Kritik seine Tech- nik zu treffen scheint, darüber unten. Doch müssen seine Lieder, reich an zierlichen Wendungen und für den Zeitgeschmack glänzenden Zierraten bei Kennern Beachtung gefunden haben, wenn anders die Zahl der Hand- schriften, darunter die ältesten und besten, einen Schluss gestattet. ®*) Im „romam** von den vier Kardinaltugenden, ed. Stickney, The Bomance of Baude de PradaSj Florence 1879. Dem Bischof von Pay in Velay, Esteve von CalenQon (1220—1231) gewidmet (V. 1793—1810), bestimmt er ungefähr die Abfassungszeit unseres Gedichts, das der gleichen Zeit angehören wird. Zum geistlichen Kunstliede in der altprovenzalischen JLiäeraturASi dürfen; findet sich doch in Nordfrankreich um dieselbe Zeit genau die gleiche Anschauung bei Gautier de Coincy, in Deutschland bei Gottfried von Strassburg^^) Aus geistlichem Stande hervorgegangen, aber wie Cardinal, Peire Regier und Andere um der Dicktkunst willen ihm untreu geworden ist Aimeric von Belenui. Nachdem er der Liebe mit Glück treu gedient, sie auch gegen Albert von Sestaro verteidigt hatte {Grundriss 9, 13), kehrte er in späteren Jahren reumütig zurück, wenn die That dem Liede entsprach. Nur in diesem Sinne kann die Äusserung gegen einen Spötter gemeint sein: Ich lebe und er ist tot.^^) Im Geleite bedauert er, dem Rate eines gewissen Fol- quet^2) nicht eher gefolgt zu sein; dann brauchte er jetzt den Tod nicht zu fürchten. Während es nach diesem Liede scheint, als hätte ihn nur die Sorge um sein ewiges Heil fromm gemacht, verrät sein Marienlied, ^3) dass Enttäuschung und Erbitterung an seiner Welt- flucht einen guten Anteil hatten. Hier heisst es: „Verdruss empfinde ich an diesem Leben; denn so trübselig ist es — nicht Hof, nicht Dame noch Herren finde ich, denen nicht Kummer und Schmerz an- haftete" (Str. 2). Darum bittet er um einen Sitz an Gottes Hofe. Wie hier den Gegensatz zwischen den beiden Höfen, so führt er in Str. 3 den Vergleich zwischen irdischer Minne und der Liebe zur Jungfrau noch breiter aus. Der Grundton dieses Gedichtes ist also die Klage über den Verfall höfischer Zucht und Sitte, die Folge des blutigen Religions- ^) Dessen Lied auf Gott und die Jungfrau (bei Wackemagel, Deutsches Lesebuch Sp. 432 ff.) lädt noch in anderer Weise zur Ver- gleichung ein. Sp. 434 wird in einer Strophe der Stamm trat und Ab- leitungen 8 Mal, in Sp. 438 das Wort j,minne'* in einer Strophe gar 12 Mal verwendet. Diese von den Leys d'amors (III, 56) replicatiö mültiplicada genannte Spielerei treibt Daude noch weiter: In zwölfzeiligen Strophen werden je ein bis zwei Wortstämme in ihren verschiedenen Ableitungen 6 bis 16 Mal wiederholt. Den Wörtern des deutschen Dichters entsprechen hier amor und amar in Strophe 1 und 2. Auch die anderen Stämme sind sinnvoll gewählt, und trotz des Elippklappmässigen, das die Strophe so erhält, verbannt doch das Prickelnde dieses Kunststücks die Langeweile, die Begleiterin manches geistlichen Ergusses. **) Grundriss 9, 19. Da Aimeric 1240/1, als er den Tod des Grafen von Roussillon betrauerte, der Welt bereits entsagt hatte, nach den Worten : Uey non es joys que no tom en dolor , Mas sol del ric joy de nostre senhor — (Grundriss 9, 1) zu urteilen, so wird das Busslied um dieses Jahr, eher etwas früher, entstanden sein. •2) lieber diese Person lässt sich natürlich nur vermuten. Am ehesten ist auf Folquet von Romans zu raten. Noch weniger ist der yfrair&^ zu identifizieren, den er in Str. 2 als Genossen froher Stunden an- redet. Ist es der geistliche Titel, so sehen wir hier zwei lustige Sänger auf einmal bussfertig den Weg ins Erlöster antreten. ®^) Grundriss 9, 9, ed. Bev, d, lg, rom. 32, p. 571. 182 Viäor Lowinsky, krieges. Das bringt ihn zur Einkehr in sich selbst; das Leben dranssen lohnt nun nicht mehr; denn es wird Winter in den einst lachenden Gefilden provenzalischer Sangeskunst. So lehrt er, wie alle zuletzt besprochenen Dichter, uns die bemerkenswerte Thatsache: das Emporkommen des geistlichen Liedes ist eine Begleiterscheinung des litterarischen Verfalles.^) Hiermit ist die Zahl derer erschöpft, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Südfrankreich fromme Lieder gedichtet haben. Es ist noch von zwei Dichtern zu reden, die durch falsche Attribution der Handschriften unter die geistlichen gekommen sind: von Guillem von Saint Leidier undArnaut dem Katalanen. Paul Meyer hat aus inneren Gründen jenem das Lied 234, 2 abgesprochen.^^) Dem ist um so eher zuzustimmen, als von 2 Liedern, die ihm dieselbe Handschrift (C bei Bartsch) allein zuweist, eines (254, 10) sicher, ^^) das andere (234, 8) wahrscheinlich ihm nicht ge- hört.^') Das Gedicht behandelt die Wunder der Menschwerdung, der Menschenschöpfung und des Abendmahls in sehr unbeholfenem Stile und mit erschreckender Nüchternheit. Stoff wie Behandlung tragen deutlich den Stempel einer späteren Zeit, wo man auch in der Lyrik zu dogmatisieren anfing. Der bilderfrohe, zierliche, Guillem muss von diesem trockenen Schulstück freigesprochen wer- den. Aus denselben Gründen darf auch an seinen Enkel Gauceran nicht gedacht werden, dessen einzig sicheres Lied {Grundnss 168, 1) schon D* (vom Jahre 1254) aufbewahrt hat.^®) Das Gebet „Dieus verais, a vos mi ren'^ wird von den Hand- schriften drei Dichtern zugewiesen. Peire von Alvernhe kam dazu, von der Quelle der Notiz im Register von C als Autor be- zeichnet zu werden, durch Verwechselung mit seinem Liede ^^Diem, Vera vida verais*^ (Grundriss 323 16.). C und M irren beide in Attri- butionen an Arnaut Catalan.^^) Bartsch teilt das Gedicht nach C dem Joglar Geneys zu, der sonst nicht bekannt ist, wohl eben deshalb. Die 4 Arnaut sicher gehörenden Stücke^®®) lassen vermuten, •*) Für die nordfranzösische Schwesterlitteratur darf man aus Gründen, die wir unten näher kennen lernen werden, nicht das Gleiche behaupten. •*) Les demiers Troubadours de Provencey p. 26. •«) L. u. W, S. 267., wo es Gauceran von St. Leidier, seinem Enkel zugesprochen ist. •') Les dem. troub, p. 26. P. Meyer möchte es Peire Duran zuweisen. w) 8. u. ••) C mit R gegen A Da J K: Peire Bremen 4; M gegen ABCFIKd: Cadenet 10, auch ein Gebet, das Milä, ebenso wie das obige dem Arnaut zuweist. ^^^) Grundriss 27, 1, Tenzone mit Ä, von Belenuif ist nicht erhalten, und 27, 5 ist ein Teil von 27, 2. Zum geistlichen Kunsiliede in der aUprovenzalischen Litteratur, 183 dass er in Reimkünsteleien seine Stärke suchte; wogegen das Gebet durch Schlichtheit in Bau und Inhalt gekennzeichnet ist. Es wird darum bei Bartschs Attribution bleiben können. Wenngleich das Lied nicht Arnaut Catalan^®*) gehört, so weist es doch entschieden noch in die erste Hälfte, etwa die vierziger Jahre des Jahrhunderts. Die Verbindung des lyrischen Elements, der Bitte um Sündenvergebung, mit dem epischen: dem Hinweis auf die Heilsgeschichte, in der sinnvollen Weise der älteren lateinischen Hymnik geht den Späteren gänzlich ab ; da überwiegt bald das eine, bald das andere. Der Schluss zeigt aber, dass wir es mit keinem Geistlichen zu thun haben, etwa mit einem Sänger, der seinen Lebens- abend büssend im Kloster zubringt. Hier heisst es: „Herr! Gieb mir von den irdischen Gütern wenigstens soviel, dass ich nicht zu bedürftig sei, denn das reichte für mich aus . ." Der ruhigere Ton, das Zurücktreten der zerknirschten Selbstanklage, der asketischen Weltverwerfung, all das weist auf eine Zeit, wo das Leben des Dichters notgedrungen weniger unstät, weniger zügellos und leiden* schaftlich wurde. Das findet gegen die Mitte des Jahrhunderts statt, und macht sich in den geistlichen Liedern der Folgezeit immer mehr bemerkbar, bis aus den Erzeugnissen der Toulousaner das Auto- biographische so gut wie ganz verschwunden ist.^®*) Ehe wir das Schicksal des geistlichen Liedes in Südfrankreich weiter verfolgen, haben wir uns nach Italien zu wenden, wo einige Dichter noch, als die franziskanische Dichtung bereits die Schwingen regte, ^®^) ihre andächtigen Stimmungen in provenzalische Verse brachten. Sie gehören der zweiten Generation in fremder Zunge dichtender Italiener an, während von der älteren, durch die Namen Malaspina, Buvallello und Sordel hauptsächlich bezeichneten, nichts Geistliches auf uns gekommen ist. Das «begreift sich leicht, wenn man bedenkt, welcher Art die Wirkung der provenzalischen Lyrik auf das Ausland gewesen ist. Lanfranc Cigala, der Genuese, ^^) ist der einzige, der in den Biographieen als geistlicher Dichter besonders genannt wird.^®^) Die religiösen Gesänge gehören seiner späteren Lebenszeit an,^^^) »Ol) Mild p. 346: Zeit Jakobs I von Aragon (1313—1276). Er preist Beatrix, Frau Raimund Berengars V von Provence. 102) S. über das Lied unten. 105) Ueber die umbrischen Dichter dieser Zeit handelt Bartoli, I due primi secoU p. 162—169. Von Kunstdichtern ist hauptsächlich der um 1250 dichtende GuittonevonArezzo zu nennen, der auch dem heiligen Franziskus ein Sonett weihte (Bartoli p. 161). 10*) Von Schultz, Z. f, r. Ph. VH, 216 ff. zw. 1241 und 1246 nach- gewiesen, 105) In Handschrift I heisst es: . . trobava volentiera de dteu, 10«) Das meint schon Millot, Eist litt, des Troub, II, 157. 184 Victor Lowinsky. das geht aus ihnen selbst hervor. In Lied 18, einem Bussgebete, erklärt er (Str. 1), ohne Freude sei kein rechtes Singen, ähnlich, wie er nach dem Tode seiner Berlenda gesagt hat: Die Liebe hat mich nicht mehr in ihrer Gewalt, und nichts anderes, dünkt mich, kann mich zum Gesänge antreiben {Grundriss 282, 9). In Lied 10 jedoch bereut er bereits seine „coblas d*amor savaia'^, und hat in der Liebe zur „ruhmreichen, heiligen Maria" einen neuen Gegenstand des Preises gefunden. Ebenso beginnt Lied 2: ,,Tm Singen von dieser falschen Welt habe ich so viele vergebliche Mühe verschwendet, dass ich tötliche Qualen darob befürchte . . ; doch nun wendet sich mein Sang, und ich will ihn dort darbringen, wo- her mir vollkommene Hilfe kommen kann, wenn mir nur die Gottesmutter nicht zürnt, die mein Gesang begrüsst" (Str. 1). Da- nach stellt sich seine Dichterlaufbahn so dar: Nach glücklichem (Grundriss 282, 19 Str. 1) Liebesleben {Grundriss 282, 3. 4. 5. 12. 19) verliert er seine Dame durch den Tod, beklagt sie in schwülstiger Extase (282, 7), versucht es dann eine Zeitlang mit anderen Gegen- ständen (besonders 282, 9)^"'), thut Busse, zuerst vor Gott (282, 18), dann vor seiner heiligen Mutter (282, 17) und ersieht sie endlich zu seiner Herzensdame (282, 2 und 10). Obgleich das aber, zumal in Lied 10, in aller Form geschieht, behalten doch Beichte und Gebet immer die Oberhand. Am meisten noch nähert sich dieses Gedicht dem, was man Marienminnesang nennen kann. Die ganze erste Strophe ist dem Gegensatz zwischen den zwei Lieben gewidmet, und in der zweiten spricht er die schöne Bitte aus: „Vom Stachel der Welt verletzt komme ich Heilung suchend zu dir: Lass mich, mein Herz und meinen Sinn aufgehen in Liebe zu dir, süsse Königin." Durch die starke Richtung auf das Antithetische stellt sich dieses mit Lied 2 zusammen. Setzt er in ersterem in zwei 14-zeiligen Strophen die göttliche Gerechtigkeit, der göttlichen Gnade Vers um Vers entgegen, so wird im zweiten 3 Strophen liindurch Zug um Zug Eva, die erste Sünderin, mit Maria, der Sündenablöserin, verglichen; der Vergleich gipfelt in dem Wortspiel: Eva — Äve,^^^) Durch Pracht der Form, Klarheit der Anordnung und Wärme des Tones gehört dieses zweite Lied zum Besten seiner Art. Lied 17 und 18 stellen sich darin zusammen, dass sie etwas wie eine Beichte enthalten. In diesem ist es mehr eine General- 10') Nur dieses Gedicht an die Freude ist mit Sicherheit in diese Epoche zu setzen, weil in ihm von dem Tode der Geliebten gesprochen wird (Str. 1). ^^^) Strophe 3 — 5; diese altkirchliche Gegenüberstellung ist auch der Gegenstand des viel älteren Liedes: 0 Maria deu maire (Bartsch CÄr.* 19). Vgl. Mone 363: . . ex Eoa formans Ave^ Eoae, verso nomine Zum geistlichen KunsÜiede in der äHprovenmlischen Liäeratur, 185 beichte. Dort aber geht er ins Einzelne ; er zeiht sich des Betruges, der Hinterlist, der Lüge, übler Nachrede und des Ehebruchs. Wir haben keinen Anlass, gegen ihn die Entlastungszeugen zu machen. Er selbst bekennt sich {Grundr. 282, 8) zu einer recht skrupellosen, der einst von Marcabru bekannten niclit unähnlichen Lebensan- schauung, und als Engel ging ein italienischer Staatsmann seiner Zeit nicht durchs Leben. Die erhaltenen sind gewiss nicht Lanfrancs einzige geistliche Lieder. Sein Biograph wusste wohl noch von anderen, wenn er schrieb: . . . aqui son escriptas de las soas chansos. Seines Zeitgenossen Bartolome Zorzi^^^) beide geistliche Stücke sind von Levy in der Ausgabe seiner Gedichte (S. 22) ausführlich besprochen worden. Dass sie seinen reifen Jahren an- gehören, geht aus Lied 6 hervor. Hier dankt er im Eingang Christus für die Gnade, die ihm geworden, dass ihm jetzt, da der Tod ihn am Zügel halte, das Leben in der Welt eine Last scheine : derselbe Beweggrund, den Peire von Auvergne mit den Worten ausgesprochen hatte: „Gut ist's, so lange es noch Zeit ist, wenn man sich beeilt zu thun, was Einem am dienlichsten ist.*'^^^) Wie Lanfranc legt er ein eingehendes Sündenbekenntnis ab,^^^) „um eher Gnade zu finden". In dem zweiten Gebete ^^^) spricht sich die ge- wonnene innere Ruhe, der Friede in Gott, bereits deutlich aus. Er preist das Glück des gottseUgen Herzens, rät, bei Zeiten die Seele zu retten und geht erst in Str. 5 zur Bitte über, um Bewahrung vor der sündigen Lust. In beiden Liedern wendet er sich zum Schlüsse um Fürsprache an die hl. Jungfrau. Zorzi sucht seine Grösse in Reimkünsteleien, die er selbst für seinen höchsten Ruhmestitel hält {Grundriss 74, 13). Hierauf verzichtet er in Lied 6 völlig. Im 3. Gedichte hat er noch -ecs und -erna, dagegen ist Sinn und Ausdruck klar und leichtverständ- lich. Das dunkle Dichten war ja auch im geistlichen Liede nicht am Platze. Hatte doch selbst Gavauda in seinem Mahnliede, von 10») L. u, W, 398: 1250—1270. Die beiden Gedichte fallen in spätere Zeit, da er 1270 noch nicht einmal in Freiheit ist. 110) Grundriss 323, 18, Str. 1. 1") Grundriss 74, 6 (Levy No. 5) Str. 3-5. Zu Str. 1—2 eine Bemerkung. Vers 8 ff. lauten : Per qtCieu Gazisc merceian La volontat el talan queper sos plazers me guida, E prec lo {lui?\ que nom oblida. D^aitan que noi truep mercej Anz qu^aia venianza Del mal qu'eu ai faig ancse. Rohleder {Zu Zorzis Gedichten, Diss. Halle, 1885) sieht in guida und ohlida ohne Not nordital. Conjunctive. Ich übersetze : Ich heisse dankend den Wunsch und Willen willkommen, der mich nach seinen Absichten leitet; und bitte ihn der mich nicht vergisst, (Str. 2) darum, dass ich keine Gnade finde, ehe ich das Böse, das ich je gethan, gesühnt habe. Vgl. übrigens Levys Anm. zu der Stelle. "*) Grundriss 74, 3 (Levy No. 1). 186 Victor lAnoinsky. zwei seltenen Reimen abgesehen, darauf verzichtet. Peire von Auvergne, der stark von der Manier angesteckt ist, benutzt zwar auch in einem Gebete (323, 16) Keime wie -anc und -ops; da aber die Strophen j,singulars^^ sind, so entfernt er sich von dem Geiste der Richtung, der darin bestand, solche Reime durch ein Gedicht durchzuführen. Als ein häusliches Andachtsbuch geben sich die Gedichte, die ein Norditaliener in der Müsse des Kerkers um 1254 (v. 2926 — 7) in sehr mittelmässigem Provenzalisch verfasst hat. ^'^) Ausser einer einleitenden Predigt von 844 Versen in Reimpaaren und einem strophischen Gedichte lehrhaften Charakters (V. 2056 — 2109) finden sich Gebete an Gott, Maria, die Heiligen, Hymnen, eine aus- führliche und mehrere abgekürzte Litaneien, teils in strophischer Form, teils in Reimpaaren. Eine kurze Lobpreisung des heiligen Kreuzes stellt sich mit Peire Cardinais besprochenem Liede und der langen „Contemplado de la croU^^ in Alexandrinern, in einer Hs. der Lei/s d^amors^^^) zu dem zusammen, was dieser Gottesdienst in der altprovenzalischen Litteratur erzeugt hat. Obgleich der Dichter nun in seiner Verskunst durchaus auf provenzalischem Boden steht, so kann bei der sprachlichen Verfassung des Denkmals seine Zugehörigkeit zur provenz. Litteratur zweifelhaft sein. Was den Verfasser bewogen hat, die fremde Sprache zu wählen,^^^) waren vielleicht noch engere als nur litterarische Beziehungen zu Südfrankreich. Deutet vielleicht seine besondere Verehrung für die heilige Margareta darauf hin?^^^) Sie nennt er nicht nur stets mit anderen Heiligen, sie beehrt er allein von allen heiligen Frauen nächst der Himmelskönigin mit einigen Versen in einem Gebete (V. 1379 — 1490), ihr widmet er ausser einem Gedichte in Reim- paaren (2727 — 2764) noch ein Lied in besonders prächtiger Form (1607—1678). Wie in den Strophenformen, so zeigt sich der Verfasser auch im Stile bis zu einem gewissen Grade mit der südfranzösischen Dichtung vertraut. Er nennt die Jungfrau dompna de grant valors er preist die Glückseligkeit des Mariendieners in ritterlichen Aus- drücken, so heisst er der liäls amans der Gottesmutter (V. 2617 — 2664). (V. 1023), domna pregada (V. 1569), genser de las gensers (1854), "') Ausgabe von Levy in der Bev. d. lg. rom. 32, 173 ö; vgl. Stimming in QrÖbers Grundriss II, 2, 35. "*) Hist. gin. du Lang. X, 179. »»») Levy giebt a. a. O. S. 19ö seiner Verwunderung über diese Thatsache Ausdruck, unter Hinweis auf Bon ve sin da Riva und Ugugon da Laodho. Die Vergleichung ist nicht recht statthaft. Beider Bücher sind fast dui'chweg didaktisch im Inhalt, nichtstrophisch in der Form. Unser Dichter hingegen fühlt sich, nach V. 2919 ff., als Trobador. "«} Vgl. Stadler, Heiligen-Lexikon IV, 134. Zum geistlichen Eunstliede in der äUpravenzälischen LUteratur, 187 amiga del sans de den (1522), domna d^onrag graig agradiu (1869j. Die Stellung der Menschen zu Gott begreift er als ein feudales Dienstverhältnis. Vorwiegend jedoch bedient er sich der von der lateinischen Hymnik ausgebildeten Rhetorik. Er dichtet ein Salve auf Christus (V. 2166—2213), auf Maria (2214—2283), eine Art Kom- bination von Salve und Ave (1839 — 1901); Maria wird meist in ihrer Mutterschaft gepriesen, bisweilen in der sehr menschlichen Art lateinischer Lieder (vgl. z. B. V. 2227 ff.). Sein Versuch, die in der lateinischen Hymnik so beliebte sapphische Strophe der Vulgär- sprache anzupassen (in dem Marienlobe V. 1551 — 1606) schliesst die Reihe der Zeugnisse dafür, dass der Dichter von der Kirchen- dichtung her an seine geistlichen Versuche herangetreten ist. Gleichfalls einem italienischen Verfasser gehört, so viel ich sehe, das lange Marienlied y^Flors de Paradis^ ^^') aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts an. Jeanroy, der einen zweiten Text des Liedes bekannt gegeben hat,^^®j macht an Erscheinungen der Flexion und Behandlung der beiden e im Reime ^^^) Rajnas Vermutung un- wahrscheinlich, das Marienlied sei Guillem Figueiras Vorbild zu seinem Sirventes gegen Rom.^^®) Er erkannte auch im Gaucelm Faidits ,,Äb cossirier planh^^ {Grundriss 167, 2) Figueiras Muster für seine Strophe. Demnach war dieser das unmittelbare Vorbild für ,,Flors de Paradis^^ in Strophenzahl und -Verknüpfung {coblas capcaudadas). Nach den angegebenen Verstössen ist Nord-^^^) und Südfrank- reich, wie Catalonien^22^ von der Frage nach dem Verfasser ausge- schlossen. Dagegen geschieht es selbst dem sorgfältigen Lanfranc einmal, en ver und eniifr zu binden (282, 20), und wenn wir die lange Liste französischer Wörter ansehen, die dem Verfasser der Wolfenbüttler Gedichte untergelaufen sind,^^^) so kann uns ein ^^novaV bei einem Italiener nicht wundern. Seinen Stand verrät uns der Verfasser in Str. 21 (V. 228 ff.): „Du kannst helfen, Jungfrau, — heisst es da — wo kein Rechts- "') Bartsch, Denkmäler der prov. Litt.j Stuttgart, 1856, S. 63. "8) Bev, lg. rom. XXXVH. S. 245 ff. "•) Dazu kommen: Nom. pl. cof essatz (V. 28); die Reime ftas; abras: Sathanas: sobiras: pas (panis): capellas: mas (V. 194 ff.j ; das französiscüe noel (V. 236). ^20) Giorn, di ß. rom. I, 84 ff., H, 73. ***) Hier wird e und e ebenso sorgfältig geschieden wie im Süden; die Flexion erhält sicli noch länger rein. "*) Die beiden a scheidet auch das Katalanische, noel ist ihm gleich- falls fremd. "») S. Levy, a. a. 0. S. 186—188. — Doch teilt mir Herr Prof. Suchier mit, dass er nach Herstellung eines kritischen Textes Rajnas Ver- mutung aufrecht halte. 188 Victor Lowinsky. gelehrter noch ein Kirchenrechtskundiger nützen kann; kein Stu- dierter und kein Sophist kann da die Wahrheit verschleiern; nicht Turm hilft noch Feste, nicht Verteidigungsschrift noch Berufung, wenn der harte, trübe Tod mit seinem Schlüssel anklopft." Wir werden kaum fehlgehen, wenn wir den Dichter zu den Juristen zählen, die in der jungen Litteratur Italiens, in provenzalischer wie in einheimischer Sprache, eine so bedeutende Rolle spielten. Auf hohes Alter scheinen V. 173 — 178 zu deuten: „Mutter und Jung- frau! befreie mich elenden Gefangenen, der ich am Rande des schlimmen Todes stehe." Was auf den ersten Blick die südfranzösische Dichtung nach 1250 kennzeichnet, ist das Zurücktreten des Minneliedes gegen den stark gepflegten politischen und moralischen Sirventes. ^^*) Hand in Hand damit geht die Ausbreitung der Didaktik. Wenn auch poli- tische und wirtschaftliche Umwälzungen den Löwenanteil tragen, so half doch noch Anderes dazu, der späteren Dichtung ein ernstes Gesicht zu geben, religiöse Strömungen, auf die kurz hinzuweisen ist, weil man von ihnen auch für das geistliche Lied neue Anregungen erwarten darf. Bertran von Alamanon belehrt uns in einer beweglichen Klage, in der er sogar an Gottes Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit rührt, "^) dass seine Geliebte Beguine geworden ist, vielleicht Genossin der heiligen Dousselina, deren provenzalische Lebensbeschreibung einen tiefen Blick in die naive Grausamkeit und Gläubigkeit der Zeit gestattet. Älter, aber stark beeinflusst vom Minoritentum, das durch Verquickung mit der joachimitischen Prophe- zeiung vom Evangelium des heiligen Geistes dem Franziskanertum ein verändertes Aussehen gegeben hatte, war die Beguinenbewegung in Südfrankreich um diese Zeit am weitesten verbreitet.*^*) Wo aber sonst in der Dichtung ihrer Erwähnung gethan wird, in einem Sirventes Peire Cardin als und in einer Pastorela Johan Esteves, also um 1230^^') und 1288,^^8^ spricht sich eine recht ungünstige Meinung über die heiligen Frauen — denn diese waren ihr am meisten zugethan — aus. Jener spielt schon auf unsittliche Vorgänge an, die man der Bewegung zur Last "*) Von den 44 Dichtern, die bei Gröber, Bom. Stud. II, 576, und P. Meyer, Dem. Troub. p. 6 diesem Zeitraum zugewiesen werden, sind nur etwa 10 in den Handschriften mit einigen Minneliedern vertreten. "5) Grundriss 76, 13, s. Bev. lg. rom. 32, 567. "•) S. Gebharts schönes Buch: L'Italie mystique, bes. S. 204 ff., 246 ff. **^) Eher später, da die Institution erst nach des heiligen Franzis- kus 1228 erfolgtem Tode neue Bahnen ging und doch erst einige Zeit gebrauchte, um in der vom Dichter angedeuteten Weise auszuarten; Grundriss 335, 1 Str. 7 {MG. 1233, im Grundriss nicht angegeben). "®) Datierung der Handschrift; s. Azais, Troub, de Beziers^ 101. Zum geistlichen Kunstliede in der aUprovenzalischen Litteratur, 189 legte. Bei Esteve wehrt sich die fromme Hirtin „bei dem Könige, den sie anbetet" gegen die Unterschiebung, den Beguinen anzugehören. Bald darauf, in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts, er- lagen sie gemeinsam mit den joachimi tischen Minoriten der von Rom unterstützten Pariser Universität, und zwei dunkle Gedichte Rai- mons von Cornet,^^^) aus denen tiefer Groll gegen den Papst spricht, den Antichristen, bilden ihre ganze poetische Hinterlassen- schaft. Es ist nichts erhalten, was der Süden den nordfranzösischen Dichtungen der Beguine und ihrer mystischen Glut an die Seite stellen könnte.^^^) Eine Gründung, die unmittelbar den Weissagungen des Kala- bresen Joachim von Fiore^^^) über die nahe bevorstehende Erfüllung der Offenbarung und das Evangelium des heiligen Geistes iliren Ur- sprung verdankte, waren die Brüderschaften vom heiligen Geiste. Dadurch, dass sie jene gefährlichen Gedanken in Laienkreise trugen und so milderten und verflachten, erlangten sie die Duldung und Förderung der Kirche. Ein Seitenstück zu den italienischen Lau- desen, begingen auch sie ihre gemeinsame Andacht, wie es scheint, oft in poetischer Form. In den Papieren einer solchen Brüderschaft ist uns ein Gedicht von 42 Strophen erhalten, das aber, als ver- sifizierte Predigt, nur erwähnt werden mag.^^^) Weitere Kreise schlug die Gründung des Franziskanerordens. Diese Verjüngung des Christentums, die über dem unbeugsamen Gesetz von Lohn und Strafe die göttliche Liebe neu offenbarte und alle Stände gleichmässig zur Gottesfeier lud, musste auch die Vulgärdichtung in höchstem Masse befruchten. So hat sie in Italien zum ersten Male wieder eine eigene Litteratur geschaffen : aus dem lebendigen Erfassen der Heilsgeschichte ein neues Drama, aus dem fast pantheistischen Ansichdrücken des Göttlichen eine neue "•) Noulet et Chabaneau, I>eux mantiscrits provengaux du XlVe siede, Montpellier-Paris 1888, No. 25 u. 26. ^^^)S. Z. f. r. Ph. Xin, 35. Es mag gleich bemerkt werden, dass Geist- liches von Frauen in provenz. Litteratur vergebens gesucht wird (Vgl. 0. Schultz, Die provenz. Bichtennnen^ Leipzig 1888, S. 6). Wir müssen schon bis 1496 herunter gehen, um in der Dame von Villanova die erste geistliche Dichterin zu begrüssen. — Ein altes von P. Meyer, Born. I, 408, bekannt gegebenes Mariengebet in Reimpaaren ist nur ganz leicht für die Andacht einer Frau überarbeitet. So ist V. 19 wohl servidor in serveiris gewandelt, aber das ursprüngliche Reimwort lauszor ist stehen geblieben. 131) Um 1200, s. Gebhart Kap. 2. *'^) A. Thomas, der es Born. VIH, 211 herausgegeben hat, setzt es zwischen das 12. und 13. Jahrhundert. Da aber die Gesellschaften vom hei- ligen Geist erst im 13. Jahrhundert als Folge der geschilderten religiösen Erregung entstanden, so sagen wir besser 13. Jahrhundert (s. auch Holtz- mann und Koppels Theolog. Handwörterb. unter „Kalandsbrüder*). Auch das bedeutende üeberwiegen der weiblichen Reime weist auf spätere Zeit (Reimschema: a' a' a' b a' b; nur Str. 38 hat a männlich). 190 Victor Lowinsky. Lyrik. Die ältere Schwester gab ihre ausgebildeten Formen her, erhielt aber nichts als Gegengabe. Ein Minorit**') besang die Jungfrau mit matter Stimme nach alter Weise. Zwischen zwei Gebetstrophen ist eine Strophe eingescbaltet, in der er sagt, dass er eigentlich nichts zu sagen habe, nämlich zum Lobe der Jungfrau, das er sich zur Aufgabe gemacht hat. Ein Franziskaner aus Apt, der in 68 achtzeiligen Strophen die Litaneien paraphrasierte, gehört erst dem folgenden Jahrhundert an.*") In Matfre Ermengauts AbendmahlsalJegorie"*) weht trotz der wenig geschmackvollen Metaphern ein leiser Hauch mystischen Geistes. Fromme Lieder aber sind uns von ihm nicht aufbewahrt. Und doch scheint es, als habe gerade in B^ziers, das, viel- leicht eben durch Ermengauts Persönlichkeit, um diese Zeit ein kleines litterarisches Centrum wurde, das religiöse Lied einige Pflege gefunden. Von fünf Dichtern, die dieser Stadt selbst ange- hören,*'®) haben drei auch fromme Gedichte verfasst: Raimon Gaucelm,*'^) ein etwas anmassender Moralist (vgl. besonders 401, 3 und 9), hat kein Minnelied, wohl aber u. a. zwei Gebete verfasst. In dem einen {Grundriss 401, 2), Bitte und Mahnung zugleich, kommt er über die Gemeinplätze von Sünde und Vergebung, von der ünentrinnbarkeit des Todes nicht hinaus. Die Tornada *") Der „Fraire Menre'* der Handschriften CR {Grundriss 159, 1). Seine Identität mit dem Mönche von Foissan („Froissar'* schreibt Raynouard, Choix IV, 469), von Raynouard a. a. 0. und von Azais {Trouh. de Beziers * p. 86) angenommen, wird von Chabaneau (Hist, gin. du Lang. X, 349) mit Recht bezweifelt, da dieselbe Handschrift beide trenne. Der Mönch von Foissan (den A. Thomas, Born. IX, 51 mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit mit Jaufre de Foixa identi- fiziert) zeigt sich in seinen 3 Liedern als Meister des Minnestils und guten Kenner der Klassiker (besonders 304, 1). Er hätte zum Lobe Maria ganz andere Töne gefunden. Unser Lied gehört noch in das 13. Jahrhundert. Die richtige Flexion ist in Raynouard s Text leicht herzu- stellen. Auch sind Nachbildungen alter Lieder in Form und Reim, wie dieses eine ist (s. S. 168) nach 1300 nicht mehr nachzuweisen. Ich gebe einige Aenderungsvorschläge. la. voluntatz. b. fass\ c. los, f. tals. g. oder h. fehlt, es stand etwa plena de cortesia? i. Jhesu. r. obratz. IL i. fos ajustatz. o. Bona^ lo he qu'es datz, t. und u. Per vos es re- stauratz j dona^ cel qu''es salvatz. III. q. merces. JW) Der Herausgeber Lieutaud, Eev. lg. rom, 29, 221, begrenzt die Abfassungszeit zwischen 1317 und 1369. "*) Bartsch Denkm. 81 — 85. Die Weihnachtsepistel an seine Schwester fällt nach 1289, wo er noch nicht Minor it war. ^^•) Nach Azais, Les Troubadours de Beziers ^ 2. **^) Die Zeit seines Dichtens wird durch die Daten der Handschrift zwischen 1261 und 1271 gelegt (Grundriss 401, 7 und 401, 2; Azais p. 3 und 12). Gestorben ist er nach der Hist. litt. 19, im Jahre 1281. Er ist danach der älteste von Allen. Zum geistlichen Kunstliede in der altprovenzalischen Litter atur, 191 fordert zum Vertrauen auf die rettende Macht der Jungfrau mV) Etwas mehr Situation, Persönlichkeit zeigt das zweite Gedicht (401, 5). Der Dichter nimmt eine Krankheit als gottgesandte Mahnung zur Selbstbesinnung und zum Gebet. Er knüpft hieran den Tadel der Gottesverächter unter Hinweis auf die ewigen Strafen. Joan Esteve*'*) hat auch Erotisches hinterlassen: ausser zwei Liebesliedern {Grundriss 267, 2 und 11) noch 3 Pastorellen, in deren einer {Grundriss 267, 9) der begehrliche Dichter von einer Kuh- hjrtin mit einer Predigt ergötzlich abgespeist wird. Keines dieser Lieder ist nach 1284 datiert; so hat ihn vielleicht ein öffentliches Unglück am Himmelfahrtstage dieses Jahres, das er in beweglichen Worten, nur in etwas zu künstlichen Reimen besingt, "°) ernst ge- stimmt. Noch muss er seinem vornehmsten Gönner, Guilhelm von Lodeva, die Totenklage singen {Grundriss 267, 10; nach Azais 77 nach 1286); und so mag das Bussgebet in die letzte Zeit seines Dichtens und Lebens fallen. Der Inhalt ist nicht verdienstlich. Nach kurzem Glaubeusbekenntnis bittet er um Sündenvergebung, einen milden Spruch am Tage des Zornes, und wiederholt dieselben Gedanken bis zum Schlüsse. Schwierigkeiten der Interpretation entstehen durch das komplizierte Metrum. Seiner sich mehrfach offenbarenden Vorliebe für Mischung der Metra lässt Joan hier die Zügel schiessen: Verse von 1 — 7 Silben wechseln in Strophen von 42 Zeilen; selbst die greulichen motz trenccdz werden zu Hilfe geholt."^) Auch der dritte, der hier zu nennen ist, Bernart von Auriac,"*) huldigte in jungen Jahren der weltlichen Liebe; ein Lied schlägt einen sehr lockeren Ton an. Zugleich ist er aber auch ein Zeuge dafür, wie die Dichtung immer nüchterner und haus- backener wurde. Er beschliesst nämlich ein Lob seines Kunst- genossen Guilhem Fahre von Narbonne"') mit den Worten: „Zu Gott und der hl. Maria bete ich, wenn sie einem Sünder so weit Gehör leihen wollen, sie mögen Herrn Wilhelm bald ein Kind '*®) 4e: . . nous pessetz, Bieus y honre paratge übersetzt Azais S. 13: ne vom contera pas Dieu une honoree noblesse; vielmehr: glaubt nicht, dass Gott da (beim jüDgsten Gericht) Adel ehre. — Einige Flexions- fehler (2 f, 4 f, 5 d) sind leicht zu ändern 3 hl. statt vencson (das nicht belegt ist) vengon (als Konj. Praes.). 5a. hat Mahn Qed. 190 (C) richtig deuram (Condit. I, s. Appel Chrest XXXVIH). ^") Er dichtet zwischen 1270 und 1286 (Az. S. 69 und S. 74, 77). '*<>) Grundriss 266, 4; vollständig Bev. lg. rom. 32, 100. ***) Einige Missverständnisse bei Azais (110—115) rechtfertigen vielleicht einen neuen üebersetzungsversuch ; s. Anhang. "«) Um 1283, s. Azais S. 44. ***) Grundriss 57, 2. Ich übergehe seine Wortspiele au! den Namen FabrCy die er geschmacklos genug ist, selbst zu erläutern. 192 Viäor Lowinsky. schenken, bei dem ich, beliebt es ihm, zu Gevatter stehen möchte." Man denke sich etwa Peire Vidal, der Blacatz Kindersegen wünscht! Sein Marienlob, — die Parodie einer Liebeskanzone Richards von Barbezieux — hält sich auch im höfischen Minneton: Die „süsse Herrin des Paradieses* will er zu seiner Dame machen, weil, ihr zu dienen, Wonne und Ehre bringt. Die falsche, die Liebe zur Welt, bringt üblen Lohn. An Gott gewendet (in Str. 5) dankt er ihm, dass er in die Jungfrau herabgekommen und durch seinen Tod unseren Tod getötet hat {Grundriss 57, 1)."*) In der Schule von Beziers Nachbarstadt Narbonne, deren Fördening sich insbesondere die Grafen von Rodez angelegen sein Hessen, ragt Guiraut Riquier hervor. Diez (X. u. W, ^ 409) betont seine „Neigung zum lehrreichen, womöglich gelehrten Vor- trage", die sich besonders seit 1273 geltend macht, woher auch seine ersten Briefe datieren. Es ist die Zeit, wo in Marseille B er trän Carbonel und in Arles Guiraut del Olivier ihre Weisheit in Sprüche bringen. Hand in Hand mit seinem weltlichen Dichten, seinen Liebesliedern an Belh-Deport, geht sein geistlicher Gesang, schon 1263 beginnend."*^) Guiraut hatte — das kennzeichnet den Epigonen — keine Ursache, nach durchstürmtem Leben Busse zu thun. Er huldigt einer durchaus platonischen Leidenschaft, und er- scheint in seinen bürgerlichen Verhältnissen als besonnener, ja übergenauer Wirtschafter, wenn wir Guilhem von Mur glauben dürfen {Grundriss 248, 36). Er lässt in der That in den Wid- mungen an seine Gönner manchmal in unschmackhafter Weise durchblicken, dass sein Lob Bezahlung erheische. Bis 1284 ist nur vereinzelt Geistliches zu verzeichnen, ausser einer Marienkanzone und einer Mariendansa drei als Vers be- zeichnete Gedichte voll Buss- und Reuegedanken, an Gott und die heilige Jungfrau. **•) Nun aber tritt die Religion in den Vorder- grund seines Schaffens: bis 1290 dichtet er alljährlich ein oder zwei geistliche Sachen. Nichts von weltlicher Liebe mehr, getreu dem 1282 gegebenen Worte. Auch in den weltlich-moralischen Stücken tritt das religiöse Element stark hervor, nicht nur in der Gesinnung, auch in längeren oder kürzeren Schlussgebeten.**') Nicht weniger als 14 geistliche Lieder sind erhalten: In 7 ***) Aehnlich schon „0 Maria deu maire*^ Str. 13: Vida qui mort aucis) lateinisch schon früher: . . morte mortem destruens Sexta subegit sabbati (Mona 85). "*) Angenommen er habe 1292 mit 70 Jahren das Dichten ge- lassen, so kämen wir au! ein Alter von etwa 40 Jahren, was vielleicht zu spät ist, da seine erste Kanzone 1254 datiert ist. "«) 1263, 1266, 1273, 1275, 1283. "') Vgl. besonders Grundriss 248, 30. 45. 62. 84. Zum geistlichen KunsiUede in der altprovenzälischen Litteratur, 193 Bussgesängen giebt der Dichter meist der Reue über seine Willens- schwäche Ausdruck, die ihn hindert, dem höchsten, himmlischen Gute nachzuleben."®) An Maria wendet sich eines dieser Lieder,"*) die stets als vers bezeichnet werden. In einem achten tritt er als an- klagender Mahner auf.^'*^) Der Jungfrau widmet er ferner ein Ge- bet,"*) das er für einen Freund verfasst hat, eine Alba und 5 Kan- zonen,"') in denen er sie meist unter dem Namen seiner einstigen irdischen Geliebten feiert: Belh BeporV^^) Dieser Ersatz machte sich bei Guiraut besonders leicht. Preist er doch an der irdischen Erkorenen nie körperliche Reize, stets nur ihre Seelengaben. Er weist selbst den unehrerbietigen Gedanken weit von sich {Grund- riss 248, 26). Unermüdlich wiederholt er den Dank an sie und die Liebe, dass sie ihm Wissen und Können, seine ganze Kunst ge- schenkt (z. B. Grundriss 248, 8, 23, 24, 29, 58). Seine dona ist ganz schon Madonna der Bologneser, seine Liebe die Liebe nach Dantes Auffassung: Amor el cor gentil sono una cosa,^'^^) Ohne weiteres konnte er diesen Minnebegriff auf die Frau aller Frauen übertragen; er brauchte nur die ünerbittlichkeit, die pflichtgemäss an der irdischen Schönen haftete, aus diesem Bilde zu streichen. Folgende Strophen mögen das Gesagte erläutern:"*^) „Kein warmer, kalter oder lauer Beginn des Monats, in dem die Blumen hervorspriessen, lässt mich singen, aus Liebe zu meiner Herrin, der ich in Lauterkeit zugethan sein muss; nein, ich singe in jeder Jahreszeit wenn es mir gefällt. Denn sie, die ich liebe, ist die Edelste und Beste, die je gewesen, und ich hoffe, dass sie mich in Freuden erhalte; doch ihre Liebe schafft mir keine Qual . . Fest muss ich Herz wie Verstand im Zaume halten, dass mein Wille mich nicht in Thorheit durch irgend welche Abirrung zum Fehl gegen die Schöne treibe, die ich anbete; denn mit allen Reich- tümern werde ich gesegnet sein, wenn ich von ihr geliebt bin. Darum muss ich rechte Gewalt über mein Herz üben, wenn es zu unziemlichen Benehmen neigt. . ^«) Grundriss 248. 44. 46. 58. 59. 61. 69. "•) Grundriss 248, 44. «0) Grundriss 248, 86. wi) Grundriss 248, 73. Durch eine Lücke in der Handschrift ist die Bezeichnung verloren. Da das Lied herausgestellt ist, wurde es nicht als Eanzone angesehen; ist zu ergänzen: ses[ta pregieira fes]? »«») Grundriss 248, 7, 27. 47. 48. 70 (Alba). ^^^S Grundriss 248, 86, Str. 7. heisst es: J. Za verge digna, maire d'amor, t>e qui ai fag Bdh Deport, si Vagensa, Coman mi eys. Vgl. Grundriss 248. 27 (Str. 6), 55 (Str. 6) 88 (Str. 6). *") Daher sagt er vom rechten Liebhaber (248, 18.) Qae nulhs vils faitz far, pessar no Vagensa, "») Au3 Grundriss 248, 47. Ztsclir.f.frz.Spr.u.Litt. XX^ 13 l94 Victor Lowinsky. Gute Thaten bringen Ehre, Dank, Ansehen und Hochachtung und gebühren sich für einen echten Liebhaber, und da ich die Beste liebe, so ziemte sich für mich wolü alles rechte Thun. Wohl ziemte sich für mich alles rechte Thun,"®) habe ich doch Hoffnung, in der höchsten Freude zu weilen durch die Mächtige, deren Lob Keiner nach ihrem Werte aussprechen kann; denn sie ist die Blume aller Schönheit, und ihr ist die Macht zu allem Guten verliehen; und ilir Name ist höchst anmutig, und ich glaube, redlich und wacker ist jeder, der es meiner Herrin zu Danke thut . . / So geht es noch durch eine Strophe weiter, bis er mit dem Geleite schliesst: „Meine Herrin möge den bitten, der von allen rein- gesinnten Liebenden geliebt wird, dass er mich zu einem rechten Liebhaber mache; denn sonst, vom Eecht^, begehre ich ob meiner Thorheit keine Hülfe."') Leicht sind hier Maria und Christus zu erkennen. Zur Vervollständigung des Bildes diene folgender Gedicht- schluss:"^) „Meine Dame kann ich mit Fug meine „Schöne Lust** nennen . . . Eifersüchtig bin ich auf keinen, der Liebe begehrt von der, die ich liebe; nein, ich finde grossen Gefallen daran. Und wenn einer sie nicht lieben will, so missfällt es mir sehr; denn von ihrer Liebe, glaube ich fest, kommt alles Gute." Guiraut zeigt sich hier als Vollender dessen, was in Ansätzen schon früher versucht worden war. Heute erscheint diese Art von Marienlob fast wie eine Bankerotterklärung der provenzalischen Dichtkunst; zeugt sie doch von dem Unvermögen, dem neuen Gegen- stande einen entsprechenden Ausdruck zu geben, von tiefem Un- verständnis für die innere Form eines Stoffes. Einen eifrigen Nachahmer und Übertreiber fand Riquier in seinem jüngeren Zeitgenossen Folquet aus Lunel."*) Freilich haben Millot (II, 139 ff.) und Eichelkraut '•^) Unrecht, wenn sie alle seine 6 Kanzonen für Marienlieder halten. Dass er weltlicher Minne gehuldigt hat, geht aus V. 521 — 525 seines ^^romans de mondana 16«) Die Coblas sind cajpcaudadas per bordös, "7) Der bekannte Gegensatz von Gerechtigkeit und Gnade. **8) Grundriss 248, 88 ; 6a und Str. 7. ^^^) Folquet war 1284, als er seinen romans abschloss, nach eigener Angabe (V. 535-8) 40 Jahre alt, also, als Eiquier 1254 seine Laufbahn begann, zehnjährig. Er hat ihn auch einmal nachgeahmt {Grundriss 248, 19 = 154, 6 in der Form, s. u.). Wenn im Folgenden über ihn aus- führlicher gehandelt wird, als sein poetisches Verdienst es rechtfertigt, geschieht es, weil in Eichelkrauts Darstellung Manches zu berichtigen, an seinen Texten Manches zu bessern ist, wozu ich durch neue Abschriften der Handschriften gerade in der Lage bin. ^^) Dr. Franz Eichelkraut, Der Trotibadour Folquet de Lunelj Berlm 1872, S. 12. Zum geistlichen Kunstliede in der äUprovenzälischen Litteratur, 195 vi(?a""*) hervor, wonach es ihm der Bischof von Maguelonne zum Vorwurf machte, dass er nicht mehr von y^vanetaiz^^ nur noch von Gott und der Jungfrau singe. In Lied 3*'*) richtet er seinen Tadel gegen ungeduldige Liebhaher; es gäbe ja auch Damen, die nicht eher ihre Liebe zu offenbaren wagten, als bis sie die Hofmacher erprobt hätten. Wenn er in Str. 5. gar von den Heuchlern spricht, die manche keusche Frau unschuldig in schlechten Ruf brächten, so kann dieser Inhalt mit dem verstecktesten Marienliede nicht bestehen. Auch Lied 5^*') ist, wie die Tomada lehrt, eine weltliche Kanzone: „Graf von Rodez,"*) sagt der Dichter, Ihr haltet wacker und lustig Hof, wen es auch verdriesse; und meine Holde furchtet sich so sehr vor dem Fehltritte, dass sie mir nicht geneigt werden (esdevenir) will." Das Gedicht selbst schildert die Qualen des Lieben- den, der sich, dem Schiffer gleich, aufs hohe Meer der Minne ge- wagt habe, hoffend, sich rechtzeitig salvieren zu können, nun aber rettungslos im Sturme treibt. Dieses sind die Beste seiner Jugenddichtung. Mit seinen Marienliedern machte Folquet bei dem Grafen Hugo wenig Glück, der an Hugos von St.Circ Minneliedern Gefallen gefunden hatte und selbst dichtete. Den rechten Grund lässt Folquet aus dem Ge- leite von Lied 4^**^) erraten, das lautet: Wenn unser Graf von der schwarzen Dirne lässt, die einer Vogelscheuche im Bohnenfelde gleicht, und aufhört, meine Holde^**) zu schmähen, dann sind wir alle wohl versorgt (ric),'^ Offenbar liess der alte Graf in späten Jahren sich und sein Land von einer guten Freundin regieren, und langweilte sich bei Folquets Salbadereien, den er zudem nicht per- sönlich kannte."') Den gleichen Tadel äussert er noch zwei Mal gegen den Grafen. In Lied 6*'®) weiht er eine ganze Strophe (5) seinem Preise, und fährt in der Tornada fort: „Königin, keusche Mutter, Tochter des keuschen Vaters, dich achte ich als meine Holde; und der. wackere Graf von Bhodez spricht grossen Irrtum aus, wenn wird. 1") Eichelkraut a. a. 0. S. 26 ff. "«) Eichelkraut a. a. 0. S. 19—20. »«) Eichelkraut S. 13. ^•*) Gemeint ist Graf Hugo (1213—1272), wie sich weiterhin zeigen *w) Eichelkraut S. 17. ***) ma gensor ; Millot macht daraus „Gerson^^ den Verstecknamen, unter dem Folquet die Jungftraa besungen haben sollte. "') Bas geht aus Lied 6, Str. 1 hervor: . . aug dire, qu'anc no'S seya Plus francx coms ni plus adreys, "8) Eichelkraut S. 21. 13* 196 Victor Lomnsky, er vor Dir eine andere anruft :*••) doch Kampf und Streit will ich immer mit ihm führen, bis er sich von der Schmähung abwende, die er jetzt über dich ausspricht; doch weil ich der Seine bin, so bringe ich ihm meine Kanzone dar."®) In der Zeitfolge reiht sich Lied 2*") daran. Auch hier bringt die Tornada Lob und Vorwurf für den Grafen : ^Zu meinem Herrn, der Graf von Rodez ist, nimm deinen Weg, mein Lied, der rechte Hofesart {pretz) erhält, und sage ihm, er möge Busse thun, wenn er übel redete von meiner Holden, so die Jungfrau Maria ist.'' Bei dem frömmeren Sohne"*) hat er denn für seine Lieder das erhoffte Verständnis gefunden, das der Vater ihm versagt hatte. Denn ihn haben wir in dem Grafen von Rodez zu sehen, dessen Lob er in Lied 7"') nah und fern hinzutragen verspricht, weil er seine (des Dichters) Holde recht von Herzen"*) liebe. Die Lieder 154, 4, 6, 7 gehören ier Marienminne an. Im ersten erfahren wir auch, warum er die Jungfrau zu seiner Dame gemacht hat. Der Dichter sieht, wie die Poesie in Misskredit geraten ist."*) Er findet den Grund dafür in der Wahl unpassender Gegenstände: Heute fände man Leute genug, die jedem über alles, was ihm be- liebe, übel angebrachte Kenntnisse,"') Ärgerliches und Ungehöriges vortrügen. So sei auch eine wirkliche Kanzone von rechtem Ge- halte nicht willkommener als die Rufe eines Bettlers. „Wer aber lobt, was wahren Lobes wert ist, der darf nicht getadelt werden, sondern man muss ihm Dank dafür wissen, dass er das Wahre preist. *••) Zu trennen: qu'autr^ ans apelh? Meine Abschrift hat quan vau8. 1. qu'anc no'us apelh, dass er dich nimmer anruft? Dann pasäte ditz im vorhergehenden Verse schlecht (Meine Abscbr. : ertz). "0) Die bei Eichelkraut (S. 22) sinnlosen 2 letzten Verse liest meine Abschrift : Tro que del maldir se fleys, Qü^ar ditz de vos ; mos quar so Sieus, li prezen ma chanso. E. zählt S. 10 dieses Gedicht zu den dem Grafen Heinrich gewidmeten, obwohl er (V. 45.) den comV Hugo sogar im Reime hat. So ist ihm auch Lied 4 Str. 3 unklar geblieben (S. 10), wo der Dichter sich vornimmt, sein Lied dem Graten Heinrich zu widmen, wenn man ihn auf den Thron erheben würde, während (nach E/s Meinung) derselbe Graf in der Tornada wegen der ,^viUuiissa neyra^ getadelt wird. Dieser ist der regierende Graf Hugo, jener ist sein Erbe, der ihm 1272 in der Regierung gefolgt ist. "1) Eichelkraut S. 24—26. "^) Die Hist. gin du Lang. IX p. 165 berichtet von seiner Wall- fahrt nach KomposteUa. "») Eichelkraut H, 22—24. "*) mot (Hs. und E. mor) ben. ^^^) Spezieller die Eanzonendichtung, die in den Augen des Publi- kums den Vergleich mit derjenigen der alten „Doktoren'* nicht aushalte. Aehnlich sprach sich der Toulousaner GuilhemvonMontanhagol aus 225,7, Biv. ß. rom, I. 34). Er behauptet, die Alten hätten das Minne- thema noch nicht erschöpft; das wolle er zeigen. "•) ? mal saher. Zum geistlichen Kunstliede in der aUprovenmlischen Litter atur, 197 Doch wer einem lügenhaften Gegenstande prahlerisches Lob widmet, den muss man tadeln und ducken {far enic), doch nicht, wenn er meine Dame lobt, die nie gefehlt hat." Maria wird nirgends ge- nannt, der Dichter lässt nur erraten wen er meint. Die beiden anderen Lieder führen die Hypostase Maria — wenn man es so nennen darf — am weitesten durch. Lied 6 beginnt mit dem Hin- weis auf die zu Ostern erwachende Natur; es vermischt das Lob des Grafen mit dem der Herrin, an der sogar gerühmt wird, dass sie sich weder spiegele noch bemale, oder Galanterieen"') anhöre. Erst in Str. 4 lässt Folquet durchblicken, wen er meinen könne, mit den Worten: So herrlich ist ihr Wert, dass Alles was sie thut, Gott gefällt."*") In der ersten Tornada redet er dann die Jung- frau als Gottesmutter an. Lied 7"*) endlich bewegt sich gleich- falls auf den Gemeinplätzen der Liebeslyrik, und überlässt es dem Leser, die Angebetete zu erraten. Wenn er es allen zur Pflicht macht, ihr den Hof zu machen (Str. 3), und sich glücklich schätzt, seinen Schaden rechtzeitig bemerkt und in der Liebe zu dieser Schönen Rettung gefunden zu haben, so erleichtert er einem diese Aufgabe allerdings. Das Gedicht ist das Barockste, was wir von Folquet kennen. Die 2 Reime -il und -ila gehen durch das ganze Gedicht, noch dazu als rims maridatz. Die dadurch nötig ge- wordenen Wort- und Sinnbrechungen gereichen ihm nicht zur Zierde. Lied 2 ist ein Marienlob in der alten, kirchlichen Art. Maria wird hier als Gottesmutter, Jungfrau und Ftirbitterin der Seelen gepriesen, die unbefleckte Empfängnis vom heiligen Geiste unter dem bekannten Bilde des Sonnenstrahles verherrlicht, der das Glas, durch das er geht, nicht verändert. Str. 5 ist Gott selber gewidmet, ganz wie die meisten lateinischen Marienlieder mit einem Gebete an den Herren schliessen."®) Dem gleichen Kreise, wie die beiden eben Genannten, gehört Bernart von Venzac"*) an. Zwei in der dunklen Manier und in schweren Reimen gehaltene ,,vers^^ allgemein moralisierenden Charakters sind dem Grafen Hugo von Rodez gewidmet, der in ihnen als angesehener Kritiker erscheint; denn er wird um Besserung "') dampneys (V. 25). "8) V. 34/35 : . . qu'afr) dieu{8) es belh Tot quan fai. E. schreibt qtu>m dieus, . . "•) E. übersah eine Strophe (Vgl. Bev. crit 1872, p. 11). weshalb ich sie hersetze (Str. 4) : Ges Veranha tan prim no teyi8]h ni jfda^ Quon a mestiers qu'om Heys lauzan prim ß, Se tot Vobra, s'es prima, ges estrüa Non deu esser ni's fa de luec estrü. Per qu^a mestiers, qu'om ta ferm Vaperfi, Que sia fortz plus, qu' antra s'aperfÜa; si que tos temps si& durahVe fi V {l)avol hom[e] far per s^amor ses {tot) [ß a] isUha). «0^ S. u. 181) lieber seine mutmassliche Heimat s. Hist. g^, du Lang. X, 338. 198 Victor Lowinsky. etwelclier Mängel gebeten. In diesen Gedichten zeigt sich bei aller Abgedroschenheit der Moral doch eine gewisse Lebendigkeit des Vortrags, und dasselbe lässt sich von seiner geistlichen Alba sagen, die, wie diejenige Folquets*®^) in der Hauptsache, ein Gebet ist. Der Ausdruck ist, im Gegensatz zu jenen beiden Stücken, durchweg klar, die Reime nicht gesucht. Er bestätigt somit das oben über das tröbar clus in religiöser Lyrik Gesagte.^®') In die Gegend von Toulouse^^*) führen uns zwei Namen, die aber keinem bestimmten Kreise zugewiesen werden können.^®*) Der Erste, Guilhem von Autpol,*®*) sonst noch als Dichter einer Pasto- relle, eines Planh auf den heiligen Ludwig IX. und einer fingierten Tenzone mit Gott bekannt, hat eine Marienalba verfasst, ein Ge- misch von Hymnus und reumütigem Bussgebet. Eine gewisse Feier- lichkeit verdankt sie den langen Strophen aus Zehnsilbnern. Von Guilhemvonleirasisk uns nur ein Gebet erhalten, worin ein reuiges Herz Gott um Vergebung und Maria um Fürbitte anfleht. Vielleicht ist es nicht ohne Bedeutung, dass in dem Kloster des Ortes, der ihm den Namen gegeben hat, Hugo von Digne (Dinhas), der Bruder der heiligen Dousselina , in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, die joachimischen Prophezeiungen fort- setzte und ein starkes religiöses Leben entfachte.*®^) Die Art, wie in Strophe 6 über Sünde und Vergebung gesprochen wird, verrät Vertrautheit des Dichters mit scholastischer Dialektik ; möglich also, dass er Kleriker gewesen ist.*®®) *®') üeber einen, und vielleicht nur zufälligen, Anklang an P ei re- Espanhols Alba in 2 g s. Schlaegers unten zitierte Schrift S. 56. ^®') Hier einige Textänderungen: V. 5: tot lo sieu mandamen. 6: resplanden. 8: lA archangel elh angel . . 9: tuit lisant. 15: amors. 16: dimssors, 17: entro (für e nos). 27: Lo nostre tortz nol sVen mem- bramen. Denn ia ist immer zweisilbig bei ihm, selbst in Konjunktiven des Präsens wie capiam (3-silbig V.. 18) und recipia (4-silbig 71, 3, V. 57). Daher ist in 71, 1 V. 56 und 59 statt retengutz tengutz zu lesen. "*) Mazamet, Dep. Tarn (? s. Hist. gin. Lang. X, 3) und Hyeres beide wenig östlich von Toulouse. ***) loh lege hauptsächlich P. Meyers Verzeichnis zu Grunde, Bern. Troub. p. 7. Ein sehr schwaches geistliches Mahngedicht, anonym über- liefert {a. a. 0. p. 123) gehört demselben Zeitraum an; wie es scheint, der eigentlichen Provence (vgl. den Reim flors: bos, sermos: prezicados). 186) Die YQji p Meyer, Rom. 24, 128, behauptete Identität dieses Dichters mit Daspol ist kaum zu bezweifeln. Ausser seiner Beobachtung, dass, bis auf den letzten Vers, die Strophen der Alba und des Planh gleich gebaut sind, ist der Refrain in beiden zu bemerken. »«7) s. Gebhart a. a. 0. p. 204. *®®) Folgende Textbesserungen seien vorgeschlagen: le-f: [f]i totz gretis pec[catz aunitz, Pec]cans. II d: nach don ergänze sui. e lies: De laitz tortz my envazitz. III f-g : acidhitz ab ferms conortz Fo, quar ques perdo. VIg. lies nos (Mahn: uos). VII c-d: A vos mi ren, gu'usguecs es A vostras mas comand?«s abordables. Es folgen noch kurze Bemerkungen über die eonteiirs der Zeit, wie Nicolas de Troyes, den Verfasser des Grand parangon des nouvelles noiwelles, den Heptameron der Königin Marguerite von Navarra, Bonaventura des Periere und Noel du Fall. Im dritten Kapitiäl erhalten wir zuniiclist auf 11 Seiten eine ziemlich dürftige Besprechung über die Voi-gänger Marots, über die grmids rhHoriqueurs wie Georges Chastelain, Meschinot, Jean Molinet, über Cretin und Jean Fabri's Grand et vray aii de pleine Bhetorique, über Jean Le Maire de Beiges, über Jean Beuchet, Pierre Gringore, Jean d'Ivry, Jean de Pontalais, Charles de Bonr- dignes Legende de maistre Fierre Faifeu, Roger de Collerye und Colin Bucher. Darauf folgt eine fast zu ausführliche Erörterung über Clement Marot, seinen Vater Jean, sein Leben, den Streit mit Sagon, seinen Charakter, seine Dichtungen und eine aus ihnen zu treffende Auswahl, und eine definition de son esprit et de son ba- dinage. In seinem Schlussurteil bezeichnet der Verfasser, Bourciez, Marot als un komme qui fut capahle de ressentlr legerement des emotions vraies, tout en conservant le libre usage de son esprit und meint, Sainte Beuve habe ihn unterschätzt, indem er ihm nur eine catiserie facile, semee par intervalles de mots vifs et fins zugestand. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit den Nachfolgern Marots. B. leugnet hier, dass man von einer eigentlichen Schule dieses Dichters reden könne. Seine Art des Dichtens sei zu persönlich gewesen, als dass sich un ensemble de preceptes^ des regles d^eerire fixes et determinees daraus entnehmen und Schülern hätte übermitteln lassen, dennoch habe Marot viele Nachahmer gefunden, zu ihnen könne Marguerite de Navarre allerdings nicht gerechnet werden; denn sie habe wie kein Dichter der Zeit geistliche Stoffe avec con- vlction et malgre eertaines obscurites avec ampleur tnajesttieuse behandelt. Recht ausführlich handelt G. Pelissier im vierten Kapitel über die Pleiade zunächst über ihre Bildung, dann fast zu eingehend über ihr Programm nach Du Bellay's Defense et ühistration de la langue frangaise. Anmerken möchte ich hier gelegentlich der An- gabe, Du Bellay verweise für die Sprache der Prosa auf Dolet's Oratetir frangaise, dass diese Stelle der Defense bisher nicht ge- nügend beachtet worden ist. S. 571 meint auch Brunot noch, Dolet habe sein Werk nicht beendet {La mmi ne lui laissa pas le L, PetU de Julleville. Histoire de la Langue. 17 temps de nous donner dans son ^Orateur^ sa pensSe definitive) Du Bellay's Worte {Je nHgnore point que Estienne Dolet, komme de hon jugement en notre vulgaire, a forme VOrateur Frangois que quelqu^un — peut estre — am^ de la memoire de Vauteur et de la France mettra de brief et fiMlement en lumüre Buch I Schluss) erweisen das Gegenteil. Du Bellay hat das Werk offenbar gekannt, aber im Druck ist es nie erschienen. Sollte es sich trotzdem nicht handschriftlich erhalten haben? Auch nach dem, was Dolet darüber in der Einleitung seiner 1540 erschienenen Abhandlung sagt, ver- lohnte es sich sicherlich der Mühe, genaueres über die umfangreiche Arbeit zu erfahren. Der dritte Abschnitt ist Ronsard gewidmet, dessen poetische Thätigkeit in drei Perioden zerlegt wird. Dans la premiere^ qui va de 1550 ä 1560, il donne les Ödes, les Ämours de Oassandre, les Ämours de Marie, les Hymnes, le Bocage royal, les Melanges. II faui y distinguer deux 'manidres\ Vtme ambüieuse et hatUaine, Vautre plus aimable, plus aisee, plus legdre. La seconde periode, depuis 1560 jusqu'ä 1574 est celle du ^poHe courtisan* et Celle aussi du poete national (Mascarades, Bergeries, beaucoup de ses Elegies] Franciade, Institution Vadolescence du roi, IHscours de misdres du temps, Bemontrance au peuple de France) . . . Enfin la troisieme periode, de 1574 ä 1564 beaucoup moins feconde que les deujo autres, ä la quelle appartiennent les dernieres pieces du Bo- cage royal, les Sonnets ä Helene, les dernieres Ämours. Jede dieser Perioden wird ausführlich charakterisiert. Ueber die äusseren Lebensverhältnisse des Dichters, abgesehen von seiner Jugendzeit, erhalten wir dagegen leider sehr wenig Auskunft. Ziemlich ein- gehend wird im vierten Abschnitt auch Du Bellay besprochen. Die Beschreibung und Kritik seiner Erstlings-Gedichtsammlung Olive seiner viel charakteristischeren und reiferen Äntiquites de Borne und seiner letzten und besten Dichtungen der Begrets ist anschau- lich und treffend. Mehr als bei Ronsard hat Pelissler seine Dar- stellung hier durch passende Textproben belebt. Sein Schlussurteil über Du Bellay, dem man vollkommen beipflichten kann, lautet : SHl n^est pas, comme Bonsard ^le commencement d^un grand poete\ il est un vrai poete, qui ne manque ni d^elevation ni de vigueur, mais qui a surtout le charme, Vamenite, la grace seduisante, et que la sensibi- lue, un peu maladive, rend particulihrement aimdble; il est, parmi tous ceujc du sidcle, le plus voisin de nous, le seül petd-etre que nous goütions sans effort, parce que lui-meme ne s^est pas force, parce quHl a tout simplement racontS son dme, et que cette äme etait trds fine et trhs tendre. Hinter Ronsard und Du Bellay treten Baif und Belleau allerdings wesentlich zurück, eine streng wissenschaftliche Zwecke verfolgende Litteraturgeschichte dürfte sie gleichwohl nicht so zurücktreten lassen wie Pelissier mit Rücksicht auf seinen Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX». 2 18 Referate und Bezensionen. E, Stengel. Leserkreis für angezeigt gehalten hat. Die drei übrigen Glieder der Plejade (Daurat, Pontus de Thyard, Jodelle) werden von ihm gar nur Eingangs kurz genannt, viele andere der Ronsard'schen Schule zuzurechnende zeitgenössische Dichter bleiben gänzlich un- erwähnt. Auch die Biographie am Schluss des Kapitels ist ausser- gewöhnlich knapp gehalten. La poesie apr^s Ronsard lautet die Ueberschrift des fünften Kapitels, dessen Verfasser PaulMorillot ist. Die zwei poetischen Strömungen, welche bei Ronsard und seinen Freunden ineinander liefen, scheiden sich nach M. nunmehr scharf: D^une part la poesie de Ronsard nous apparait elevSe dHnspiration, imperieuse d^alltire, s^gdlarU aux plus grands st^ets, et violentant la langue pov/r la hausser ä cet effort . . . Mais ä cöte de cette veine amhitieuse en circule une avire^ plus aimable, plus riante, plus moUe, plus facile aussi . . . Cette poesie lä se contente d*etre fratche et gradetise, par- fois eile se laisse aller ä etre spirituelle: eUe n^est pas encore toui ä fait une poesie de sälon, mais eile est une poesie de cour, pimpante, legere, exquise. Am schärfsten ausgeprägt sei der Gegensatz der beiden Richtungen bei Du Bartas und Desportes. Es folgt nun eine Erörterung der dichterischen Ziele des Verfassers der Semaines und eine Besprechung dieser epopee religieuse, welche seiner Zeit ßd eommeniee ä VSgäl Wun texte sacre, Ihr Ruhm sei aber von kurzer Dauer gewesen und somhra definitivement dans la catastrophe litteraire ou s^engloutU sinon Vosuvre entidre, du moins le hon renom de la Fleiade, Vor allem sei an Du Bartas' Misskredit bei der Nachwelt Schuld gewesen la descendance plus ou moins authentique qui en est issue, ä savoir tous les auieurs des Mo'ise, des Saint Paul, des Jonas et des Job, qui ont infeste la litter ature pendant soixante ans. Gleichwohl ce Gaseon a eu le tres riel merite de chercher ä hausser le niveau de la poesie frangaise, au moment ou les poHes courtisans le räbaissaient et Vavilissaient. . . . Ausserdem ü a essayS de secouer U joug de Vantique mythologie, et de nous donner le poeme ehretien qui nous manquera peut-etre tov^ours, II a echoue dans cette täche, mais de tous ceux qui ont tente Ventreprise, ü a Ste le plus sincdre, le mieux douS, le plus digne en somme de rhcssir. Du Bartas zur Seite tritt Agrippa d'Aubigne, der Dichter der Creation und Tragiques. Bezüglich der Greation unterschreibt Morillot das Diktum, dass sie n'est pas autre chose qü'une table des matihres rimSe de la Semaine de Du Bartas. Das Gedicht les Tragiques sei dagegen une ceuvre tout ä fait originale et personnelU . . . ou vibrent ä la fois toutes Us cordes de la lyre, ou la grandiose SpopSe se tra/nsforme subitement en une insuUante satire, pour se fondre quelques vers plus hin, dans la su>amte Wun cantique. — .... Les Tragiquss depassent tellement le ton des communes sa- L. Petit de JiüUvüle. Histoire de la Langte, 19 tires, dass sie sich nur mit Ch^niers Jamhes und Victor Hugos Chätiments vergleichen liessen. Beachtenswert sei auch, dass die heidnische Mythologie aus ihnen gänzlich verbannt und ersetzt sei durch un merveilleux tout nouveau que li suggerent sa foi chretien et son imagination d^artiste. Die Schwächen der Dichtung werden natürlich ebenso scharf hervorgehoben, ebenso auch das für ihre Wirkung verhängnisvolle späte Erscheinen im Jahre 1616. Elle n^apparut plus que comme Voeuvre du passe, comme le cri impuissant d'un vaincu. On la dedaigna. Die entgegengesetzte Kichtung zu Du Bartas und D'Aubigne wird durch Desportes, Bertaut und Du Perron vertreten. Bei Desportes habe die Poesie renoncS aux helles audaces pour se complaire aux petits genres et aux sujets equi- voques; eile ne chante plus Francus mais les mignons du roi; eile Vit de galanterie et de courtisanerie ] eile engraisse et enrichit cettx qui savent le mieux Vexploiter: eile leur procure de helles rentes. Charakteristisch für Bertaut sei, dass er ne se contente pas d^avoir de la finesse, de Vesprit, de Vaffection meme: il/ait des pointes und führe damit das Pr^cieusentum in die französische Poesie ein. Gleichwohl plusieurs de ses pieces temoignent d'une experience amoureuse qui n'a point Vair emprunte . . . Cest ainsi que Bertaut a su ecrire quel- ques vers d^amour qui ne sentent point le lihertin, ni le hlase, comme les voluptuetix hadinages de Desportes, mais Vartiste vraiment emu, qui laisse parier son coeur ... 11 se fait donc avec Bertaul comme un reUvement du ton de la poSsie .... Du Ferron a ete . . . poete galant d^ahord .... mais apres la Ligue et Vavenement des Bourhons .... dement poUe of fidel, h^&ique .... il est, avec Bertaul un clair exemple de la transformation poetique qui s^opere sourdement, mais sürement, et qui relie Vecöle degeneree de Bonsard ä Celle de Malherhe. Am Schluss des Kapitels gedenkt Morillot noch Vauquelins, dessen Art poStique einen Gesamtüberblick über das, was die Plejade vollbracht habe, liefern und gleichzeitig ein Urteil über den Zustand der Poesie seiner Zeit abgeben wollte, aber in- folge verspäteter Veröffentlichung est restS, comme les Tragiques en dehors et comme ä la marge de son temps. Das sechste Kapitel aus der Feder E. Rigals giebt einen kurzen aber vortrefflichen Ueberblick über die dramatische Dichtung der Renaissance- Zeil, und schildert nach einander: la lutte entre le thedtre de la Renaissance et le thedtre du moyen dge, die Ent- wickelung der Tragödie, Komödie, des unregelmässigen Dramas und der Pastoralen. Zwei Illustrations-Einlagen veranschaulichen uns die Bühne und die Auf führungs weise der Komödien im 16. Jahr- hundert. Tragödien wären eigentlich nur in den ersten 15 Jahren nach dem Erscheinen von Jodelles ClSopatre aufgeführt, die Stücke von Jean de la Taille, Garnier und Montchrestien schienen über- 2* 20 Referate tmd Bezensionen, E. Stengel, haupt nicht für die Bühne bestimmt gewesen zu sein. S. 262 führt Rigal an: le Christus Xylonicus de Nicolas Barthelemy (1537) qui dejä, Sans se destinguer beaucoup du mt/stdre^ prüend au tUre de tragedie. Bei Besprechung des Jullevilleschen Aufsatzes über das mittelalterliche Drama habe ich bereits darauf hingewiesen, dass schon Milet seine histoire de la destruction de Troye als eine tragedie bezeichnet hat. Das siebente Kapitel handelt von den Theologen und Predigern: Calvin, Farel, Viret, Th. de B^ze, Duplessis-Mornay, Saint Frangois de Sales, le cardinal Du Perron. Es ist zur ersten Hälfte vom Herausgeber, zur zweiten von A. R^belliau verfasst, und scheint mir namentlich in seinem zweiten Teile viel zu breit und schönfärberisch gehalten. Während bei Calvin die Schatten kräftig gezeichnet sind, werden die wenigen kritischen Ausstellungen an FranQois de Sales so verklausuliert vorgebracht, dass sie leicht ganz übersehen werden, üeberhaupt ist aber die Bedeutung dieses Hauptvertreters der katholischen Gegenreformation für die franzö- sische Litteratur eine so geringfügige und infolge offenbarer Eetouche und tendenziöser Interpolationen seiner Predigten und Briefe, überdies eine so unsichere, dass eine ganz kurze Erwähnung vollkommen genügt hätte. Selbst die Ausführungen über Calvin hätten meiner Ansicht nach bedeutende Kürzungen erfahren dürfen. Kann es sich doch in einer Litteraturgeschichte durchaus nicht um eine eingehende Würdigung des Menschen, Staatsmannes und Theologen Calvin handeln, sondern in erster Linie nur um den Schriftsteller, allerdings unter gleichzeitiger Betonung des Ein- flusses, den seine Person und sonstige Wirksamkeit auf die Litteratur seiner Zeit ausgeübt hat. Dieselbe Bemerkung gilt in beschränkterem Masse auch für das folgende Kapitel, welches sich mit den Moralisten Montaigne, La Bo6tie, Charron, Du Vair beschäftigt und von P. Bonnefon herrührt. Recht anschaulich ist das Bild, welches uns der Verfasser von der Person, dem Bildungsgang und der Lebensanschauung des grossen Skeptikers entwirft. Sein enges Verhältnis zu La Bo6tie wird scharf hervorgehoben und dann werden besonders eingehend die Essays, die ersten Ansätze dazu, die darin verwerteten Bücher, ihr Zweck, ihre dreimalige Umarbeitung (representees par les editions originales de 1580, 1566 et de 1595) besprochen. Beachtenswert ist hier besonders folgende Aeusserung B.'s auf S. 470: Fou/r donner tous les aspects successifs de la pensee de VScrivain, une idition des Essais devrait donc reproduire simultanhnent toutes les variantes et modifications de ces trois editions originales. Pareil travail n^a pas encore He fait. Die vorhandenen modernen Ausgaben der einzelnen Bearbeitungen können nur teilweise diesem Mangel abhelfen, zumal L, Fetit de JullemUe. Histoire de la Langue. 21 die weiterhin zu berücksichtigenden handschriftlichen Einträge in Montaigne's Handexemplar der Ausgabe von 1588 noch nirgends zuverlässig mitgeteilt seien. Hoffen wir, dass diese unentbehrliche Grundlage aller weiteren Montaigne-Forschung in nicht zu ferner Zeit geschaffen wird. Von geringerem Interesse ist natürlich das neunte den ecri- vains scientifiques gewidmete Kapitel, dessen Verfasser gleichfalls P. Bonnefon ist. Besprochen werden darin Bernard Palissy, Ambroise Par6 und Olivier de Serres. Bei der Lektüre dieser Seiten vergisst man zeitweilig, dass man eine Litteraturgeschichte vor sich hat. Auch das zehnte Kapitel über Memoiren-Schreiber, Historiker und politische Schriftsteller zieht manchen Autor in den Kreis der Betrachtung, der für die Entwickelung der Litteratur so gut wie bedeutungslos ist. Auf die wertvolle und interessant geschriebene Erörterung der die Satire Menipp6e betreffenden Fragen möchte ich den Leser daher speziell aufmerksam machen. Das letzte hier zu erwähnende Kapitel XI ist überschrieben: Les erudits et les traducteurs: Amyot, Henri Estienne, Pasquier. Die Würdigung, welche der Verfasser Dejob dem Plutarch-Ueber- setzer Amyot und dem Autor der Recherches de la France, Etienne Pasquier, zu teil werden lässt, gilt auch mehr dem Menschen als dem Schriftsteller, dagegen scheinen mir Henri Etienne's schrift- stellerische Verdienste etwas unterschätzt zu sein, noch mehr aller- dings die des ehrwürdigen Claude Fauchet, welcher sich eine Zu- sammenstellung mit dem leichtsinnigen Fälscher Jean de Nostredame im letzten Abschnitt des Kapitels gefallen lassen muss. Ich komme zum vierten Bande, bei dessen Besprechung ich mich noch kürzer fassen kann. Er betrifft die Litteratur während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und zerfällt in elf Kapitel, in welchen der Herausgeber, Ed. Bourciez, der Herausgeber, E. Rigal, Jules Lemaitre, G. Reynier, P. Morillot, A. Hannequin und R. Thamin, A. Gazier, E. Bourgeois, F. Brunot der Reihe nach über die Dichter von 1600 — 1660, über das Hotel de Rambouillet, Balzac, Voiture, die Prezieusen, über die Gründung der Acad6mie frangaise und die ersten Akademiker, über das Drama im 17. Jahrhundert vor Corneille, über Pierre Corneille, über das Drama zur Zeit Corneilles, über den Roman, über Descartes, die Cartesianer, Malebranche, über Pascal und die Schriftsteller des Port-Royal, über die Memoiren und Geschichts- werke und über die Sprache von 1600—1660 zum Teil recht aus- führlich handeln. Im ersten Kapitel werden die Persönlichkeit und Dichtungen von Malherbe nach den neueren Arbeiten charakterisiert, ebenso die seiner Schüler Racan und Maynard. Ein weiterer 22 Beferate und Rezensionen, E, Stengel, Abschnitt behandelt eingehend den Satiriker Eegnier nnd seine Schüler Courval-Sonnet , Du Lorens, d'Auvray, d'Estemod, der vierte beschäftigt sich mit Theophile, welcher sich bekanntlich hauptsächlich gegen die Engherzigkeit der Vorschriften Malherbe's auflehnte. JuUeville führt einige Aussprüche Theophile's an, die allerdings eine ziemliche Wertschätzung der Verse Malherbe's des frangais quHls nous ont appris bekunden. Er hätte ihnen aber das ziemlich despektierliche Urteil über Malherbe und seine Nachahmer in dem Lobgedicht auf Hardy {Le tMatre d^Ä. Hardy Neudruck Marburg 1884 Bd. I S. 11) zur Seite stellen sollen: Je marqiie entre les beaux esprits Malherbe, Bertavd et Forcheres, Dont les louanges me son cheres Comme fadore leurs ecrits. Mais ä Vair de de tes Tragedies On verroit faiUy leur poumon; Et comme glaces du Strymon, Seroient leurs veines refroidies, Tu parois sur ces arbris- seaux Tel qjuCwa grand pin de Süesie, Qu'un ocean de poesie Parmy ces murmurans ruisseaux. Im letzten Abschnitt werden kurz einige Dichter der Jahre 1630 — 1660 besprochen: Jean de Gombauld, Saint Amant, Sarrasin, A. Godeau, J. de Benserade, G. de Brebeuf, Scarron, der Hauptvertreter der burlesken Dichtung. Das nächste Kapitel giebt ein anschauliches Bild von dem damaligen Salon-Leben in Frankreich, insbesondere von dem Hotel de Rambouillet und den ersten Besuchern des blauen Zimmers, in einem zweiten Abschnitt wird Balzac's Charakter und sein Einfluss auf die Litteratur scharf gezeichnet, während der dritte die Glanzperiode des Hotel de Ram- bouillet schildert, der vierte dem eigentlichen Salonlöwen der Zeit: Voiture gewidmet ist, und der fünfte das Prezieusentum, wie es sich später, namentlich in den Sonnabend-Zusammenkünften bei Mlle. de Scud6ry entwickelte, vorführt. Das dritte Kapitel setzt die Entwickelungsgeschichte der Academie frangaise in engem Anschluss an Pelisson's Histoire de VÄcademie auseinander und bringt namentlich über die ursprünglich- wesentlich wissenschaftlichere Anlage des Dictionnaire de VÄcademie interessante Mitteilungen. Besonders lehrreich ist namentlich das vierte Kapitel aus E. Rigals Feder, dessen drei erste Abschnitte natürlich im wesentlichen nur des Verfassers vortreffliche Monographie über A. Hardy resü- mieren. Fast zu ungünstig scheint mir hier Rigals Urteil über Montchrestiens Stücke, deren bessere doch wohl den Vergleich mit denen seiner Vorgänger aushalten können. Das Lob, welches ihnen allerdings comme exercices oratoires et surtout poetiques gespendet wird, hätte noch durch die Angabe verstärkt werden können, dass M. seine Stücke in stilistischer Hinsicht einer wiederholten Um- ja geradezu Neubearbeitung unterzogen hat. Die Vergleichung der uns erhaltenen verschiedenen Fassungen ist also nicht uninteressant. L. Fetit de JulleviUe, Histoire de la Langue, 23 Die klare Auseinandersetzung der hervorragenden Stellung A. Hardy's in der Entwicklungsgeschichte der französischen Bühnen- dichtung ist besonders wertvoll, sie wird der traditionellen Gering- schätzung dieses recht verdienten Theaterdichters in den litteratur- geschichtlichen Kompendien hoftentlich endlich ein Ziel setzen. Der vierte Abschnitt bespricht zunächt Pyrame et Thisbe von Theophile und die Bergeries von Racan, Pichou's Falles de Cardenio, Jean de Schelandre's Tyr et Sidon. Von letzterem wird eine erste Redaktion aus dem Jahre 1608 (ein Exemplar in der Arseualbibl. B. L. 10782) nachgewiesen. Weiterhin wird die Reaktion gegen Hardys freiere Bühnentechnik, welche in Mairets Stücken zu be- achten ist, erörtert. Schon Mairets Sylvie bekunde einen deut- lichen Fortschritt gegenüber den Pastoralen Hardys, indem sie diese mit der Tragikomödie verquicke, Prinzen und Schäfer unter- einandermenge, und sich darum auch ausdrücklich als tragi-comedie pastorale bezeichne. Das weitere (durch Ottos Neudruck allgemein zugängliche) Stück Silvanire bedeute das thatsächliche Ende der Pastoralen, indem hier zum ersten Mal die Regel, wonach sich die dramatische Handlung in 24 Standen abspielen muss, bewusst durchgeführt sei. Interessant ist besonders Rigals Nachweis, dass Mairets Stück keine Originalarbeit , sondern lediglich ein Rifacci- mento eines vier Jahre, zuvor (1625) verfassten und 1627 er- schienenen Stückes gleichen Titels von dem inzwischen verstorbenen Verfasser der Astr6e, Honore d'ürfe ist. Schade, dass Rigal über den Fundort des von ihm benutzten Exemplares dieses Stückes keine Auskunft giebt. Auch Otto sagt in seiner Einleitung S. LXXIX nur, es seien zwei Exemplare bekannt, aber nicht wo; erklärt auch, keines in Händen gehabt zu haben, ebenso Dann- heisser in Born. Forsch. V 55 ff. Der Text ist wegen der päit vers hlancs (reimlose 6-Silbner), in denen er verfasst sein soll, die aber nach den wenigen mitgeteilten Proben teilweise gereimt sein müssen und unter welche nach Bonafons Etüde sur VÄstree 1846 S. 148 10- Silbner gemengt sind, auch metrisch beachtenswert. In den Galan^teries du duc d^Osonne, einem ferneren Stücke Mairets, er- blickt Rigal, da es erst 1632 aufgeführt wurde, nicht, wie vielfach geschehen, einen direkten Vorläufer der Lustspiele Corneilles und Rotroufi. Elle a secondS, mais eile n^a pas determine VStahlissement de la comedie sur notre thedtre. Die 1633 erschienene Tragikomödie Virginie desselben Verfassers bemüht sich auch in dieser Gattung des Dramas die Regeln zur Geltung zu bringen. Le resultat a He un melodrame naiif qui, bien que compose selon les procidis et ä Vimitation de Hardy ressemble dejä beaucoup aux drames de nos ihSdtres populaireSj aber durch seine Regelmässigkeit par les rois et les princes qui y jouent un rdle, par ses manologues et par ses 24 Beferate und Bezensionen, M. WilmoUe. rScUs, par le ton relativement sotUenu de son style, eile a prSpare VSclosion de la pr emier e tragedie de Mairet Sophonisbe, der ersten klassischen französischen Tragödie überhaupt. In präciser Weise setzt Rigal nun auseinander, worin die Sophonisbe schon mit den späteren klassischen Tragödien zusammentrifft und in wiefern sie sich noch von ihnen unterscheidet pour se raäacher au theatre romanesque et tragi-comique du temps. Mit der Sophonisbe hat Mairet nach Rigal seine Rolle in der Entwicklungsgeschichte des französischen Dramas ausgespielt, seine Erbschaft tritt von da Corneille an. Von diesem Muster litterarhistorischer Darstellung sticht das folgende, Corneille selbst gewidmete Kapitel, welches der Akademiker Jules Lemaitre verfasst, in schärfster Weise ab. Die Gesichts- punkte der historischen Entwicklung treten darin fast ganz zurück hinter einer philosophisch angehauchten subjektiven Kritik. Der Eindruck, den Corneilles Dramen auf den modernen Kritiker machen, wird hier fast ausschliesslich wiedergegeben. Dabei laufen, wie auch in vielen anderen Kapiteln des Werkes, recht viele stilistische Breiten und hochtrabende Phrasen unter. Lemaitres Art wird wahrscheinlich der grossen Menge der sogenannten gebildeten Leser sehr imponieren, ich ziehe ihr die nüchternere und doch keineswegs kleinkrämige Behandlungsweise Rigals vor und halte sie sogar für die in einer Litteraturgeschichte allein angebrachte. Sie ist übrigens auch die der Verfasser der beiden nächsten Kapitel: Gustave Reynier und P. Morillot. Im sechsten Kapitel, welches sich mit Corneilles dramatischen Zeitgenossen beschäftigt, wird Rotrou vor allen berücksichtigt. Die Entwicklungsgeschichte des Romans im siebenten Kapitel handelt nacheinander von den Pastoralromanen wie äerÄstree d'Urfes, von den heroischen, pseudo-historischen und precieusen Romanen wie Gombervilles Folexandre, Demarests Ariane, La Calpren^des Alexandre, Madeleine Scuderys Grand Cyrus und Glelie und endlich von den komischen und realistischen Romanen, wie Scarrons Boman comique oder Furetieres Boman bourgeois. Der Inhalt der letzten drei Kapitel, welche 1) den Philo- sophen und Theologen der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Des- cartes, Malebranche, 2) Pascal und den übrigen Schriftstellern des Port Royal, 3) den Memoiren und Geschichtswerken gewidmet sind, geht zum grössten Teil weit über den Rahmen einer eigentlichen Litteraturge- schichte hinaus und braucht daher hier nicht näher skizziert zu werden. Abgesehen von öfter unliebsam hervortretender Breitspurig- keit und Effekthascherei und wunderbarer Scheu vor Verweisen und detaillierteren Angaben des wissenschaftlichen Beweismate- rials, darf man der grossen Mehrzahl der Beiträge dieses vierten Bandes grosse Sorgfalt, eindringendes Verständnis und an- Karl Bartsch, Chrestomathie de Vancien frangais. 25 ziehende Darstellung nachrühmen. Auch dem Spezialforscher werden einige mancherlei Belehrung und Anregung gewähren. Wir sehen also dem Erscheinen der vier weiteren in Aussicht genommenen Bände mit Interesse entgegen. Besondere Erwähnung verdient schliesslich noch der Bilder- schmuck des dritten und vierten Bandes, welcher auf 42 Tafeln insbesondere schön ausgeführte Portraits von Kabelais, Clement Marot, Calvin, FrauQois de Sales, Montaigne, B. Palissy, Marguerite de Valois, Jacques Amyot, Malherbe, Balzac, Voiture, Chapeiain, P. Corneille, H. d'ürf6, Descartes, Malebranche, B. Pascal, Cardinal de Retz, De La Mothe, Le Vayer bringt, ausserdem noch verschiedene Titelseiten, Facsimiles und Bühnenbilder. Der sehr umfangreichen und verdienstlichen Darstellung Brunots von der Geschichte der französischen Sprache in B. I — IV gedenke ich noch eine besondere Besprechung zu widmen. Grjeifswald. E. Stengel. Karl Bartsch, Chrestomathie de Vancien frangais (YIH ® — XV^ si^cles), accompagn^e d'une grammaire et d'un glossaire. Sixi^me edition revue et corrigee par A. Horning, Leipzig, 1895, Vogel, n, 754 coli. 4^ II n'est guere d'usage de rendre un compte rendu d6taill6 de la 6 « edition d'un ouvrage, surtout quand cet ouvrage est aussi univer- sellement connu et estime que ia Chrestomathie de feu Bartsch. Pour- tant cette 6® edition n'est pas sans quelque nouveaut^; M. Horning, comme nous Tapprend T^diteur, a bien voulu se charger de revoir „las textes d^apr^s ies editions critiques parues depuis 1883 et de rectifier uu certain nombre d'erreurs qui s'6taient gliss^es dans le glossaire". On ne pouvait s'exprimer avec plus de modestie; en restreignant ainsi sa participation ä Toeuvre de son devancier, M. Horning, qui est d'ailleurs un vrai savant, d^gageait fort legiti- mement sa responsabilit^ d'un certain nombre de defauts de m^thode et d'erreurs de choix; il nous a paru, comme ä M. Mussafia^), sinon ä d'autres, qu'il invitait par lä meme ses confr^res ä se joindre ä lui et k contribuer ä l'^puration et ä Tam^lioration du c6l^bre recueil de textes. Les notes qui suivent sont donc une simple contribution de cette sorte, non une critique du travail de r^vision, d'ailleurs tr^s serieux, qu'a fait M. H. Textes. Celui du Fragment de Valenciennes, confronte avec la recente edition de M. Koschwitz, donne les resultats suivants: ^) Voir Litteraturbl f. G. u. E. Fh. 1896, col. 200 et sq. Quelques fautes d'impression se sont gliss6es dans ce compte rendu et en rendent parfois le contröle difficile: 201, 1. 4 du bas lire 139, 15; 1. 15, lire 127, 34; 202, id. add. 204, 29; 209, s. v. adrece, add. 209, 6; s. v. jaut, 1. 230, 33; s. v. mercit 1. 31, 47; col. 209, 1. 3, lire aoie et non avie. 26 Referate und Rezensionen. M. WilmoUe, 7,6 grancesmes, les formes ihoU ure{t) sont au cas regime; il est difficile d'admettre -mes\ sinon il faut lire iholz urez — 7, 22 dicU au lieu de dixit dans la 4® Edition de la Chrestomathie] je n'ai pu v6rifier la 5® , mais dixit est maintenu 6, 19, 27^), 31; 7,4, 8,17 eleemo-si/nas, corrig^ ligne 23 — Au glossaire je rel^ve pretiet 6,20 rang6 k tort s. v. prisier; le wallon prononce encore prHyi dejpre- dicare, non de pretiare; de meme söw^ir 6,32 n'a rien de commun avec seoir. Le fragment du Kola nd, Mit6 ici, coincide en partie avec le VI® extrait de M. Paris (2164 — 2396). On pourrait tirer meilleur parti des am^liorations successives que ce savant a apportees au texte: 40,21 les ad pris\ lire i — L'addition du vers 32 d'apr^s V4 n'est pas confinn6e par Tensemble de la tradition manuscrite; 40,40 le ms. a al dtic; donc 1. al riche dicc plutot que al hon cunte-, Renier est duc de Gennes; voyez Nyrop-Gorra, p. 130 — 41,33 ne se justifie ni par 0 ni par V4, qui a une legen reproduite par M. Paris: Morz est Turpins el servise Charlon. L'addition des trös mMioeres vers 37 — 43, emprunt^s ä V4 ne devrait pas etre maintenue. — 42,10 unc. Le ms. a hont fautif ; V4 a meis; je lis mais avec M. P. — 42,21 un point et non une virgule. — Le vers 32 de la meme colonne prend naturellement place apr^s 33, qui interrompt d^sagreablement le r6cit dans 0, et 34 qui rintroduit de fagon necessaire. — 43,18 Pourquoi quant jo n^aiprud au lieu de la legen de 0 ? 24 Vasolvs, Au glossaire on a conserv6 Solu et on a, par une Evidente meprise, rang6 ce mot s. v. asoldre. L'expression France Vasolue se retrouve, d'ailleurs, dans la Chanson d^Äntioche III, 3. — 43,44 la legen Guales, Escoce^ Islande m'est tres suspecte; je pr^f^re lire avec M. P. ed Escoce ed Irlande. Dans les Lois de Guillaume le Conquerant je lis 51,35 gue^ non gm; 52,34 arere comme 54,4. — Dans le fragment du Po^me D6vot on s'attendait ä quelques corrections, notamment 62,20 wnc; 62,28 respundit\ 63,7 m'ont. Pour Adam l'^dition Grass (1891) n'est pas mentionn^e; eile aurait 6te utilement consultee, ainsi que les corrections de M. Suchier dans les G. G. A. 1891, n^ 18. Voici quelques exemples: 91,5 (gue) jo] 12 descovertf] 31 por igo; 32 ore i ait fait-IPen sache nuls dans la beuche du demon; 92,12 pas de virgule apr^s aventure; 16 fuissez; 29 cum Dew, 31 esgard; 92,31 — 32 et 93,7 les 'corrections de M. Suchier m^ritaient consi- d^ration; 93, 1 — 2 il faut lire avec l'Mition Grass: Di moi, muiller, que te querroit Li mal satan? Que te voleit? ^) Le 2e CO dicü est rapport6, dans la r6cente 6dition Eosch- witz, apres labora-verat vo 10 en t§te. Karl Bartsch, Chrestomathie de Vancien fran^ais. 27 93,6 las jo sai oi du ms. devient ici Caroi Vai. M. Gr. lit avec raison car Vesaiai; 26 fai le, — Nel f. p.; 94,29 vivref'y 27 encom- brier; 40 od lui entrer en p.; 42 a ici malvais; 44 memoire f; 95,1 offre un nouvel et frappant exemple du Systeme qui consiste ä jux- taposer, pele-mele dans le texte, des formes dues assur^ment au copiste et d'autres, dont on peut conjecturer qu'elles remontent ä l'original : Me^at est condamn6 par mesfait.'trait 95, 2 — 3 ; si Ton voulait raaintenir dans le texte cette graphie du scribe, 11 fallait laisser 96,2 sa, non corriger sai; 95,15 arse fust; 96,4 wem; 11 suise suppri- me plus aisement que grant; 11 suffit de rattacher ce vers au prec6dent. Comme on le voit, ces notes et corrections se rapportent aux 100 premi^res colonnes ; je me r^serve d'^tudier, une autre f ois, les 400 dernieres. Le Glossaire, dejä critiqu6 accessoirement dans ce qui pr6c^de (articles asoldre; prisier; seoir) m^riteraituner^visionappro- fondie, que je ne puis entreprendre ici; je signalerai seulement quelques faits. Afichier. 113,29 le sens est plutot: s'^taler, faire montre de; ce sens s'est conserv6 en fr. mod. — Araser. Bartsch traduisait dans Tunique passage : raser; remplir ne vaut guöre mieux : 11 s'agit de cavaliers arabes qui ,,arasent les grans mons"; c'est le fr. mo- derne harasser, qui vont de haras et qui a d'abord signifiö : chevaucher, traverser k cheval — Connoissance = aveu; il s'agit d'un accus6 et le vers suivant enl^ve tout doute: „son fait cogneu"; voyez encore 419,27—29 — Encliner. C'est Tencliner (= saluer) qu'on a dans les passages allegu^s en second lieu; le 2 passage a 6te corrig^ par Foerster dans la Zs. f. rom. Fh. VI,418 — Entreprendre. L'obser- vation que suggöre cet article s'applique k un grand nombre d'autres. Comment veut -on que Tetudiant se retrouve parmi les significations diverses, enum6r6es en fran^ais et en allemand, et que suit la liste des references ? II serait infiniment pr6f 6rable d'isoler les differents sens et les passages qu'ils concernent. Ici 273,33 le sens de entre- prendre est plutot: attaquer, surprendre de vive force; 147,9 on a le sens äiebranler — Escorre, dans le passage ^^Äliscans (75,24)= ravigorer, reconforter. — Escuellir 227,28 = „extraire** plutot que „cueillir". — Eshalcier 166,30 est r^fl^chi, = s'enorgueillir — Espaciun. Godefroy n'a pas d'autre exemple, et je me suis souvent demand^ si nous n'avions pas ici une forme barbare pour passion — Joir = caresser (un animal) 108,42, 109,27. — Maillier. M. H. a conserv6 la traduction: marteler; mais que signifie une gravele martelee'? Godefroy a ränge ä part ce passage d'Adam de la Halle, oü le sens de maillie est: en parcelles tines, r^duit en poudre. — Monter le sens de 166,35 n'est pas „concemer**, mais, „s' Clever", „avoir la valeur de"; c'est aussi le cas pour 143,5 — Musage = frivolit6, emploi frivole de son temps — Pooir (na 28 Beferate und Rezensionen. W, Cloetta. — en avanV, = ne pouvoir avancer 41,18; pooir + Tinfinitif 41,6 = avoir de bonnes raisons de. M. Paris voit lä une ellipse {Extraits, p. 96, note 81) — Remaindre. „Manquer" n'est pas le sens de 172,9, mais „ne pas avoir lieu." C'est ainsi qu'il faut traduire ce verbe dans La Manekine^ 359: Gar on doit bien faire un meschief petit pour plus grant remanoir. Voyez encore rain, 1804 Meraugis, p. 9, etc. Viaire est encore 76,26 M. WiLMOTTE. Adam le Bossu, Le Jeu de Eobin et Marion, publik par Ernest Langlois. Paris 1896, Librairie Thorin et fils, A. Fonte- moing Successeur. IV und 155 S. 8^. Das reizende Schäferspiel des Arraser Dichters und Kompo- nisten, das kürzlich, nach mehr als 600 Jahren, in seiner Heimat eine erfolgreiche Neuinscenierung erfahren hat, über die Voretzsch in der Beilage zur Allg. Zeitg, vom 2. Sept. 1896 anziehend und sachkundig berichtet, liegt in einer neuen Ausgabe, der achten von den ihm zu teil gewordenen, vor. Der Text ist begleitet von einer ihm gegenüberstehenden ziemlich wörtlichen Üebersetzung mit scenischen Angaben, worauf ein lobenswerter Kommentar von 13 Seiten und die Noten für die gesungenen Stellen in moderner Notie- rung folgen; voran geht eine Einleitung von 32 Seiten. Dass die vorliegende Ausgabe ihre sechs Vorgängerinnen (Rambeau's diplomatischer Abdruck der drei Handschriften kommt hierbei nicht in Betracht) in mancher Beziehung übertrifft, muss von vornherein anerkannt werden. Sie zeichnet sich schon dadurch aus, dass sie zwei längere, sehr störende Einschiebsel (von 70 und 18 Versen), die, obschon nur in einer Handschrift überliefert, von den früheren Herausgebern, die sich um die andern Handschriften wenig kümmerten, getreulich aufgenommen wurden, endlich wieder entfernt hat (S. III). Langlois ist auch der erste, der alle drei Handschriften zu Rate gezogen hat. Auch die üebersetzung und der Kommentar sind geeignet, das Buch als empfehlenswert er- scheinen zu lassen, besonders auch für einen weiteren Leserkreis, für den es ja zunächst bestimmt ist. Seinen Zweck, zur Populari- sierung der älteren französischen Litteratur zunächst auf heimat- lichem Boden beizutragen, hat ja das Buch, wie die Aufführung des Stückes in Arras zeigt, bereits teilweise erfüllt, und hoffentlich werden weitere Erfolge nach dieser Richtung sich immer mehr be- merkbar machen. Adam le Bossu. Le Jeu de Robin et Marion. 29 Wenn ich nun meinerseits im folgenden eine bescheidene Beisteuer dazu geben möchte, damit das schöne, auch für das moderne Empfinden ohne weiteres ansprechende Werkchen in einer zu erhoffenden zweiten Auflage mögliclist vollkommen vor das Publikum trete, so möchte ich vorerst, um hier eine Wiederholung von bereits gesagtem zu vermeiden, auf die Besprechung Toblers {lAtteraturbl. f. germ. u. rom. Fhüol. 1896, Sp. 53 — 55) hinweisen, der in seiner meisterhaften Weise schon mancherlei berichtigt oder als nicht unbedenklich hervorgehoben hat. Ich werde also, soweit ich meinerseits nichts hinzuzufügen habe, die bereits von Tobler besprochenen Dinge hier unerwähnt lassen. In der Einleitung spricht Langlois auch von den Lebens- schicksalen des Dichters und von seinen übrigen Werken. S. 12 ist dabei vom CongS gesagt, es sei entweder gedichtet, als Adam nach Douai flüchten musste, oder als er mit dem Grafen von Artois fortzog, oder bei irgend einer andern Gelegenheit. Die beiden hier näher angegebenen Möglichkeiten sind aber sicher ausge- schlossen, da das Cong^ erheblich früher gedichtet ist, u. z. wahr- scheinlich noch im Jahre 1262, kurz nach dem Jeu de la Feuillee, als Adam die in diesem Stücke ausgesprochene Absicht ausführte und nach Paris reiste, um dort seine Studien wieder aufzunehmen (s. G. Paris, lAU. fr. au moy. äge, 2^ Sd., § 132, und Ärch. f. d. Stud. der n. Spr. Bd. 91, S. 52 f ). Freilich sagt Langlois einige Seiten vorher (S. 3), Adam scheine seinen (im Jeu de la Feuillee kund gegebenen) Vorsatz nicht ausgeführt zu haben, aber der Grund oder die Gründe, weshalb er es nicht gethan haben soll, sind ge- radezu unverständlich: Une bulle, qui retirait aux dercs maries les Privileges eccUsiastiques, avaü du refroidir son zele. Bientöt on le trouve mele aux troubles qui agüaient alors Ärras. II fut öblige de quitter la viUe et se rifugia avec sa famiUe ä Bouai. Ich weiss nicht, ob die beiden letzten Sätze auch einen Grund dafür angeben sollen, weshalb es unwahrscheinlich sei, dass Adam seinen beab- sichtigten Pariser Aufenthalt verwirklicht habe ; jedenfalls ist wohl mit Jeanroy, dem sich G. Paris anschliesst {Bomania XXII, 140; vgl. Archiv a. a. 0. S. 53 f.), anzunehmen, dass es sich bei den Arraser Wirren, die zur Verbannung Adams und anderer ange- sehener Bürger führten, um die Zeit ganz kurz vor 1270 handelt, so dass also Adam 7 Jahre Zeit gehabt hätte, sich in Paris auf- zuhalten. Was sodann die im ersten der zitierten Sätze erwähnte Bulle betrifft, so ist damit, wie aus S. 14 deutlich hervorgeht, das sogenannte Bigamiedekret Alexanders IV. vom 13. Februar 1260 gemeint , durch welches jedoch nicht , wie Herr Langlois sowohl S. 3 als S. 14 sehr ungenau sagt, alle verheirateten Kleriker, sondem nur die nach kanonischem Eecht in Bigamie lebenden 30 Beferate und Rezensionen. W, doüäa. Kleriker der niederen Grade — bei den Clerici majores ist ja die Ehe überhaupt ausgeschlossen — betroffen wurden. Da nun aber dieses Dekret zur Zeit der Aufführung des Jeu de la Feuülee schon seit über zwei Jahren erlassen und Adam, der seiner in diesem Spiele V. 426 ff. ausführlich gedenkt, mit ihm genau vertraut war, so ist nicht abzusehen, wie ein in voller Kenntnis und nach mehr- jähriger Wirksamkeit dieses Dekretes gefasster Entschluss infolge desselben wieder hätte rückgängig gemacht werden sollen. Auch war ja Adam durch dieses Dekret persönlich keineswegs getroffen, da er, wie er J, d. l. F. 432 ausdrücklich erklärt, nicht bigame war. Was den Text betrifft, so enthält sich Langlois grundsätzlich der Angabe der handschriftlichen Lesarten; glücklicherweise kann man sich darüber in Rambeaus diplomatischem Abdruck orientieren, was allerdings etwas unbequem ist, da die Verszahlen nicht uner- heblich auseinandergehen. Ferner spricht sich Langlois auch nicht über das Verhältnis der drei Handschriften aus; da kommt uns nun sein Aufsatz in der Romania, XXIV, 438 zu Hülfe, wo wenigstens gesagt ist, dass P und Pa eine Gruppe gegenüber A bilden, und ib. S. 443, wo erklärt wird, dass A die schlechteste der drei Hand- schriften ist und dass ihr im allgemeinen die Lesarten der beiden andern Handschriften vorzuziehen sind. Jedoch ist Langlois einige- mal unnötigerweise von diesen Grundsätzen abgewichen und hat dadurch, wie wir noch sehen werden, den Text an verschiedenen Stellen sicher verdorben. 12, 300, 373, 517, 724, 740, 753 hat der Herausgeber par amours, das an allen sieben Stellen in sämtlichen Handschriften steht, in par amour abgeändert. Auch v. 19 steht wenigstens in den Handschriften P und A par amours, während Pa hier par amour hat, welch letzteres Langlois in den Text aufnimmt. 14 und 758 hingegen haben P und Pa par amour, was Langlois bei- behält, während A auch an diesen beiden Stellen par amors gibt. Nun ist allerdings in v. 14 par amour durch den Reim gesichert. Das genügt jedoch m. E. keineswegs, um par amours in allen Fällen auszuschliessen, besonders an den sieben Stellen, wo es von allen drei Handschriften überliefert ist. Die Reime stützen oft so- gar einander widersprechende sprachliche Erscheinungen (vgl. bei- spielsweise in unserem Texte w. u. moi und mi, piet und perdu u. s. w.), und hier handelt es sich doch blos um ein Wort, dessen Einzahl und Mehrzahl im betreffenden Falle gleichermassen ge- bräuchlich ist. Langlois lässt doch auch den von allen drei Handschriften überlieferten Plural amours 575 bestehen, trotz- dem 592 amour si vraie bei gleicher Verwendung des Hauptworts durch den Reim gesichert ist. — 27 ist zweifelhaft; Langlois liest mit A: Sire, öü, je ne saipas quans; P und Pa dagegen geben: Adam le Bossu. Le Jeu de Rohin et Marion. 31 ^re, fen ai veu ne sai guans. Jedenfalls ist einsilbiges vu im Nordosten um diese Zeit durchaus gewöhnlich; im vorliegenden Spiele selbst ist v. 713 corneurs (Langlois schreibt comours) als zweisilbig durch die drei Handschriften gesichert; im Jeu d. l. F, steht 236 vir e arte honesti amandi von Andre le Chaplain zusammen- gestellt. Nach einer ausführlicheren Besprechung dieses Werkes steht Verf. vor „einer Masse Gedichte**, die zu erwähnen allzu weit führen würde. Es sind dies die auf der Liebe aufgebauten alle- gorischen Auslassungen, welche im Rosenroman ihren Höhepunkt *) Vgl. hierüber Schiött, L^Ämour et les amoureux dam les lais de Marie de France^ Lund 1889, eine Brochtire, die Mott nicht zu Käthe gezogen hat. 42 Beferate und Bezensionen, Eugene Bitter. erreichen. Auch sind Sie schon zum grossen Teile in den Origines et sources du Boman de la Böse von Langlois analysiert worden. Dr. Mott gibt gleichwohl seinerseits eine kürzere Analyse einiger der liierher gehörigen Dichtungen, vor allem des Bosenromans. Gleichzeitig entwickelt sich in Südfrankreich eine theoreti- sierende und philosophische Richtung, die vom Norden nicht unbe- einflusst ist und der alle jüngere Troubadours angehören. Indess scheint der Unterschied von der älteren Schule nicht so sehr im neuen Ideenkreise als in einem neuen, mehr philosophischen Stil zu liegen, was zwar aus Verfassers reicher Beispiel- sammlung hervorgeht, aber nicht deutlich genug hervorgehoben wird. Schliesslich wird auch im Süden die Liebe als eine Kunst betrachtet und auch allegorisch dargestellt: „Aus feiner Liebe entstehen meine Gedichte mehr als aus irgend einer anderen Wissenschaft", Aimeric de Pegulhan; u. s. w. Unter solchen Umständen konnte ein Werk wie Matfre Er- mengaus Breviari d^amor erscheinen, ein W^erk in dem omne scibile der Zeit auf die Liebe bezogen wurde. Wie die provenzalische Liebesdichtung zu den Nachbarländern drang, ist bekannt, und Verf. erörtert diesen Gegenstand, nachdem er ganz unerwartet dem Klagelied ein zwar sehr kurzes Kapitel gewidmet, besonders für Italien. Da erklingt nun zunächst auf Sicilien die ritterliche Liebespoesie wieder, obwohl es mit dem Rittertum sehr schlecht steht. Dasselbe fasste bekanntlich in Italien keinen sichern Fuss. Gleichwohl werden aufs neue die alten Sentenzen : die Liebe ist eine Gottheit, entsteht durch Schönheit etc. sattsam wiederholt. Aber in den alten dürren abgedroschenen Stoff bringt in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts Guido Guinizelli (so besser zu schreiben als Guinicelli) wenigstens Natür- lichkeit und Geschmack: „Gefühl und frisches Leben** (j^fresh vividness of feeling"), sagt Dr. Mott. Das scheint doch betreffs der meisten von Guinizelli und seiner Schule ausgegangenen Gedichte etwas zu viel gesagt. Ein Schüler Guinizellis war auch Dante, wie so viele seiner Freunde in Florenz. In Vita nuova vereinigte er seine ersten Ge- dichte. Sie tragen gleichzeitig das Konventionelle aber nicht das Extreme, Unnatürliche, des Kristian von Troyes, der Troubadours, der Sicilianer, der Bologneserschule Guinizellis, und das Wahre, Lebendige, das den besungenen Erlebnissen, wirklichen Erlebnissen diesmal, dem Verhältnis zu Beatrice, innewohnen musste, zur Schau. Konventionelles findet sich hauptsächlich in den Gedichten bis zu Beatricens Tod; danach wird dem Wahren, Selbsterlebten mehr und mehr Platz eingeräumt. Der Prosarahmen der Gedichte, der ganz nach dem Tode der Besungenen geschrieben wurde, ist eben- Jean Calvin. L^Excuse de noble Seigneur Jacques de Bourgogne. 43 falls ziemlich frei von Konventionalismus und gibt uns Dante selbst. Wenn auch Dante hier z. B. die Liebe als Gottheit — in altherge- brachter Weise — darstellt, so ist es doch in originalen Formen, die nichts mit dem Liebesgott der Troubadours gemein haben. Ganz neu und den gewöhnlichen Theorien widerstreitend ist z. B. die Einführung der donna pietosa, der Nummer neun, die Versetzung der todten Beatrice unter die Engel des Himmels. Auf den Schlussseiten bringt Dr. Mott unter anderem die Beobachtung, dass Dante in den früheren Gedichten an seine Ge- liebte deren Namen, ähnlich wie die provenzalischen Troubadours und die provenzalisiereuden Dichter, nicht nennt, ausser im XXIV, wo er aus speziellen Gründen (s. D'Anconas Kommentar) den Kose- namen Monna Bice gebraucht; dass er aber in den späteren Gedichten und im Prosarahmen der Vita nuova Beatrice mehrmals namhaft macht, weil es nach ihrem Tode keinen Grund mehr zur Verhehlung gab. Hier liegt eine klare Antwort auf Scartazzinis wiederholte Behauptung, Beatrice sei welche Frau man immer wolle, nur nicht eine, die wirklich Beatrice geheissen habe. Dr. Mott hat viel interessantes Material zusammengebracht, die Hauptströmungen in der Auffassung der Liebe in der mittelalter- lichen Litteratur in geschichtliche Verbindung gebracht, und zweifels- ohne im allgemeinen richtig auseinandergesetzt und somit sich ein Eecht auf den Dank der Litteratur- wie Kulturforscher erworben. Einzelne Punkte verdienen noch mehr im Detail untersucht zu werden, wobei man sicherlich zu denselben Resultaten wie Dr. Mott gelangen würde. Druckfehler in Personennamen machen auf manchen einen anangenehmen Eindruck. In Dr. Mott's Buch findet man Hornung für Homing, Joncbloet für Jonckbloet, Francesco da Barbarino (S. 127), Grosstete, Vawqueiras (98) etc. Die konstante Schreibung Guinevere fällt auf. Göteborg. Johan Vising. L^Excuse de noble Seigneur Jacques de Bourgogne^ Seigneur de Falais et de Bredam^ par Jean Calvin, reimprim^e pour la premiöre fois sur Tunique exemplaire de Tödition de Geneve (1548) avec une introduction par Alfred Cartier. Paris, lib. Lemerre, 1896. LXXV et 55 pages. La belle Edition des Oeuvres de Calvin, ä laquelle M. M. Eeuss, Cunitz et Baum ont attach6 leur nom, ne contient qu'une traduction latine de ce petit trait^. Le texte original, en frangals, 4tait demeur^ introuvable. „Nous Tavons cherch6, 6crivait M. Eeuss quelqne temps avant sa mort, dans tous les coins de la Snisse 44 Referate und Rezensionen, Eughie Ritter. et de la France.* Le fait est qu'il n'en existait plus qu'un senl exemplaire, qui a 6t6 enfin retrouv6 par M. Alfred Cartier dang la belle biblioth^que de M. Henri Tronchin, k Bessinge pr^s Gen^ve. M. Alfred Cartier est un bibliographe distingn6, d6jä connu par quelques publications erudites, entre autres par les Arrets du Conseil de Genhve sur le fait de Vimprimerie et de la lihrairie^ de 1541 ä 1550 (Genöve, 1891, 206 pages in-8^) La solide introduction qui pr6cede la röimpression de Topus- cule de Calvin, donne une notice biographique sur Jacques de ßour- gogne. Ce riebe seigneur appartenait k une brauche bätarde de la maison royale de France; par son bisa'ieul le duc de Bourgogne Philippe le Bon, il se tronvait cousin (au septi^me degr6) de Charles - Quint, dont il etait le sujet. II avait poss6d6 sa faveur; il la perdit bientöt, k cause du penchant qu'il avait t6moigne de bonne heure pour les doctrines de la Reforme. A une 6poque oü Ton pouvait esperer encore de voir les nouvelles id^es obtenir quelque acc^s aupres de l'Empereur, Jacques de Bourgogne fit 6crire par Calvin une esp^ce de plaidoyer pour döfendre sa cause personnelle contre les attaques dont il etait Tobjet k la cour, en profitant de l'occasion pour exposer sa foi en termes soumis et respectueux, calcules de maniere k donner au souverain le moins d'ombrage possible. On retrouve dans ces pages le talent de Calvin. L'heureuse trouvaille de M. Cartier enrichit saus la surcharger la collection des Oeuvres fran^aises du grand th^ologien. Eugene Eitter. Oeuvres de saint FranQois de Sales. Edition complete, d'apr^s les autographes et les 6ditions originales; enrichie de nom- breuses piöces in^dites ; publice par les soins des religieuses de la Visitation du l^^' monast^re d'Annecy. Geneve, librairie Trembley. Tome III. Introduction k la vie devote. 1893. Tomes IV et V. Trait6 de Tamour de Dien. 1894. Tome VI. Les vrais entretiens spirituels. 1895. Tome VII et VHI. Sermons. 1896 et 1897. Introduction ä la vie devote, par S. FraiiQois de Sales, 6veque de Genöve. Reimpression textuelle de la 3® edition (1610). Bibliographie^ par A. Perrin. Etüde iconographique^ par John Grand - Carteret. Deux volumes. Moutiers, libraire Ducloz. 1895. En 1893, j'ai donn6 ici un compte-rendu des deux premiers volumes de la belle edition qui se public en Savoie des Oeuvres de Saint FranQois de Sales. L'6diteur est un b6n6dictin anglais, Dom Mackey, qui avait traduit dans sa langne quelques -uns des ouvrages de l'öveque de Geneve, et s'6tait int^ressö k son auteur. Oeuvres de saint Frangois de Sales, 45 Les religieuses de la Visitation, qui se sont adressees k lui pour le cbarger de diriger leur entreprise, ont eu la main heureuse. La publication de chaque iiouveau volume permet d'apprecier davantage le sola que met k son travail le savant et habile Miteur, et la comp6tence avec laquelle il traite les questioDs que son sujet Tam^ne k discuter. L' Introduction ä la vie devote ^ qui a 6te remani^e k plus d'une reprise par FrauQois de Sales, est donnee, dans T^dition de Dom Mackey, d'aprös le texte de 1619, qui est le dernier que Tauteur ait revu. Les variantes de la seconde edition (1609), de la troi- siöme (1610), de Tedition de 1616, et Celles des mauuscrits conserv^s, sont donnees eu note. Quant k la premiere edition — qui avait paru avec le meme millesime que la seconde, mais huit ou dix mois auparavant — le texte en est reproduit en entier dans un appendice. On peut suivre ainsi les plus 16g6res modifications du texte de V Introdtidion ä la vie devote^ depuis le premier jet jusqu'ä, la derni^re revision. La preface ecrite par Dom Mackey, etudie de tres pr^s la genese du chef d'oeuvre de FrauQois de Sales. Des lettres in^dites du Saint eveque et de ses correspondants, et d'autres documents manuscrits, ont permis au nouvel editeur de suivre pas k pas riiistoire de la composition de ce livre, et d'en marquer avec certi- tude les etapes successives. Dans tout cela, la part qui revient k madame de Charmoisy a §te determin^e avec precision, tandis que jusqu^ci eile avait ete oubliee par les uns, et peut-etre exag6r6e par les autres. ParallMement k Tödition de Dom Mackey, M. Duclos, im- primeur k Moutiers en Tarentaise, publiait aussi V Introduction ä la vie devote. II a choisi pour le reproduire le texte de la troisiöme Edition (1610). Les deux volumes qu'il a fait paraitre son imprim6s avec luxe; les pages sont encadr^es de filets rouges; les vignettes, les culs - de - lampe, reproduisent des gravures de F^poque. Deux appendices, places dans le premier volume, contiennent, Tun, une notice bibliographique de M. Perrin (164 pages) sur l'ouvrage; l'autre, une 6tude iconographique de M. Grand-Carteret (155 pages) sur Tauteur, avec beaucoup de reproductions de portraits, d'estampes originales, et de tableaux. Rien ne donne une plus juste id6e du succ^s d'un ouvrage, rien n'en marque Tinfluence d'une maniöre plus pröcise, qu'une liste complöte des 6ditions qui s'en sont succöde. Le travail de M. Perrin, — qui n'est point d^finitif , malgr6 le sein avec lequel il s'y est appliqu6, — provoque bien des r^flexions. La renomm^e de saint FranQois de Sales a subi une 6clipse au 18^ si^cle: le public ne demandait plus aux libraires ses Oeuvres 46 lieferate und Rezensmien. Eughne Bitter, complötes, qui ont eu sept editions au 17« siöcle, et cinq dang le nötre, mais ancune entre 1672 et 1821. N^ammoins, et m§me ä r^poque oü Voltaire et Rousseau semblaient les maitres de la pens^e europ^enne, de 1760 ä la Revolution, il est interessant de voir se succMer les editions de VIntroduction ä la me dSvoie; c'est comme un f ourmillement : Texte frangais. Paris, 1764, 1772. Lyon, 1769, 1772, 1775. Liege, 1781. Ronen, 1781, 1783, 1787, 1792, 1793. Annecy, 1792. Traduction latine. Cologne et Francfort, 1754. Tymau, 1766. Traductions italiennes. Padoue, 1761, 1767. Venise, 1769, 1778, 1783, 1792, 1793. Verone, 1772, 1782. Traduction espagnole. Madrid, 1760, 1768, 1770, 1790, 1793. Traduction anglaise. Londres, 1762, 1794. Traduction allemande. Buda, 1766. Augsbourg, 1769, 1773. Strasbourg, 1778. Traduction tcheque. Prague, 1780. Traduction en grec moderne. Constantinople , 1780. verone, 1782. Je ne sais si je m'abuse: 11 me semble que cette serie de dates est parlante. On y touche au doigt la persistance de la foi chretienne en Europe, ä une epoque oü Tincredulite avait le verbe haut, oü les apologistes etaient debordes et battaient en retraite. Quant k Tetude iconographique de M. Grand -Carteret, c'est la premiere fois, comme il le remarque lui-meme, qu'un travail de ce genre a ete entrepris sur un des saints de TEglise catbolique, au point de vue de Tamateur la'ique, respectueux, mais desinteresse. La figure du preiat savoyard apparait successivement soos le crayon des artistes de toutes les epoques, de toutes les ecoles. „Rien n'est curieux, dit le savant iconographe, comme ce passage de certains hommes devant l'objectif de Thistoire: tel, qui jadis a ete grave par Audran, par Morin, par tous les burins fran^is, Italiens, allemands et hollandais, se trouve habilie, faQonne k la mode du jour par les artistes du 18® siede; puls prend place sur les pierres lithographiques d'un Maurin ou d'un Belliard, pour se retrouver finalement servant de signet k quelque livre d'heures, ou d'image k l'usage de l'enfance." Je reviens k redition de Dom Mackey. Les volumes IV et V contiennent le Traüi dh VÄmaur d^ Düu, Le texte adopte est celui de la premiere edition, qui parut en 1616, et qui „est vrai- semblablement la seule qui ait ete publiee sous la surveillance de Tauteur.^ Notons cependant que celui-ci a dit, des que cette Oeuvres de Saint Frangois de Säles, 47 premiere edition eut paru: „Le libraire a laisse couler plusieurs fautes en cette ceuvre/ Deux groupes de manuscrits autographes se sont trouv6s k la disposition des 6diteurs: les uns sont le premier jet de Tauteur; les autres sont k peu pr6s conformes au texte definitif; mais les uns et les autres ne sont que des d6bris des manuscrits originaux. Le premier groupe de manuscrits correspond ä peine au quart de Touvrage; le second en est une partie moindre encore. Les vari- antes du second groupe sont donnöes en note; les pages manus- crites qui renferment le premier jet de l'auteur ont ete publikes in extenso dans un appendice. Le VI® volume des Oeuvres contient les Entretiens spirüuels. Les premiöres religieuses de la Visitation ont fait pour le fondateur de leur ordre ce qu'avaient fait dans Tantiquite X6noplion pour Socrate et Arrien pour Epict^te: elles ont r6dig6 les entretiens du Saint 6veque, et les ont publies aprfes sa mort. Des notes, prises le soir meme des jours eü elles Tavaient entendu, ont 6t6 le point de depart de leur ceuvre; les Visitandines ont certainement rMuit au minimum la part qui leur revient dans la r6daction qu'elles ont donn6e de ces Entretiens ; la parole familiäre et vivante de Taimable prelat nous est parvenue dans un texte plus fid^le sans doute que celui des philosophes grecs. A vrai dire, ces Entretiens ne revetent pas la forme de dialogues: dans le petit cercle intime oü saint FranQois de Sales prenait la parole, chacun se taisait pour Tecouter. Mais ce silence meme est parlant; nous Tentendons, pour ainsi dire; nous entendons ce silence unanime et recueilli dans lequel tombaient^ aussi doucement que la neige sur la terre, les conseils, les vuea penetrantes, les id6es mystiques, tout ce qui sortait naturellement de Täme du p6re spirituel, parlant aux filles qu'il ch6rissait. En 1624 dejä, deux ans ä. peine apr^s la mort de Frangois de Sales, il 6tait dit dans Tarticle 29 du Coutumier de T ordre de la Visitation: „On lira une fois Tann^e les Entretiens dans le r6fectoire, pendant les repas; au moins un ou deux tous les mois.*^ ün des manuscrits de ces Entretiens fut d^tourne; un libraire le fit imprimer et mit Touvrage en vente en 1628. Cette publication indiscr^te, et pleine de fautes, fit quelque scandale. Mais l'annee suivante, parut, par les soins de madame de Chantal, une Edition qu'on peut appeler officielle; on en avait 61agu6 certaines familia- rit6s, et on avait donn^ plus de sein ä, la correction des ^preuves. Dom Mackey a reprodoit le texte de cette Edition de 1629; il donne en note ou en appendice des variantes ou des additions, empruntees aux manuscrits de P^poque, et meme k Tedition sub- reptice de 1628, un examen attentif lui ayant montr6 qu'elle avait 6t6 faite sur un assez bon manuscrit; il a ainsi pieusement recueilli^ 48 Referate und Rezensionen, Eughne Ritter. au miliea des notes qui avaient 6t6 prises pour garder memoire des entretiens familiers de Teveqne de Gen^ve, toutes les parcelles de discours qui lui ont paru authentiques. Les sermons de saint Frangois de Sales appartiennent ä. ses Oeuvres posthumes. La premiöre odition, qui est de 1641, en avait fait judicieusement deux parts, selon qu'ils etaient publies d'apr^s les manusciits autograpbes du predicateur, ou d'apr^s les notes prises par les religieuses qui les avaient entendus. Une seconde Edition, qui parut en 1643, avait enricbi ce premier recueil; en Sorte que Ton possMait 28 sermons du premier groupe, et 43 du second. On en etait k peu pr6s rest6 lä, depuis lors. L'edition de Dom Mackey donnera les sermons en quatre volumes. Les deux Premiers ont dejä paru, et contiennent les sermons ou plans de sermons publies d'apres les manuscrits autograpbes: au lieu de 28, il y en a 160. II est vrai que pour beaucoup de ces sermons, on n'a que quelques pages de notes en latin. Nous sommes assures que saint Frangois de Sales etait un orateur plein de cbarme et d'onction; mais il faut beaucoup de bonne volonte pour retrouver ces qualit^s dans les pages r6unies avec tant de soin par le nouvel 6diteur. On peut dire que ces deux volumes forment une partie assez ingrate de la belle collection qu'il dirige. Mais nous approcbons beureusement du moment oü commencera la publication de la Correspondance. Les lettres de l'^veque de Geneve, avec VIntroduction ä la vie dSvote, sont la meil- leure part de ses ecrits; et lä, l'edition nouvelle nous donnera beaucoup d'in6dit, en meme temps qu'un classement tr^s am61ior6 des pieces d6jä connues; en sorte que nous pouvons attendre avec une joyeuse esp^rance les tomes XI et suivants. J'ai dit que Dom Mackey 6tait anglais. II faut un oeil bien attentif pour reconnaitre qk et lä, dans ce qu'il 6crit, la marque de r^tranger. Ainsi tome III, page LXXI, quand il cite s6rieuse- ment le mot de je ne sais quel auteur, qui appelait le p^re Tour- nemine: „le prince des critiques." Cela fait sourire; sans flatter notre siöcle, on a droit de dire que depuis Villemain et Sainte- Beuve, la critique litt6raire est tr^s sup^rieure k ce qu'elle 6tait autrefois; et aujourd'bui meme, la France poss^de une pl6iade de eritiques distingues, qui peuvent regarder de bien baut le p^re Tournemine. — On se demande ce qu'a voulu dire Dom Mackey en ^crivant (III, LXIX) que „le Bictionnaire itymologique de M. Brächet a une valeur particuli^re pour un 6crivain savoyard"? — Mais j'aurais tort de m'arreter k ces v6tilles, en irendant compte d'une OBUvre magistrale, qui constituera un monument litt^raire. Bossuet et F6nelon seront heureux le jour oü leurs oeuvres trouveront un ^diteur aussi d6vou6 et aussi comp6tent. Eua^NS Eitteb. Jean- Jacques Rousseau, Un testament lUteraire. 49 Beat-Ludwig yon Muralt. Lettres sur les Anglais et les Fran^ais (1725) herausgegeben von Otto von Greyerz. Bern. Verlag von A. Siebert. 1897. XXI et 299 pages in 8°. A deux reprises d6jä, j'ai eu Poccasion de parier ici de B6at de Muralt. En 1881, j'ai r6sume ce qu'on savait de lui, en y ajoutant le r^sultat de quelques rechercließ que j'avais faites moi- meme. En 1889, j'ai donne le compte-rendu d'une tMse de doctorat, dans laquelle M. Otto de Greyerz avait etudi6 avec beau- coup de soin et de succös les oeuvres et la vie de T^crivain bemois, son compatriote. Les Lettres sur les Anglais et les Frangais, qui ont fait la r6putation de Muralt, avaient paru en 1725, et ont eu plusieurs ^ditions au 18« si^cle; la derni^re est de Tan VIII (1800). Elles n'avaient pas et6 r6imprim6es depuis lors; et ceux qui voulaient se les procurer, devaient attendre de les rencontrer dans un catalogue de livres anciens. II faut remercier M. de Greyerz et P^diteur bernois d'avoir donn6 une nouvelle edition d'un ouvrage agr^able k lire, qui est d'un grand int6ret. Comme Leibniz, Fr6d6ric II, Melchior Grimm et Bonstetten, Muralt est un de ces AUemands d'autrefois qui ont ecrit en frangais, Sans cesser de penser en hommes de race germanique. Le sujet qu'il a traite demeure toujours actuel. On peut dire qu'il Test plus que Jamals. Autant et plus qu'ä aucune 6poque de Thistoire, les AUemands sont appel^s äsuivre avec attention ce qui se passe en Angleterre et en France, et k se rendre compte du caract^re de leurs voisins. Le caract^re, a dit Schopenhauer, est quelque chose qui ne change pas; les traits que Muralt a dessin^s sont encore ressemblants. Son livre, oeuvre d'un esprit penetrant, d'un obser- vateur genial, qui sait rendre avec nettete ce qu'il a vu, est fait pour provoquer la r6flexion. Tous les AUemands qui vont en France et en Angleterre, ou qui en reviennent, devraient l'avoir lu. H n'a vieilli que par places: quand il parle, par exemple, dans ses derniöres Lettres sur les Frangais, de la litt6rature du si^cle de Louis XIV. Mais lä, encore, il est piquant de lire, sur une 6poque que l'on juge aujourd'hui en se pla^ant au point de vue de notre si^cle, l'opinion d'un contemporain des grands 6crivains d'autrefois, lequel 6tait lui-meme un homme de goüt et d'esprit. Des 6tude8 pers6v6rantes ont rendu M. de Greyerz tr^s familier avec le sujet qu'il traite dans sa courte et substantielle introduction. Son esquisse de la vie de Muralt et de l'histoire de son livre, Oriente tr^s bien le lecteur; les notes sobres et precises qui sont k la fin du volume ^claircissent quelques aUusions qui pourraient ne pas 8tre comprises au premier mot. EüGfiNE ElTTER. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX« 4 50 Beferate und Eezensumen, E, MahrenhoUjs, Un testament lütSraire de Jean-Jacques Rousseau, pnbli^ ayec une introduction et des notes par 0. Schultz-Gora, privat- docent k rUniversit^ de Berlin. Halle, Max Niemeyer, 1896, 46 pages iii-8°. Gottlieb-Emmannel de Haller est ä ma connaissance le seol anteur dn si^cle dernier qui alt parl6 de cet opnscule: le Testament de Jean-Jaques (sie) Rotisseau, qui a paru en 1771, 62 pages in-8®, Sans lien d'impression. Apr^s Tavoir cit6 ä, la page 337 dn second volnme (publik k Herne en 1785) de sa Bibliothek der Sch/weizer Geschichte, Haller le qnalifie sans ambages: eine Tnrlnpinade. Ce jngement trop bref demande k Stre comment^. H impliqae la n^gation de l'aatbenticit^ da Testament; et lä,-dessns, je soig d'accord avec Haller. Le nouvel Miteur, M. 0. Schultz -Gora, estime au contraire que cet opuscule est de Eousseau lui-m§me: „Je cms d'abord, dit-il, avoir affaire k une supercherie; mais un examen plus attentif de ce curieux petit livre ne tarda pas k me faire cbanger d'avis. L'authenticite ne m'en parut gu^re douteuse.* II faut avant tout remercier M. 0. Scbultz-Gora d'avoir rendu facile pour tout le monde cet examen attentif d'une brochure interessante, dont il ne parait plus exister qu'un seul exemplaire, k la Biblioth^que royale de Berlin. Elle est donc aussi rare que rödition originale du Verger des Charmettes, dont j'ai vu un exem- plaire appart'enant k M. de Saussure: le seul connu, k ce que je crois. Chacun peut lire maintenant le Testament de Jean-Jagues Eousseau, et voir si le texte de cet opuscule appuie ou non Thypo- th^se de Tauthenticit^. J'ai dit mon sentiment; et sans m'arrSter k prouver ce qui me parait Evident, je m'en rapporte au jugement des connaisseurs. Je reviens k Haller, et c'est pour le contredire. Le Testament de Jean-Jaques Eousseau n'est pas une turlupinade. L'auteur ne s'est pas propos6 de se moquer de Rousseau, et de le toumer en ridicule. II a employ6 un innocent artifice litt^raire pour donner un cadre k la critique qu'il voulait faire des ouvrages, des idöes, et du caract^re de Rousseau. Qu'on lise, par exemple, ce qu'il dit de la NouveUe Häoise ou de V Emile: c'est un peu court; ce n'est ni profond, ni piquant; mais l'auteur n'en est pas moins un esprit mod6r6, impartial; et son petit ouvrage est un assez bon sp^cimen de l'ancienne critique. II y a quelques ann6es, la librairie Henninger, k Heilbronn, avait entrepris de mettre au jour une s6rie d'ouvrages rares, et utiles k l'Mstoire de la litt6raire fran^aise des derniers si^cles. L'id^e 6tait bonne; mais cette publication, malheureusement, n'a Johann Weiss, Nicolas' Gilberts Satiren, 51 pas eu de succ^s de vente, et eile s'est arret6e. Le Testament de Jean-Jaques Bousseau est un de ces opuscules qui m^ritaient d'ßtre remis ainsi en circulation. M. 0. Schultz-Gora ferait bien de lui donner un pendant, et de röimprimer aussi le Testament poUtique de M. de V. On en connait Tauteur: Tavocat Marchand. J'ai dit ailleurs (Archiv für das Studium der neueren Sprachen) que je suppose qae les pr6tendns testaments de Voltaire et de Eousseau sont l'oBuvre d'un seul et meme personnage. EUüläNE ElTTER. Weiss, Johann. Nicolas Gilbert* s Satiren. Eine litterarische Studie. Sonderabdruck aus dem Programm der kaiserlich königlichen Staats - Oberrealschule in Böhmisch - Leipa. 1896. 66 S. M. 1. Zu den vielen Gegnern der Aufklärung des ZVIII. Jahr- hunderts gehört auch der Lothringer Nicolas Gilbert, der 1751 zu Fontenoy-le Chäteau als Sohn eines armen Landmannes geboren, am 12. November 1780 zu Paris in Noth und Elend starb. Bereit» Dr. Fischer hatte ihn in einem Programm der Berliner Victor ia- Schule (1870) zum Gegenstande einer 21 Seiten zählenden Ab- handlung gemacht und auch sonst haben Kritiker, vorwiegend fran- zösische, ihn mit dem Massstabe der Sympathie oder Antipathie ge- messen. Verfasser dieser Abhandlung, welcher auf streng katholi- schem Standpunkt zu stehen scheint, hat sich eine Art Rehabilitierung des ziemlich Vergessenen vorgenommen und jedenfalls viel Fleiss auf seine Arbeit verwandt. Denn nicht nur die Gedichte Gilberts (Oden und Satiren) hat er durchstudiert, sondern auch ziemlich viele Urteile Anderer über den Dichter zusammengetragen, wobei er, seiner Tendenz gemäss, vorzugsweise die günstigen aushebt. Aber man kann aus schwarz oder dunkel nicht weiss oder hell machen. Herr Weiss gibt denn auch zu, dass der jugendliche Dichter, als er 1771 oder 1772 in Paris eintraf, sich zuerst an d'Alem- bert und die Herren von der Acad6mie herandrängte, zweimal ver- gebens um einen akademischen Preis bewarb und erst, über diese Misserfolge erbittert, sich zu Freron, Sabatier und anderen gehässigen Verkleinern der „Philosophen" gesellte. Dabei hat er den Einfluss- reichsten von Allen, Voltaire, bei Lebzeiten in seinen satirischen Angriffen tunlichst geschont oder wenigstens die Satire mit Weih- rauchduft gemischt, erst nach dem Tode ihn und seine letzten Triumphe in Paris verspottet. Dass er seine zahlenden Gönner ver-« herrlichte und, wenn sie mit den Zahlungen aussetzten, an ihre Ver- sprechen erinnerte, wollen wir dem darbenden Hungerleider natürlich nicht verargen. Aber ein Euhm ist das auch nicht. Verfasser hat übrigens das Verdienst, noch einmal nachgewiesen zu haben, dass 52 E^erate und Rezensionen. M. J. MinckwUe, Gilbert wirklich in Elend starb, da die Pensionen vom Hofe und von seinen Gönnern ihm sehr anregelmässig gezahlt worden sind, und dass die Gerüchte über seine letzten Standen, wie z. B. sein angebliches Hinscheiden im Spitale oder in Folge des Verschlnckens eines Schlüssels, erfanden sind. Gilbert starb, wie so mancher junge Dichter, an verzehrendem, anbefriedigtem Ehrgeize. Als Satiriker wird Gilbert vom Verfasser mit Unrecht über Boileaa und Voltaire gestellt, und seine 4 Satiren (Le PoHe malheureux^ Le Camaväl des auteurs, Le XVI 11^ Sücle, Diatribe au st0et des prix academiques und das Gedicht: Man apölogie) viel zu günstig beurteilt, wenn schon ihnen Formtalent, Witz und pikante Effecte nicht abgesprochen werden dürfen. Verfasser macht den Fehler, alles für haare Münze zu nehmen, was Gilbert den Philosophen in die Schuhe schiebt, ohne irgendwie die Richtigkeit seiner Annahme anders, als durch ein paar Citate beweisen zu können. Auch, dass der Odendichter Gilbert ein Vorläufer der Lamartine, Hugo, Musset gewesen sei, bedurfte noch näheren Nachweises. Wie wenig kritisch Verfasser zuweilen, seine Aufgabe nimmt, davon zeugt, dass er über Freron, den sehr unlautren Herausgeber der „Annee litt6raire", das Urteil eines Zeit- und Gesinnungsgenossen, abbe Sabatier, ausschreibt. Was wird da- mit bewiesen? Uebrigens zeugt es auch von Unkenntnis der deutschen Litteratur über die französische Aufklärungszeit, wenn Verfasser (31 A.) behauptet. Frören gelte auch heute noch meist als das, wozu ihn seine philosophischen Gegner gemacht hätten, denn Referent in seinen verschiedenen Veröffentlichungf^n über Vol- taire und nach ihm E. Guglia {die konservativen Elemente Frank- reichs vor der EevoltUion) haben sich schon von diesen Urteilen trei- gemacht und auf Grund eigener Quellenstudien geurteilt. Man kann somit der Abhandlung mancherlei Verdienste nicht absprechen, aber das sine ira et studio fehlt ihr mehr, als wünschens- wert. Dresden. R. Mahrenholtz. Tan Hamel, A. 6., Het Zoeken van y,L^Äme Frangaise^ in de Letterkunde en de Taal van Frankrijk. (Redevoering by de overdracht van het Rectorat der Rijks-Universiteit te Groningen, den 21. September 1897.) Groningen, J. B. Wolters, 1897. 54 S. gr. 8^^) Van Hamel's geistvolle Rectoratsrede ist, im Grunde genommen, eine glänzend durchgeführte Apologie der höchsten Endzwecke aller *) S. auch Beilage Nr. 7 u. 8 der AUgem.-Zeitun^ vom 11. u. 12. Januar 1898; leider sind in dem Druck des Aaszages einige erhebliche Irrtümer untergelaafen, wie z. B. „Metternich" für „Maeterlinck'% Ä. G. van Hamel. Het Zoeken van VAme Francaise, 53 philologischen Forschung, und ihr Hauptprogramm kündet sich in aller Kürze schon in dem gewichtigen Eingangssatze an: Jede Sprach- und Litteraturstudie ist, abgesehen von ihrem besonderen Vorwurfe, in ihrem tiefsten Wesen ein Stück Psychologie. Um den breit hervortretenden Hauptstrang schlän- gelt und schlingt sich aber noch nebenher so mancher schöne Faden, den ich leider in dieser kurzen Besprechung nicht auch noch durch die Finger gleiten lassen kann. Wie schon der Titel bekundet, zerfällt die Rede in zwei Hauptteile : die psychologische Erforschung einerseits der Litteratur, andererseits der Sprache Frankreichs. Der zweite Teil ist der kürzere, aus leicht ersichtlichem Grunde. Der einigermassen auffallende Ausdruck: dasSuchen nach der französischen Seele wird durch verschiedene der französischen Schriftsteller- und Gelehrten weit entlehnte Beispiele als „actuell* gerechtfertigt. Für die eigentümliche Erscheinung, dass die etwas sentimentale Bezeichnung: Täme frangaise häufig an Stelle des beliebten „genie national'^ {le caractere frangais, Vesprit gaulois) tritt, vermutet van Hamel deutschen öder russischen Einfluss. Warum soll der Ausdruck kein spontaner sein? Auch die romanischen Rassen haben ihre Sentimentalität. Mir scheint der Ausdruck aus einer Art von Jin de si^cle*^ Stimmung geboren, deren Beeinflussung Frankreich so gut wie die übrigen Völker Europas seit geraumer Zeit unterliegt. Nach einem detaillierten Hinweise auf die Umgestaltung der modernen Examenprogramme, auf die endlich einigermassen an- gebahnte Herstellung des neuphilologischen Gleichgewichts, d. h. die gleichmässigere Behandlung sämtlicher Litteratur- und Sprach- perioden, concentriert van Hamel seine Aufmerksamkeit auf einige bereits von G. Paris (in seiner Meistervorrede zu der unter Leitung Petit de Juleville's veranstalteten Histoire de la Langue et de la IMerature frangaise) angeregte Ideen, die er prächtig zu illustrieren versteht. Das Tasten nach Erkenntnis des coUectiven Gemütslebens der französischen Nation fördert er durch zwei feinsinnige, die volle Länge der Hauptlitteraturepochen durchmessende Spezialbetrachtungen welche zugleich den Beweis erbringen, dass das gleiche „^ewic" trotz der durch die Renaissance geschaffenen Kluft die ältere wie die neuere französische Litteratur durchdringt. Die erste dieser über- sichtlichen Ausführungen ki*eist um die „epische Dichtung", die „Formel*' für „formelle" (Nr. 7, p. 4 col. 2 1. 5), der „Ritter" für die „Ritterehre" (Nr. 8 p. 3 col. 1), sowie ein ganz falscher Satz, der lauten müsste: Wenn Fraiüureich im Zeitalter Ludwigs XTV. dem Pro- tectionismns gehuldigt hätte, würde seiner Litteratur in dieser Epoche somit ihr schönster Glanz gefehlt haben/' (Nr. 8 p. 3 col. 2). 54 Eeferate und Bezensionen, Gr, Körting. zweite beschäftigt sich mit den interessanten Phasen, die ,,ramoiir conrtois^ bis in die jüngste Zeit herein durchlaufen hat. Das zweite Beispiel ist das lohnendere. Denn die Epik ist — wie van Hamel selbst bemerkt — an ganz besondere Verhältnisse gebunden; auf alle Fälle streift das Volksepos mit dem Ausgange des Mittelalters seine ursprüngliche Form ab, die sich überlebt hatte; die Auflösung der Volksepen in Prosaromane deutet bereits die moderne Richtung der epischen Ent Wickelung an. Der Begriff der „epischen Poesie* muss auf alle Fälle weiter gefasst werden, als es van Hamel für seine Zwecke thut ; es ist zu bedauern, dass er sozusagen auf halbem Wege stockt, indem er nur von der 6pop6e napol6onienne (p. 30) beiläufig erwähnt, dass sie sich in allen modernen Dichtungs- gattungen ein Eckchen erobert habe. Wenn z. B. der historische Eoman (Zola's Debäcle?), überhaupt Romanepisoden (man denke an die schöne Soldatenscene in Balzac's medecin de campagne) sich aLs wichtige Glieder in die Kette der so verschiedenartig geschliffenen epischen Produkte einreihen, wird manches Hemmnis schwinden, das einer consequenten Durchführung der geistvollen Idee van Hamels anscheinend noch im Wege steht. Man wage noch einen Schritt weiter: lüpft man die fremdländische Maske des nationalen Trauer- spieles, {Andromaque le Cid), so tritt auch hier der Grundzug der französischen Seele hervor, den van Hamel als einen „national- heroischen und zugleich menschlichen Idealismus^ zu deuten und zu definieren sucht. Prächtig ist der weniger Lücken bietende Nachweis geglückt, dass das „erotisch-cerebrale* Element der französischen Psyche, wie es sich bereits in den seelenkundigen Liebesbespiegelungen eines Chr6tien de Troyes crystallisiert hat, im Treiben der pretiösen Kreise, im Drama von Corneille bis auf A. Dumas und die neueste drama- tische Schule, im psychologischen Romane (P. Bourget), ja selbst im „jeu des petits papiers^ des modernen französischen Salons seine Existenzzähigkeit erhärtet. Wo thäte sich auf diesem weiten Gebiete eine Spalte auf, die sich nicht mühelos überbrücken liesse? Auf die Frage: wo Väme frangaise in der Sprache zum Vor- schein tritt, ist die direkte Antwort schwer, denn das Sprachgefühl, der Hauptfaktor, von dem die kunstgemässe Erlernung der fremden Sprache und somit die engste Berührung mit der fremden Psyche abhängt, ist etwas Undefinierbares. Allerlei Gebiete, der Bedeutungs- wandel, die Wortbildung, die Syntax etc. liefern nicht zu verach- tende Scherflein, den vordersten Platz räumt van Hamel aber hier dem Kapitel vom „französischen Accente" ein — dem von der Ge- lehrtenwelt noch ungelösten Sphinxrätsel. Noch eins: van Hamel erwähnt zu Beginn seiner Rede, dass Erik Staaff, Le suffixe-arim etc, 65 Derjenige, der den Satzbau, den Wortschatz, die Rhetorik eines Schriftstellers durchforscht, auch die Phantasie desselben in ihrem „Zauberschaflfen bespäht". Das klingt so selbstverständlich. Aber beachtet die moderne Kritik dieses wichtige Moment auch wirklich genügend? Legen wir die haarscharfe Feile des Mathematikers nicht sogar an das naive Volksepos und ergehen uns selbst für seine „kindlichen" Widersprüche in der trockensten Aufzählung von Grün- den? — Wünschen wir dem von der Höhe seiner Aufgabe so völlig durchdrungenen^) holländischen Romanisten, dass angesichts der weiten Perspektive, die er auf noch zu kultivierendes Arbeitsfeld eröffnet hat, sein berechtigter Wunsch nach ausgedehnterer üniversitätspflege*) der romanischen Philologie (die er seit 13 Jahren in seinem Vater- lande anstrebt) endlich in Erfüllung gehe! Karlsruhe. M. J. Minckwitz. Staaff, Erik, Le suffixe-arius dans les langues romanes. Thdse pour le doäorat. üpsala 1896. 160 SS. 8. Den Abhandlungen, welche während der letzten Jahre über die Entwickelung des Suffixes -arius im Romanischen erschienen sind, reiht sich die vorliegende umfangreiche Dissertation an. Die- selbe legt von dem Fleisse und der Sachkenntniss ihres Verfassers ein rühmliches Zeugniss ab. Die Lösung des schwierigen Problems aber, das in ihr behandelt wird, bringt meines Erachtens auch sie nicht. Der Verfasser glaubt (p. 90) das Lautgesetz entdeckt zu haben, dass im Französischen nach den hochtonigen palatalen Vocalen e, e (= ä), ü die Verbindung ir (d. h. epenthetisches i + palatales r) im Auslaute zu r vereinfacht wird, während, wenn dem ir ein aus a entstandenes e nachfolgt, das r entpalatalisiert wird, das i aber mit dem ihm vorausgehenden Vocale ver- schmilzt, z. B. mi [ni]sterium >* mestieir' > mestier > mitier, primarium > premeir' (= premäir') > premer, aber: merecU (> * mieir'e) *) > * mieire > mire (ebenso ßriat > fire), ') Warum hat er aber eine ganze Reihe namhafter Vertreter un- seres Faches, insbesondere deutscher Nation, mit Stillschweigen über- gangen? *) Art. 43 der hell. Verfassung lautet wörtlich : „An mindestens einer Universität findet Unterweisung statt in der französischen, der englischen und der hochdeutschen Sprache und Litteratur.'' ^) Ich bin nicht sicher, ob der Verfasser diese nach meinem DafUr halten notwendige Mittelstufe annimmt, ich setze daher die betreffenden 56 Referate und Bezenmnen, G. Körting. area (> air'e) > aire (> äre) varia (> vair'e) > vaire (> väre). Demnach würde z. B. cahallarium ganz regelrecht (über *cheveläir) zu cheval§r geworden sein. In zahlreichen Worten geht nun dem Ausgange -arium, bezw. -er ein Palatal voraus (z. B. porcarium > porcher), durch dessen Einwirkung (nach dem sog. Bartsch'schen Gesetze) das e^ in ie diphthongiert wird {porcher > porchier). Nach Analogie dieser Worte aber haben dann auch diejenigen auf -er, in denen dem -er ein 'nicht palataler Laut vorausging (z. B. premer, cheväler), ig statt ^ angenommen, so dass also z. B. premi§r für premgr^ Chevalier für chevaler eintrat. Der Regel entziehen sich (nach des Verfassers Ansicht), folgende Worte: 1. vair (Anbildung an das Fem. vaire) \ 2. pair beeinflusst durch paire)\ 3. adversaire, contraire etc. („ils remontent ä une 6poque oü la voyelle finale ne tombait plus"). So also wäre die Entwickelung von- arium > frz. ier, bezw -aire erklärt. In Bezug auf das ital. -iere schliesst der Verfasser sich, aller- dings mit einigem Bedenken, der Ansicht d'Ovidio's an, dass dieses Suffix dem Französischen entlehnt sei. Ich habe gegen die Aufstellungen des Verfassers folgende Bedenken auszusprechen : 1. Ein Lautgesetz, wonach ir (d. h. epenthetisches i -(- palatales r) zu r geworden, also das i geschwunden sei, vermag ich nicht anzuerkennen. Erstlich, weil ich nicht einsehe, worin es be- gründet sein soll: war die Aussprache eines i mit nachfolgendem palatalen r unbequem, so genügte es, das r zu entpalataUsieren die Beseitigung des i aber war durchaus unnötig. Sodann, weil z. B. in cuir (aus cörium) das i vor (ursprünglich palatalem) r ganz ruhig verblieben ist, und zwar nach hellem Vocale, denn cuir ist entstanden aus * cweir, wo also dem i ein e vorausging, und übrigens ist auch ü ein heller Vocal. Dazu kommt aber noch ein Anderes. Nach des Verfassers Ansicht (p. 91) ist z. B. porcarium zunächst zu * porchidr, dann (durch Entpalatalisierung des r und Schwund des i) zu porchier geworden. Es wäre demnach der Triphthong iei zu dem Diphthongen ie vereinfacht worden. Dies aber würde eine ganz abnorme Entwickelung sein, denn sonst wird iei stets zu i monophthongiert (z. B. lectu^ > * lieü > lü^ confectum Formen in Klammern. — Noch bemerke ich, dass meine Recension bereits im Juni 1896 geschrieben und eingesandt wurde, dass ich also die seitdem über -aritiS' handelnden Schriften (namentl. Lindström's und Eur6n*s (Dissertationen) nicht habe berücksichtigen können. Erik Staaff, Le suffixe-arius etc. 57 > * confieit > confit etc.) Ich begreife nicht, warum iei vor (ent- palatalisiertem) r anderes behandelt, warum z. B. porchieir nicht zu * porchir geworden sein soll. Ich begreife dies um so weniger, als die Ent Wickelung iei (vor ursprünglich palatalem r) > i that- sächlich vorliegt in feriat > fire, mereat > mire. Dem Umstände, dass im letzteren Falle dem ursprünglich palatalen r ein nachtoniges e « a) nachfolgt, kann ich irgendwelche Bedeutung nicht bei- messen, denn auch in cuir, dessen (ursprünglich palatales^ r im Aus- laute steht, ist das epenthetische i erhalten geblieben — eben, wie schon oben bemerkt wurde, ein Beweis, dass -ir (aus-*/) nicht zu r vereinfacht wird. Auf mestier u. dgl. — es kommen hier übrigens nur wenige Worte in Betracht — darf man sich nicht berufen, in diesen Worten nicht Stützen der StaafTschen Annahme erblicken wollen. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach ist mestier {metier) nicht durch lautliche Entwickelung aus * mestieir entstanden, sondern durch analogische Umbildung geschaffen worden, indem (sei es * mestieir oder) * mestir nach dem Muster der so zahlreichen Substantive auf 'ier umgeformt wurde , d. h. den Ausgang -ir mit dem Ausgange 'ier vertauschte. Der Verfasser sucht seine Ansicht dadurch zu stützen, dass er die Entwickelung des Suffixes -arius in einer Reihe von pro- venzalischen, f ranco - provenzalischen und französischen Mundarten verfolgt, wobei er immer darauf hinweist, wie die betreffenden Ge- staltungen auf -arius und nicht etwa auf -aeri beruhen. Grund- sätzlich ist dies, wie gar nicht erst bemerkt zu werden braucht, ganz gewiss ein sehr richtiges und löbliches Verfahren. Gleich- wohl muss ich ihm im vorliegenden Falle jede Beweiskraft ab- sprechen. Die Mundarten nämlich, welche der Verfasser zur Ver- gleichung heranzieht, gehören zum Teil dem Mittelalter an, es kann also ihr Lautstand nicht durch unmittelbare Beobachtung, sondern nur mittelbar aus den in den Litteraturwerken gebrauchten Schreibungen erschlossen werden. Will man aber auf diesem Wege etwas annähernd Sicheres ermitteln, so muss jedes einzelne Schrift- werk, welches als lautgeschichtliche Quelle benutzt werden soll, auf seine Beschaffenheit und Ueberlieferung hin genau geprüft werden, es muss festgestellt werden, ob der betreffende Text in Urschrift oder in Abschrift vorliegt, ob sein Schreiber, bezw. sein Abschreiber auf eine annähernd treue Wiedergabe der mundart- lichen Laute Wert gelegt hat oder nicht, und was dergleichen Vorfragen mehr sind. Der Verfasser hat diesbezügliche Unter- suchungen nicht angestellt. Das kann ihm, wenn man billig urteilen will, auch gar nicht verargt werden, — aber die Folge ist eben, dass seine auf die alten Mundarten sich erstreckenden Beobachtungen hfkr^- 68 Beferate und Rezensionen. Cr. Körting. 80 ziemlich belanglos sind. Auch mit den Angaben, welche Mund- arten der Gegenwart betreffen, steht es nicht viel besser. Hier verlässt sich der Verfasser auf seine Gewährsmänner (Odin, Häfelin, Puitspelu u. a.). Es wäre höchst ungerecht, ihm daraus einen Vor- warf machen zu wollen: praktisch konnte er füglich gar nicht anders handeln, und der Pflicht, sich die vertrauenswürdigsten Ge- währsmänner auszuwählen, hat er genügt. Aber auch angenommen, dass alle die Angaben, welche der Verfasser den Schriften be- währter Dialektforscher entnommen hat, durchaus zutreffend seien, so ist damit doch leider nicht viel gewonnen. Der heutige Laut- stand der Mundarten Frankreichs ist das Ergebniss einer vielver- schlungenen Ent Wickelung, einer Entwickelung, welche häufig während der letzten Jahrhunderte zugleich eine Verwilderung, ja eine Verrohung gewesen ist. Daraus folgt, dass, wenn man iant- liche Verhältnisse einer lebenden französischen Mundart für eine gprachgeschichtliche Untersuchung verwerten will, man zuvor ver- suchen muss, den Entwickelungsweg festzustellen, den die betreffen- den Laute oder Lautgruppen durchmessen haben. Es kann ja dieser Entwickelungsweg ein, um so zu sagen, sehr krummer ge- wesen sein, er kann z. B. durch fremde Einflüsse (namentlich durch den Einfluss der nationalen Schriftsprache) von der normalen Richtung abgelenkt worden sein, er kann im Zickzack sich bewegt, er kann die mannigfachsten Kreuzungen und Querungen erfahren haben. Ob alles dies geschehen, beziehentlich in welcher Art und in welchem Umfange es geschehen ist, das eben ist zuvor zu unter- suchen, wenn man den in einer lebenden Mundart vorliegenden lautlichen Thatsachen Beweiskraft für eine auf anderem Sprach- gebiete erfolgte Lautentwickelung verleihen will. Der Verfasser hat solche Untersuchungen nicht geführt, er konnte sie auch gar nicht führen, wenn er sich nicht lange Jahre einer mühseligen und noch dazu, falls sie nur wegen des Suftixes -arius unternommen worden wäre, so ziemlich zwecklosen Arbeit widmen wollte. Denn man bedenke, dass in vorliegendem Falle aus den Mundarten nimmermehr sichere Erkenn tniss gewonnen werden kann. Einmal angenommen, dass der Ursprung desjenigen Nominalsuffixes, welches functionell dem lat. -arius entspricht, aus eben diesem -arius für alle pro- venzalischen und franco-provenzalischen Mundarten und endlich auch für alle der französischen Schriftsprache nicht zu Grunde liegenden französischen Mundarten in überzeugendester Weise nachgewiesen worden wäre, so würde daraus doch nicht ohne Weiteres gefolgert werden dürfen, dass auch schrittfranzösisches-i^r aus lateinischem -aritim entstanden sein müsse, sondern die Möglichkeit bliebe immer offen, dass diejenige französische Mundart, aus welcher die französische Schriftsprache hervorging, in Bezug auf -arius einen eigenen Weg EriJe Staaffy Le suffixe-arius etc. 59 gewandelt sei. Im günstigsten Falle also lässt sicli, was die arim- Frage anbelangt — denn hinsichtlich anderer Fragen kann es sich anders verhalten — , aus den Mundarten nur eine hohe Wahrschein- lichkeit, nicht aber die Gewissheit erschliessen. 2. Gegen die Annahme des Verfassers, dass das italienische 'iere dem Französischen entlehnt sei, erhebe ich nachdrücklichsten Einspruch, mich auf das berufend, was ich darüber in dieser Zeitschrift XVII^ p. 231 gesagt habe. Die Thatsache, dass zahlreiche italienische Substantive auf -iere Lehnworte französischen Ur- sprungs sind, erkenne ich selbstverständlich durchaus an. Ich gebe auch die Möglichkeit zu, dass das italienische Suffix -iere, wenn es im Italienischen nicht vorhanden gewesen wäre, dem Französischen hätte entlehnt werden können, denn Suftixentlehnungen sind ja ein ganz gewöhnlicher Vorgang. Aber mit diesem Zugeständnisse ver- binde ich zugleich die Behauptung, dass, wäre das französische -ier in das Italienische übertragen worden, es stets die Fovm-iero (und nicht -iere) angenommen haben würde, schon weil die Femininform -iera lautet, neben welcher eine Masculinform auf -iere als eine Anomalie erscheint, die nimmermehr eingetreten sein würde, wenn man das französische - ier italianisiert hätte. Und wie vollends wäre man dazu gekommen, das frz. -ier in-ieri (altitalienisch canceU lieri u. dgl. neben cancelliere etc.) umzugestalten? Dafür lässt sich auch nicht der Schatten eines Grundes absehen. Der Verfasser übergeht diese wichtige Frage mit Stillschweigen. Nur einmal streift er die Frage, indem er gelegentlich Meyer -Lübke's — mir sehr zweifelhaft erscheinende — Annahme, dass mestieri ursprüng- lich ein Genetiv sei, für glaubhaft erklärt. Nein, schon die That- sache, dass neben -iere ein -ieri vorhanden war, reicht vollkommen aus, um dieser Hypothese des französischen Ursprunges von -iere von vornherein den Boden zu entziehen. Der Verfasser glaubt (p. 138), mir widersprechend, dass italienisch pensiero die italianisierte Form des altfranzösischen (und prov.) pensier sei. Wenn er darin Recht haben sollte — was ich keineswegs für wahrscheinlich, obwohl auch nicht für schlechthin unmöglich erachte — , so ist doch dadurch für seine Theorie gar nichts gewonnen, denn altfranzösisch prov. pensier ist nicht = * pensarium, sondern = * penserium (nach desiderium), und sodann wäre bemerkenswert, dass pensier in der Form von pensiero und nicht in der von pensiere italianisiert worden wäre, was eben zu -aQiq aber kann nicht wohl ein spe- cifisch griechischer Lautwandel sein. Freilich mag man sich zu solcher Annahme leicht versucht fühlen angesichts der Thatsache, dass die Eigennamen auf -loq vielfach statt dieses Ausganges die Endung -iq angenommen, also anscheinend das o ausgestossen - haben, z. B. rscüQyioq > rscogyLg, FQriyoQioq > FQTjyoQLq, Baalkiog > Baavkvq etc. In Wirklichkeit liegt aber hier analogische An- bildung an die Eigennamen auf - riq d. h., weil rj = i, auf - iq, vor. Analogische Umbildung der Substantive auf -aQioq zu -dgig nach dem Muster der Substantioa auf -riq (== -is, z. B. ^) Der Verfasser schreibt stranier] das ist aber offenbar nur Schreib- oder Druckfehler, denn das anlautende e konnte vor s + Cons. im Fran- zösischen nimmermehr abfallen, wäre vielmehr, falls es nicht von vorn- herein bestanden hätte, vorgefügt worden. Erik Staaff, Le suffixe-arius etc. 6 avS-evvfjg) ist nun allerdings nicht undenkbar, aber für wahrschein- lich kann sie doch wohl nicht erachtet werden. Jedenfalls liegt die Möglichkeit vor, dass -digL-g einem volkslateinischen 'äri[s] für - äriu[s] entspricht. Wenn dem so sein sollte , würde dadurch Bianchi's Hypothese glänzend bestätigt werden. Die Frage bedarf noch einer näheren Untersuchung, welche freilich mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wird. So lange aber eine solche Untersuchung nicht geführt worden ist, wird man gut thun, über- haupt die Frage nach der Entwickelung von -arius im Volkslatein und im Romanischen als eine noch offene und noch nicht spruch- reife zu betrachten. Nachdem ich somit meine hauptsächlichsten Bedenken gegen des Verfassers Annahmen dargelegt habe, füge ich noch einige teils allgemeine, teils besondere Bemerkungen hinzu. Der Verfasser hatte sich selbstverständlich mit denen ausein- anderzusetzen, »velche vor ihm über die Entwickelung von -arius geschrieben hatten. Er thut dies in sehr ausführlicher, etwas gar zu behaglich breiter Weise auf den SS. 16 bis 86, also auf nicht weniger als 70 Seiten. Dieser Abschnitt ist ohne Frage der beste und gediegenste des ganzen Buches, er wird als eine vollständige Geschichte der dem Suffixe -arius bis zum Jahre 1895 gewidmeten Forschung bleibenden Wert besitzen. Der Verfasser hat sich mit Geschick und Erfolg bemüht, die Ansichten und Aufstellungen seiner Vorgänger klar darzulegen und sie gerecht zu beurteilen. Oft genug sah, wie begreiflich, der Verfasser sich veranlasst, seinen Vor- gängern zu widersprechen, und er hat — es war das ja sein gutes Recht — diesen Anlass gebührend ausgenutzt, mitunter sogar auch den Kampf gegen Windmühlen nicht für seiner unwürdig erachtet. Zum Lobe gereicht es ihm, dass er die Polemik in streng sachlicher Weise geführt und sich aller Invectiven enthalten hat. Ueberhaupt gewinnt man aus dem ganzen Buche den wohlthuenden Eindruck, dass der Verfasser frei ist von jenem Uebermasse des Selbstbewusst- seins, an welchem manche junge Gelehrte kranken, und dass er nicht dem Wahne huldigt, dass ein Kritiker möglichst „schneidig* sein, d. h. mit Kraftworten (vulgo Schimpf werten) um sich werfen müsse. Nur eine Einschränkung ist in Bezug auf das dem Verfasser in dieser Hinsicht zu spendende Lob doch zu machen: er braucht gar zu häufig das hässliche Epitheton absurde ^ vielleicht ohne es sonderlich böse zu meinen und ohne sich dessen bewusst zu sein, wie unhöflich dieser Ausdruck ist. Auch eine meiner Aufstellungen wird, worauf ich noch zurückkommen werde, einmal mit diesem Prädikate belegt. Ich nehme das dem Verfasser durchaus nicht übel, erkenne vielmehr gern an, dass er im Uebrigen auch gegen mich die Pflicht der Gerechtigkeit und die Rücksicht des Anstandes 62 Referate und Rezensionen. G, Körting. beobachtet hat. Sehr verwahren aber muss ich mich dagegen, dass er einmal (p. 1 39 unten) behauptet, ich hätte die Hypothese d'Ovidio'ß bezüglich des Ursprunges von -iere für „absurde^ erklärt. Das habe ich nicht gethan, sondern ich liabe nur gesagt (p. 203 meines Aufsatzes), dass diese Hypothese „durchaus haltlos" sei. Das aber ist etwas ganz anderes, als „absurde'^. Von einem so genialen Forscher, wie d'Ovidio es ist, habe ich mich nie erkühnt und werde ich mich nie erkühnen, zu behaupten, dass er etwas Absurdes ge- sagt habe. Und auch sonst habe ich — so hoffe ich wenigstens — bei der Beurteilung der Leistungen Anderer nie ein unziemliches Wort gebraucht. Von den Einzelheiten, in Bezug auf welche der Verfasser die von mir ausgesprochenen Vermutungen bestritten hat, hebe ich drei hervor. Der Verfasser wundert sich, wie ich habe behaupten können, dass der Accusativ Pluralis -äriöfs] zu -äri (statt zu -ajö) geworden sei. Nun, er kann sich beruhigen: ich für meine Person habe das nie gethan. Ich habe nur berichtet, dass nach Bianchi's Hypothese der italienische Pluralausgang -i aus -ös dadurch entstanden sein soll, dass vor s ein parasitisches i sich entwickelte, welches später mit dem ihm vorangehenden o zu i verschmolz (also z. B. poptUos > populöh > po'puloi[s\ > populi). Mir erscheint dies durchaus nicht annehmbar, wie ich auch wiederholt ausgesprochen habe (Handbuch der romanischen Phil. § 41; Neugriechisch und Ro- manisch § 8). In den Adjectiven primaire und contraire erblicke ich halb- gelehrte Bildungen, welche auf den adverbial gebrauchten Ablativen primario „erstlich" und (e) contrario „im Gegenteile" beruhen; nach dem Muster von primaire und contraire wurden dann, glaube ich, auch secondaire^ adversaire u. dgl. gebildet. Dem Verfasser kommt dies ganz ungeheuerlich vor, denn er ruft entsetzt aus: ^,ces deux mots seraient Vorigine de toute la classe des mots en -airel'* Ich ant- worte darauf ganz ruhig: Nun ja, warum denn nicht? Ist es doch sogar vorgekommen, dass ein einziges Wort, bezw. eine ein- zige Wortform den Typus für eine ausgedehnte Neubildung abge- geben hat (so wurde z. B. nach cui gebildet illui, istui, dann wieder ecce und eccu[m] + illui, istui). Der Verfasser will aber auf eine Prüfung meiner Hypothese nicht eingehen, weil sie ihm ebenso imUüe wie improbäble erscheint (p. 79), denn ich müsse ja einen ^^emprunt continu du frangais au latin classique et au bas latin^' annehmen. Der Ver- fasser hat ganz Recht : ich bin in Folge jahrzehntelanger Be- schäftigung mit romanischer Sprachgeschichte wirklich zu der üeber- zeugung gekommen, dass das Latein, weil es während des ganzen Erik Staaffy Le suffixe-aritAs etc. 6B Mittelalters und noch darüber hinaas die Sprache der Wissenschaf t, der Schule, der Kirche und (wenigstens vielfach) auch des Staate» gewesen ist, fortwährend die romanischen Sprachen heeinflusst, namentlich aber ihnen Worte geliefert hat. Ich weiss übrigens ganz genau, dass auch Andere so denken, ja ich schmeichle mir mit der Hoffnung, dass im Grunde auch der Verfasser die gleiche üeberzeugung hegt. Ich hoffe das, weil der Verfasser (p. 96) den Satz ausspricht: „les mots en -arium de date plus recente ont en frangais la forme -aire^^, denn unter diesen Worten kann der Ver- fasser doch nur solche verstehen, welche nicht als Erbworte im Romanischen fortlebten, sondern erst später, d. h. zu einer Zeit, als es nicht mehr ein Volkslatein, sondern schon eine Vielheit von romanischen Sprachen gab, dem Latein entlehnt wurden, sei es dem Schriftlatein, dessen Kenntniss ja stets erhalten blieb, sei es der lateinischen Umgangssprache, die in Klöstern etc. üblich war. Einen schwerwiegenden Einwand gegen Bianchi's Annahme wonach französisch -ier aus lateinisch -aeri entstanden ist, bildet die Thatsache, dass lateinischem (Cons. +) -carium (z,B. vaccarium) französisch -chier gegenübersteht (z. B. vachier); daraus nämlich muss, so scheint es wenigstens, gefolgert werden, dass dem c ein a und nicht ein ae nachfolgte, denn nur vor a konnte Palatalisierung, vor ae aber musste Assibilierung des c eintreten. Vom Standpunkte Bianchi^s aus muss man also das ch so zu erklären suchen, das& die Annehmbarkeit seiner Hypothese dabei nicht in Frage gestellt wird. Ich that dies, indem ich die Vermuthung aussprach, es sei z. B. vachier von vache abg:eleitet, bergier gehe auf ein * berbigarius^ (von * berbex und agere) zurück etc. Die letztere Annahme nun findet der Verfasser „absurde^. Ich wende dagegen ein, dass Zu- sammensetzungen eines Nomens mit agere auch sonst vorkommen,. z. B. auriga (wovon wieder aurigärius), remigium (bezw. remex), ambages etc.; ein aurigarius konnte recht wohl ein * berbigarius^ nach sich ziehen, wobei die gekürzte Nominalstammform * berbi für berbec[e] nicht sonderlich befremdlich wäre. Ebenfalls vom Standpunkte der Hypothese Bianchi's aus musste ich annehmen, dass z. B. fo^er nicht aus focarium (wofür * focaeri eingetreten sein würde), sondern aus dem adjecti vischen Neutrum (* focaris) * focare (nach dem begriffsverwandten altare) entstanden sei. Auch davon will der Verfasser nicht reden hören: er wendet ein, dass * focäre zu * fimer habe werden müssen (vgl. jocäre > jou£r^ advocäre > avcmer). Er vergisst dabei aber, dass vocälem zu voyelle (nicht zu * vouel[''le]) geworden ist. Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass ich die Annahme, es sei in der Verbindung -ocA- (z. B. in hcdre) das zwischenvokalische c ohne Weiteres ausge- fallen, nicht für richtig halten kann. Ich glaube vielmehr, dass. 64 Referate und Rezensionen. W. Meyer-Lübke. in dieser Verbindung c ebenso, wie in der Verbindung - acä - (z. B. pacäre > pagar > payer) zunächst zu g und dann zu j ver- schoben worden ist ; in jouer^ jouons erblicke ich Anbildung an die stammbetonten Formen (z. B. jöcas > joues\ in denen c in vor- toniger Stellung sich befand; fouace aber halte ich für eine Neu- bildung von fou aus. Ich meine daher, dass die Ansetzung von foyer < * focdre nichts Widersinniges in sich hat, und lehne also bis auf Weiteres die mir von dem Verfasser freundlichst erteilte Belehrung dankbar ab. — — Mitunter finden sich in des Verfassers Schrift schwer erklär- bare Flüchtigkeiten. So behauptet er auf S. 4: „les verbes de la lidre conj. parteut tout [sicIJ comme les adj. en -arius des th^mes nominaux en-a." Einige Zeilen später bemerkt er allerdings: j,-arius, comme la terminaison -are, a §te pris pour un suffixe et on Ta rattache k des themes de toute esp^ce." Aber auch das ist recht schief und ungenau. Völlig unbegreiflich ist mir, dass der Verfasser (S. 2 Z. 5, bezw. Z. 1 V. u.) Priscian „74 avant J.-Chr." und den Grammatiker Diomedes „10 avant J.-Chr.** gelebt haben lässt. Das ist fürwahr ein gar fetter Bock! — Der Verfasser hat meines Erachtens das Problem, das er lösen wollte, nicht gelöst. Aber an redlicher, gewissenhafter und ver- ständiger Arbeit hat er es nicht fehlen lassen, und um deswillen ist das, was er geleistet hat, verdienstlich und lobenswert. Wer einmal die an«*s-Frage endgültig lösen wird, der wird unter denen, welche ihm nutzbringend vorgearbeitet haben, auch den Schweden Staaff mit Dank und Anerkennung nennen. Kiel. G. Körting. Schwan, E., Grammatik des Altfranzösischen. Dritte Auflage neu bearbeitet von D. Behrens. Leipzig. 0. R. Reisland 1898. Vm, 272 SS. 8°. Dass Schwanns altfranzösische Grammatik trotz vieler Fehler und Schwächen ein längst gehegtes Bedürfnis im Ganzen genügend befriedigte, zeigt die Schnelligkeit, mit der eine dritte Auflage nötig geworden ist. Der nicht leichten und nicht immer dankbaren Auf- gabe, das Buch eines Andern zu bessern, hat sich D. Behrens unter- . zogen und Freunde altfranzösischer Studien werden ihm dafür gössen Dank wissen. Schwan's zweite Auflage einfach neu zu drucken, ging nicht wohl an, da sie zu Verbesserungen noch viel zu sehr Veranlassung gab; sollte aber daran geändert werden, so \ E. Schwan, Grammatik des Altfranzösischen, 65 galt es, die richtige Grenze zu finden. Im allgemeinen ist der Grundplan beibehalten und mit gutem Hecht, obschon wohl manche Vereinfachungen möglich gewesen wären; in der Einleitung ist, wie man nur billigen kann, der Abschnitt über Vulgärlatein weggefallen, der bibliographische Anhang ist sehr erweitert, vor Allem aber hat jeder einzelne Paragraph eine sorgfältige Durch- sicht und Verbesserung erfahren. Einzelne Versehen sind freilich auch jetzt noch geblieben — ein Beweis, wie schwer es ist, selbst bei Beschränkung auf ein verhältnissmässig enges Gebiet und bei wiederholter Durcharbeitung eines Stoffes stets an alles in Betracht Kommende zu denken. Ich gebe im Folgenden wie zu den früheren Auflagen eine Anzahl Bemerkungen, die sich mir beim ersten Durch- blättern aufgedrängt haben. Wo die Paragraphen zu lang und durch all- zu viele Unterabteilungen schwer erkennbar sind, zitiere ich nach Seiten. S. 12 unten 'vlat. abradicare neben exradicare afr. arrachier selte- ner esrachier\ Das Verhältnis der afr. Formen ist gerade umgekehrt oder wenigstens ist esr- älter, arr- jünger, und daraufkommt es haupt- sächlich an. Ich wüsste auch nicht, wie man im Französischen äbr- zu arr- rechtfertigen könnte, noch wie eine galloromanische Neu- bildung mit ab mit den Tendenzen der späteren lateinischen Wort- bildung vereinbar wäre. Man darf sich nicht auf abdurare aus obdurare berufen, da hier ein bei Verben ganz seltener Anlaut o- durch den häufigeren a- ersetzt wird. — § 12, 5 ein germanisches wastan giebt es nicht, sondern nur ein mhd. wasten. Wegen der romanischen Formen mit Mackel Die germanischen Elemente in der französischen und provenzalischen Sprache S. 72 Anm. eine alte Entlehnung aus dem Lateinischen und Rückwirkung auf das Ro- manische anzunehmen ist zu kompliziert. Wir haben den lateini- schen Stamm vast-, den germanischen m;ös^-, auf romanischem Boden verschmelzen die beiden in der Art, dass der germanische Anlaut bleibt. Aut diese Weise kommen wir mit dem überlieferten Gute aus, unter Zuhülfen ahme eines ganz gewöhnlichen Vorgangs. — § 22. Worauf stützt sich der Ansatz prendre mit e ? Italienisch prendere, siz. prenniri. — S. 24 Anm. 'Nach anderer Ansicht ist in *quattor = quattuor die Doppelkonsonanz erst aus tu entstanden'. Das widerpricht den Zeugnissen der römischen Epigraphik, die quattuor sichern. — S. 29. Die Regel über die Betonung mehrsilbiger germanischer Wörter ist in der gegebenen Fassung nicht zutreffend. (Vgl. alfise, alise.) — S. 34, 1. Der Verfasser ist in der Annahme von Umbildungen sehr vorsichtig, so dass er z. B. nicht einmal die von manuplus zu manuclus nach den vielen Bildungen auf -uclus vorträgt, vielmehr manuclus als unerklärt bezeichnet (§ 113 Anm.), aber dann hätte er nicht so ganz unwahrscheinliche wie mea an- geglichen an me aufnehmen sollen. — Stela ebenda hätte wohl Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX«. ö 66 Referate und Bezensionen, W, Meyer-Lübke, irgendwo einer Erklärung bedurft, da die lateinische Form doch steUa lautet. — § 41 Anm. Cil soll Lehnwortform haben. Das ist sachlich wenig wahrscheinlich, wird auch durch die verwandten Sprachen nicht gestutzt. Es ist eine rein theoretische, auf unsichere Analogien gestützte Annahme, dass cilium im Französi- schen nicht habe zu ceW werden können. Hält man sich ohne Rücksicht auf die Theorie an. die Thatsachen, so lehren eil, eissil, dass das e der zwei Wörter dieselben Wandlungen durchgemacht hat wie das von vfr. eine, cive u. s. w. — § 48. Von allen Grund- formen für französisch püce, italienisch pezzo scheint mir pekia die unwahrscheinlichste. Ob französisch c ein Uia oder kia oder tvia voraussetzt, ist nicht zu entscheiden, wohl aber ist italienisch jg/s nur mit t, nie mit k vereinbar. — § 50 ingeniu > engin, venio > * viwp, § 38 liniu > ling. Weshalb dort n, hier ng? — § 58 Anm. Die franzische Aussprache des Diphthongen war ue' So entschieden würde ich das nicht sagen, Matzke's Artikel hat mich und auch Andere nicht überzeugt. — § 72 truäa > truiie ohne weiteres anzusetzen ist mehr als bedenklich. Dialektformen weisen mehrfach auf p. Ich vermag die Geschichte des Wortes, die zweifellos mit der Kultur der Forelle zusammenhängt, allerdings nicht aufzuklären und würde das Wort in einer Elementargrammatik ganz weglassen. ~ S. 46 cueü aus coUigo als lautgesetzliche Form anzusetzen würde ich nicht wagen. — § 80 ist unnötig kompliziert. Er handelt von den gedeckten Auslautvokalen, trennt sie also von den freien, giebt aber doch keine klare und befriedigende Regel. Nun ist ja aber im Französischen das Schicksal der auslautenden Vokale völlig un- abhängig von der Frage, ob sie gedeckt seien oder nicht (höchstens steht nt für sich), so dass die Trennung nur verwirrend wirken kann. — § 91, 2. Dass das a von chaloir dem Einfluss des l zu verdanken sei, nehme ich jetzt auch an, da auch die ON., die mit cäl^ anlauten, cÄoZ- zeigen. Für das e in geline ist vielleicht folgende Deutung zu geben. Lateinisch l war, wenn ihm nicht i, e folgte, velar, U palatal oder wenigstens jenes dunkel (pinguis), dieses hell (exilis). Nun ist ganz klar, dass die Färbung des l sich im gallischen Latein lang genug gehalten hatte, um den Wandel von vortonigen a zu e zu hindern. Soll nun nicht umgekehrt II hell geblieben sein, so dass das zwischen zwei Palatalen oder Halbpalatalen eingeklemmte a zu e wurde? Die Sache bedürfte natürlich einer eingehenderen Unter- suchung. — § 102 pullikella. Die norditalienischen, bündnerischen und spanischen Reflexe der Wörter verlangen pullikella, im Fran- zösischen ü liegt also wohl eine Abweichung vor, für die ich aber nicht pulex, sondern |?i*^i«s verantwortlich machen würde. — § 107. Nicht flairer ist afr. sondern flairier, — S. 60. Für die Lehre, dass savon, savour, nevout Lehnworte seien , dürfte der 'Verfasser schwer Gläubige finden, so lange er nicht sagt, was anders als v JE, Schwan, Grammatik des Altfranzösischen. 67 aus Vok. + pö hätte werden müssen. Auf saü aus saputu kann man sich doch dafür ebensowenig stützen, wie auf sai aus sapio für pi. — § 114 wäre besser escür als oscür gesetzt. — § 116 evesque wird mit Eecht als frühes Lehnwort bezeichnet, nur gilt dasselbe auch von prince aus princeps, wogegen ich nicht recht sehe, wes- halb chanvre verdächtigt wird. — § 141 wird galbinus als germa- nisches Lehnwort bezeichnet. Ich -weiss nicht, worauf sich diese Annahme stützt, jedenfalls ist aber das Wort im Lateinischen so früh belegt, dass es für die Romanen als lateinisch zu bezeichnen ist. — 143. Ich muss daran festhalten, dass geiant keine altfranzö- sische Form ist. Das Wort lautet in alter Zeit nur jaiant und wo e für ai auftritt jeant. Ein jeiant Jiätte zudem wol nfrz. joyant ergeben, gleich doyen aus deiien. — S. 75 Anm. Yoielle soU an voiz angelehnt sein, noiel an noiz. Auch hier ist zunächst zu sagen, dass voielle nicht altfranzösisch ist, das Wort vielmehr Nom. voiem Obl. voel lautet wie tiem tel, woraus sich dann das i ohne Schwierigkeit aus der Flexion des Wortes selber erklärt. -7- § 149. Der Reihe loscu-loxu-lois wird mit vollem Rechte ein Fragezeichen beigesetzt. Ich gebe meine eigene frühere Erklärung preis, halte aber die Wallenskiöldische^ auch nicht für richtig, denn warum soll in * boscaticum, * boscutum nicht auch sc zu es umgestellt worden sein? Ich schliesse mich jetzt Horning's Andeutungen an. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass zwischen lateinisch testa und franzö- sisch tete ein teste gestanden hat. Ganz ebenso ist nun auch lusku anzusetzen. Während nun aber vor Dentalen und Labialen s über s und h verstummte, hat es sich das velare k angeglichen und aus s'k' entstand s, is. — § 151. Anm. 2. Wie kann fire „gelehrt" sein, da das fiiicum, auf das es zurückgeht, ja in der Schriftsprache gar nicht existiert hat? — § 154. Getier ist zweifellos die an- nähernd zu erwartende Form, nicht aber die üblichste, die geter lautet. — Für jusque hat A. Tobler begrifflich besser passendes in- deusque vorgeschlagen, Archiv /. n. Sprachen 94,462. — § 156. Die Fassung der Regel über die Behandlung von vortonigem y halte ich für unrichtig. Auf flaiel u. dgl. ist nichts zu geben, das Wort flektiert fla-iaus flael, neben saiette steht saette, und es bliebe noch zu untersuchen, ob die erstere Form nicht solchen Texten an- gehört, die auch paielle für patella bieten, peour und maour sind ganz gewöhnlich. Dass alle diese Wörter, wie es in der Note heisst, nicht dem alten Erbschatze angehören, wird kaum wahr- scheinlich zu machen sein. Setzten wir als Regel y vor betontem Vokal verstumme, so stimmen dazu so ziemlich alle Beispiele, sichere Ausnahmen sind nur die Fälle mit folgendem freien a und e: meiien, pais aus pa-ieis, dann roion und pdour neben peour. Auf maiour neben maour kann man sich nicht stützen, da jenes natürlich als moQOur gelesen werden kann, dann also Lati- 5* 68 Referate und BezensUmen. W. Meyer-Lubke. nismus ist. Dagegen ist peiour durch poiour gesichert, für das Burguy 1 105 einen Beleg bringt, ein zweiter wäre Meraugis 1184, doch könnte sich peiour im Galloromanischen ähnlich erklären wie prov. menhs^ d. h. wie dieses nach melhs einen Palatal bekommen hat, so hätte jenes den seinigen nach melyour behalten. Bleibt roion, bei dem man wol auch irgend eine Umbildung (nach roiaume oder nach roi „Ordnung"?) schon wegen des Geschlechtswechsels wird annehmen müssen. Ich würde also sagen, y zwischen tonlosem und betontem Vokal fällt, ausser wo es sich mit letzterem früh- zeitig zum Doppellaut verbindet. — § 177 TJle aus olla halte ich nicht für richtig. Nach gask. ule kann das Wort im Gallo- romanischen nur Z, nicht II gehabt haben, und da nun afr. esteüe mohtestellezvig^.'sk. estele stimmt, so wird man erwarten, dass auch der Reflex von ölla in beiden Sprachen derselbe sei, also französisch oule, später eule. Diese Form kommt thatsächlich vor, s. Godefroy, und wo das Wort heute in Mundarten lebt , zeigt es die Ent- wicklung von freiem ö, nicht von gedecktem. Wenn im Schriftfranzösischen des XVI. Jahrhunderts oule vorkommt, so müsste doch erst bewiesen werden, dass dieses oule nicht prov. sei, oder andrerseits müsste man zeigen, dass in dem Texte, den Godefroy eule entnommen hat, gedecktes o zu eu werden kann. Vgl. Ebeling Auberee S. 137 f., dessen Bemerkung, der Wandel von ölla zu ola sei nicht gemeinromanisch, richtig ist. Ich habe aber, so oft ich die Sache zur Sprache bringen müsste, stets nachdrücklich hervor- gehoben, dass es sich um eine auf Gallien und Raetien beschränkte Erscheinung handle, Rom. Gramm. I 545, diese Zs. X^ 86. — § 195 Anm. fehlt pluie. — § 208. Die Verschiedenheit zwischen chalonge und chalognier wird ihre Erklärung in der verschiedenen Stellung des Tons finden. Donjon spricht nicht dagegen, da es wahrscheinlich germanischen Ursprungs ist, s. Pogatscher, Zs. f. rom. Fhil. XII 557. § 248 Anm. Es ist methodisch unrichtig, eine Lautregel nur auf Verbalformen zu stützen, das geschieht aber hier, wenn aus veid devi geschlossen wird, ol Kons, werde zu eu. Auch filleus aus filiölus kann nicht als beweisend angeführt werden, da der Oblikus filleiü lauten muss. Wenn wir neben einander haben Sg. filleul Plur. filleus und Sing, oeil Plur. yeux^ so wird man von vorn- herein die ersteren Formen als ausgeglichen, die letzteren als laut- gesetzlich zu erklären geneigt sein und auch erklären, bis der Gegenbeweis erbracht ist. Dass yeux mundartlich sei, wie die An- merkung lehrt, ist doch ganz und gar unglaublich, denn erstens können für solche Begriffe mundartliche Formen doch nicht ein- dringen und zweitens würde wohl das Paradigma oeil *eux, das zahlreiche Analogien hatte, nicht zerrissen worden sein. — S. 114 und 115 ,In fleau hat die Schreibertraditiou auf die Aussprache eingewirkt*, das verstehe ich nicht. Wo es hunderte von Wörtern E. Schwan^ Grammatik des Altfranzösischen, 69 mit eau giebt, begreift man nicht , warum gerade fleau und preau falsch gelesen sein sollen. Eher ist Koschwitz' [Gramm, d. nfr. Schriftsprache S. 14) Erklärung, dass Kons. + r den alten Triphthon- gen eau zerdehnt hätten, annnehmbar, sie findet in perdreau bei Jodelle eine Stütze, oder aber die von mir (Rom. Gramm. II 37) vorgetragene, für die cheaux bei Baif spricht. Bei K.'s Auffassung ist nicht recht verständlich, weshalb auch flau^ prau lange besteht und muss cheaux als fälschlich nach den drei andern gebildet sein, bei meiner ist cheaux in Ordnung, erklärt sich flaUj prau und ist perdreau analogisch. — § 282. Worauf stützt sich die Ansicht, dass «7+ Kons, sein l einfach verliere? Doch wohl weder auf gentil noch auf fiz, wenigstens raüsste man das wieder als methodologischen Fehler bezeichnen. Eine Form fiujsf kommt in den Texten der verschiedensten Gegenden vor, wie man sich leicht aus der Arbeit von Haas Zur Geschichte des l vor Konsonanten überzeugen kann, und sie, bezw. eine ihr entsprechende, lebt in manchen heutigen Mundarten, ja sie lebt sogar in Paris, vgl. Biet, generäl „la forme picarde fieu s'emploie qqf. dans le langage fami- lier et s'^crit tieux." Aber warum soll die Form pikardisch sein? Sind etwa die Pariser Ammen und Kindermädchen vorzugsweise Pikardinen? Nicht einmal dann wäre die Sache wahrscheinlich, da diese Personen doch wohl im Verkehr mit Kindern Kosewörter brauchen. Ich meine also, man muss entweder sagen, das uns vor- liegende Material gestatte einen Schluss überhaupt nicht oder man muss aus fieu die Consequenz ziehen, dass ils zu ieu wird. Man wende nicht ein, das -s in nfr. fils sei als sicherer Nominativ entscheidend, ein Blick auf die Grammatikerzeugnisse bei Thurot zeigt, dass dieses -s eine künstliche Züchtung ist. Schliesslich noch eins. Dem Phantom einer billigen Satz- phonetik ist Behrens glücklich aus dem Wege gegangen und er wird dafür gewiss allgemeine Zustimmung finden. Er hätte wol noch besser gethan, auch das Wenige, was S. 58 Schluss gesagt wird, wegzulassen. Er sagt da nämlich, clavu sei vor Vokal zu clou geworden, capu vor Konsonant und in Pausa zu chief, Ändegavu vor Vokal zu Änjou u. s. w. Man durchgehe einmal die gewöhn- lichen Verbindungen, in denen ein ON. vorkommt und man wird finden, dass er ganz gewöhnlich am Ende des Satzes steht. Aber davon abgesehen, wer lehrt, Änjou, clou seien vorvokalische Formen, muss doch zeigen, wie sie denn in Pausa oder vor Kon- sonanten hätten lauten müssen. Doch nicht etwa Ängief, clef? Dass clou sich mit cÄie/ decke, kann man doch überhaupt nicht er- warten, da ja die lateinischen Grundlagen verschiedene sind. Aller- dings wird lupu zu lou und daraus Messe sich ein *chou allenfalls rechtfertigen. Allein hier gilt wie so oft der Satz „Kleine Ur- sachen grosse Wirkung", aus lupu folgt für capu nichts aus dem- 70 Referate und Rezensionen, W, Meyer-ljUbke. selben Grunde, aus welchem aus elavu nichts für capu folgt. Um es kurz zu sagen, stelle ich mir die Geschichte der drei Wörter folgendermassen vor. Schon lateinisch ist claus clau aus clavus wie das bekannte atis aus avus u. s. w., vgl. jetzt Solmsen Studien zur lateinischen Lautgeschichte 45, Lindsay Die lateinische Sprache S. 60. Daneben stehen nun capu lupu, die zunächst zu cabu lubu werden. Soweit gehen Provenzalisch und Französisch zusammen. Dann entwickelt sich das Französische weiter zu cawu luuni, während aber nun w zwischen zwei u zu u wird und schliesslich in dem u aufgeht, bleibt w nach a (e) fester, wie es auch nach i, c, e fester bleibt, wird zu v und nach Abfall des Endungsvokals zu f. Gegen diese Deutung lässt sich nun freilich apud zu od ein- wenden, wiederum aber handelt es sich hier um ein ganz anders geartetes Wort, denn wie es noch niemandem eingefallen ist, von ad auf gradUy von foris auf * cor-is zu schliessen, so darf man es nicht von apud auf captU thun, selbst wenn wir für letzteres die ^-form festhalten wollen. Nehmen wir einen Augenblick caumd, auMd an, so wissen wir doch das eine sicher, dass auf dieser Stufe d zu ö, e geworden ist, wogegen a _^ blieb , also hätten wir cäumd, aumd, und nun hat der helle Vokal die Wirkung des u aufgehoben, also cävud, der dunkle nicht, also awud, weiter od. Allein die Schluss-Konsonanten lehren * uns ja auch, dass capu, nicht caput die galloromanische Grundform ist und dadurch wird die Verschieden- heit der zwei Wörter eine noch grössere. Wo nicht zwei ganz gleich gebaute und syntaktisch gleichartige Wörter oder ein und dasselbe Wort in Doppelformen vorliegen, haben wir kaum ein Eecht, jedenfalls nie einen Zwang, zur Satzphonetik zu greifen. Zur Formenlehre habe ich wenig zu bemerken. § 283, 2 heisst es: folia „Laub" hätte die Bedeutung „Blatt** bekommen, worauf zu der als Singular empfundenen Form auf -a ein Plural auf -as neugebildet worden ist. Die spätlateinischen und manche romanischen Erscheinungen lassen den umgekehrten Gang wahrschein- licher erscheinen. Zu folium „Blatt" tritt folia „Blätter** und „Laub**, dann erhalt folia in den Fällen, wo es eine ausgesprochene Pluralbedeutung hat, ein s: Mias „Blätter**, da wo es kollektiv, also mehr singularisch ist, nicht, also folia „Laub** und nun kann zum Plural folias „Blätter** ein neuer Singular /öiJia „Blatt** gebildet werden. Für diese Reihenfolge spricht, dass die as -Plurale aus alten a-Pluralen mehrfach, sei es ohne Singular sei es noch mit dem o-Singular vorkommen, vgl. Rom. Crramm.JlS. 17,undportg. a?Äas„Blät- ter der Knoblauchpflanze" neben alho „Knoblauch**, spanisch camunas „allerhand Sämereien mit Ausnahme des Roggens, der Gerste und des Weizens**, wenn es communia darstellt u. a. — § 290 hätte guez als oft und fiens als stets unflektierte Wörter schon darum aufgeführt werden sollen, weil man vom etymologischen Stand- E, Schwan^ Grammatik des AUfraneösischen. 71 punkte aus Flexion erwartet. Dasselbe gilt von prouz. — § 310 wird priiismes ans proximtis angesetzt, ebenso § 162 mit Verweis auf § 62, wo nuit u. s. w. behandelt wird. Ich habe n § 67 proismes geschrieben, weil dies die bei weitem gewöhnlichere Form ist. Wie das o in proodmiis war, können wir nicht wissen, ob italienisch prommo etwas beweist, ist fraglich, aber selbst wenn prgximtis sicher wäre, hat sich doch die Grammatik an die ge- bräuchlichste Gestalt des Wortes zuhalten. — § 321. Wie jo aus *eo entstanden ist, lässt sich in Ermanglung eines zweiten entspre- chenden Wortes kaum sagen, doch ist mir die Eeihe iSo - ieo wenig wahrscheinlich, da man daraus doch höchstens jeu erwarten könnte. Ist nicht eo mandtico zu yo manduco mindestens ebenso gut denkbar? — § 326. Der Verfasser leitet mien aus meum her, was wohl nachgerade ziemlich allgemein anerkannt werden wird. Ich will bei dieser Gelegenheit nur darauf hinweisen, dass der ON. Bri- enne am älterem Breona entstanden ist, siehe die Belege für letz- teres bei A. Holder AUkeU. Sprachschatz I 525. — § 338 b. Ein vulglat. colliyire anzusetzen, wo coülir ja nicht einmal ganz Nord- frankreich angehört, geht kaum an, jedenfalls ist der Konjugations- wechsel ganz anders entstanden, als in den sonst hier angeführten Verben. Wohl aber hatte hier oder S. 169 Zwiser genannt werden müssen, weil man vom französischen Standpunkte aus es mit plaisir u. s. w. auf eine Stufe zu stellen versucht sein könnte. § 168 ist tenui^ nicht tenui zu schreiben. — § 339, 2, Anmerkung 2. Dem auch von anderen aufgestellten Schluss, dass die Behandlung des Konsonanten in colch-ons, najons, neyons u. s. w. Ersatz von -amus durch (yns als nach der Palatalisirung geschehen erweisen, halte ich nicht für berechtigt. Setzen wir einmal * 2Sg. colches, nqjes^ neyes^ 3Sg. colchet naget neyet, 1 . Plur. * colcons, nagons, negons, > neons^ 2. Plur. colchiejsf, najiez, neyee^ 3. Plur. cölchent, najent, neyent^ hätte da eine erste Pluralis mit solchem abweichenden Stamme bleiben können? Ich will damit nicht sagen, dass ich die Umbildung der Endung für uralt halte, ich habe vielmehr über diese chronologischen Ver- hältnisse überhaupt vorläufig keine Ansicht, ich halte es aber für nötig, auf das trügerische der üblichen Schlussfolgerung hinzuweisen. — § 340. Zu sott, ait gesellt sich voist und puist, — 342,2 „Die 1 und 2 Pluralis perf. gehen auf -ames^ -imes^ -astes, -istes aus, indem hier vielleicht unter Einfluss von faimes, Jaites, dimes, dites der Vokal der Endung als q erhalten blieb'. Ich verstehe das nicht. Wie soll faimes auf Perf - amus wirken, nicht aber auf Pres, -amus oder Imperf. -abamtis? Und soll faimes aus fadmus schon bestanden haben, als -amtts noch existirte? Verständlicher wäre aUenfalls ein Einfluss beider 2 Pluralis, wenn es eine Zeit gab, wo man -ädes, faites, -astes sprach, sofern hier wenigstens der Konsonant von astes und faites in einem Gegensatz zu dem des Praesens und 72 Referate und Rezensionen. Koschwitz. Imperfektum steht. — § 348 und 361. Wenn auch vat zweimal ins der ältesten Alexis Hs. vorkommt, so bleibt doch die Thatsache fest, das manche Texte in älterer Zeit vas vait zeigen, selbt noch Wace im Eoman de Ron, siehe Andresen 11 S. 571, und dass zufällig vms in älterer Zeit fehle, wo vas doch im 0 P vorkommt, ist eine An- nahme, die um so weniger für sich hat, weil einem atr. vas vait genau prov. vaz vai entspricht. Auch ist wohl verständlich, wenn ein Paradigma vas vait zu vais vait oder vas vat umgestaltet wird, dagegen schwer zu begreifen, wie ein einheitliches vais vait zer- rissen werden konnte. Wie aber auch die Erklärung ausfalle, im Paradigma halte ich vas vait va als das dem Sprachgebrauch am besten entsprechende. Ebenda werden estes este als lautregel- mässig bezeichnet. Es ist nicht ersichtlich ob man estes oder ^stes betonen soll. Ist letzteres der Fall, so sind die Formen keinesfalls lautgesetzlich, denn vulgl. istäs^ prov., span., portg estds zeigen deutlich, wo der Ton liegt. Ein estas wäre erst analogisch von estäre aus gebildet, ist aber für die lateinische Periode ganz undenkbar. Heissen die Formen aber estäs u. s. w., so bleibt die Frage, wie es komme, dass diese angeblich lautliche Entwickelung erst in Hs. der 2. Periode sich finden, die analogischen die ganze erste Periode allein beherrschen. Wo haben sich denn jene unterdess herumgetrieben? Ich bleibe also dabei, das^ estas esta^ Impt. esta, ja, ga, la, die alle gleiche Grundlage: betontes nicht von einer Silbe gefolgtes a zeigen, gleiche Erklärung verlangen und diese Erklärung kann nur eine lautliche sein. Die Annahme, dass aus der Entwickelung des ä in prdtu, päcat für diejenige von stdt, illäc irgend etwas folge, entspricht einem längst veralteten Standpunkte sprachlicher Betrachtung, und zudem lassen sich dafür, dass a in betontem Auslaute bleibt oder dumpfer wird, mancherlei zweifellose Parallelen geben, so Rom. Gramm. I. § 221. — § 403. Ein *tra1cere und * strukere zu konstruieren würde ich nicht wagen. Ital. trarrey span. traer führen uns bis trägere und wenn wir *strtigere annehmen und ducere durch *strugere beeinflusst sein lassen, wie facere wohl unter dem Drucke von agere steht {Rom, Jahresbericht II 87, Körting, Handbtu^h 488), so würde sich eine Reihe Schwierigkeiten lösen, um die man bisher kaum herum- gekommen ist. Doch ist hier nicht der Ort, das näher auszuführen, wohl aber kann festgehalten werden, dass weder der Zwang noch die Berechtigung von trdkere strukere besteht. Aus struk-si^ wie § 391 angesetzt wird, folgt trdkere nicht, denn zu auxi lautet das Präsens augere. Das hypothetische trakere hat noch einen anderen Irrtum zur Folge gehabt. Das Imperf. traioie soll jünger sein als traisoie, während, soweit ich das Material übersehe, das Verhältniss gerade umgekehrt ist, wie man nach Maasgabe von lat. trahebam, ital. traeva, span. traia auch nicht anders erwarten Schmidt'Wartenberg. Phonetical Notes. 73 kann. — § 419. Für das s in lisoie u. s. w. wird Einfluss von deutschen lesen in erster, der von disoie in zweiter Linie angeführt. Ich möchte aber doch, ganz abgesehen von der kulturhistorischen ünwahrscheinlichkeit, dass die Gallorömer beim Verbum für „lesen" von den Franken beeinflusst seien, zu bedenken geben, dass lisan im Gothischen nur „sammeln" bedeutet, dass es im Althochdeutschen nicht nur lesen (legere) sondern auch erzählen berichten heisst, dass somit seine Bedeutung noch weit davon entfernt war, sich so mit derjenigen von legere zu decken, wie es für einen solchen Einfluss nötig wäre. Gegen Anbildung an dicere kann man sagen, im Osten und Westen, wo legere zu leire liere wird, falle der Eeim mit dire weg und seien folglich s- Formen unmöglich. Man darf aber wohl allgemein sagen, *leoie sei nach disoie /aisoie, plaisaie duisoie umgebildet. Ich kann die Flexion des Verbums nicht durch alle Mundarten verfolgen, will aber wenigstens auf eine hinweisen. Horning bringt lothr. Inf. It^r Imperf. lehee {Ostfrz. Grenzdialekte s. 99), lothr. h entspricht aber nicht germ. s sondern lat. c, also wird hier Ur sich an pler angeschlossen haben. Wir sehen also hier in einem Dialekte, der lat. Vok. s Vok. anders behandelt als lat. Vok. c^, dass der „Bindekonsonant" bei den endungsbetonten Formen von legere nicht auf s beruht. Dieser Thatsache gegen- über dürfte „lesen" dahinfallen. Oder haben etwa nur die Franken in der Ile de France, nicht die Germanen in Lothringen durch ihre Lesekünste den Gallorömern imponiert? Der Verfasser stellt auch eine Wortbildungslehre in Aussicht, deren baldige Vollendung man wünschen muss. Wie leicht wird es heute dem Studierenden, an Hand eines so trefflichen Führers altfr. Gramm, zu lernen! Da sollten die Klagen, dass die histo- rischen Studien, die doch allein ein wirkliches Verständnis der Sprache ermöglichen, zuviel Zeit in Anspruch nehmen, wahrhaftig verstummen — wenn anders sie nicht leere aber dem nicht urteils- fähigen imponierende Schlagwörter sein wollen. Wien. W. Meyer-lübke. Schmidt -Wartenberg. Fhonetical Notes. Journal of Germanic Philology. I. 1897. Nr. 1. S. 66—71. Die Experimentalphonetik hat wegen ihrer Schwierigkeit und wegen des Mangels an Gelegenheit, sich die für sie nöthige theoretische und praktische Ausbildung zu erwerben, gegenwärtig noch immer verhältnissmässig wenige ausübende Anhänger unter den Philologen. Die meisten Sprachwissenschaftler bringen ihr nur ein mehr platonisches Interesse entgegen. Man erkennt den Vorteil, wenn in der Phonetik an Stelle urwüchsiger Betrachtung mit Hilfe 74 Referate und Rezensionen, KoschwUei von Ohr (dessen Funktionierung noch vielfache Rätsel bietet, und das uns alle Augenblicke täuscht) und von Muskelgefühl (das nur für die eigne Person des Beobachters vorhanden ist, und das durch experimentelle Beobachtung geschärft und ver- feinert werden muss) die Methode der exakten Forschung eintritt, und mit ihr gesicherte und genaue Ergebnisse, wo man sich bisher mit einem Ungefälir begnügen musste oder sich in müssigen Speku- lationen erging. Andere, und unter ihnen gerade auch verdiente Phonetiker, die nicht den Mut oder die nötige naturwissenschaftliche Vorbildung besitzen, um sich in die neue Forschungsart hinein- zugewöhnen, und die es unbequem empfinden, die früher besessene Führung zu verlieren, nehmen gegen die experimentelle Phonetik, und damit unwissentlich überhaupt gegen die Methode der exakten Wissenschaften, eine mehr oder minder feindselige Haltung ein. Während jedermann es selbstverständlich findet, dass sich Physio- logen und Physiker ' der Mittel experimenteller Forschung, ins- besondere auch der graphischen Methode, bedienen, glaubt man der experimentellen Phonetik dadurch Abbruch thun zu können, dass man auf die Schwierigkeiten bei der Lautaufnahme durch Apparate, auf die sonstigen Fehlerquellen beim Experimentieren, die technischen Un Vollkommenheiten der benutzten Instrumente u. dgl. hinweist. Man vergisst dabei allzu sehr, dass auch jede andere neue und übrigens auch manche alte Wissenschaft mit besonderen Schwierig- keiten zu kämpfen hat, in deren Ueberwindung sich eben der Meister zeigt, und auf deren Beseitigung jede Wissenschaft bedacht sein muss. Andere glauben das Ansehen der Experimentalphonetik dadurch zu schädigen, dass sie sie als eine Hilfswissenschaft der Artikulations- oder Elementarphonetik hinstellen, die man vorteil- haft gelegentlich einmal zu Rate zieht, wo die natürlichen Beob- achtungsmittel (Auge, Ohr, Muskelgetühl) schlechterdings nicht ausreichen wollen, oder wenn es sich darum handelt, eine bereits bekannte oder neu beobachtete Thatsache genauer zu bestimmen. Sie sehen nicht, dass in dieser Arbeitszuweisung der Experimentalpho- netik das höchste Lob ausgesprochen ist, dieselbe nach ihrer eige- nen Auffassung die höhere Instanz bildet, der alles Elementar- phonetische sich zu unterwerfen hat. Neuerdings ist endlich gar für die Experimentalphonetik die unglückliche Bezeichnung „mecha- nische Phonetik" vorgeschlagen worden. Das Wort „mechanisch" übersetzen unsere Verdeutscher mit „handwerksmässig", „gedanken- los" u. ä. Diese Bezeichnung auf die Experimentalphonetik anzu- wenden, heisst namentlich unter den gegenwärtigen Verhältnissen, wo es der Experimentalphonetik noch an aller Tradition fehlt, die Dinge auf den Kopf stellen. Sich ein lautphysiologisches Problem zu stellen, sich klar zu machen, mit welchen apparateilen Mitteln und unter Hinzuziehung welcher Lautquellen es zu lösen ist, even- Schmidt-Wartenberg. Phonelical Notes. 75 tnell znr Lösung der gestellten Aufgabe neue Apparate zu erfinden, dann auf Grund einer grösseren Anzahl nach umsichtiger Erwägung verschiedenartig gestalteter, tadelloser Experimente unanfechtbare Folgerungen zu ziehen, erheischt eine grössere Menge von Ueber- legung, Urteilsfähigkeit und Kenntnis, als die Abfassung selbst eines guten und umfangreichen elementarphonetischen Handbuches. Eher kann man in der gegenwärtigen Elementarphonetik Mecha- nismus oder Handwerksmässigkeit entdecken. Mit der Aufstellung von Behauptungen, Formulierung von Gesetzen wenigstens haben es die Elementarphonetiker nur allzu häufig sehr leicht genommen, und gedankenlos wurden oft diese Behauptungen und „Gesetze" übernommen und voreilig selbst in Schulbücher gebracht. Das ganz überflüssige und gegenstandslose Sichaufbäumen der Elementar- phonetik, deren Verdienste niemand leugnet und mit der sich jeder Experimentalphonetiker selbstverständlich bekannt macht und bekannt machen muss, ehe er seine Untersuchungen beginnt, kann unter allen Umständen nur zu ihrer noch grösseren Diskre- ditirung führen. In den Kreisen der Sprachforscher und Natur- forscher hat sie sich wegen der häufigen Unwissenschaftlichkeit ihres Verfahrens niemals einer sehr allgemeinen Hochschätzung erfreut. Es ist unter diesen Umständen immer eine erfreuliche Er- scheinung, wenn ein Sprachforscher den Mut findet, ein lautphysi- ologisches Problem auf dem noch zu wenig begangenen Pfade der experimentellen Forschung zu lösen, selbst dann, wenn der erste unternommene Versuch nicht recht gelungen sein sollte. Wir können deshalb dem Verfasser zu den von ihm begonnenen Phonetical Notes nur Glück wünschen. Allerdings interessiert die eine der beiden von ihm behandelten Fragen, die Quantität der Labialen im Finnländischen (finnischen Schwedisch), uns hier direkt nur wenig, und auch die andere, über die r- Vibrationen, ist ohne Hinzuziehung französischer oder wenigstens romanischer Gewährsmänner zur Aus- führung gebracht. Es ist aber immer, zum Zwecke der Vergleichung mit der französischen Artikulation, interessant, zu wissen, auch wie andere Völker die gleich benannten und oft doch so verschie- denen Laute bilden. Die von S.-W. benutzten Apparate sind die von Eousselot verwandten. Offenbar mit Eücksicht auf die früheren Schilderungen derselben und des bei ihrer Verwendung zu beobach- tenden Verfahrens hat der Verfasser es gänzlich unterlassen, seine Untersuchungsmethode der r- Schwingungen zu schildern; an Stelle dessen treten 4 Tafeln mit den Einzeichnungen seiner Apparate, die aber nur für den Eingeweihten weitere Erläuterungen überflüssig machen. Misslich ist es auch, dass die Zahl der vorgenommenen Experimente, auf die sich die angeführten Ergebnisse stützen, nicht angegeben ist; die untersuchten Personen setzt S.-W. wohl nicht 76 Referate und Rezensionen. Koschwüe. mit Unrecht als seinen Lesern bekannt vorans. Seine Feststellungen der in der Sekunde eintretenden r- Schwingungen umfassen das stimmhafte (mit 22 — 32 Schwingungen in der Sekunde) und stimm- lose Lippen -r (26 — 34 Schwingungen), das stimmhafte (21 — 32 Schwingungen) Zungen -r in verschiedenen Schattierungen, das stimmlose (armenische) Zungen -r (25—41 Schwingungen) und das velare stimmhafte (24 — 26 Schwingungen) und stimmlose r (29 — 36 Schwingungen). Für das velare r liegt nur wenig Mate- rial zu Grunde, weil nicht viele Personen die Vibrationen des Velaren r anzuhalten vermögen. Nach dem Verfasser wird velares (und auch dentales) r gewöhnlich nur durch 1 — 3 Vibrationen markiert, während für die übrige Dauer des Lautes ein Spirant oder (bei dentalem r) ein vokalisches Element die r- Artikulation ersetzt. Nach dieser Eichtung hätte man die Untersuchung gern ausge- dehnt gesehen. Es wäre ferner wünschenswerth, wenn sie auch speziell für das Französische angestellt und bestimmt würde, welche Zahl von Vibrationen für das nordfranzösiche velare r im Anlaut, intervocalisch, auslautend und insbesondere auch im Inlaut vor Kons, und im Auslaut nach Kons, üblich ist; ob es richtig ist, dass die Grossstädter (Pariser) im Durchschnitt weniger vibrieren als die Kleinstädter und Landbewohner; wie sich ein nordfran- zösiches, meist künstlich angelerntes dentales r von dem der Süd- franzosen in den verschiedenen denkbaren Stellungen unterscheidet; wie überhaupt die Südfranzosen dentales und velares r bilden usw. Auch die Natur der nordfranz. Ersatzlaute für reines (vibrie- rendes) r bleibt zu bestimmen. Derartige Untersuchungen können einmal selbst der Unterrichtspraxis zu Gute kommen, insbesondere dann, wenn wir einfache und praktische Apparate besitzen werden, die die ungenaue und fehlerhafte Artikulation leicht erkennen lassen und damit ein bequemes Mittel zur Selbstkontrolle geben. Für die Wissenschaft ist es schon ein genügender Gewinn, wenn die Beschaffenheit der vielartigen r- Bildungen genauer zur Kenntnis kommt, als dies bis jetzt der Fall ist. — Auch des Verfassers mit Hilfe des Rosapelly'schen Lippenbeobachters ange- stellte Untersuchungen über die Länge der schwedischen Lippen- laute sind nur mehr der Anfang zu einer eingehenden Forschung, und es ist zu wünschen, dass S.-W., dem dies nicht entgangen ist, auch hier seine Beobachtungen fortsetze. Seine Leser werden ihm gewiss dankbar sein, wenn er statt einzelne unabgeschlossene, wenn auch anregende Notes über verschiedene Laute zu bringen, sich zu einer abschliessenden Untersuchung über einen Laut ent- schliessen wollte. KOSCHWITZ. Novitätenverzeichnis, (Abgeschlossen am 1. März 1898.) 1. Bibliographie uud Handschriftenknnde. Curzon, H. de, Bibliographie des ouvrages relatifs ä, Alfred de Vigny; par Henri de Curzon. In 8^, 8 pages. Besancjon, imprimerie Jacquin [Extrait du Bibliographe moderne (1897, n*> 2)]. Daririf P., Notice bibliographique sur les dix 6ditions des ceuvres diverses du sieur Rousseau, publikes sous la rubrique „Soleure, Ursus Heuber- ger, 1712, in-12«. In-8o, VI-14 pages. Paris, 23, quai Saint-Michel. 1 fr. 50. Delisle^ i., „Gatalogue g^neral des incunables des bibliotheques publiques de France, par W^« Pellechet. T. 1 «"^ : Abano-Biblia. Paris, Alphonse Picard et fils, 1897. In-S^, XVni et 602 p." Par Leopold Delisle. In-4^, 14 pages. Paris, Imp. nationale. [Extrait du Journal des savants roctobre 1897).] Baudrier. — Bibliographie lyonnaise. Recherches sur les imprimeurs, libraires, relieurs et fondeurs de lettres de Lyon au XVI® siecle; par le President Baudrier. Publikes et continu§es par J. Baudrier 3® s6rie, orn6e de 141 reproductions en fac-simil6. Grand in-8^, 506 p. Lyon, Brun. Paris, A. Picard et fils. 20 fr. (1897). Bourlotoriy E.^ — A propos de l'origine de Pimprimerie k Poitiers. In-8^, 19 pages. Vannes, imprimerie Lafolye. (1897.) [Extrait de la Revue du Bas-Poitou.] Oranges de Surgeres, de. — Contribution ä l'histoire de l'imprimerie en France. Notes sur les anciens imprimeurs nantais (XV« ä XVIII« sie- cle). In-8^, 45 p. Paris, Techener. — l'imprimerie en Champagne et en Brie au XV« siecle, suivie de notes et pieces extraites des archives de l'Aube et de la Bibliotheque nati- onale. In-12, 60 p. avec fig. Paris. Lechevalier. Les principaux lib. de la Champagne et de la Brie. 2 fr. 50. (1897.) [Nouvelle Bibli- otheque de Tamateur champenois.] — l'imprimerie en Champagne au XvP siecle, suivie de pieces extraites de la Bibliotheque nationale et des archives de l'Aube, In-12, 60 p. Paris, Lechevalier. Les principaux libr. de la Champagne et de la Brie. 2 fr. 50. (1897). Biedermann, Gh., Ergänzungen zu Werth's Altfranzösischen Jagdlehr- büchern, etc. [In: Zs. f. rom. Phil. XXI, S. 529—540.] Catalogue des manuscrits grecs, latins, frangais et espagnols et des por- tulans recueillis par feu Emmanuel Miller, public par Henri Omont. In-80, XV-137 pages et planches. Paris, E. Leroux. (1897.) [Biblio- theque nationale.] Delisle, L. — „Catalogue gen§ral des manuscrits des bibliotheques publi- ques de France. Departements, XXXII; Besangen, t. l«'', par A. Castan. Paris, libr. Plön, 1897. In-8o, XXXV et 1,015 p." Par 78 Novitätenverzeichnis. Leopold Dclisle. In-4ö, 14 pages. Paris, Imp. nationale. (9 novembre.) 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Kritische Rundschau auf dem Gebiete der neueren Sprachen u. Litteraturen m. Berücksicht. der Schulwissenschaften. Hrsg. v. Dr. Adf. Kressner. 1. Jahrg. Oktbr. 1897 — Septbr. 1898. 24 Nrn. hoch 40. (Nr. 1 u. 2. 16 S.) L. Renger. Halbjährlich 5,—. Verhandlungen der 44. Versammlung deutscher Philologen und Schul- mäoner in Dresden vom 29. IX. bis zum 2. X. 1897. Im Auftrage des Präsidiums hrsg. v. Rhard. Albrecht, gr. 8«. (VII, 215 S.) L., B. G. Teubner. L§on Gautier (1832-1897). Notice necrologique. In-8*, 8 p. Nogent-le- Rotrou, impr. Daupeley-Gouverneur. [Extrait de la Bibliothlqne de l'Ecole des chartes (t. 58, 1897.)] 3. Sprachgeschichte, Grammatik, Lexicographie« Birtj Th., Beiträge zur lateinischen Grammatik. Sprach man avrum ojl. aurum? Frankfurt a/M., J. D. Sauerländer. 4,50. lAndsay, W. M., Die lateinische Sprache. Ihre Laute, Stämme u. Flexi- onen in sprachgeschichtl. Darstellg. Übers, v. H. Nohl. L. S. Hirzel. 14, — Niedermann, Jf,, e und i im Lateinischen. 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Bigotj Ä. — Li Bourgadieiro, po6sies patoises (dialecte de Nimes). 13« idition, angment6e de pofesies et fables nouvelles. In-8*^, 328 pages et Portrait. Nimes, imprim. Navatel. 4 fr. Boillat J' — Li Batar^lo (poösies patoises); par J. Boillat. 6« et der- ni^re sferie. In-18, p. 61 ä 80. Librairie Debroas-Duplan. 40 cent. 1897. Chassaryj R, Saume d'Amonr. Texte et traduction. [Li: Rev. d. 1. r. XL, S. 472—482]. DdmaSf E. — Lou Jujamen dan caramentran Gargan tuas P an Glapas, lou 2 de mars 1897; per Estieine Delmas. In-8<>, 20 p. avec une grav. Montpellier, imprimerie Firmin et Montane. 20 cent. Froument^ F. — Flons de primo, Rimos d'un pitchou paisan; par Paul Fromnent. Prefacio de Francis Maratuech. In-8^, XVI-71 p. Ville- neuve-sur-Lot, imp. Chabri6. 1 fr. 25. Inibert, E. — Sant Gönt, o lou Sant Ermito coumtadin, estüdi d'aprös naturo. In-18 j^sus, 48 pages. Vau-Rias (Valrfeas-Vaucluse), Tauteur. Avignon, M™« Roumaniho. 40 cent. B(mx, A. — Lou Jougadou, coumedia en cinq partidas e en verses, jou- gado per lou premi^ cop sus lou Grand Teatre de Mount-peli^, lou 18 de juliet 1897; par AntoineRoux, de Lune-Viel. In-8<>, 68Jp. Montpellier, Hamelin fr^res. Tuson Piloire. — Les Pots au burre, ou la Feste ä Roubaix (chanson). In-plano. Watrelos, imp. Deryck^re. — Inn' Visite k Tägliche des P^res. Distribution des imaches (chanson). In-plano. Watrelos, imprimerie Deryck^re. Un mingeu d* pain inutile, chanson nou volle en patois local; par Un ressuscitfe d' Tartagroborr. In-plano ä 2 col., 1 p. Lille, impr. La- grange. Vemet F. — ün po^me dauphinois sur le Rhone. In-8°, 7 p. Lyon, impr. Vitte. 1897. [Extrait de rUniversit6 catholique.] DelbotUle, Ä.j Le conte de Penfant gat6 devenu criminel et la „Chronique bordeloise** de Jean de Gauffreteau. [In: Rev. d'hist. litt, de la Fr. IV, S. 610—613]. Lambert, L.y Contes populaires de Languedoc (suite). [In: Rev. d. 1. r. XL, S. 427—471]. 6. Litteraturgeschichte. a. 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In-4^ T. 3: Inventaire des 6p6es et dagues du comte de Salm conservees dans Thdtel de Salm, ä, Nancy (1614), p. 115 ä 163; t. 4: la Boutique de Jean de Vouvray, armurier ä Tours en 1512; les Armuriers frangais et 6trangers en Touraine, p. 167 ä 192. Lyon, imp. Rey; l'auteur. 1897. Herzogy Die Alexanderchronik des Meister Babiloth, ein Beitrag zur Ge- schichte des Alexanderromans. Progr. d. Eberhard-Ludwigs-Gymna- siums in Stuttgart. St. 1897. Jeanroy, Ä., La lirica francese in Italia nel periodo delle origini. Trad. ital. riveduta dalP autore, con note e introduzione del prof. G. Rossi. Firenze, Sansoni. W XXII, 72 S. L. 1. [Bibl. critica dir. da T. Torraca 18]. Kölbing, E., Christian von Troyes Yvain und die Brandanuslegende. [In: Zs. f. vergl. Litteraturgesch. N. F. XI, S. 442—448]. Kehrli, H., Die Phaetonfabel im Ovide moralis6. Jahresbericht des Gymn. zu Bern. 37 S. 8^. Läzär, B.j üeber das Fortunatus-Märchen. Leipzig, G. Fock. 142 S. 8^. 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Edition classique, ä, l'usage des eleves de seconde. In-18 jfesus, LH- 606 p. Tours, Marne et fils. Vie Saint Nicholas. — Bohnstedt, K. K. 22., Vie Saint Nicholas, alt- firanzösisches Gedicht. Diss. Leipzig 1897. 44 S. 8**. Bemardin de Saint-Fierre. — Paul et Virginie. Nouvdle edition, illu- str§e par A. Denis. In- 16, 128 p. Paris, Vermot. Boüeau. — Le Lutrin. Publik, avec une notice et des notes, par Fer- dinand Bruneti^re. Nouvelle edition. Petit in-16, 51 p. Paris, Ha- chette et C« . 30 cent. [Classiques frangais]. — (Euvres en prose. Choix ; par Georges Pellissier. In-18 j6sus, 285 p. Paris, C. Delagrave. Bossuet. — Discours sur l'histoire universelle. Edition classique, accom- pagn6e de notes et de remarques par E. Lefranc. Troisi^me partie: les Empires. In-12, 132 p. Paris, Delalain fr^res. 2 fr. 50. Alain Ghartier. — La helle Dame sans mercy. En fransk dikt forfattad af Alain Chartier är 1426, och omdiktad at'Anne de Graville omkring &r 1525. Utgifven af Garl Wahlund, Upsala 1897. 63 S. 8^ Ghateaubriand. — Morceaux choisis de Chateaubriand. (R6cits, Seines et Paysages.) Pr6c6d§s d'une notice littöraire et historique par A. Didier, professeur de rh6torique. In-12, XX-284 p. Paris, Delalain fr^res. 2 fr. GomeiUe, ~ Th6ätre choisi de Corneille. Avec une biographie de Cor- neille, des 6tudes litt6raires et des notes par P. Jacquinet, G. Jacquinet et A. Gastfe. In-12, 1,077 pages. Paris, Belin fr^res. — Polyeucte, martyr, trag6die chr6tienne. Publice conformfement au texte de Pfedition des Grands Ecrivains de la France, avec notices, analyses et notes philologiques et litt6raires, par L. Petit de Julle- ville. Petit in- 16, 183 p. Paris, Hachette et C«. 1 fr. [Classiques fran^ais]. Hugo, V. — (Euvres posthumes. Edition definitive, d'apr^s les manus- crits originaux. Toute la lyre (vers). T. P : THumanitö ; la Nature ; la Pens6e. In-16, 288 p. T. 2 : l'Art, le „Mol", l'Amour, 271 p. ; t. 3 : la Fantaisie, la Corde d'airain, 228 p. Paris, Hetzel et C« .; libr May. [Chaque tome, 2 fr.] Huraultj Patil, de l'Hospital, Archeveque d'Aix, Une Improvisation po6tique; pr6c6d6 d'un r§cit anecdotique de Peiresc p. p. Tamizey de Larroque. [In: Rev. d'Hist. litt, de la Fr. V, S. 99—109]. La Fontaine, — (Euvres compl^tes. T. l«^ In-16, XII-451 p. Paris, Hachette et C«. 1 fr. 25. Lamartine, A, de. — Premi^res m6ditations pofetiques, avec commen- taires; la Mort de Socrate. In-16, LXIX-274 p. Paris, Hachette et C«; Jouvet et C«. 3 fr. 50. [Edition publice par la Soci6t6 proprife- taire des oeuvres de Lamartine]. Ledieu. — L^abb6 Ledieu historien de Bossuet: notes critiques sur le Novitätenverjseichnis. 89 texte de ses „Mfemoires" et de son „Journal'' p. Ch, ürbain. [In: Rev. d'Hist. litt, de la Fr. IV, S. 524—565 (ä suivre)]. Marivaux. — QSuvres choisies de Marivaux. T. 2 : les Fausses Confi- dences; le Legs. In-32, 160 p. Paris, iinpr. Mangeot; libr. Pfluger. 25 Cent. [Biblioth^que nationale, n° 156]. Montaigne. — Pages choisies; par J. Vaudouer, et L. Lantoine. In-18 J68US, 55 p. Paris, Picard et Kaan. [Les Grandes Id6es m orales et les Grands MoralistesJ. Montesquieu. — (Euvres compl^tes. T. 3. In-16, 492 pages. Paris, Hachette et C«. 1 fr. 25. Musset. — Geist, -4., Müsse tsche Gedichte iu deutscher Fassung. Progr. Kempten 1897. 41 S. 8*. Pascal. — Provinciales. Lettres 1, 4, 13, et Extraits, publi6s avec une introduction, des notes et un appendice par Ferdinand Bruneti^re. 4« idition. Petit in-16, XXXI-232 pages. Paris, Hachette et C«. 1 fr. 80. (1898.) [Classiques frauQais]. Perrault. — Les Contes de Perrault. Illustres par E. Courboin, Fraipont, Geoffroy, Gerbault, Job, L. Morin, Robida, Vimar, Vogel. Avec intro- duction par M. Gustave Larroumet, de Tlnstitut. In-4°, IV- 11 9 pages. Paris, Laurens. (1897.) Quintil Horatian. — Henri Chamard, La date et l'auteur du ,,Quintil Horatian". 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Kommerelly Aus dem französischen Unterricht und für denselben. I. Be- obachtungen über den Einfluss des Lateinischen im franz. Unterricht. [In: Süddeutsche Bl. f. höh. Unterrichtsanstalten 5,6]. Lange, PavH, Beobachtungen und Erfahrungen auf dem Gebiete der An- schauungsmethode im französischen Unterrichte. Vortrag, gr. 8°. (40 S.) Wien, E. Hölzel. — 50 Eeber, J., Ein Blick auf Frankreichs Schulwesen. Progr. Aschafienburg 1897. 20 S. 80. Stubler, Ueber den Unterricht im Französischen an einer zweiklassigen Realschule. [In: Neues Corresp. Bl. f. d. Gel. und Realschulen Württembergs 4,4]. Timer, B., Kleine Behelfe zur Belebung des französischen Unterrichtes an österreichischen Bürgerschulen u. verwandten Lehranstalten. Wien, J. L. PoUak. Weitzenböcky (r., Ein freimütiges Wort über die Hausaufgaben in den oberen Klassen der Realschule. [In: Zs. f. d. Realschulw. XXin, S. 129—1361. 90 Novitätenverzeichnis. 9. Lehrmittel fttr den französischen Unterricht* a. Grammatiken, Uebungrshücher etc. Abr6g6 de grammaire fran^ise, ou Extrait de la Grammaire fraB^aise, approuvö par le conseil de rinstruction publique; par les Fr^res des ecoles chrltiennes. Petit in-18, 76 p. Paris, librairie Poussielgue. Assfahl. K., Je 100 französische und englische üebnngsstticke, welche bei der württ. Zentralprüfg. f. den einjährig-freiwill. Dienst in den J. 1887 bis 1896 m. Qenehmigg. der k. Prüfungskommission ge- geben wurden, gr. 8^ (111 S.) St., A. Bonz & Co. Bechtelj Adf., Französisches Sprech- und Lesebuch f. Bürgerschulen. 2. u. 3. Stufe, gr. 8«. Wien, A. Holder. Geb. 2,16 2. Für die 2. Klasse der Bürgerschule. 4. Aufl. (IV, 76 S.) 1,04. — 3. Für die 3. Klasse der Bürgerschule. 3. Aufl. (IV, 92 S.) 1,12. Bierbaum, Jul., Lehrbuch der französischen Sprache nach der analytisch- direkten Methode f. höhere Schulen. Anh. zum UI. Tl. ; Ansichten v. Paris gr. S^. (16 Bl. m. 1 Bl. Text.) L., Rossberg. — dasselbe. Verkürzte Ausg. II. Tl. Mit e. Liederanh. gr. 8®. (Vm, 98 u. 10 S.) Ebd. Geb. 1.40 Bierhaum^s, Jul., (französische) Aussprache-Tafeln. 2. Aufl. 10 Blatt ä 88X^9,5 cm. L., Rossberg. In Futteral 4 — — u. Oberlehr. Dr. Bemh. Hubert. Systematische Repetitions- u. Ergän- zungs- Grammatik zu Prof. Dr. J. Bierbaums französischen Lehr- büchern. 8°. (Vin, 165 S.) Ebd. Kart. 160 Boisseau, G. — Le Vocabulaire de Tenfance. Etüde raisonnfee et intuitive des mots usuels de la langue frangaise. (Cours moyen et sup6rieur des 6coles primaires ; classes 616mentaires de Tenseignement secondaire.) 2« volume. Plus de cinq mille mots et 570 gravures et figures d'en- semble. In-S*^ carrfe, 174 p. Paris, Delalain fi^res. 2 fr. bO. Breitsprecher, H., Gedächtnis verse zur französischen Grammatik, gr. 8*^. (20 S.) Stralsund, Bremer. Breymann, Herrn., u. Herrn. Moeller, Französisches üebungsbuch. 2 Tl.: Zur Einübg. der Satzlehre. Ausg. B. (Enth. zugleich die Grammatik II.) 2. Aufl. gr. 8^. (Vm, 243 S.) München, R. Olden- bourg. 2.80; geb. 3.30 Carre, I. — Methode pratique de langage, de lecture, d'6criture, de cal- cul, etc., plus sp6cialement destin6e aux ^l^yes des provinces et des colonies ou Ton ne parle pas fran^ais, et qui arrivent en classe ne comprenant pas, ne sachant pas parier la langue nationale. Livre de r^l^ve. In-16, 108 p. Paris, Colin et C«. Crochetj J., Perfekt Französisch sprechen. Mit Aussprache. 2. Aufl. 8^ (72 S.) B., H. Steinitz. 1 — Dubray, G., Gentillesses de la langue frangaise. Choix d*expressions inginieuses ou caract^ristiques propres k donner au langage des §tran- gers un air bien frangais. Compl6ment k l'fetude de langue. S^. (67 S.) Wien, Gerold & Co. 1 — Durand, L., u. Prof. M. Delanghe, Konversationsunterricht im Franzö- sischen. 3 — 5. Heft. Für die französ. Konversationsstunde nach HölzePs Bildertafeln im genauen Anschluss an „The four seasons by E. Towers- Clark" bearb. gr. 8«. (Mit je 1 Abbüdg.) Giessen, E. Roth. k —40. 3. L Bd. Die 4 Jahreszeiten. 3. Hft. Der Herbst (L'au- tomne). 2. Aufl. (IV, 24 S.) — 4. Dasselbe. 4. Hft. Der Winter (L'hiver.) 2. Aufl. (IV, 26 S.) — 5. Hebungen. Die Stadt (La Ville). 2. Aufl. (IV, 29 S.) NovUätenverzeichnis, 91 Feist ^ Sigm., Lehr- und Lesebach der französischen Sprache f. praktische Ziele. Mit Rücksicht auf die konzentrier. Unterrichtsmethode bearb. in. Oberstufe. Mit e. kleinen Synonymik u. e. Verzeichnis der ge- bräuchlichsten Fremdwörter der französ. Sprache, gr. 8®. (VÖI 196 S.) Halle, Buchh. des Waisenhauses. Fetter, Joh., La troisi^me et la quatritoe annfee de grammaire frangaise. 4. 6d. gr. 80. (74 S.) Wien, Bermann & Altmann. —80 — Französische Sprachschule f. Bürgerschulen u. verwandte Lehran- stalten. 2. Tl. 2. Aufl. gr. 8^ (IV, 58 S.) Ebd. — 70 Gassmeyer, M., Hilfsheft zur Einübung der französischen Konjugation. gr. 80. (16 S.) L.-Gohlis. (L., Dr. Seele & Co.) — 25 Genin, Lucien, et Jos. Schamanek: Conversations frangalses. Paris. Avec 1 plan (m. Text an der Seite) et 1 Chromolithographie, gr. 8° (64 S.) Wien, E. Hölzel. 2 — . Goerlich, Ewaldy Französische u. englische Vokabularien zur Benutzung bei den Sprechübungen üb. Vorkommnisse des täglichen Lebens. I. Französische Vokabularien. 1. u. 2. Bdchn. 12^. L. Renger k — 40 1. Schule, die. (81 S.) — 2. Herbst, der. (23 S.) Graulet et Myard. Grammaire et Composition frangaise 1" ann6e). In- 18 j6sus, 492 p. [Bibliotheque des fecoles primaires sup6rieures et des 6coles professionnelles.] Jaeger, 0., Elemente der französischen Lautlehre. Für den Unterricht zusammengestellt. Mit 1 Abbildg.: Längsschnitt durch die Sprach- organe. 2. Aufl. gr. 8°. (X, 18 S.) Strassburg, Strassburger Druckerei u. Verlagsanstalt. —30. Isaac, Dr. Herrn., Lernbuch f. die französischen unregelmässigen Verba. 2. Aufl. 80. (46 S.) ß., Friedberg & Mode. —50. Krön, B.j Guide 6pistolaire Anleitung zur Abfassg. französ. Briefe. Sonderausg. des I. SuppL-Briefs der Methode Haeusser. 2. Aufl. gr. 8®. (20 S.) Karlsruhe, J. Bielefeldes Verl. 1 — . Mingam, J. et L. Le Balle. — Langue frangalse. Cours §16mentaire; par J. Mingam, et L. Le Balle. In-16, 311 p. avec grav. Paris, Delarue. Ohlert, Arn., Lese- u. Lehrbuch der französischen Sprache. Ausg. B. f. höhere Mädchenschulen. Nach den Bestimmgn. vom 31. V. 1894 bearb. 3. Aufl. gr. 80. (Vm, 245 S.) Hannover, C. Meyer. 2 — ; geb 2.40 Floetz, Gust., 0. Kares, Kurzer Lehrgang der französischen Sprache. Ele- mentarbuch. Verf. V. Dr. Gust. Ploetz. Ausg. G (f. Real- u. Ober- realschulen). 4. Aufl. gr. 80. (XVI, 242 S.) B., F. A. Herbig. 1.80 — dasselbe. Ausg. D. Für Mädchenschulen. (Unter Mitwirkg. des Dir. Dr. Kares.) 3. Aufl. gr. 8o. (XVI, 307 S.) Ebd. 2,4u Ploetz, Karl, Conjugaison fran^aise. Anhang 4. Aufl. 8o. (20 S.) B., F. A. Herbig. — 15 — Schulgrammatik der französischen Sprache, in kurzer Fassg. hrsg. V. DD. Gust. Ploetz u. Otto Kares. 4. Aufl. gr. 8o. (XVI, 411 S.) Ebd. 2,60 — Hülfsbuch f. den Unterricht nach der Elementargrammatik u. der methodischen Stufenfolge der Syntax u. Formenlehre. Hrsg. v. dem Verf. beider Bücher. 4. Aufl. 8o. (Vm, 146 S.) B., F. A. Herbig. [Wird nur an Lehrer abgegeben.] 1,50 — Scüulgrammatik der französischen Sprache, für Mädchenschulen um- gearb. v. DD. 0. Kares u. G. Ploetz. Schlüssel. Hrsg. v. vorm. Gymn.-Oberlehr. Dr. Gust. Ploetz. 3. Aufl. 8o. (IV, 149 S.) Ebd. [Wird nur an Lehrer abgegeben.] 2 — 92 Novitäienverjueichnis. PloetZj GiMt.j u. Otto Kares, Kurzer Lehrgang der französischen Sprache. Uehungsbuch. Verf. v. I)r. Gust. Ploetz. Ausg. C (f. Real- u. Ober- realschulen). 2. Aufl. gr. 8°. (XII, 375 S.) B., F. A Herbig. 2,70 Pünjer, J., Lehr- u. Lernbuch der französischen Sprache. 3. u. 4. Aufl. 2. Tl. gr. 8«. (Vm, 216 S.) Hannover. C. Meyer. 1,60 Punnel, N., Exercices de grammaire frangalse ä l'usage des Cooles pri- maires d'Alsace-Lorraine. 8^ (71 S.) Metz, P. Even. Kart. — 50; Partie du maitre. (32 S.) —50 Beuter W., Lehrbuch der französischen Sprache für Handelslehranstalten und kaufmännische Fortbildungsschulen. Leipzig, Otto Aug. Schulz Verlag ü. Schiller. Broch. 2,80 Geb. 3,20 Botges, E. — Idfees et Mots. Nouveau Cours de langue fran^aise (voca- bulaire, orthographe, grammaire, r6citation, r6daction). Livre des maitres. Pr6paration des classes (cours moyen et superieur). In-18 j6sus, XII-294 p. Paris. Belin fröres. Spdthahn, J. H., Französische Grammatik, zugleich Vokabular. 2. Aufl. gr. 8«. (158 S.) München, Wenger. 2,50. — Französisches Uehungsbuch f. die erste Stufe des Unterrichtes, gr. 8°. (64 S.) Ebd. 1,20 Strien, G., Livre de maitre. I. u. II. gr. 8°. Halle, E. Strien. 2 — I. Französische Uebersetzung der deutschen Uebungsstücke in dem Elementarbuch u. Lehrbuch I der französischen Sprache v. Str. (53 S.) — IL Französische Uebersetzung der deutschen Uebungsstücke in dem Lehrbuch 11 u. in der französischen Sprache v. Str. (68 S.) [Wird nur direkt an Lehrer geliefert.] Timer, B., Kleine Behelfe zur Belebung des französischen Unterrichtes an österreichischen Bürgerschulen u. verwandten Lehranstalten. Wien, J. L. Pollak. 1,60 Troufleau, M"« L. — Cours de langue fran^aise. Ma premiöre gram- maire. Classe enfantine. Premiere partie: Le^ons de grammaire. In-18 jfesus, 103 p. Paris, 1898. Ulbrich, 0., Kurzgefasste französische Schulgrammatik f. höhere Lehr- anstalten. 2. Aufl. gr. 80. (III, 144 S.) B., R. Gaertner. 1,40 — Kurzgefasstes Uebungsbuch zum Uebersetzen aus dem Deutschen in das Französische. 2. Aufl. gr. 8^. (IV, 132 S.) Ebd. Weiss, M., Französ. Grammatik für Mädchen. I. Mittelstufe. 3. Aufl. Neu bearbeitet nach den Bestimmungen vom 31. Mai 1894. Paderborn Ferd. Schöningh. 1,80 l)« Litteraturgeschichte, Schulausgaben, Lesebücher« Bräunlich, 0., Hilfsbüchlein f. das Studium der französichen Litteratur- geschichte. 120. (30 S.) L., G. Freund. — 60 Cours abrege de litterature (n^ 236); par F. J. Ouvrage extrait du Cours de litterature et mis en rapport avec les Lebens de langue fran^aise (cours sup6rieur). In-16, 220 p. Tours, Mame et Als. Paris, Pous- sielgue. (1897.) Domecq, J. B. — Momente des classiques fran^ais et de la littferature fran^aise, ouvrage conforme au dernier programme trac6 par le con- seil de Tinstruction publique en vue de Texplication fran^aisc, ä Pusage de la classe de troisi^me et de tous les 6tudiants en lettres. In-16, VI-176 p. Lille, Descl6e, de Brouwer et C«. Nomtätenverzekhnis, 93 Brun^ F. M. — Chrestomathie fran^aise. Recueil de morceaux de lec- ture, de tradaction et de narration, ä Pusage des ecoles de commerce et des classes de Tenseignemeiit secondaire special. In-8^, VIII- 476 p. Annecy, Pavy. Varsovie. Wende et C® . BoisseaUj G. — Le Vocabulaire de Tenfance; 2® volume. (Cours moyen et snp^rieur des Ecoles primaires ; classes M6meiitaires de renseignement secondaire.) Livre du maitre. In-16, rV-276 p. Paris. Delalain fr6res. 2 fr. 25. Breitinger, H., u. J, Fuchs: Französisches Lesebuch f. Mittelschulen. 1. Tl. Neu bearb. v. G. Btieler u. P. Schneller. 9. Aufl. 8». (IV, 212 S.) Frauenfeld, J. Huber. 1,60 Chateaubriand. — R6cits, Scöneis et Paysages. Choisis, annot^s et pr6- c6d6s d'une introduction par M. l'abb^ A. Lepitre. In-18, XXXV-125 p. Paris, Poussielgue. [AUiance des maisons d'6ducation chr^tienne] — Itin^raire de Paris ä Jerusalem. Grand in-8°, 367 p. avec grav. Tours, Mame et fils. [Bibliotheque des familles et des maisons d^6du- cation.] &rivain8 Frangais Modernes^ Publi§s et annotfes ä l'usage des Classes par ihnile Eodhe et Jules Jeanjaquet III Le Gendre de Monsieur Poirier Comödie en quatre actes par ^mile Äugier et JuUs Sa/ndeau. Lund Gleerupska üniversitetsbokhandeln (Hjalmar Möller). Pris 1 kr. HartmanrCs K. A. Mart., Schulausgaben. Nr. 6. 8°. L., Dr. P. Stolte. Kart. 5. Duruy, Vict.: Histoire de France de 1789 ä 1795. Mit Ein- leitg. u. Anmerkgn. hrsg. v. K. A. Mart. Hartmann. 3. Aufl. (XVI, 84 u. Anmerkgn. 75 S.) 1,20. Josty G. et Ä. Gahen. — Lectures courantes extraites des 6crivains fran- gais, publikes avec une introduction, des notes, des exercices, k l'usage des 6coles primaires et des classes 61^mentaires de Tenseignement secondaire. 1" s6rie : Contes, Fahles, Proverbes et R6cits moraux, etc. 2« edition. In-16, XV-400 pages avec grav. Paris, Hachette et C®. 1 fr. 50. (1898.) Moliere: Ausgewählte Lustspiele. 6. Bd. Les femmes savantes. Erklärt V. Dir. Dr. H. Fritsche. 2. Aufl. 8°. (116 u. Anmerkgn. 63 S. B., Weidmannn. 1,70 Montesquieu: Consid6rations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur d§cadence, I. Tl. Zum Schul- und Privatgebrauch hrsg. v. Erwin Walther. Mit e. Personen- u. Wörterverzeichnis. 12°. (VIII, 102 S.) München, J. Lindauer. 1,20. Perthes' Schulausgaben englischer u. französischer Schriftsteller. Nr. 1. 8<*. Gotha. F. A. Perthes. Geb. 1. Rosseeuw de Saint-Hilaire, Mlle C6cile (.T. de Veze): La Alle du braconnier. Für den Gebrauch an höheren Töchterschulen bearb. v. Dr. Herm. Soltmann. (VH, 114 S.) 1,— Pitt Press Series, La Fortune de d'Artagnan an Episode from le vicomte de Bragelonne by Alexander Dumas. Edited with introduction and Notes by Arthur E. BopeSj M. A. Cambridge: at the University Press. — Remi et ses amis a Selection from Sans Familie by Hector Malot. Edited with introduction, notes and vocabulary by Margaret de G, VerraUy Cambridge: at the University Press. — The fairy Tales of Master Peirault Edited, with notes and voca- bulary, by Walter Bippmann, M. A., Cambridge: at the University Press. 94 Novüätenveraeichnis. Prosateurs modernes. 1. Bd. 8^ Wolfenbüttel, J. Zwissler. 1. Bruno, G.: Aventures de deux enfants. Für den Schulgebraucli bearb. nach ,,Le Tour de la France" v. H. Bretschneider. Mit 1 Karte. 4. Aufl. (IV, 124 u. 45 S.) 1,— ; kart, 1,20. Schulbibliothek französischer und englischer Prosaschriften ans der neueren Zeit. Mit besond. Berücksicht. der Fordergn, der neuen Lehrpläne hrsg. V. L. Bahlsen u. J. Hengesbach. I. Abtlg.: Französische Schraten. B., R. Gaertner. Geb. in Leinw. 1. Camp, Maxime du: Paris, ses organes, ses fonctions et sa vie dans la seconde moitie du XIX. si^cle. Im Auszuge f. den Schulgebrauch hrsg., m. Anmerkgn. u. e. Anh. ver- sehen V. Thdr. Engwer. Mit 1 Plan v. Paris u. m. 3 Abbildgn. 2. Aufl. (VIII, 174 S.) 1,50. — 19. Boissonnas, B.: Une famille pendant la guerre 1870—1871. Im Auszuge u. m. Anmerkgn. zum Schul- gebrauch hrsg. V. E. Bretschneider. Mit 2 Kartenskizzen. 2. Aufl. (VI, 116 S.) 1,20. — 33. Maitres conteurs. 9 Erzählgn. v. Alph. Daudet, Jules Claretie, Guy de Maupassant, Frangois Copp6e, Jules Lemaitre. Für die Schule ausgewählt, bearb. u. erklärt v. tf. Henges- bach. (XI, 110 S.) 1,— Schulbibliothek, französische u. englische. Hrsg. v. Otto £. A. Dickmann. Reihe A. Wörterbücher zum 36., 63. u. 106 Bd. 8°. L. Renger. 63. Duruy, George : Biographies d^hommes c616bres des temps anciens et modernes. Wörterbuch, bearb. v. 0. Hofer. (20 S.) —,20. — 106. Duruy, Vict.: R^gne de Louis XIV. Wörterbuch, bearb. v. 0. Hofer. (16 S.) —,20. — dasselbe. Reihe B. Poesie. 19. Bd. 8^ Geb. in Leinw. 19. Moliöre; L'Avare. Com6die. Für den Schulgebrauch bearb. v. W. Mangold. 2. Aufl. (XX, 86 S.) 1,20. — dasselbe. Reihe C. (Für Mädchenschulen.) Prosa und Poesie. 27. Bd. 8^ Ebd. In Leinw. kart. 27. Altgelt, M.: Sprachstoff zu den Bildern f. den Anschauungs- u. Sprachunterricht v. F. Strübing. Für den Schulgebrauch bearb. 2. Bdchn.: Der Winter — der Hafen — die Mühle — e. Gebirgsgegend. (168 S.) 1,20 — dasselbe. Reihe C. 1. u. 3. Bd. 8**. Ebd. In Leinw. kart. 1. Pares- seux, le petit, Witt, Mme. de, n6e Guizot. Premier voyage du petit Louis. Bersier, Mme.: Histoire d'une petite Alle heureuse. Für den Schulgebrauch bearb. v. M. Mühry. 2. Aufl. (66 S.) —,70. —. 3. Cornaz, MUe. S.: Les deux moineaux. — Cornaz, MUe. S.: La petite cerise. — Colomb, Mme.: Le petit prince Ulrich. — Colomb, Mme. : La bonne Mitche. — Musset, Paul de: Monsieur le Vent. — Bawr, Mme. de: Robert. Für den Schulgebrauch bearb. v. M. Mühry. 2. Aufl. (102 S.) —,80. Textausgaben französischer u. englischer Schriftsteller f. den Schulgebrauch, hrsg. unter Red. v. Prof. Ose. Schmager. 31» Bd. 12°. Dresden, G. Kühtmann. Geb. in Leinw. 31. Wershoven, F. J. : L'61oquence fran^aise depuis la r^yolution jusqu^ä nos jours. Französische Reden. Für den Schulgebrauch hrsg. (VII, 135, Anmerkungen 27 u. Wörter- buch 29 S.) 1,40. — dasselbe. 14. Bd. 12**. Ebd. Geb. in Leinw. 14. Sarrazin, Jos. Vict.: Po6sies frangaises recueillies ä Tusage des 6coles allemandes. 2. Aufl. (Vm, 122 S.) 1,— Referate und Rezensionen. Weston, Jessie L., The Legend of Sir Gawain, Studies v^on iis original scope and significance. London, Nutt, 1897. 12*^ XVI-117 S. Der Titel des Buches ist nicht wenig geeignet, die äusserste Neugierde in den Kreisen der Kenner der Artuslitteratur zu er- wecken. Während der im Mittelpunkt dieser Litteratur stehende Artus ein Janusgesicht zeigt, indem derselbe, eine historische Per- sönlichkeit, von den modernen Mythographen mythisch erklärt wird, weiss man von Gauvain gar nichts. Das gewöhnliche Schicksal, das hierbei ein Held über sich ergehen lassen muss, ist zum Sonnen- gott gestempelt zu werden. Dasselbe Schicksal widerfuhr auch dem wackern Gauvain, dem Neffen Artus', dem tapfersten aller Kitter. Auch ihn machte man zum Sonnengott, diesmal wenigstens nicht ganz ohne jeden Anhalt, da er in einem unläugbaren Zusammen- hang mit. der Sonne steht. Verschiedenen Texten zufolge soll die Kraft der Blume der Ritterschaft je nach dem Stand der Sonne gewachsen sein oder abgenommen haben. Die Kenner der Artus- litteratur werden sich sonst den Kopf vergebens zerbrechen, um gewisse Züge zu finden, die auf irgend einen ursprünglichen Typus, der in Gauvain vertreten gewesen sein soll, hinweisen könnten. Man begreift daher die Spannung, mit der ich das Büchlein der Miss Jessie Weston in die Hand nahm, da der Titel Untersuchungen über die ursprüngliche Idee und Bedeutung unseres Helden verspricht und der Verfasser (man gestatte mir diesen Ausdruck statt des mir nicht geläufigen Femininums) daher irgend etwas gefunden haben musste, da er uns sonst sein Werk nicht vorgelegt hätte. Diese Neugier ist auch in ungewöhnlicher Weise befriedigt worden. Nach dem Verfasser ist Gauvain's Grundzug, in von grösseren Wässern, Meer und dergleichen eingeschlossene, dadurch unzu- gängliche Vesten einzudringen. Doch — wir dürfen nicht vorgreifen. Das Buch beginnt mit einem Eingangskapitel über die Artus- sage in England. Wir erfahren darin, dass dieselbe hos been one 96 Referate und Bezenskmen, W, Foerster. of the most preciom herUages of the Engllsli people, Artus was to IJnglish minds a tradUion, an ideal (dare we say^ a memory'^) Dies stimmt zwar in keiner Weise mit der Wirklichkeit, oder ist nacli des Verfassers Ansiclit das IJnglish people ein keltisches? Ich habe mich deutlich über diesen Punkt, den Antagonismus zwischen den Eroberem, den Engländern, und den besiegten, verachteten Heloten, den Kelten, ausgesprochen : s. grossen Erec S. XXIII und XXXm. Dagegen hat Herr J. Loth in der Bev. celt. 1892, 475 ff. Einwendungen zu machen versucht: dass dieselben die eigentliche Frage gar nicht treffen, habe ich im kleinen Erec S. XXIX nach- gewiesen. Auf der zweiten Seite werden die heute sclion geradezu berüchtig- ten anglonormannischen Artusromane, das sogenannte Mittel- glied zwischen den vermeintlichen keltischen Urtexten und den frz. Artusgedichten angeführt. — Der Verfasser hat eben keine Ahnung, dass der Urheber dieser Hypothese sie selbst bereits als unhaltbar hat fallen lassen, wie er denn überhaupt von dem heutigen Stand dieser interessanten litterarhistorischen Frage nichts zu wissen scheint. Im zweiten Kapitel werden die bisherigen Aeusserungen über Gauvain gesammelt und besprochen. M, Gaston Paris says that Gawain belongs „c e rtainement ä la tradition ceUique laplus andenne"^ ; but what was the special ^tradition celtique' relating to the hero it is now difficüU to say, welch letzteres wir ohne weiteres unterschreiben. Dann werden die von G. Paris in der Hist. Litt. XXX erwähnten Stellen, wonach Gauvain's Kraft im Streit in einem gewissen Zu- sammenhang mit der Sonne steht, besprochen. Scholars have seen in this growth and waning of Gawain^s power, directly connected as it is with the waxing and waning of the sun, a proof that this Celtic hero was at one time a solar divinity. Ein Sonnengott oder Sonnenheld muss nun, erfahren wir, ein Pferd haben und ein Schwert, — man sollte glauben, gewönliche Helden nicht minder. Sein Pferd ist der Gringalet; M, G, Paris (S. 14) more cautiously says that the name was originally Oeltic, but that its signifi- cation has been lost. In any case it doubtless referred to same special virtue in the steed, which, judging jrom the frequency wüh which it was stolen, or täken by stratagem, from its rightful owner, was a highly desirable possession. Sein Schwert ist Escalibor oder Excalibur, wie der Verfasser (S. 15) schreibt. Man kennt dies Schwert freilich nur als das Schwert des Königs Artus; da aber, meint der Verfasser S. 16, Kristian im Perceval 7280 von Gauvain sagt, quHl avoit cainte Escalibor, ohne zu erklären, wie es in seinen Besitz gekommen, so sei einleuchtend, dass dies eine wohlbekannte Thatsache gewesen sein müsse (!). Sicher ist, dass, wie die berühmten Jessie L. Weston. The Legend of Sir Gawain, 97 Helden der frz. volkstümlichen Heldensage ihr eigenes Pferd und Schwert, beide wohlbekannt, besitzen, auch Artus beides hat, und Gauvain wenigstens das Pferd — freilich, bei dieser Seltenheit in dem höfischen Epos möchte man es eher als einen dem alten, d. h. französischen Volksepos entlehnten Zug ansehen. Having thm^ as far as possible, fängt das dritte Hauptstück an, ascertained what was the primitive conception of Gawain in the Celtic mind, we will endeavour to discover what were the details of the Start/ connected with him. The tash is a difficuU one, but it may he simplißed if we take, as basis for our inquiry, that Romance which isnow generaUy considered to he the earliest{\) of the Gawain cycle, and in which his adventures are related in the dearest and most coherent manner — the Perceval, or Gante del Graal of Chräien^) de Tröyes. Der Verfasser zieht aus dem Perceval einzelne Abenteuer Gauvains heraus und sieht darin eine neue feste Grundlage für die weitere Untersuchung. Die späteren Bearbeiter behandeln dann, lehrt der Verfasser S. 26. 27, in der Folge regelmässig the final stages of the Gawain adven- tures, i. e. they represent the marvellous rather than the knightly and chivalrous feats of the hero. Das ist genau das Schicksal der Helden der Chansons de Geste. Man könnte da mit Recht ein- werfen, dies sei ein Beweis, dass sie über ihn nichts wissen und daher an seinen Namen, der eine Art Inbegriff der Ritterlichkeit geworden war, um nicht immer -dasselbe zu wiederholen, fremde Abenteuer (darunter auch solche von wunderbarer Art) anknüpfen: allein die ganze Beobachtung ist überhaupt unrichtig, der Verfasser sucht sich, wie er dies in der ganzen Untersuchung stets thut, immer nur das heraus, was ihm passt; anderes existiert nicht für ihn oder wird einfach ohne jeden Grund beiseite geschoben. 2%ws, fährt er nun fort, und unser Staunen wird immer grösser, neither the tournament episode, nor the adventure toith the hing of Escavälon^s sister, meet us as often as da the follomng: the theft of Gawain' shorse\ his crossingthe water to achieve a special quest; his connection with alady of supernatural origin, queen or mistress of a magic Castle or island, and the fact of his supposed death. Dies kann, so fährt der Verfasser fort, nur darin seinen Grund haben, dass eine unbestimmte, halb ver- gessene Tradition von der Urgeschichte Gauvains be- ^) Diese merkwürdige Schreibung geht durch das ganze Buch durch. Der Verfasser schreibt ferner das französische Wort dmetihre eben so eigentümlich: cimetiere. S. 27, 28. Französisch ist es nicht, englisch auch nicht; also was dann? Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX« 7 98 Beferate und Bezensionen, W, Foerster. standen haben muss (!), die eben diese Hauptpunkte umfasste und denen nun der Verfasser in der keltischen Mythologie und Litte- ratur nachgehen will. Der Schwerpunkt des Buches ist das fünfte Hauptstück, the magic Castle, indem der Verfasser auf die Ergebnisse desselben immer wieder zurückkommt. The short summary of the preceding chapter hos shown ws clearly that one of the adventures most generally attnbided to Gawain is the mnning of a Castle^ or hing dorn, only to he approached by water. The form varies, buttheattri- bution of some mysterious water-adveniure{\) to this hero is remarkäbly frequent Der Verfasser entdeckt dann, dass dies Reich ein über- irdisches ist, sowie dass die Besitzer her unearthly origin dadurch beweisen, dass sie an einer Quelle sitzend gefunden werden. Scholars are now pretty generally agreed an the point that Gawain' s Castle da es represent such an other-world dwelUngi}), und nun wird wie- der die keltische Mythologie herangezogen. Ich gestehe, dass ich beim Lesen dieser Entdeckung, dass Gauvains Hauptgrundzug darin besteht, irgend ein Ziel, das von Wasser umgeben ist, zu erreichen, zuerst befürchtete, der ur- sprüngliche Sonnengott Gauvain könnte dadurch zu einem Wasser- gott degradiert werden und müsste so das fröhliche rosige Licht vertauschen mit dem ungemütlichen nassen Element. Zum Glück hat es der Verfasser so weit doch nicht kommen lassen. — Uebrigens könnte einem Leser vielleicht einfallen, dass bei dem umstand, dass derlei Ziel fast immer eine Burg ist, Burgen aber, zumal in der Ebene, ausser den Mauern nur durch einen mehr oder weniger breiten Wassergraben geschützt werden, und aus diesem Grunde gern an Flüssen mit steilen Ufern, auf Inseln, an Sümpfen, Seen etc. angelegt werden, auf diesen rein zufälligen Umstand irgend ein Gewicht nicht gelegt werden könne, jedenfalls aber die Möglichkeit, dies zum Grundzug von Gauvains Wesenheit zu machen, wie dies der Verfasser im folgenden thut, unter allen Umständen ausgeschlossen ist. Ich halte es für unnütz, die weiteren Entdeckungen des Verfassers hier anzuführen. Sie sind alle auf demselben Wege, mit derselben Methode gefunden und haben daher alle denselben Wert, d. h. sie sind hinfällig, wenn diese Methode falsch ist. Wie geht nun der Verfasser vor? Er sucht sich aus der grossen Menge von einzelnen Zügen einen ganz zufälligen heraus und erklärt denselben für den Grundzug, ohne die andern irgendwie zu berücksichtigen. Ebenso wenig wird beachtet, dass dieser eine herausgegriffene Zug, der zur Grundlage des ganzen gemacht wird, ein ganz vereinzelter, rein zufälliger ist, der mit dem Helden überhaupt nichts gemein hat. Dann sucht er aus der Jessie L. Weston. The Legend of Sir Gawain. 99 altkeltischen Mythologie und zwar ganz wie sein Herr und Meister A. Nutt einen ebenso zufälligen und vereinzelten Zug, sei es in einem heutigen keltischen Märchen, sei es in einem alten irischen Text (das ist ganz ohne Belang) heraus und die keltische Herkunft und Zusammengehörigkeit ist sofort gesichert. Diese Methode, aus einer Menge von mehr oder weniger wichtigen Zügen einen ganz nebensächlichen herauszugreifen und denselben für den ursprünglichen zu erklären, ist dieser ganzen Schule gemeinsam. Sie ist um so auffälliger, als dieselbe Schule jedesmal dann, wenn es sich um ausserhalb dieses Kreises stehende Forscher handelt, ohne weiteres einen ganz anderen Masstab zur Hand hat und gleichzeitig mit einer ganz übertriebenen und wenig berechtigten Hyperkritik operiert. Ein Beispiel soll dies klar machen. Ich hatte im Kristian'schen Yvain unter den verschiedenen Stoffen, die der findige Dichter hinein verarbeitet hat, u. a. auch auf die Witwe von Ephesus hingewiesen und gezeigt, wie Kristian die Hauptpunkte dieses Stoffes für seine Romananlage verwertet hat. Eine Reihe von ganz bedeutsamen Zügen, gerade die Hauptsache, stimmt durchaus. Die Kritik dieses von mir erwähnten Kreises wies dies einfach zurück, ohne Angabe von Gründen; später hat aber ein Jünger eben dieser Schule, ein Herr Axel Ahlström {Melanges Wahlund, S. 292) meine Annahme dadurch ad absurdum führen zu können geglaubt weil eine Reihe von (nebensächlichen) Zügen des Stoffes sich bei Kristian nicht fänden (!). La ressemblance entre le roman et le conte, sagt er S. 294, se hörne, en effet, ä ce point commun gtCune veuve desolee change de sentiments en peu de temps et vettt se remarier. Tous (!) les details sont differents. H y a pourtant, dans la litterature comme dans la vie, trop de jeunes veu- ves qui desirent se remarier leplus tötpossible (\)pour que ce fait seul (! !) puisse prouver Vexistence d^un rapport plus intime entre le conte tt le roman. Diese Tirade soll wahrscheinlich auch noch witzig sein, abgesehen von ihrer vernichtenden Wirkung. Jedenfalls ist sie aber etwas einseitig. Es ist nämlich die Hauptsache ver- schwiegen, dass nämlich diese so leicht und rasch getröstete Witwe nicht rechts oder links nach einem ihr passenden Mann sucht, sondern einen solchen unter hässlichen, unser Gefühl schwer verletzenden Bedingungen nimmt und in unserm Falle, das Thema der Vorlage noch übertreibend, sogar den Mörder ihres so heissgeliebten Gemahls heiratet. Da ich dies in den Mittelpunkt der Sache stelle, die entsprechen- den Verse Kristians sogar zum üeberfluss auch noch als Motto an die Spitze der Einleitung meines kleinen Yvain gestellt 7* 100 Referate und Rezensionen, W. Foerster, habe, so ist dies Verschweigen recht bezeichnend.*) Da nun aber von anderer Seite in demselben Yvain der dem Tannhäuser und andern ähnlichen Sagen zu Grunde liegende Zug gefunden wird, (freilich ohne den geringsten Versuch eines Beweises), so erklärt sich der schneidige Herr Kritiker flugs für diese Ansicht: c'*est Vhistoire de Vamour entre un etre surhumain et un individu humain und die Sache ist fertig. Es lässt sich zwar absolut nicht das geringste^) für diese Ansicht anführen, während bei der andern Ansicht die ganze Hauptsache stimmt. Das ist ganz gleich- giltig. Diese Methode besteht also darin, dass man sich für eine Ansicht je nach dem Namen und der Zugehörigkeit des Urhebers derselben entscheidet, ohne sich durch Gründe und Gegengründe irgendwie beirren zu lassen. Es ist eben , scheint mir, die Praxis des avrog Bq)a, oder giebt es eine esoterische und exoterische Lehre? Uebrigens wundre ich mich sehr, dass auch der Verfasser nicht darauf gekommen ist, Gauvain mit dem Tannhäusermotiv zu verbinden: denn nach seiner Methode stimmt alles (das Eindringen in ein schwer zugängliches Gebiet einer Fee), bis auf den von dem Verfasser ent- deckten Umstand, dass dies Gebiet keine Höhle, sondern von Wasser umgeben ist. Wir hätten also eine Abart des Tannhäuser — neben dem T. cavernae oder troglodyticus einen T. aquaticus. ') ^S^' J6*zt über das Witwenmotiv die scharf durchdachte und klar gefasste Darstellung Eölbing's im zweiten Hauptstück der Ein- leitung seiner neuen Ausgabe der Ivens Saga {Altnord. Saga-Bibliothek^ Heft 7. Halle, 1898), bes. S. IX. Kölbing hat auch den Grund gefunden, warum Ahlström so unglücklich gegen das Witweamotiv polemisiert. „Zumal geht A. ohne Grund von der ferner liegenden Fassung der Er- zählung aus, wie sie sich in den Sieben Weisen Meistern findet'. Diese Unkenntnis der andern Fassungen kann zwar Ahlström's Ausfall weniger barock erscheinen lassen, aber nicht entschuldigen. — Was Baist in Ztschr. f. rom. Ph. XXI, 402 über eine gewisse Unterredung anführt, beruht auf einem mir unerklärlichen Misverständnis. ') Denn dass die Dame eine Quelle besitzt, macht sie noch eben so wenig zur Fee, wie die Quelle der Miss Weston S. 32 ihres Büchleins. Auch über die Quelle vereinigt Eölbing a. a. 0, sehr glücklich alles, was bis jetzt vorgebracht worden ist. Kristian hat dieselbe, wie ich bereits 1887 gelehrt, aus der Lokalsage von Broceliande (und zwar, wie jetzt ge- nauer gesagt werden kann, aus Wa^ e). F. Lot*s ,,wälsche" Quelle der Quelle {Rom. XXI, 71) braucht nicht widerlegt zu werden. — Dieser Nachweis des Ursprungs des Quellenmotivs schiebt die sonderbare Hypo- these, die Quellenbesitzerin sei eine Fee, sofort beiseite; denn die Quelle von Broceliande hat mit einer Fee nichts zu schaffen. Derjenige nun, der Laudinen zum Besitzer dieser Quelle gemacht hat, hat ebensowenig daran gedacht. Für ihn ist diese Quelle bloss das Mittel, die leicht getröstete Witwe mit ihrem zukünftigen neuen Gemahl in Berührung zu bringen: also die Quelle ersetzt das Grab des Witwenstofies. (So bereits gr. Ivain S. XXHI). Jessie L. Weston, The Legend of Sir Gawain. 101 Aber nicht nur, dass sämtliche Ergebnisse hinfällig sind wegen der verfehlten, unwissenschaftlichen Methode, auch die Art, wie das Material zusammengebracht ist, erweckt die schwersten Bedenken. Es ist offenbar, dass der Verfasser kaum mehrere der in den Kreis einbezogenen Texte gelesen hat, sich vielmehr mit den von G. Paris in XXX. Bd. der Hist. IMSr, gegebenen Analysen begnügt hat; auch hier sind nicht alle ein- schlägigen Romane vorgenommen worden, sondern ausser dem einen und dem andern Roman Kristians in erster Linie nur die von G. Paris als romans episodiques sur Gauvain behandelten. Von den übrigen a. a, 0. behandelten Romanen kommt kaum der eine oder andere mal mit einem Zuge vor. Aber gerade bei der eigenartigen Methode des Verfassers, die einen zufälligen Neben- zug als einen ursprünglichen Hauptpunkt zu behandeln zulässt, musste er doch alle die Artusromane, wo Gauvain überhaupt vor- kommt, vornehmen, da selbst dort, wo er nur eine Nebenrolle spielt, doch ein solcher grundlegender Zug enthalten sein kann. Ueberhaupt ist die lAst of books consuUed (S. XI — XIV) über- aus lehrreich. Die späte Kompilazion Malory's spielt bei ihm, ebenso wie bei Rhys, dieselbe Rolle wie die ältesten Stücke: alles was er giebt ist ebenso sicherlich stets Wiedergabe einer älteren Quelle, als dies nach des Verfassers Ansicht ebenso alle altfran- zösischen Artus-Romane sind. Dass die französischen Dichter fremde Stoffe und Episoden sammeln, andere selbst erfinden, und sie dann mit bekannten Persönlichkeiten in Verbindung bringen, fällt ihm gar nicht ein. Ein Meraugis de Portlesguee ist für ihn in seinen einzelnen Teilen ebenso immer altes Gut, wie alles im Kristian, dies erhellt aus dem ganzen Büchlein. Dass die Fachleute anderer Ansicht sind, scheint er nicht zu wissen oder es ficht ihn nicht an; und woher sollte er es wissen? Er hat sich gehütet, auch nur ein Buch aus jener Sphäre sich anzusehen. — Freilich die Aufsätze H. Zimmer's zitiert er das eine oder andere Mal (dass er sie benutzt hätte, konnte ich nirgends entdecken, blos für Namens- erklärung ist er ein paar mal herangezogen werden), doch war dies offenbar ganz überflüssig, da derselbe (S. XU!.) has been mgorously criticised and, to a great eoctent, entirely refuted by Monsieur J, Loth and Monsieur Ferd, Lot. ( ! ) Doch wird auch für den Verfasser, wenn er sich herablässt, die deutschen einschlägigen Arbeiten zu lesen und mit ünvoreingenommenheit zu prüfen, vielleicht noch der Tag kommen, wo er sich überzeugen wird, dass die Kritik des Herrn F. Lot kaum mehr als Makulatur^) ist, während J. Loth selbst *) Das letzte Heft dieser Ztschr. brachte auf S. 79 — 162 einen Aufsatz E. Brugger's, der F. Lot^s Aufsätze über die Bedeutung von 102 Rrferate tmd Bezensionen. W, Foerster, am meisten erstaunt sein dürfte, wenn er läse, er habe Z. ewtirely rfftäed, da er doch in der Hauptsache selbst sehr vorsichtig eine Mittelstellung gewählt hat, im andern uns beistimmt. Interessant ist, dass Verfasser den Hartmann'schen Yvain nach der Bech'schen Ausgabe zitiert und dass er seinem Prinzip getreu, das platte von Hartmann erfundene Füllsel (s. meinen grossen Yvain S. XVII Mitte) für die Wiedergabe einer eigenen älteren Quelle (!) hält (S. 70.) Da der Verfasser die Anspielung, die hier Kristian im Yvain auf seinen eigenen Karrenroman macht, ebenso wenig ver- standen hat wie Hartmann (nur mit dem Unterschied, dass der mittelhochdeutsche Dichter den Karrenroman nicht kannte und die Anspielung daher nicht verstehen konnte, dagegen der neuengl. Verfasser, der ja dem Karrenroman ein eignes Kapitel widmet, sie hätte erkennen müssen, um so eher als sie vor ihm schon männiglich erkannt worden ist) so folgt der kühne Schluss: nor is it likely that H. would have devoted so much more space to the accourU of the abdtiction, had he not been dissatisßed ivUh the version of the French poet and desirous oj substituting another for it. Als letzten Punkt, der beweisen soll, wie die ganze Quellen- durchforschung mangelhaft und daher verfehlt ist, führe ich die Thatsache an, dass der Verfasser, der den Malori als gleichwertiges Element behandelt, die so wichtigen altfranz. Prosaromane über- haupt nie erwähnt, geschweige, dass er diese so inhaltreiche, voUfliessende Quelle auch nur eingesehen hätte. Hat der Verfasser nie etwas davon gehört, dass jetzt einige Kenner der Artus- litteratur in denselben mit dem Rezensenten die ältere, ursprüng- liche Stufe der Artusromane finden? — Nicht w^eniger ist man erstaunt, nichts über Gauvain's Herkunft zu erfahreo. Schon aus der einzigen Quelle, die der Verfasser benutzt hat, aus dem XXX. Band der Hist, IM,, hätte er erfahren, dass ein späterer Text dem Gauvain eine Fee als Mutter giebt (S. 80) und ebenda hätte er den lat. Text de ortu Waluuanii^) (S. 31) gefunden. Von anderen fehlenden Texten will ich nicht mehr reden. Zum Schluss noch die Bemerkung, dass der Verfasser, der in dem Büchlein stets mit einer wahrhaft beneidenswerten Zuversicht auftritt und die verwickeltsten Fragen spielend löst und entscheidet, Bretagne Breton schlagend in ihrem ganzen Nichts nachweist und endgültig beseitigt. Nur frage ich mich, warum Brugger, der doch sachlich un- widerlegliche Thatsachen auf seiner Seite hat, den eigentümlichen Ton F. LoVs nachgeahmt hat. Er hat übersehen, dass dieser Ton beim letzteren eben über den Mangel an Gründen hinweghelfen sollte, Brugger mithin ihn nicht nötig hatte. ^) Derselbe ist eben von J. Douglas Bruce trefflich herausgegeben worden in XIH, 3 der Publications of the Modern Langiiage Association of America. M, Friedwagner. Meratigis von Portlesguee, 103 in der Vorrede sich sehr verständig bescheiden ausspricht. Bvt U may he (hat though the evidence, as I interpret it, appears to me to point clearly in one direction, others better versed in such matters may read it otherwise. In the present State of Arthurian investigation that writer is over-hold who Claims in/allibility or ßnality, for the most tempting conclusions. Es sei nur bemerkt, dass gerade seine eigene, des Herrn Verfassers Schule, die Herren Nutt u. Cie., stets mit dieser Unfehlbarkeit auftreten und für alles, was sie vortragen, in Anspruch nehmen, dagegen alles, was die Widersacher vorbringen, einfach in schroffer, zuweilen persönlich beleidigender und ver- dächtigender Weise abweisen, ohne je den Versuch der Wider- legung zu machen. Auch alle sachlichen und Vernunftgründe gegen die Methode dieser Herren, die H. Zimmer in seiner Rezension u. andre so deutlich ins Licht gesetzt haben, werden ebenso behandelt. Bei Nutt's Percevalbuch nun ist wenigstens die eine Hälfte, die Materialien- sammlung, eine vortreffliche Leistung, was man von Miss Weston's Büchlein nicht sagen kann. Die Sagen vergleichung ist noch eine sehi* junge Wissenschaft. Sie hat die Materialien noch nicht beisammen, geschweige denn, dass sie die Kritik derselben schon vorgenommen hätte; ich kann nur auf meine Ausführungen im kleinen JErec S. XXVI ff. verweisen, denen noch nirgends widersprochen ist, weil ihnen nicht widersprochen werden kann. Wenn einmal diese und andere, un- umgänglich notwendige Vorarbeiten gemacht sein werden, wird sich im Laufe der Zeit nach und nach die streng wissenschaftliche Methode auch in dieser Disziplin einstellen. Zwar werden auch dann Leistungen, die der Tummelplatz willkürlicher Einfälle und reicher Phantasie sind, nicht fehlen; denn dieses Gebiet, dass scheinbar keine Vorbereitung und keine Schulung verlangt, wird stets litterarisierende Dilettanten anziehen und ähnliche Werke produzieren, von den Fachgenossen werden sie aber gerechter Weise ignoriert werden. Denn es hat keinen Zweck, dieselben auch nur zu registrieren. Bonn am Rhein. W. Foerster. Friedwagner, M., Meratigis von Portlesgue^i, altfranzösischer Aben- teuerroman, von Baoul von Houdenc. Halle, Niemeyer, 1897. 8^ XC, 294 S. Von der seit einigen Jahren in Vorbereitung befindlichen Ge- samtausgabe der Werke Raoul's von Houdenc ist jetzt der erste Band, den Abenteuerroman Meraugis enthaltend, erschienen. Wenn mau die grosse Sorgfalt und allseitige Gründlichkeit, mit der dieser Text bearbeitet worden ist, berücksichtigt, dann begreift man nur 104 Referate und Beaensionen, W. Foerster, zu gut dies verspätete Erscheinen und sieht gern, wie viel Mühe und Zeit an die Arbeit verwandt worden ist. Geplant sind noch zwei weitere Bände, deren erster die Raguidel- Rache, welche der Herausgeber unserm Dichter zuschreibt, und der zweite die alle- gorischen Gedichte umfassen soll. Nach der Anm. 2. der S. LVIII ist zu ersehen, dass der Paradiestraum, der aus sprachlichen Gründen (mit Recht!) ausgeschieden wird, sich darunter nicht befinden wird. Auf den versprochenen Nachweis betreffs der Urheberschaft des Raguidelromans, kann man gespannt sein ; freilich ist ohne weiteres zuzugeben, dass die bis jetzt vorgebrachten sprachlichen Gründe, die aus den Reimen gezogen sind, unsern Raoul nicht auszuschliessen brauchen. Aber ich empfinde, wenn ich auf tausend Zeilen Meraugis tausend Zeilen Raguidel gelesen habe, den Eindruck, als wenn ich eine andere Welt angetroffen hätte. Die Einleitung enthält die Beschreibung und das Abhängig- keitsverhältnis der vier erhaltenen Handschriften, behandelt dann die Sprache des Dichters, auf die ich gleich zurückkomme, giebt eine ziemlich eingehende Beschreibung der sprachlichen Eigentümlich- keiten der vier Handschriften, bespricht die Heimat und das Leben des Dichters und schliesst endlich mit einer eindringenden Unter- suchung über das Gedicht. Was das sprachliche Kapitel betrifft, so ist es vor allem störend, dass, wiewohl ein eigenes Hauptstück den sprachlichen Be- sonderheiten der einzelnen Handschriften gewidmet ist, hier in die Reimuntersuchung immer wieder die Schreibung der Handschriften störender Weise hineingemengt wird; jeder weiss, wie z. B. Zinger- le's Untersuchung dadurch einfach ungeniessbar geworden ist. Ein weiterer grosser Uebelstand ist, dass der Herausgeber hier bloss die Reime des Meraugis verarbeitet. Es mussten auch die anderen sicheren Texte, die allegorischen, herangezogen werden. Der Ein- wand, dass kein krit. Text derselben vorliegt, also die Reime nicht gesichert sind, ist doch nicht haltbar; da der Herausgeber die sämt- lichen Handschriften verglichen hat, so brauchte er bei einem etwa widersprechenden Reim einfach die Varianten der andern Hand- schriften einzusehen und in Klammern beizusetzen. Unter 1) {e aus ä) vermisse ich eine Aufklärung über den sonder- baren Reim sei (sapü) : ait, Oder gehört der Herausgeber auch noch zu denjenigen, die glauben, dass neufranzösisches sai^ ebenso altfranzösisch gelautet hat? Das schlimmste bei dieser Verlesung (die Handschrift muss natürlich/(^= AMrfwm haben; der Querstrich wird, wie so oft, flüchtiger Weise nicht ganz durchgezogen sein), ist dass T W das sonnenklare/e^, /ai^ haben. Ein identischer Fehler encontree: (^escon/ai-e^ steht 5595 zwar im Text, wird aber in der Anmerkung wahrgenommen. Dass aber dem Herausgeber das Ungeheuerliche ähnlicher Bindungen doch nicht M, Friedwagner, Meraugis von Fortlesgueis, 105 voll zum Bewasstsein gekommen ist, zeigt 5331 oes (opus): remu'ez {remutatus), das in der Anmerkung als „möglich" bezeichnet wird; S. XXXIX nennt er es wenigstens verdächtig. Das richtige Wort ist jUnmöglich*. — An dieser Stelle musste auch noch das unfran- zösische sevent {sequunt nach dem Herausgeber): sevent (sapunt) 4159, das der Hgb. XXXVIII harmlos neben erent (Impf.): conforterent setzt, angeführt werden. Jede Anmerkung fehlt, der Reim ist auf dem Kontinent zu jener Zeit einfach unmöglich. Zu 2) (Reime . zwischen oi und ei) ist zu bemerken, dass die mit Hinweis auf meinen Cligis LXIV y begründete Ausnahme des joie hinfällig ist. Ich sage dort ausdrücklich, dass oi (o+«^) ^^^ oi (aus ei) ohne weiteres mit einander reimen; von einer Ausnahme- stellung von joie^ als wenn nur dieses Wort es täte, kann keine Rede sein. Wenn ich dort gerade drei Beispiele mit joie gebe, so ist das reiner Zufall. Hiei' die Reime aus dem Karrenroman joie: coie 2568, aber auch voie (via): oie 2977, oi: voi (video) 6571, oie: contoie 6433. Man beachte obendrein, dass die Zahl der Wörter auf oi, oie eine verschwindend kleine ist. Schluss: Kristian reimt unterschiedlos beide oi. — Bsl piain (planum): piain (plenum) und ebenso ain: ein reimen, warum schreibt man nicht beide gleich? Was soll die Anmerkung 2 : Zu ^ schlugen sich ades . . . ? Woher weiss der Herausgeber, dass es jemals ades war? Oder glaubt er an die Ab- leitung von ipse? Sollte es auch im Ital. Span., Prov. oder Wallonischen getauscht haben? Man gebe doch der Wahrheit die Ehre und sage: Herkunft unbekannt. — Die Schreibung sö/a«*s: vermaws (statt ei) dürfte nicht in den Text, ebensowenig consam 1993; sie ist dem Westen unbedingt fremd. Der Reim aus dem Höllentraum ist als Absonderlichkeit dort eigens zu erklären und geht uns hier nichts an. — Ganz unrichtig ist die Bemerkung über chevuel ,Haar\ welche Form auf dem Kontinent überhaupt nicht existiert, ebensowenig wie ein oriuel. Auch die Anmerkung trifft die Sache nicht. Es findet sich orioel^ mit ue kenne ich es nicht. Das Wort lautet regelmässig oriol und ist im Französischen ebenso Fremdwort wie rossignol jaiole u. ä. Chevoel ist anglonormannisch; das Festland kennt nur chevol, daneben noch chevoil und cheviol, entstanden aus chevols, chevels^ wie eis (illos) ein ols gab; vgl. basoche: ich behandle das im Kristian oft vorkommende Wort Clig^ S. LVII und zu Ivain 4656, was dem Herausgeber entgangen ist. *) — Verfehlt ist ebenso die ganze Abhandlung über die Reime von focus, locus. Die Reime sichern eine einzige Form* und diese musste unbedingt durchgeführt werden, nämlich: feu, leu, jeu, Deu; ein Heu, gieu^ Dieu ist ganz ausgeschlossen, ebenso wie das sonderbare dieus -^Schmerz", das ^) Vgl. die Stellensammlung in Burguy I, 90. 106 Referate und Rezensionen. W. Foerster. einigemal im Text spukt, z. B. 1552. Man vgl. nur fem: fels 4201, neu (nöduml) 5052., jeus: cels 5278, leus: tels 1014., Deus: tels 5730 und dazu leu: feu 5000 usf. — Ebenso musste pou (jpaucum), die einzige durch Reim gesicherte Form überall statt des dial. fremden poi eingeführt werden. Was die Konsonanten betrifft, so musste den Reimen nach ain {amo, hamus\ fain (fame) usf. durchgeführt werden. Die Bemerkung über fu ohne t lässt vermuten, dass der Herausgeber auch noch unter dem Bann des neufranzösischen fut steht; es verschwand ebenso früh wie ama usf. Unter 3) fehlt avan{s)t 590. — Dass unser Dichter s: z zusammenwarf (es brauclit nicht dial. zu sein, sondern rein zeitlich), lehrt auch die ziemlich vernachlässigte (nach dem Herausgeber S. XLII freilich noch ,, streng beobachtete*') Deklination. Den groben Fehler ad^%\ desconfez (statt desconfes) hat die Anmerkung berichtigt. Dass subcurris = secors sich im Franzischen mit--e^ finden soll, wird Jedermann neu sein. Es fehlt amors : toz 375, das sehr bedenklich ist. S. XLII behandelt die Deklination. Ich habe meine Ansicht darüber soeben geäussert; die vom Herausgeber an geführten Stellen, wo der Acc. Singl. derMasc. als Nom. steht, könnten allein schon genügen. Doch es findet sich noch ausserdem, was ich bei ihm nicht finde: vent b90^, jugement 1035, saintuaire 4794, cestui 831. nului 155 (freilich allemal Inver- sion); ebenso lässt sich rechtfertigen lion 823, 5672 (nach come), soi quart 3354. Aber ohne jeden Grund retret (oder desfet, wie der An- hang will), vengie 2143, 224, nului 5548, atorne 5819. Noch schlimmer ist desloiaus 1046 Akk. Singl., wohl zu bessern: Sei proverai a desloiaus, vgl. noch Hepar z 4:111, compain 386, beide Nom. Plural. Besonders beachte die Fem. der III. im Nom. Sgl. ohne s! Aus- gelassen ist dui „zwei" und tuü, welche den N. ganz ausschliessen. S. XL VI steht richtig, dass 1. Pers. der A-Verba noch kein nicht- e hat; warum stellt es 3524 repere? Die Formen estait, vaümid nicht erwähnt, ebensowenig die merkwürdige Konjunktivform ameigne 5232 (statt ameint\ die ich für unmöglich halte; und /rcn^. Jeden- falls haben die Zeitgenossen Raouls Sprache für ebenso rein und echt französisch g:ehalten, wie die Kristians. Ich verweise nur auf die bekannte Stelle in H. Mery's Tom. ÄrU. 3538 f. : Mes quanqu' il dirent, il prenoient \ Le bei frangois trestot a plein, \ Si com il lor venoit a mein. Man hat jedenfalls nichts auffällig mundart- liches darin wahrgenommen. Unter den vielen Orten gleichen Namens Houdenc schliesst sich der Herausgeber mit Recht Suchier an ; . es kann nur das heutige Houdan sein, weil die normannischen Eigentümlichkeiten*) neben 2) Beachte Scheidung von oi und 6t, dann die zahlreichen p-Imperf. der A-Verba und besonders das ausschliessliche -on in der 1. Pers. Plur. M. Friedwagner. Meraugis von Portlesgiiejs. 107 den franzischen ganz überwiegen. Die Pikardie ist rein aus- geschlossen; denn s: z kann, wie ich schon oben bemerkt, rein zeitlich sein und der Zug, der in hroche (statt hroce) sich verrät, zieht sich in die Normandie hinein. In der Zeit wird man gegen den Heraus- geber den Verfasser unbedingt ins XIII. Jahrhundert setzen. Dass der Perceval Kristians um 1175 (S. LXIV, 2. Anmerkung) gedich- tet sein soll, ist falsch. Im folgenden geht der Verfasser liebevoll allen möglichen Anspielungen, Entlehnungen,^) Nachahmungen usf. nach und zeigt uns hier seine ungewöhnliche Belesenheit. Dass er die Anlage der Gedichte so herausstreicht, wird jeden Leser des Eomans verwundern; man vergesse nicht, dass naturgemäss jeder Herausgeber sich in seinen Text verliebt, und zwar um so inniger, je gründlicher er ihn durch- gearbeitet hat. Es giebt wenig Romane, wo so viel nichtssagendes Geschwätz, so viel hohles Versgeklingel sich immer wieder in die Handlung eindrängt, wie in unserem Roman. Da steht Raguidel ganz entschieden unendlich höher. Und diese Menge von Lücken- büssern? So hat denn der Herausgeber auch nicht gesehen, dass der Roman überhaupt keine Lösung, kein Ende hat, sondern von einer bestimmten Zeile an einfach übers Knie gebrochen ist. Die ganze Einleitung, abgesehen von den par auffälligen Ver- sehen in dem sprachlichen Abschnitte, die unter der Masse des andern verschwinden, ist eine ganz vortreffliche Leistung. Dasselbe muss auch vom Rest, dem Text und den Anmerkungen, gesagt werden — der emsige Herausgeber verdient hierfür volle Anerkennung. Diese ist um so voller, als die Textgestaltung bei der mehr als mittelmässigen Ueberlieferung ganz bedeutende Schwierigkeiten bietet und es erst nach und nach der vereinten Arbeit der Fachkundigen gelingen wird, eine Reihe noch übrig gebliebener Schwierigkeiten zu ent- fernen. Der Wert dieser Ausgabe steigt überdies noch bei der Er- wägung, dass es das erstemal ist, wo der Herausgeber sich an eine Textausgabe gemacht hat, während man nur ganz selten ein Schwanken des Anfängers bemerkt. Im folgenden lass ich einige Bemerkungen zum Text folgen. — S. LX, Anmerkung 3. relevot im Perceval kann nicht kristianisch sein ; denn dies Impf, ist ihm ganz fremd. Wenn dann der Fortsetzer des Karrenromans dreimal Lancelot mit -oj; reimt {celgt zweimal und chancelot)y so reimt er nicht norm, die A-Verba, sondern nach nördlicher Art oit >> gt; denn er fand, da er einen ganz reichen Reim suchte, kein Verb der übrigen Konjugationen, das cd als Stamm hat. *) Interessant, dass die Sperberepisode sich auch im Andreas Capellanus findet. — Der zweimaligen Anspielung auf die espee as es- tranges r eng es, die sich ja auch anderswo findet, musste nachgegangen werden. 108 Referate und Rezensionen. W. Foerster. bemerke jedoch, dass ich ihn in meiuer bösen Zeitbedrängnis nur ganz flüchtig in der Eisenbahn bis jetzt habe lesen können. Z. 3. quan que] muss zusammengeschrieben werden, wie es die Handschriften meist haben ; nur so konnte das quanifj fallen. — 27. vUainieJ merkw. Schreibung von W (nach vilain), die Lautlehre ver- langt vüenie {vülan-iä), und zwar entspricht e nicht etwa e aus ai. — 39. li GreausJ daraus schliesst Heinzel mit Recht, dass dies der eigentliche Titel des Kristianschen Perceval ist. — 46. mtUeJ was soll die pik. Schreibung bei der üniformierung des Herausgebers? — 48. je en face De li] halte ich für unmöglich; W hat das Richtige. — 49. lies mit W.: hele descripcton Sgl.; es ist die wörtliche Nach- ahmung einer Kristian'schen Stelle. — 55. 56. lies chevol: oriol (s. oben). — 78. lies atempre (schon wegen des Reims mit pre). — 87. une ist sehr hart; lies mit W la gorgete, — 104. dou mainsj hätte eine Bemerkung oder Erklärung verdient. — 222. lies heslongue. — 276. Punkt! (statt Komma), 277. Komma! (statt Punkt). — 284. hängt si in der Luft, die Verbindung ist auch sonst schlecht; die in der Anmerkung gegebene üebersetzung ist sehr gekünstelt und befriedigt dem Sinne nach doch nicht. TW müssen in den Text. — 319. VemportaJ trennen (!), was in der Anmerkung nach- träglich auch empfohlen wird. Der Herausgeber steht wie überall auch hier im Banne der handschriftlichen Schreibung! Wenn derselbe recht viele Texte nach Schreibern und Reimen durchgearbeitet haben wird, wird er schon selbständiger werden. — 366. gieus de veülej, jSpinnstubenscherze* — 381. quant devisj hätte eine Anmerkung vertragen. — 384. Komma. — 408. 9. geben auch in der im An- hang vorgeschlagenen Fassung keinen Sinn; übrigens kann ein Satz nicht mit nel cuide anfangen. Besser W: Set ele que Vaitf — Far foi, non. — Commentf — Non, si nel cuide avoir, 'Nein und sie glaubt auch nicht, es zu haben' — 447. giebt keinen guten Sinn; eher W. — 681. remaindraj Hess remandra — 715. Errent] gegen Ende ist meist oirrent geschrieben, was jedenfalls besser ist. — 788. 9 unklar. — 934. ades ^^ genug", ebenso 1803 u. s. f. steht ganz einzig da, ebenso wie das verwandte ,vier 907 u. s. f. Kein anderer Text kennt so etwas m. W. — 1004. Orgmus] lies ^, wie ieuz u. ä. — 1054. 5. unklar. — 1195. 6. giebt so keinen Sinn, ebensowenig 1 237 auch in der im Anhang vorgeschlagenen üebersetzung. — 1426. ist mit 1275 zusammengehalten widersinnig. — 1736. sinnlos. — 1753. ein Bamdeus ist unbekannt und unrichtig. — 1908 f. ist sinnlos, auch in der Anmerkung. — 2201. meUef — 2226. ist in der An- merkung sehr scharfsinnig erklärt, aber doch so nicht zu halten. — 2468. esclenchierj davon war aber gar keine Rede; es muss hier jbesiegt' = recreu heissen ; also wohl eigenartiger Tropus. — 2484. lais] soll Subst. sein und ,Hässlichkeit* bedeuten. Dies wäre nur in M, Friedwagner. Meraugis von PorÜesguez, 109 dem Gebiet des Westens, wo sonstiges lait^ fem. laide anders, nämlich Zai, laie lieisst, möglich; aber auch dies hilft nicht, da es ein solches Subst.-Suflix -is oder -iz nicht giebt. Ich kenne nur das Ortsadverb lais^ das hierher gehören könnte; de lats ist zwar ziemlich nichts- sagend, aber derlei Reimworte wimmeln bei unserm Dichter. Man muss es allgemeiner: ,in dieser Sache, Hinsicht* fassen. Das Wort ist für den Westen belegt. — 2589. erragier in ganz später Schrei- bung; um so erstaunter ist man, archaisches sozrH 2477 zu treffen. So schreibt er auch das alte coroder statt des richtigen coreder, 2578. ist unmöglich; zu faire muss le „es" kommen; s. V. L. — 2630. Dölanz] mit a\ von dolentus, während etym. en immer ge- wahrt wird. — 2651. |)es(pacem): plez {placUos)', warum nicht pe^, die bekannte Nebenform des Wortes, da der Herausgeber z: z für die Regel hält? — 2660 ein schauerlicher Lückenbüsser; W: de gres ,Sandstein* wäre um einen Grad weniger platt. — 2723. Tant quHl ni* anuUJ? passt nicht zum vorigen. Auch 2720 ist hart, besser Btier fust^ s. V. L. — 2817 A es son oesj ein solcher Archaismus hätte doch eine Bemerkung verdient: ich habe es nur in Pembroke an- getroffen ; vgl. noch meine Anmerkung zum Ille u. Galeron 2498. — 2824. porj so unmöglich; s. Anmerkung. — 2894. froj hier wäre eine Anmerkung wohlthuend gewesen; die üebersetzung im Glossar hilft Niemandem. — 2922. par horesj?, s. V. L. — 3041. OJ unmöglich, auch sonst uneben. — 3169. reguijl, s. V. L. requis, — 3236. Gauvain allein kann doch nur beide Fragen im Text, der mir sehr bedenklich vorkommt, stellen. — 3284? — 3360. mar- chierj trotz der Anmerkung sinnlos; hier ist V mestier endlich mal im Recht. — 3394. centj trotz Anmerkung unhaltbar. Der Text muss mit Hilfe von W gebessert werden. — 3494. aide] diese Zwitterform ist ohne weiteres durch aie zu ersetzen, 5264. 5639. — 3769. auch hier hat wieder der jüngste T allein das Richtige. Er hat eben allein das den andern unverständliche auquais (vgl. 3872 im Reim) bewahrt. Zu den v. G. Paris gelieferten Stellen ist noch Wilh, V, Or. Jonckbl. 14, 498. (= Ludwigs Krönung Lgl. 505.) hinzuzufügen. — 4118. trenne en versetU] es giebt zwar ein enverser, aber hier ist en=^inde nötig. — 4375. suivij sinnlos. — 4497. setj bessre fet, s. oben unter e aus a. — 4552 ?, wenigstens erwartet man dou dos, — 4614. so sehr merkwürdig. — 4688. ist sinnlos, und die Verbindung obendrein schlecht. — 4737. V. L. hat V nicht -1, sondern die gew. Form delU, Ich würde jetzt die Form delie (zwei- silbig) nicht mehr so fest behaupten, wie s. Z. im Ch. 2 Esp., we- nigstens für das Masc; im Fem. ist sie ganz gesichert, pik. na- türlich deUe, JDelie ist lautlich nicht unmöglich, aber jedenfalls nur ganz spät. — 4822. wird durch die Anmerkung nicht besser. — 5214. lies estraine — 5287. nej vielleicht nes besser, — 5308, 110 Beferate und Beeensionen. W, Foerster, QueJ? — 5317. por ce Ven garde, wer? besser; s^en. — 5324. mir wenigstens ist der Ausdruck soldre paröle »sprechen* nicht verständlich. Ohne stärkere Aenderung ist nichts zu machen. — Ebenso 5331 fg.; W ist zwar nicht hübsch, aber der Einwurf: ,sieht wie ein Lücken- büsser aus* ist doch sonderbar für einen Dichter, der jeden Augen- blick mit ihnen reimt. Auch 5333 muss li geändert werden; ü TW ist tadellos: ,so wie er da stand* d. h. ,ohne weiteres*. Auch 5334 ist nicht haltbar. — 5436. recroire les ganz musste erklärt wer- den. — 5736. apeauj lies apel] denn die Form ist unserm Text fremd. — 5774. lui lies li, vgl. XXXIX, 2. Anmerkung. — 5794. 5. ? Eine eindringende Beschäftigung mit dem Text wird wohl noch manche Besserung liefern ; aber meiner Ansicht nach handelt es sich hier weniger um kleine Textbesserungen, sondern meist um die Frage, welche Handschrifticnlesart eigentlich in den Text gehört. Der Herausgeber hat im Grossen und Ganzen seinen Text nach dem von ihm gefundenen Stammbaum aufgebaut. Ich habe denselben nicht nachprüfen können; aber meistens wenn ich auf eine holprige oder dunkle oder sinnlose Stelle traf, lieferte eine andere Handschrift sei es das Richtige, oder wenigstens besseres Material zu einer weiteren Aenderung. Ich habe mich deswegen gar nicht ins einzelne einlassen mögen; denn es wäre eine unend- liche Reihe von mehr und minder laugen Exkursen daraus geworden. Ich gestehe nur, dass ich T, die jüngste Handschrift, die in dem Stammbaum eine sehr bescheidene Stelle einnimmt, ganz besonders hochschätze und in den meisten Fällen in den Text einsetzen würde. V hat (ebenso wie im Löwenritter und im Karrenroman) einen wenig empfehlenswerten Text ; ich hätte mich nicht sehr eng an denselben ge- halten. Nach S. XXn muss dem Herausgeber die besondere Wichtig- keit von T auch nach und nach aufgefallen sein. „Hätte sie nicht ein viel geringeres Alter [als V], so wäre man versucht, ihr an noch mehr Stellen, als es geschehen ist, den Vorrang einzuräumen**. Das ist ein wenig stichhaltiger Grund ; denn das Alter einer Hand- schrift hat an und für sich mit ihrer Güte nichts zu thun. Dies ist eine bekannte, stets in der theoretischen Textkritik wiederholte Regel ; denn eine Handschrift der XIV. Handschrift kann eine Vor- lage des XII. gehabt haben. Ich gestehe gern zu, dass diese theore- tisch unantastbare Regel in der Wirklichkeit kaum angewendet werden wird; denn es liegt auf der Hand, dass die Schreiber eine möglichst leicht lesbare, also in der ihnen geläufigen Schrift ver- fasste Handschrift — bei gegebener Wahl — sich aussuchen werden,*) wie denn auch die neuen Handschriften den Schreibern erreichbarer gewesen sein werden als die alten. Aber gerade unser T ist ein sel- *) Dasselbe thaten die ersten Drucker. M, Friedwagner, Meraugis von Portlesgriez, 111 tenes, und daher um so willkommeneres Beispiel für die Richtigkeit der alten Regel. Es folgen sehr reiche und inhaltreiche Anmerkungen, die besonders die in Text gesetzten Lesarten verteidigen oder erklären oder auf die oft sehr bedeutenden Schwierigkeiten und Dunkelheiten hinweisen. Zu 4502 sei bemerkt, dass ZfrFh, 1, 151. über Fechtausdrücke handelt. 5174. »aiw/ oder aju, wie Körting (Farmenbau 1, 157, 3) schreibt ?** Die Handschriften haben nämlich aide. Wenn der Herausgeber keine andern sichern Formen mit u hat, dann hat er die Form mit Unrecht eingeführt. Was aber sein Schwanken, ob aiu oder c^u zu schreiben wäre, betrifft, so will ich, da offenbar eine wirkliche Schwierigkeit vorliegt, die Frage einmal hier vornehmen. Mit j wurde früher immer geschrieben, bis Cornu Born, Vn, 421 und Suchier ZfrPh. m, 463 sich für i entschieden, denen dann die französischen und deutschen Romanisten einfach gefolgt sind. Nur ich nicht, siehe meine Bemerkung im Äiol S. 624 und später öfter, sowie in den Bonner Dissertationen. — Ueberhaupt welche Vorstellung macht man sich von dem Lautwert eines solchen aiüe, wenn es kein ajue sein soll? ai-^e kann es aus dem im Äiöl erwähnten Grunde nicht sein, weil dann ai zu e werden müsste, was nie geschehen ist. Also bleibt nur a-iü-e übrig. Aber ein Doppel- laut iü existiert überhaupt nicht. Mithin ist .diese Lesung aiüe einfach sinnlos. Etwas anderes ist es um die wohlbekannte, durch Reim gesicherte dialektische Nebenform a4u-e, wovon gleich weiter unten gehandelt werden wird. — Cornu's Aufstellung aidiSr: ajü, ajües, ajüe, aidons, aidiez, ajüent (er natürlich schreibt aiu, wovon gleich) ist unanfechtbar. Die Formen aie, aide erklärt er richtig als Kreuzungsformen. Wir werden am Schluss noch andere hinzufügen. Lautlich muss ac^üto geben aju, und zwar j = dz, weil es durch d gestützt war. Darüber kann kein Zweifel sein; es giebt gegen diese Lautregel keine einzige Ausnahme. Es ist auch absolut kein Grund zu entdecken, warum dieses j = dz später etwa zu z geworden und später gar gefallen wäre. Denn ein dz kann nicht zurückgehen und wieder j oder gar i werden ! So wurde denn immer i der Hand- schriften als j aufgefasst und im Druck mit j wiedergegeben. Cornu's damaliger Einwand, den er wohl heute fallen lassen wird, S. 421, Anmerkung ^^Dans les Hitions plusieurs (d. h. diejenigen, die i und j im Druck schieden) ont imprime J que je regarde comme fautif, vu que nulle pari il n^est remplace par g ist abzuweisen. Das ist denn doch ein sonderbarer Einwand, der nur berechtigt wäre, wenn^* die Aussprache eines gutturalen ^ haben sollte; denn -gur- kann nie und nii'gends -ju- bedeuten. Dazu kommt, dass es Texte giebt, welche ajüe und aiüe in der Schrift scheiden würden, entweder durch übergesetzte Striche oder durch ^ im letzteren Fall, 112 Beferate und Beeensionen. W. Foerster, so der Pariser Bernhard. Und doch hat er nur ame, und nie aywe ; dass dann ein solches ai in ai-üe hätte bald ei, e geben müssen,^) welche Formen sich nie finden, hab ich schon oben bemerkt. Es muss also ajue lauten und zwar j = dz. Die Schreibung adiue im Biau Desc. 4167 lässt keinen Zweifel zu, wie der Schreiber das Wort sprach. Sicher adzüe, vgl. die gew. Schreibung adiutoire, d. h. ajtUoire {j=dz) von acfjtdorium. Vgl. noch adivdha neben aiu^ha in den Eiden. Das Prov. qjuda d. h. adzüda ist ebenso eine sichere Stütze. — Suchiers Gründe sind ganz anderer Art. Seine grossen Sammlungen boten ihm die Formen ohne i, z. B. aut, ahnst (wie ich feststelle, sind sie alle östlich), und was noch schlagender erscheint. Formen mit betontem i aus der Pikardie und der Wal* lonie: aiwe, alue, denen er noch eine Erklärung hinzufügt, der Körting widerspricht.') *) Vgl. bei Godef. edeor, ediertes, eideresse, im Compl. edier. •) Uebrigens muss die fast mechanische Art, mit welcher Körting die französischen Lautregeln anwendet (z. Beisp. in seinem Formenbaü) mit Nachdruck zurückgewiesen werden. Denn nicht etwa bloss deshalb, weil dabei überhaupt kaum etwas heraus kommt (vgl. z. B. den Anhang in Formenbau 11), sondern weil auch oft Unkenntnis sprachlicher That- sachen hinzutritt. Ich wähle nur ein bezeichnendes Beispiel. Daselbst S. 112, Anmerkung 2, heisst es über huile aus oleum: „Wären Ety- mologien auf mathematischem Wege zu finden, so könnte man die Gleichung aufstellen * egiUa, Dieses egula aber ist ein wirkliches Wort, das sich bei Plinius H. N. [richtiger sagt man jetzt Naturalis historia, nebenbei bemerkt] findet und eine Art Schwefel bedeutet, also wenigstens entfernte Beziehung zum Brennen hat [!], so dass die Annahme, egula sei an Stelle von oleum getreten, zwar sehr kühn, vielleicht überkühn, aber doch nicht geradezu sinnlos wäre." Auch ich wage es nicht zu entscheiden, ob Körtings Etymologie egida überkühn oder sinnlos ist — sie ist jedenfalls unmöglich und grundfalsch. Denn ^uiZe, rt^iZe sind die späten Formen, die sich nach bekannter Weise aus dem älteren tiule, riule, entsprechend von tej^gyula, re{g)ula regelmässig entwickelt haben. Es sind mithin elementare lautliche ^hatsachen Körting unbekannt geblieben. Um diese zu kennen, ist freilich genaue Kenntnis des altfranzösischen Lautstandes unentbehrlich. Dagegen das Lehnwort huile, das deshalb nicht ganz volkstümlich entwickelt ist (im französischen Sprachgebiete wächst kein Oelbaum, sein Lnportartikel aber hat als älteste Formen ojie und uilk, daraus dann öile und uile, das natürlich mit tiule riüle nichts zu schaffen haben kann. — Wegen des nicht pala- talisierten l vgl. ein anderes Lehnwort (der Kirche), lat. paWiwm, ^später pälium, ebenso palie, dann pqi-le neben echtem ail (lautlich = cd) aus lat. allium. — Aber neben der erwähnten rein mechanischen Art, die sich auch auf die Kompilation des ganzen Buches bezieht, kommt noch ein zweite Art des Kompilierens zum Vorschein, die auch durch ein Beispiel beleuchtet werden soll. Es handelt sich um die Erklä- rung der Formen putain, nonain. Es gab dafür überhaupt nur zwei M. Friedwagner. Meraiigis von ForÜesguee, 113 Allein sein a-u-e^ a-ust [vgl. jetzt') noch ähnliche Formen ZfrFh. 19, 196 in de David li prophecie (östlicher Text), dann in G, V, Viane S. 56 zweimal, 154 u. s. oft; die östliche Handschrift hat aue; natürlich kann der Dichter ajue gesprochen und geschrieben haben, was durch östliche Texte ebenso gesichert ist] lässt sich aus dem unantastbaren ajus lautlich nicht erklären, muss deshalb, da die Form sicher ist, einen andern Ursprung haben. Ebenso gesichert und lautlich unerklärbar sind die nördlichen und nordöstlichen Formen a-iti-e, dialektisch a-ieti-e, aiewe, ayewe^ ferner ahyue^ aywe^ ayuwe, daraus richtig, s. m. Anm. im Äiol, später auch euwe Hugo Oapet 1071.), dialektisch ayeuwe, daher im Norden auch die Schreibung aiuwe sicher gleich ayuwe, heischen ihrerseits wieder einen anderen Ursprung. Dieser kann nur derselbe wie für aiCy und das noch spätere aide sein. Wir haben nämlich anfangs nur aidier, aidons, aidie^s und aju^ ajues, ajue, ajuent. Den Aus- Erklärungen, die eine 1) Evdm als lateinischer Akkus, mit Ton, 2) germanischer Akkus, -w, da auch die Fem. mit -n flektierten, wieder mit Ton. Dagegen hatte ich ZfrFh. in, 566 bemerkt, dass der Ton auf der Endung diese Erklärung durchaus nicht zulasse, und fahre so fort: „Dagegen glaube ich, dass Diez (II 48 u.) mit dem Hinweis auf die masc. Deklination Catönem auf der richtigen Fährte gewesen. Zu einer Zeit, wo lat. -us, -um noch -os, -om (n) lautete, [von mir jetzt durchschossen], zog die Analogie von Cdto- Catönem HugOy Hu- gönem usf., auch Carlos — Carlönem, Petros — Petrönem nach sich; zu derselben Zeit lautete das Femininum im Französischen noch auf -a und so wurde denn, da -a als Charakteristikum der Feminina noch im Gefühl war, wie 0 jenes der Masculina, ebenso analogisch gebildet: Hugo — Hu- gönem = Berta — Bertdnem nach der dritten Deklination (nicht Bertäm bei Diez)." Man sieht, dass meine Erklärung, die durch die letzte Gleichung formelhaft ausgedrückt ist, gerade die Schwierig- keit mit dem Ton, auf die es allein ankommt, lösen will, dass sie die Form Bertdnem, die dokumentarisch für eine sehr alte Zeit gesichert ist, zu Grunde legt und diese mit lat. Substantiven, welche den Ton verschieben, durch Analogie erklärt. Sie bleibt also auch dann bestehen, wenn die von mir im Druck eigens hier unterstrichene Bemerkung über ausl. -wm, -on hinfällig sein sollte. Dazu bemerkt aber Körting S. 224 c) : „aber diese Annahme (d. h. meine Erklärung Sugo: Hugönem = Berta: Bertdnem) scheitert schon daran, dass für die rom., also auch für die franz. Sprachgeschichte eine Zeit, wo lat. -um noch 'Om lautete, also das Akkus, -m noch bestand, nie dagewesen ist," und damit ist meine Erklärung für ihn abgethan. Selbstverständlich wird jeder Leser nun neugierig sein zu wissen, wie Körting nun diese Nominalformen erklärt. Drei der Grossoktavseiten sind seiner ganz neuen Erklärung gewidmet. Dieselbe lautet (er wählt bloss andere Bei- spiele) Hugo : Hugönem ^ BSrta : Bertdnem^ d. h. genau die von mir zuerst aufgestellte Erklärung. Daher wird jeder Anfänger, der das Buch benutzen sollte, — denn nur für Anfänger kann es bestimmt sein, da es deu Fachmännern nichts Neues bietet; ob freilich der Anfänger sich in dem mit ozeanartiger Breite angelegten Buch zurecht findet und die zahlreichen Irrtümer erkennen kann, scheint mir fraglich — meine Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX«. 8 114 Referate und Reeenmnen, SchuUjs-Gora. gangspunkt gab wohl der so überaus häufige Konj. Praes. q/u^, der nach aidier zu aU wurde. Dieser ist bald durchaus formelhaft, wie er denn später zu einer Art Interjection zusammengeschrumpft ist (s. Godeiroy semidieu, und endlich blosses midien S. 181.) Dieses att brachte auch ai, aies, ate, aient, später auch mit d (doch im Ganzen ziemlich selten) hervor. Dieses aU neben c^ut brachte im Osten durch Kreuzung ^) cmU hervor, und ebenso im Norden, wo die Diphthonge fti, ieu sehr beliebt sind, aus c^jtä, aU ein attä, aieut hervor, das dann die andern betonten Personen und das Subst. fem. nach sich riss. Ausser der Schreibung sind auch Reime für die nördlichen Formen vorhanden, die keinen Zweifel über die Aussprache übrig lassen, vgl. aAu-e Barh, 1, 144, 298. (vgl. Born. fg. 19), wo es mit mitie^ liuej tfiue reimt. Daraus konnte auch ein aive^ und ein Verb aiver entstehen, alles im N. u. NO. — Vielleicht könnte noch ein Zweifel übrig bleiben, freilich auf einer ganz andern Seite. Wenn o^;- Vokal nur adz-Yokal geben kann, wie konnte dann überhaupt aus adjtdare Erklärung als Eigentum Körtings übernehmen und obendrein glauben, dass ich die elementare Thatsache vom Schwund des auslautenden lat. -m nicht kenne. Es ist ein Zeichen von wenig freundlicher Gesinnung Kör- tings, derartiges einem Spezialisten zuzumuten. Mein Aufsatz erschien vor 19 Jahren, zahlreiche Eomanisten, die meisten zustimmend, darunter her- vorragende Lautforscher, haben sich mit ihm beschäftigt — keinem der- selben ist es eingefallen, mir irgend eine Unwissenheit vorzuwerfen. Aber auch hier ist Körting wiederum im Unrecht. Es liegt im Charakter einer Kompilation, dass dieselbe aus zweiter Hand leben mnss ; gerade in lautlichen Dingen ist mit Nacharbeiten von Handbüchern nicht viel zu machen. Da nun Körting keine eigenen Untersuchungen gemacht hat, ihm auch keine Textlektüre, daher auch keine Sammlungen zu Gebote stehen, so hat derselbe, in Unkenntnis des vorliegenden sprachlichen Materials meinen Ausdruck „lat. -um noch -om(n)'' lautete, ganz misver- standen. Ich gestehe, dass mein Ausdruck sehr knapp ist, da ich soviel Zeilen dem Gegenstand widme, wie Körting Gross - Oktavseiten; aber keiner der Fachmänner, der sich bisher damit beschäftigt, hat ihn bis jetzt misverstanden. Und doch musste das hinter m in Klam- mern stehende (n) darauf aufmerksam machen, dass es sich um alt- lat. -m nicht handeln kann. Es handelt sich, wie meine Sammlungen lehren, (abgesehen von den deutschen Namen wie Carlon^ Otan u. a.) nur noch um lat. Kirchennamen Paulon, Perron^ Lazaron usf. und ich lasse die Angleichung nicht unmittelbar von 6aro : barönem zu Otto : * Ottönem ausgehen, sondern zuerst deutsches Otto : Otton durch Anleh- nung von Paulus : Paulon zu Otton werden. In diesem Paulon sah ich aber die lautliche Entwickelung aus lat. Päulum^ das als kirch- lichesLehnwort yi\% Jhisum auf der letzten Silbe betont worden, also Paulüm: Jhesüm, und ebenso wie letzteres, das durch Reim öfter gesicherte Jhesön ergab, auch Paulon usf. entstehen musste. — Körting hat also nicht einmal erkannt, um was es sich eigentlich handelte. ^) Godefroy bringt noch einige andere Stellen. ®) Vgl. die mindestens ebenso starken Kreuzungen bei mangier = manducare. 6r. Paris et E, Langlois. Chrestomathie du moyen dge. 115 ein aidier entstehen? Ein adjutare gab zuerst ßjiUare] hier ist das II in der ganz unbetonten Stellung zwischen Nebenton und Haupt- ton; das u kann also nur ganz schlaff artikuliert werden, die Lippenartikulation wird kaum angedeutet und kommt nicht zu stand; die Zungenstellung des j bringt dann diesen hoch artikulierten, u- artigen Vokal an die i- Bildungsstelle,*) mithin äjUäre, daraus ajtäre (noch bevor j sich weiter entwickelt); dies lebt noch im ital. aitante neben c^tUa (auch hier im Ital. die spätere Kreuzung aUä), Auf dieses ajitare, später qjtare, aitare (denn hier musste j vor Kons, zu i werden) geht franz. aidier zurück. Die Formen (^üta usf. in den andern romanischen Sprachen sichern alle ein j, späteres g-, das einzige Spanisch hat, aber nur als spätere, dieser Sprache eigentümliche Entwickelung ein y; die ältere Form mit g sichert das Portugiesische. Das ganze schliesst mit einem praktisch angelegten Glossar und einem Namensverzeichnis : es ist lobend hervorzuheben, dass der Herausgeber in beides die Varianten mit hineinverarbeitet hat. Noch einmal: die Ausgabe verdient volles Lob. Möge die allgemeine Anerkennung dem Herausgeber ein Sporn sein, den Rest bald nachzuliefern. Jedenfalls darf er nicht die Verfasserfrage der Raguidel aufrollen, bevor er nicht den kritischen Text der alle- gorischen Werke besitzt und diesen dann, besonders in den Reimen, sprachlich vollständig ausgezogen hat. Auch die Meraugis-Reime , möchte ich raten, nochmals vorzunehmen; es sind einige Kleinig- keiten in der Einleitung nicht angeführt, die aber dann ausschlag- gebend werden können. Das sicherste ist, wenn der Herausgeber sich ein vollständiges Reim Wörterbuch dazu anlegt. Bonn a. Rhein. W. Foerster. Paris 6. et Langlois E., Chrestomathie du moyen dge. Extraits publies avec des traductions, des notes, une introduction grammaticale et des notices litteraires. Paris 1897. XCIII u. 352 S. Vorliegende Chrestomathie ist im Hinblicke auf eine Be- stimmung zusammengestellt worden, nach welcher in der zweiten Klasse der lycies für die Litteraturgeschichte ein Buch in Gebrauch treten soll, grdce auguel quelques legons concretes et Vivantes se substitueront ä des generalites vagues ou ä d^arides nomenclatures de noms, de tUres et de dates. Dieser Forderung ist hier, wie man auch sonst über den Wert von Chrestomathien für Unterrichts- zwecke denken mag, in sehr geschickter Welse entsprochen. Die hauptsächlichsten Litteraturgattungen finden sich vertreten und •) Vgl. ähnliche Fälle, die ich ZfrPh, IV, 377. beigebracht habe. 8* 116 Beferate und Rezensionen, SchuUjg - Gora. zwar bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hin. Die Auswahl der einzelnen Stücke ist im Ganzen durchaus glücklich, nur hat dabei offenbar die Rücksicht auf die jugendlichen Leser etwas störend wirken müssen, so dass denn z. B. für dieFableaux kein besseres Specimen erscheint als Estula, oder das Jeu-parti gar keine Aufnahme fand. — Zu costis (S. 9 V. 86), das mit epouvantable übersetzt ist, war zu bemerken, dass ein solches Wort sonst nicht belegt ist. Wie man sich eigentlich das dessour lo front U boillist la cervele (S. 15 V. 35) vorzustellen habe (Oxf. Handschrift liest desojs), hätte man gerne in einer kurzen Anmerkung dargelegt gesehen. Sartaigne (S. 20 V. 102) wird hier ebenso wie in den JExtraits de la chanson de lloland^ (s. Glossaire) als unbekannter Herkunft bezeichnet, wiewohl schon Müller in seiner Rolandaus- gabe auf die Pyrenäenlandschaft Cerretania, heute Cerdagne hin- gewiesen hat und diese Etymologie, wie ich an anderer Stelle aus- führen werde, durchaus annehmbar ist. Die Uebersetzung von moU larges terres de vos awai conquises (S. 23 V. 142) mit que de vastes terres faurai conquises avec toi ist archaisierend, da diese Verwendung des Futurum exactum an Stelle des Perfectum praesens von der Tobler Yerm. Beür. I, 37 ff. gehandelt hat, doch nur der alten Sprache angehört; die in den Uxtr. d. l. ch, de Roland^ S. 103 Anm. 101 gegebene Erklärung des Tempus kann man übrigens nicht gelten lassen. S. 29 V. 24 — 5 setze Semikolon nach los und Kolon nach geste (Druckversehen). S. 33 V. 93 ist zu frei wieder- gegeben. Der erste Teil von Anm. 2 auf S. 77 erscheint mir nicht als zutreffend. S. 88 V. 453 setze Fragezeichen nach assis und in der folgenden Zeile statt des Fragezeichens ein Komma oder Semi- kolon. S. 136 Z. 5 lies se für si. S. 154 V. 21 ist der Punkt nach fous zu beseitigen und dementsprechend anders zu übersetzen. Der erste Teil von Anm. 2 auf S. 157 trifft nicht völlig zu. S. 162 V. 7 ensi scheint von keiner Handschrift geboten zu werden, lies ici mit Warnke, Die Fabeln der Marie de France S. 6. In si en ereilst vostre clarte (S. 162 V. 13) ist vostre clarte Obliquus s. Warnke S. XC, also bedeutet creistre „vermehren"; Warnke liest übrigens acreüst, indem nur eine Handschrift encreust aufweist. Fmbatre dusqu'as lices S. 169 V, 1 ist ein Turnierausdruck, also hier (im Benart) übertragen gebraucht, was ebenso angemerkt werden konnte, wie es S. 178 Anm. 2 mit zwei anderen über- tragenen Wendungen geschehen ist. S. 203 Schlusszeile und weiterhin scheint mit Absicht Kyrsac für Sursac geschrieben worden zu sein, warum? S. 212 V. 139 ist qui tot sout avoir wenig genau wiedergegeben. Zu enlre — alerte (S. 260 V. 58) wäre eine Anmerkung erwünscht gewesen. Ebenda V. 63 ist si com je me recors in der Uebersetzung ohne Grund fortgeblieben. Alfred Jeanroy et Henri Guy. Chansons et c^its artesiens. 117 Die S. 347 V. 213 gegebene Erklärung von regny = renie gehörte schon zu V. 93 auf S. 342. Unter den Erraia ist 223 ein Druckfehler für 253. Ganz willkommen wäre noch ein Verzeichniss der in den Anmerkungen besprochenen Wörter gewesen, wie man ein solches in den ^Extraits des chroniqueurs franqais'^ p. p. Gr. Paris et A. Jeanroy findet. Berlin. 0. Schültz-Gora. Jeanroy, Alfred et Guy, Henri, Chansons et dits artesiens du XIII^ siecle, publies avec une Introduction, un Index des noms propres et un Glossaire [Biblioth^que des üniversites du Midi. Fascic. II). Bordeaux 1898. Gr. 8^ 165 S. Die Handschrift der Bibliotheque nationale f. fr. 12615 hat uns als eigentümliche Erzeugnisse der Localmuse von Arras aus dem dreizehnten Jahrhundert^) vierundzwanzig gereimte Stücke (darunter fünf in Liederform) überliefert, die hier alle zusammen herausgegeben vorliegen, nachdem neun derselben schon anderweitig bekannt gegeben waren. Sie sind moralisierenden und satirischen Charakters und dürften zu Verfassern entweder Kunstjünger dritten und vierten Ranges oder, was wohl wahrscheinlicher ist, arrasische Bürger selbst haben, welche, von Neid oder auch Gerechtigkeits- gefühl getrieben, sich gegen mehrere ihrer reichen Mitbürger wandten; die Angriöe sind oft recht scharf, so dass sich denn nur bei drei Gedichten die Verfasser genannt haben. Die Stücke bieten sprachliches und kulturhistorisches Interesse dar und sind für die Lokalgeschichte von Wichtigkeit; wie die Einleitung und das Eigennamenregister (S. 106--152) zeigen, hat Herr Guy keine Mühe gescheut, die zahllosen Anspielungen auf persönliche und communale Verhältnisse zu deuten, und es ist nicht seine Schuld, wenn noch Einiges dunkel geblieben ist. Ein poetischer Wert ist hingegen kaum vorhanden, höchstens verdient No. XXIV, das sich vermutlich auf einen Vorgang des Jahres 1269 (s. S. 10) bezieht, in dieser Hinsicht einige Beachtung. Ein paar Bemerkungen zu den Texten, welche von Herrn Jeanroy bearbeitet sind, sowie zum Glossar, das von demselben Herausgeber herrührt. II, 19, IX, 26, X, 57, XXI, 114 findet man a rage geschrieben (in Verbindung mit äler), rage ist also als ^) Wenn S. 10 gesagt wird, dass keiner der Texte vor 1248 oder nach 1280 fällt und dafür auf das Eigennamenverzeichnis verwiesen wird, so ist Ref. nicht recht klar, wie dies aus dem letzteren für den Leser ohne weiteres hervorgehen soll. 118 Btferate und Rezensionen, E, Siengel. Substantiv angesehen (s. Glossar), allein es liegt immer ein Adjectiv arage < erraticum vor, prov. arratge s. „Provenzälische Dichter- innen^^ S. 35 Anm. zu 14, 1. V. 49 — 50 sind in der vorhandenen Interpnnction schwer verständlich. XXIV, 45 ist doch wohl hon[8] zu schreiben; V. 74, 110, 157 desselben Stückes sind teils an sich, teils mit Bezug auf den Zusammenhang wenig klar; V. 119 1. enuie statt envie-, V. 149 statt Semikolons ein Komma; V. 181 Komma nach böte; V. 200 — 4 ist Ref. die Konstruktion dunkel; y. 215 Komma nach devant; wenn V. 88 muiam „stumm'' heissen soll, wie das Glossar besagt, so ist der Sinn der Stelle doch schwer erkennbar. — Bei dem Glossar ist wohl keine Vollständigkeit in der Aufführung der Wörter beabsichtigt worden, allein eine darauf bezügliche Bemerkung wäre erwünscht gewesen. Manche Lücke empfindet man unangenehm z. B. atre XVII, 117 (nicht das bekannte atre) bares XXII, 193 (jtier as bares), foiretis XI, 36, 39 (zu foire = „Durchtall" gehörig). Ämoier XXII, 64 kann nicht wohl pourvoir bedeuten, es heisst doch „nach einem Ziele richten", also hier vom Winde gesagt vermutlich „treiben (ans Ufer)." — Von Druckfehlern in den Texten habe ich bemerkt X, 58 fait 1. Jairey XXII, 16 ni, L n'i, XXIV, 121 ou, 1. an. Berlin. Sc hültz-Gora. Li Proverbe au vilain, die Sprichwörter des gemeinen Mannes. ÄUfranzösische Dichtung nach den bisher bekannten Hand- schriften herausgegeben v. A. ToWer, Leipzig, S. Hirzel 1895, 8^ XXXn. u. 188 S. Die 280 völlig zusammenhanglosen Sechssilbner-Schweifreim- strophen, welche Tobler unter der üeberschrift : li Proverbe au vilain nach sechs Handschriften in Paris, Berlin und Oxford veröffentlicht hat, waren in ihrer Gesamtheit bisher noch nicht herausgegeben; sind allerdings vollständig auch in keiner Handschritt und von allen (ausser zwei Pariser) Handschriften in grundverschiedener Reihen- folge überliefert, sicherlich also nicht samt und sonders einem einzigen Dichter zuzuschreiben. Nur ein, nach dem heutigen Stand der üeberlieferung nicht mehr mit Sicherheit auszuscheidender, Urbestand darf mit Tobler als das Werk eines am Hofe Philipps von Flandern gegen Ende des 12. Jahrhunderts lebenden Zeit- genossen Chrestien's von Troyes und Gautier's von Epinal angesehen werden. Durch geschickte Gruppierung aller durch das Gedicht verstreuter Stellen, wo der Verfasser über sich selbt Aeusserungen thut, ist es nämlich dem Herausgeber gelungen ziemlich viel über dessen Thun, Lebensauffassung und Aufenthalt sowie über die Ab- lÄ Proverbe au vüain. Die Sprichtvörter des gemeinen Mannes. 119 fassungszeit seiner Dichtung (1174 — 1191) zu ermitteln, wenn auch sein Name in undurchdringliches Dunkel gehüllt bleibt.^) Wir haben es also mit einem neuen, wenn auch stark interpolierten Werke der Blütezeit altfranzösischer Poesie zu thun, während das Alter der sämtlichen Handschriften eher vermuten Hess, es liege uns lediglich eine Kompilation aus dem Ende des 13. Jahrhunderts vor. An poetischer Begabung kann sich der unbekannte Verfasser freilich mit seinen erwähnten Zeitgenossen nicht messen. Der Ton seiner Dichtung steht in scharfem Gegensatz zu dem der damaligen höfischen Poesie. Kühle Verständlichkeit, derbe Nüchternheit, Mangel an Verständnis für precieuse Minne und eine stark bürger- liche Art die Beziehungen zwischen den Geschlechtern aufzufassen, charakterisieren unseren Anonymus nach Tobler. Durch das Ein- flechten wohlgelungener poetischer üebertragungen werden den Lesern alle diese Beobachtungen des Herausgebers in anschaulicher Weise entwickelt. Bedauert habe ich nur, dass Tobler nichts Näheres über analoge poetische Sprichwort -Kommentare mitteilt und das Verhältnis derselben zu einander ganz unerörtert lässt. Die von mir in dieser Zs, XIV ^ 154 ff. abgedruckten : BespU dd curteis et del vüain werden nicht einmal mit ihrem Titel erwähnt, es wird davon nur gesagt, dass sie ein von den Proverbes durchaus verschiedenes Gedicht bilden. In der That lässt sich auch ein direktes Abhängigkeits- Verhältnis der Respitz von den Proverbes nicht verfechten, indirekt sind die ersteren gleichwohl durch letztere beeinflusst. Das scheinen mir ausser der fast völlig gleichen Strophenform schon die Titel beider Gedichte zu erweisen. Der jüngere Dichter hat aber im Gegensatz zu dem älteren scharf zwischen höfischen Sprichwörtern und solchen, die dem gemeinen Manne geläufig seien, geschieden. Abwechselnd paraphrasiert er Strophe um Strophe ein Respit del curteis und eines del vüain. Unter den Sprichwörtern, welchen ceo dit li curteis beigefügt ist, befinden sich bezeichnender Weise neun, von welchen in den Pro- verbes behauptet wird: „ce dit U vüains^' so: 1,7: Li beaus jours se preove au seir (vgl. Prov. 12: Au vespre loe on le jour, au matin son oste\ 3, 7 : Ki ne doune ceo Wil ayme ne prent ceo hHl desire (= Prov. 124), 9, 7: Manaces ne sunt pas launces (= Prov. 213), 15,1 Ki ne fait quant il puet ne fra quant il vodra (vgl. Prov. 146: *) Betreffs des danz Gerouz (od. Gillotis), welcher nach dem Spruche in Str. 90 (vgl. unt.) nicht ewig maire sein wird, glaube ich nicht, dass der Name aufs Geratewohl herausgegriffen ist; denn der Spruch findet sich auch mit veränderten Namen sonst nirgends. Ich vermute vielmehr, dass der Dichter hier sein Mütchen an einen ihm wenig gewogenen Bürger- meister hat kühlen wollen. Sollte der Spruch nicht geradezu eine Denun- ziation bei Philipp von Flandern beabsichtigt haben? 120 Referate und Bezensionen. E. Stengel. Qui fait ce qiiil puet on ne li doü rien demander\ 19, 7: Ki ad hon veisin, si ad hon malin (vgl. Prov. 104: Qui a mal voisin si a mal matin), 21,7: Ki soun nes trenche sa face deshonure (= Prov. 258), 27, 7 : Ki meolz ne puet od sa vielle s'e^i dort {= Prov. 152), 39, 7: Beau cAaunter ennuie (= Prov. 189), 41, 7: Bounte aultre guert e colee sa per {= Prov. 39, 223). Erst in dem jüngeren Gedicht deutet der Ausdruck Ceo dit li vileins ausdrücklich auf unflätige Aussprüche^); von solchen hat freilich auch der ältere Dichter eine genügende Zahl, darunter acht, die wörtlich oder ähnlich bei dem Nachahmer wieder kehren, so 6, 7: Gratez al vilein la coille, e il vous cMera en la palme (= Prov. 247), 18, 7; Ki a estrunt Iräe de ^t^e[s] pars merde enhrace (= Prov. 241), 26, 7 : Plus tire ctU qe cor de (= Prov. 217), 28, 7 : Pur defatUe de prod- home met Ven merde en hanc (= Prov. 46, 278), 30, 7: Ki en longaigne (= latrine Godefroy) chiet conchietz s^en lieve (= Prov. 27 1), 32, 7 Bonejurnee fait qui de merde se ddivere (= Prov. 123), 36, 7 : Cum Ven plus fule la merde plus put (= Prov. 263, 240), 38, 7 : Soun allelus avile qui al cul du heof le chaunte (= Prov. 275). In den Paraphrasen dieser Sprichwörter habe ich nur einen, vielleicht auch zufälligen Anklang der Bespiz an die Proverhes konstatieren können, nämlich in Str. 41, deren Reimworte rendre und prendre auch Prov. 223 stehen, während der Ausdruck : gre Et graces devetz rendre an Prov. 39, 6: rendre grez Et grace erinnert. Dass die Proverhe den RespUz poetisch weit überlegen sind, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. — Noch am Schlüsse des 15. Jahr- hunderts liebte man es die sämtlichen Strophen eines Gedichtes mit einem Sprichwort zu schliessen, so verfuhr Molinet (f 1507) in zwei Gedichten aus acht-zeiligen Strophen, nämlich im Temple de Mars und Voyage de Naples, ebenso Alione aus Asti in den beiden 44 resp. 67 strophigen Gedichten: Voyage et conqueste de Charles VIII sur le royaume de Naples und Conqtieste de Louis XII sur la duche de Milan. — Zu der Scheidung, welche Tobler S. XXIII. f. unter den Sprichwörtern vornimmt, möchte ich bemerken, dass auch manches formal einem Sprichwort sehr ähnelnde Diktum ziemlich jungen Datums sein kann, ja sich auf eine bestimmte besonders eindrucksvolle Gedichtstelle zurückführen lassen wird. Dahin *) Vgl. das Ged. „Des Chevaliers, des clercs et des vilains^^ bei Barbazan-M6on III. 28 t Z. 34 ff. : De cest example en est la force QuHl n''est nus deduis entresait Fors de cMer que vilains ait. Et pour ce que vilain cuncMent Toz les Maus lieus, et qu'il y chient Par deduit et par esbanoi, Si voudroie foi que je doi Et aus parrins et aus marines ^e vilains chiast des narines. Quoique je die ne que non, Nus n^est vilains y se de euer non. Vilains est qui fet vilonie, Ja tant nHert de haute lignie. Li Proverbe au vilain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 121 möchte icli den Spruch Frov. 88,7: Tel pie haise on qu'on voiidroit qui fust coupez rechnen. Tobler vermag in der Anm. keine deutliche Parallelstelle für dieses Diktum beizubringen, ander- wärts habe ich auch keine auffinden können. Die Stelle aus B. Seh. XIX 238 klingt nur entfernt an und spielt vielleicht auf dieselbe Episode der Chanson de Girart de Viane (oder vielmehr der jüngeren Alexandriner-Bearbeitung dieses Epos) an, wie Prov. 87,7 selbst^). In Girart de Viane (ed. Tarbe 1402 if., 1760 ff.) wird nämlich berichtet: Die Gemahlin Karls des Grossen, welche sich von Girart vei-schmäht glaubt, nimmt an diesem dadurch Eache, dass sie unbemerkt ihren Fuss vor den Karls schiebt, als Girart sich anschickt Karl den Lehenskuss zn leisten. Später rühmt sich die Königin Aimeri, Girarts Neffen gegenüber ihrer That, dieser aber ergreift ausser sich vor Wut ein Messer: (1785) Voiant tot cevls qui ierent a maingier [Ä la röine vait le cotUel lancier]. Fait li eust parmi le cors lancier, Quant sor la coute se lait cheoir arier, En une estaiche fait le coutel lancier, Puis passe avant Aymefies le fier, Morfe Veust sans autre recovrier, Quant Vi tollirent li baron Chevalier. In der Alexandriner - Bearbeitung der Cheltenhamer Guerin- de - Jfow^Zane-Kompilation (wie in den auf eine ältere Fassung der gleichen Bearbeitung zurückgehenden Prosadar- stellungen der Guerin- de - Monglane-Bmcke und der Arsenal -Hs. 3351 (vgl. hierüber eine demnächst in Ausg. w. Abk. erscheinende Arbeit des verstorbenen Oberlehrers G. Lichtenstein), S. 97 prahlt die Königin gegenüber Emeriet: „Cil (d. h. Girart de Viane) s^ala encliner qui Charlon mercia Et le [pie le] roi Charle mouU bien baiser cuida. Je mis le mien avant, si que le mien baisa. Si faitement de lui li mien{s] Corps se venga.^^ Von Emeriet heisst es dann : Jl est passe avant et la pälme haülga, La röi/ne de France tellement en frappa, Que par bouche et par nez le sang en defilla, En sa bouche vermeiUe deuac messieres brisa. Quant la dame senti le horion qu^eUe a, EUe print a crier-, Emeri renforca, La röyne abati et dessus lui monta. De ses piejs bien XX coups dess\ure] lui getta, Le pie de la röyne vistement empoigna; Ja lui eust couppe d^un coustel qui trencha, Quant pluseurs Chevaliers illecques assembla etc. Als Emeriet Girart den Vorfall berichtet, schilt ihn dieser: „Ha faulx gargon*^ du il „ne vallez ung denier, Quant vous ne lui älastes tantost le pie coper.^^ Während der Belagerung von Vienne fällt die Königin nochmals Emmeriet in die Hände : (S. 112). Emmeriet la voity si lui fait escrtee: „A Vienne vendree, orde ptUain prouvee. ') Dasselbe gilt wohl von dem weit näherstehenden Spruch, welchen Le Eoux I 260 aus dem Koman de la Kose anführt: Aucune fois on seut baisier La main qu'on voudroit qui fust arse. 122 Beferate und Rezensionen, E. Stengel. Le pie vous trenchera^ au trenchant de Vespee,^'^ Olivier entreisst sie ihm aber. Man sieht, dass der Ueberarbeiter die Szene wesentlich pointirter schildert. Soll freilich das Sprichwort ans seiner Schilderung hervorgegangen sein, so kann die nur in Fa und A überlieferte Str. 88 der Proverhes nicht dem ursprünglichen Gedicht des 12. Jahrhunderts angehört haben, da die Zwölf-Silbner- Redaktion der Chansonde Girart de Viane sicherlich erst im 13. Jahr- hundert entstanden ist. — Toblers Angaben über die Form der Sprichwörter S. XXVI lassen sich nach verscliiedenen Richtungen hin nicht unwesentlich ergänzen. Die Sprichwörter haben in der That, sollten sie in Gedichten angebracht werden, den ge- wählten Versformen zu Liebe, sich allerhand Abänderungen gefallen lassen müssen und mögen in solch sekundärer Gestalt dann auch oft auftreten, wo ein bestimmtes Silbenmass nicht erfordert war. Die bei vielen Sprichwörtern hervortretende Neigung Satzschlüsse oder Schlüsse von natürlichen Wortgruppen reimen zu lassen führt Tobler gleichwohl — und meiner Ansicht nach mit vollem Recht, — nicht auf solche sekundäre Umgestaltungen zurück, denn diese Neigung ist in den Proverhes noch viel ausgeprägter, als das T.'s Zusammenstellungen erkennen lassen. Ich führe von Reimpaaren mit gleicher Silbenzahl ausser Toblers Fällen noch an: 1) 2X3: Por nient prie Qui s^ohlie 60, En pou d^oure JDieus laboure 133, Qui comande Si demande 157; 2) 2X4: Qui est garniz ITest desconfiz 28, Qui avant prent Ne s^en repent 53, Ä seur boit Qui son lit voU 56, Tel le veez tel lemenee bl, Ouforce vient justice prent 101, Qui siet ü seche^ Qui va il lecke 135, Mieuz vaut mestiers (od. nature) Que espreviers (od. nourreture) 174, 262, Con veut li rois si va la lois 175, Qui langte a A liome va 184, Qui foi ne tient Ne serement 204, Bon chatel garde Qui son cors garde 214, Mieuz vaut savoir Que soz paroir 259; 3) 2X5 * Q^i w^ cow^^ ^ prent Ne set quHl despent 151, Qui espant sa goute Ne la requeut touie 206; 4) 2X6- Mieuz vaut amis en voie Que deniers en corroie 68, Qui ainz saut qiCü ne doit Äinz chiet quUl ne voudroit 111, Que vient Ugierement Soit done largement 267, JDesouz chemise blanche A mainte brune hanche 211 \ 5) 2^(1'. Qui bien set et le mal prent Fous est tresnatvement 168, Qui mieuz aime autrui de soi Au molin fu morz de soi 188; 6) 2X8: Q^'aprent poulains en denteüre Tenir le veui tant comme il dure 115, Que ne manjue sainz Martins Si mat^ue ses pelerins 183; 7) 2X10: Li chiens se lieve de son soue dormir Et va au bourc colee recoiUir 61. Dazu kommen kompli- ziertere Fälle wie: 1) 2X2X3: -^^ novel Tout est bei Et de viez Entre piez 212, 276; 2) 2X3-f 6: Sages hon Prent mouton En lieu de venoison 280; 3) 3V2-|-6: Parent Parent Dolent Celui qui n^a nient 154. Dazu ein 3X5 bei Tobler. Das sind also schon 38 Li Proverbe au vüain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 123 Fälle. An Assonanzpaaren bemerkte ich ausser den 2 Fällen bei Tobler noch 12 weitere, nämlich: 1) 2X3: Tantes viles Tantes guises 51, Tant con dure Tant aitte 114, Tel te voi Tel Vespoir 215; 2) 2X4: Ä bien amer A face pert 86, De longues terres Longues no- veles 91, Qui n^a qu^tm tieil Souvent le tttert 149,*^) Enire dous seles Chiet cus a terre 202; 3) 2X5: Par petü pertruis Voit on son ami 153; 4) 2X6 i Buer escrie le hu Qui sa proie rescoui 13,96, Buer jeune le jour Qui la nuit est saom 84, Qui pain a et sante Biches est si nel set 102; 5) 2X2+4: Tant as Tant vam (b.: vals) Et je tant fain (b.: am?) 86. Für Reimpaare, der Ueberlieferung nach ohne Gleichheit der Silbenzahl in beiden Zeilen, giebt T. zwei Belege. Ich führe 13 weitere an: 1) 3+2: De bien fait Col frait 143, Qui ainjs naissent Ainz paissent 186; 2) 2+4 Mal noure Qui n'asavoure 170; 3) 3+4: Vente et pluet Va cui estuet 194; 4) 5+4: Mieus: vaut pres jonchiere Que loing (od. loigtaine) perriere 236, 266 ; 5) 5+6: Ne setlisaous Come est aufameillous 52, Quipreste nejot Qui ne preste mal ot 163; 6) 6+5: De bei prameteour Mauvais paieour 250; 7) 5+7: Buer a son vetjant Qui chastie son enfant 203; 8) 6+8: Quarante bien vestu Ne despoilleroient un nu 107, Longue corroie tire Qui la mort son voisin desire 140; 9) 7+8: Q^i a oure veut mangier Ainz oure doit apareülier 27; 10) 8+7: Qui estuie de son disner Mieuz Ven est a son souper 129. Endlich acht analoge Assonanzpaare: 1) 1+2: L'uevre Se prueve 111; 2) 3+2: De si haut (b.: häU) Si bas 179, 219; 3) 3+4: V^uide chambre Fait fole dame 57; 4) 4+5; Chiens en cuisine Son per nH desire 10; 5) 4+6: Qui son nes coiipe Sa face desenoure 258; 6) 7+4: Qui a proudome parole Si se repose 249; 7) 5+7: Jl se sont maint ome Qui lour preste si lour done 239; 8) 5+8: eval (Cheväl) done Ne doit on en bouche garder 92. Im ganzen also finden sich 75 Reim- oder Assonanz- paare unter den Froverbes au vilain, oder nahezu V3 der ganzen Sammlung. Beachtung hätte auch die öfters bewusst verwandte Alliteration verdient (z. B. Ainjs ment li hon quHl muire 139, Qui vient legierement Soit done largement 267, {on veut li rois Si va la lois 175, De fol folie et de cuir corroie 85, A petit porcel done dieus bone pasnaie 8 u. s. w.)? ebenso stilistisch markante Züge wie : die häufig zu beobachtende Wiederholung derselben Worte und die antithetische Gegenüberstellung entgegengesetzter Begriffe und Sätze, ferner besonders beliebte Satzeinkleidungen wie der Beginn mit einem Relativsatz und darauf folgenden Hauptsatz oder um- gekehrt. ^) Tobler setzt gegen tuert Fa die jedenfalls sekundäre Lesart von A: tert ein. Wenn Rawl. C 173 ebenfalls tert bietet, so sehe ich darin nur eine anglonormanische Schreibart für tu^rt; vgl.: bef Rawl. C 111. 124 lleferate und Rezensionen. E, Stengel, In der Herstellung des Textes erwuchs dem Herausgeber bei den starken Abweichungen der sechs Handschriften, von denen manche oft ganz versagten, eine ziemlich heickle Aufgabe. T. hat sie, soweit die materielle Textkritik in Frage kommt mit gewohnter Meisterschaft gelöst. Nicht zu billigen vermag ich dagegen, dass er alle Strophen, auch die nur in einer Handschrift überlieferten, stillschweigend in die francische Mundart der Zeit um 1200 um- geschrieben hat. Ist Tübler doch selbst der Ansicht, dass das ur- sprüngliche Werk nicht ohne mehrfache Kürzungen und Inter- polationen auf uns gekommen, dass es manchmal wohl auch nur aus wenig treuem Gedächtnis niedergeschrieben ist, dass selbst eine Anzahl der überlieferten Reime der Durchführung einheitlicher Sprachformen entgegenstehen. — Die recht umfangreichen An- merkungen enthalten eine Reihe wertvoller Textinterpretationen und damit zusammenhängender den altfranzösischen Sprach- und Wort-Gebrauch betreffender Beobachtungen, ausserdem aber auch die von T. selbst gesammelten Stellen, wo die in den Proverbes begegnenden Sprüche sonst noch vorkommen. Herangezogen ist auch das bekannte Sammelwerk von Leroux de Lincy: Le livre des Proverbes fr., allerdings nur nach der ersten, mir nicht zugänglichen Ausgabe, ferner die alten Sammlungen franz. Sprich- wörter, welche Robert 1873 in der Bibl. de VEcole des Charles XXXIV S. 38 ff., P. Meyer in seinen Documents Mss. und Zacher in Haupts Zs. f. d. Alt XI (von Tobler stets nur citiert wie: Robert 82, Meyer S. 173, Zacher 10. Was soll aber ein in der einschlägigen Literatur minder Vertrauter mit solchen rätselhaften Verweisen anfangen?) abgedruckt haben. Warum aber nicht auch die von Suchier Rom. Stud. I 374 veröffentlichten afr. Lebensregeln und die oben erwähnten Bespit del curteis et del vilein, warum vor allem nicht die trotz aller Mängel in der Einzelaus- führung und Anordnung als Sammlungen jedenfalls recht ergiebigen Arbeiten von Ebert, Kadler, Cnyrim (in: Ausg. n. Abh. XXIII, XLIX u. LXXI), Peretz (in: Rom. Forsch. ÜI), Wandelt (Marburg 1887 Diss.') Nicht einmal auf deren Existenz werden die Leser in Toblers Buch irgendwo aufmerksam gemacht, üeberdies hätte der Herausgeber diesen Arbeiten den Nachweis zwei weiterer Samm- lungen alfranzösischer Sprichwörter entnehmen können, welche in der Oxforder Handschrift Rawlinson C 641 stehen und deren zweite *) Die zwei Programm- Abhandlungen von J. Loth : Die Sprichwörter u. Sentenzen d. afr. Fabliaus Greifenberg i. P. 1895 u. 1896 lagen noch nicht vor, als T.'s Arbeit abgeschlossen war. Nützliche Parallelen zeigen auch die mittelenglischen Sprichwörter Hendings nach L herausgegeben in Böddeker Ältengl. Dichtungen Berlin 1878 S. 285 ff., nach C und 0 von Varnhagen in Anglia IV 180 ff. Li Proverbe au vilain. Die Sprichwörter des gemeinen Marines. 125 250 Sprichwörter umfassende ebenfalls den Titel : Ce sunt li pro- verbe que dit li vilains trägt. Einen Abdruck beider Sammlungen werde ich in Kürze an anderer Stelle dieser Zs, liefern. Ich wende mich nun zur Besprechung der einzelnen Anmerkungen und werde mich dabei insbesondere bemühen die aus den vorerwähnten Samm- lungen sich ergebenden Ergänzungen zusammenzustellen. Ich hoffe, dass sich aus ihnen nicht lediglich eine quantitative Bereicherung der vom Herausgeber bereits zusammengetragenen Parallelstellen ergeben wird. — 1^ == E {awlinson C 641) 23, 140. — 2^ = L{oth) 350; Malement (Mal) se covre ki le cul pert E 62, 229. — 3^ : Tierce mie paste set verändert zu : Tierce torte paste fet B 193; vgl. La tierce fois c'est le drois L 355 b. — ^rj Fa: Au coulon saoul cerises ameres vgl. : Farns met en vianda sabor E trebal fay lo lieyt milor AI sadol es bresca amara El famolent de re nos gara G (nyrim) 272. — 4^ = Asez set chat ki barbes (= Frov. Ä) il leche B 117, Li vilains reproche du chat Qu'il set bien qui barbes il leche L 117; vgl. ferner: Wel wote badde wose berde he lickith H{endings Sprich w.) : C 40. Wegen des nach Gr. Paris nicht völlig klaren unmittelbaren Sinnes vgl.: Maint fol a barbe B 256 oder: plus sont li enfant recuit Que ne sont li vieillart barbu L 123. — brj z= B 64, AI Premier cop ne chiet pas li arbres (= Cambr, Handschrift) B 235 ; vgl. ferner: au premier cop Ne puet Ten pas le chaine abatre. Molt estuet luitier et combatre A la hache et a la coignie Au charpentier avant qu'il chiee. Qui ne luite ne ne combat, Ne il ne chiet ne il n'abat Maistre Elies Ovide de arte 556 — 62 und : mal cresetz lo reprovier Qu'om non chai {od. noncas) ni abat ni fier Qui no s'esai' C 309. — 67 = Asez otreie qui mot ne sune B 236. — 77 Vgl. 377. — 87 = Petit porceel avient a grant pasneie B 178. — 97 Vgl. : Mesure dure, sans mesure ne pueent riens durer S{uchier) 7 und Ses mesura non es res G 663. — IO7 Chiens en cuisine son per ne desire = B 149 ; vgl. Gormant ne veult au trencheoir compaignon A{lione) 1 4, Miex velt estre sans compaignie Qu'avoir compaignon a amie L 237 und se nul de vos avoir treuve, S41 i a compaing ne compaigne, N'atende pas que il s'en plaigne, M^s rende len toute sa part L 382. — 11^ = dis li proverbis plans: Qui fai son pron, non ereza sas mans G 364; Qui quiert son prou, ne fait son damage B 181; 126 lieferate und Rezensionen. E, Stengel, vgl, auch: mont est fos qui se demore De son pren faire nne sole ore K(adler) 650. — 127 = iJ 136; AI vespre loe Tem le beau jur e al matin sun oste i2 65; Hom non deu la dia lanzar, Entro qn'aven a Teves- prar C 381 ; Li beaus jours se preuve au seir Besp. 1 ; ebenso H,: C 34: 0 33. Vgl: Ki tart se herberge, tost se curuce B 11; Tens rit au main, qui au soir pleure (s. 133? Änm.); Con plus main lieve li maleurez, plus a lonc jour {$. 21(Xj). — 137 = Beer escrie le lou qui sa preye en (= JProv. Fß) rescout B 297; vgl, Tel quide hüer le lu ki liü6 Ta B 84. — 147 De put uef put oisel; vgl. De pute mere pute fille B 310; De pute espine pute surdine B 113; De pute racine pute ente K 3] De pute racine pute erbe Oleom, 170; Maus fruis ist de male räis K2; De malvatz arbre non pot issir Mais malvatz fruhs 0163 Nachtr,] Cors fals de falsa razitz 0162; Avol fils d'avol paire Ol 64; de boin arbre boins fruis vient Birne depenit, 3278; bons fruitz eis de bon jardi E d'avol caval rossi C 163; De bon pair eys bon efan E crois del croi per semblan C 165; De bona razitz es bos arbres eissitz C 161 ; De bone rusche bon .essaim B 201; De mal fuelh non cuelh Hom leu bon frutNi d'avol fag bon plag Non sai retraire C 155; Frut preove bien, de quel arbre 11 est BespU 43; Bon sanc no men C 171; sans n'est mie bons qui nature desment E{bert) S. 31: Htig. Gap, 2538; Se li peres est maus li fix vaut piz assez E.S. 29: Fieräbr, 18; ad^s retra hom lai don es issitz 0 170; criatura Ressembla a sa natura G 169; tota creatura Eevertis a sa natura 0 167; Chascuns retrait a sa nature Z 122; Mais chascuns trait a sa nature K 229; chascuns arbres retrait a son räis ES, 32; De sa nature ne se puet nus tenir eb,\ vgl, auch noch 2627, 4I7. — Ibfj = B 128 Zu boise vgl,: Anchois mangeroit fer u boise, Qu'ele ne vainque, u qu'ele voise L 147. — 167 Vgl,: Souef trait mal qui apris Ta Z{acher) 39. — 177 = that me Intel leveth, he my lyf ys on (= der ist um mein Leben bemüht) J?: i 19 0 16 0 27. — 187= D'altruy prou s'esjot, qui le con sa dame mire B 212. — 197 = Plus sunt comperes que amis B 247. — 2O7 Vgl,: Qui plus ad e plus coveyt Leroux II 482. — 2I7 = Quant plus hault Est li hons montez qu'il ne doit De plus hault chiet qu'il ne vouldroit. (Wandelt) 94; Qui plus monte que il ne doit, Ains trebuche qu'il ne voudroit -£"612; Mas qui pueia pus que non deu, dissen 0 398; Qui trop poia, bas dissen C 399; On plus aut son puiatz en las honors Cazon plus bas ab pena et ab plors El fons d'iffern G 389; Tex est bien haut mont^s c'on verra trebuchier £"478; Trop mi sui aut mes, Per- Li Proverbe au vüain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 127 qu'ieu tem bas cazer C402; Nus ne vole sihaut, se velt son fendre, Que il nel face aval bien bas descendre ES, 31: Gir de Eos. 330,7; M fai d'aut en bas chazer C 403. — 22, = 22 163. — 237 = laire Cuia, tuit sion siei fraire C 877. — 247 Vgl.: Qui consail ne veult croire, souvent va foUiant -E/ 17: Hug, Cap. 3138; Qui croit consoil, n'est mie fos K 393; Pur nent quert conseil ki creire nel volt J2 47, Z 1 10; Qui consel ne vieut croire, bien doit estre honis (d. prendre mal chief) ES, 24: Äiol 4706, 6741; ki ne velt croire conseil, Se max len vient, ne m'en merveil K 394a: Dol 4882 f. = Clar, et Lar. 1736 f.; Qui bon conseil ne croit, se puis len vient folie, Ch'est bien drois et raysons qu'il boive sa sotie Bast, de Bouill. 5331 f.; qui conseil refuse, bien avenir voit on Que souvent en mesquiet E 17: Gaufr, 9239 f.; souvent mescheoir voit on A ceus qui refusent raison. Oleom. 8511 f.; Qui ne prant lo consoil dou saige, Lo fol croit, si len vient domaige Lyon. Ysopet 1061 f.; Li sages croit correction Et li fos suit s'opinion eb. IIb f. ; Bon cossel si li fol let(e) dona, Nol mespreses per la pressona G 604. — 257 = R 293. Zu dem Spruch : Qui petit refuse, grant masse ne doit prendre Fa Ä vgl. : chou que mieudrez donne, on ne doit refuser ^91. — 267 = A mol pastor leus li (=-4) chie leine E 118; Malvaz pastor ha en aital, Qu'a sos obs noz, ad autres val C 597 Nachir. Vgl. noch: Male garde pe[s]t le Ion Z 155. — 287 H l.: Meyer 178 st. 158 = Ki est garniz, n'est huniz E 41; vgl, auch 78,246. — 297 H = Viez pechi6 fait novele vergoigne E 274; vgl.: De vies mesfait novele plaie Brut, 1,27. — 3O7 2) "= Qui tot me done, tot me neye E 209; vgl,: Ea tut me pramet, nient ne me pramet JS 17 = Mey 38; s. auch 181. — 3O7 Fß, vgl.'. Qui ne donne, Ten li toult Suchier 24. — 3I7 Vgl.: Aspra paraula escomou forceneria C 1039; leu vei soven per gaiada Recebre gran coltellada G 845. — 347 A = Qui dous chace, nule ne prent E 264. — 357 = Qui une avient, ne li avient sole E 298; vgl.: c'avient une, n'avient seule . . . C'est bien voirs, c'au maleureus Rechiet tout adies la saiete . . . souvent avient Que Tuns maus sour Tautre revient K 665 f. : E. de la Viol. 3936 ff. uns jois (plazers) altre n'adutz G 324 f. — 367 = A qui li Chief deut, toz les menbres li faillent E 290; ähnlich: Quan lo caps dol, van li membr' afeblen 0175; Quant li cuers diolt que plus ne puet, Tos les membres partir estuet 128 Referate und Rezensionen. E, Stengel, K 50a; Main u dolt, oil u duet i2 14 = Main u dout, oil u vout Met/ 37. — 31>j = R 289; K43i', L 259; Molt remaint que fox panse, molt plusors gent dit l'ont E 49: Saxons II 54,18; Assez remaint de ce que homme propose Ä II 34. — SSrj = R 19, Z 161 ; vgl E 18,80: Chil cui dieus vient aidier, n'iert ja (ja n'iert) honis Äiol 2229,2276 {vgl 800 = 67l); qui dieus veut aidier, ja honis ne sera Gar, de Mongl Hs. 24403 Bl 101c 25; Ja n'iert honis cui dieus veut bien (vourra) aidier Loh, n 132, Chev. Og. 10140; Cou que dieus voet aidier, nuls ne le poet grever Chev. au Cygne 1214; Cui dieus de honte veut garder, Nule riens ne le puet grever K 133; ja ne perira ce que dieus veult sauver eh,: Jubinal 1 23; en poi d'ore puet dieus son home aidier ES, 27: Chev, Og, 173 {vgl dazu Prov. 133^); Qui dieus aime de euer, ne se doit esmaier ES. 28: Doon de May. 6689; li hons que dieus het, se doit moult es- maier eh. 1903. — 387 J? = Por nient argue qui deus u'aiue R 260; vgl auch: En dart se peine ki deus nen avance U 97. — 397 = i? 3, RespU 41 ; vgl : qui ben ser, ben quer, E quils fals cre, espera colps de fer (7 118. — 397 Fß H= R 169 ; vgl: N'est tot bei qui aye, ne tot laid qui nuist R 168 = Non es tot bei so que pro te C 809 Nachtr. — 407 = ^" 368; Que oyl ne veit, euer (a euer) ne doult R 268 Z 133; Gleom. 488; . . . quer ne desire Rl = Meyer 12; . . . queor ne coveit Rawlinson A 273 Bl 96n^l; vgl H: C26 0 19; que olh non vezo, cors non dol C 891 ; cors oblida qu'ueilhs non ' ve G 892; al cor non sove De so qu'om ab los huelhs no ve G 893; Avec les oelz li cuers s'en vole L 407. — 4I7 ^ = Ja de ni de busart n'istra esprevier R 177; s. auch 147. — 427 Vgl: En sa maison a mal espoir Qui la son voisin voit ar- doir K 328 ; Prop a guerra qui Ta e mieg del sol E plus prop Pa qui Ta sotz son coychi Peire Card. 30 {M. G. 607). — 437 Vgl En un mui de quider n'est plein poing de saver Z 222; Mes en C. muis de fol penser N'en a mie plein poing de sens L 255; dedans un mui de cuidance N'ait mies piain poing de coudance K 228: Bot. 11267 f. ; en I mui de quidance n'a pas piain pot de sapienche Ghron. de Rains {nach: Leroux de Lincy Prov.^ 1 S. LIIl] vgl eh. H 496,148, 292). — 457 Vgl: Qui petit a, petit pert, de petit se dieut R 294; Qui ren non a, ren non pot perdre G 396 ; Qui riens n'a, rien ne pert, ne ses amis nel plaignent R 362; s. auch 2337. — 467 = Pour defaute de prodome (franc) met Ten merde en baue Respü 28, Rawl A 273 Bl 96n^6. Li Proverbe au vüain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes, 129 — 477 A = Cui Tasnes est, si li aut devers la coue R 179. — 487 = Mielz valt iin „tien" que dous „Tu auras (Pauras)" B 31,217. — 497 = Tart ferme Ten le chastel, quant li cheval est emblez i2 132; Tart se son perseu Quels an clans lor estable el cavals son perdu G 547 Nachtr,, s, auch 2I87. — 51 7 = Mal partir fait a son seignor JB 291; vgl.: II fait mau- vais joer a viel chaöl Baoul de Camb. 4659. Avec seigneurg n'est bon mangier cerises Ä II 63. — 5I7 A vgl,: Ase feie thedes (= Nationen) ase feie thewes (= Sitten) H: L 4 0 2 0 S, — 537 J. = Qui Premier prent, ne se repent B 230. — b^fj A = Fous est qui meillur pain quiert que pain de forment 7^ 176. — 557 J? = Li boen soffreor venquent E 184; Tostemps bos so- frires vens C 450 ff.; Qui sueffre, si vaint; qui vaint, si sueffre Suchier 13. — 567 = JB 37,288. — 577 = Tel le veiz, tel le meines B 72. — 577 Fa u. s. w. = B 139; Leroux II 484; Vuide chambre fait dame fole, Aise de prendre fait larrun, Fole dame muide maisun K 279; vgl.: Orange vuide est ventouse Leroux 11476. — 597 vgl, eil est fous par saint Germain Qui ce que il tient en sa main Giete a ses piez en nonchaloir L 258; Li vilains dist trestot Sans glose : Cil qui jete a ses pies le cose Que il puet ä ses mains tenir, Nel deust ou mais consentir Qu'il habitast en- tr'autre gent ^"609. — 6O7 2) = Mal höre qui sey oblie B 242. — 617^ Fß vgl.: Drutz que lonc si s'aplata, El eis si coill lo ram ab cum lo bata C 780. — 6I7 Fa H = jK^324; Tant grata la cabra que mal jatz (7 682; Par trop grater chievre gist a mal'aise ^ II 4. ; vgl. : L'en puet taunt cul grafer ke la pel s'en irra BespU 40; Gratar me fai lai, on nom pru C 900; Qui grate, ne mesure Z 220. — 647 Vgl.: Füii-s vaut mieuz que de fol atendre K 409; Fuyte vault mieulx qu'attendre et repentir Ä 1 10. Mieuz vaut uns bons füirs que melement esrer Aiol 5517; Mout (Miex) fait meillor füir que malvais encachier Gar^ de Montgl. Hs. 24403 Bl. 18 b, 110c; Bone est la fuie dont li cors est sauvez E S, 28: Cov, Viv. 39; Mieulx vault fuyr qu'estre en pourpoint de bricque A n42. — 677 Vgl, Grant vent petite pluie abat E 190; De gran ven pauca plueia C 1079; De graut anubleison petite pluie B 246. — 687 = E 49. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX«. 9 130 jReferate und Bezensionen. E, Stengel. — 727 = AI besoing voit ron(on) son ami Wace Brut 5585, Ben, {ed. Martin) XII 128, Jub. Contes II 139, 24; J. Bod, S. Nie. (Mich, et Monm.) S. 179; Car al besoing voit li hom (conoist Ten A c. eil C) son ami Gar. le Loh. XVII ABC; AI (A D) grant besoing voit Ten (en (7)sonbon (bien son) ami eb.Ablh C 39 b 2) 30a; En I proverbe li sages vilains dist Qu'au grant besoing voit li hom son amin Hervis de Mes TlöOb E63d N 28a\ als hops conoys hom tota via son bon amic C 89 ff. ; au besoing voit on l'ami Mir de Bob. le Diable 2034, Gül. de Bernev.'^ {Scheler 1 78), Phil, de Vign. Prosarom. v. d. Lothr. Metzer Hs. 37 b ; AI gran besonh ve hom qui es ami (791 Nachtr.; Car au besoing voit on qui est amis Enf. Og. 1256; De legier puet on esprover Au besoing qui est bons amis B. de la Char. 6504 f. AI grant be- soing sont esprov^ Li riebe euer piain de fierte Durm. le G. 12825 /".; AI grant besoing, che est la some, Conoist om Tue vre de prodome eb. 12425 /.; Au grant besoing, ce est la somme, Doit on connoistre le preudomme Guill de Pal. 501 1 /. ; Son ami puet on au besoin Essaier Pierre de la Broce (Mich, et Monm. Theatre fr.) 214; or le saura, Se besoigneus nul ami a Perc. 10737/.; a grant besoin Doit Ten bien son ami aidier L 395; vgl. ferner W. 204 ff. — 737 = B 224; vgl.', qui a chetif seigneur sert, II en atent chetif loier K 127, B 25 u. s. w.\ Qui de glaive vit, de glaive deit morir B 225; Bei servise trait pain de main B 36; Qui ben ser, si dons nos esmaia, Ben es razos, que joi len eschaia C 41 ; Servirs ses guazardo crei que captals en sofranha C 248. — 747 Vgl.: Querre doit pain eil qui a fains K 201. — 757 Vgl.: Se ditz ben un repropchier pel mon: Sei qu'una ves escorja, antra non ton G 760 ; Cobeitatz vos engana Qu'a vostras berbitz tondetz trop de lana G 690 Nachtr.; Ne deit garder Taignel qui chalenge la pel B 257; Ne baillez pas vostre aignel a qui en voet la pel (Cambr. Samml.) Leroux II 479. — 767 Kar on dit bien por voir: que plus estraint, plus gelle (Charles le Chauve) Leroux 11 487; vgl.: Qui tant estraint crouste que mie En saut, ce est par grant destroit £"625; L'ome puit tant destreyndre le ernst que la mye ne vaudra rien (Cambr. Samml.) Leroux II 478; en dit bien en reprovier Que trop estraindre fait chi'er L 353. — 787 = Qui de luin (loinz, loing) veit (se guarnist), de pres s'es- jöist (se jot) B 24,73,147; vgl.: Qui longues est povres, de poy s'esjöyst JS 311; Qui non garda de long, mal a de pres C 460 Nachtr. — 8O7 = iJ 313. — 8I7 = Solonc tens tempreure B 130. Li Proverbe au vilain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 131 — 825 wegen esplumer son hoste vgl. noch: Qui viaut de son seignor bien estre . . Del chief lui doit oster la plume Neis lors quant il n'an i a point Oleom. 4529 ff. und s'il avient a la foiee Qua poudre sor son mantel chiee . . ., Oste la poudre a tes doiz Plus li sanbleras estre adroiz Et s'i n'a riens sor le mantel Escon noient, si len iert bei Elie^s Ovide de arte 197 ff. — 827 FyD = A Corte chauce longue lasniere B 165. — 887 = Totes hores ne sunt mores, et si eles sunt, ne sunt mäures R 240; s. auch l^bj. — 847 Vgl.: Süef dort qui saol se coche R 172. — 807 = De fol folie, de quir quereie JR 104; vgl. Totz temps fols a folia cor G 550; Fols nos pot de folia laissar C 549; costum'es tos temps que folhs foleya 0 554 Nachtr. ; dreiz est e costume que fol folei E 57; Sage est qui parle sagement, Fols come parle folement L 244; eil est fox qui fet folie K 423; De fol home sont fol li dit K 424; li fos et li descuidiez N'iert ja de folie vuidiez K 422. — 857 A Vgl.: N'est si sage qui folie ne face B 205. — 867 = B 233 ; vgl. Povre liome n'a ley B 355 ; Ja povres lions qui n'a avoir N'avra par eus droit en sa vie L 88 ; Povres n'a droit, se il ne done L 2Ti; vgl. auch K 634 ff. — 867 Fa Vgl.: Qui rien ne fet, rien ne prent Z 30; On ne doit pas donner chose qui n'est rovee K 586 ; Qui merci quiert, avoir la doit K 566 /.; Qui merci quiert, il doit merci trover JEJ 5. 32 : Hervis de M. ; Qui de la chose a desirrier, Bien la doit requerre et proiier K 602 ; Qui pauc troba, non pot gaire penre G 763 ; Qui no troba, no tria, E qui pren, nos fadia G 312, — 867 ^ = E 127, Ä' 647 ; Münchener Brut 2880. — 877 Vgl.: A meison proiser e en marche vendre Z 182. — Slrj JD = B 281, K 108; Hom privez mal achate E 48. — 887 S. oben S. 118 Anm. — 897 Vgl. Qui de tote se garde, de alcune escape B 115; il se fet bon de tot garder L 343; Bon fait son chastel et son corps Garder touz jours W 128; Chil qui se garde bien, nul ne puet engignier od. Qui bien se gaite, il n'est mie engignies E 88. — 9O7 S. oben S. 120 f. — 927 = A cheval don6 n'a dent gardee B 292. — 937 Var. = Piere rouelant ne quielt mosse B 138; vgl.: Jane parra trace que colovre face sor la piere bise B 231; qui so- vent sa rauba trossa, Jamals non cuyllera mossa G 1052. — 967 Vgl: Ne seit veisin que rent mulin B 91,330, Z 116. — 997 = Tel quide beyvre sor le coutel acon (= aucun) qui beit la chape ovec le chaperon B 266; Tex cuide sor autrui boire Qui boit sour li L 332. 9* 132 Referate und Rezensionen. E, Stengel, — IOO7 = Ki fol enveie a mer, ne peissun ne el R 80,303. — IOI7 Ou force vient, justice prent, nach Tohler: „wo Gewalt ein- tritt, greift die Gerichtsbarkeit (der Machthaber) zu." Besser: Force [u] veint, justise prient R 304 = „wo Gewalt herrscht, unterdrückt sie Gerechtigkeit (Rechtspflege)." Vgl.: force n'est pas drois, piec'a Tai oi dire E 84; Forsa vens justizia C 769 Nachtr. ; Nuill dreit non a valor gran, Lai on forsa fai son talan C 769. — 1027 = Qui pain a e sant6, si est riches qu'il ne set R 207. — 1047 Vgl.: Soven de pan e de vi Noiris rics hom mal vezi, E sil tengues de mal aire, Segurs es de mal mati, Si noi met lo ga- zaignaire don lo reproviers eissi C 224; qui a felon voisin, Par maintes fois a il (en a) mauv^s matin El; Ki a bon veisin, a (si ad) bon matin R 78, RespU 19. — 1067 Vgl: A la mort (A vie perdre) n'a nus (nul) recovrement ES. 27,28: Chev. Og. 491, Enf. Og. 821; contre mort n'a nus refni K 205 ; Contre la mort n'a nus hom garantie od. Encontre mort n'a pröesce mestier Ne orgoilz n'aventure E 103; Que ri- quessa ni sens ni cortezia, Que sia el mon, nous pot de mort defendre C 1061. — 1057 DJFy = En la coue vient li encombriers E 170; vgl,: Tel — quide faire bien a son commencier Que en la fin li torne a en- combrier E 78; chascuns se gart de la soe {d. h. femme) Qu'ele ne li face la coe Loth 185. — ^.1067 = R 334; Ce que sires done et sers pleure, Sachiez, ce sont lermes perdues L 300; Lo reprovers es fis e vers: Co que doiis dona e plora sers, Las lacrimas de von perir C 333. — 1087 = R 103. — IIO7 ^9^''- ^^ fol et de petit enfant Se fait touz jors mout bon ganler; Car il ne sevent riens celer X 351; De fol se deit Pen guarderiJ 237; De fol et d'ivre se doit Ten bien garder.K 99; D'ivre et de fol se fait mauvais ensonnyer E S. 27: Chev, au • Cyg. 1355;. D'ome desve se doit on bien gaitier E S. 2b: Äuberi J 30,23. — j J.II7 Vgl,: Qui ainz saut qu'il ne veit, ainz chiet qu'il ne deit R 280; Qui mounte plus tost qu'il ne deyt, chet plus tost qu'il ne devereyt (Cambr. Samml.) Leroux 11 481; Qui plus monte .que,il ne doit, Ains trebuce qu'il ne voudroit Z^ 612; Quant .,p|lna hault Est 11 homs moütez qu'il ne doit. De plus hault chiet qu'il ne vouldroit. TF 94. .Aehnlich auch Span. 163/. — 111^ I£ = L 314; vgl: Enlafln doit on löer l'uevre Et ce ke bon estj bien se prueve -ff 482;* Al'obra conois hom l'obrieF C 352 \Nachtr. ; Li bons se pruever Elb; La ou est amors, bien se proeve K 43; Putain n'iert ja provee de chose qu'ele face, si a l'ovre n'est prise R 232. Li Proverbe au vilain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 133 — 113^ = Mieuz valt pome dunee que mangie B 52. — 115^ == Que prent bayart en danteure, qo volt tenir a jor que dure iJ 275; vgl. Dant stabiles mores pullo primi domitores -B 21; Que puleins prent en danteure, U voille u nun, lunges li dure; E que femme juvente aprent, Quant ele vient ad castiment, II li dure tut son eage K 190: Trist. II 12; Whose yong lereth, olt he ne lesetli H.: L 6; Young wonez Hold moneth H.: 0 5. — 1177 Vgl. 14O7. — I2O7 = B 39. — I2I7 = B 21, E 11] forsa paihs lo prat C 769 Nachtr. — 1227 = B 192. — 1237 Vgl.: Bone jurn6 fait, qi de merde se delivre Bespii 32. — 1247 = 22 30 — 1247 Fa = Ki ne doune ceo k'il ayme, ne prent ceo k'il desire Bespü 3. — 1267 = B 210. — 1277 Vgl.: Qui ren non a, an'ab los mortz dormir C 724. — 13O7 = De bon deteur aveine et de mal nient lat.: Debitor ille bonus pro nummis reddit avenam, Si malus est, differt avenam reddere penam Z 194. — 131t = B 12, L 372 a; on fait d'autrui larges corroies -L 372 ; Du cuir d'aultrui taille on large courroye ^ 11 25 ; Of ün boht {l. unboht, s. unbeswinke C ounbeserewe 0) hude men kervetli brod thong H: L 21, C 0 28. — 1337 = 22 301, i 3, W 3: Fatelin 43; En petit d'ora deus laora C 416; En petit de temps dieus labeure W 3; dieus en pou de temps labeure Jub. Myst. 1 193; En poi d'eure puet dius aidier K 131 ; en poi d'eure puet deus son home aidier E 8 27: Chev. d^Og. 173; Dieus don em pauc d'ora gran be C 415; En pauc d'ora se camja l'a Ventura C 367 a. Ber vielfach begegnende Zusatz: tels rit au main, qui au soir pleure erinnert an I27 be- gegnet aber auch oft selbständig, so: E 100, K 138, L 29; vgl. auch G 380. — 1357 = Qui siet seche, qui vait leclie B 357; Voirement dit . .: „qui va si leche,'* Et aussi dit: „qui siet si seche W 223. — 1367 = B 218. — 1397 Vgl.: Mielz valt, m'est vis, vi vre et mentir Que del tut veir dire et morir Frothe^süäus 449 /. — 140, = 22 145; s. auch 111^. — 141 7 = Bien est larron qui larron emble L 338 a; Bon larron est qui autre emble L 338. ~ 143^ = Ä' 588; Pur bienfait col frait B 29; Ouvraige de bien faire col frait K 589; s. noch 2477. — 1457 Vgl: B 240 zu 8%. — 1467 Z) = Qui Qo fait que il poet, totes ses leis acomplist B 144; Qui ce fait que il puet, on ne le doit blasmer JJ 110; vgl.: Ki 134 Eeferate und Eeaensionen, E. Stengeln ne fait, quant puet, ne fra quant volt B 82, Met/. 5, EawL A 273no4, Respit 15. — 147t l' ' a fton doi le {st. e) quiert = Qui besoing a del feu, a son dei le quiert B 137; Qui a obs foc, ab det lo quer C 1067; Volentiers quiert der (= du) feu qui n'a mestier E 66: Bomv, 233,26; vgl.: Qui le feu prent a sa main nue, Se tost a terre ne le rue, II art sa main K 442. — 1487 = Söef noue a qui Ten sostient le menton i? 135 ; souef nage Cil qui on sostient le menton K 606. — 149? = B ns Statt tert l. mit Fa wegen der Assonanz: tuert — 15O7 = Mal venge sun dol ki l'aoitte, ce dit li vilains B 58; vgl.: Tel quide venger sa liounte qui Tacrest {Camhr. Samml.) Leroux 11 483; tex quide vengier sa honte apertement, Qui le lieve et acroist od. Tex quide sa grant honte moult tres bien [re] vengier Qui le lieve et acroist E 5: Gar. de Mongl. 15^, 87 a; tel se cuide venger Qui son dommaige encroist et le fait aproucher Galten 190,47 f. ; Tel croit vengier sa honte qui Tam- plye ^1115; Tel vuet vengier sa honte qui Ta plus agravee Antioche 11 250/ tex hom cuide sa grant honte vengier Qui tos esmuet .1. mortel encombrier Baoul de C. 4829 f.; Tels se cuide vengier qu'a le fois est honnis Hug. Cap. 4309 ; tels cuide venger sa honte Qui Tacroist aiuQois et amonte £'351; teus cuide, se il li loist, Vengier sa honte qui l'acroist K 352; Teus quide sa honte vengier Qui moult Tacroist et moultemplie (Qui porcace son encombrier) KdbSab; teus quide son duel vengier Qui acroist son grant encombrier (Ki tost s'en tome a la folie) K 354a 5; Tex quide bien accroistre s'onor moult durement Qui Tabasse et decroist moult tres vilainement. E S. 31: Gar. de Mongl, Hs. Tbc. — 1527 = B 175, Bespit 27. — 1537 Vgl.: Sovent avient, ke qou c'on ainme, Voit on par mout petit partuis K4:l: Dol. 11082/ — 1577 Vgl.: Assez demande ki se plaint B 68. — I6O7 = Bi^n pert as tez (As testes pert) qui les oules furent B 1^9,67 {vgl. LesaH: B). — I6I7 = Ä 88; Torte husche fait droit feu B 265. — 1627 yyl* ' Ki volentiers fiert vostre chien, ja mar queres (1.: cre- res) qu'il vus aint bien Graelent 5470. — 1637 = Qui preste, ne jot, qui demande, malot B 70; vgl.: Mieuz valt maloi'r que prester e nonjöir B 59,69. Wegen malöir = vituperari, was Tohler sonst nicht bekannt ist, vgl. noch je zwei Stellen von Gui de Bourg. (2117, 2156) und Ben. de Mont. (153,20 u. 38), welche bei E 111 ausgehoben sind. Vgl. auch: Messager ne doit bien öyr ne mal avoir {Cambr, Samml.) Leroux n 478. Li Proverbe auvüain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 13& 1667 = B 296; Li vilain dit en reprovier . . .: Tel nuist ki iie puet aidier quant vient al jugeinent Jordan Fant. 704 f ; Tem ad dit en reprovier : Tels noist qui ne put (ft. porroit) aidier Pro- tlieseläus 81 f. 168y Vgl.: Qui le bien voit et le mal prent, Sacies que apr^s s'en repent ^£"455; Ben es fols, quil be ve el mal pren od, Qui per be mal pren . . ., Saber pot, qu'assatz a de ques plaigna C 816 Nachtr.\ Malditz es hom quil ben laissa el mal pren C 824. 17O7 = -B 279. 17I7 Vgh: Si fiert qui ne veit Bawl. A 273*1^3] Li proverbia consent hi be que ditz aissi: Fer qui non ve C 606; A seür vait a plait qui pere a veeir R 123. 1727 = De meisme la terre le foss^ B 166. 1747 Vgl.: Miez valt menestrel que espreverel E 171. 1767 Qui tot vol tener, tot pert G 694; s. aumh 222.7. 1777 == B 234; vgl.: Ne set li malades que est al sein B2Q0\ Ne set qu'est biens qui mal n'essaie K 337 b. 1797 = B 143. I8I, = De bele pramesse se fait fol tot Iie B 216 ; Biaus sem- blans fait musart liet (Chron. de Bains) Leroux II 496; vgl.i Qui Sans donner a fol promet, De noyent en joie le met TTl 58 ; Bei prametre et neint duner fait fol conf orter B 6; Promesse saunz doner est au fol conf ort Leroux II 480 (Camhr. Samml.) ;^ s. auch K 579 ff. I827 vgl. s'anc non ac malanansa, Non sap que s'es benestansa C 271 s. auch 111^. 1837 = Que ne mange s. Martin, si manje le pelerin Z95; vgl.: Mult est fol qui lassa s. Martin por saolesse Z 53. 1867 ^^^' = Q^i 8,inz naist, ainz paist B 122. 1887 = Qui miez aime altre de sey, al molin deit morir de sey B 180; vgl.: cel es fols qu'am autrui mais que se 0 871. 189? = B 196, Bespit 39; vgl. Biaus doneir a la feie Enuie bien K 587. 19O7 Vgl : Li lerres privez est trop maus W 165. 1927 = B 269; vgl. : Alcun son trop major de fama que de fach no so C 799 b. 1947 = B 174. 195, Bessere: Eschaudez iaue [chaude] crient = B 251; vgl. J'ay este eschaudö, le feu redoubteray Elton et Calisse ed. Schäfer S. 55 ; Escaudat tebeza tem C 542 ; Lo reproviers vai averan^ som par, D'ome escaudat; quem tem tebe ancse C 541 ; Brend child für dredeth H: L 23 0 22 0 43 ; Chat eschauld6 resoigne la chauldiere AI 33. 197? = Toz diz se laissent dire e toz pains mangier B 278. 136 Referate und Rezensionen, E. Stengel. — 1987 Vgl. iiuiez vient a Tome tesir Que trop parier outre plesir Ä"375; Bon taisir vaut, trop parier nuit L 249; Sorparler niiit et trop se reput Ten taire Z62 {vgl. R 299 Anm.) — 199 = Mui de fiirment a dener, guay celui qui denier n'a jK 167. — 200 = -R 18; vgl.: de tel vente tel marchi^ L 335; s. auch C 110—112. — 201 7 = i? 183. — 2027 = R 206. — 2037 jPy = i? 125; Salomos nos es recomtans (= Spr. S(ü, 13,24:) ... Sei que perdona sas viergas Per sert adziia sos efas 0 87. — 2057 = R 228; vgl. Home mort n'ad poynt de amy {Cambr. Samml.) Leroux U 476; om mort ni pres n'a amic ni parent C 97 Nachtr.; Povre home n'ad nul amy {Cambr. S.) Leroux II 480; s. auch: Trop a li hons la char hardie Cui li dyables sy sorprent Ke veve fame a enfans prent; Car il n'iert ja I jor sans lime L 226. — 2077 De tout est mesure. Wegen des scherzhaften Anhangs : f ors de sa feme batre vgl. : Voir dit qui dit, ne fu pas fous : Fame soferoit plus de cous Que une asnesse de .II. ans De mal et de poine .11. tanz L 218; Por ce sueffre fame tant cops Que nostre sires le fist d'os. Qui a coustume fame ä batre Deuz foiz le jour ou trois ou quatre Au premier jor de la semaine, Dix foiz ou douze la quinsaine, Ou ele jeunast ou non, Ele n'en vaudroit se miex non L 219; Cil qui fame viaut justisier, Chacun jor la puet combrisier Et Tendemain rest tote saine Por resoufrir autretel paine L 220. Im Gegensatz dazu heisst es: Grant viutance (vilte) est de ferir fame -£"303: Erec 1018. — 2O87 JBy = Nule si chaude qui ne refreide R 146. — 2097 = Ou (La ou) cat n'en a, suriz i revelent (-le) R 112, 119. — 21I7 2) = Dolente est la vile que asneir preient R 295; vgl,: Wai la terre dont li reis est enfant e dont li princes manjue matinel R 308. — 2137 = Respit 9; Manaces ne sunt lances R 273; Manaces ne lances, ne puteins puceles R 57; vgl: Tal menassa c'a paor C 799 Nachtr. — 2157 = R 208; vgl. Qui vif enveie, vif espeire R 316. — 2167 = Tant vet li poz a Tiaue que il i est quassez E 39; Tant vai lo dorcx a Taigua tro que Tansa lay rema C 679 ; tant vay lo dorc a Taygua tro que se trenca C 680. — 2177 = R 349; RespU 26. — 2I87 = Tart est ihain a cul, quant pet est bors R 85; C'est tard cloz cul, quant pet a prins sa voye Ä II 52; vgl,: Tart est main a gole, quant parole est eissue R 133 ; Quant de bouce Li Proverhe au vilain. Die Sprichwörter des gemeinen Mannes. 137 est hors issue Parole et d'autrui entendue, Jamais, tant com siecle durra, En tel mesure ne venra Que sainement seit bien celee, Puis c'une fois est escapee K 384; quant sajete est des- cocbie, Ne puet estre arriere sachie, Devant qu'ele a fait sa volee K 385. La saiete qui est eschapee de la corde, ne puet retorner; tout ausint ne puet la parole retorner, puisque ele est issue de la bouche Suchier 17; s. auch 49^ 220, D = B 353. 22I7 = Piti§ de cul trait lente de chief B 354. 2227 = B 120, 315; Cil qui tot covoite, tot pert i 376; qui tot covoite par fol entendement, Tot pert en la fin et n'en rescout nient, od, : Qui tot covoite, ce avons nos veu, Ne garde Teure que il a tot perdu E 10; Si cobes y est del tot, Tanh se qu'o pagas tot C 1087 s, auch 1767. 2277 = B 272. 2297 = Non es aurs tot cant que lutz C 802; Tout ce qui luyt, n'est pas or de coupelle Ä II 9; Hit nis nout al gold that shineth H: 0 46. Dasselbe besagt das Sprichwort: Li abis ne fait pas Termite L 367 ; Tabbit Ne fait pas le religieux W 243; L'abit non fa pas bon religiös C 797 Nachtr. 23O7 -F/? = ^ 71; vgl,: Qui merde brasse, merde boive; Quar ce est bien resons et droiz L 331b. 2337 s. B 362 unter 457. 2367 = Mieuz vaut pres (de pres) joncbiere que loing (de luin) praiere B 214,33. 24O7 = Cum Ten plus fule la merde, plus pu[t] Bespit 36. 24I7 =: Bespit 18. Tgl.: A seur chie en fosse, qui se tient al pel; et si le pel li ront, si charra en Testront B 213; s. auch 27I7. 2437 ^9^-' ^*1 done a son vassal qui son coutel leche B 191. 2477 Vgl^'. 143, 4—6 und Amm, 1437 ; Gratez al vilein la coille e il vous chXera en la palme Bespit 6; Qui oingt villain, al poindrele provocque A U 45. Vgl, Le Boux deL, IS. XXXI und: Qui vilain fet honor ne bien, Celui bet il sor toute rieu. Tel loier a qui ce encharge i 113; Qui a vilain fet bien, se pert L 114; Moult a de honte et peu est plains Chiex qui se leuwe k ces vilains L 115 ; De biau servise set on souvent mal gre E S. 26: Aubery ed. Tarbe S. 49, 13; tel fet on de poverte escaper Et en honor essaucier et lever, Que ja celui puis ne Tolra amer, Ains le volroit an^ois nuire et grever J? 81 : Chev. Og. 7848 ff. ; Puisque li leres est de forches ostez, Ja puis ses ^res n'en iert de lui amez E 76: son tans pert qui felon sert. Raembez de forches larron, Quant il a fait sa mesprison, Jamös jor ne vous amera, Ains k tous jours vous haira L 341 ; Qui le larron torne de pendre, Ja li lerres ne Tamera TF 169 ; 138 Referate und Rezensionen. Carl Friesland, Qui de forclies traie(nt) larroii, Ja pus ne Tameroit nul jor K 521; Lari'oun ne amera qui lui i*eynt de fourches (Cambr. Samml.) Leroux II 477; Li lares ne mere ^\^ {b. n'amera ja) qui lo restore de pendre liohei't S. 39. — 249; Vgl.'. Chieux qui a ung preudomme parolle saigement, On dist qu41 se repose, je le croy fermement E 24. — 25O7 ^9^''- bonne atent qui bonne paie L 309. — 252^ = Pur grant seinur prent liom grant colee B 48 (]M. vehementes). — 2537 = Nop mova qui ben estai C 365; Qui bien esta ne se remue (Cambr. Samml.) Leroux II 481; vgl.: Costume si se remue = Mox alternatur mos et venit et renovatur Z 47. — 2587 = Qui son nes trenche, sa face desonore B 328; Bespii 2I7 Qui son nes cope, il deserte son vis, od. qui cope son nes, sa face est despechie, od.: Cil qui tranche son nes, il vergogne sa face E 92. — 2627 = -IB 2; vgl.: Nature passe norriture L 370; s. auch 14t^. — 2647 ^^ V^^^ estalon fait jofne poutre poire B 352. — 267? Vgl.: Aver vengut cocbadament, Sol viät tornar a nient ö 368; avers leu va e leu ven C 368 Nachtr.; Leu despen qui de leu a gazan C 369; Bien deit despendre qui de legger gayne Leroux II 473. — 2687 = B bß; vgl. miex vaut compaignon que nient {ironisch gemeintl) L 396; Soulas de fa'me qui est faille Moult plus ne vaut que fet paille i 211 a. — 27O7 = Com plus matin leve li maleurus, plus mal jur ad B 83; vgl.: Astruc ni malastruc non cal mati levar C 362; astruc no cal mati levar C 363. — 271 7 Eine bessere Lesart bietet: Ki en longaigne chiet, conchietz s'en lieve Bespit 30; s. 241 7. Wegen longaigne vgl,: Äset de- mure de cbier qui a la longaine vet peant Z 161. — 2727 Vgl.: Qui lait n'en a, mesgue desire B 194. — 2737 Vgl.: Cum pot, si prenge B 38. — 2757 = Soun allelue avile q'i al cul du beof le chaunte Bespit 38. — 2777 Vgl.: Tals a sus el cap Corona e porta blanc vestimen Quil voluntatz es tellona Cum lop 0 serpen C 1dl. Den Anmerkungen folgt zum Scbluss eine den Schlagwörtern nach geordnete alphabetische Zusammenstellung der im Texte und in den Varianten begegnenden Sprichwörter, die leider etwas un- übersichtlich gedruckt ist. Auch sind die Schlagwörter- Varianten an ihrer alphabetischen Stelle nicht aufgenommen. Ein Glossar oder auch nur ein alphabetisches Verzeichnis der in den Anmer- kungen besprochenen Worte und Spracherscheinungen fehlt leider. Greifswald. E. Stengel. Eiighne Bolland, Flore populaire. 139 Neue Litteratur auf dem Gebiete der Yoksknnde.*^ I. 1. Rolland 9 Eugene , Flore populaire ou Histoire naturelle des plantes dans leurs rapports avec la linguistlque et le Folk- lore. Tome I. 272 p. 8^ Paris, Rolland, 1896. Von der Flore populaire, die als Seitenstück zu der sechs- bändigen, 1877—83 erschienenen Faune populaire gedacht ist, liegt der erste ßand jetzt vor. Das ganze Werk bildet nach Angabe des Verfassers einen recueil systematique des noms populaires donnis aux vegetaux et des proverhes, contes et superstitions qui les concernent. Das Gebiet, über welches sich diese Untersuchungen erstrecken, ist Europa, das nördliche Afrika und der Orient; dabei sind die euro- päischen Sprachen bei den leichter erreichbaren Quellen natürlicher- weise am meisten berücksichtigt. Das Material hat zum grossen Teil EoUand selbst gesammelt, zum Teil aber auch von Correspon- denten zugestellt bekommen, die sich ihm für die meisten der in Betracht kommenden Sprachen zur Verfügung gestellt hatten. Ge- ordnet sind die Familien nach De CandoUe, die Gattungen und Arten dagegen nach Nyman. Im vorliegenden Bande werden folgende Familien behandelt: Banunculaceae (Atragene alpina, Clematis vitalba, Cl. flammula, Pulsatilla, Anemone. Adonis, Thalidrum, Ba- trachium fluitans, Banunculus, Ficaria ranunculo'ides, Myosurus, Ni- gella, Helleborus, Franthis, Trollius europaeus, Caltha palustris, Aconitum, Delphinium, Aquüegia vulgaris, Faeonia, Cimicifuga, A- ctaea spicata) , Magn oliaceae (Magnolia, lAriodendron), Anonaceae {Anona), Me nispermaceae {Menispermum, Cissampelos), Berberi- de ae {Berberis), Nymphalaceae (Nymphaea, NupJiar luteum), Papaveraceae (Papaver rhoeas, P. somniferum, Glaucium, Cheli- donium), Fumariaceae {Corydälis, Fumaria, Dielytra), Cruci- ferae {Matthiola, Cheiranthus cheiri, Barbar ea, Turritis, Arabis, NaUurtium officinale Cardamine, Bentaria, Hesperis, Malcolmia, Alliaria, Erysimum, Sisymbrium). Bei den einzelnen Pflanzen werden zunächst ihre verschiedenen Bezeichnungen und dann die auf sie bezüglichen Bräuche, Erzählungen, Sprüche, Eätsel u. s. w. aut- geführt. Unter den jedesmaligen massenhaften Pflanzenbenennungen ist durch eine bestimmte Reihenfolge der Sprachen Ordnung ge- *) In dieser Zeitschrift sollen von jetzt ab periodische üebersichten über Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Volkskunde gegeben werden. Während es sich im allgemeinen um die allerneueste Litteratur handeln wird, möchte ich daneben, zunächst wenigstens, auch Arbeiten berück- sichtigen, die schon etwas zurückliegen, ihrer Zeit aber ohne besondere Beachtung geblieben sind. 140 Referate und Rezensionen, Carl Friesland, schaffen worden. Auf die verschiedenen Phasen des Griechischen und Lateinischen folgen die Romanischen Sprachen mit dem Fran- zösischen an der Spitze, das Deutsche mit dem Holländischen und Englischen, die celtische, skandinavische und slavische Sprache, von kleineren europäischen Sprachgebieten das Lithanische, Albanesische, die Zigeunersprache, das Baskische, Ungarische, Esthische und Fin- nische, von asiatischen Sprachen endlich das Arabische, Persische, Türkische, Armenische u. a. Die Flore populaire soll ihrem Charakter nach ein Nach- schlagewerk sein und die Hauptfrage bei der Beurteilung des Buches wird daher die sein, ob die Materialsammlung vollständig ist. Meine hierauf gehende Untersuchung hat sich zwar im allgemeinen auf den mir zunächst liegenden sprachlichen Bestandteil des Werkes, das Deutsche, beschränkt, es kann aber leicht nachgewiesen werden, dass die dort gemachten Beobachtungen im wesentlichen auch auf die anderen Sprachen zutreffen. Was ich, mit dem Deutschen exemplilizierend, beweisen möchte, ist, dass die Grundlagen des Werkes, so gross seine Dimensionen auch erscheinen mögen, ^) doch bei weitem nicht breit genug gelegt sind. Unter den gedruckten Quellen, auf die ein Sammler solchen Materials im allgemeinen angewiesen ist, kann man etwa folgende Gruppen unterscheiden: 1. wissenschaftliche oder mehr volkstümlich gehaltene Darstellungen und Lehrbücher der Botanik. 2. Lokalfloren. 3. Wörterbücher, besonders Dialectlexica. 4. Botanische Wörterbücher. 5. Kulturgeschichtliche Darstellungen. Aus Gruppe 1 wird man im wesentlichen die in jeder Sprache geltenden offiziellen Pflanzenbezeichnungen ent- nehmen können, aus 2 und 3 volkstümliche und provinzielle Benennungen, während Gruppe 4 in mehr summarischer Darstellung beide Kategorien aufweist und 5 folkloristische Beiträge liefert. Es ergiebt sich hieraus, dass Lokalfloren und Dialektwörterbücher recht wichtige Quellen für eine Flore populaire bilden und dass nur eine umfassende und zusammenfassende Verwendung dieser Hilfs- mittel ersehen lässt, mit welchen Ausdrücken ein Volk die hier in Betracht kommenden Objekte belegt. Denn das Vollbild einer Sprache wird erst durch die Summe ihrer Dialekte dargestellt, einen rich- tigen Begriff von der Verbreitung eines sprachlichen Ausdrucks kann man daher auch erst nach Benutzung des gesamten Dialekt- materials erhalten. Sonst sind Irreführungen unvermeidlich. Wenn z. B. bei Rolland der Name Glöckchen für Äquilegia vulgaris nur in Ostpreussen konstatiert wird, so giebt das ein falsches Bild in- ^) Die am Schluss des Bandes befindliche Liste des auteurs citis weist über 400 Werke auf! Eugene Holland. Flore populaire. 141 sofern, als dieselbe Bezeichnung auch im äussersten Westen defr deutschen Sprachgebietes, in Ostfriesland, existiert; dasselbe ist der Fall, wenn von den auch in Ostfriesland vorkommenden Ausdrücken Jungfer im Grünen und Braut in Haaren für Nigella damascena der erstere nur für Schwaben und Luxemburg, der zweite nur für Schlesien belegt ist. Welche Lücken durch die Nichtbenutzung einer einzigen Lokalflora entstehen können, mag eine Reihe bei Rolland fehlender Ausdrücke zeigen, die ich Wessels Flora von Ost- friesland entnehme : Augenblume für Anemone nemorosa, Märzröschen für Anem. hepatica, KooUje Früür für Adonis aestivalis. Knappholt für Thälictrum flavum, BoUerhlöme für Banunculus repens, Eidotter für Trollius europaeus, Kannelke für Nuphar ItUeum, Thals^ Bänke für Arahis Thaliana, Floren für Hesperis matronalis. Dazu kommen eine grosse Anzahl von Ausdrücken, die Rolland ebenfalls verzeichnet, aber für andere Distrikte. Und dabei hat er diese Gegend nicht ganz vernachlässigt, sondern ein einschlägiges Werk^) benutzt. — Auch die Dialektwörterbücher hätten vollzählig herangezogen wer- den müssen. Für Ostfriesland z. B. würde Stürenbergs Osf/riesisches^ Wörterbuch (Aurich, 1857) in Betracht gekommen sein. Dieselbe mangelhafte Benutzung der Quellen zeigt sich bei den botanischen Wörterverzeichnissen, wie folgende Liste ergiebt: Beckmann, Lexicon botanicum, Gottingae, 1801. Böhmer, De plantis in memoriam cul- torum nominatis, Lipsiae, 1 799. Bolle, Kleine Nachlese hauptsächlich mittelmärkischer Fäanjsennamen (Brandenburg ia 1895, No. 11). Dalla Torre, Die volkstümlichen Pflanzennamen in Tirol und Vorarlberg Innsbruck, 1895. Fechner, Zur Erklärung volkstümlicher deutscher Pflanzennamen, Görlitz, 1871 (Prgr.). Heufler, Botanische Beiträge zum Sprachschatz, Wien, 1852. Holl, Wörterbuch deutscher Pflanzen- namen, Erfurt, 1833. Kern er, Niederösterreichische Pflanzennamen, Wien, 1855. Köne, Ueber Form und Bedeutung der Pflanzennamen in der deutschen Sprache, Münster, 1840. Martin, Pflanzennamen der deutschen Flora, Halle, 1851. Meyer, Vergleichende Erklärung eines ungedruckten Pflanzenglossars, Königsberg, 1837. Nathlisius, Die Blumenwelt nach ihrer deutschen Namen Sinn und Deutung, 2. Aufl. Leipzig, 1869. Perger, Studien über die deutschen Namen der in Deutschland heimischen Pflanzen, 3 Teile, Wien, 1856 — 58. Regel, Das mittelniederdeutsche Gothaer Arzneibuch und seine Pflanzenr- namen, Gotha, 1873. Ulrich, Beiträge zur Bündnerischen Volks- botanik, Chur, 1896. Waldbrühl, Die deutschen Pflanzennamen ge- sammelt und gesichtet, Berlin, 1841. Wittstein, Etymologisch-bota- nisches Handwörterbuch, 2. Aufl., Erlangen, 1856. Von kultur- ^) Focke, Die volkstümlichen Pflanzennamen im Gebiet der unteren Weser und Ems. I. Bremen, 1870. 142 Beferaie und Bezensionen, Carl Friesland. :geschiclitlichen Darstellungen veimiBse ich : Brockhansen, Die Pflanzen- weit Niedersachsens in ihren Beziehungen zur Götterlehre und deni Aberglauben der Vorfahren, Hannover, 1865. Dierbach, Flora my- ihologicay Francofarti, 1833. Handtraann, Was auf märkischer Heide ^riesst, märkische Pflanzenlegenden und Pflanzensymholik^ Berlin, 1891. Kobell, Ueher Pflanzensagen und Pflanzensymholik^ München, 1876. Neidhart, Die Pflanzen in religiösery abergläubischer und volkstüm- licher Beziehung (Schwaben), Augsburg, 1867. Perger, Deutsche Pflanzensagen, Stuttgart, 1864. Pfeiffer, Die deutschen Päanzen- namen in ihrer Bedeutung für die Geschichts- und Altertumskunde (Mitteilungen aus dem Archiv des voigtländischen alteiiumsf ersehenden Vereins, 1871). Relin«: und Bohnhorst, Unsere Pflanzen nach ihren -deutschen Volksnamen, ihrer Stellung in Mythologie und Volksglauben^ in Sitte und Sage, in Geschichte und Litteratur, Gotha, 1882. Rosen- kranz, Die Pflanzen im Volksaberglauben, Kassel, 1893. Strantz, Die Blumen in Sage und Geschichte, Berlin, 1875. Warnke, Pflanzen in Sitte, Sage und Geschichte, Leipzig-, 1878. — Ganz so schlimm sieht es bei den anderen Sprachgebieten wohl nicht aus, aber starke Lücken finden sich auch dort. So erwähne ich z. B. an fehlenden botanischen Wörterbüchern: Aasen, Norske Plantenavne, Stockholm, 1860. Fries, Öfver Vexternes Namn, Upsala, 1842. Jürgens, Ety- mologisches Fremdwörterbuch der Pflanzenkunde, Braunschweig, 1878. Lindberg, De corruptione nominum plantarum, Helsingfors, 1867. Low, Aramaeische Pflanzennamen, Diss. Leipzig, 1879. Low, Ara- maeische Pflanzennamen, Leipzig, 1881. Smith, Dictionary of Popu- lär Names of the Plants, London, 1882. De Th^is, Spiegazione eti- mologica de'' nomi generali dellc plante, Vicenza, 1815. Auch fran- zösische Werke fehlen ; so die beiden wichtigen : Le Hericher, Philo- logie de la flore scientifique et populaire de Normandie et d^ Angleterre, Coutances, 1883 und Rambosson, Histoire et legendes des plantes, Paris, 1868. Diese Mängel sind übrigens vollkommen erklärlich, wenn man sieht, wie manche Werke von Rolland ganz übergangen sind, die für sein Buch grundlegend gewesen wären: so Ulrich's Internationales Wörterbuch der Pflanzennamen (Leipzig, 1872), das geradezu eine Vorarbeit für eine Flore populaire ist, und dann, was ^ebenso unfassbar, Pritzel - Jessen's Thesaurus litteraturae botanicae omnium gentium (Lipsiae, 1872), in dem sich massenweis Litteratur angegeben findet. So sind dort p. 456 — 58 botanische Wörterbücher, 458—506 Lokalfloren der ganzen Erde und 519—22 Folklore ver- zeichnet. Wenn ich besonders auf Angabe fehlender Litteratur bedacht gewesen bin, so geschah das, weil es mir leid thuen würde, wenn ein mit soviel Fleiss und Zeitaufwand begonnenes Werk, das schon jetzt des Interessanten und Lehrreichen genug bietet, auf der bis- Alfred PiUet, Die neuprovemalisehen Sprichwörter, 143 herigen schwachen Basis weitergeführt werden sollte. Dass die Ver- hältnisse für unser Sprachgebiet besonders schlecht liegen, rührt vielleicht daher, dass EoUand noch keinen Mitarbeiter für das Deutsche hat. Wenigstens ist ein solcher in der Vorrede unter den Correspondenten nicht genannt. Ich möchte wünschen, dass dem Leiter des Unternehmens aus Deutschland recht bald Unterstützung durch einen Germanisten oder Botaniker zu teil würde, zumal er in der Vorrede selbst um Mit- arbeit bittet. Die Mühe wird sich sicherlich lohnen. — Zum Schluss noch einige Fingerzeige und kleine Aussetzungen. Eine ge- wisse Ungleichheit herrscht in der Anführung der offiziellen Pflanzen- namen, die bald angegeben, bald — weil vielleicht als blosse Ueber- setzung der lateinischen Bezeichnung angesehen — fortgelassen werden. Eine geographische Anordnung der Dialekte habe ich ferner oft vermisst: man sehe z. B. das wirre Durcheinander der deutschen Dialekte unter Banunculus acris oder Cheiranthus cheiri. Zu beachten sind für später die Listes des noms de plantes envoy^es (m 1605) par Peyresc ä Glusius {Bdlr. XXXVII (1894), p. 437—442). Für Mandragora officinalis (Alraun, Sölanaceae) übersehe man nicht Philipp von Thauns Bestiaire, wo nur diese eine Pflanze behandelt wird.*) In der Liste des auteurs dies ist folgendes zu bessern: B^- ronie. Biet, ist 1823 erschienen; Boncherie, Additions 1881; Brächet Dict. in 2. Aufl. 1889; Focke, Volkstüml. Pflamennamen Teil II 1876 in Bremen; Pont, Origines in Paris. Ausserdem lese man p. 99 Eisenhvi statt Eisenhaut, 263 Godefroy st. Godefroid, 271 flammula. 2. PiUet, Alfred, Die neuprovenzalischen Sprichwörter der jüngeren Cheltenhamer Liederhandschrift. Mit Einleitung und Uebersetzung zum ersten Male herausgegeben, [Eherings Bomanische Studien I]. 130 S. 8^ Berlin, Ehering, 1897. (Teil I erschien als Breslauer Dissertation 1896). Die von Pillet herausgegebene Sprichwörtersammlung füllt Bl. 29^0 — 42ro der jetzt der Königlichen Bibliothek zu Berlin ge- hörenden, von Canello zuerst als N^ bezeichneten Handschrift. Con- stans hatte bereits mehrere dem Anfang und dem Schluss der Samm- lung entnommene Proben gegeben und aus palaeographischen Gründen als Entstehungszeit der Handschrift das 17. Jahrhundert angenommen {Bev. d. l r. XIX, 262—3). Zu demselben Ergebnis kommt Pillet ') Man vergleiche auch Pergers kleine Schrift üeber den Alraun und A. R.'s Alräunchens Kräuterbuch, 3 Teile, München und Augsburff, 1882—84. 144 Referate und Eezensionen. Carl Friesland, mit Hülfe einiger in den Sprichwörtern erwähnter geschichtlicher Ereignisse, die wenigstens einen terminus post quem festzulegen gestatten, aber für eine genauere Datierung allerdings nnznreichend sind. Weitere Anspielungen auf einzelne Orte der Provence und der südlichen Dauphin^ lassen den Verfasser in jener Gegend die Heimat der Sammlung vermuten. Da er aber mit diesen Mitteln Genaueres über Ort und Zeit ihrer Entstehung nicht zu konstatieren vermag, nimmt er ihre sprachliche Gestaltung zu Hülfe. Zuvor wird jedoch noch die Quellenfrage erledigt (p. 7 — 13). Der Beweis, dass ein Abhängigkeitsverhältnis unserer Sammlung zu den bereits gedruckt vorliegenden südfranzösischen Sprichwörtersammlungen nicht besteht, ist dem Verfasser wohl gelungen. Hiergegen sprechen gewisse Aehnlichkeiten im Sprichwörterbestande deshalb nicht, weil sich Zusammenstellungen solchen Materials, die etwa zu gleicher Zeit und in derselben Gegend entstanden sind, notwendig in manchen Punkten berühren müssen. Erledigt ist diese Frage indes damit nicht, da noch mehrere ungedruckte Sammlungen vorhanden sind (vgl. Eoque - Ferrier Eev, d. l. r. VI, 296 u. Pillet p. 14 Anm.). Die Angaben des Verfassers über die gedruckten älteren Sammlungen sind nicht in allen Punkten genau und vollständig, so dass ich hier noch einmal eine kurze Uebersicht dieser Litteratur gebe, über die sich bereits bei Duplessis, Bibliographie paremiologique (Paris 1847) p. 212 ff. (von Pillet augenscheinlich nicht benutzt) und bei ßoque- Ferrier l. c. einzelne Angaben finden: 1. Lous Moutets Guascons deou Marclian. Eine Sammlung von 616 gascognischen Sprichwörtern, enthalten auf p. 129 — 195 des 1607 zu Toulouse erschienenen Buches des Sprach- lehrers Voltoire Le Marchand, traictant des proprietejs et par- tioularitez du commerce et negoce. Einen Auszug aus der Samm- lung veröffentlichte Brunet unter dem Titel: Änciens proverbes basques et gascons, recueiUis par Voltoire et remis au jour par G. Brunet. Paris 1-45. 2. Auflage, Bayonne 1873. Ein genauer Abdruck der Sammlung findet sich dagegen bei Du- plessis l. c. p. 444—78. 2. InverUaire alphabetique des proverbes de Languedoc. Eine Sammlung languedocischer Sprichwörter, angelegt von dem Juristen ßulman vor dem Jahre 1627. Blieb Manuscript und wurde dann 1880 von Mazel ediert Eev. d. l. r. 3* s^rie, III, 42 ff.; separat: Montpellier 1882. 3. Discours de Garamantran a baston romput. Eine Sammlung provenzalischer Sentenzen und Sprichwörter, enthalten auf den Seiten 43, 60, 71 und 86 des zweiten Bandes von Claude Brueys Jardin deys Mmos provensalos (Aix, 1628, 2 Bde.) Der Neudruck des Jardin von Mortreuil (Marseille 1842) umfasst nur den ersten Band. Friesland, Vergdchnisd. seit 1847 erschien, Samml. fr^.Sprichw, 145 4. La Bugado provengalo. Eine Sammlung von 1894 proven- zalisclien Sprichwörtern, etwa 1660 ediert, wieder abgedruckt in dem 1665 erschienenen Jardin deys Mtisos provengälos. Einen Neudruck veranstaltete der Verleger Macaire, Aix 1859, {Bibliotheque provengäle Bd. I). Von diesen gedruckt vorliegenden vier ältesten Sammlungen ist Nr. 3 von Pille t nicht berücksichtigt; in einem Abhängigkeitsver- hältnis zu den Discours scheint mir indessen unsere Sammlung nicht zu stehen, da jene nur zum Teil Sprichwörter enthalten. Die Darstellung der Laut- und Formenlehre der Sammlung auf p. 16—83 ergiebt, dass die Hs. der Provence entstammt und speziell die marseillische Mundart wiedergiebt. Zu diesem Eesultat gelangt Pillet allerdings auf einem sehr weitläufigen und den Leser ermüdenden Umwege; die auf fünfzehn Seiten zusammengestellten „Schlussfolgerungen" hätten völlig genügt. Statt dessen wäre eine umfangreichere litterarische Behandlung der auf p. 85 — 126 abgedruckten und mit deutscher üebersetzung versehenen 573 Sprichwörter sehr wünschenswert gewesen. Die Bugado. von deren Sprichwörtern etwa 150 gleich oder ganz ähnlich lauten, ist weniger zum Vergleich als zur Konstatierung eines eventuellen Abhängig- keitsverhältnisses herangezogen werden. Einige andere Publicationen sind in den Anmerkungen (p. 127 — 130) nur für vereinzelte Sprich- wörter verwendet. Und doch weist eine beträchtliche Anzahl süd- französischer Sprichwörtersaramlungen eine ganze Eeihe von Berührungspunkten auf. Der Eecueil de proverbes provengaux von de la Tour-Keyrie (Aix, 1882) enthält z. B. etwa 30 gleich oder ähnlich lautende Sprichwörter (so zu Nr. 3, 59, 65, 154, 209, 212, 225, 227, 264, 272 u. a). Eine genaue Durchsicht dieser Litte- ratur — soweit sie für uns erreichbar ist — wird auch dazu bei- tragen, in manche bisher dunkle Wendungen Licht zu bringen. Unter Benutzung des in dieser Zts. XVIII^ 221 zusammengestellten Materials, speziell der Nummern 144 — 215 (wozu man die Nach- träge beachte) ist in diesem Punkte die Arbeit eigentlich noch fast ganz zu machen. 3. Friesland, Vereeichnis der seit 1847 erschienenen Sammlungen französischer Sprichwörter (diese Zts. XVIII (1896), 221— 237; Nachträge XIX, 122—123). Eine Kritik dieser Bibliographie ist schon deshalb ausge- schlossen, weil sie in dieser Zeitschrift erschienen ist. Es mag aber darauf hingewiesen werden, dass sie die Fortsetzung des 1847 erschienenen Werkes von Duplessis, Bibliographie parhniohgigue darstellt, kritische Anmerkungen zu jeder Nummer, wie Duplessis Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX« 10 146 Beferate und Rezensionen, Carl JEriesland. sie hat, indes nicht enthält. Machte die Bibliographie paremiolo- gique die entsprechenden Werke von Nopitscli (1833) und H6cart (1841) entbehrlich, so geschieht durch vorliegendes Verzeichnis dasselbe mit der Sprichwörterbibliographie, die in Leroux de Lincy's Livre des proverbes fran^ais, Band II (2. Auflage, 1859) enthalten ist. — Hier seien noch einige Verbesserungen und Nachträge zum Verzeichnis anjiefügt. Nr. 36 (Zeuchner) ist in 3. Auflage 1897 erschienen, Nr. 147 und 149 lies Guascous, 148 Brunei, von 238 sind drei Fortsetzungen erfolgt, in Melusine VIII (1896), 5, 6, 7. Neu kommen hinzu : 7a. Strafforello, La sapienza del mondo, owero Dizionario universale dei proverbi di tutti i popoli, raccoUi, comparati e commentidi. Mailand 1868. — 19b. Mariette, French and english idioms and proverbs. Paris 1895 — 97. 3 Bde. — 36. b. Alexandre Le musee de la conversation. 2. Auflage. Paris 1896. — 88a. Payen, French idioms and proverbs: a companion to BeshumberVs Dictionary of difficulties. London 1893. — 91a (zu c.) Sprich- wörter bei Chrestien de Troyes in: Holland, Crestien de Troyes^ p. 264—71. Tübingen 1854. — 91b (zu c.) Sprichwörter bei Gilles de Muisis in: de Lettenhove, Poesies de G. de M. II, 377. Löwen 1882. — 185a. Garnier, Pensees morales, sentences, maximes, adages, proverbes des XVI^ ,XVII^ et XVII B siecles. Turin 1881— 127a. Colson, Les almanachs popidaires X. {Rdtrp. XI (1896), 620). — 142b (Absatz!). Memento scatoparemiologique. Catalogue de sentences, proverbes, dictons etc. emanes des lettres (in: Jannet, Payen et Veinant, Bibliotheca scatologica. Paris 1850). — 201a. Ricard, Les proverbes de mon pays natal (ville et canton de la Ciotat). Marseille 1893. — 201b. Pillet, Die neuprovenzalischen Sprichwörter der jüngeren GheUenhamer Liederhandschrift. Mit Einleitung und Uebersetzung zum ersten Male herausgegeben. Berlin 1897. (Eherings Bomanische Studien I). Teil I erschien als Breslauer Dissertation 1896. — 217a. Rivi^re, Quelques dictons et proverbes de Saint- Maurice — de VExil (Isere). (Bdlr, XL. (1897), 35). — 221a. Beauquier, Blason populaire de Franche - Gomte. Paris 1897. Schliesslich mag noch darauf hingewiesen sein, dass für südfran- zösische Dialektsprichwörter die massenhaften Almanachs eine reiche Fundgrube sind. 4. Weckerlin, J« B., L^ancienne chanson populaire en France (16^ et 17^ sihcU). Avec pr6face et notices. XXXVII u. 534 p. 8«. Paris, Garnier, 1887. Der Verfasser dieses reichen Liederschatzes hat sich durch die Herausgabe einer mit Melodien versehenen Sammlung von Chansons populaires des provinces de la France, einer ebensolchen cfAvTil, Chansonnier frangais ä Vusage de la jeunesse. 1 47 von Chansons et rondes enfantines und anderer Arbeiten bereits vorteilhaft bekannt gemacht. Als Quelle haben ihm im vorliegenden Falle gegen achtzig jm 16. und 17. Jahrhundert jiedruckte und jetzt meist dem Bestand der Nationalbibliothek angehörige Lieder- sammlungen gedient, die höfische und volkstümliche Lyrik in gleicher Weise enthalten. Dies Material ist in der Einleitung zu einer Bibliographie Chansonniere zusammengestellt und nach dem Erscheinungsjahr angeordnet; jede Sammlung trägt an der Spitze einen grossen oder kleinen Buchstaben, vermittelst dessen sich nachher im Text die Herkunft der Lieder kürzer angeben lässt, als wenn der ganze Titel erst genannt werden muss. Unter dem richtigen Gesichtspunkt, dass die französischen Liederhandschriften zumeist Erzeugnisse höfischer Lyrik enthalten, hat sich Weckerlin an jene Drucke als an eine Quelle gewandt, in der der Strom der Volksdichtung lebendiger und reichlicher fliesst, und hat aus jeder Sammlung nur wirkliche Volkslieder in beliebiger Anzahl geschöpft. Daneben ist in wenigen Fällen handschriftliches Material benutzt, in etwas höheren Masse sind die modernen Sammlungen von Ampere, Beaurepaire, Haupt und wenigen anderer herangezogen worden; eins der Lieder {Allons, partons, belle^ partons pour la guerre) ist den Chouans von Balzac entnommen. Die so entstandene statt- liche Sammlung von etwa 350 Nummern ist alphabetisch geordnet. Eine zeitliche Gruppierung war deshalb nicht möglich, weil das Vorhandensein eines Liedes in einer datierten Sammlung einen Schluss auf seine Entstehungszeit durchaus nicht zulässt, sondern nur den terminus ante quem festlegt. Gehört daher auch das Quellenmaterial unserer Sammlung dem 16. und 17. Jahrhundert an, so enthält sie trotzdem, eine ganze Reihe von Liedern aus der vorangehenden Zeit. Abweichend vom Titel hat Weckerlin infolge- dessen auch über die eigentliche Sammlung die üeberschrift Chan- sons populaires des XV^, XVI ^ et XVII ^ siecles gesetzt. Ohne Rücksicht auf die sonst wohlberechtigte alphabetische Anordnung sind Lieder geringen ümfangs öfter mit anderen derselben Sammlung vereinigt; doch wird diese kleine Inconsequenz durch eine Table alphabetique wieder ausgeglichen. Dem Umfange entspricht auch der reiche Inhalt der Sammlung; kaum eines der von Scheffler berührten Genres fehlt darin. Von Melodien hat sich bei Volks- liedern naturgemäss viel weniger aufgezeichnet erhalten als bei der höfischen Lyrik; einzelnes ist uns aber doch überkommen und diese Weisen — 30 an der Zahl — hat Weckerlin in sehr dankens- werter Weise im Anhang beigegeben. Die einzelnen Lieder sind mit kurzen sprachlichen und sachlichen Bemerkungen versehen worden; dazu ist die Sammlung durch vier Bilder ausgestattet, die im Stil der in Betracht kommenden Zeitepoche gehalten sind. Sie 10* 148 Referate und Rezensionen, Carl Frieslaud. illustrieren die Lieder Ä Andely sur Seine, Enfans, enfans de Lyon, Jean de Nivelle a frais enfants und Suzanne un jour d^amotir sollicitee. Weckerlins Sammlung kann allen Freunden des franzö- sischen Volksliedes auf das wärmste empfohlen werden. 5. d'Avril, Chansonnier frangais ä Vtisage de la jeunesse, 182 p. 8^ Paris, Leroux, 1892. Bei der Zusammenstellung vorliegender Liedertexte hat d'Avril nicht nur aus dem Born des eigentlichen Volksliedes geschöpft, sondern auch diejenige kunstmässige Lyrik berücksichtigt, die wegen ihres volkstümlichen Textes oder ihrer Sangbarkeit allgemein recipiert worden ist. Die mitgeteilten 83 Lieder sind nach sechs Gruppen geordnet: Chants guerriers — Complaintes — Romances — Chansons plaisantes — Randes bretonms et autres — Rondes et Chansons enfantines. In den beiden letzten Abschnitten finden wir naturgemäss ausschliesslich Volkslieder, so von bekannteren: A la claire fontaine, Chanson de la mariee, Four cueülir le cresson, Giroßce Girofla, Guilleriy Yous n'irons plus au hois, Savee-vous planter les chonx, Le petit mari u. a. Die Complaintes stellen sich nur in zwei Vertretern dar, einem volkstümlich gehaltenen Liede über den Juif errant und den bekannten Malborough- Versen. In dem ersten, dritten und vierten Abschnitt tritt die Kunstlyrik mehr hervor; wir finden dort von älteren Dichtern: Charles d'0rl6ans mit zwei Liedern Expulsion des Anglais, Le printemps und Maria Stuart Adieu, puissant pays de France, von modernen: Delavigne Choeur de Charles VI, Chateaubriand La rive africaine, Les Sou- venirs, Scribe Les pecheurs, Beranger Les Souvenirs du peuple, Le roi d'Yvoetot, Sedaine üne fievre hrülante, Fahre d'Eglantine II pleut, bergcre, Desaugiers Bepart pour Saint-Malo und einige andere weniger bekannte Dichter. Daneben findet sich dann das volkstümliche Element, so in Abschnitt I in den Liedern Monsieur de Charette, Fanfan la tulipe, As-tu vu la casquettef, in III Le Robin des bois, La dot d^Auvergne, La mere Bontemps und in IV Au clair de la lune, La mere Michel, Marie, trempe ton pain u. a. Die ganze Sammlung ist hübsch zusammengestellt und, was Ab- schnitt I betrifft, ohne jeden Anflug von Chauvinismus. Ausgestattet ist das Buch mit mehreren, nach mittelalterlichen Darstellungen gearbeiteten Abbildungen von Eoland, der Jungfrau v. Orleans, dem ewigen Juden u. s. w. Da ausserdem alle irgendwie anstössigen Stellen entfernt sind, bedeutet d'Avrils Liedersammlung eine wirklich erfreuliche Gabe für die französische Jugend. Chants populaires pour les ecoles. 149 6. Chants populaires pour les ecoles. Po6sies de M. Bouchor. Melodies recueillies et notees per J. Tiersot. Troisieme edition. 81 p. 4^ Paris, Hachette, 1896. Diese Chants populaires verdanken ihr Entstehen einem Wett- bewerb, den die Correspondance generale de Vlnstruction primaire für die beste Sammlung von Schulgesängen eröffnet hatte und aus dem Bouchor. als Sieger hervorging. Abgesehen von der National- hymne, die dem ganzen vorangeht, enthält die Sammlung also lauter neue Texte, die auf französische Volksliedermelodien ^zuge- schnitten sind. Gesammelt und mit Noten versehen hat diese meist dem Norden des Landes, speziell der Bretagne entnommenen Weisen der durch seine Histoire de la chanson populaire en France bekannte J. Tiersot. Die ersten 17 Lieder behandeln ernstere Themata: Vaterland und Familie. Der Stil, in dem die Texte dieses Ab- schnitts im allgemeinen gehalten sind, ist für unser Gefühl zu prunkhaft und zu wenig kindlich; Corneilles Phraseologie ist reichlich in Anwendung gebracht. Das zeigt sich vor allem bei dem einleitenden Chant des ecöliers franqais und den drei folgenden patriotischen Liedern. Nr. 5 — 10a preisen einzelne Provinzen, so 5 die Bretagne, 6 die Gascogne, 7 Savoyen, 8 die Provence, 9 Flandern, 10 und 10a — last, not least — sind eine Chanson d^Alsace und eine Chanson pour VÄlsace, Der Schlussvers von 10 lautet : Ah\ Vienne Vheure sainte Qui sechera t^ yeu>x! AlorSy cessant la plainte Nous chanterons joyeux^ Jühe ! Nous chanterons joyeux 1 Nr. 10a schliesst: Äprbs ce long supplice Un temps meilleur viendra. Le jour de la justice Pour toi se lh)era^ Jühe\ Pour toi se leveral Ohne das geht es nun einmal in einem ordentlichen französischen Unterrichtsbuche nicht! So fürchterlich schlimm scheint es aber nicht gemeint zu sein, denn nachdem in drei weiteren Liedern des Tapferen Preis gesungen, wünscht der Dichter in Nr. XIV {Hynme des temps futurs) : Paix et joie ä tous les hommes Dans les si^cles ä venirl 150 Referate und Be^etisionen, Josef Frank, Die sich daranschliessenden Lieder Ämour filicU, La Fete des morts, La fin du juste (15 — 17) verherrlichen die Familie, sie sind ernst gehalten und frei von Wortschwall. Sehr hübsch und poetisch auch von Wert sind die fröhlichen Weisen der Lieder 18 — 37; sie schildern das Leben des Landmanns und des Fischers, gedenken der Feste mit ihren Bräuchen, preisen den Frühling und lehren das Dasein von der heiteren Seite auffassen. Der Volkston ist hier meistens ausgezeichnet getroffen. Man möchte wünschen, dass diese ansprechenden Lieder nun auch wirklich Wurzel fassen und rechte Verj^reitung finden ; den verheerenden Wirkungen des Gassenhauers kann nur dadurch entgegengearbeitet werden, dass der Sinn für gute, sangbare Poesie schon in der Schule geweckt wird. 7. Engel, E., Geschichte der französischen LiUeratur von ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. 4. Auflage. 560 p. 4^ Leipzig, Baedeker, 1897. Engels Litteraturgeschichte soll deshalb kurz erwähnt sein, weil sie in einem besonderen Kapitel der französischen Volksdichtung einen, wenn auch geringen, Raum gewährt (p. 526 — 539). Der hier gebotene Abriss beruht naturgemäss nicht auf eigener Forschung, sondern ist im wesentlichen nach Scheftiers Buch gearbeitet. Engel bespricht zunächst die Schicksale, welche die französische volks- tümliche Dichtung in den letzten Jahrhunderten hat durchmachen müssen, geht dann unter Hinzuziehung von Beispielen die Haupt- gattungen des Volksliedes durch und schliesst den Abschnitt mit einigen Bemerkungen über das Volksmärchen. Dem, der nur einen ganz flüchtigen Einblick in die französische Volksdichtung thun will, ist dieser Abriss jedenfalls willkommen; da Engels Buch in Laienkreisen viel gelesen wird, ist der Erfolg des Kapitels vor allen Dingen der, dass man bei uns einen etwas richtigeren Begriff von diesem Teil der französischen Litteratur erhält. Vielleicht veranlasst auch die dem Abschnitt beigegebene Zusammenstellung der Hauptquellenwerke manchen, sich mit dem anziehenden Gegen- stande näher zu beschäftigen. Leer (Ostfriesland). Carl Friesland Gireux, F., Le premier texte manuscrit de la Satyre Menippee d^ apres deux „Copies ä la main'^ de la Bihliotheque Na- tionale. 78 S. 8^ [Das Titelblatt trägt keine Jahreszahl, die Vorrede ist mit „Laon, 1«^ Octobre 1896" datiert.] Wenn Giroux seine Vorrede mit den Worten beginnt: Jl n^est d^ouvrage plus connu que la Satyre Minippee, so können wir Giroux, Le premier texte manuscrit de la Satyre Menipee. 151 ihm hierin nicht g^auz beipflichten, da, soweit unsere Erfahrung reicht, mindestens in Deutschland die Kenntnis dieses satirischen Meisterwerkes sich meist lediglich auf die in den Handbüchern der französischen Litteratur mit verdächtiger Regelmässigkeit immer wieder citierte Stelle : 0 Paris qui n'es plus Paris mais une spelun- que de bestes farouches etc. beschränkt. Dagegen stimmen wir ihm vollkommen bei, wenn er weiter sagt: Mais en connatt on bleu la sourcef Les c^irieux et les lettres eux memes sont-ils ä cet egofvd bien renseignes f Je ne le pense pas. Es ist auch ebenso seltsam als bedauerlich, dass die auch früher schon spärliche Forschung auf diesem Gebiete schon seit mehr als einem Decennium unseres Wissens vollständig feiert und daher nicht um einen Schritt vor- wärts gerückt ist, obgleich hier noch so vieles Dunkle und Fragliche einer Klärung und Lösung harrt. Dagegen scheint uns die Kürze recht deplaciert, mit der G. die Vorarbeiten Lelongs, Ch. Labittes, Aug. Bernards und Charles Reads abfertigt. Wenigstens, was Ch. Read betrifft, ist es unverzeihlich, dass G., anstatt die Verdienste desselben um die Menippeefor^dmng rühmend hervorzuheben, ihm nur mit den Worten: Mais ne Va-t-il pas lu d^un oeü quelquefois distrait ? etwas am Zeuge zu flicken sucht. Nicht als ob Ch. Reads Auseinandersetzungen über den texte primitif über alle An- fechtung erhaben wären. Referent selbst hat ja in seinen eigenen Publicationen über die Satyre Menipee wiederholt Gelegenheit ge- habt, Read Irrtümer und Flüchtigkeiten nachzuweisen! Dies kann aber die Thatsache kaum abschwächen, dass Ch. Read zur Menippee- forschung erst recht den Grund gelegt hat. Dass Herr G. die Bei- träge aus deutschen Federn über den in Rede stehenden Gegen- stand offenbar nicht kennt, wollen wir nur kurz anmerken, da man sonst einen bitteren Tadel auf Rechnung gereizter persönlicher Empfindlichkeit unsererseits schreiben könnte und da es noch immer zu den traurigen Vorrechten mancher französischer Autoren zu gehören scheint, deutsche Studien vornehm zu ignorieren. Im Gegensatze zu Ch. Read, der in seinen Arbeiten die so wichtige Frage über die Autoren und die Abfassungszeit der Menippee gründlich erörtert, scheint sich G. an diesen dornigen Problemen beinahe vorbeidrücken zu wollen und die in seinem Versprechen; tPetudierai plus tard le celebre pamphlet developpe gelegene Perspec- tive auf eine unbestimmte Zukunft, kann in uns das Gefühl der Enttäuschung, so leer auszugehen, nicht erheblich verringern. Trotzdem sei es anerkannt, dass die Veröffentlichung eines zweiten bisher unbekannten Manuscripts des texte primitif der Sat. Men. recht verdienstlich ist. Das die wissenschaftliche Ausbeute des- selben zur Aufhellung der am meisten umstrittenen Punkte unseres Dafürhaltens keinen besonderen Gewinn bringen wird, darf nicht 152 Beferate und Bezensionen, Josef Frank, Herrn G. aufs Kerbholz geschrieben werden. Es soll vielmehr ausdrücklich hervorgehoben werden, dass G. die beiden bis nun be- kannten Manuscripte des texte primitif mit einander soigfältig ver- glichen und das seine Ausgabe gegenüber der Ch. Reads manche Ver- besserung aufzuweisen hat. Er rechtfertigt die von ihm vorge- nommenen Aenderungeu in einem beigegebenen Appenclice critique «nd dieser soll besonders den Gegenstand unserer weiteren Be- sprechung bilden. Während Ch. Read seiner Textausgabe Nr. 8933 {fonds Be- ihune) zu Grunde legte, folgt G. dem Wortlaute von Nr. 20153 {fonds Ste-Marthe). Auffallen muss es, dass G. fälschlich bei der Erwähnung von Reads Originalvorlage Nr. 4001 (anstatt 8933) citiert. (Wir werden uns im weiteren Verlaufe dieser Anzeige zur Ver- einfachung folgender Abbreviaturen bedienen: B := Manuscript Bethune; S. M. = Manuscript Ste Marthe; Ch. R. = Charles Read-, t. pr. = texte primitif.) — Es ist G. entgangen, dass das von Ch. R. benützte B auf dem Titelblatte an der Spitze die Notiz trägt: A dono Domini de Figny dodoris m^dici und am Fusse das schöne Motto: Ridentem dicere verum quid vetctt? Wenn G. selbst zugiebt dass das Ch. R's. Text zu Grunde liegende B sans contredit le meilleur sei, während er seine eigene Vorlage des S. M. als sur- charge et tres fautif bezeichnet so hat das sehr seine Richtigkeit und die Rückseite des Titelblattes des B trug schon aus sehr früher Zeit von unbekannter Hand (Ch. R. meint von der Bethunes) die Bemerkung : Cet exemplaire est le plus ßdele. Les imprimes smit pleins d'additions ineptes. Die in B. und S. M. gleichlautenden Worte: Jotixte la relalion de Madmoiselle de la Lande Messieurs Dormy et Victon glaubt G. dahin emendieren zu müssen, dass er die beiden letzten Namen durch de Rosny et Victry ersetzt, welche ligistische Convertiten gewesen sind. Zugegeben, dass die beiden gemeint sind (und dafür spricht, dass de Rosne in der Rede des Mr. de Lyon als penitent giis bezeichnet wird) müssen die ent- stellten Namen Dormy et Victon noch immer nicht (wie G. be- hauptet) auf eine Nachlässigkeit des Abschreibers zurück- zuführen sein. Es wäre sonst schwer verständlich, dass die beiden Copisten von B. und S. M. die Namen in ganz gleichlautender Form verunstaltet hätten. Es wird dies vielmehr so zu erklären sein, dass die Menippee&vitoren sehr ängstlich zu Werke gingen und (wie man an mehreren Beispielen nachweisen kann) es liebten, die Namen der Angegriffenen unter einer mehr oder weniger dünnen Verschleierung wiederzugeben. Sie pflegten auch die Namen solcher, die in der letzten Zeit reumütig aus der Liga ausgetreten waren, ganz zu eliminieren und durch willkürlich fingierte zu substituieren. Sehr instructiv ist in dieser Beziehung der ümstand,^ Giroux, Le premier texte manuscrit de la Satyre Mennipee. 153 dass die Stelle in der erweiterten Menippeeausg.abe lautet: Tire des Memoires de Mademoiselle de Ja Lande alias la Bayon- naise et des secrettes confahulations d^elle et du pere Commelaid. Wie man sieht, sind also die beiden Namen Dormy et Victon hier ganz unterdrückt; es muss also hierfür ein besonderer Grund vor- handen gewesen sein. Der Name Commelaid, der in einigen Ausgaben auch Com melait lautet (während der Jesuit thatsächlich Commelet hiess) beweist wie die MenippSesmioren mit den Eigen- namen umsprangen, besonders wenn dieselben zu einem Wortspiele reizten. G. hat also mit seiner obigen Vermutung sicherlich Un- recht. — Sowohl B. als S. M. haben den Wortlaut bigarrement- , üz für ils vor Vocal ausführlich mitteilt: „Grande dispute au snjet de cette prononciation entiere dans le style soütenu et dans les vers, üs ont ditj encore est-il quelqu'un qiii r6clame; aussi est-elle d^ailleurs entierement bannie du discours ordinaire, dans lequel on panche tousjours k re- trancher ; reste donc äs (javoir s'il faut prononcer il ont dit ou is ont dit, car en fecrivant il ne faut rien changer. Plusieurs ont traitfe de bar- t)arisme en prononciation is ont dit, is ont fait; d'autres disoient que c'estoit le meilleur, et en alleguoient une raison tres naturelle, qui est x^u'au singulier et mesme au pluriel quand il n*y a point de voyelle, il se prononce comme sMl n'y avait qu'un t, i dit partout j i racontent qu^un jour, «t quand il se trouve une voyelle, cet i s^accompagne de Vs et on la prononce comme un z, de mesme qu*en tous les pluriels . . A ce raison- nement ass§s specieux on a r^pondu que 17 et IV, et quelquefois Tn, qui sont des liquides, ne perdent point leur prononciation au pluriel quand elles sont finales, au lieu que les autres consones la perdent presque tousjours . . . Par consequent ä üs il faut tousjours prononcer 17, dans le discours familier, ü ont dit, et dans le style soustenu, ils ont dit.^^ Im F. Beyer, Französische Phonetik für Lehrer und Studierende. 169 der von P. Passy au der ersten Auflage gerügten üeberschwenglicli- keit gefeiert werden. Da erfahren wir auf S. 5, dass Klinghardts AHikulationsühungen (s. Zs. XIX^ 223 ff.) „eine Fundgrube lehrreicher Beobachtungen für den praktischen Neusprachler, der es mit seiner Aufgabe ernst meint, unentbehrlich" sind, und wird auf S. 78 „wiederum eindringlich auf das früher erwähnte Kling- hardt'sche Buch aufmerksam" gemacht. Auf S. 100 wird Michaelis- P. Passy's Blctionnaire phonetique (s. o.) gefeiert, das „eine Fund- grube wertvollen statistischen (!) Materials bildet, und ausserdem berufen ist, in die Orthoepie des heutigen Frankreich heilsame Klarheit zu bringen," und das darum B. „den Fachgenossen aufs wärmste" empfiehlt. S. 204 wird auf die ,,fein umschriebenen aus- giebigen Texte" der J. Passy -Rambeau'schen Chrestomathie verwiesen, „ein Werk, auf dessen Bedeutung B. die Aufmerksamkeit der neu- philologischen Kreise, zunächst an dieser Stelle, hinlenken möchte." S. 211 erhält J. Storm's Englische Fhilologie, „das berühmte Buch des nordischen Gelehrten", ihr Lob, deren Verfasser „neben eminenter Sachkenntnis, die ihm einen weiten, klaren Blick gestattet, bewunderungswürdigen Scharfsinn in der eindringlichen Erforschung der schwierigsten Probleme" zeigt. Seine ,, Beiträge gehören unzwei- felhaft zu dem Bedeutendsten, was die französische Lautwissen- schaft aufzuweisen hat. Für den Studierenden werden sie eine Fundgrube von Belehrung sein." Es ist das die dritte „Fundgrube." Zu diesen Lobpreisungen, die an den Buchhändlerkatalog erinnern, innerhalb der jungphonetischen Kreise aber etwas ebenso natürliches zu sein scheinen wie den Felibern ihre gegenseitige poetische Ver- herrlichung, gesellen sich zahlreiche überflüssige Anführungen und Berufungen auf die Aussprüche dieser und anderer gefeierter Mit- Laufe des 18. Jahrhunderts ist dann endlich die altfranzösische Form il für ils vor Vocal ausser Gebrauch gekommen, so dass in unserm Jahrhundert für diesen Fall nur noch das der Vortragssprache angehörige ils (phon. il-z) und das der Umgangssprache an gehörige i-z verbleiben, wie es schon F6raad (1761) für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts behauptete: „dans le discours soutenu on prononce VI et Vs; dans la conversation on ne prononce que Ts." Es ist natürlich auch hier unrichtig, die eine Aussprache auf Kosten der andern als die mustergiltige oder allein übliche hinzustellen. — Wie bei il und ils be- ruht auch bei quelqvte die Aussprache bez. Nichtaussprache des l auf einem mittelalterlichen lautlichen Vorgange. L vor qu (k) werde gegen Mitte den 12. Jhr. zu unsilbigem u (y^) und bildete mit dem vorausge- henden c den Diphthongen eu. Da eu der Regel nach in der Schrift bleibt, in der Aussprache zu cß wird, sollte man heute eine Form queuque (phon. kcek) erwarten. Aber die Erinnerung an alleinstehendes quely an quel . . . que etc. störte die normale Entwicklung; das u des neugebildeten Diphthongen eu ging frühzeitig verloren, und so entstand schon in afrz. Zeit das heute durch die Elementar- und Schulphonetik wieder in Erinnerung gebrachte kek (kek). Doch trat schon in 170 Eeferate und Rezensionen. E. Koschwitz. forscher. In einem Elementarbuch, das sich nicht den Nebenzweck stellt, den Lesern Anleitung zu selbstündiger Weiterforschung zu gewähren, sind diese zahlreichen panegyrischen oder polemischen in Kleindruck beigegebenen Erläuterungen nicht an ihrem Orte. Das dort Vorgetragene war entweder in den Grundtext einzuar- beiten oder wegzulassen. Sollte aber das Buch des Verfassers eine Anleitung zur Weiterforschung gewähren und darum auch in den gegenwärtigen Stand von Streitfragen einführen, dann musste consequent nach jedem Capitel nach den dogmatisch vorgetragenen Elementen diese Einführung gegeben und die einschlägige Litteratur vollständig und ohne Parteinahme vorgeführt werden. Durch die mehr gelegentlichen, als Anmerkungen gegebenen Einschaltungen, die den Charakter des Werkes als eines Lehrbuches unterbrechen, ist dessen Einheit und Einheitlichkeit in der neuen Auflage noch mehr als in der ersten gestört worden. Und mit dieser mangel- haften Anlage des W^erkes verbindet sich auch diesmal die gleiche Vernachlässigung des Stiles. Ein Lehrbuch sollte auch immer ein Muster von Knappheit und Klarheit des sprachlichen Ausdrucks sein. Dem Verfasser fehlt selbst eine consequente Terminologie, und er hält an Bezeichnungen (wie guttural für velar, palatal für laminar) fest, deren Nichtigkeit ihm unmöglich entgehen konnte. Die Velaren g^ k, / sind nimmermehr Kehllaute (gutturales), und ein Phonetiker hat keine Verpflichtung, veraltete irrtümliche Grammatikerbezeichnungen fortzuschleppen. Man braucht auch nicht in den Purismus Trautmanns zu verfallen ; aber ein deutscher Phonetiker sollte sich doch dessen bewusst sein, dass seine Wissen- schaft wesentlich deutschen ürsprungsist, und er sollte darum auch keine fremden Quellen anführen, wenn es an älteren deutschen Gewährs- niittelfranzösisclier Zeit mit diesem kek (mit geschlossenem oder olfenem e) auch ein quelque mit analogisch oder um seiner Orthographie willen wieder gesprochenem l in Wettbewerb. Die von Thurot II, 263 angeführten (irammatik< rzeugnisse zeigen, dass im 16. Jh. die /-lose Aussprache noch durchaus das Ueberge wicht besass. Noch Lartigaut (1669) be- hauptete: ,,dans quelque, ponr bien parier, on no la (17) pr'»nonce jamC"^.'* Dafür erliielt er und seine Gesinnungsgenossen von Riehelet (1680) die Zurechtweisung: ,.il se trouve des rafineurs qui soutiennent qu'il faut prononcer kecun et fceque. Oes messieurs les rafineurs sont de francs provinciaux, et il n^en faut pas davantage pour assurer quo'n ne prononcera point mal, quand on fera sentir la lettre l . . Tous les Parisiens qui parlont bien les prononcent ainsi et, par consequent, tant pis pour ceux qui s'opiniätrent sotement ä les prononcer d'une autre faQon". Aber auch Riehelet bleibt nicht olme Widerspruch. Alemand (1688) hält ihm vor: ,,M. Riehelet . . . decide un peu trop fortemenr. contre ceux qui ne veulent pas qu'on prononce une l dans quelquhiny quelque^ quelqu^une, et qui disent quequ^un, quequCy quequ'une; car ces personnes ne sont poinr de francs provinciaux. comme il le dit: ce sont des personnes polies de la com* et de la ville, qui prononcent presque F. Beyer. Französische Phonetik für Lehrer und Studierende. 171 männern nicht fehlt, und seine Sprache nicht mit unnützen fremd- sprachlichen Flicken entstellen. Die Manie möglichst viele, wenn möglich ausländische Vertrauens- und Gewährsmänner mit oder ohne Epitheton ornans zu eitleren, scheint eine Kinderkrankheit aller deutschen Jungphonetiker zu sein; die fremdländischen Phonetiker derselben Eichtung sind darin unendlich zurückhaltender, namentlich ihren deutschen Gewährsmännern gegenüber. Man findet bei ihnen im Gegenteil eher eine gewisse Neigung, die deutsche Arbeit herab- zusetzen oder mit Stillschweigen zu übergehen. Diese Sucht, siclv für allgemein bekannte Dinge auf Autoritäten zu berufen und mit überflüssigen Personenanführungen herumzuwerfen, verringert zu- gleich das Vertrauen auf den Inhalt des gelesenen Werkes und bringt den Verfasser in Verdacht, entweder seiner Sache nicht recht sicher zu sein oder mit seiner Belesenheit und seinem Bekannten- kreise prunken zu wollen. Des Verfassers Vorliebe aber, englische Fachausdrücke entweder in Parenthese oder allein zu verwenden, ist eine Eücksichtslosigkeit gegen seine Leser, von denen manche gewiss kein Englisch kennen und die meisten kein Interesse an der englischen Terminologie nehmen, und hat ausserdem das miss- liche, dass sie ihn vom Suchen nach gleichwertigen deutschen Ausdrücken abhält, an denen kein Mangel ist. Unsere deutsche Sprache gibt uns vortreffliche Mittel, um ohne Anleihen auch breath- groups, cheek-narrowing^ cheek-rounding^ final glides, off glides, inner rounding, level stress, pitch, stress, high front, back etc. (s. das Sach- gister des Verfassers) deutlich benennen zu können. Diese Anleihen sind namentlich dann geschmacklos, wenn es sich in ihnen nur um englische Uebersetzungen deutscher Fachnamen handelt. Und was toüjonrs de la sorte, quoiqu'ils ecrivent pourtant ces mots ä la mani6re ordinaire. Et cet usage est si g^neral que ce seroit se commettre que de le condamner. Je dis donc qu'il faut le souftrir.'* Auch im 18. Jh. hat queque (kek) noch seine unbedingten Anhänger in Buffier (1709) und Kestaut(1730), während Domergue zu Anfang des unsrigen (180Ö) eben- so unbedingt behauptet: „Z sonne dans quelque, quelqu'un.^^ Das Richtige gibt Thurot selbst für unsere Zeit und die Gegenwart: ,,aujour- d'bui on prononce d'ordinaire queque, qtCequ'un dans le langage familier", aber natürlich kelk{9) in der Vortrags- und besseren Umgangssprache. — Afrz. cesty ceste hatten ihr s in der Aussprache in der ersten Hälfte des 12. Jhs. verloren, waren also phonetisch vor Vocal zu set, sef mit zu- nächst geschlossenem oder offenem e geworden. Noch im 16. — 17. Jh. scheint in ihnen geschlossenes e in Geltung gewesen zu sein: Peletier und Corneille (Thurot I, 209 f.) schrieben sie damit. Ramus (1562) kennt aber cet auch bereits mit dumpfen e, und dieses dumpfe e muss schon lange vor ihm selbst im Fem. cette üblich gewesen sein. Denn Peletier (1549) rügt bereits die Schreibweise: ste femme. ste cause, und Palsgrave, Baif, Saint-Liens und Du Val bezeugen für das 16. Jh. und früher eine Aussprache und selbst Schreibung ast heure. Saint Liens erwähnt auch stome (= cet homme). So bleibt es im 17. Jh., wo Richelet (1680) 172 Referate und Rezensionen, E, Koschwitz. sollen nun gar lange englische und schwedische Citate in einem für deutsche Anfänger bestimmten Buche! Sie erhöhen nur das- Unbehagen, das ohnehin die auch sonst an entbehrlichen Fremdwörtern reiche, undeutsche Sprache des Verfassers nicht selten erweckt. Es ist mir hier nicht möglich im Einzelnen auszuführen, wo ich mit dem Verfasser nicht einverstanden bin oder von ihm Er- gänzungen und Aenderungen wünschte. Ich möchte nicht ein zweites Mal die Besprechung eines die französische Aussprache betreffenden Werkes zu einer Broschüre anschwellen sehen. So sei hier nur noch ein kleiner Punkt besprochen, der dadurch eine gewisse Wich- tichkeit erlangt hat, dass hier die jungphonetische ümnennung ei- niger Laute Verwirrung in den Köpfen französisch Lernender anzu- richten begonnen hat. Mit Staunen vernahm ich bei Gelegenheit der Greife walder und Marburger Ferienkurse, dass es nicht nur Direktoren giebt, die ihre Lehrer und Schüler jedes französische hohe a als sehr tiefes e sprechen lassen, weil dies nach P. Passy's Sons du frangais und auch nach B.'s Neubearbeitung (S. 23) „dem englischen ce ähnelt," sondern auch dass andere Institutsvorsteher wm^ ungefähr wie nvl, pui wie pfi, noix wie wva, poids wie pfa sprechen lassen, weil die in diesen Worten befindlichen u und u uach den Beobachtungen der Phonetiker stimmlose oder stimmhafte Vollkonsonanten seien. Die Elementarphonetiker sind natürlich an diesen Verirrungen zunächst unschuldig; aber sie haben doch zu diesen Missverständnissen dadurch Veranlassung gegeben, dass sie die halbvokalischen (oder halbconsonantischen) i, w, ü durch- aus als reine Konsonanten angesehen und wenigstens eine Zeit lang nach stimmlosen Lauten auch selbst völlig und regelmässig stimmlos erklärt: „dans la prose et dans lelangage ordinaire on supprime presque la lettre e . . et cet esprit se prononce presque comme stespritj et cette fille comme sie ßle'\ und Th. Corneille (1687) bestätigt: „Dans le dis- cours familier on prononce st hoimne, ste femme, et ce seroit une aftection vicieuse de dire cet komme, cette femme, quoy que dans la chaire on doive prononcer ainsi ces mots. II y a pourtant d'exceliens prfedicateurs qui prononcent sfaction. sfhahitude, niais la plüpart prononcent entierement cet et cette.^'- Die gleiche Aussprache weisen {st, ste in der Umgangs- sprache neben sdt [set^ und set in der Vortragssprache für cet und cette) werden für das 18/jh. belegt durch die Grammatiker Billecoq (1711), Girard (1716), Restaut (1730J, Dumas (1783), Antonini (1753); aber in der 2. Hälfte des Jhs. macht sich eine Wendung zu Gunsten von set oder Sdt für das Masc. und set für das Fem. bemerkbar, und Villecomte (1751) erklärt: „Les habiles gens dans la langue frangoise condamnent avec raison la prononciation de ste pour cette et cet . . ste porte, ste eglise. ste heure . . sfenfant, sfami, sfappartement.^^ Gegenwärtig gilt für das Fem. die Aussprache se^t allein für die gebildete auch in der Umgangssprache, während beim Masc. cet ein sf sich ziemlich häufig, namentlich beim raschen Tempo in der Verkehrssprache auch Gebildeter findet. F. Beyer. Französische Phonetik für Lehrer und Studierende. 173 gesprochen wissen wollten. Auch B. legt Gewicht darauf, dass die genannten Laute als ganze Consonanten aufgefasst werden. Er schliesst die Schilderung der stimmlosen ti- und u- = (bei ihm w- und y-) Artikulationen, (die hier undiskutiert bleiben mag), mit den Worten: „Wodurch der Expirationsstrom, obwohl hier immerhin schwach, in Reibung vei^etzt, also Konsonant erzeugt wird"- (S. 46); findet ebd. bei (stimmlosem) i (j) eine Reibung, von der schwer zu unterscheiden ist, ob sie erzeugt wird „durch Hebung der Mittelzunge bis zur Friktionsenge hinein, oder dadurch, dass die bei gewöhnlicher Expiration noch vokalische Zungenartikulation des hohen i infolge , harter* Laute kräftig angeblasen wird" (womit übrigens die halbvocalische Natur des Lautes vom Verfasser selbst eingeräumt wird) ; beobachtet (S. 49), dass bei stimmhaftem i {j) das Reibegeräusch viel weniger hervortretend ist als bei stimm- losem, unter Umständen so schwach, dass man zweifeln kann, ob hier überhaupt noch eine konsonantische Verengung vorliegt (vergl. auch Anm. 2 auf S. 50), und spricht sich dann S. 87 i, dahinaus: „Es gibt überhaupt in dies er (französischen) Sprache keine Diphthonge, auch keine solchen, bei denen der Druck auf dem zweiten Vocalkomponenten ruht; wenigstens wird man von solchen nicht sprechen können, wenn man, in üebereinstimmung mit den besten franzöEischen Phonetikern die einsilbig gebrauchten j u y (i u ü) als wirkliche Konsonanten betrachtet." Auf die Gefahr hin^ nicht zu den besten französischen Phonetikern gerechnet zu werden, möchte ich mir doch gegen diese Auffassung der Sachlage einige Einwendungen gestatten. Einmal ist die Unterscheidung von Vo- calen und Spiranten überhaupt eine ziemlich willkürliche. Denn wenn zur Bildung oraler Vocale gehört, dass der Athemstrom durch eine weite oder enge Öffnung des Mundes entweicht, so gehört zur Bildung oraler Spiranten, dass bei ihnen die Luft durch eine Enge entweiche, die natürlich auch eine Oeffnung ist. Wenn man, wie es B. zu thun scheint, den wesentlichen Unterschied von Vocal und Spirant darin sehen will, dass bei letzterem infolge der Enge des Mundcanals eine Reibung der Luft an den Kanalwänden erfolgt, so ist dem gegenüber festzustellen, dass diese Reibung auch bei jedem Vocale, besonders natürlich den engen Vocalen, nicht ausbleibt und für den Vocalcharakter (mag er geflüstert oder laut gesprochen werden) nicht unwesentlich ist. Und wenn man endlich etwa nur dem „feinen. Ohre" die Unterscheidung von Vocal und Spirant zu- weisen will, so ist daran zu erinnern, dass dieses uns gerade bei der Bestimmung unserer Laute im Stiche lässt, und dass auf alle Fälle seine Unterscheidungen rein subjektiv und von Empfindungsgewohn- heiten abhängig sind. Es ist ganz natürlich, wenn ein Franzose wie Havet, der übrigens noch zu den Phonetikern alten Schlages 174 Beferate und Bezensionen. E. Koschwitz, gehört, einen Consonanten (Spiranten) für i ti »/ hört, wo wir Deutsche meist einen mehr vocalischen Laut vernehmen; es ist aber sehr unnatürlich, wenn für den Deutschen, der französisch lernt, nicht seine Lautauffassung, sondern die der Franzosen massgebend sein soll. Jedenfalls hat bei dem gegenwärtigen terminologischen Gebrauche ein Laut, der dem einen mehr vocalischen, dem andern einen melir consonantischen (spirantischen) Klang zu haben scheint, und dessen Artikulationsbestimmung auch bei 6. eine unsichere ist, ein Eecht darauf, für einen halbvokalischen erklärt zu werden. Aber es bestehen in unserem Falle dafür noch andere Gründe. Ein französisches i, w, ü (geschr. i, ou, u) vor Vocal kann, in gelehrten Worten und wenn ursprünglich die beiden Vocale durch später verstummte Consonanten getrennt waren, im höheren Vortrag, namentlich im Vers vortrage auch als besondere Silbe gesprochen werden. Darin liegt zweifellos doch vor, was man gewöhnlich Vocal nennt. Und diese von den Elementarphone- tikern für die gesprochene Sprache mit Unrecht geleugnete gele- gentliche Silbigkeit von i, w, ü (/, ou, u) im Hiat, oder wenigstens ihre vocalische Aussprache wird oder wurde auch von ihnen eingeräumt, ja (irrtümlich) als gesetzmässig hingestellt, wenn diesen Lauten oder Buchstaben Muta -f- r vorausgeht, also in Worten wie prier^ friarid, prouesse etc., oder wenn ein für die Grammatik zweisilbiges Wort wie Her, nier, louer, nouer, isoliert gesprochen wird. Unter rhetorischem Accent erhalten diese i, ou etc. hier sogar den Accent und werden dann noch deutlicher als Vocale artikuliert. Für diese Laute also: i, ou, u (phon. i, w, ü) im Hiat, die bald als silbige Vocale für sich, bald unsilbig in engster Verbindung mit einem folgenden Vocale artikuliert werden, giebt es also auch von histo- rischen und grammatischen Standpunkte aus, keine bessere Bezeich- nung als die: Halbvocale. Nun kann man allerdings vom phone- tischen Standpunkte aus behaupten : in dem einen Falle (bei silbigen iy Uy ü) liegen eben Vocale, im anderen Falle reine Consonanten vor. Dann müsste aber wenigstens vorher bestimmt werden, bei welcher, exakt anzugebender Mundstellung, und bei welchen unzweifelhaften akustischen Eindrücken noch Vocal oder bereits der benachbarte Consonant (Spirant) anzunehmen sei. Jeder Ver- such nach einer solchen Feststellung dürfte sich wenigstens z. Z. als unausführbar erweisen, und da für die genannten Laute somit eine unanfechtbare Grenzbestimmung nicht zu linden ist, so wird auch der Phonetiker gut daran thun, es bei der hergebrachten Be- zeichnung : Halbvocale oder Halbconsonanten einstweilen zu belassen und die unechten ('steigenden) Diphthonge für das Französiche nicht völlig zu leugnen. So entgehen wir am besten auch den J, Passy et A. Ramheau, Chrestomathie frangaise, 175 citierten nvi etc., die mit den nicht minder schönen pänä (f. pen- dant), psioe (f. monsieur) u. a. jungphonetischen Schnurrpfeifereien die gute Sache der Phonetik ernstlich gefährden. Trotz aller der gerügten Schwächen bietet das Beyersche Buch gegenwärtig immer noch die beste Belehrung über die französischen Lautartikulationen und steht es hoch über seinem einzigen Mitbe- werber, den P. Passy'schen Sons du frangais. Es ist darum nach wie vor zur Einführung in das Studium der französischen Phonetik zu empfehlen; nur darf kein Leser ausser acht lassen, dass die darin gegebenen Belehrungen nicht als Dogmen anzusehen, und dass die vorgetragenen Urteile und Erörterungen durch die Brille eines Jungphonetikers gesehen sind. Ausserdem erfordert das Buch ein ergänzendes Studium mit Hülfe einiger das französische Lautsystem von anderen Gesichtspunkten aus betrachtenden Werke, am besten der Ploetz'schen, rein orthoepischen Systematischen Darstellung der fran- zösischen Aussprache und etwa noch meiner auch das Historische berücksichtigenden Brochüre Zur Aussprache des Französischen etc. Endlich lasse sich kein Leser des Buches damit genügen, nur die im Anhange und anderweitig gegebenen sog. phonetischen Um- schriften in ein angenommenes normales Kolloquialfranzösich durch- zunehmen, sondern er versäume nicht, auch einmal Transcrip- tionen wie die in meinen Parier s Parisiens gegebenen zu studieren, in denen es versucht wird, an documentierten Proben den Wechsel und die Vielgestaltigkeit der französischen Leseaussprache vorzu- führen. Beyer, der sich u. a. S. 73 mit diesem Buche beschäftigt, ist mit seinem dort gegebenen Urteile insoweit im Rechte, als es in der That nicht für den ersten Anfang bestimmt ist und auch nicht entfernt versucht, ein (einstweilen auf echt wissenschaftlicher Grundlage noch nirgends aufgebautes) einheitliches Standard zu geben; aber es verlangt keine grössere Vorsicht, als irgend ein anderer transcribierter Text, und sein Studium ist, so lange nichts Besseres vorhanden ist, für jeden sicher von Nutzen, der nicht in dem Irrwahn befangen bleiben will, die Franzosen oder auch nur die Pariser besässen thatsächlich die Einheitlichkeit der Aus- sprache, die unsere Schul- und Elementarphonetiker aus pädagogi- schen Rücksichten zu lehren unternehmen. Und wer endlich das Beyer'sche Buch und die zum Ergänzungsstudium empfohlenen Schriften auch noch so gewissenhaft durchgenommen hat, der glaube ja nicht, wie so häufig geschieht, nun auch selbst ein „Phonetiker" zu sein; er ist dies ebenso wenig wie jemand nach dem Studium einer Elementargrammatik und einiger grammatischen Uebungs- bücher den Anspruch erheben darf, ein „Grammatiker" zu sein. E. KOSCHWITZ. 176 Referate und Bezensionen. E. Kcschtoüz, Passy J. et Rambeau A.. Chrestomathie frangaise. Morceaux choisis de prose et de poesie avec prononciation figur^e ä l'usage des 6trangers. Pr6c6d6s d'une introduction sur la methode phon6tique. Paris Le-Soudier u. Librairie popu- laire 1897. 8«. XXXV. 250 S. Diese neueste Sammlung französischer Lesestücke mit beige- gebenen Lautumschriften giebt sich als eine Veröffentlichung der Association phoneiique internationale, einer Gesellschaft, die, 1886 zunächst unter einem englischen Namen gegründet {Phonelic Teacher^s Association), ihren gegenwärtigen Sitz zu Bourg-la-Reine, 11 r. de Fontenay, Seine (der Wohnung Paul Passy's) und zum Organ den Maitre phonetique hat. Das Programm dieser Vereinigung, der eine grössere Anzahl deutscher Ober- und Volksschullehrer, Lehrerinnen und Studierende angehören,^) wird uns in dem vorliegenden Werke S. ni ff. mit einigen Erläuterungen mitgeteilt. Man ersieht daraus, dass die Gesellschaft eigentlich unter unrichtigem Namen einhergeht; denn nicht die Phonetik bildet den Brennpunkt ihres Interesses, sondern ein pädagogisches Ideal: das Bestreben, die sog. Reform- oder natürliche Methode im Sprachunterrichte aller Länder zur Herrschaft zu bringen. Das Ziel des früheren sprachlichen Unter- richts lief gewöhnlich darauf hinaus, den Lernenden zum Ver- ständnis eines fremdsprachlichen Litteraturtextes anzuleiten, ihn in die Möglichkeit zu versetzen, fremdsprachliche Texte in seine Muttersprache und umgekehrt leichte Texte der Muttersprache in die Fremdsprache zu übersetzen und ihn zu diesem Zwecke mit einem ausreichenden Vocabelschatz und einer hinlänglichen Kennt- nis der Elementargrammatik auszustatten. Das Ziel der neuen Methode ist es, den Lernenden in erster Reihe zur Sprechfertigkeit heranzuziehen, was ganz ausserhalb des Planes der früheren päda- gogischen Richtung lag. Aus diesem veränderten Ziele ergiebt sich die Notwendigkeit einer neuen Methode ganz von selbst. Zum mündlichen Beherrschen einer lebenden Sprache sind andere Mittel notwendig, als wenn es sich nur darum handelt, eine Fremdsprache lesen und bis zu einem gewissen Grade schriftlich gebrauchen zu können. Während in diesem Falle die Litteratursprache die Haupt- sache ist, so besteht bei dem neuen Ziele der § 1 der Ass. phonH. zu Recht: „Ce qu'il faut Studier d'abord dans une langue 6trang^re, ce n'est pas le langage plus ou moins archaique de la litt6rature, mais le langage parl6 de tous les jours." War die Kenntnis der Aussprache bei dem früheren pädagogischen Ziele nur nebensächlich, so spielt sie natürlich bei dem neuen Ideale eine Hauptrolle, und ^) Nach der Reklamenummer vom Jan. 1897 sind es 270, ein Drittel fast der Gesammtzahl der Mitglieder (865). J. Passy et A, Bamheau. Chrestomathie frangaise, 177 darum verlangt § 2 der Ass. phon. ganz folgerichtig: „Le premier soin du maitre doit etre de rendre parfaitement familiers aux Kleves les sons de la langue 6trang6re." Aber an diese Vorschrift schliesst das Programm der Ass. unmittelbar eine weitere, deren Folgerichtigkeit nicht ohne Weiteres anerkannt werden kann. Es fährt fort : „Dans ce but, il (le maitre) se servira d'une transcrip- tion phon6tique, qui sera employ6e ä, l'exclusion de Torthographe traditionelle pendant la premi^re partie du cours." Das beste und sicherste Mittel, um dem Schüler die Laute einer fremden Sprache vertraut zu machen, wird immer ausschliesslich die mündliche Unterweisung sein. Die sog. phonetische Lautumschrift ist und kann nur ein Notbehelf sein, und es giebt kein zwingendes Hinder- nis, das Verhältnis von Laut und Schrift gleichzeitig mit der herkömmlichen ßechtschreibung zu lehren. Im Gegenteil, bei Sprachen wie dem Französischen ist der Uebergang vom Laute (und der Lautschrift) zur herkömmlichen Orthographie schwieriger, verwickelter als der umgekehrte (s. unsere Ausführungen in der Zschr. /. fr, Spr. XII, 4 f.), und mit Recht ist daher der Versuch Beyer -P. Passy's, in ihrem Elementarhuch des gesprochenen Französisch mit der eben wiedergegebenen Programmvorschrift für das Französische Ernst zu machen, von der deutschen Lehrerwelt ziemlich einstimmig abgelehnt worden. Die folgenden Artikel des Programms der Ass. 3 — 8 enthalten die aligemein bekannten Leitsätze unserer Schul- reformer (Notwendigkeit der Erlernung von Wörtern und Wendungen der Umgangssprache; Ableitung der Grammatik aus der Lektüre; möglichst direkte Verbindung von Begriff und Ausdruck ohne Ver- mittelung der Muttersprache; als schriftliche Uebungen zunächst Wiedergabe gelesener Texte, dann freie Wiedergabe nur gehörter Dinge etc.), deren Folgerichtigkeit wieder unanfechtbar ist, wenn man einmal das Grundziel billigt. Nur gegen eine im § 20 ent- haltene Uebertreibung der Erläuterungen ist Einspruch zu erheben. Dort wird wieder mit den Beweisgründen des vielgefeierten Felix Franke (Die praktische Spracherlernung) operiert, mit grösserer Masshaltung übrigens, als man sie sonst in der pädagogischen Reformlitteratur zu finden gewöhnt ist. Aber — auch das muss ein- mal gesagt werden — die blendenden Ausführungen Frankes halten einer gründlichen psychologischen und logischen Kritik nicht stand. Es ist eine Thorheit, für die Spracherlernung eines deutschen erwach- senen Kindes die der Muttersprache in allen Punkten als Muster aufstellen zu wollen, und es wäre das Gegenteil von guter Päda- gogik, von den bereits erworbenen Begriffsabstractionen und Ideen- verbindungen des Kindes keinen nützlichen Gebrauch zu machen. Die Verweisung auf die Muttersprache und ihre Verwendung drängt sich überall da auf, wo damit eine Erleichterung des Verständ- Ztschr f. frz. Spr. u. Litt. XX>. 12 178 Beferate und Bezensionen, E, Koschmtz. nisses erreicht werden kann, und da sich immer nnd überall bei Erlernung einer fremden Sprache die Gewohnheiten der Mutter- sprache einschleichen wollen, so ist es unveiineidlich, auf die Ver- schiedenheiten des fremden und eignen Idioms mehr oder minder systematisch hinzuweisen. Die Erlernung der fremden Sprache durch die fremde Sprache (wie sie die Berlitz'sche Methode anstrebt) ist zwar nicht unmöglich, aber sie bedarf anderer Bedingungen als der im Schulunterricht gegebenen, und schliesslich macht auch bei ihr jeder Lernende, auch wenn die Lehrstunde dies vermeidet, für sich jene Vergleiche mit seinem Idiom, die umgangen werden sollen. — Die „natürliche* Methode hat in Bezug hierauf ihre ganz „na- türlichen" Grenzen. Das Programm der Association phonStique lässt nach dem Angegebenen über ihre pädagogischen Ziele keinen Zweifel; be- fremdlich bleibt nur ihr Name. Denn wenn die Kenntnis der Ele- mentarphonetik auch für jeden unentbehrlich ist, der nach der neuen Methode unterrichten will, und wenn die Beherrschung der Laute der zu lernenden fremden Sprache auch einen wichtigen Teil der Spracherlernung ausmacht, so ist doch „Phonetik* etwas anderes als „Reform des Sprachunterrichtes", und eine Gesellschaft, die an die Spitze ihrer Statuten den Satz stellt: „le but que poursnit TAssociation est le d^veloppement de P^tude scientifique et pratique des langues parl^es, en se servant des derniers r^sultats des recherches phon6ti.pes et de rexp6rience p6dagogique" musste sich eine „Gesell- schaft zur Förderung der Sprachunterrichtsreform" oder ähnlich nennen. Weniger irreleitend als der Name der Gesellschaft — von der neuerdings im Gegensatz zu ihren Statuten auch behauptet wird „son but comprend maintenant (1897) la Phon^tique th6orique et pratique avec toutes ses applications scientifiques et p6dagogiques," wonach erst nachträglich die Gesellschaft darauf Bedacht nähme, ihrem Namen gerecht zu werden — ist der Name ihres Organes, des Maitre phonitique. Wie ein mattre frangais nicht ein waUre de frangais, ein Lehrer des Französischen, sondern ein Lehrer von französischer Herkunft ist, so ist natürlich auch ein maitre phoni- tique nicht etwa ein Lehrer der Phonetik, sondern ein phonetischer Lehrer, d. h. ein Lehrer, der — so weit er es eben nötig hat — ein Phonetiker ist. Uebermässig deutlich ist damit freilich nicht das deutsche Wort „Schulreformer" zum Ausdruck gebracht, das der Sache nach dem französischen Maitre phonMique entspricht. Die ungenaue, zum mindesten unzweckmässige Benennung von Verein und Vereinsorgan hat nicht wenig dazu beigetragen, Ver- wirrung in den Köpfen seiner Mitglieder (die sich auch Jung- phonetiker nennen) zu erregen. Schulreform und die ihr dienende Schulphonetik (oder Elementarphonetik) werden in einen Topf J, Passy et A. Rambeau. Chrestomathie fran^aise. 179 geworfen nnd durcheinander geschüttelt, wissenschaftliche Phonetik mit der Schulzwecken dienenden neueren Lautlehre verwechselt und schliesslich gar, wenn nicht explicite, so doch implicite die thörichte Ansicht vertreten, die wissenschaftliche Phonetik habe sich in Methode und Ziel der Schulphonetik der Reformlehrer unterzuordnen und befinde sich auf Irrwegen, wenn sie ihre Forschungen und Forschungsmethoden unbekümmert um ihre schulmässige Verwendung verfolge. Die notwendige Folge dieser Wirrnis war einerseits unter den Fachgelehrten eine ablehnende Haltung und Misstrauen gegen die um den Mattre gescharte Phonetik, andererseits unter den mattres phonetiques oder Schulreformern eine feindliche Haltung gegen die Vertreter der wissenschaftlichen Phonetik und Gram- matik, die sich unter ihr Joch nicht beugen wollen und niemals beugen können. Zu dem Misstrauen, mit dem man sich infolge der geschil- derten Verhältnisse in den gelehrten Fachkreisen gewöhnt hat, die neuen Veröffentlichungen der Association phonetigue ent- gegenzunehmen, bietet die vorliegende Ohrestomaihie weniger Veran- lassung. Die beiden Verfasser, Jean Passy und A. Rambeau, die philologische Schulung besitzen und von denen Jean Passy auch bei Rousselot in die Schule der Experimentalphonetik ge- gangen ist, waren durch ihre wissenschaftliche Ausbildung davor geschützt, verschiedenartige Ziele durcheinander zu werfen. Sie wollten ein ihren pädagogischen Zielen dienendes Buch unter be- sonderer Berücksichtigung des amerikanischen Schüler- und Studenten- Publicums schreiben und haben diesen ihren Plan in verständiger und zweckmässiger Weise zur Ausführung gebracht. Sie geben ihren Lesern, denen sie in möglichster Kürze und in der offenbaren Annahme, dass niemand, der ihr Buch braucht, sich damit begnügen werde, einen üeberblick über die Verschiedenheiten der französischen und englischen Lautartikulationen und eine Anzahl Texte in einer Lautumschrift, die dem entspricht, was ihnen als die normale Aus- sprache der gebildeten Bevölkerung von Paris, der Isle de France und der umliegenden Landschaften erscheint. Sie lassen deutlich erkennen, dass ihnen wohl bekannt ist, dass die von ihnen zum Vorbilde genommene Aussprache in Einzelheiten schwankend ist, sich nach Individuen, nach Sprachtempo und Gebrauchsweise ändert, und sie suchen, abgesehen vom individuellen Gebrauche, die verschiedenen Ausspracheweisen zur Darstellung zu bringen, immer mit dem pädagogischen Grundsatze, dass kleine Artikulationsver- schiebungen, um nicht zu verwirren,- besser verschwiegen bleiben, und dass man in einem praktische Zwecke verfolgenden Buche die minima zu übergehen habe. Ihr Buch ähnelt Beyer -P. Passy's Elementarbtich (s. o.), P. Passy*s Frangais parU, als dessen Fort- 12* 180 Beferate und Bejsensionen, E. Koschtvüz, Setzung es sich ausgiebt nnd Andres Manuel de didion (Lansanne 1893), das ungerechtfertigter Weise nirgends genannt wird. Es unterscheidet sich von meinen Parlers Farisiens dadurch, dass es nicht wie ich die Aussprache bestimmter Individuen, sondern eben eine Normalaussprache geben will, und dass es der Regel nach darauf verzichtet, feinere Schattierungen (wie offene oder halb- offene, oder anders gesagt, nachlässig gesprochene [geschlos- sene] e^ i, u, w, Ji u. dgl.) zu verzeichnen. Auch wird der gesuchte Standard der Umgangsaussprache möglichst nahe ge- bracht, während ich, der ich nur vorgelesene oder frei vorgetragene Texte transcribierte , nur Proben der Lese- oder Vortrags- sprache gab und geben konnte. Während mein Zweck war, Studie- renden und Philologen die Möglichkeit zu geben, gerade von den Schwankungen der Aussprache, von der Vielgestaltigkeit der Aus- spracheformen auch der Gebildeten eine Vorstellung zu gewinnen und sich die Gesetze und Normen dieser Aussprachewandlungen aus einwandfreien Quellen abzuleiten, ist bei P. R. bereits eine Wahl getroffen, und soll nur die als musterhaft angenommene Aussprache gelehrt und vorgeführt werden. Man kann also R. P.'s Buch, das sich durch Sorgfalt der Umschrift, Berücksichtigung ständiger wich- tigerer Schwankungen und eine ausgedehntere Typenwahl (d. i. Lautberücksichtigung) vor den Büchern Beyers, P. Passy's und Andres vorteilhaft auszeichnet, als eine Art Vorstufe oder Uebergangsstufe zu den Pari. Far, bezeichnen, deren Lihalt auf die P. R.'sche Veröffentlichung nicht ohne Einfluss geblieben ist. Die Verfasser, von denen Rambeau die Umschrift geliefert, J. Passy sie revidiert hat, bezweifeln, dass ihr Buch für Anfänger geeignet sei. Ich möchte es gerade Anfängern, die vorher natürlich eine französische Elementarphonetik studiert haben müssen, empfehlen. Für philologische Uebungszwecke ist es nicht ausreichend. Im einzelnen lässt sich selbstverständlich manches besser wünschen, und es hat den Verfassern nicht immer zum Vorteile gereicht, dass sie auf die Association phonetique eingeschworen sind. Wer eine fremde Sprache lernt, wird selten dabei stehen bleiben wollen, nur die gesprochene Sprache zu kennen, er wird auch ihre Klassiker und modernen Schriftsteller lesen wollen. Und da bei diesen die historischen Perfecta und Impf. Conj. noch immer eine Rolle spielen, so ist es (S. III) eine arge Uebei treibung, wenn die Verfasser aus- rufen: „Rien de plus fatigant que de les (die Schüler) voir s'em- brouiller dans les passes d^finis et les passes du subjontif, temps absolument morts dans le parier de l'Ile de France, et dont il est par cons6quent plus qu'inutile(!) de charger leur memoire, etc." Nicht minder hyperbolisch ist das Dictum auf S. VIII: „les gram- maires courantes sont incapables d'enseigner grand' chose de bon. J. Passy et A, Rambeau. Chrestomathie frangaise. 181 On y trouve, ä, c6t6 de quelques observations justes, des lacunes considerables, un immense amas de subtilit^s inutiles, parfois fausses ; et le peu qui concerne la langue y est noye dans une sauce abon- dante de chinoiseries orthographiques." Die Verfasser (hier wohl J. Passy), die G. Paris bei dieser Stelle als Eideshelfer heranziehen, haben offenbar nur an die in Frankreich erschienenen französischen Grammatiken für Franzosen gedacht. Mit unseren deutsch-franzö- sischen Schulgrammatiken steht es wohl nicht ganz so schlimm, und wenigstens die von maitres phonetiques, alias Schulreformern, her- gestellten hätten wohl ein etwas milderes Urteil von selten ihrer Gesinnungsgenossen verdient. Uebertrieben ist glücklicherweise auch S. X die Behauptung, dass das Transcriptionssystem des Mattre phonetique est presque universellement adopte par les phon^ticiens de tous les pays. Vielleicht kann man dies für die Schulphonetiker zugeben; es wäre aber mehr wie traurig, wenn sich die wissenschaftlichen Phonetiker zur Annahme eines solchen Systems entschliessen könnten, dessen Princip die Systemlosigkeit zu sein scheint. Die philologischen Vertreter der neueren Sprachen haben sich bisher mit ßecht von dieser Transcriptionsweise fern gehalten. Es gehörte seitens der Verfasser eine wunderliche Voreingenommenheit dazu, nicht zu sehen, dass sie namentlich bei der Vocalbezeichnung mit der von ihnen empfohlenen Transcriptionsweise in die Brüche geriethen, und es ist bedauerlich, dass unsere Schulmänner, statt sich an das ihnen von ihren (romanistischen) Universitätslehrern Gebotene zu halten, sich einem buntscheckigen, wiederspruchsvoUen Transcriptionssystem zuwenden, das, soweit es neues und eignes giebt, von unglaublicher Gedankenlosigkeit 2iBUgt. Im Grunde genommen ist es ja gleich- giltig, welcher Art die gewählten Lautzeichen sind, aber wenn man die Wahl hat, so sollte man das Minderwertige nicht dem Besseren vorziehen. P. R. hätten bei ihrer Quantitätsbezeichnung wenigstens die Besserung Beyers annehmen sollen, der Halblänge mit einem Punkte (z. B. a., e., i., etc.), ganze Länge mit Doppel- punkte (a;, e;, i:) bezeichnet. Bei ihnen muss der Doppelpunkt sehr verschiedene Längen veranschaulichen. Von ihren musikalischen Zeichen, mit denen doch nicht viel zu erreichen ist, haben sie mit Recht nur spärlichen Gebrauch gemacht (nur in einem Stücke). Der Umstand, dass auch in Tonstellung (vor Cons.) u, i, ü eine laxere Artikulation (Ä, l etc.) haben können und oft haben, ist von den Veiiassern hoffentlich nur aus pädagogischen Gründen ausser acht gelassen worden; denn ich setze voraus, dass Rambeau sein früheres Staunen über meine offnen und halboffnen französischen u, i, ü auch in dieser Stellung inzwischen aufgegeben hat. Zwischen p,b'y t, d\ k, g; f, V liegt nicht der einzige Unterschied in dem Hinzutritt und Fehlen von Stimme, wie man nach S. XX, § 44 glauben 182 Referate und Bezensionen, E. KoschtoUa, müsste. Wenn das der Fall wäre, woher kämen denn dann der Verfasser (ganz oder teilweise) stimmlose b, d, g^ v und stimmhafte p, t, k, /? Es liegt hier eine Unachtsamkeit vor, die die Verfasser mit sich selber (s. S. XXIV) in Widerspruch setzt. Von den Lauten w, i(, ;,' (u, ä, i,) erfahre ich S. XXIII zu meiner Freude, dass es „sont les consonnes qui ressemblent le plus aux voyelles. La diff^rence entre elles et u, y^ i (w, ü, i) est simplement que la langue est un peu plus 61ev6e vers le palais". Es fehlt, nur noch die Bemerkung, dass die Grenze zwischen w und unsilbigem u etc. schwer oder gar nicht zu ziehen ist, und dass man diese Consonanten darum auch Halbkonsonanten oder Halb- vocale nenne, und die Angabe wäre vollkommen. Die S. XXIV gegebenen Gesetze für die Silbenabgrenzung sind allzu unvollständig und unvollkommen; um so richtiger ist dafür die Bemerkung: „ces questions sont quelquefois tr^s d^licates" und die Beobachtung, dass dabei auch persönliche Gepflogenheiten eine Rolle spielen (S. XXV). Doch ist letzteres nur im geringen Grade der Fall. Die Caracteres generatcx der französischen und englischen Laute (S. XXVI f.) wären wohl besser ihrer Einzelschilderung vorausgegangen. Die Betrach- tungen über den französischen Verscharakter (S. XXVIII f.) mit ihrem Widerspruch zwischen §. 1" und 2^ blieben ohne Schaden weg So summarisch lässt sich diese schwierige Frage nicht behandeln. Sehr unglücklich formuliert ist S. XXIX die Bemerkung: „II est bon de remarquer que deux accents forts consecutifs ne comptent habituellement que pour un seul [sauf le cas oü il y a une pause entre eux]." Dafür lehrte schon Lubarsch viel Besseres. Auf die Textwahl haben die Verfasser* bei ihrer Chresto- mathie offenbar kein besonderes Gewicht gelebt; wir wollen über sie um so weniger urteilen, als uns das amerikanische Publikum, das Rambeau vor allem befriedigen wollte, gänzlich unbekannt ist. Ich verstehe aber nicht, wie der erste Teil als Textes en double transcription bezeichnet werden konnte, während doch nur ein paar diesem Abschnitte angehörige Texte in doppelter Umschrift (für langsames und schnelles Tempo) geboten werden. Für die beiden Ausspracheweisen hätte sich Interlineardruck ev. mit Angabe nur des bei schnellerem Tempo Abweichenden für Beobachtungszwecke bequemer gestaltet. Nach meinen Beobachtungen entspricht einem mes, tes, ses, les mit geschlossenem e in demselben Munde fast immer auch ein est mit demselben c-Laute. In unseren Umschriften finden sich mes, tes, ses etc. mit geschlossenem e und est mit offenem e neben einander. Das kommt wohl vor, normal ist es schwerlich. Die afr. Umschriften fräntsets, denen keine paiens (sondern patews; auch mit geschlossenem e?) entsprechen, reniembrer u. dgl. haben für mich nicht die geringste Wahrschein- H, Michaelis & P. Passy. Bidionnaire phonUique. 183 lichkeit trotz alledem, was gegenwärtig unsere historischen Grammatiker lehren. — Die Hervorhebung der Tonsilben durch Fettdruck ist zwar, trotz der dadurch entstehenden Unruhe der Texte für das Auge, besser als die Beyer- P. Passy 'sehe Setzung eines Acuts vor die Tonsilbe, aber sie hat den Nachteil, auf stärkere und schwächere Tonstärke keine Rücksicht zu nehmen und führt dadurch leicht zu Irrungen. — Im allgemeinen aber entsprechen die Umschriften den Zielen, die sich die Verfasser steckten, und ein paar Stichproben, die ich dadurch nahm, dass ich die betreffenden Texte von einer jungen Pariserin aus guter Familie lesen liess, ergaben, dass die angesetzte Normalaussprache der Verfasser, die ja auf grössere Feinheiten nicht Rücksicht nehmen will, sich in Summa genommen als solche vertheidigen lässt. E. KO SCHWITZ. Michaelis H. & Passy P. Bictionnaire phonetique de la langue frangaise. Hannover 1897. C. Meyer (G. Prior). 8° XVI, 320 S. Das vorliegende Werk erschien nach dem vollständigen Titel gleichzeitig auch in Athen, Berlin, Christiania, Kopenhagen, London, Madrid, Paris, Rom und Stockholm. Voraus geht ihm ein Vorwort keines Geringeren als G. Paris, der darin dem Buche, das er noch nicht fertig kannte, die besten Seiten abzugewinnen sucht. ^) Es wird femer vorgeführt als erster Band einer „Bibliothek phonetischer Wörterbücher" und ist der Association phonetique internationale gewidmet, deren Statuten (s. Zeitschr. S. 176) aut S. 318 abgedruckt werden. Bei der bekannten Vorliebe, die die mattres phonetiques für einander haben, hat es von dieser Seite her auf die sympa- thischste Aufnahme zu rechnen. Endlich versäumten die um den Erfolg ihres Buches so energisch bemühten Verfasser auch nicht, den Zweck ihres litterarischen Unternehmens selbst in das beste Licht zu setzen. Nach ihnen beklagen sich die Sprachforscher (le monde linguistique) schon längst über das Nichtvorhandensein von phonetischen Wörterbüchern, in denen die Wörter nach ihrer wirk- lichen Aussprache geordnet angeführt würden, während die land- läufige Orthographie nur daneben gegeben werde. (Wir haben von diesen Klagen nie etwas gehört). Das Französische verdiente, ^) Auch Recensent wurde von den Verfassern um ein Geleitwort ersucht, musste aber darauf schon deshalb verzichten, weil mit diesem Antrage der liebenswürdige Vorschlag verbunden wurde: „Als Gegen- dienst würden wir Ihre beiden Werke „Lßs Parlers jparmens" und ,,Zur Aussprache des Französischen^^ in unserem Vorwort mit empfehlen. 184 Beferate und Bejsensionen. E. KoschwUtf, führen sie weiter aus, den Reigen dieser Wörterbücher zu eröffnen, weil es ihnen am besten bekannt sei (was nicht jedermann als zureichender Grund erscheinen wird), nächst dem Englischen die verwickeltste Rechtschreibung und ausserdem den grössten Schatz an phonetischen Umschriften besitze. Ihr Werk bestätige und befestige die grundsätzliche Berechtigung der gesprochenen Sprache (bei den Verfassern etwas orakelhaft : „il constitue Taf firmation d'un principe : le principe de Texistence legitime de la langue parl6e, ind6pendante de la langue 6crite, et meme superieure k la langue ecrite, qni n'en est que la reproduction plus ou moins bien r^ussie"), die wohl noch niemand bestritten hat; es gestatte eine Vorstellung von dem wirk- lichen Bau der Sprache (die man wohl auch schon früher besass), ermögliche deren anatomisches und physiologisches Studium, (das indess auch ohne das vorliegende Wörterbuch nicht nur möglich, sondern auch recht weit vorgeschritten ist); es löse orthoepische Zweifel (dies geschieht aber nur für den, der P. Passy's Aussprache als unanfechtbaren Typus der „guten Aussprache" annimmt), erlaube den (seltenen) Individuen, die wohl die Aussprache, aber nicht die Orthographie kennen, diese zu finden (unglücklicherweise benutzen orthographisch ungeschulte Individuen meist überhaupt keine Wörterbücher, und die zu zählenden Schüler, die Beyer-P. Passy's Elementarbuch benutzen, finden darin ein für ihre Zwecke aus- reichendes Wörterbuch), endlich könne es vielleicht den Setzern Dienste leisten, die einmal nach den Aufzeichnungen der (durch den Phonographen mehr oder minder überflüssigen) zukünftigen Stenographiermaschine setzen sollen. Unsere Zwischenbemerkungen zeigen, dass wir den Verfassern in der Wertschätzung ihrer Arbeit nicht ganz zu folgen vermögen. Wir begreifen schlechterdings auch nicht, wie zur Ausführung des vorliegenden Werkes eine sechsjährige Arbeit erforderlich gewesen sein soll. Selbst wenn wir jedem der beiden Verfasser nur drei Jahre zuweisen, der Ausarbeitungszeit auch die Zeit einrechnen, wo sie sich mit den Lehren der Elementarphonetik bekannt machten, und die Zeit, wo der immerhin schwierige Satz des Werkes aus- geführt wurde, würden die Verfasser immer noch recht langsam gearbeitet haben. Denn sie haben sich damit begnügt, in ihrer verhältnismässig einfachen, ihnen geläufigen Umschrift, die nichts als eine vereinfachte Rechtschreibung ist, die Aussprache P. Passy's und die Ausspracheabweichungen seines Bruders Jean und der Fräulein G. Paul und A. Halter (von denen man weder Herkunft noch Alter erfährt) für die isolierten Wörter der franzö- sischen Sprache aufzuzeichnen. Das ist keine so ungeheure Arbeits- leistung. Die drei Seiten lange „Liste des principales classes de divergences de prononciation rapport^es k la prononciation de P. Passy H. Michaelis & P. Passy, JHdionnaire phanStigue. 185 comme norme" fiel dabei ganz von selbst ab, und was von diesen divergences nicht bei der Ansspracheauf Zeichnung gefunden wurde, fand man in den auf S. XI verzeichneten 11 Schriften, von denen 5 von P. Passy selbst herrühren oder ihn zum Mitarbeiter hatten. Der ,,Coup d'oeil sur la prononciation frangaise*- (S. 307 — 14), eine kurze Wiederholung des von P. Passy in seinem Sons du frangais wiederholt Vorgetragenen, erforderte selbstverständlich auch keine längere Arbeitszeit, und sonst findet man in dem Buche nur noch den üblichen Abdruck einer Zeichnung der menschlichen Sprach- organe (Querdurchschnitt), der ohne Zusammenhang mit dem Texte bleibt und dessen Buchstaben und Ziffern keine Erklärung finden, das 6 Seiten lange Vorwort, dessen Hauptinhalt wir bereits wieder- gaben, und eine 2^2 Seiten einnehmende Erklärung der „Signes et Abreviations". Auch mit der ebenso vorsichtigen wie wohlwollenden „Werth- schätzung von (r. Paris" in dessen Preface können wir uns nicht ganz einverstanden erklären. Nach ihm wird das Buch vor allem den Ausländern nützlich sein, „que nos dictionnaires, meme ceux qui marquent plus ou moins exactement la prononciation, laissent si souvent dans l'embarras, et qui trouveront ici pour tous les mots de la langue une notation r^flechie, syst^matique et en meme temps parfaitement simple et claire". Versteht man unter „nos diction- naires" nur die in Frankreich erschienenen französischen Wörter- bücher, so ist diese Behauptung nur dann unanfechtbar, wenn man von Darmesteter-Hatzfeld's noch nicht beendetem Dictionnaire general absieht. Für Ausländer geschriebene französische Wörterbücher giebt es allerdings in Fülle, die ihre Benutzer mit ihren Aus- sprachebezeichnungen im Stiche lassen; aber die Deutschen haben an Sachs ein Wörterbuch, das auch in dieser Beziehung durch das neue Dictionnaire nicht übertroffen wird. Dort hat jedes Wort seine Aussprachebezeichnung zur Seite; diese Bezeichnungen sind ebenfalls wohl überlegt, systematisch und klar. Sie haben ausserdem den Vorteil auf dem Urteil einer ganzen Kommission von Franzosen und Deutschen zu beruhen, bei schwierigen Fällen auch die An- sichten der älteren französischen Orthoepiker in weitem Umfange anzuführen, und auf feinere Ausspracheschattierungen einzugehen, als P. P.-Mich. Für Deutschland wenigstens war also das Bedürfnis nach einem neuen französischen Aussprachewörterbuch (etwas anders ist das vorliegende Werk nicht) nicht vorhanden; denn jeder Deutsche und sonstige Ausländer wird nach wie vor ein Werk vorziehen, das ihm neben der Aussprache die Uebersetzung bringt. Von ihrer Bedeutung nach bekannten Wörtern pflegt man auch die Aussprache zu kennen. Der Vorteil des M.-P. 'sehen Wb. wird sich darum in dieser Beziehung darauf beschränken müssen, 186 Beferate und Be/sensionen. E. Koschwitz, dass ausländische Verfasser von französischen Wörterbüchern damit in Zukunft eine neue Unterlage für ihre Aussprachebezeichnungen besitzen werden. Auch dem zweiten von G. Paris angegebenen Vorteil des neuen Wb.'s können wir nur mit Einschränkung zu- stimmen. Es giebt gewiss auch gebildete Franzosen, denen die Aus- sprache einzelner seltener Wörter nicht erinnerlich ist, und die sich in diesem Falle irgendwo unterrichten müssen ; aber schwerlich werden diese dann dazu ein Wb. gebrauchen, das die Wörter nicht an erster Stelle in der gewöhnlichen Orthographie bringt. Um den Zweifel an der Eichtigkeit oder besser Gebräuchlichkeit dieser oder jener Aussprache zu lösen, wird niemand, der nicht durch seinen Beruf dazu genötigt ist, erst Elementarphonetik stu- dieren wollen. Einen Nutzen des Werkes für die Wissenschaft sieht G. Paris endUch darin, dass es Wiederspruch hervorrufen und dadurch zu neuen Erkenntnissen führen wird. Selbst dieses be- scheidene, negative Lob kann man dem Werke nicht uneingeschränkt gönnen. Denn es ist zweifelhaft, ob der Verfasser Aussprachean- gaben zu vielen Erörterungen Anlass geben werden. Sie verzeichnen ja nur, unter Uebergehung kleinerer Lautschattierungen, die Aus- sprache P. Passy's und Abweichungen der Aussprachen J. Passys, des Fräulein Paul (das, wenn wir recht unterrichtet sind, auch der Familie Passy angehört oder ihr nahe steht), des Fräulein Halter und einiger Nordfranzosen. (S. X.) Da die Kritiker diese Sprach- zeugen meist nicht zur Verfügung haben werden, so bleibt ihnen nur übrig, das über ihre Aussprache Behauptete auf Treu und Glauben hinzunehmen, so lange sich in den Aufzeichnungen keine auffälligen Abnormitäten finden. Die Verfasser glauben zwar damit die Aussprache der gebildeten Nordfranzosen fixiert zu haben, er- kennen aber doch an, dass man auch anders sprechen könne und verfallen also nicht in den unhaltbaren Anspruch, auf Grund ihres Materials eine unter allen Umständen festzuhaltende Normalaus- sprache zu liefern. Da aber ihre Gewährsmänner den gebildeten Ständen angehören, so ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Aus- länder das Gebotene nachahmen wollen. Sie sind nur zu ermahnen, das Gelernte nicht als allein giltig anzusehen, bei der Interpretation der Transcription keine Irrungen zu begehen, sich vor Nach- ahmung der P. Passyschen allzu volkstümlichen Steckenpferde fstBpl^, {sHl te platt) süi (celui), pänä {jpendant) etc.; der vulgären espre etc. u. ä.: der psios {monsiewr) fehlt diesmal] zu hüten und ferner darauf zu achten , dass die ohne Erläuterung verzeichneten Aussprachen- varianten meist von besonderen Umständen abhängen, das isolierte Wort im Satzzusammenhang vielfach seinen Lautstand verändert, die verzeichneten Aussprache weisen also schon darum keine Allgemeingiltigkeit und ausnahmslose Anwendung beanspruchen H. Michaelis & P, Passy, Didiofinaire phanStique. 187 können. Es ist auch aus diesen Gründen kaum der Mühe wert, mit den Verfassern über diese und jene Aasspracheangabe ihres Werkes zu diskutieren. Die verwendete Transcription ist wieder die unglückliche der Association phonäique (s. o. S. 176 f.) von der mit Stolz be- hauptet wird, sie sei bereits für 150 Sprachen und Dialekte an- gewendet und auf dem Wege universell zu werden. Die ange- nommene Vorzüglichkeit der Transcription verhindert nicht, dass sie immer wieder, je nach Bedarf, neue Aenderungen, und damit gewöhnlich Verschlechterungen erleidet. Ein tiefes e = s vertrug sich mit tiefem a = «, und man wünschte nur, wenn einmal die unschöne Alphabetmischung eingeführt werde, auch tiefes o, w, i, ü mit griechischen Buchstaben bezeichnet zu finden. Das frühere « ist aber wieder durch a (neben a) ersetzt und damit die unruhige Buntheit des Systems (wenn man von einem solchen überhaupt sprechen kann) vermehrt worden. Neben _^ als Zeichen für Tonstärke erscheint ^ als Zeichen für weite Artikulation ; neben anders bezeichnetem n ein umgekehrtes y für erweichtes l u. s. f. Anzuerkennen ist, dass in dem Wb.sog. Halblängeund Länge (durch Punkt u. Doppelpunkt) geschieden sind. Die Anordnung bei der Aufzählung der Wörter ist im all* gemeinen zweckmässig; doch wundert man sich, nur beim Adj. (u. Adv.) die Bindeformen angeführt zu finden, und vermisst man eine Aufzählung der Lautformen der regelmässigen und sog. un- regelmässigen Verba. Die Vorzüge der Anführung der Adj. unter ihrer Femininform und der Verba unter ihrer Stammform sind nicht ohne weiteres einleuchtend und bedurften einer Rechtfertigung. Der kurze üeberblick über den französischen Lautstand bietet nur zu wenigen Bemerkungen Veranlassung. Bei der Konsonantentafel (S. 308) sind 1) die plosiven, 2) die nasalen, 3) die lateralen, 4) die gerollten, 5) die spirantischen Konsonanten derselben Gattung untereinander gestellt. Diese Anordnung ist jedenfalls der her- kömmlichen (1) plosive, 2) spirantische, 3) laterale, 4) gerollte, 5) nasale Konsonanten) nicht überlegen; nach dem Verschluss folgt am besten die Enge und dann erst die anders gearteten Artikulations- weisen. Auch die neue Bezeichnung von geschlossenen e, ö, oß als voy- elles mi-ferm^es, und von offenen e, o, ob als voyelles mi-ouvertes ist keine empfehlenswerte. Halboffen und halbgeschlossen sind bisher mit Recht als identisch betrachtet worden und sind in anderer Verwendung üblich, als der hier gebrauchten. Die Regel: „Pourtant apr^s ou avant consonne soufil6e, et surtout avant la fin des mots, elles (d. i. i, w, ä, n, n, m, ?, r) sont souffl6es" ist selbst in einer so summarisch gehaltenen Phonetik nicht duldbar; höchstens peti- vent etre souffl^es oder dgl. Von l, d heisst es (S. 309) richtig: sont form6es „avec la pointe ou la face de la langue et les 188 Brferate und Bezensumen. E. Koschtcitz. gencives ou les dents" ähnlich für s, a, auf S. 310; denn die in andern französischen Phonetiken zu findende Aussage, dass im Französischen bei diesen Lauten die Zungenspitze durchaus an die Innenfläche der Oberzähne gelehnt werden müsse, entspricht nicht der Wahrheit. Dass alle Nordfranzosen p, t, &, „schneidig" (wie unsere deutschen Schulphonetiker es mit Vorliebe nennen), ohne fol- genden Hauch bilden, dürfte auch keine allgemein giltige Wahrheit sein. Schwer verständlich sind ebd. die Bezeichnungen: La nasale bilabiale correspond exactement ä p, 6; besser „a la m^me arti- culation orale que . . . etc. Unsem vollen Beifall findet das S. 310 über i, u^ u Gesagte, das mit unseren hier geäusserten Ansichten übereinstimmt. Die Ansicht (S. 312), an der die An- hänger des M^r fonetik beharrlich festhalten, die Vocale i, w, ü blieben auch in unbetonter Stellung eng (tendues), wird durch die Häufigkeit ihrer Wiederholung nicht richtiger; es wäre auch wunderbar, wenn eine Sprache, die vortonische geschlossene o, a, e, (B offen (weit) werden lässt, bei i, w, ü nicht dieselbe Tendenz bethätigen sollte. Es ist nur einzuräumen, dass bei diesen Vocalen sich diese Tendenz noch nicht in gleichem Umfange geltend macht. Bei a, ?, o (ebd.) liegt natürlich nicht die „Tilde" des spanischen n (w), sondern der alte „Sicilicus" vor, eine Unterscheidung, die merkwürdigerweise den Jungphonetikern allgemein entgeht. Die flüchtigen Quantitätsgesetze (S. 313) sind nicht sehr praktisch; mit einer Eegel . . (in den und den Fällen) „la voyelle peut etre longue ou br^ve" ist nicht viel anzustellen. Man sollte nur sichere Längen und Kürzen der Silben anzugeben suchen, alles übrige der Mittelzeitigkeit zuweisen, aus der allenfalls die Halblänge der Verf. (S. 314, B), für die eine bessere Bezeichnung zu wählen wäre, ausgeschieden werden kann. Das wichtigste Kapitel des Buches hätte der Abschnitt über die Ausspracheschwankungen (im Einzelworte) sein können oder auch sein müssen; es ist im embryonischen Zustande geblieben. Die drei Seiten, mit denen dieser für den Philologen und wissenschaft- lichen Orthoepisten interessanteste Teil der heutigen Aussprache- lehre abgethan wird, sind von geradezu verblüffender Anspruchs- und Harmlosigkeit. Sowohl die im Wb. verzeichneten, als auch die nicht minder beachtenswerten, darin nicht verzeichneten Aussprache- varianten, die auf diesen Seiten angeführt werden, sind in der That sämtlich vorhanden und übrigens auch sämtlich bereits (mehr oder minder gut) beobachtet worden; aber was man vor allem wissen möchte, ist: in welchem Umfange, unter welchen Bedingungen, seit welcher Zeit und aus welchen Ursachen sind diese Aussprache- weisen vorhanden. Und davon erfährt man nichts oder so gut wie nichts. Nur die lakonischen Bemerkungen: Archaismus, Neologismus P. Schumann. Französische Lautlehre für MUteldetUsche. 189 und ein paar unbestimmte Ortsbezeichnungen (Osten, Süden, Norden, Schweiz, Belgien etc.) werden dem Leser auf den Weg gegeben. Aber da unglücklicherweise das, was den Verfassern als Neologismus erscheint, unter Umständen älteren oder ebenso alten Ursprunges und Gebrauches ist, als was sie als Archaismus bezeichnen, da auch ihre allgemeinen Ortsbestimmungen durchaus ungenügend sind, so ist mit diesen Wegweisern nicht viel anzufangen. Die angeblichen Neolo- gismen eksprf, parskd, sillab (oder soll man espr§^ paskg, silab als Neologismen ansehen?) haben ein ebenso achtenswertes Alter wie etwa die Archaismen p{ez, äkör und är (mit geschlossenem e, o, ce), die man, vom altfranzösischen Standpunkte aus, ebenfalls als Neolo- gismen bezeichnen könnte. Schwanken hier schon die Begriffe der Worte Neologismus und Archaismus derart, dass man sie gelegentlich für einander setzen kann, so wird die Verwirrung dadurch noch grösser, dass Archaismus manchmal auch gleich Dialekterscheinung gesetzt werden kann. Denn die für den Süden in Anspruch ge- nommenen Archaismen portd^ sivizmd (mit nicht verstummten aus- lautenden tonlosen e, das übrigens dem nordfranzösischen ^ a nicht völjig gleicht), monte {monter\ tombe {tomber) etc. und ß{9) (ßUe), mtäe (mouiller) sind nur in bestimmten Gebietsteilen erhalten und werden dort natürlich noch als aktuelle, nicht als veraltete Ausspracheweisen gefühlt. Gerade auf diesem Gebiete thut Beleh- rung not, hier waren Lorbeeren zu ernten, und ein auf wissen- schaftlicher Basis arbeitender Orthoepiker musste durch Anbau dieses Kapitels sich für seine Aufstellungen eine gefestigte Grund- lage verschaffen. Aber diese Arbeit war mühevoll, sie verlangte ausgedehnte historische und dialektische Kenntnisse — und die beiden Verfasser wollten offenbar der Wissenschaft nur indirekt dienen, nicht ein gelehrtes, sondern ein Schulreformern oder mattres phonetiques für ihre praktischen Zwecke genehmes Buch schreiben. Legt man diesen Massstab an, dann kann man den Verfassern, die beide philologischer Erziehung zu entbehren scheinen, immerhin bestätigen, dass ihre Veröffentlichung nützlich sein kann, aber keineswegs in dem Umfange, wie sie es in utopischer üeberschätzung ihrer Arbeit anzunehmen scheinen. * KOSCHWITZ. Schumann, P. Französische LaMehre für Mitteldeutsche^ insbe- sondere Jür Sachsen, 2., veränderte Auflage. Leipzig 1896. Teubner 8«. 42 S. Die Brochüre Schumanns hat in dieser Zeitschrift (XIX *, 91) bereits eine Anzeige und in ihr die gebührende Anerkennung ge- 190 Beferate und Rezensionen. E, Koschwiiz. fanden. Auch ich selbst hatte bereits bei ihrem ersten Erscheinen Gelegenheit, dem Verfasser meinen Beifall und gleichzeitig die nur in sehr beschränktem Masse erfüllte Hoffnung auszusprechen, dass er für andere deutsche Mundartgebiete Nachfolger finden möge. Wenn ich hier noch einige Bemerkungen zu der neuen Ausgabe beisteuere, so geschieht es ausschlieslich, weil ich mit ihnen der Sache und dem Verfasser nützen möchte, der hoffentlich recht bald in der Lage sein wird, eine dritte Auflage erscheinen zu lassen. Vorwort. Darin, dass Schumann die Anwendung einer Laut- schrift für seine Broschüre ablehnte, stimme ich ihm völlig bei, aber er hätte diesem seinem Grundsatze durchweg treu bleiben sollen. S. 37 ff. wendet er cv) für velares n an. Warum dies unge- wöhnliche Zeichen statt des gebräuchlichen (Böhmer 'sehen) iy, das in jeder Druckerei zu finden ist? S. 18 findet man ausserdem a^, das sich vermeiden Hess, und S. 34 ein irrthümliches s. Li der sonst durch ihre Einfachheit empfehlenswerten Figur 1 ist der so wichtige Giesskannen- (oder Stell-) Knorpel nicht markiert. — Einleitung. S. 2. Die Norddeutschen sind allerdings vielfach „Zweisprachler" d. h. sprechen hochdeutsch und plattdeutsch, doch sind sie nicht so häufig auch, worauf es hier ankommt, „Zwei- Aus- Sprachler". Auch bei ihnen übertragen sich die Artikulationen ihrer mundartlichen Laute auf das gesprochene Hochdeutsch. Das Ver- hältnis des Plattdeutschen und des Mitteldeutschen zu dem (nur im Ideal vorhandenen) mundartfreien Hochdeutsch ist so verschieden, dass der vorgenommene Vergleich besser unterbliebe. — S. 3. „Ge- wohnheitsmässig geübte Bewegungen von Gaumen, Zunge, Lippen" u. 8. w. Besser: . . von Lippen, Zunge, Gaumensegel. — S. 4. Wozu das (indirekte) Citat aus Sweet, das nur nachsagt, was Deutsche längst vorher gesagt haben, und das in seinem letzten Teile wohl in England, aber nicht in Deutschland zutrifft? — S. 5 spricht S. von den vorzüglichen Erfolgen, die er mit seinem Verfahren gehabt habe. Ich bezweifle diese Erfolge nicht; aber soll die in der Sturmperiode der Reformer aufgekommene und damals entschuldbare Mode, dass Schulmänner ihre eigenen Erfolge rühmen, nicht wieder erlöschen? Es gilt doch wohl auch für sie der Spruch: das Werk soll den Meister loben. — Die S. 6 f. angeführte Stelle ist nicht in musterhaftem Deutsch geschrieben. Die „kleine erhabene Wölbung" der Alveolen, und der „nach innen hohlgewölbte" harte Gaumen (es handelt sich um eine Wölbung „nach innen", und eine „nach oben"), das „Continuum" von Mund- und Nasenraum, dem zwei „kommunizirende" Hohlräume entsprechen (warum nicht von einem gemeinschaftlichen und mit einander in Verbindung stehenden Hohlräumen sprechen!) werden gewiss nicht jedermann gefallen. — S. 7. Der ».unveränderliche'* Nasenraum P. Schumann, Französische LatUlehre für Mitteldeutsche, 191 bleibt doch wohl in Wirklichkeit nicht so ganz unverändert. — In dem letzten Satze des zweiten Abschnitts müssen entweder die Kommata vor und nach „wie die Mundöffnung" oder das Schluss- wort „können" gestrichen werden. Sonst glaubt man, der Verfasser meine wirklich, die Nasenlöcher könnten (überhaupt) nicht ge- schlossen werden. — S. 8. „Durch die Stimmritze, welche er- weitert und stufenweise . . verengt werden kann". Es ist wohl besser, „erweitert und" fortzulassen. — Ebd. und im ganzen ersten (älteren) Teile schreibt der Verfasser „tönende" und „tonlose" Konsonanten, in dem neuen Teile (der Lehrprobe) „stimmhafte" und „stimmlose." Da tonlos auch gleich „unbetont" (von Vokalen) gebraucht wird, und natürlich Einheitlichkeit der Terminologie angestrebt werden muss, ist es vorzuziehen, die letztere Bezeichnungsweise durchweg anzu- wenden. — S. 9 2) Die Definition: „Verschliesst man den Mund durch die Zungenspitze und die obere Zahnreihe, so ertönt bei der Lösung des Verschlusses d oder <" ist nicht ausreichend. Auch im Französischen findet oft der Verschluss an den Alveolen oder selbst an den Vorderteilen des harten Gaumens statt. — S. 10. Die Beschreibung: „der Stimmton macht sich bei b scheinbar als ein vorausgehendes leises m, bei d als ein ebensolches n, bei g als ein ebensolches ng geltend," ist nicht recht glücklich. — S. 13, Z. 10 ist nicht klar ob mit ; deutsches ; (engl, y) oder französisches j (I) gemeint ist. Im letzteren Falle ist es mit g ( = ge, gi, gea, geo d. i. I) zusammenzustellen, wie c (= g) mit s, Soll nicht auch gesagt werden, dass dem Französischen der Laut / ( - ich ' Laut) nicht unbekannt ist? — S. 14 u. Die Bezeichnungen weich (= lenis) und scharf (= fortis) würde ich für stimmhaftes und stimmloses s nicht mehr gebrauchen, nachdem diese Ausdrücke einmal erklärt sind. — S. 16 sind digne, campagne schlechte Bei- spiele für j {y\ da in ihnen eben n vorliegt. Die Zungenspitze ist bei der j- Bildung nicht notwendig gegen die untere Zahn- reihe „gepresst"; die folgende Beschreibung des il ist, in ihrem Schlüsse wenigstens, verunglückt. Es folgt dem n m fi kein dumpfes i; das richtige Verhältnis von t^' zu f)^ s. Bousselot, Modifications S. 26. — Ebd. Auch dem Verfasser ist gewiss be- kannt, dass bei l nicht immer beide Zungenränder gesenkt sind, die Luft also nicht immer zu beiden Seiten zwischen Zunge und Zähnen entweicht. — S. 17. Der n- Verschluss liegt wieder nicht regelmässig „zwischen Zungenspitze und Zähnen" ; *) — S. 18 Anm. liest man: „Kurzes u wird in der Volkssprache zu o vor r und l: , . VtUk statt Volk.*^ Hier wird doch o zau. — S. 20,3. „Zwischen e und e liegt das halboffene e, welches man erreicht, wenn man ^) S. 37 heisst es: „zwischen Zungenrücken und oberer Zahnreihe!' 192 Beferate und Bezensionen, 0. This. in der Ä- Stellung e spricht* ist mir völlig anklar. Der geschil- derte Laut, der die Mitte zwischen hohem e und sehr tiefem e einnimmt, soll wohl der gewöhnliche offene Laut sein, der mittel- zeitig in reine und kurz (und dann mit höherem Klange) in bei, belle (die häufig ganz gleich gesprochen werden) vorliegt. Das ist aber kein halboffenes e. — S. 22. Auch das Französiche hat fallende oder echte Diphthonge (s. meine Gramm, der neu- franz. Schriftspr. I, 47), wenn schon die Elementarphonetik sie häufig ignoriert. — Das a der Lautverbindung ^a (qa) in geschrieb. öi neigt S. nach ^hin. Aber^j? (owe) war ja der Vor fahr von heutigem ^a, IM. Es muss also altes e hier zu hohem und tiefem a hin geneigt haben, um den gegenwärtigen Zustand zu erreichen, — Was soll heissen: „om (= t^i), dagegen: „Zowts.* Soll man in Louis niemals ^i sprechen dürfen? — „Er, (der Sachse) hört nicht mit dem Ohre, sondern mit dem Verstände** ist etwas krass ausge- drückt. Es sollte wohl heissen : „nicht nur mit dem Ohre, sondern auch mit dem Verstände." Das thun freilich auch die Nicht- Sachsen. — „Da nun der Sachse schlecht hört, so spricht er auch schlecht." Für „schlecht" wohl besser „ungenau" und für „spricht" „spricht . . aus." Bei in Khram scheint etwas zu fehlen. Soll es nicht heissen in^n oder in? — Was soll Seite 2b Z, 11 Italien? — S. 31. Bei Unterscheidung von s und js (stimmlosen und stimm- haften s), ebenso bei der von/ und v {w\ s und z (französ. geschrieb. ch und j etc.) dürfte es sich empfehlen, die Schüler die Hand vor den Mund halten zu lassen. Der stärkere Luftstrom bei den stimmlosen Spiranten wird auf der Handfläche deutlich empfunden. — S. 32. Warum als Beispiele die seltenen Worte riser, Ozier? — S. 34. Z. 4/5 ist nicht recht verständlich ; seh und s sind doch identisch. Es soll heissen I. — S. 35. In Thal und Tag liegen wohl für die meisten Deutschen zwei verschiedene a vor. -- S. 36. Was ist ein „eleganter" Knall und warum soll die hauchlose Lösung eines Verschlusses „eleganter" sein als die aspirierte? Das Wort „Eleganz" gehört überhaupt nicht hierher. — S. 38 u. und S. 39 o. i st die Ausdruckweise nicht recht geschickt. Man kann doch nicht sagen: die französ. Nasenlaute (zu denen auch m und n gehören) sind Vokale etc. Das Beispiel un homme, das man auch oe-n- gm oder selbst ü-n-gm lesen kann, ist unvorteilhaft, selbst wenn man die Aussprache ce-n-om im Auge hat, weil in diesem Falle die Nasalierung von £ sehr schwach ist. Also: un chien oder dgl. Der Verfasser widmet zum Schluss dem „Knackgeräusch" ein neues Kapitel, offenbar durch das Vorbild von Quiehl, Franz. Aus- sprache und Sprachfertigkeit, und Klinghardt, Artikiilations- und Hörübungen, u. a. angeregt, die ebenfalls diesem Geräusche ihre besondere Aufmerksamkeit zuwandten. Es sei uns vergönnt, dieser Sven Berg, Bidrag, 193 neuen Kultur des Knacklautes die ketzerische Ansicht gegenüber- zu stellen, dass man seiner im Schulunterricht nach wie vor völlig entbehren kann. Der „Knacken" kommt für gewöhnlich nur bei der Flüstersprache zum Gehör, die auf der Schule nicht kultiviert wird. Der wesentliche Unterschied zwischen deutscher und franzö- sischer Artikulation besteht in den in Frage kommenden Fällen darin, dass der Franzose bei uns auslautende Konsonanten als Anlaut zu sprechen gewöhnt ist, und dass er auch bei an der Wortgrenze zusammenstossenden Vocalen insofern bindet, als er den Stimmton dabei nicht wie die Deutschen unterbricht. KOSOHWITZ. Berg, Sven, Bidrag tili frägan om det attributiva adjehtivets plats i modern franska, [Aus Fr an filologiska föreningen i Lund, Spräkliga uppsatser. Lund 1897. E. Malmströms bok- tryckeri. Seite 105—121]. In dem vorliegenden Aufsatz giebt der Verfasser einen Beitrag zur Stellung des attributiven Adjektivs im Neufranzösischen. Er unterscheidet in seinen Ausführungen zwei Teile. Der erste, aus- führlichere trägt die Ueberschrift: „Bedeutung des Adjektivs, wenn es dem Substantiv vorangeht", der zweite handelt über den Chiasmus. Nachdem der Verfasser gesagt hat, die bisher aufgestellten Kegeln für die Stellung des attributiven Adjektivs im Neufran- zösischen könnten vielleicht für den praktischen Gebrauch hinreichend sein, eine wissenschaftliche Lösung der Frage sei bisher aber nicht gefunden worden, wendet er sich zu Gröbers Ausführungen im Grundriss I, 214. Dort weist Gröber mit Recht darauf hin, man müsse bei der Erklärung syntaktischer Verhältnisse die psychologischen Faktoren, welche die sprachliche Gedankendarstellung bedingen, aufsuchen; dann ergäben sich allgemeine Formeln statt einer Menge äusser- licher Regeln. Diese Ausführungen finden unsers Verfassers Zu- stimmung, nicht aber die Art, wie Gröber seine Forderung auf die Stellung des attributiven Adjektivs anwendet. Gröber sagt: „Das dem Substantiv vorangestellte Adjektiv attribuiert affektisch, das nachgestellte dagegen enthält eine verstandesgemässe Distinktion." Diese Regel, führt Sven Berg aus, finde wohl ihre Bestätigung, wenn sie auf die in den gewöhnlichen Grammatiken aufgeführten Beispiele angewandt werde. Unzweifelhaft sei es, dass in den meisten Fällen das nachgestellte Adjektiv eine Distinktion enthalte ; unhaltbar aber sei die Regel, sowie sie auf einen beliebigen fran- zösischen Schriftsteller angewandt werde; denn man stosse auf stark affektische Ausdrucksweise, wo das Adjektiv hinter dem Substantiv Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX*. 13 194 Beferate und BezensUmen, C, This. stehe. In dem Sardonischen Stücke „La famille Benoiton" stehe der Ansrnf „Bleu juste ! Juste Bieu!^ wo es kanm wahrscheinlich sei, dass im ersten Fall logisch distinguiert werde, der Sprechende dann aber in den Affekt verfalle und das Adjektiv vor das Substantiv stelle. Uebrigens dürfe es kaum psychologisch richtig sein, einen solchen ständigen Wechsel zwischen Affekt und Affekt- freiheit anzunehmen, der vorausgesetzt werde, um als Prinzip für die Bestimmung der Stellung des attributiven Adjektivs im Franzö- sischen dienen zu können. Wenn ein Affekt entstehe, so könne er sich nicht augenblicklich wieder legen. Wer Michelets Schilderung der Aufhebung des Edikts von Nantes gelesen habe, müsse sich ohne Zweifel des gewaltigen Affekts erinnern, mit dem die Drago- naden in Schauder erregender Weise geschildert werden, und der sich unwillkürlich dem Leser mitteilen müsse. Da könnte man annehmen, dass in dieser Schilderung das Adjektiv gern vor seinem Substantiv stehe. Das sei jedoch nicht der Fall. Nur gegen Schluss der Schilderung erscheine ein Berücksichtigung verdienendes Bei- spiel: la brulante histoire des martyrs. Absichtlich sind die Ausführungen des Verfassers in dieser Breite wiedergegeben worden; denn sie zeigen, dass er die Aufstel- lungen Gröbers nicht begriffen hat. Gröber spricht a. a. 0. nur von affektischer und logischer Attribuierung eines Adjektivs zu einem Substantiv, zieht aber nicht in Betracht, wodurch ausserdem in der Eede auf die Empfindung oder das Gemüt gewirkt wird. Wenn die obige auf das Gemüt wirkende Schilderung Miche- lets fast keine affektische Attribuierung zu einem Substantiv enthielte, so wäre es ein Beweis dafür, dass der Schriftsteller in verstandesmässiger Eede objektiv berichten wollte, ohne seine subjek- tive Empfindung zum Ausdruck zu bringen; er hielte sein Urteil vollkommen zurück. Und wenn er zum Schluss seiner Ausführungen das Werk des Pastors L6ger „la brulante histoire" nennt, so würde er damit auch nur die Wirkung obiger Geschichte auf seine Em- pfindung ausdrücken; er spräche nicht von einer Art Geschichte, machte keine logische Distinktion, sondern spräche eine Wert- schätzung derselben aus, was durch den Ausdruck „affek tische Attribuierung* gesagt ist. Nun ist aber bekannt, dass Hichelet in seiner Histoire de France^ wie überhaupt in seinen Werken, sehr subjektiv gefärbt schreibt; es wäre demnach wirklich wunderbar, wenn sich gerade in der Schilderung der Dragonaden keine oder doch nur belanglose Beispiele subjektiver Attribuierung vorfänden. Unser Verfasser meint zwar nur ein einziges der Beachtung würdiges gefunden zu haben. Lesen wir die Kapitel XIX-XXHI des XV. Buches (Paris, Librairie Abel Pilon, A. Le Vasseur, successeur 6diteur, S. 261 — 329), die von Sven Berg, Bidrag, 196 den Protestantenverfolgungen handeln mit Aufmerksamkeit und Verständnis durch, so wird uns bald die subjektive Schreibweise Michelets, auch in den vorangestellten attributiven Adjektiven, auffallen; letztere Stellung des Adjektivs nimmt mit der Grauen- haftigkeit des Geschilderten zu, und ziemlich oft erscheinen dann auch Fälle des Chiasmus. Besondere Fälle der Voranstellung des Adjektivs sind: S. 266 hideuse exectäion, le viölent commis Seigneley, tres indigne fils de Colbert ; S. 267 Vhumble traue, un ferme carac- tere; S. 268 les primitifs casuistes, sa monstrueiise grandeur; S. 270 altier mSpris; S. 273 cette desagreäble infirmüe] S. 274 ce sinistre mariage, Ventree du terrible hiver des supplices et des fuites; S. 281 la Bihle, la sombre histoire des fleaux de Bieu; S. 292 la complMe histoire des Mros, le funhbre moment, le droit chemin du devoir; S. 294 de rüdes femmes du Bhöne; S. 295 les saints forgats; S. 296 ces ehers et predeux temoignages, la charmamte naivete du ricU, Vangelique douceur, une enorme voute drculaire (dagegen 4 Zeilen weiter des poutres enormes)] S. 297 horrible sifflement; S. 298 ces furieux danseurs, la chetive nourriture; S. 306 aux dures et sales maisons des Füles repenties^ Vatroce disdpline, la hideuse sodete, dlwrrible sous-entendu, cette profonde mer; S. 310 profondes oubliettes, le froid rigime, un vüain trou, un brusque changemerU, ces aigres nonnes, rüdes beguines, les pietises tendresses; S. 311 le mysterieux pavülon; S. 312 ces heureuses contradictions^ un ingenieux sophiste; S. 313 sa brillante fadlite, la vitale questiony Uur serieuse education; S. 314 le eher ensdgnement, ses intimes amis] S. 315 le charmant jardin, de cruels Souvenirs, lepauvre cceur\ S. 316 Zes nobles mariages, son jeune sdn, ces brusques passages, la speciale protection, Vagriable uniforme; S. 317 tm sage marij cet habüe homme; S. 318 notre orageuse patrie] S. 319 la stotque devise; S. 320 de bizarres diguisementSj la pauvre brebis, un pinible voyage, en plein hiver, un affreux verglas, une simple ba/rque; S. 321 la plus raide saison^ le mauvais temps, la blanche dune d'Ängleterre^ wne male pudeur de soldat, cette lourde et nombreuse couvie, ces pauvres famiUes; S. 322 un beau et terrible ricit, tm cruel acchs de gouttCf d'atroces douleurs; S. 323 un pieux mensonge, sa coura- geuse femme; S. 324 enorme effort, excessive d^pense, nos braves paysans; S. 325 complet bouleversement , ces pauvres inconnues , ces furieux torrents, le cruel hiver; S. 326 ses vieux mauvais remparts, Vintiressant memoire, ce doux pays, son ingenieuse hospitdlite', S. 327 la plus excellente hospitalite, excellents organisateurs, de nom- breux Etablissements, une noble attention, le doux minage; S. 328 cette terrible revolution, Vantique iglise, les hauts sommets, Vintrepide pasteur; S. 329 cette charmante bonte, les affreux gladers, une opulente maison, la brulante histoire. Fälle des Chiasmus in den angegebenen Kapiteln sind: S. 265 il avait des cötes honnetes, voulait eVre honnete homme; S. 18* 196 Referate und BezensUmen, C. This, 282 VHat habituel et le constant recours; S. 283 les rSsistances coura- geusea de la lihre conscience; S. 296 ces eher 8 et prideux timoignages, reliques vSnerablea des martyrs de la conscience ; S. 299 üs furent les trks cruds persScuteurs des forgats protestants; S. 310 les pieuses ten- dresses de femmes seduisantes; S. 315 transplant^ de ce seil mgrat dans le charmant jardin des fleurs malades; S. 319 le terrible danger d*une Separation etemelle ; S. 329 son antre est maintenant une opulente maison, un nid chaud; on le sent ä son livre^ ä cette ceuvre admirahle, la hrukmte histoire des martyrs. Auch in der oben angeführten Stelle ans Sardou's La famille Benoiton Bieu jiistel Juste Bieul (Seite 7 der Calman L6vy 'sehen Ausgabe) liegt der Fehler der AuffassuDg eben darin, dass unser Verfasser den Ausdruck „affektische Attribuierung* nicht richtig verstanden hat. An der erwähnten Stelle, an der es sich um ein älteres Fräulein handelt, das sich höchst auffallend jugendlich kleidet, in der Hoffnung dadurch leichter noch einen Mann zu finden, sagt Clotilde zu ihr : Frenez un cerceau, tenez, courez aux TuHerieSj tous les jeunes gens vont vous suivre! Voils serez marine daws huit jours et je n'aurai plus ä m'occuper de vous. Dieu juste! Juste Dieu! Gott wird in einer seiner Eigenschaften als der gerechte (vgl. Bieu tout^puisscmt) angerufen, worauf mit affektischer Attribuierunge7"ws^eDiew! heischend hinzugefügt wird, nachdem durch das vorhergehende Bieu juste der in der bestimmten Eigenschaft hier angerufene Gott bekannt ist. Scharfes Gericht hält Sven Berg darauf über Cron, der in seiner Dissertation: „Die Stellung des aUribuiiven Adjektivs im AU- französischen*' die Ansicht Gröbers weiter ausgeführt und ihre Geltung für das Altfranzösische und das Lateinische erwiesen hat. Da unser Verfasser in das Verständnis auch dieser breiteren Aus- führungen nicht eingedrungen ist, so sind auch hier seine Einwendungen hinfäUig. Freundlicher geht er dagegen mit dem Niederländer Eobert um, der in seinen ^Quesiions de grammaire et de langue frangaises^ über die Stellung des attributiven Adjektivs sich folgendermassen ausdrückt: „Wenn das Adjektiv eine subjektive oder relative Eigen- schaft bezeichnet, so steht es vor seinem Substantiv; wenn es eine objektive und absolute Eigenschaft bezeichnet, so steht es nach dem selben. * Diese Eegel giebt in anderen Worten, nur nicht so genau, ungefähr das wieder, was Gröber, ohne verstanden worden zu sein, deutlicher ausgesprochen hat. Giebt es denn eine subjektive Eigenschaft? Hätte Eobert die nichtssagenden Worte „subjektiv und relativ** und „objektiv und absolut* genauer bestimmt, so würde seine Eegel sich mit der von Gröber aufgestellten decken. In seinen Ausführungen zu Eoberts Eegel bemängelt es unser Ver- fasser, dass jeune als eine subjektive, relative Eigenschaft bezeichnet Sven Berg, Bidrag. 197 sei: ein Neunzigjähriger könne seinem sechzigjährigen Sohn das Attribut „jung" beilegen; nicht dasselbe sei es aber, wenn man zu jemand sage: ^Hier ist ein junger Mann, der Sie zu sprechen wünscht", einen solchen Ausdruck würden ein Neunzigjähriger und ein Zwanzigjähriger auf ungefähr dieselbe Weise wiedergeben. Mit ,Jewnc" werde seiner Ansicht nach objektiv attribuiert. Das ist nicht richtig; denn „je««ne" ist ein Schätzungs-, ein Zahlbegriff, der Zahlbegriff ist verschieden von dem Artbegriff, der hinter dem Sub- stantiv seinen Platz hat, folglich steht ,Jeune'^ wie das Zahlwort vor dem Substantiv. Endlich zieht Sven Berg in den Bereich seiner Unter- suchung noch des Schweden Carl Svedelius Aufsatz „Sur la place de Vadjectif qimlificafif frangais auprhs du nom^'^ (abgedruckt in „ilß- langes de philohgie romane, dedies ä C. Wahlund, Mäcon 1896. S. 75 ff.). Wenn unser Verfasser bei seinen Ausführungen Svede- lius drei bezw. vier Fälle oder Gruppen von Adjektiven unterscheiden lässt, so scheint mir dies den Thatsachen nicht zu entsprechen. Denn S. 77 und in der Zusammenfassung S. 92 unterscheidet Svedelius zwei Fälle, indem er sagt : Vadjectif qualificatif petU remplir deux fondions, essentiellement differentes, qui sont: 1) de foumir au nom (richtiger fnomj substantif) un complSment necessaire; 2) de carac- Unser le nom d^une certaine manüre Der letztere Ausdruck ist sehr vage und undeutlich. Was Svedelius damit auszudrücken meint, ersehen wir S. 78, wo es als Erläuterung zu dem zweiten Falle heisst: Gelui qui parle, desire qtCon voie tel öbjet comme il le voü lui' meme] il desire que Vofyjet eveille chez autrui des sentiments ^ analogues aux siens (vgl- Gröber's affektische AUribuierung), Damit würde Svedelius sich Gröber's Auffassung im allgemeinen anschliessen, nur hat er sich nicht mit derselben Klarheit und Bestimmtheit aus- gesprochen. Die Ausführungen unseres Verfassers über Svedelius' Ansicht ergeben aber dieses Bild nicht, besonders da er, worauf es doch bei Svedelius anzukommen scheint, von dem „d^sir d'^veiller chez autrui des sentiments analogues aux siens" nicht spricht und damit bei dem Leser seines (Sven Berges) Aufsatzes eine durchaus falsche Meinung hervorruft. Indem der Verfasser zur Darlegung seiner eigenen Ansicht über die Stellung des attributiven Adjektivs übergeht, meint er zu- nächst, die bisher aufgestellten Regeln litten an dem gemeinsamen Fehler, dass sie zu eng gefasst seien. Es sei zwar wahr, dass die attributiven Adjektive, die die Empfindung des Eedenden im Ver- hältnis zum Substantivbegriff ausdrücken (siehe Gröber), sehr oft vor dem Substantiv stehen; doch stünden bisweilen wenigstens solche Adjektive auch nach. Als Beispiel hierzu dient das oben bereits angeführte ,Dieu juste\ das aber von unserem Verfasser unrichtig 198 Beferate und Be/sensionen. C. This, anfgefasst ist (s. oben). Richtig sei gleichfalls, dass subjektive Attribute (vgl. Gröbers affektisch attribuierte d. i. subjektiv attri- buierte Eigenschaften) vor das Substantiv treten; doch könnten diesen Platz auch objektive Attribute einnehmen. Hierzu wird als Beispiel lejetme homme angeführt, das aber ebenfalls unrichtig aufgef asst ist (s. oben). Der Verfasser meint dann weiter, man müsse, um eine Formel zu finden, die eine allgemein giltige Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des vorangestellten Adjektivs gebe, sich klar werden, dass in gewissen Fällen ein Adjektiv sowohl vor als hinter dem Substantiv stehen könne, ohne dass die Bedeutung des Aus- drucks sich wesentlich ändere. Die zum Belege dieser Behauptung angeführten Beispiele sind jedoch alle der Art, dass bei der Nach- stellung des Adjektivs der Schriftsteller zum Gattungsbegriff einen Artunterschied fügen, also eine Artunterscheidung, eine logische Distinktion geben will (Beispiel : Ma conversation müUaire avec Julie devaU avoir des consiquences diplorables — es giebt be- klagenswerte Folgen); in den Beispielen hingegen, wo das Adjektiv dem Substantiv vorangeht, will der Redende seine subjektive Wert- schätzung ausdrücken, in solchem Zusammenhang soll und kann das Adjektiv nicht distinguierende Bedeutung haben (Beispiel: Je vais essayer de me rappeler les iermes de cette conversation qui a du lui donner de moi une si deplorable idee — für mich, nicht für jedermann). Unser Verfasser räumt indessen ein, dass in den von ihm angeführten Beispielen die Adjektive nicht vollkommen gleichbedeutend seien, wenn sie vor oder hinter dem Sub- stantiv stehen (sehr richtig!); doch sei der Unterschied nicht so gross (sie!), und sicherlich könne dieser Unterschied nicht in den Regeln der oben angeführten Verfasser ausgedrückt liegen (?). Mit diesen Worten geht Sven Berg zur Darlegung seiner eigenen Auffassung der Stellung des attributiven Adjektivs über. Man denke sich, führt er aus, einen Substantivbegriff z. B. Kirche oder Pferd. Beim Versuche dieses Ding zu denken, werde es nicht gleich zu der begriffsmässig festgestellten, von zufälligen Bestimmungen freigemachten Vorstellung. Der Begriff „Kirche" trete gewissermassen konkret vor die innere Anschauung und schliesse eine Gesamtheit der Vorstellungen ein, die für das erste, unreflek- tierte Denken unzertrennlich damit verknüpft seien. Wolle man nun diese Vorstellungen sprachlich ausdrücken, so müsse man ausser dem Worte Kirche adjektivische Attribute anwenden: eine grosse, schöne, alte u. s. w. Kirche. Aber trotz solcher Attribute verbleibe die Vorstellung einheitlich. Eine solche Gesamtvorstellung nenne er eine Einheits- oder Totalvorstellung (zu deutsch Benennung der Gattung, Gattungsname). Vor die Benennung eines solchen Aus- drucks trete im Französischen das Adjektiv. Der Verfasser meint Sven Berg, Bidrag. 199 also, dass im Falle der Voranstellung des Adjektivs der Redende sich nicht die einzelnen den Begriff bildenden Merkmale vergegen- wärtige, der Substantivbegriff trete vielmehr als Ganzes, als Einheit in seinem Vorstellen auf. Bei der Beilegung solcher Attribute, d. h. bei der Voran- stellung des Adjektivs, habe der Redende sich aber die eigentliche Beschaffenheit des in Frage stehenden Substantivbegriffs nicht ver- gegenwärtigt. Diese Vergegenwärtigung erfolge erst entweder durch eine nähere Untersuchung des Substantivbegriffs selbst, indem man sich klar zu machen suche, in welchem Verhältnis die aufgefassten Eigenschaften bei demselben zu einander stehen, oder sie ergebe sich dadurch, dass man den durch das Substantiv bezeichneten Gegen- stand mit andern derselben oder verschiedener Art vergleiche. Da- durch gewinne der Ausdruck eine „verstandesmässige Klarheit", zugleich aber gehe die „Einheit in der Allgemeinvorstellung" ver- loren, man erhalte einen aus verschiedenen Teilen zusammengesetzten Begriff. „Wenn auf diese Weise ein Vergleich zwischen verschieden- artigen Gegenständen oder zwischen verschiedenen Eigenschaften bei demselben Gegenstande stattfinde", so stünde im Französischen das Adjektiv hinter seinem Substantiv. „Durch diesen Vergleich könne man wirklich verstehen, wie beschaffen das Substantiv sei." Dieser langen Auseinandersetzung Sinn ist in einfachen Worten, dass in dem Beispiel „tm heau chevaP^ der Substantivbegriff in seiner Totalität gedacht werde, bei „t«n chevcU blanc*^ dagegen eine Zerlegung des Begriffs in seine Merkmale stattgefunden habe. Es handelt sich hier aber doch nicht darum, den Umfang eines Substantivbegriffs logisch festzustellen, sondern darum, in welchem Sinne zu einem Substantiv ein Adjektiv gesetzt wird. Aus der psychischen Lage des Redenden ist die Frage zu beantworten. In beiden Fällen, in „wn beau cheval'* und „wn cheväl blanc*^ wird von der Gattung Pferd gesprochen, nur wird im zweiten Falle durch das nachgesetzte Attribut ^filan&^ ein Pferd in die Klasse der mit weisser Farbe be- hafteten gesetzt, d. h. der Gattungsname wird Artname, man distin- guiert verstandesmässig. Der Verfasser hat also die Aufgabe, die er sich gestellt hat, gar nicht gelöst. Er spricht von Umfang und Modifikation des Sub- stantivbegriffs, wo er die Bedeutung des dem Substantiv voran- gestellten Adjektivs (aäQektivets bäydeUe, när det föregär sub- stantivet) erörtern wollte; das hat er nicht gethan. Was richtig an seiner Auffassung ist, liegt in der kurzen Fassung Gröbers. In dem Teile, der über den Chiasmus handelt, pole- misiert er gegen die Ansicht Crons bezw. Gröbers, die sagen, dass auch in der Kreuzstellung das Adjektiv immer nur gemäss 200 Referate tmd Bejsensionen. George Carel. seiner Bedeutung als art- beziehungsweise wertbezeichnend stehe, also auch im Chiasmus das wertbezeichnende Adjektiv dem Sub- stantiv nicht nachfolge und das logisch distinguierende ihm nicht vorangehe. Daraus glaubt der Verfasser entnehmen zu müssen, dass für sie der Chiasmus unbeabsichtigt und nur eine sekundäre Er- scheinung sei. Das ist von Cron mit keiner Silbe gesagt worden. Gröber wie Cron sind unzweifelhaft der Ansicht, dass die Kreuz- stellung als rednerische Figur beabsichtigt ist, wenn es auch m. E. nicht ausgeschlossen ist, dass nicht der Zufall einmal einen unbeabsich- tigten Chiasmus aus der Feder fliessen lässt. Die Hauptsache aber ist und bleibt, dass in solchen Fällen die Stellung des Adjektivs an sich dem Sprachgebrauche immer entspricht. Welches ist nun das Ergebnis obiger Untersuchung? Der Verfasser hatte sich vorgenommen, über die Bedeutung des Ad- jektivs in seiner attributiven Stellung vor dem Substantiv zu sprechen. Er hat uns aber nur gesagt, wie sich die Logik zum Umfang des Substantivbegriffs verhält, die Frage aber, die er sich gestellt, nicht beantwortet. Dafür hat er sich gestattet, in vor- lauter Art über Wohldurchdachtes zu reden, weil er sich nicht die Mühe gegeben hat, die aufgestellten Formeln Gröbers und die wei- teren Ausführungen Crons zu verstehen; denn sowohl affektisch attribuierend als auch logisch distinguierend sind ihm ein Rätsel geblieben ; er verwechselt beständig affektisch reden und affektisch attrihuieren, undBegriffsMldung mit Arthezeichnung. Ausserdem hat er beiden Meinungen untergeschoben, die sie an keiner Stelle ausgesprochen haben. Wir glauben demnach, ohne ungerecht zu erscheinen, im vollen Rechte zu sein, wenn wir uns gestatten, die absprechenden Worte über Cron auf ihn selbst anzuwenden und zu sagen: „Jemand, der, ohne selbst eine ordentliche Untersuchung über eine Materie angestellt zu haben, den Stab über alles bricht, was frühere ernste Forscher gesagt haben, verdient keine andere Behandlung {En person^ som, utan att själf ha verkställt ordentUga tmdersökningar i ämnet, hryter stafven öfver alU, hvad föregäende, allvarliga forskare sagt, förtjänar icke mera). C. This. Richard Mentz, Französisches im mecMenburgisehen Platt und in den Nachhardialekten, Teil I. Progr. des Realgymnasiums zu Delitzsch. 1897. 4^ 27 S. Den in den letzten Jahren in Programmbeilagen erschienenen Zusammenstellungen von französischen Lehn- und Fremdwörtern in heutigen deutschen Mundarten^) schliesst sich ein alphabetisches ^) J. Leithäuser, Oallicismen in niederländischen Mundarten. Progr. Barmen. I. 1891 (vgl. die Besprechungen von Leitzmann in dieser Zs. Clemens Elöpper. Französisches BecH-Lexikon. 201 Verzeichnis französischer Wörter im Mecklenburger Dialekt an. Mentz führt in der vorliegenden Abhandlung nur Fremdwörter vor (von a bis Ä), die im Schriftdeutschen nicht in derselben Form und Bedeutung vorkommen. Nur gelegentlich werden Fremdwörter aus der älteren Litteratur nachgewiesen. Auf Erörterungen in Bezug auf Zeit und Art der Entlehnung, Bedeutungsinhalt, Lautgestalt der fremden Wörter lässt sich der Verfasser fast nie ein. Den französischen Wörtern des Dialektes werden einfach die Ent- sprechungen der französischen Schriftsprache zur Seite gestellt. So bietet also diese Arbeit nur Material für die Forschung, und zwar Material, das nicht immer ohne Kritik ^u verwerten ist. allen (Grannen an den Aehren des Korns) wird aus frz. alle abgeleitet — eine ganz unmögliche Zusammenstellung! Weder Form noch Bedeutung von dial. allen und frz. alle lassen sich in Einklang bringen; noch weniger kann das von Mentz aus dem Havelland beigebrachte achln auf dem frz. Wort beruhen. Es ist vielmehr nichts anderes als nhd. achel, ahd. ahil^ das mit Aehre (ahd. dhlr^ ah) verwandt ist. — Auch ess für ass ist kaum franzö- sischen Ursprungs, sondern wohl = mhd. esse, dem lat. assls zu Grunde liegt. Der Verfasser stellt eine Fortsetzung seiner Untersuchungen in Aussicht. „Eine spätere Arbeit wird sich mit der Frage be- schäftigen, auf welchen Sachgebieten der Einfluss der französischen Sprache wirksam gewesen ist, sie soll die Frage nach der Ueber- nahme systematisch behandeln und auch die weitere Verbreitung der einzelnen Fremdwörter in modernen deutschen Dialekten berücksichtigen." GIESSEN. Wilhelm Hörn. Französisches Real-Lexikon. Unter Mitwirkung von Aymeric- Leipzig, Becker - Elberf eld, Böddeker - Stettin, Boerner - Dresden, Cosack-Bremen, Dickmann-Köln, Engwer-Berlin, Foss-Schöneberg b. Berlin, Gundlach- Weilburg, Huth- 14,54, von Nörrenberg in der deutschen Literaturzeitung 12, 1689, von Brenner in Bayerns Mundarten 1, 448). II. 1894 (vgl. meine Besprechung Litbl. f. germ. u. rom. Phil. 18, 302). — Ph. Keiper, Französische Familiennamen in der Pfalz und Französisches im Pfälzer Völksmund. Progr. Zweibrücken 1891. 2. Aufl. Kaiserslautem 1891 (vgl. Behaghel lAthl. 14,5; Leitzmann in dieser Zs. 14,54; Brenuer Bayerns Mundarten 1,448). — L. Florax, Französische Elemente in der Volkssprache des nördlichen Boergebietes. Progr. Viersen. 1893 (vgl. Brenner Bayerns Ma. 2, 296). — Ph. Lenz, Die Fremdwörter des Handschuhsheimer Dialektes [bei Heidelberg]. Progr. Baden-Baden. I. 1896, S. 14—20 französische Fremdwörter, dazu Nachtrag II. 1897, S. 3 (vgl. meine Be- sprechung Liibl 18, 302.) 202 B^erate und Beeenmnen, George Careh Stettin, Kasten-Hannover, Kluth-Elberfeld, Köcher-Alten- burg, Krebs-Oxford, Kressner-Kassel, Krüger-Berlin, Krüger- Brandenburg, Leitritz-Stettin, Malirenholtz-Dresden, Mann- Leipzig, Peschier-Konstanz, Pfotenhauer-Eostock, Rolfs- Köln, Rossmann-Wiesbaden, Sahlender-Bautzen, Stolze- Elberfeld, Voges-Stettin, Vorberg-Rostock, Werner-Bremer- haven, Wershoven - Tarnowitz, Wirtz - Elberf eld, heraus- gegeben von Dr. Clemens Klöpper« Leipzig, Rengersche Buchhandlung 1897. 1.— 5. Lieferung, S. 1— S. 480. Die zunehmende Vertiefung der philologischen Forschung, wie sie durch die neuere Methodik des Studiums der modernen Sprachen angestrebt wird, macht eine erweiterte Kenntnis der Realien für den Kommentar selbst der bescheidensten Schulausgabe unentbehrlich; um wieviel mehr für jeden Studierenden, der sich nicht mit der elementaren Belehrung eines guten Wörterbuches begnügen kann, und dem nicht immer sofort eine genügende Bibliothek der Quellen zur Verfügung steht, abgesehen davon, dass ihre rechte Benutzung und kritische Wertschätzung oft durch mühsame und zeitraubende Vorstudien erschwert wird. Ein auf Grund kritischer Quellenforschung angelegtes Reallexikon, ausge- stattet mit einer möglichst reichhaltigen Auswahl von Realien, aber in compendiöser Fassung, wird daher allerwärts und von allen Neusprachlern mit Freuden begrüsst. Die Schwierigkeit der Aufgabe wird nicht verkannt: Umfang und Inhalt eines solchen Lexikons sind für die lebende Sprache immer auf Zuwachs anzulegen, und daher viel weiter, als ein ähnliches Werk z. B. für das Griechisch-Lateinische. Die Beleh- rungen von dem lebenden Volke werden, je mehr sie Zustände und Erscheinungen der Gegenwart betreffen, desto ausführlicher gegeben werden müssen, ohne daneben frühere und früheste Zeiten seines Culturlebens zu kurz kommen zu lassen. Das zu erwartende Lexikon ist daher mit 25 — 30 Lieferungen zu ungefähr 100 Seiten, im Ganzen also etwa 3000 Seiten gross Lexikon 8^, gewiss nicht zu breit veranschlagt. Das vorliegende erste Heft lässt schon im Allgemeinen erkennen, wie das Ganze durchgeführt werden soll. Es enthält eine ausführliche Zusammenstellung der von der Grenze des römischen Zeitalters bis auf die Gegenwart üblichsten Abkür- zungen, unter dem Titel AbrSviaiionSj (S. 1 — 18) und den Buch- staben A bis Sainte-Agathe, (78 S.) Nach einem kurzen geschichtlichen üeberblick über die Ab- kürzungen, an dessen Fusse die zugehörige Litteratur angeführt wird, kommen in 21 Abschnitten die gekürzten Zeichen mit Er- klärung zur Darstellung; nämlich: 1. Allgemeine Abkürzungen; Clemens Klöpper, Französisches Beäl-Lexikon, 203 dann abgekürzte Fachausdrucke in 12 Abschnitten. Ihnen folgen (14.) afr. numismatische Zeichen; (15.) die Abkürzungen der römischen Epigraphik, mit zahlreichen Belegen; (16.) die zur Be- zeichnung geheiligter Formeln und Ausdrücke; (17.) die auf In- schriften, Manuscripten und Urkunden; (18.) Abkürzungen im inter- nationalen Autographen verkehr; (19.) die im Buchhandel üblichen; (20.) Verschiedenes; (21.) Abkürzungen in der Argotsprache, mit besonderer Quellenangabe. Der Abschnitt „Verschiedenes" enthält die Zifferzeichen für September bis December, die schon im 1. Ab- schnitt aufgeführt sind, in unnötiger Breite. Nicht angeführt sind die Abkürzungen, die die Mitarbeiter im Text des Lexikons aus Raumersparnis haben eintreten lassen, und die der Leser ohne Mühe entziffert: her. = „berühmt" oder „berüchtigt"; v. d. = „von dem, von der, von denen" u. s. w. Im Wörterbuch erscheinen unter A gute Artikel mannig- fachen Inhaltes; bei ausführlicherer Besprechung eines Gegenstandes, mit Angabe der Entlehnung und der den Gegenstand betreffenden Litteratur. Wer also die Quellen befragen will, findet alsbald wünschenswerte Nachweise. Die Artikel Administration, Cours d^AduUes, Affiches verdienen wegen ihrer sachlichen Gründlichkeit und Kürze alle Anerkennung. Der Artikel Ahbaye (lOVg S.) macht die Sonderartikel nicht entbehrlich; aber der Nutzen der Uebersicht, die er gewährt, mag seine Länge entschuldigen. Bei den Artikeln Academiciens und Academie^ (S. 44 — 57) Hessen sich vielleicht Vereinfachungen vornehmen, ich meine, durch eine Zweiteilung, nämlich in rein wissenschaftliche und staatlich unterstützte Anstalten und in private und Liebhabervereinigungen. Franqueville, Le Pre- mier siMe de VInstitut de France, Paris 1895 (J. Rothschild), der wegen der pragmatischen üeberlieferung des Urkundenmaterials und des Personenstandes der staatlichen Akademieen Berücksichtigung verdient, scheint nicht benutzt zu sein. — Zu Baguette d'Aaron ist zu bemerken, dass Aarons Stab Num. 17,8 und Ehr. 9,4 durch ein göttliches Wunder blühend erscheint, und dass sich darauf nicht ohne Wahrscheinlichkeit die Bezeichnung der Wünschelrute als Baguette d^Aaron zurückführen lässt. Warum sind Accommoder, Accordy Adonis mit gewöhnlicher Bedeutung, die in jedem Handwörterbuch zu finden ist, und ohne weitere Erläuterung, aufgeführt? Unerwähnt soll nicht bleiben, dass neben anzuerkennender Verwertung des Raumes auch unnötige Breite erscheint. So könnten Acölytat und Acolyte in einen Artikel vereinigt sein; ebenso Affölez- Affollement — Affolures; Advest, Advestre, Advesture; auch Affre- tementy dessen seerechtliche Bedeutung von der kaufmännischen getrennt wird; endlich Adam de la Halle und Le jeu d^Adan, 204 Referate und Rezensionen. George Carel, Nach alphabetischer Ordnung gehört Äffranchi hinter Äffouillement, Zu Lieferung 2 — 3 ist zu bemerken: Es ist nicht zu verkennen, dass die Mitarbeiter eifrig bemüht sind, die Belehrung, die das Lexikon giebt, einem möglichst weiten Leserkreise nutzbar zu machen und Bereicherung an mannigfachem Wissen zu geben. Die vorliegenden Hefte 1 — 5, die wohl eine Vor- stellung der gesamten Physiognomie des Werkes ermöglichen, lassen 2 Arten von Artikeln unterscheiden: 1) solche, die die Kenntnis von Eealien unmittelbar der Gegenwart vermitteln; 2) solche, die dem historisch-philologischen Studium dienen wollen. Zu den ersteren rechnen z. B. die Artikel vom Zeitungs- und Annoncen wesen ; ,Agence Havas* u. ä., ,Annonces' und Verwandtes. Hier giebt Klöpper vielfach praktische Belehrung, die frischweg verwertet wird. Eeferent fand vor einiger Zeit z. B. den Artikel ,Agence de Renseignem ents* verbotenus in einer vielgelesenen deut- schen Zeitung abgedruckt. Ohne grosse Mühe wird, glaub ich, auf diesem und verwandten Gebieten, die Hülfe von Klöppers Real- lexikon nachzuweisen sein. Die 2 Artikel , Album* zählen Encyclo- pädien, Zeitungen und Zeitschriften dieses Namens in reichlicher Menge auf. Dasselbe ist der Fall bei einer ganzen Reihe von Ar- tikeln über Zeitungen, deren Titel mit ,Ami . . .' begiunt; aus- führlich besprochen sind die bekanntesten : (Marat's) ,Ami du Peuple' (S. 234.) und (Royou's) ,Ami du Roi* (S. 236.). Die Verfasser ei- tleren als Quellen ,Hatin, Histoire du Journal ; Histoire politique et litt6raire de la Presse en France'. — Ebenso ausführlich sind die Beiwerke des Zeitungswesens bedacht: Börse, Ackerbau, Landes- produkte, in Artikeln wie 'Agio, Agiotage; Aloi. — Agriculture, Ecoles nationales d' Agriculture', Colonat agricole, Chimie agricole, Institut national agronomique, mit Fachzeitungen und Statistik; desgleichen 'Alcool, Alcoolisme, Alcoolometre, Alcooloscopie'. — Femer wissenschaftliche und gemeinnützige Vereinigungen und Gesellschaften unter den Artikeln ,Alliance', mit besonderen Zeitschriften; ferner ,Almanach' mit ausführlicher Litteratur und Aufzählung von Arten. Auch sind hier zu nennen geschichtliche, geographische und ge- schichtlich-geographische Artikel, als: ausführliche Schilderung von Städten, Landesteilen, Land- und Wasserstrassen, mit ihren Ver- waltungsformen, Verkehrswegen, Erzeugnissen, Handelsbeziehungen und statistischen Nachweisen über dieselben; oft nach Hellwalds trefflichem Werk, vielfach nach besonderen Quellen: so ,Ain, Aisne, AleuQon' ; ausführlich * Alger und Alg^rie', (S. 168—177); *Allier, Alpes, (5. Artikel mit Zeitschriften) ; 'Amiens ; Angers und Anjou'. — Rein geschichtliche Artikel sollen ganz besonders sorgfältig nach den Quellen und dem gegenwärtigen Stande der Forschung gegeben Clemens Klöpper, Französisches Beäl-Lexikon. 205 werden. Ich finde s. v. , Agnes SoreP wenig mehr als man bei der Lecfcure von Schillers , Jungfrau von Orleans* kennen zu lernen pflegt. Auch der Artikel ,Albigeois* hätte grössere Ausführlichkeit verdient. Dagegen finde ich brauchbare, kurze Belehrung z. B. in den Ar- tikeln jinvasion des Allemands', ,Alsace'. — Auch die Beiwerke der allgemeinen Geschichte und der Geographie, Regierungsformen, po- litische Beamte und Parteien, Landesregierung, verwaltungsstatistische Nachweise über staatliche Institutionen, wie Schulen, Krankenhäuser, Gefängnisse; femer: Sitten und Gebräuche der Gesellschaft oder einzelner Stände, kommen zu ihrem Recht; z. B. in den Artikeln: *Agent diplomatique, Ambassade und Ambassadeur, (S. 217 — 23, Litteratur S. 220); Anarchie, Ancien Regime; les Allemanistes. — Alienes, (Behandlung der Irrsinnigen,) nach Block's Verwaltungs- werk; Alimentation des D^tenus, nach Haussonville; Alimentation en eaux potables, (die wichtige Frage des Trinkwassers). — Alle- magne, (Nachweis der deutschen Zeitschriften, die sich mit Frank- reichs Kultur beschäftigen;) Ecoles allemandes en France; AUemands en France et k Paris. — Amphitheätres; AmpuUa Remensis. — Amour und Amoureux; Jour de Tan; Ane, Animaux; AUumettes: Jeu des allumettes; Enfilons aiguille', (Kinderspiel), u. s. w. Auffällig gut ist hier die vornehmlich nach Souvestre und Hersart de la Ville marqu6 geschilderte Bretagne weggekommen, mit ausführlicher Er- zählung von Gebräuchen, Sagen, Balladen, namentlich aus dem Bar- zaz-Breiz, in den Artikeln: *Ah^s, Aiguille ailee, Pierre k aiguiser, Aire neuve, Mauvais air, Allumer la paille, Ajoumement du mau- vais esprit, les morts ajourn^s, Alain, Ame'. — Unter ,Airee* auch ein provenzalisches Märchen. — *Anglais' und Verwandtes, 8 Artikel, geben eine ausführliche Zusammenstellung englischen Einflusses auf Sprache, Sitten, Gewohnheiten der Gegenwart, (S. 267 — 75.). End- lich Sachliches zur Grammatik und Rhetorik findet sich s. vv. * Allegorie, AUeluia, Anagramme', wenn man sie nicht anders klassifizieren will. Die zweite Art von Artikeln setzt keine Kenntnis des Afr. voraus, auch nicht des Provenzalischen, wenig Latein, fast kein Griechisch. Sie giebt also auch dem Anfänger mühelose Belehrung. Wie die bretonischen Citate französisch gegeben sind, so ist auch hier das Afr. gemieden worden. Das veranlasst mich zu der Be- merkung, die für die Qualität des Werkes im ganzen entscheidend wird, wie sie sich aus dem Studium der unter der ersten Art auf- geführten Artikel ergiebt: es ist als Hülfsmittel vornehmlich für den praktischen Gebrauch der Gegenwart bestimmt. Die Realien der Gegenwart sind reichlicher behandelt als die älteren, erste re freilich zum Teil mit historischer Entwickelung, so dass der Anfänger manche nützliche Belehrung als Untergrund für zukünftige, gründ- lichere Studien der Vergangenheit gewinnen kann. Aber ein Hülfs- 206 Befer. 14 210 Beferate und Rezensionen, Q, Körting. ,Appreütissage, Ecoles d'Application* nach Vuibert; ,Baccalaur6at*, sehr ausführlich, mit reichlicher Quellenlitteratur. Für Recht, Rechtsgeschichte, Gerichtsverfahren sind meistens die Pand. Fr^. und der Code Napoleon benutzt worden. Ausführlich sind die Artikel: ,Avocat, Avou6, Assises*; dazu ,Audience, Auditeur, Assistance judiciaire, Assistance publique* nach Biran, ,Principes de Tass. publ. en France.* Sehr ausführlich, nämlich in nicht weniger als 30 Abschnitten, wird ,Bail* behandelt. Auch erb- und kirchenrechtliche Beziehungen werden gelegentlich erörtert, unter , Apanage, Antichr^se, Anticipation, Approbation, Appropriances.* — ,Archidiacre* nach Th6ry, *Histoire de TEducation en France'; ,Armateur*, wie die meisten andern Artikel dieser Art, nach den Pand. FrQ. Was die Oekonomie des Stoffes betrifft, so muss ich nach reiflicher üebersicht über den Inhalt der vorhandenen Hefte be- kunden, dass mir keines der in Betracht zu ziehenden Gebiete zu auffällig auf Kosten der andern bevorzugt, andererseits auch keines zu Gunsten anderer zu stiefmütterlich behandelt zu sein scheint. Durch die alphabetische Anordnung mag es bedingt sein, dass in dem bis jetzt veröffentlichten Teile des Werkes rein litterarische und geographisch-geschichtliche Artikel überwiegen. Das Plus wird unter andere Anfangsbuchstaben wahrscheinlich nach anderen Richtungen gravitieren. Hinsichtlich der Aufstellung eigner Artikel muss ich wieder- holen, was oben schon angedeutet: durch vereinfachende Subsumtion ist grössere Kürze und Raumersparnis zu erzielen. Warum ist z. B. ,Repas de St. Antoine* = ,Wasser und Brot* von dem Artikel ,Saint-Antoiue* getrennt? Hinwiederum sind Hinweise von einem Teilbegriff nach seinem Hauptbegriff unerlässlich. Ich würde also z. B. bei ,Balastre* nicht schreiben, wie hier in besonderen Artikel geschehen, , Zweig des Hauses Anmale*, sondern ,s. Anmale*, weil die ohne Zusammenhang gegebene Note wertlos ist; unter ,Au- male* aber müssten Geschlecht und Seitenlinien vollständig auf- geführt sein, was hier freilich nicht der Fall ist. Auch selbst wenn die kurzen Noten Richtiges enthalten, entbehren sie der tibersicht- lichen Klarheit, die nur eine Besprechung im Zusammenhang geben kann. So lese ich unter ,Apollon* 2: ,früher: Kurzer Schlaf- und Hausrock*. Die Note bekommt erst Wert in einem aufzählenden Vergleich mit anderen Kleidungsstücken. Ein solcher ausführlicher Artikel müsste aufgestellt und auf ihn verwiesen werden. Im deutschen Ausdruck der Artikel vermisse ich öfter die nötige Sorgfalt. Anzuerkennen ist, dass man sich im allgemeinen der Kürze befleissigt, in der freilich die eingeführten Abkürzungen gewisser Wörter das Verständnis erschweren; doch sind mir hier eigentlich Max Banner, Pädagogische Aphorismen und Aufsätze, 211 bedenkliche Fälle nicht begegnet. Dagegen dürfte es sich empfehlen, z. B. den Artikel »Apergus Litteraires* zu verdeutschen oder, da er offenbar französisch geschrieben war, ursprachlich abzudrucken. Und warum nicht? Werden doch lateinische Citate massenhaft wörtlich abgedruckt. Auch die Stelle aus dem Figaro unter ,An- tony' hätte französisch bleiben können. In demselben Artikel ist ,Sie widerstand mir* kein Deutsch. Gemeint ist: ,Sie leistete mir Widerstand.' Ohne die Bemerkungen unnütz auszudehnen, notiere ich noch, dass Wiederholungen, wie sie die Artikel ,Baigneurs' und ,Bains* bringen, zu meiden sind. Schliesslich bekenne ich gern, dass die Sammlung und Ver- gleichung mancher Quellen, die die Verfasser bei der Fertigstellung des bedeutenderen Teiles ihrer Arbeit benutzt haben, mir ihre fleissige Umschau auf mannigfachen Gebieten beweisen, sowie eine verständnisvolle Benutzung einer reichen Litteratur. CHARLOTTENBUKa. GeOEGE CaBBL. Banner, Max. Pädagogische Aphorismen und Aufsätze. Leipzig und Frankfurt a. M. (Kesselring'sche Hofbuchhandlung [F. V.Mayer]) v. J. (1897). 116 SS. kl. 8. Der Verfasser des vorliegenden Büchleins führt eine gewandte Feder: rasch ist sie ihm über das Papier dahingeglitten, und ein schlank gebauter Satz nach dem anderen ist ihr entflossen. Die Schreibweise des Verfassers verdient alles Lob, sie ist die Schreib- weise eines Mannes, welcher begeistert ist für die Sache, die er ver- ficht, und dem eben diese Begeisterung natürliche Beredtsamkeit verleiht. Der Leser wird unwillkürlich gefesselt durch die innere Wärme, mit welcher der Verfasser seine Anschauungen vertritt, und lässt es sich gern gefallen, wenn der Verfasser an so mancher Stelle gar zu heissblütig vorgeht und ein Pathos entfaltet, zu welchem begründeter Anlass nicht vorlag. Der Verfasser hat aus seinem Herzen herausgeschrieben, und eben deswegen kann er auch Herzen für sich gewinnen, freilich nur so lange, als die nüchterne Vernunft nicht dazwischen tritt, um die dem Gefühle entquollenen Sätze auf ihren sachlichen Inhalt hin zu prüfen. Dann allerdings wird der Zauber zerstört, und ungern gewahrt man, dass der Verfasser das zündende Pulver seiner Worte zumeist im Kampfe gegen Wind- mühlen verschwendet hat. Der erste Aufsatz ist eine feurige Lobpreisung der „neuen" Methode des französischen Unterrichts. Nach des Verfassers An- schauung hat erst diese „neue", auf Gewinnung der Sprechfertigkeit und guter Aussprache gerichtete Methode den französischen ünter- 14* 212 B^erate und Bejsensionen. G, Körting, rieht belebt und vergeistigt, würdigen Inhalt ihm gegeben und hohe Ziele ihm gesteckt. Die ,,nene'' Methode ist eine Erlösung gewesen, Heil and Segen hat sie gebracht, denn nun giebt es „kein stumpf- sinniges Hinbrüten, kein gedankenloses Träumen, kein mechanisches Herplappern von Formen, kein mühseliges Aneinanderreihen von Worten mehr." Das klingt ja wunderschön — , ob es aber auch wahr ist? Es kommt mir hier nicht in den Sinn, die „neue" Methode bekämpfen zu wollen; auf eine Prüfung ihres inneren Wertes will ich mich hier überhaupt gar nicht einlassen, ich will mich mit einigen Bemerkungen über die Zweckmässigkeit ihrer Anwendung im Gym- nasialunterrichte begnügen. Ich stelle mich dabei auf einen Stand- punkt, den der Verfasser gewiss gutheissen wird: der Spruch „non scholae, sed vitae discimus" soll mir massgebend sein. Auch die ,.neue" Methode entlastet Lehrer und Lernende nicht von Arbeit und Mühe, sie erheischt vielmehr von beiden eine sehr erhebliche Kraftanstrengung, wenn die erstrebten Ziele des Unter- richts — Aneignung der Sprechfertigkeit und der „guten" Aus- sprache — erreicht werden sollen. Ist es nun zweckmässig, im Gymnasialunterrichte — eben nur von ihm soll hier die Rede sein — eine solche erhebliche Kraft- anstrengung gerade dem Französischen zuzuwenden? Ich kann das nicht glauben. Der Verfasser wird gewiss mit mir einverstanden sein, wenn ich von der Voraussetzung ausgehe, dass auf dem Gymnasium die Sprechfertigkeit nur in einer lebenden Sprache erstrebt werden kann. Mehr zu wollen, das hiesse die durchschnittliche Leistungsfähigkeit der Schüler noch überschätzen. Kein verständiger Schulmann wird dieses Fehlers sich schuldig machen. Wenn dem aber so ist, dann muss gefragt werden, welche lebende Sprache soll Gegenstand des auf Gewinn der Sprechfertig- keit gerichteten Gymnasialunterrichtes sein? Vom Standpunkte praktischer Erwägung aus — und dieser kann hier allein in Betracht kommen — ist selbstverständlich zu antworten: diejenige moderne Kultursprache, welche am weitesten verbreitet ist und folglich für den internationalen Verkehr die grösste Bedeutung besitzt. Diese Sprache aber ist, wie männiglich bekannt, nicht die französische, sondern die englische. Wer das Französische beherrscht, kann sich mit etwa dreissig Millionen Menschen verständigen, wer des Englischen mächtig ist dagegen mit etwa hundert Millionen. Welcher Unterschied! Es heisst also recht unpraktisch handeln, wenn man die Schüler des Gymnasiums die Sprechfertigkeit im Französischen, Max Banner, Pädagogische Aphorismen und Äufsätjge. 213 nicht aber im Englischen erwerben lassen will. Gar mancher frühere Gymnasiast empfindet im praktischen Leben die Folgen dieser Ver- kehrtheit recht bitter. Die im Vergleich zu dem Englischen bevorzugte Stellung, welche das Französische im Gymnasialunterrichte einnimmt, entspricht den gegenwärtigen Kulturverhältnissen nicht mehr; sie ist ein Erb- teil aus einer Vergangenheit, für welche die Verhältnisse wesentlich anders lagen. Es muss Wandel geschaffen werden zu Gunsten des Englischen. Man verstehe mich jedoch nicht falsch ! Ich beantrage nicht etwa die Abschaffung des französischen Unterrichtes. Das sei ferne! Was ich fordere, ist, dass auf dem Gymnasium Französisch und Englisch gelehrt werde und dass, wenn in einer der beiden Sprachen Sprechfertigkeit das Unterrichtsziel sein soll, das Englische diese Sprache sei. Ist nun aber die Sprechfertigkeit — sei es im Englischen oder im Französischen — ein für das Gymnasium würdiges und berech- tigtes Unterrichtsziel? Ganz gewiss, und zwar keineswegs nur wegen des praktischen Nutzens, den der Besitz der Sprechfertigkeit gewähren kann, sondern und namentlich auch wegen der geistigen Schulung, welche aus dem Streben nach praktischer Beherrschung einer Sprache sich ergiebt. Früher, als man auf dem Gymnasium noch Latein sprach, fand man diese Schulung im Latein j jetzt, wo — sehr zum Schaden der geistigen Durchbildung — das Lateinsprechen nicht mehr beliebt wird, muss man, wenn es möglich ist, Ersatz in einer lebenden Sprache suchen. Ich sage; „wenn es möglich ist", denn ich glaube, dass es meist nicht möglich ist, und dann sollte man lieber darauf verzichten, als Kraft und Zeit in dem Streben nach dem Unmöglichen vergeuden. Mit einigen Worten werde dies er- läutert. Der auf Erreichung der Sprechfertigkeit und Aneignung einer „guten" Aussprache hinstrebende Unterricht sei es nun im Fran- zösischen oder im Englischen oder in sonst welcher lebenden Sprache kann Erfolg nur dann haben, wenn er von einem die betr. Sprache praktisch in jeder Beziehung voll beherrschenden und pädagogisch besonders begabten Lehrer erteilt wird. Das ist ja selbstverständlich. Wie viele solcher Lehrer giebt es aber? Bis jetzt nur verhältnis- mässig sehr wenige. Ihre Anzahl wird gewiss sich etwas steigern, wenn den Kandidaten der Neuphilologie der ihnen so notwendige Aufenthalt im Auslande mehr noch, als es bis jetzt geschieht, durch Staatsbeihilfe erleichtert werden wird, und wenn die Schulbehörden recht nachdrücklich die jüngeren Lehrer der neueren Sprachen zur Beteiligung an Ferienkursen und ähnlichen Einrichtungen veran- lassen werden. Aber sehr gross wird die Zahl der zu erfolgreichem Sprechunterrichte voll befähigten Lehrer nie werden, jedenfalls nie 214 Beferate und Bezensionen, Q. Körting, so gross, dass an jedem Gymnasium solcher Unterricht erteilt werden könnte. Die entgegenstehenden Hindernisse sind zu erheblich. Es genüge daran zu erinnern, dass die Studierenden, die Kandidaten und die Lehrer der neueren Sprachen keine Kinder mehr sind, deren geschmeidige Sprachwerkzeuge fremden Lauten sich leicht anzu- bequemen vermögen, sondern dass sie mehr oder weniger voll ent- wickelte Männer sind, deren gefestigte Sprachorgane nur schwer — oft überhaupt nicht mehr — zu ihnen ungewohnten Bethätigungen angeleitet werden können. Man bedenke auch, dass wissenschaft- lich gebildete und zumal philologisch geschulte, an Selbstbeobachtung und Selbstbeurteilung gewöhnte Männer selten den leichten Muth besitzen, der es einem Nichtgelehrten oder wenigstens nicht philo- logisch Gelehrten ermöglicht, eine fremde Sprache, wenn es sein muss, frischweg zu radebrechen, mag er auch anfangs noch so viele und noch so fette Böcke dabei schiessen, und gerade durch diesen kecken Wagemuth sich der Sprache in verhältnismässig kurzer Zeit in einem für praktische Zwecke leidlich ausreichendem Masse zu bemächtigen. Philologen sind zu solchem Beginnen gar nicht die geeigneten Leute, im Gegenteile die ungeeignetesten, weil sie sich gewöhnt haben, die Sprache von der wissenschaftlichen Seite anzu- schauen und über sprachliche Dinge nachzudenken. Haben sie vollends — was an sich recht löblich — eifrig Lautphysiologie und theoretische Phonetik getrieben, so sind sie für die Praxis meist vollends verdorben, denn sie haben sich dann eine buchmässig korrekte Aussprache angequält, welche zu der natürlichen sich etwa so ver- hält, wie die Bewegungen einer Gliedergruppe zu denen des leben- digen Leibes. Will man durchaus für jedes Gymnasium neusprach- liche Lehrer haben, welche den Schülern „gute" Aussprache und Sprechfertigkeit beizubringen befähigt sind, so rufe man doch Fran- zosen und Engländer herbei — , die müssen es am besten verstehen, und soviel deutsch, als sie unbedingt nötig haben, werden sie hier schon lernen; dass sie gründlich deutsch lernen, ist nicht einmal wünschenswert. Oder auch: man schicke alljährlich eine Anzahl deutscher Knaben in das Ausland, lasse sie auf Staatskosten die dortigen höheren Schulen besuchen und gebe ihnen schliesslich, wenn sie bacheliers oder bachelors geworden sind, in einzurichtenden Se- minarien einige pädagogische und philologische Dressur. Das Hesse sich ja Alles machen, zumal da man dann die Universitätsprofessuren und -seminarien für romanische und englische Philologie als zweck- los abschaffen und das so ersparte Geld für besagte Zwecke ver- wenden könnte. Ganz sicherlich aber schaudern auch die eifrigsten und über- zeugtesten Anhänger der „neuen" Methode vor solchen Vorschlägen und der durch sie dem deutschen Gymnasium eröffneten Zukunfts- fernschau entsetzt zurück. Max Banner. Pädagogische Aphorismen und Aufsätee, 215 Ja, wenn man aber weder ausländische Sprachmeister noch systematisch dressierte und trainierte Sprachlehrer deutscher Her- kunft für das Gymnasium verwenden mag-, wenn man Lehrer von gründlicher philologischer Durchbildung, wie jetzt, so auch fernerhin zu haben wünscht, dann fordere man nicht, dass ein jeder der- selben einen Unterricht mit vollem Erfolge erteilen könne, vermöge dessen die Schüler in den Besitz der Sprechfertigkeit und der „guten" Aussprache gebracht werden. Einzelne besonders begabte oder durch ihre Lebensverhältnisse besonders begünstigte Persönlichkeiten, welche zu solchem Unterrichte voll befähigt sind, werden ja unter den Kandidaten der Neuphilologie stets zu finden sein, und das Gym- nasium, welches eine so hervorragende Lehrkraft für sich gewinnt, mag sich Glück wünschen zu der ihm gebotenen Möglichkeit, die Stätte eines auch in Hinsicht auf Aussprache und Sprechfertigkeit fruchtbringenden Unterrichtes zu werden. Bezüglich der Gymnasien aber, für welche ein die Fremdsprache praktisch voll beherrschender Lehrer nicht beschafft werden kann, wird man sich damit begnügen müssen, dass den Schülern eine gewisse Fertigkeit im Lesen und Schreiben der Fremdsprache und einige Anleitung zu deren münd- lichem Gebrauche überliefert werde. Es ist das nicht eben ein ideales Unterrichtsziel, aber doch auch kein allzu niedriges, ein immerhin annehmbares; der Schüler, der es erreicht, erhält eine unverächtliche Mitgabe für seinen Studienweg und auch für das sogenannte praktische Leben. Denn man wolle bei der ganzen Sache noch Eins erwägen. Sprechfertigkeit in einer Fremdsprache ist für den, der sie besitzt, praktisch verwendbar und verwertbar nur dann, wenn er mit Angehörigen des betreffenden Auslandes in persönlichen Verkehr tritt. Nur in diesem Falle wird die Sprechfertigkeit ein lebendiges Gut, sonst ist sie ein todtes Kapital. Wer also auf der Schule sich die Sprechfertigkeit z. B. im Französischen erworhen, aber in seinem ganzen späteren Leben (z. B. als Landpfarrer oder Landarzt) nie Anlass zum Französischsprechen gefunden hat, der hat etwas in praktischer Hinsicht Nutzloses gelernt. Angenommen nun, alle Gymnasialabiturienten besässen die Sprechfertigkeit im Französischen, so würde diese für einen beträchtlichen, vielleicht sogar für den grösseren Teil derselben ein Besitz sein, den sie nie oder doch nur recht selten praktisch gebrauchen könnten, vermutlich sogar in Folge des Nichtgebrauchs nach einigen Jahrzehnten oder schon früher wieder verlieren würden. Wer kann zählen, wie viele deutsche Geistliche, Rechtsanwälte, Richter, Verwaltungsbeamte, Aerzte etc. etc. ihren Lebensweg zurücklegen, ohne dass sie jemals wirkliche Ge- legenheit zur Verwendung ihrer etwaigen Sprechfertigkeit im Fran- zösischen finden? Denn nach Frankreich reist man von Deutsch- 216 Referate und Bezensionen, G. Körting, land aus bekanntlich seit 1870 viel weniger häufig, als*z. B. nach Italien, das so recht das Reiseland der Deutschen geworden ist. Paris wird allerdings von Deutschen noch leidlich viel besucht, aber gerade dort — und ebenso in der französischen Schweiz — kann, wer Französisch nicht sprechen mag, auch ohne das so ziemlich aus- kommen, denn an Gasthäusern, wo man deutsch spricht, ist kein Mangel, und Landsleute, welche Dolmetschdienste übernehmen, findet man in Fülle. Kann man also, wenn man es will, den Franzosen in ihrem eigenen Lande aus dem Wege gehen, so kommen sie uns in unserem Lande nicht eben oft in den Weg, Deutschland wird nicht gerade von reisenden Franzosen überschwemmt. Also es kann sehr wohl geschehen, dass ein Deutscher, der das Gymnasium durchgemacht hat, sein ganzes Leben lang Gelegenheit zum Französischsprechen nicht findet, namentlich wenn er sie gar nicht sucht. Wo bleibt da der praktische Nutzen der Sprechfertigkeit? Dagegen kommt ein Deutscher gar leicht in die Lage, ein französisches Schriftstück — einen Brief, eine gerichtliche Urkunde — verstehen, vielleicht auch abfassen zu sollen, in letzterem Falle kann er also die Schreibfertigkeit, wenn er sie besitzt, praktisch ver- werthen. Und vollends das Lesen französischer Bücher, Zeitschriften und Zeitungen ist ja jür jeden Deutschen, der sich mit Wissenschaft, mit Kunst, mit Technik, mit Politik berufsmässig befasst, geradezu eine Notwendigkeit. Daher besitzt die Lesefertigkeit eine ungleich grössere praktische Bedeutung, als die Sprechfertigkeit, und eben- deshalb muss, wer den französischen Unterricht auf dem Gymnasium aus Rücksicht auf das praktische Leben betrieben wissen will, wünschen und fordern, dass die Erreichung möglichst grosser Lese- fertigkeit das Hauptziel des Unterrichtes sei. Höchst unpraktisch wäre es, über Sprechübungen das Lesen zu vernachlässigen. Wer eine fremde Sprache zu reden vermag, ist dadurch be- fähigt, mit den Angehörigen des betreffenden Volkes in mündlichen Gedankenaustausch einzutreten. Man vergesse aber nicht, dass man nur von einem Lebenden angesprochen werden und nur eines Leben- den Rede erwiedern kann. Mit den Toten ist eine Unterhaltung nicht möglich. Indessen die Toten können wenigstens zu uns sprechen: sie thuen es durch ihre sie überlebenden Schriften, falls wir diese lesen können und wollen. Dies bedeutet, auf den vorliegenden Fall angewandt, dass wir es nicht nur mit der französischen Rede der Gegenwart, sondern auch mit derjenigen der Vergangenheit zu schaffen haben, d. h., dass wir französische Schriften der Vorzeit zu lesen verstehen müssen. Verstehen wir das nicht, so ist uns die französische Gedankenwelt der Vergangenheit verschlossen, wenig- stens insoweit, als sie nicht durch Uebersetzungen zugänglich ge- Max Bcmner. Pädagogische Aphorismen und Aufsätze. 217 macht ist, und das ist doch nur in sehr beschränktem Umfange der Fall. Und überdies bietet selbst die beste Uebersetzung nur ein unvollkommenes Abbild des Urtextes dar. Die eben angedeutete Erwägung hat übrigens in weiter Aus- dehnung auch für den Verkehr unter Lebenden Gültigkeit. Nicht die mündliche, sondern die schriftliche Eede ist vorwiegend die Ver- mittlerin des Gedankenaustausches zwischen den verschiedenen Völkern angehörigen Zeitgenossen, ja auch zwischen Zeitgenossen, welche einander zugleich Volksgenossen sind. Selbstverständlich muss es so sein, denn die mündliche Rede ist nur so weit verwend- bar, als der Schall der Stimme des Eedenden vernehmbar ist; die schriftliche Eede dagegen lässt für jede räumliche Entfernung auf der Erdkugel sich brauchen. Und ferner : die mündliche Eede ver- hallt schon wenige Augenblicke nach ihrer Erzeugung; die schrift- liche Eede aber beharrt oder kann doch beharren für alle absehbare Zeit, und eben deshalb ist sie — bis jetzt wenigstens — die einzige Eede, mit welcher die Vergangenheit zur Gegenwart, die Gegen- wart zur Zukunft spricht. Was folgt aus alledem ? Nichts anderes, als dass der schrift- lichen Eede eine grössere praktische Bedeutung zukommt, als der mündlichen. Diese Thatsache muss gebührend beachtet werden bei Feststellung der Ziele eines jeden Sprachunterrichtes, zumal auf dem Gymnasium, d. h. in derjenigen Schule, welche die Schüler zum Verständnis der Gedankenwelt der Vorzeit — und zwar der fernen sowohl wie der nahen — anleiten soll. Für das Gymnasium wäre es grundverkehrt, der Sprechfertigkeit höhere praktische Wichtig- keit beizumessen, als der Lesefertigkeit; es muss im Gegenteile vor allem die Erreichung der letzteren angestrebt werden. Handels- schulen, Gewerbeschulen und dergleichen Anstalten dürfen und sollen beim Sprachunterrichte den Hauptnachdruck auf die Sprechfertigkeit legen — , das Gymnasium darf und soll es nicht. In dem zweiten Aufsatze spricht der Verfasser über die „Errungenschaften und Wünsche des höheren Lehrerstandes". Mit den Gehaltsverhältnissen, wie sie jetzt geregelt sind, scheint er leidlich zufrieden zu sein, und das ist recht erfreulich. Dagegen gefallen ihm die Titel der Gymnasiallehrer und Eealgymnasiallehrer nicht ganz: er möchte, dass die Hülfslehrer „Gymnasial-" und „Eeal- dozenten", die jüngeren ordentlichen Lehrer „ausserordentliche'*, die älteren „ordentliche Professoren" genannt würden, damit alle Welt „klipp und klar" erkenne, dass die Lehrer der höheren Schulen den Universitätslehrern in Bezug auf Vorbildung und wissenschaft- liche Leistungsfähigkeit gleich stehen. Den Grund mag man gern gelten lassen, die Parallelisierung der Titel aber muss als sachlich falsch zurückgewiesen werden. „Docenten" ist die gemeinsame Be- 218 Eeferate und BezensUmen, G. Körting. Zeichnung aller Universitätslehrer, folglich müssten auch alle Gymnasiallehrer „Gymnasialdocenten" heissen. Der Verfasser will aber diese Benennung auf die Hülfslehrer beschränkt wissen, offen- bar, um sie den „Privatdocenten" gleichzustellen. Das ist aber ganz verkehrt, denn Lehrer in der Stellung von Privatdocenten giebt es eben am Gymnasium nicht, wenigstens sind die Hülfslehrer nicht den Privatdocenten vergleichbar, allenfalls, aber auch nur mit Vor- behalt, könnte man das von den Probelehrem behaupten. Und was würde die Scheidung zwischen „ausserordentlichen" und „ordent- lichen" Professoren am Gymnasium für einen Sinn haben? Ein Gymnasiallehrerkollegium ist doch keine Fakultät. Würde es aber nach Art einer Fakultät eingerichtet werden, so hätten die „ausser- ordentlichen" Gymnasialprofessoren arszuscheiden aus dem von den „ordentlichen" Professoren gebildeten Kollegium, würden mit den „ordentlichen" Professoren nicht gleichberechtigt sein. Und noch anderes, was wenig angenehm wäre, würde daraus folgen, namentlich der Wegfall des Anspruchs auf das Aufrücken in eine höhere Stelle bei befriedigender Amtsführung. Ein „ausserordentlicher" Univer- sitätsprofessor kann, wenn die Verhältnisse ihm nicht günstig sind, trotz aller Tüchtigkeit sein ganzes Leben lang „ausserordentlich" bleiben — , ist das eine so beneidenswerte Stellung, dass man um der Gerechtigkeit willen einen Teil der Gymnasiallehrer in sie ver- setzen müsste? Ich glaube nicht, dass der Verfasser die Frage zu bejahen Lust verspürt. Der Verfasser wird von dem Argwohne gequält, dass die Universitätsprofessoren mit heimlicher Verachtung auf die Gymnasial- lehrer herabschauen, sie nicht für ihnen ebenbürtig erachten. Er möge sich beruhigen. Wir „Herren von der Universität" sind solche Narren nicht, wir legen auch kein „besonderes Gewicht" darauf „Universitätsprofessoren" genannt zu werden — , wie sollten wir so thöricht sein, auf einen schlichten Amtsnamen ans etwas einzubilden? Und übrigens nennt man uns, ausser etwa auf Brief adressen, immer nur „Professoren", womit wir wirklich ganz zufrieden sind. Es giebt unter uns sogar „Geheime Räthe", welche im ausseramtlichen Leben diesen Titel weder brauchen noch von anderen sich beigelegt wissen wollen, sondern einfach „Professor" genannt zu werden wünschen. Also Herr Banner, machen sie uns nicht so schlecht oder vielmehr beschuldigen Sie uns nicht kindischer Eitelkeit! Wollen Sie uns auch nicht des schweren Unrechtes anklagen, dass wir „von den wissenschaftlichen Bestrebungen eines Gymnasiallehrers nicht sehr hoch denken". Das sei ferne von uns! Wo solche Bestre- bungen sich zeigen — und das ist ja recht häufig der Fall, wenn auch vielleicht nicht so häufig, wie es an sich möglich und wünschens- wert wäre — , da erkennen wir sie freudig an und fördern sie nach Max Banner, Pädagogische Aphorismen und Aufsätze, 219 Kräften. Dass von einer Geringschätzung der Gymnasiallehrer seitens der Universitätslehrer gar keine Eede sein kann, wird doch wohl hinlänglich durch die Thatsache bewiesen, dass oft genug Gymnasiallehrer auf Vorschlag der Fakultäten zur üehernahme von theologischen und philosophischen Professuren berufen werden. Der Verfasser steht übrigens mit seinem Misstrauen gegen die Universitätsprofessoren keineswegs allein, es scheint dasselbe viel- mehr leider recht verbreitet und eingewurzelt zu sein. Das ist tief bedauerlich. Möge es bald anders werden! Dem Verfasser scheint das, was die Gymnasiallehrer gegen- wärtig wissenschaftlich leisten, nicht recht zu genügen. Wenigstens meint er, dass die Leistungsi^higkeit der Gymnasiallehrer nach der wissenschaftlichen Richtung hin gehoben werden müsse, damit sie den Wettbewerb mit den Universitätslehrern ehrenvoll bestehen können. Das soll durch eine Abänderung der Prüfungsordnung erreicht wer- den: man solle mit dem Zweifachsystem brechen, die Erteilung des vollgültigen Lehrerzeugnisses solle auf Grund „der Erwerbung der für alle Klassen ausreichenden Lehrbefähigung in einem Fache" (also z. B. im Französischen) erfolgen; dafür solle dann aber auch in diesem einen Fache „die Beherrschung aller einschlägigen Dis- ziplinen gefordert werden", überdies „die Gegenwärtighaltung aller Zweige des Schulwissens in dem Grade ungefähr, in dem sie von einem Abiturienten oder auch von einem angehenden Primaner ver- langt wird", denn das „würde eine ausgiebige Verwendung der Kan- didaten auch in andern Fächern genügend verbürgen." Es würde demnach ein Kandidat, der die volle Lehrbefähigung z. B. im Fran- zösischen besässe, in Geschichte und Germanistik aber nicht mehr wüsste, als ein Abiturient oder gar als ein angehender Primaner den- noch auch in diesen letzteren Fächern unterrichten dürfen. Oder ein Kandidat, der im Deutschen die volle Lehrbefähigung sich er- worben und im Französischen Primanerkenntnisse nachgewiesen hätte, würde als Lehrer des Französischen auftreten können. Eine nette Wirthschaft das! Solche Reform vorschlage sind überhaupt nicht diskutierbar. Schwer begreiflich ist es aber, wie sie über- haupt vorgebracht werden können. Es zeigt sich eben hier, wie an mancher anderen Stelle des Büchleins, dass der Verfasser sich die reifliche Durchdenkung der Fragen, die er zu behandeln wagt, er- spart hat. So leicht darf es sich einer aber nicht machen, der mit Weltverbesserungsplänen an die Oeffentlichkeit tritt. Sehr überflüssig ist der dritte Aufatz, dessen Gegenstand „das Extemporale" ist. Es kommt bei der breitspurigen Erörterung, im Laufe deren zwei alte Schulanekdoten zur massigen Erheiterung des Lesers wieder aufgewärmt werden, gar nichts pädagogisch Greifbares heraus. Das war auch nicht wohl möglich; es verhält 220 Beferate wnd Bezensionen. &. Körting, sich mit dem Extemporale eben wie mit vielen anderen Schnl- einrichtungen : unter Leitung eines verständigen Lehrers können sie sich sehr segensreich erweisen, während sie, wenn von einem un- tüchtigen Lehrer gehandhabt, schweren Schaden anzustiften ver- mögen. Es kommt in der Pädagogik gar oft weniger auf das was, als auf das wie an. Ziemlich zwecklos ist auch der vierte, „Unsere Realgymnasien" überschriebene Aufsatz: die wichtigsten pädagogischen Tagesfragen — die Berechtigung des Eealgymnasiums neben dem Gymnasium, die Neugestaltung des gymnasialen Stundenplanes, die Erfolge der Reformschule — werden in ihm gestreift, keineswegs aber eingehend behandelt, noch weniger irgendwie ihrer Lösung entgegenführt. Der Verfasser steht den schwierigen Problemen rathlos gegenüber. Das kann man ihm gewiss nicht übel nehmen — , aber wozu musste er über Fragen schreiben, zu deren Entscheidung er nichts beizutragen vermochte? Gelegentlich wird in diesem Aufsatze einmal bemerkt, dass die Gymnasiallehrer „eine Zwitterstellung zwischen üniversitäts- gelehrten und A-B-C-Schulmeistem" einnehmen. Wie kann nur der Verfasser von seinem eigenen Stande so gering denken! und wie kann er, ein Lehrer, einen anderen Lehrer, den Volksschullehrer, hochmütig als „A-B-C-Schulmeister" bezeichnen! Das ist wahrlich nicht schön. Im fünften Aufsatze erörtert der Verfasser das Verhältnis des neusprachlichen Unterrichtes zur Phonetik. Man findet darin manche recht verständige und ansprechende Bemerkung, jedenfalls ist dieser Aufsatz der verhältnismässig beste von allen, die das Büchlein enthält. Aber auch hier fordert doch mancher Satz zum entschiedenen Widerspruch heraus. So verlangt der Verfasser von dem neusprachlichen Lehrer, dass er durch das „gewissenhafteste Studium aller einschlägigen Disciplinen" sich für die Erteilung des phonetischen Unterrichtes vorbereitet habe. Es soll also der künf- tige Lehrer der neueren Sprachen Anatomie und Physiologie der Sprachorgane, Experimentalphonetik, Akustik, Psychophysik, all- gemeine und spezielle Lautgeschichte gründlichst studieren. Recht schön und gut! Wo bleibt aber da die Philologie? Weiss der Ver- fasser nicht, dass ein derartig ausgedehntes Studium der Phonetik Jahre erheischen und die ganze Arbeitskraft des Studierenden in Anspruch nehmen würde? Nebenbei sei bemerkt, dass zu einem derartigen Studium, das im Wesentlichen ein naturwissenschaftliches sein würde, eine eigenartige Begabung erfordert wird, und dass, wer diese besitzt, wohl ein tüchtiger Arzt oder auch ein Universitäts- dozent für Phonetik werden könnte, schwerlich aber zum Gymnasial- lehrer sich eignen würde. Max Banner, Pädagogische Aphorismen und Avfsäiee, 221 Der sechste und letzte Aufsatz handelt über die neueste Schulreform in Frankreich. Ich habe ihn, obwohl die Sache mir bereits bekannt war, doch mit grossem Interesse gelesen, denn er ist klar und verständig geschrieben und enthält manche feinsinnige Bemerkung. Zwischen die einzelnen Aufsätze sind pädagogische „Aphoris- men" eingestreut; zum Teil sind es beherzigenswerte Sprüche, zum Teil aber ganz gewöhnliche Gedankenspäne, die besser nicht erst gesammelt worden wären. Mein Gesamturteil über das Büchlein fasse ich so zusammen: der Verfasser ist erfüllt von dem edelsten Streben, aber seine Ge- danken über pädagogische Dinge sind zur Zeit noch nicht genügend ausgereift und geklärt. Kiel. G. Körting. M i s z e 1 1 e n. Noch einmal zu Bamsay's Bonsseau-Portrait. Zuriickkommend auf meinen Artikel im vorigen Jahrgange dieser Zeitschriß über das von Eamsay gemalte Bildnis J.-J. Rousseau's möchte ich mitteilen, dass Herr BuSenoir in Paris nach vorhergegangener Kenntnisnahme von jenem Artikel nunmehr in der Beime des Bevues vom 1. Januar 1898 S. 34 eine offenbar sehr gelungene Nachbildung obigen Portraits, das man so lange für verschollen hielt und das sich in der Edinburger üallerie befindet, veröffentlicht hat. Hierdurch finde ich das, was ich über den Corbuttschen Stich gesagt habe, vollauf bestätigt, indem der Unterschied zwischen dem eben genannten Stiche und dem von Eam- say *s Hand herrührenden Originale ein ganz gewaltiger ist: das letztere zeigt uns ein edles Gesicht mit regelmässigen Zügen, sehr fein geschnit- tenem Munde und überaus anziehenden, tiefblickenden Augen. Der Aus- druck ist zwar schwermütig, vielleicht etwas düster zu nennen, hat aber nichts von der Wildheit, fast möchte man sagen Roheit, welche man auf dem Corbuttschen Stiche wahrnimmt, mit dem derjenige Martins ver- mutlich grosse Aehnlichkeit haben wird. Man fühlt sofort, dass Ramsay's Bild ganz naturgetreu ist und das Rousseau i. J. 1766 wirklich so aus- gesehen hat. Berlin. 0. Schultz-Gora. Zu Zeitschrift XiX% 247. Zu unserer Besprecliung des Gktide de Väudiant etranger ä Paris teilt uns F. ßrunot, der eigentliche Leiter der Pariser Ferienkurse, mit, dass dieses Elaborat, dessen ereinte^nent wohl verdient sei, das Werk eines ünterbeamten ist, der es auf eigne Hand ausarbeitete und in Ver- kehr brachte, und dass die AMiance Frangaise für diese Veröffentlichung keine Verantwortung zu übernehmen habe. — Hoffentlich duldet die A. F. nicht ein zweites Mal, dass eine so schlechte Ware von einem untergeordneten Organe mit ihrem Namen gedeckt oder an ihn ange- schlossen werde. KOSCHWITZ. Novitätenverzeichnis. (Abgeschlossen am 7. Juli 1898.) 1. Bibliogrraphie und Handschriftenknnde. BetZy Louis P., Essai de bibliographie des question de littörature com- par6e (suite et fin) [In: Rev. de phil. fr. et de litt. XI, S. 241—274; Xn, S. 45—64]. Jordell, D., Catalogue annuel de la librairie frangaise pour 1897. 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BraumtiUer. 5. — Darin Zur romanischen Philologie: Aphorismen zur französischen Gram- matik. Von Prof. Dr. W. Meyer-Lübke in Wien. — Zweihundert alt- spanische Sprichwörter. Gesammelt von Prof. Dr. Julius Cornu in Prag. — Beitrag zur Phraseologie von da im Rumänischen. Von Prof. Dr. Joh. TJrhan Jamik in Prag. — Die Ashburnham-Handschrift des „Songe d'Enfer'* von Raoul de Houdenc. Mitgeteilt von Prof. Dr. M. Friedwagner in Wien. — lieber das Verhältnis des Lustspiels „Les Contents" von Odet de Turnöbe zu „Les Ebahis" von Jacques Grevin und beider zu den Italienern. Von Prof. Dr. Kawczynski in Krakau. Vollmöller, K., Erstes Beiheft zu üeber Plan und Einrichtung des Ro- manischen Jahresberichtes. — Erlangen, Fr. Junge 1897. [86 S. 8<*.] Pelaez, M., Per la storia degli studi provenzali. [In : • Miscell. nuziale Rossi-Teiss S. 315—327]. Gautier. — Mort de M. L6on Gautier. (25 aoüt 1897.) Notices. In-8», 103 pages. Tours, imprim. Mame. 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LXXVI) et romains (LXXVII k fin), reli6 en par- chemin. Tir6 ä 50 exempl. pour les membres de la Soci6t6 des Biblio- philes normands, et k 30 exempl. pour le commerce, dont 15 retenus et 15 mis en vente.] Paris H. Welter. Prix. 50 fr. Pikees rares ou inedites relatives ä Vhistoire de la Champagne et de la Brie. Publikes par Alexandre Ässier. XIII: Documents sur le XVUI« siecle. II : Voltaire k Cirey et ä Scelli^res; Necker k Troyes; les D6put6s de Tancienne Champagne en 1793; F§te de TEtre supröme; Messe des sans-culottes ; Pikees curieuses. In-12, 60 p. Paris, Claudin; librairie Champion, librairie Martin. [Nouvelle Bibliothöque de Pama- tenr champenois.] Poesie musicali francesi de' sec. XIV« e XV tratte da Mss. italiani p. p. F, Novati. [In: Romania XXVII, S. 138—144.] — BScits extraits des poetes et prosateurs du moyen äge, mis en fran- Qais moderne par Gaston Paris. Petit in-16, VIII-232 pages. Paris, Hachette et C*" . 1 fr. 50. [Classiques frangais.] Novitätenverzeichnis. 233 Itecueil de po6sies fran^aises depuis le moyen &ge jusqu'au XIX« siöcle; par ün professeur de rMtorique. In-12, 487 p. Paris et Lyon, Del- homme et Brignet. Anseis. — Voretzsch, (7., Sur Anseis de Cartage (fin). [In: Romania XXVII, S. 245-268.] Aucassin and Nicolette. An Old French love story. Edited and trans- lated by Francis William Bourdillon. 2nd. ed. 12^. 302 S. Lon- don Macmillan. Disticha Catonis. — Biid. Tobler, Die altprovenzalische Version der Disticha Catonis. 104 S. 8^ M. 2,40. [In: Rom. Stud. veröffentlicht V. E. Ehering. 3. Heft.] Benoit de Sainte-Moore. — Schumann, lieber mittelalterliche Illustrationen zu Benoit's de Sainte-Moore Roman de Troie als Vorbilder zu Wand- teppichen. [In: Verhandl. d. 44. Versammlung deutscher Phil. u. Schul- männer in Dresden.] Estoire de la Cruerre Sainte di AmbrogiOy Note critiche p. Ad. Mussafia. [In : Romania XXVII, S. 292—297.] Froissartj J. — Chroniques de J. Froissart. 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Montesquieu, — Gabler, Ä, „Studien zu Montesquieus Persischen Briefen". Progr. Chemnitz 1898. 34 S. 4o. Mttsset, A. de. — Lorenzaccio, drame. Mis k la scöne, en cinq actes, par Armand d'Artois. In-18 j§sus, 190 p. Paris, Ollendorff. (1898.) [Pre- miere repr6sentation k Paris, sur le theätre de la Renaissance, le 3 decembre 1896.] Pons {de VHeraült). — Additions et variantes au texte des Souvenirs et anecdotes de P. de PH. p. G. Pelissier. [In: Rev. d. 1. rom. XLI, S. 1—76]. Privost, M. — (Euvres. Chonchette. Petit in-12, 11-339 p. Paris, Lemerre. 6 £r. [Petite Biblioth^que litteraire (autenrs contemporains).] NovUätenverzeichnis, 235 Bacine. — Harczyk, /., Erläuterungen zu Racines Phädra. 11. Progr. Breslau 1898. 24 S. 8^. Saint-Simon. — Wallon, Melmoires de Saint-Simon, nouvelle Edition etc. p. A. de Boislisle. [In: Journal des Sav. Avril 1898, S. 249—258]. 8. Geschichte nnd Theorie des Unterrichts» Beckmann, E.: Die Behandlung französischer u. englischer Schriftwerke. (Vin, 38 S.) M. 1. — [In: Abhandlungen, neusprachliche, aus den Gebieten der Phraseologie, Realien, Stilistik u. Synonymik unter Berücksicht. der Etymologie. Hrsg. v. Dr. Clem. Klöpper -Rostock. VI. Hft. gr. 8^ Dresden, C. A. Koch.] Dressler, M., Die Kurse der Alliance francjaise. Progr. Leipzig 1898. 12 S. 80. Enseignement de la langue fran^aise. R6sum6 des conseils donn§s dans les Conferences pMagogiques. (1896-1897.) In-8*, 20 p. Saint-Quentin, imp. Poette. (1897.) [Inspection primaire de Saint-Quentin.] Fassbender, Die fremdsprachlichen Lehrbücher auf den höheren Mädchen- schulen. Progr. Altona, 1898. 21 S. 8^. Genin, Luden, et Jos. Schamanek: Description des tableaux d'enseignement d'Ed. Hölzel k l'usage des 6coles. Methode d'enseignement intuitif. 8^ (64 S.) Wien, Hölzel. M. 0,80. Jenrich, Zur französischen Schullektüre am Gymnasium. Progr. Ross- leben 1898. 32 S. 40. ÄatftßZ, (rßo. : Wissenschaft u. Unterricht. Rede. Lex. 8**. (19 S.) Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. Martinak, Dr. E.: Zur Psychologie des Sprachlebens. Mit einigen An- wendungen auf die ünterrichtspraxis. [Aus: ,,Ztschr. f. d. österr. Gymn."] gr. 8^. (22 S.) Wien, C. Gerold's Sohn in Komm. M. 0.80. Schädel, 0., Sprachgeschichte in der Höheren Mädchenschule. Progr. Worms 1898. 18 S. 4«. Schwarz, H., Die neusprachlichen Lehrbücher in den höheren Schulen Preussens. Nach den Programmen von Ostern 1896 zusammengestellt. Progr. Halle 1898. 19. S. 8^ Seeger, Ä., Zur Sprechfertigkeit der neusprachlichen Lehrer und motivierter Antrag auf Errichtung staatlich subventionierter Sprechzirkel. [In: Zs. f. d. Realschulwesen XXTTI, S. 321—380.] Seyvon, M™* C. — Tableau des quatre conjugaisons. In-plano, recto et verso. Paris, Gu6rin, Nicolle et C * . Tendering, F.: Molieres „femmes savantes" im Unterricht der Prima. Progr. gr. 4^. (18 S.) Hamburg, (Herold). Tirner, B.: Kleine Behelfe zur Belebung des französischen Unterrichtes an österreichischen Bügerschulen und verwandten Lehranstalten. 12^. (VIU, 132 S.) Wien, J. L. Pollack. M. 1.45. . Traugott, F., Darstellung und Kritik der Methode Gouin. Ein Beitrag zur Methodik des fremdsprachlichen Unterrichts- Diss. Jena 1898. 64 S. 8°. Traunwieser, J., Die Psychologie als Grundlage der Grammatik vom wissen- schaftlichen und pädagogischen Standpunkte aus kurz bearbeitet. Progr. Mähr-Trübau 1897. 30 S. 8^. Veyssier, E. — De la möthode pour Penseignement scolaire des langues Vivantes. In-18 j6sus, 204 p. Belin fröres. Paris, 1898. Wernicke, A., Zur Frage der sprachlich-logischen Schulung. [In : Zs. f. d. Realschulwesen XXIII, S 193—197.] Winkler, A., Hat die analytisch - directe Methode die Lehrerschaft be- friedigt? Vortrag, gehalten am 8. allgemeinen Neuphilologen tag in Wien. Mähr.-Ostrau, R. Papauschek. 24 S. 8^ 236 NavUätenveraeichnis, 9. Lelirinittel fttr den französischen Unterricht* a. Grammatiken, üebnn^sbücher etc. Abr6g6 de grammaire francjaise, ou Extrait de la Grammaire fran^aise ; par les Freies des ecoles chr6tieünes. Petit in- 18, 76 pag. Paris, Poussielgue. Bierbaum, Jul.y Lehr- und Lesebuch der französischen Sprache nach der analytisch-direkten Methode f. höhere Schulen. Verkürzte Ausg. m. (Schluss-) TL Mit 2 Plänen v. Paris u. Umgegend gr. 8«. (VIII, 280 und 8 S.) — u. Hubert y Bemh., Sammlung deutscher Uebungsstücke zum üebersetzen ins Französische im Anschluss an die systematische Repetitions- und Ergänzungs-Grammatik. 8». (VII, 68 S.) Ebd. —,80. Bilderhefte f den Sprachunterricht. Französisch. 1. u. 2. Hft. Lex. 8®. L., R. Voigtländer, ä — ,80. 1. Ayrolle, C. A.: De Bayonne k Toulouse Excursions de vacances. Avec 21 gravures et 1 plan. (61 S.) — 2. Aloulin, A., Le long de la mer bleue ä Bicyclette. Lettres de voyage. Avec 29 gravures et 1 plan. (ö8 S.) Boerner's, Otto, französisches und englisches Unterrichtswerk, nach den neuen Lehrplänen geordnet. Französischer Tl. v. Dr. Otto Boemer. Boerner, Gymn.-Oberlehr. Dr. Otto : Oberstufe zum Lehrbuch der fran- zösischen Sprache. Mit besond. Berücksicht. d. Uebgn. im mündl. u. schriftl. freien Gebrauch der Sprache. Ausg. C. Mit e. Hölzelschen Vollbild: „Die Stadt" u. 8 AbbiMgn. v. Paris. Hierzu in Tasche: Französisch-deutsches u deutsch-französ. Wörterbuch, gr. 8**. (VIII, 232 u. 125 S.) Ebd. 2,60. Borel, Eug.y Grammaire frangalse. Corrig6 des themes allemands. R6dig6 sur les textes de la 20. 6d. et publie ä l'usage exclusif des professeurs et des institutrices par Gymn.-Prof. Dr. Otto Schanzenbach. 8®. (V, 140 S.) St., P. Neff Verl. 2.50 Cours d'analyse grammaticale et logique; par les Freres des 6coles chr6- tiennes. Li vre de T^ldve. In- 12, 76 p. Paris, Poussielgue. Cours interm6diaire d'orthographe, ou Dictees et Exercices en rapport avec Pextrait de la Grammaire frangaise; par F. P. B. Livre du maitre, In-18 j§sus, VIII-336 p. Paris, Poussielgue. ElementarbtLch der französischen Sprache. IL Tl. Für das 2. Schulj. (Alt. von 9—10 Jahren.) Nach dem durch e. Kommission des Lehrerkon- vents der k Realanstalt in Stuttgart aufgestellten Programm bearb. V. K. Assfahl. 4 Aufl. gr. 8^ (IV, 108 S.) St., J. B. Metzler's Verl. Fonsny, Jwan, Grammaire francjaise (langue francjaise comparöe aux lan- gues allemande, n6erlandaise et anglaise, ä Pusage de Tenseignement moyen). Namur, Wesmael 47 S. Heinridi, Paul, Französische Genusregeln in Versen für den Schul- gebrauch u. den Selbstunterricht. Suppl. zu jeder Schulgrammatik. Mit e. Anh., enth. weitere Versregeln üb. die wichtigsten Gebiete der französ. Syntax, gr. 8^. (24 S.) Strassburg, J. Singer. — ,40 Kunst, die, der Polyglottie. (Bibliothek der Sprachenkunde.) Eine auf Erfahrg. begründete Anleitg., jede Sprache in kürzester Zeit u. in Bezug auf Verständnis, Konversation u. Schriftsprache durch Selbst- unterricht sich anzueignen. 57. Tbl. 12^. Wien, A. Hartleben. 57. Frank, A., Praktisches Lehrbuch der modernen französischen, deutschen u. rumänischen Conversation m. systematischem Vocabularium. (VIII, 182 S.) Larousse, P. ~ Grammaire litteraire. Explications suivies d'exercices NovHMenverzeichnis, 237 snr les pbrases, les allusions, les peDs6es heurenses emprnnt^es ä nos raeilleurs 6crivains, etc. Livre de l'feleve. 5« edüion. Iii-12, 336 p. Paris, Larousse. 2 fr. [La Lexicologie des ecoles. Cours complet de langue frangaise et de style.] Münster^ Karl, u. Adf. Dage forde j Elementarbuch der französischen Sprache f. das praktische Leben. 2. Aufl. gr. 8"^. (260 S.) B., L. Oehmigke's Verl. 1,80. Flattner^ Ph., Kurzgefasste Schulgraramatik der französischen Sprache. Mit e. Lese- u. Uebungsbuch in zusammenhäng. Lesestticken, ümbildgn. u. Uebersetzungsaufgaben. 2. Aufl. gr. 8**. (VI, 392 S.) Karlsruhe, J. Bielefeld's Verl. 3,60. Püttmann u. Behrmann, Proff. DD., Lehrgang der französischen Sprache. 2 Tl. gr. 80. B., E. S. Mittler & Sohn. 2. Püttmann, Französisches Lese- u. Uebungsbuch. Unter besond. Berücksicht. des Kriegswesens. 4. Aufl. (XV, 215 S. m. 1 Kartenskizze.) 3,— Roden, A. v., Die Verwendung von Bildern zu französischen und eng- lischen Sprechübungen. Progr. Elberfeld 1898. 47 S. 40. Rose, M., Cours de langue frangalse. Namur, Wesmael-Charlier 3 fr. Seelig, M., Französisches und englisches Vokabularium zu den HölzelVschen Anschauungsbildern (Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Bauernhof, Gebirge, Wald, Stadt, Paris bezw. London). Progr. Broraberg 1898. 91 S. 80. Stollreithetj JSitg., Aufgaben aus der Haupt-Prüfung der Lehramtskandi- datinnen f. neuere Sprachen in Oberbayern, gr. 8^. (61 S.) München, Piloty & Loehle. Strien, G., Lehrbuch der französischen Sprache. II. Tl. Ausg. B. : Für Gymnasien u. Realgymnasien, gr. 8^. (VIII, 206 S.) Halle, E. Strien. Sues, S., Exercices pratiques sur les gallicismes et locutions usuelles de la langue fran^aise avec traductiou allemande en regard. 2 6d. A. u. d. T.: Gallicismen u. Redensarten aus der französ. Umgangssprache. 2. Aufl. 8«. (VIII, 322 S.) Genf, R. Burkhardt. 2,50. Weiss, M., Französische Grammatik f. Mädchen. I. Tl. Mittelstufe. 3. Aufl. Neu bearb. nach den Bestimmgn. vom 31. V. 1894. gr. 8^. (VIII, 189 8.) Paderborn, F. Schöningh. 1,80. Wilde, Johs., Die französischen Konjugationen u. die unregelmässigen Verba, leicht fasslich dargestellt f. Eltern, Lehrer u. Schüler. Fol. (3 S. u. 1 S. in 8^.) Frankfurt a. M., Mahlau & Waldschmidt. —,20. b« Litteratnrgeschichte, Schnlansgaben, Lesebücher« Herckenrath, C. B. C, Pr^cis de litt6rature frangaise. 2« §dition. Gro- ningue, Noordhoff 1896. 32 S. 8^. f. 0,50. Nauheimer, Anne, Grundriss der französischen Litteraturgeschichte, in französischer Sprache aus Dictaten zusammengestellt. 8^. (47 S.) Mainz, J. Dieraer Verl. 1,—. Praz, F. — Une le^on de litt6rature, dialogue pour gargons. In-8^, 4 p. Paris, imprim. Dupr6; Pinatel, 18, rue du Faubourg-Poissonniere. 50 Cent. [Les Joyeuset6s de l'öcole.] Gresset, V. — Petit Trait6 de versification fran^aise, ä. Pusage des jeunes poetes. In-32, 76 p. Paris, Daniel-Chambon, 12, rue Daval. 1 fr. Petit Systeme metrique, par les Freres des ecoles chr6tiennes. Cours moyen. Deuxieme partie. Petit in-18, 72 pages avec fiff. Paris, Poussielgue. (1897.) 238 Novüätenverzeichnis, BeatuCy Thdr. de, Lehrbuch der französischen Sprache. Stufenweise ge- ordnete Leseatücke zusammenhäng. Inhalts. III. Stufe, gr. 8^ L., M. Hesse, ni. Syntax des Zeitworts. (VIII, 314 S.) Geb. 2.50. Conteurs Modernes. Contenant un choix de leurs Meilleurs contes, pr6- c6d6s de notices litt^raires et accompagn^s de notes explicatives par E. E. B. LacombU, Professeur k Tfecole moyenne d'Arnhem. P. Noord- hoß, Groningue G. E. Schulze. Leipzig : 1. Frangois Copp6e. Contes Choisis, 2. Alphonse Daudet. Contes Choisis. 3. Andr^ Theuriet. Contes Choisis. 4. ^fimilie Zola. Contes Choisis. 5. Guy de Mau- passant. Contes Choisis. 6. Contes Choisis de Jules Claretie et autres. Preis jedes Bändchens fl. 0,60=1 Mk. Damour, C. TT., Französisches Lesebuch f. die Schüler der mittleren Klassen höherer Schulen. I. Tl. Mit Wörterbuch. 12^ (Vm, 128 u. 55 S.) L., Freund & Wittig. 1,50. Ebray, VaUrie-E., Livre delecture contenant 20 anecdotes pour les leQons de conversation et de nombreux morceaux choisis en prose et en vers suivi d'un vocabulaire. Braunschweig und Leipzig. G. Reuter. IV, 68 S. 8^ Preis 1 Mk. Gerhardts französische Schulausgaben. Nr. 5. 2 Tle. 6. 12°. L., R. Gerhard. 5. Gr^ville, Henry, Perdue. Im Auszug f. den Unterricht hrsg. u. m. Anmerkgn. versehen von Lehrerin Meta v. Metzsch. 2. durchgeseh. Aufl. 1 Tl.: Text und Anmerkgn. im Anh. (VII, 167 u. 7 S. 1,30; kart. 1,50; 2. Tl.: Wörterbuch. (28 S.) —,25. Ponsard, FrauQois: Charlotte Corday. Drarae en vers. Für den Unterricht hrsg., sowie m. Anmerkgn. u. Wörterbuch versehen v. Gymn.-Oberlehr. a. D. Doc. Dr. Otto Weddigen, I. Tl.: Text, (VI, 138 S.) Kart. 1,40; H. Tl.: Anmerkungen u. Wörterbuch. (35 S.) —,25. HartmanrCs K. Ä. Mart., Schulausgaben (französischer Schriftsteller). Nr. 6, 10, 20. 12^ L., Dr. P. Stolte, Kart. 6. Thiers: Bonaparte en ]&gypte et en Syrie. Mit Einleitg. \i. Anmerkgn. hrsg. v. K. A. M. Hartmann. 2. Aufl. (XVI, 88 u. 78 S. m. 4 Karten.) 1,40. 10. Theu- riet, Andr6: Ausgewählte Erzählungen, m. Einleitg. u. Anmerkgn. hrsg. V. Gerh. Franz. (X, 92 u. 31 S.) 1,—. —,20. Michelet, Jules: Tableau de la France. Mit Einleitg., Anpierkgn. u. 1 Karte hrsg. v. K. A. Mart. Hartmann. (XIII, 78 u. 54 S.) 1,20. Jacobs, Brincker, Fick, Lesebuch f. den französischen Unterricht. Anfangs- stufe. 3. Aufl. gr. 80. (X, 144 S ) Hamburg, G. W. Seitz Nachf. 1,80 Krön, B., Le petit Parisien. Pariser Französisch. Ein Fortbildungs- mittel f. diejenigen, welche die lebend. Umgangssprache auf allen Gebieten des tägl. Verkehrs erlernen wollen. Nebst e. systemat. Frageschule als Anweisg. zum Studium. 4 Aufl. 12^. (Vm, 184 S.) Karlsruhe, J. Bielefeldes Verl. 2,40. Lamartine. — L^CEuore d'A. de Lamartine. Extraits choisis et annot^ h l'usage de la jeunesse, avec une notice sur la vie et les oeuvres de Tauteur, par G, Bobertet 3« edition. In-16, XX-480 p. avec portrait. Paris, Hachette et C*. 3 fr. Leja, P., Augiers Lustspiel „Le Gendre de Mr. Poirier" als Schullektüre Progr. Neustadt 1898. 22 S. 4^ Livre, premier de lecture francjaise et de traduction pour les enfants sachant lire l'allemand. — Erstes französ. Lese- u. Uebersetzungsbuch f. Kinder, welche des Deutschlesens kundig sind. 2. Aufl. 8°. (64 S.) Gebweiler, J. Boltze. M. 0,60. Lovera, Prof. B., Lectures et exercices fran(jais. Französisches Lese- u. Sprechbuch. Für die Mittelklassen höherer Lehranstalten bearb. Mit e. nach Lectionen u. e. alphabetisch geordneten Wörterverzeichnis. 80. (83 S.) St., Muth* M. 1. NovUatenverzeichnis, 239 — dasselbe. Livre du maitre. Schlüssel. Nebst exercices suppl6men- taires f. die Hand des Lehrers. 8°. (52 S.) Ebd. M. 1.80. Perthes' Schulausgaben englischer u. französischer Schriftsteller. No. 2 — 4. S^. Gotha, F. A. Perthes. Geb. 2. Moliere : Les femmes savantes. Co- m6die (1672). Für den Schulgebrauch bearb. v. Gymn.- Oberlehrer J. Mosheim. (XXII, 136 S.) M. 1.50. — 3. Copp§e, Frang. : Ausgewählte Erzählungen. Für den Schulgebrauch bearb. v. A. Rohr. (VIII, 126 S.) M. 1.4U ; Wörterbuch. (20 S.) M. 0.20. — 4. Erckmann-Chatrian : Histoire d'un conscrit de 1813. Für den Schulgebrauch bearb. v. Realgymn.- Oberlehr. Dr. Karl Holtermann. (V, 116 S. m. 1 Karte.) M. 1.40.; Wörterbuch. (26 S.) M. 0.20. Prosateurs frangais. Ausg. A. m. Anmerkgn. zum Schulgebrauch unter dem Text. Ausg. B. m. Anmerkgn. in e. Anh. 111 — 114. Lfg. 12®. Bielefeld, Velhagen & Klasing. Geb. 111. Krause, Arnold: A travers Paris. Aus Orig.-Texten zusammengestellt. Mit 18 Abbildgn. i. Text, I Plan V. Paris u. 1 Uebersichtskärtchen der Umgebg. v. Paris. Ausg. B. (VI, 193 u. 77 S.) M. 1.30. — 112. Taine, H.: Napoleon Bonaparte. In Auszügen hrsg. v. Jul. Sahr. Mit 1 Bildnis. Ausg. B. (IX, 82 u. 79 S.) M. 1. — 113. Sandeau, Jules: La röche aux mouettes (Der Möwenfels). Im Auszuge hrsg. v. Karl Strüver. Ausg. B. (VIII, 60 u. 25 S.) ~ M. 0.75. — 114. Guerre de 1870/71. R6cits mixtes. Par Chuquet, H6risson, B6zier, Hal6vy, Mme. Boissonnas, Doussaint. In Auszügen hrsg. v. Arnold Krause. Mit 1 Uebersichtskärtchen. Ausg. B. (V, 118 u. 46 S.) M. 1. Rambert, Eug., Les cerises du vallon de Gueuroz. La bateliöre de Postunen. Für den Schulgebrauch hrsg. v. Max Pfeffer. I. Tl. : Einleitung u. Text. II Tl.: Anmerkungen u. Wörterverzeichnis. 8®. (X, 201 S. m. 2 Abb. u. 2 Karten.) L., G. Freytag. M. 1.60. Sammlung französischer u. englischer Textausgaben zum Schulgebrauch. XVI. u. XVII. Bd. 8°. L., Renger. In Leinw. kart. XVI Prosa, aus- gewählte, des XVn. u. XVIII. Jahrh. Mme. de S6vign6. — Le Sage. — Montesquieu. — Voltaire. (HO S.) M, 0.90. — XVII. Prosa, aus- gewählte, des XVin. u. XIX. Jahrh. 1 Tl. J. J. Rousseau. — B. de St. Pierre. — X. de Maistre. — Mme. de Stael. — R. de Chateaubriand. — A. de Lamartine. — A. de Vigny. (95 S.) M. 0.80. Saure, Heinr., Französische Lesestoffe als Unterlagen zur Uebung i. münd- lichen Ausdruck. Sep.-Abdr. aus des Verf. Lesebüchern. 3. Aufl. gr. 8^. (V, 152 S.) Frankfurt a/M., Kesselring. M. 1.40. — Französisches Lesebuch f. höhere Mädchenschulen und Lehrerinnen- ßildungsaustalten, nebst Stoffen zur Uebg. im mündl. Ausdruck 2. Tl, 4. Doppel-Aufl. gr. 8^ (XVI, 582 S.) M. 3.60. AS*c/jwiJat*s^a6en englischem, französischer Schriftbteller. 4. Bdchn. 8^ Bremen, G. Winter. Geb. 0.80. Bremer^ J.., 40 französische Gedichte. Für den Schulgebrauch hrsg. 2. Aufl. IV, 55 S. Schulbibliothekj französische u. englische. Hrsg. v. Otto E. A. Dickmann. Reihe A: Prosa. 114. Bd. 8°. L. Renger. Geb. in Leinw. 114. Wers- hoven, F. J.: Lectures historiques. Mit 4 Karten u. 2 Plänen. Für den Schulgebrauch ausgewählt u. erklärt. (VI, 113 S.) M. 1.30.; Wörterbuch (40 S.) M. 0.40. — dasselbe, Reihe A: Prosa. 39., 45., 56., 69. Bd. 8^ Ebd. Geb. in Leinw. 39. Thiers, Louis- Adolphe: Campagne d'Italie en 1800. Mit 1 Karte u. 2 Plänen. Für den Schulgebrauch bearb. v. Aug. Althaus. 2. Aufl. (Xn, 115 S ) M. 1.50. — 45. Dhombres, G., u. Gabr. Monod: Biographies historiques. Für den Schulgebrauch erklärt v. H. Bret- schneider. 5. Aufl. (VIH, 81 S.) M. 1. — 56. Daudet, Alph.: Tar- 240 Novitätenverzeichnis, tariD de Tarascon. Für den Schulgebranch bearb. u. erklärt y. Jos. Aymeric. 3. Aufl. (X, 100 S.) M. 1. — 69. Conteurs modernes. Aus- gewählte Erzählgn. v. Simon, Theuriet, R6villon, Moret, Richebourg. Für den Schulgebrauch erklärt v. Jos. Vict. Sarrazin. 2. Aufl. (VIII, 88 S.) M. 0.90. — dasselbe. Reihe A: Prosa. 10., 14., 18., 51., 59 u. 73 Bd, 10. Michaud, Jos.-Frangois: Moeurs et coutumes des croisades (aus: Histoire des croisades). Mit 5 Abbildgn. Für den Schulgebrauch erklärt v. Frz. Hummel. 8. Aufl. (X, 114 S.) 1.20. — 14. Thiers: Exp6dition de Bonaparte en i^gypte (aus: Histoire de la r6volution frangaise und Histoire du consulat et de Tempire.) Mit 3 Kartenskizzen. Für den Schulgebrauch erklärt v. Otto Klein. 5. Aufl. (X, 124 S.) 1,50. — 18. Lamartine, A. de: Captivit6, proc^s, mort de Louis XVI et de sa famille (aus: „Histoire des Girondins''). Mit 2 Plänen und 2 Abbildgn. Für den Schulgebrauch bearb. v. Beruh. Lengnick. 3. Aufl. (fil, 121 S.) 1,30. — 51. Erckmann-Chatrian: Waterloo. Suite du Gonscrit de 1813. Für den Schulgebrauch erklärt v. Jos. Aymeric. 3. Aufl. (IX, 125.) 1,40. — 59. Sarcey, Francisque: Le si^ge de Paris. Mpres- sions et Souvenirs. Auswahl. Mit 1 Plane v. Paris u. 1 Karte 4er Umgegend. Für den Schulgebrauch erklärt v. U. Cosak. 4. Aufl. (X, 156 S.) 1,50. — 73. Lam6-Fleury: Histoire de France de 406— 1328. (aus: Histoire de France). Für den Schulgebrauch bearb. v. J. Hengesbach. 2. Aufl. (VI, 98 S.) 1,— Referate und Rezensionen. Lindström, A, L'analogie dans la declinaison des substantifs latins en Gatüe. üpsala, Almquist & Wicksells 8**. I. Th^se pour le doctorat. 1897. 324 u. XI s. II. 1898. 115 u. VI S. Lindström sucht an der Hand der ältesten Texte ein Bild jener analo^schen Strömungen zu geben, die aus der lateinischen Deklination die französisch provenzalische gemacht haben. Er stellt zunächst das gesamte Wortmaterial in Tabellen zusammen und bespricht die lautliche Form namentlich der nachtonigen Wortteile im ersten Teil, woraus dann im zweiten die Schlüsse gezogen werden. Ein schwerer methodischer Einwand scheint sich mir zu- nächst an die Auswahl der Texte zu knüpfen, besonders der fran- zösischen. Es sind dieser „ältesten Texte" viel zu wenige, um aus ihnen hinreichenden Stoff zur Behandlung strittiger Punkte zu ge- gewinnen; es zeigt sich das namentlich bei den Substantiven der 3. Deklination — Leodegar und Sponsus beweisen für das franz. nichts, da der Schreiber oder Dichter nicht in da« eigentlich fran- zösiche Sprachgebiet gehört, bei den Eiden, Eulalia, Jonas kommen zu der geringen Ausdehnung noch die korrekt- oder verkehrt-lati- nisierenden Schreibungen, beim hohen Lied die bekannten Grillen des Kopisten, die besonders dem Wortauslaut schaden. Es bleiben also als wirklich zuverlässige Texte nur die Reimpredigt und Alexis, zwei kurze Texte, die noch dazu ungefähr derselben Gegend angehören, so dass also gar nicht unterschieden werden konnte, was spezifisch westliche Eigentümlichkeit, was dem gesamten fran- ösischen Sprachgebiet angehört. Ein Zweites. Tabellen sind ja dort sehr am Platz, wo es sich um rasches übersehen komplizierter Vorgänge, widersprechender und mannigfaltiger Formen handelt. Wozu aber diese langen, voll- ständigen Tabellen, wo die Dinge so klar vor unsern Augen liegen, wie etwa bei der 1. Dekl.? Die konsequente Durchführung hat denn auch den Verfasser z. B. dazu verleitet, beinahe eine Seite darüber zu verlieren, ob das Wort coroaa^ das sich in einer provz. Urkunde in einer Aufzählung findet, Nomin. oder Akkus, ist (I. 37f.) Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX» 16 242 Beferate und Rezensionen. Bugen Herzog, Eine einfache Aufzählung der Formen wie sie Stengel Ausg. Ahh, I s. 245—248 für das Französische giebt, hätte jedenfalls genügt. Es scheint mir auch zweifelhaft, ob es ratsam war, die Adjek- tive gänzlich von einer derartigen Untersuchung auszuschliessen, nachdem doch zwischen Adjektiv- und Substantivdeklination der engste Zusammenhang besteht. Es ist nach dem Gesagten recht begreiflich, dass die Ergeb- nisse der Arbeit nicht im angemessenen Verhältnis zu dem grossen Aufwand von Fleiss, Kraft, Zeit und Papier stehen. Die neuen Momente, oder jene, die Verfasser nachdrücklicher betont als es bis jetzt geschehen war, sind hauptsächlich die drei fol- genden: 1. Er weist auf die Verschiedenheit hin, die die Einwirkung von 'U und -i zwischen Nom. Plur. und Akk. Sing, der 2. Dekl. auf den Stamm hervorrufen musste und geht den unsichern Spuren dieser Verschiedenheit nach (I, 181; II 50 ff.) 2. Das Endungs-s hat die Tendenz, die Mouillirung des vorhergehenden Konsonanten aufzuheben. Verfasser erklärt damit die Differenz zwischen -Vu^ und l'u, die sich auf weitem Gebiet teils durch das Fehlen des i, teils durch Z > w bei ersterer Endung nachweisen lässt (I. 159 — 166). Eine beachtenswerte Annahme, bei der es sich nur fragt, wie alt dieser Schwund der Mouillierung sei. Ihn für die ältesten Denkmäler anzunehmen, fehlt, wie ich glaube, der Grund. Der Schreiber der Eul. hat melz ohne i, aber ebenso conselliers. Alex. L. schreibt zwar velz, melz neben conseil, aber oüz wie oil, so dass die Vermutung nahe liegt, dass die Verbindung Iz schon zur ge- ntige die Mouillirung des l andeutete. In den andern beiden Fällen, in denen Verfasser mit diesem Moment operiert, halte ich die Deutung für verunglückt. Er sucht es nämlich zu einer neuen Lösung der -ariws-Frage zu verwerten, nachdem er Staaft's Theorie zu wider- legen gesucht hat (I 217 f. und dazu Staaff, LfgrPh. 1897 s. 410 f.). Er stellt auf: -arius '>-ers, -ariu >-e(e)r; iarius, -crius >4ers, -iariUy -eriu >ir; ie wäre entweder zuerst in die Eeflexe von -arius oder in die von -iariu, -eriu eingedrungen und hätte dann allmählich auch den Vokal der anderen Formen verdrängt. Man versteht namentlich nicht, wie gerade hier der nom. masc. dazu kommt, den Vokal des Akk. und Fem. zu verdrängen und — ein Mangel den die Theorie des Verfassers allerdings mit manclien andern teilt — warum die Formen, die bei palatal berechtigt waren, so ganz und gar die andern verdrängt haben. In späterer Zeit hat ja -ier ein anderes -er allmählich ersetzt, aber damals war 4er ein unendlich oft, -er ein selten vorkommendes Suffix; in unserm Fall wäre beides im besten Fall gleich häufig gewesen. Endlich sucht Verfasser seine Theorie zur Erklärung der ver- A. Lindström j IJanologie dans la declinaison. 243 scliiedenen Schreibungen von factus, facht etc. im prov. /acÄ-Gebiet auszunützen. Er stellt auf: factos > faitz, fadu, facti > fach, dann gegenseitige Angleichung. Staaif a. a. 0. hat ihm schon gelegentlich einer ähnlichen Theorie fürs fait-Geh'iet peiz {K^pectus) entgegen- gehalten und dieses Wort entscheidet auch hier zu Ungunsten des Verfassers (vgl. noch App. Chr, 68, 14: pechs). Nun hat Verfasser allerdings diesem Vorwurf die Spitze abzubrechen versucht, indem piech als analog zu fach nach fatz: pietz erklärt wird. Aber es ist im höchsten Grade unwahrscheinlich, dass in der frühen Zeit, wo noch die Typen fach, fatz rein erhalten gewesen wären, gerade nur im fach-(jehiet sich dieser Einfluss geltend gemacht hätte. Und dann, warum wirkt die Analogie nur auf pietz und nicht auf die grosse Menge anderer Wörter, die im Nom. -tz hatten? Und wenn man sagen wollte, dass pratz : pra ohnehin verschiedene Formen hatte und deshalb eine Distinction nicht erst herbeigeführt zu werden brauchte, warum wirkte sie dann nicht auf Wörter wie hratz, soIatZy pretz, votz, etc.? Verfasser wird doch wohl nicht behaupten wollen, dass speziell die ähnliche Lautgestalt des Partiz. despietz: despiech die Differenzierung hervorgerufen habe? 3. Ein drittes Moment ist die verschiedene Einwirkung von us und ös. Es war schon verwendet worden, um die Entwickelung der Wörter auf -ocus zu erklären und Verfasser beruft sich darauf, um, wieder im /acft-Gebiet, den Grund der Abweichung von faitz, fatz zu er- klären: f actus > fat^j factos >/aitz, begründet durch die Zeit- diöerenz zwischen dem Ausfall des o und des u. Natürlich ist pectus hier ein noch stärkeres Argument, um die Hypothese Lind- ströms zu entkräften. Die verschiedenen Schreibungen erklären sich wohl am besten durch die Batlosigkeit, in der die Schreiber der Wiedergabe eines palatalen Lautes durch das lateinische Alphabet gegenüber standen. Nehmen wir an, es sei im Akk. fat' oder fac gesprochen worden; man bezeichnete den Palatal mit h wie l mit Z/i, also fach (nicht fath, weil th aus den griechischen Wörtern als mit t gleichbedeutend bekannt war), man bezeichnete ihn mit vorangehendem i wie V mit il, also -it (nicht ic, weil sonst c am Ende als k gesprochen wurde); man bezeichnete ihn mit g, weil dies vor e und i den entsprechenden tönenden Laut bezeichnete und hier keine Gefahr vorhanden war, dass g gelesen würde, da dies am Ende provz. Wörter nicht vorkam;^) man bezeichnet ihn manchmal auch gar nicht (fat), wie auch gelegentlich Z, n für l\ d geschrieben wurde. Ebenso wurde dann geschrieben, wenn noch z hinzutrat, nur dass die Schreibungen ohne i hier häufiger sind, wohl weil z an und für sich palatalen Wert haben konnte: vetz^ ^) Ausserdem lag diese Schreibung durch Fälle wie sorg = sortz (surgit) nahe. 16* 244 Beferate und Rezensionen. D. Behrens. conselz u. s. w. In der ,/ai<"-Gegend wurde vermutlich der Palatal ein weniges weiter vorn artikuliert als in der „/acÄ**-Gegend, weshalb die Schreibungen mit ch fehlen. — Einzelne Mängel wurden bereits von Staaff a. a. 0. Sp. 409 ff. hervorgehoben. Hier eine weitere Auswahl von Bedenken. I 36. CompainMe est certainement faite sur cowpainhe. Und warum nicht compati + «^^ Wenigstens hätte begründet werden sollen, warum diese Möglichkeit ausgeschlossen ist. I 45. Dass somonsus, -a schon lateinisch war, ist mir sehr wahracheinlich ; das n hätte zwar schwinden müssen, hat sich aber durch den Einfluss der anderen Formen gerettet. Wenn ich den Verfasser recht verstehe, so behauptet er, dass vom Part, sub- monsus und dem Partie-Substantiv im Französischen keine regel- mässige Form vorhanden sei^), vgl. semuns Lais M. d. Fr. 34 747, 193212 (R) Jos. 1443, En. 3571, Rusteh. 111 g^ Jeh. de Conde ed. Tobler IV 1092 (semonse), V 137 (R), VI 110; noch Farces edid. Picot VI 35. Für das Subst. Beispiel bei Littre s. semonce. Godefroy enthält natürlich kein Beispiel, da Subst. und Verb noch neufrz. sind. Provz. auch die regelmässige Form semos M L. II 378. I 96 f. sen0 im Leodeg. und wohl auch senz im Boece f Addi- tions et corr. s. X.) gehen vermutlich nicht auf sensus, sondern auf das german. Wort zurück. I 136. Das r in tresor wie jenes in tremprer zu erklären geht wohl nicht an, da eine derartige „anticipation*' doch nur da stattfindet, wo muta + liquida vorliegt. Das r ist thatsächlich durch Anlehnung an das präfix tre=trans entstanden, da selir viele Worte dieses hatten, aber nur wenige die unbetonte Silbe te.^) Die Körting'sche Annahme, das man tres or gefühlt hätte, braucht man deshalb noch nicht zu acceptieren. I 150. prov. amlg(s) beweist natürlich noch gar nicht, dass man auch so gesprochen habe, g kann orthographische Reminis- zenz an amiga, amigal u. s. w. sein. I. 195 eine Reihe vadunt > vad^n > van anzunehmen halte ich für unnötig; van beruht wohl auf Analogie nach estan^ dan. Zu Beginn des zweiten Teils stellt Lindström in grosser Ausführlichkeit die Typen des Ascoli'schen Dreicasus-Systems auf, um dann schliesslich zu dem Schluss zu kommen (S. 13), dass wir gar keinen Grund haben, das Fortbestehen des Abi. in Gallien an- zunehmen. Dagegen nimmt es sehr wunder, dass von einem andern kas. obl. nicht die Rede ist, dessen Fortbestehen durch das Rumän., durch die Pronominalflexion, durch gent payenor und vielleicht *) Verfasser fasst die Eriialtung des n nicht als Unregelmässigkeit auf, wie man aus dem provz. Beispiel somonsa ersieht. 3) G. Paris in Rom. XIX. 120. ThomaSy Ä. Essais de pJdlologie frangaise. 245 durch den präpositionslosen Dativ im Altfrz. recht wahrscheinlich wird, eines kas. obl. der aus dat. sing, und plur. zusammengesetzt war. II. 43 f. sucht Verfasser durch die Formen aUal, aitant, cai- üva und gitar nachzuweisen, dass et sich im fach-Gebiet vortonig zu it entwickelt habe; die widersprechenden Formen seien analogisch. Ich bestreite nicht die Möglichkeit dieses Verhaltens ; aber die vom Verfasser angeführten Fälle sind völlig unzureichend, es zu be- weisen. Caitiva muss solange aus dem Spiel bleiben, als wir die Etymologie nicht ermittelt haben; aital, aitant stehen unter Einfluss von tal, tant] bei gitar haben wir eine entsprechende Unregel- mässigkeit im Franz., wo wir aus jeäare (nicht mit Stern anzu- setzen,*) geitier erwarten, aber, wenige Ausnahmen abgerechnet, geter im Eeime mit amer u. s. w. finden. Wir haben offenbar Dissimilation auf der Stufe d'et'ar {^d'etar). Die Untersuchung über den Nomin. Sing, der 3. Dekl. hätte, wie auch der Verfasser selbst einsieht (II. 78), auf der Basis eines viel reicheren Materials durchgeführt werden müssen. Der Ver- fasser hat das Seinige noch unnötig durch Ausschluss aller gelehrten Wörter vermindert. Es ist klar, dass für die Morphologie ein iniquite ebensoviel beweist als clarte. Vollständig verfehlt ist die Annahme eines Nomin. homene (II 80), der erst durch den Vokatif wieder verdrängt wurde. Erklärt Verfasser ital. uomo auf dieselbe Weise? S. 72 war es verfehlt fin Alex. 460 [92e] unter die Bei- spiele aufzunehmen, da L fins hat. Der Verfasser eines kritischen Textes wird natürlich eine gewisse Gleichförmigkeit anzustreben haben, aber der Grammatiker hat auf die Form der Handschrift zurückzugehen. Eugen Herzog. Thomas, A. Essais de philologie frangaise. Paris. Librairie Emile Bouillon. 1898. VIII, 441 S. 8. Preis 7 frcs. Das vorliegende Buch enthält unter den Überschriften Melanges philologiques und Eecherches etymölogiques neunzehn Studien zur französischen und provenzalischen Sprachgeschichte^), eine Abhandlung *) Ind. F. Am. II p. 35. ^) Sur la formation du nom du pays de Comenge. — La loi de Darmesteter en provengal. — Les noms de riviöres en ain. — Las noms coraposes et la dferivation. — La d6rivation ä. l'aide des Suffixes vocaliques atones. — L'origine du parfait provengal en et. — Le celtique hroga en roman. — Le dram de ,,(ilaiz6" et le cadenas** du Lot. — D'un comparatif roman et d'une prfetendue peuplade barbare. — Le ,,plomb" 246 Referate und Rezensionen. D. Behrens, über G. Paris und hundert Beiträge etymologischen Inhaltes. Es folgen ein Anhang, in dem über einige italienische Wörter fran- zösischen Ursprungs gehandelt wird und ein 31 Seiten umfassender Wortindex. Die meisten Essais waren früher in der Romania, einige andere in den Annales de la Faculte des Lettres de Bordeaux^ den Annales du Midi, der Revue Celtique^ den Annales de geogra- phie und der Revue encyclopedique Larotcsse bereits erschienen. Neu hinzugekommen sind eine Abhandlung Sur la signature de la reine Anne de Russie, einige etymologische Artikel und der Anhang. Auf den reichen Inhalt der zu einem stattlichen Bande vereinigten wertvollen Aufsätze, welche von sorgfältiger Beobachtung des Sprachlebens und gründlichen, umfassenden Studien seitens ihres Verfassers Zeugnis geben und überdies in eine gefällige Form ge- kleidet sind, soll hier nicht ausführlich eingegangen werden. In verhältnismässig wenigen Fällen wird man die Ergebnisse des Ver- fassers ablehnen müssen oder mit den Ausführungen desselben wenig- stens nicht ohne weiteres sich einverstanden erklären können. Letzteres ist z. B. der Fall, wenn Th. S. 295 f. in Bezug auf franz. flaquihre die Angaben Savary's im Supplement seines Dictionnaire de commerce und späterer Lexikographen, wonach dieses Wort, von einer Art Kopfputz des Maulthieres (les trois plagues de cuivre rondes gui couvrent le chanfrain et les deux cotez de la tele du mutet) ge- braucht werde, als irrig zurückweist und darin falquidres (nfrz. fauchereSy das Schwanzholz am Saumsattel) vermuthet. Hier darf zur Stütze der von Savary und anderen überlieferten Auffassung darauf hingewiesen werden, dass das Niederdeutsche und Nieder- ländische flabhe flabke flabbken (daneben flebbe flebke flebbken), wo- rauf sich flaguidre zurückführen lässt, in den Bedeutungen Stirnbinde, Kopftuch, dreieckiges Läppchen, Stirnband mit bis auf die Augen herunterhängendem Spitzenbesatz kennen. Vergl. ten Doornkaat Koolmann Ostfriesisches Wörterbuch I, S. 493, wo, unter Hinweis auch auf Diez Etymol, Wörterb. IIa fiappo, über die Verbreitung und Bedeutung der germanischen Wörter Angaben sich finden. Hinsichtlich der Beurtheilung des franz. Wortes lässt sich eine endgültige Entscheidung nicht treffen, so lange weitere Belege desselben nicht gefunden werden. Vilebreguin wird von Th. im Gegensatz zu früheren Aufstellungen mit ndl. wimpelkin, engl, wimble^ dän. wimmel in ety- mologischen Zusammenhang gebracht. Es sei gestattet, seinen an- du Cantal. — Les Juifs et la rue ,,Joutx-Aigues'S ä Toulouse. — De quelques emprunts du basque au gascon. — Sur la formation du nom de la ville d' Arles. — L'influence du gascon sur la langue frangalse. — La langue du Daupbine septentrional. — Le patois de Cellefrouin (Charente). — La Jangue de Bernard Palissy. — La signature de la reine Anne de Russie. — La semantique. Bauzat, A. l^udes linguisiigues, 247 regenden und wie mir scheint überzeugenden Ausführungen hier ein paar ergänzende Bemerkungen hinzuzufügen, unter den ger- manischen Entsprechungen waren auch fläm. wemel (De Bo, West- vlaamsch idioticoti), mnd. wemel, mmel (Schiller u. Lübben) heran zu ziehen. Die Erhaltung des Nasals zeigen noch heute norm. vinberquin (Joret, Le patois norm, du Bessin s. v.) und, mit anderer Endung, vinblle (ib.), vimblet (Du Bois-Travers, Glossaire), guimbelet (ib.), vymbllet (Fleury, Essai), Haut- Maine guinblet. Volksetymo- logische Angleichung an virer zeigen ausser den von Littr6 ver- zeichneten Formen auch Clairvaux virebeurquin (Baudouin, Glossaire), Troyes virebrequin (Grosley, s. Baudouin l. c), Yonne virebeurquin (Jossier, Didionnaire), Beaune virebrequin (Bigarne, Fatols et Locu- tions 8. V. virette), Petit Noir virbrokdn (Kichenet), Saintonge vire- brequin (Eveille, Glossaire), Schriftfrz. vilebrequin ist nach Th.'s ansprechender Deutung aus virebrequin mit Dissimilation der beiden r entstanden. Ebenso erklären sich wohl mit dissimilatorischem Schwund des ersten r viberquin in Blois (Thibault, Glossaire) und, unter Assimilation des Silbenanlauts, pik. biberhin (Corblet). Letztere Bildung mag dem verkürzten brequin unmittelbar vorangegangen sein, woraus dann durch Agglutination des unbestimmten Artikels ein in Mons einberquin (Sigart) entstehen konnte. Verschmelzung des Anlautes liegt vor in lothring. louibriquin (in Landremont, s. Adam Fat. lorr, pg. 267), dem im Pat. de la Meuse (Labourasse pg. 404) das ursprünglichere ouilbriquin entspricht, und vielleicht auch in den von Jouancoux und Devauchelle £tudes S. 134 ver- zeichneten pikard. Formen liberquin, luberquin neben viberquin und hiberquin, D. BEHRENS. Dauzat, A. £tudes linguistiques sur la Basse Auvergne, Fhotietique historique du patois de Vinzelles (Puy-de-D6me). Pr6c6de d'une preface de A. Thomas. Paris 1897. F. Alcan. 175 S. 8°. Preis 6 fr. [Bibliotheque de la Facult6 des lettres de l'üni versitz de Paris]. Der Vorrede, welche A. Thomas der Arbeit seines Schülers vorangestellt hat, entnehmen wir die Bemerkung: Les facuUes des lettres exigeaient jusqiCä ces derniers temps des candidats ä la licence quatre compositions ^ ecrites, d^un caracthre purement scolaire. Un recent decret a auiorise le remplacement d'une de ces compositions par un travail personnel, sous la seule reserve que le sujet rentre dans Venseignement de la faculte oü doit se passer Vexamen et qu^ü soit approuve d^avance par le professeur competent, Cest comme travail en vue de la licence es lettres que le memoire de 248 Beferate und Bezensionen, C. Tim. M, Albert BauzaJt a etS compose et presente d la Sorbonne, Möchte die hier erwähnte Neuerung im französischen ünterrichtswesen, die gewiss als ein wesentlicher Fortschritt bezeichnet werden darf, recht viele so nützliche und tüchtige Untersuchungen im Gefolge haben, wie diejenige des Herrn Dauzat es ist. Die mit guter Methode und anscheinend grosser Sorgfalt ausgeführte Arbeit ist um so freudiger zu begrüssen, als bei der wissenschaftlichen Durch- forschung der französischen Patois diejenigen der Auvergne bislang besonders schlecht weggekommen waren. Nach den Ausführungen des Verfassers nimmt das von ihm behandelte Patois von Vinzelles, mit dem dasjenige zweier benachbarter Ortschaften, Bansat und Ferrussat, annähernd übereinstimmt, zwischen den nordfranzösischen und südfranzösischen Mundarten eine Art Mittelstellung ein, doch so, dass es mehr dem letzteren sich nähert. Leider fehlen für die betreffende Gegend ältere Denkmäler in der Vulgärsprache fast ganz, so dass die Bezeichnung phonetique historique des Titels nicht viel mehr besagen will als eine Darstellung des gegenwärtigen Lautstandes aut vulgärlateinischer Grundlage. Hat sich hiermit dem Verfasser bei der Bearbeitung seines Themas eine unfreiwillige Beschränkung ergeben, so hat er andererseits selbst eine Beschrän- kung insofern sich auferlegt, als er nur die dem lateinischen Erb- wortschatz angehörenden und die frühzeitig latinisierten Sprach- elemente, sowie in Kürze die aus dem Lateinischen eingedrungenen Lehnwörter behandelte, dagegen dfe auf späterer Beeinflussung durch das Germanische und durch die französische Schriftsprache beruhenden Veränderungen der Mundart von der Behandlung aus- geschlossen hat. Verfasser wird die Absicht haben, diese Lücke durch eine spätere Studie auszufüllen, wie wir denn auch nach einer Mitteilung der Vorrede (S. VI) eine Darstellung der Morphologie, der Syntax, sowie die Ausarbeitung eines vollständigen Glossars von ihm erwarten dürfen. Die vorliegende Erstlingsarbeit lässt für diese Fortsetzungen, das beste erhoffen. D. Behrens. Stier, Georg, Französische Syntax. Mit Berücksichtigung der älteren Sprache. Wolfenbüttel. J. Zwissler 1897. VIII, 475 S. 8^ Mk. 6. Jede neue Erscheinung auf dem Gebiete der französischen Syntax erregt des Eef erenten besonderes Interesse ; hofft er doch, dass endlich einmal eine Arbeit erscheinen möchte, die das aus- getretene Geleise verlässt, um auf neuem Wege zu gehn. Vorliegendem Buch ist das Motto ,,C'est peu d'etre concis, il faut etre clair'* vorgedruckt. In dem Vorwort, in dem der Stier, Georg. Fransömche Syntax. 249 Verfasser die Vorzüge seines Werkes vor den schon vorhandenen hervorhebt, sagt er: „Bei der Darstellung kam es dem Ver- fasser zunächst darauf an, unter Wahrung der wissenschaftlichen Form eine klare, einfache Sprache zu reden. Sodann wurde ver- sucht, die einzelnen Begeln unter einem gemeinschaftlichen Gesichtspunkt zusammenzufassen, auf ein inneres Sprachgesetz zurückzuführen, denn nur dann wird die Sprache nicht als ein Conglomerat von einzelnen, mechanisch aneinander gereihten Eegeln erscheinen, sondern als ein lebendiges, organisches Ganze." Mit diesem Grundgedanken ist der einzig richtige Weg angedeutet, der zur Erkenntnis der Sprache führen kann. Es ist derselbe Ge- danke, den Gröber im Grundriss I Seite 212 ff ausgesprochen hat. Verfolgt der Verfasser diesen Weg, so wird er unzweifelhaft zu Ergebnissen gelangen müssen, die uns mit Befriedigung erfüllen. Stier hat die bereits erschienenen Arbeiten verglichen und benutzt; mehr als 90 Grammatiken haben ihm vorgelegen, von denen er 10 namentlich aufführt, denen er am meisten ver- dankt. Doch trotz Benutzung der vorhandenen Werke, meint der Verfasser in seiner Vorrede weiter, sei seine Syntax nicht eine ein- fache Kompilation, sondern eine selbständige Arbeit mit vielen neuen Gedanken; dass er dabei keiner Schwierigkeit aus dem Wege gegangen sei, dürfe, seiner Meinung nach, schon ein flüch- tiger Blick in das Buch erkennen lassen. Eeferent hat das Buch mit Aufmerksamkeit gelesen, hat Fälle, die ihm bei seiner französischen Lektüre als interessant aufgefallen waren, meistenteils in dem Buche verzeichnet ge- funden. Er kann sagen, dass der Verfasser so ziemlich alles in sein Buch aufgenommen hat, was des Auf nehm ens wert erscheint. Die Fülle des zusammengetragenen Stoffes darf als zufrieden- stellend bezeichnet werden. Leider lässt sich dasselbe nicht immer von der Verarbeitung des Stoffes sagen. Wir greifen zunächst das Kapitel über die Modi und Tem- pora heraus, denen 100 Seiten gewidmet sind. Dies Kapitel wird mit der Angabe eingeleitet, die französischen Grammatiker stimmten hinsichtlich der Anzahl der Modi nicht überein; einige nähmen 3, andere 5 beziehung weise 6 an. Unser Verfasser selbst entscheidet sich für drei Modi, den Indikativ, den Konjunktiv und den Imperativ. Wir hätten erwartet, da er nun einmal diese Frage angeschnitten hatte, von ihm auch seine Gründe für die Annahme von 3 Modi zu hören. Statt dessen geht er sofort zur Darstellung der Modi über, jedoch nur des Indikativs und des Konjunktivs, indem er eine Betrachtung des Imperativs ausschliesst, da dieser in beiden Sprachen, der deutschen und französischen, 250 Referate und Rezensionen, C. This, übereinstimme. Dem widerspricht aber der Abschnitt über den „Gebrauch des Futurs statt eines Imperativs" (S. 99). Es wird als Definition des Indikativs gesagt, er sei der Modus der Wirklichkeit, er stelle den Inhalt des Satzes als wirklich, als thatsächlich hin. Das ist für je viens, je venais ganz recht. Aber wie verhält es sich doch mit je viendrai oder je mendrais ? Ist hier der Inhalt des Satzes als thatsächlich hingestellt? Wir glauben nicht. Entweder ist also die Definition des Indikativs nicht richtig, oder aber sie ist richtig, und dann gehören Formen wie je viendrai und je viendrais nicht dazu. Der Verfasser erläutert seine Tempora des Indikativs in sehr ausführlicher Weise. Am längsten verweilt er beim Imperfekt im Indikativ, kurzweg imparfait genannt, und dem pa8s6 d^fini. Nachdem zunächst das Gemeinsame derselben, dass sie nämlich unvollständige Zustände und Handlungen der Vergangen- heit bezeichneten, welche in ihrer Wirkung nicht bis in die Gegen- wart hineinreichen, angegeben ist, sucht der Verfasser dasjenige festzustellen, worin sie sich unterscheiden. Er findet es darin, dass das Imperfekt Zustände und Handlungen von unbegrenzter Dauer, das pass6 defini dagegen solche von begrenzter Dauer bezeichne; zu letzterem wird gleich als Anmerkung hinzugefügt, auf die Länge der Dauer komme es nicht an, dieselbe könne Minuten betragen, Hauptsache sei, dass sie begrenzt sei. Was soll das alles heissen? Soll damit der zeitliche Unterschied zwischen diesen beiden Verbformen festgestellt werden? In dem Satze Hier il fut malade wird der Gebrauch des d6fini d. h. die begrenzte Dauer damit erklärt, dass die Krankheit höchstens 24 Stunden gedauert habe; oder in Ä dnq heures il alla ä Potsdam, etil revint ä dix heures sei Anfang und Ende bezeichnet, also begrenzte Dauer. Ist das nicht gesucht? Soll wirklich das Wesen des defini in dieser Erklärung liegen? Wenn man nun sagt, A cinq heures il allait ä Fotsdam, et il revenait ä dix heures? Der Verfasser wird zugeben, dass dieser Satz auch möglich ist. Soll hier die begrenzte Dauer zu einer unbegrenzten geworden sein, wo doch nur die Verbform eine Aenderung erfahren hat, während alles Übrige stehen geblieben ist? Wie soll diese Unterscheidung noch aufrecht erhalten werden ? Die in Anmerkung 2 auf Seite 86 für diesen Gebrauch des Imperfekts gegebene Erklärung genügt nicht; denn wir können nicht glauben, dass man beim Gebrauche des Imperfekts recht lebhaft erzählen wolle; eine Erklärung darf nicht so subjektive Wertschätzungen enthalten. Es dürfte doch wohl der Unterschied zwischen diesen beiden Verbformen kein zeitlicher, sondern ein anderer sein. Aus obiger Unterscheidungsregel werden alle Fälle des Gebrauchs des defini erläutert; wie uns scheint, waren dabei oft Schwierigkeiten Siier, Georg. Französische Syntax. 251 zu überwinden. Wenn Seite 80 zu den Adverbien, die als Bestimmung von begrenzter Dauer gelten sollen, auch court gerechnet wird, z. B. in dem Satze Le dejeuner fut court, so ist das wohl nur vom Verfasser übersehen worden. Seite 87 heisst es, im realen Bedingungssatze stehe das passe deiini; denn die im Bedingungssatze ausgesprochene Voraus- setzung sei wirklich vorhanden, also real; und dann weiter: „Im irrealen Bedingungssatze steht das imparfait; denn die aus- gesprochene Voraussetzung ist eine blos gedachte, nicht wirk- liche, also irreale." Ja, wo bleibt da die Konsequenz? Es wurde uns gesagt, der Unterschied zwischen imparfait und d6fini liege in der unbegrenzten bezw. begrenzten Dauer; hier ist davon gar nicht mehr die Bede. Ausserdem wurde (Seite 75) gesagt, das imparfait, als Zeit des Indikativs, stelle den Inhalt des Satzes als wirklich hin, während hier (S. 88) genau das Gegenteil davon behauptet wird. Aber auch den Bemerkungen über das Verhältnis von pass6 defini zu pass6 indelini können wir unsere volle Zustimmung nicht geben. Hier tritt in den Begeln fast immer können auf; damit wird eigentlich die Geltung einer Eegel aufgehoben. Es heisst: „Das passe defini bezeichnet eine Handlung, die in der Vergangen- heit stattfand und deren Wirkung sich nicht auf die Gegenwart erstreckt. Das passe ind^fini kann eine solche Handlung ebenfalls bezeichnen." Die eben gegebene Erklärung für das passe defini ist Seite 77 auch für das imparfait gegeben worden. Setzen wir also für pass^ defini im Obigen imparfait ein, so erhalten wir, das pass6 ind^fini könne auch dasselbe bezeichnen wie das imparfait. Nun, ebensowenig wie das Imperfekt dasselbe bezeichnen kann wie das passe indetini, ebenso wenig kann es auch das pass6 defini. Der Verfasser sagt weiter, man könne daher ohne Unterschied sagen Hier il fut malade und Eier il a ete malade oder La guerre com- menga oder a commence en 1618. Aber, heisst es gleich weiter, „man kann zwar ohne Unterschied der Bedeutung stets das passe indefini für das passe defini eintreten lassen, nicht aber umgekehrt; denn das pass6 indefini bezeichnet auch eine Handlung der Ver- gangenheit, deren Wirkung sich bis auf die Gegenwart er- streckt." Zweierlei drückt also das passe indefini aus. Wer sagt mir aber, wann in dem Satze j'ai longtemps espere die Wirkung sich bis auf die Gegenwart erstrecken soll, und wann nicht? Bei dem über Plusquamperfekt im Indikativ und pass6 an- t^rieur Gesagten fällt uns (Seite 96) auf, dass 6tait faite und etait finie sogen. Plusquamperfekte und fut faite und fut finie sogen, passes ant6rieurs sein sollen. Das Futur wird (Seite 97) als eine zukünftige Handlung bezeichnet. Da nun aber das Futur zum Indikativ gerechnet ist. 252 Referate und Rezenmonen. C. Ihis, also eine Handlnnp: als that sächlich hinstellen soll, so kann obige Erklärunfc nicht ganz richtig sein. Tu ne tueras pas. Soll diese Handlung wirklich als thatsächlich hingestellt sein ? Der Kon- ditional ist ja nach der Annahme des Verfassers ebenfalls eine Zeit des Indikativs, er stellt also auch eine Handlung als that- sächlich, wirklich hin. Wie stimmt dazu S. 104 ff., wo es im Gegensatz hierzu heisst, der Konditional drücke eine Annahme, eine Vermutung, eine unsichere Behauptung, eine höfliche (!) Frage aus? Wir gehen zum Konjunktiv über. Es heisst Seite 111: „Der Konjunktiv ist der Modus der Niclitwirklichkeit, d. h. er giebt den Inhalt des Satzes nicht als geschehen an, sondern dass man die Verwirklichung desselben wünscht oder als möglich bezweifelt." Als Hauptregel für den Konjunktiv wird nach obiger Erklärung fol- gende aufgestellt : „Der Konjunktiv drückt einen Wunsch oder eine zweifelhafte Behauptung aus." Der Verfasser bemerkt dazu iu seiner Vorrede (S. IV): „Der vom Schüler so gefürchtete (!) Kon- junktiv gestaltet sich demnach sehr einfach, es giebt nicht mehr so viele Konjunktive als betreffende Verben vorhanden sind — wie es nach der Darstellung in den meisten Lehrbüchern (!) der Fall ist." Wie werden nun die einzelnen Fälle, wo der Konjunktiv eintritt, unter diese allgemeine Regel gebracht? Greifen wir nur einige Fälle heraus. In dem Satze Qui que ce puisse etre, c'est un habile komme drückt nach der Ansicht des Verfassers qui que ce puisse etre einen Wunsch aus. Wir vermögen keinen darin zu finden und glauben auch nicht, dass dies leicht plausibel gemacht werden kann. La plus forte depense qu'on puisse faire est celle du temps. Der Konjunktiv drückt in dem Eelativsatze eine zweifel- hafte Behauptung aus. Zu diesem Falle wird Tobler {Vermischte Beiträge zur französischen Grammatik^ zweite Reihe S. 14 ff.) herangezogen. Wir glauben aber nicht, dass Tobler in seinem Artikel dieser Auffassung hat huldigen wollen; denn inwiefern soll eine zweifelhafte Behauptung sich in obigem Satze ausgesprochen finden? Ebenso wenig wird man einsehen können, dass eine solche Behauptung vorliege in dem Satze II rCy a pas de regle si generale qui rCait son exception. Die Behauptung scheint sogar sehr bestimmt ausgesprochen zu sein. Und weiter. Welche Verben und Ausdrücke werden nicht als solche bezeichnet, die einen Wunsch ausdrücken! Je comprends quHl soit malade. Da der Verfasser hier mit dem besten Willen keinen direkten Wunsch herauslesen kann, so kanstruiert er einen indirekten. „Ich finde es begreiflich, dass er krank ist" ist darnach gleich „Ich wünsche indirekt, dass er krank sei." Dass auch die Verben des Affekts einen Wunsch ausdrücken, war zu erwarten. Ist aber denn Je me Stier, Georg. Französische Syntax. 253 rejouis guHl soit venu gleich je desire quHl soit venu oder etwas Aehnlicliem? Doch wohl nicht. Der Konjunktiv nach den Verben des Sagens und Denkens wird allgemein als Ausdruck einer zweifelhaften Behauptung bezeichnet. Dazu heisst es S. 141 ; „Eine zweifelhafte Behauptung kann nur dann ausgedrückt werden, wenn die Verben des Denkens und Sagens verneinend, fragend oder bedingend gebraucht sind." Nun fügt Stier aber gleich hinzu: „Doch kann trotz Verneinung, Frage und Bedingung eine Thatsache ausgesprochen werden, und dann steht natürlich der Indikativ." Damit wird das Vorhergesagte aufgehoben. Zu den Ausdrücken der Verneinung werden ä peine, peu, difßcile^ ment, rarement mit Unrecht gezählt: der Verfasser that es wohl nur der Einfachheit halber. Wir müssen es uns versagen, auf die einzelnen Fälle einzugehen, wo der Konjunktiv immer als Ausdruck einer zweifelhaften Behauptung hingestellt wird, und beschränken uns auf ein einziges Beispiel: „/e ne croyais pas quHl füt si tard.^^ Will ich denn damit sagen, dass ich es bezweifelte, dass es so spät sei? Nein, ich wusste es einfach nicht. Wenn das Andere der Fall wäre, so hätte ich doch irgend einen Ausdruck gebraucht, mit dem ich einem wirklichen Zweifel Ausdruck gegeben hätte. Die Wortstellung in einem Satze wie J^ai donne une bogue ä ma soeur bezeichnet Stier als die logische oder natürliche, um aber gleich darauf sich nur des Ausdrucks „regelmässige W^ortstellung" zu bedienen. Wenn sich über den Gebrauch des Wortes „Wortstellung" streiten lässt und mit Kecht, so dürfte man aber ganz besonders die Ausdrücke „logische" oder „natürliche" Wortstellung beanstanden. Die Sprache an sich hat mit der Logik nichts zu thun ; wir können in der fehlerlosesten Sprache das unlogischste Zeug reden. Logisch denken müssen wir. Was wir verlangen, ist, dass unsere Gedanken logisch aufeinander folgen; diese unsere Gedanken müssen wir so ausdrücken, dass sie für den Hörer verständlich, klar, eindeutig werden. Soll mit logischer Wortstellung im Französischen die deutsche Wortfolge etwa als unlogisch bezeichnet werden? Gewiss nicht. Ebensowenig ist es auch gestattet, von einer natürlichen Wortstellung zu reden, wo „natürlich" doch nur soviel als „selbstverständlich" bedeuten kann. Leider hat man sich bei der Sprache, d. h. bei der Art, wie wir unsere Gedanken in Worte kleiden, daran gewöhnt, Dinge hineinzumischen, die mit ihr nichts zu thun haben. Logisch, philo- sophisch will die Sprache nicht angeschaut werden. Es gilt die psychologische Radix, wie Gröber es bezeichnet, für jede sprachliche Erscheinung zu suchen; dies allein vermag uns eine Erklärung für sprachliche Vorgänge zu geben. Und so müssen bei der Erklärung sprachlicher Erscheinungen alle subjektiven Wert' 254 Referate und Rezensionen. G. This. Schätzungen oder reine Aeusserlichkeiten bei Seite gelassen werden. Es darf also nicht heissen, dass bei verschiedenartigen Objekten die „erhebliche oder weniger erhebliche Länge" (S. 4) eines Objektes für die Stellung derselben massgebend sei. Ferner darf auch nicht gesagt werden, dass, wenn bei Adverbien wie ä peine, aussi u. s. w. die regelmässige Wortfolge stehe, der Satz an Eleganz (S. 18) verliere. Uebrigens sollte diese Eegel doch wohl des Ausdrucks „fakultativ" entraten können. Uns scheint es vielmehr, dass bei sogen, regelmässiger Wortstellung eine Nüancierung des Gedankens erfolgt. Wir vermissen übrigens die Erörterung von Fällen wie folgenden : Äussi les Italiens, dont les alpini ont ete creSs ä la fin de 1872, ne se sont-ils pas fait faute de revendiquer Videe pre- miere de troupes speciales de montagne et ne se s ont pas montres peu fiers de voir les leurs copiees par nou$. In voller Ueberein- stimmung finden wir uns mit dem Verfasser darin, dass die Stellung der Modaladverbien und die des attributiven Adjektivs in Beziehung zu einander gebracht werden müssen (S. 22). Doch darf dann nicht der Wohllaut als von Einfluss auf die Stellung derselben angesehen werden; denn derartige Bemerkungen sind lediglich subjektive Ansichten der Grammatiker. „Die Stellung des Adjektivs", heisst es Seite 418, „wird bedingt in erster Linie durch das logische Princip d.i. durch die natürliche Wortfolge, in zweiter Linie durch den Wohllaut und den Sprachgebrauch. '* Nach unseren obigen Ausführungen besagen diese W^orte nichts Klares. Die Stellung des attributiven Adjektivs hinter dem Substantiv wird als die natürliche Stelle des Adjektivs bezeichnet, da das Adjektiv vom Substantiv abhängig sei; denn ohne ein Substantiv sei die betreffende Eigenschaft unver- ständlich. Für die Stellung des attributiven Adjektivs vor dem Substantiv lesen wir Folgendes: „Nun kann das Adjektiv aber auch Eigenschaften bezeichnen, welche mit dem Gegenstande eng ver- knüpft sind, die ihm anhaften, die in seiner Natur, in seinem Wesen liegen, die ihm inne wohnen, die ihm unter allen Um- ständen zukommen. Der Honig ist z. B. immer süss; Nero denken wir uns stets grausam; Sokrates weise u. s. w. Die Eigen- schaft ist in diesem Falle eine für den Gegenstand wesentliche, sie ist eins mit ihm, gleichartig mit ihm. Der Franzose stellt daher dies Adjektiv — als nicht abhängig vom Substantiv — nicht hinter, sondern vor das Substantiv." Zunächst heisst es, das Adjektiv sei abhängig vom Substantiv, nachher, es sei nicht abhängig vom Substantiv. Wovon soll es denn abhängig sein? Auf jeden Fall gehört es zu dem betreffenden Substantiv; denn es kongruiert ja mit ihm. Und dann, mit welchem Rechte dürfen wir sagen, dass die Eigenschaft grausam mit Nero eng ver- stier, Georg. Französische Syntax, 255 knüpft, mit ihm eins, gleichwertig sei? Dürften wir denn kein anderes Adjektiv in dieser Stellung mit Nero verknüpfen? Wenn ja, sind diese Eigenschaften dann auch eins mit Nero? Könnte man z. B. nicht sagen „Zc hrave NeronP^ In seiner weiteren Ausfühmng entwickelt der Verfasser aus dem wesentlichen Merkmal durch die Stufe des schmückenden Beiworts, das gebraucht werde, um lebhafte oder weniger lebhafte Gefühle zum Ausdruck zu bringen, den Begriff des persönlichen, subjektiven Urteils. Dann sagt er (Seite 421): „Das vorstehende Adjektiv bezeichnet also ein wesentliches Merkmal (le sage Socrate); sodann drückt es ein persönliches, ein subjektives Urteil aus; denn was ich schön, gut, herrlich finde, kann ein anderer unschön u. s. w. finden." Dabei hebt er hervor: „Nicht zu vergessen ist, dass das Adjektiv nur dann vorstehen kann, wenn die Eigenschaft in der Natur des Gegenstandes liegt, wenn sie w e s e n 1 1 i c h ist oder in dem betreffenden Falle als wesentlich angenommen wird. Es muss zwischen Adjektiv und Substantiv stets eine enge Verbindung bestehen." Darnach müsste also jede subjektive Attribuierung ein wesentliches Merkmal zu dem Gegen- stande bezeichnen. Wie gezwungen die Erklärung ist, zeigen die oft sehr naiven Erläuterungen des Verfassers. „Man kann", heisst es, „nicht ohne weiteres(!) sagen un agreable homme, wohl aber une agreahle femme ; denn das Angenehme liegt mehr in der Natur der Frau als in der des Mannes (cf . Xanthippe). Man kann nicht ohne weiteres sagen un sage homme; denn die Weis- heit liegt nicht notwendig in der menschlichen Natur. Man kann dagegen sagen: un sage magistrat, weil die Weisheit eine notwendige Eigenschaft des Eichters ist oder doch sein soll (sie!) Man kann nicht ohne weiteres sagen: un frais pain, un rassis pain; denn dies sind nur zufällige Eigenschaften des Brotes; man sagt aber : un hon pain, die Güte wird beim Brote stets vor- ausgesetzt." Nun aber heisst es auf der folgenden Seite 422: „Wie schon oben erwähnt, ist auch der Wohllaut und der Sprachgebrauch von Einfluss auf die Stellung des Adjektivs, z. B. man müsste sagen: un grave juge, un impartial juge, un incor- ruptible juge; denn ein Kichter soll ernst, unparteiisch, unbestechlich sein; des Wohllauts halber sagt man jedoch: un juge grave u. s. w. Man müsste sagen: un leger enfant; denn Kinder sind von Natur leichter Sinnesart; man sagt jedoch: un enfant leger, ^ Wir haben absichtlich den Verfasser wörtlich citiert, um zu zeigen, welcher Mittel er sich oft bedienen muss, um seinen Regeln einen festen Stand zu geben. — Wie steht dies alles im Einklang mit seiner Vorrede, in der er sagt, er habe versucht die 256 Beferate und Rezensionen. L, Zeliqzon, einzelnen Regeln anf ein inneres Sprach gesetz zurückzu- führen? Passen liierzu Ausdrücke wie „Wohllaut", „lebhafte Ge- fühle", „weniger lebhafte Gefühle" u. s. w.? Noch andere Erklärungen erregen Kopfschütteln. Seite 287 heisst es z. B. : „Nach de fällt der Teilartikel aus." (Wann wird endlich einmal der sogenannte Teilartikel, der kein Artikel ist, zu Grabe getragen werden?) Auf derselben Seite: „Nach de fehlt der Teilartikel, weil sonst de zweimal stehn und de du, de de la, de des schlecht klingen würde." Das ist doch keine Erklärung! Trotz unserer ziemlich bedeutenden Aussetzungen gestehen wir unumwunden zu, dass schon lange keine neue Erscheinung auf dem Gebiete der französischen Syntax unser Interesse in dem Masse wie vorliegendes Werk gefesselt hat, und dass wir das Buch, da es eine grosse Fülle von Anregendem enthält, gern zur Hand nehmen. Dabei kommen wir immer mehr zur üeberzeugung, dass gerade die Fülle des Materials, das hier zusammengetragen worden ist, der Einheitlichkeit der Verarbeitung geschadet und manchen guten Ansatz beeinträchtigt hat. Strassburg i. E. C. This. Lebierre, Joseph, L^Art de traduire. Wissenschaftliche Ab- handlung zum Jahresbericht des Gymnasiums zu Mühl- hausen i. E. 1896. 49 S., 4^ Gleich Eingangs seiner Abhandlung schränkt der Verfasser das auf dem Titelblatte stehende allgemeine Thema auf die Kunst hauptsächlich in französische Verse zu übersetzen ein. Wenige sind so berufen wie er, sich darüber zu äussern, ist er doch selber Meister in der französischen Verskunst und haben seine Gedichte von keinem Geringeren als von Victor Hugo und anderen hervor- ragenden Dichtern und Kritikern lobende Aufnahme gefunden. Diese Dichtungen, sowohl die originalen als auch die aus alten und neueren Sprachen übersetzten, gehören zu den feinsten und voll- kommensten, welche die französische Sprache aufzuweisen hat. Der Vergleich mit anderen, hauptsächlich deutschen versifizierten Ueber- setzungen, war unumgänglich, und derselbe giebt dem Verfasser Gele- genheit, die Schwierigkeiten zu betonen, für französische Ueber- setzer die klassischen Werke des Altertums und der Neuzeit so meisterhaft wiederzugeben wie die deutschen, so dass z. B. Homer und Shakespeare in Deutschland sozusagen Nationaldichter werden konnten. Der Reimzwani:^, der Mangel an Blankversen steht dem Franzosen bei jedem Schritt und Tritt hindernd im Wege. Im Fortgange seiner Ausführungen weist L. nach einem kurzen lieber- Lebierre, Joseph. VArt de traduire. 257 blick über die verschiedenen Uebersetzer von Du Bellay bis Delille, dessen Verdienste gebührend hervorgehoben werden, dann später bis Alfred de Vigny, Sully-Prudhomme u. s. w., an mehreren üeber- setzungen aus Virgil, die üebersetzungsmanier der erörterten Dichter-Üebersetzer nach. Auf Seite 17 finden wir beherzigens- werte Ratschläge für den gewissenhaften Uebersetzer, und bei dieser Gelegenheit verurteilt L. mit Recht den verfehlten Versuch Saba- tier's den Faust in demselben Metrum wie das Original wieder- zugeben, wobei er alle Regeln der französischen Versification über den Haufen wirft und doch sehr prosaisch und ungenau übersetzt.^) Der beschränkte Raum gestattet es uns nicht, auf die im weiteren Verlaufe der Arbeit gegebenen knappen und richtigen Anweisungen einzugehen, wie L. die Kunst, französische Verse zu übersetzen, versteht, allein wir können es nicht unterlassen, das Lesen der geschickt ausgewählten Proben von üebersetzungen verschiedener Horazischen und Anakreontischen Gedichte, welche die Dichter beinahe aller Völker zur Wiedergabe gereizt haben, aufs ange- legentlichste zu empfehlen. Aus diesen üebersetzungen sieht man, welche Schwierigkeiten der französische Dichter im Vergleiche zu den Dichtern anderer Völker zu überwinden hat. Die geringe Geschmeidigkeit der Sprache, der Reimzwang, die lästige Regel über den Hiatus und anderes sind Fussangeln, die nur anderen als französischen Dichtern unbekannt sind. Die Abhandlung schliesst mit einem Anhang, in welchem Lebierre zusammenstellt, was die meisten französischen Autoren über den Reim gesagt haben, den die Dichter immer reicher und vollkommener gestalten, und giebt zuletzt Auskunft über die Rolle, welche das e sourd im franzö- sischen Verse spielt. Es sind viele gute Worte auf den wenigen Seiten zusammen- gedrängt, die gewiss von allen Fachleuten beherzigt und in Werken über französische Verslehre wohlverdiente Aufnahme finden werden. Dabei ist das Ganze, wie nicht anders zu erwarten war, in glän- zendem und musterhaftem Französisch geschrieben. L. ZfiLIQZON. Jeanroy, A. Montaigne, Principatix chapUres et extraits des ,, Essais'* publies avec notices et des notes. Paris. Hachette et Cie 1897. XXXV + 379, Seiten in kl. 8^ Dem Studium französischer Schriftsteller des sechszehnten Jahrhunderts stellen sich auch für den, der Alt- und Neu- französisch in gleicher Weise beherrscht, noch so grosse Schwierig- [') Vergl. diese Zeitschrift XVP, S. 9 f. Der Hrsgb.] Ztschr. f. frz. Spr. u. Littr. XX«- 17 258 Referate tmä Rezensionen. E, Leitsmann. keiten entgegen, dass man jeder Bemühung, die zum leichteren Verständnis frz. Texte jener Zeit beitragen will, dankbar sein darf. Die Auswahl, die Jeanroy aus dem immerhin recht umfangreichen Werke Montaignes zusammengestellt hat, darf als durchaus glücklich bezeichnet werden, und dass der Herausgeber die Orthographie des 16. Jahrhunderts nicht beibehalten hat, wird ihm nicht zum Vor- wurf gemacht werden können. Der Wert der Auslese liegt haupt- sächlich darin, dass der Herausgeber es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle der Erklärung bedürftigen Stellen in Fussnoten zu erörtern. Am Ende des Buches findet man in einem Index alphahetique die Wörter und Wendungen, von denen in den Anmerkungen die Rede war, noch einmal alphabetisch verzeichnet, und in einer gewandt ge- schriebenen Einleitung werden wir über Leben, Charakter und Ideen Montaignes, sowie über die Komposition und den Stil der Essais belehrt. Eine Note bibliographique fasst alles in biblio- graphischer Hinsicht Wünschenswerte kurz zusammen. Eine besonders wertvolle Beigabe bildet der Essai Du pedan- tisme, den Jeanroy in textkritischer Form vorlegt. Man kann nur wünschen, dass es dem Herausgeber gelingen möchte, einmal die sämtlichen Essais in solcher Weise zu behandeln. üeber seinem Commentar wird der Verfasser gewiss selbst wachen, um ihn mit der Zeit so vollständig und zutreffend als möglich zu machen; ich beschränke mich auf die Kritik weniger Seiten. Eine Erklärung für die Stelle (p. 30,7) Je trouve que notre principal gouvernement est entre les mains des nourrices scheint mir überflüssig zu sein. Seite 337 Anmerkung 3 ist zu lesen naiÖBvBiv\ 338 Anm. 6 lies cf. p, J204, n. 8. Die Nachweise zu p. 339 Anm. 3 und 4 und anderen Stellen sind ausführlich zu geben (Autor, Herausgeber, Jahr, Band, Seite); im Index vermisse ich coup (cf. 30,4); marri steht nicht 195,9. In einer zweiten Auflage würde der Herausgeber, glaube ich, gut thun, dem Text einen kurzen grammatischen Abriss vorauszuschicken, in dem insbesondere die Syntax des 16. Jahrhunderts dargestellt sein müsste. Die Ein- leitung könnte um ein litterarhistorisches Kapitel vermehrt werden, das vom „JSssai" und seiner litterarhistorischen Entwickelung zu handeln hätte, endlich würde ein zweiter auf den Inhalt bezogener Index gewiss Vielen erwünscht sein. Mit diesen Wünschen soll dem Ansehen des Buches in seiner gegenwärtigen Form kein Abbruch ge- than werden, ich möchte es im Gegenteil schon jetzt allen Freunden der älteren französischen Litteratur, besonders den Studierenden französischer Philologie, angelegentlichst empfehlen. Halle. F. Heuckenkamp. Byhrenfurthy Waldemar. Uehersetisiung von MotUaignes Essays. 259 Dyhrenfurth, Waldemar, Uebersetzung von Montaignes Ussays. Neue Folge. Verlag von Ed. Trewendt, Breslau 1898. XII u. 268 S. 12^ Der geistvolle Franzose, der so sehr die Zurückgezogenbeit liebte, wird jetzt, 300 Jahre nach seinem Tode nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch in England wieder an die Oeffent- lichkeit gezogen. Während jenseits des Kanals dem Publikum der Neudruck der ersten englischen Uebersetzung vom Jahre 1603 ge- boten wird, hat bei uns im vorigen Jahre Herr Dyhrenfurth eine zeitgemässe Verdeutschung von 20 Kapiteln der interessanten Essays veröffentlicht (vergl. Ztschr. XVUI. p. 85), denen er nun- mehr 19 weitere folgen lässt, die er ebenfalls ausgewählt hat. In dieser zweiten Reihe ist es Herrn Dyhrenfurth sehr wohl gelungen, die veraltete Ausdrucksweise des Franzosen in ein neues, den Leser anziehendes Gewand zu kleiden. Er hat es diesmal ver- standen, die zuweilen sehr ausgedehnten Perioden des Montaig- neschen Stiles zu vermeiden und dabei doch die Gedanken des Autors treu wiederzugeben. Es ist zu billigen, dass er einige Derbheiten weggelassen hat. Diese Stellen sind durch Striche kenntlich gemacht. So wird denn diese neue Folge gute Dienste leisten, einen hervorragenden Geist unseres Nachbarvolkes bei uns bekannt zu machen. Lernt man doch durch diesen mittelbar auch das Altertum kennen und schätzen, denn in den zahlreichen Citaten, die Montaigne einflicht, stossen wir oft auf Gedanken, die jetzt als neu ausgegeben werden, und die doch schon vor Jahrhunderten geäussert worden sind. Solche Beobachtungen stärken den histo- lischen Sinn des Volkes halten von üeberschätzung der Gegen- wart ab und bewahren vor üeberhebung. Einwendungen gegen die Uebersetzung sind nur wenige zu machen. Auf p. 28 ist gourmer mit stossen übersetzt worden, während Durchprügeln besser in den Zusammenhang passen würde. Auf p. 99 ist die Veränderung des Tempus beweint in beweinte weder dem franz. Texte entsprechend, noch nötig. Im Schlusssatze des 37. Kap. des 1. Buches wird devoir etwas frei mit Bolle wieder- gegeben, während es sich doch mehr um eine Pflicht des Timoleon handelt. Man könnte den Satz vielleicht sinngemässer ausdrücken: Der eine Teil seiner Pflicht ist erledigt, lassen wir ihn nun sich dem anderen hingeben. Auf der letzten Zeile des Textes von p. 101 ist andern wahrscheinlich ein Druckfehler für andere. Auf p. 124 ist der Uebersetzer durch Hinzufügen eines Possessivs zu einer falschen Auffassung gelangt; der Umstand, dass von Cicero die Rede ist, hat ihn vielleicht verleitet, parierte mit Redegabe zu übersetzen. Es muss aber heissen: aus dem Klatsch {caguet) und 17* 260 Referate u/nd Rezensionen. M. J, MinckwUz. der Rederei (parlene). Auf p. 132 in -der 5. Zeile von unten ist das im Zusammenhang ganz unmögliche Wort trocken zu streichen. Das vierte Kapitel des 3. Buches hat der üebersetzer betitelt „Von der Zerstreuung^ ; der Inhalt aber weist darauf hin, zu sagen: Von der Ablenkung. Auf p. 265 ist zwischen dem Schlüsse des Absatzes und dem Beginn des Folgenden die richtige Beziehung zu vermissen (des Menschen .... Ihre guten Eigenschaften). Der Druckfehler sind wenige, so p. 19, 31, 87, 96 (hier ist die Seitenzahl falsch gesetzt und in der Anmerkung ist vor Sologne „der" ausgefallen). Es ist zu wünschen, dass der vorurteilsfreie Franzose, der es mit sich und der Welt ehrlich meint, fleissig gelesen werde; wird man doch kaum irgendwo eine innigere Freundschaft dargestellt finden als in dem 27. Kapitel des ersten Buches seiner Essays, und seine feinen Bemerkungen über die Gewohnheit, über die geistigen Genüsse, über das Wesen der Einsamkeit, über byzan- tinische Gesinnung und zahlreiche andere Dinge werden auch heute noch den denkenden Leser anregen und erfreuen. Leipzig. Ernst Leitsmann. Dupont, Paul, ün po^e-philosophe au commencement du dix-hui- tüme siede. Houdar De La Motte (1672—1731). Th^se pr6sent6e ä la faculte des Lettres de TUniversite de Paris. — Paris, Hachette et C^e, 1898. 318 S. gr. 8». Das Epigonentum La Motte's ist gelegentlich schon von La Harpe, von Sainte -Beuve, von Villemain, Rigault, Jullien u. a. mit mehr oder weniger interessanten Streiflichtern berührt worden, aber ein Gesamtbild seiner dichterischen, kritischen und philosophischen Bestrebungen ist vor Dupont's ausführlichem Werke noch nirgends geboten worden, obwohl die Wirksamkeit dieses nur allzu fruchtbaren Schriftstellers auf alle Fälle ein kri- tisches Moment in der Litteraturgeschichte Frankreichs umspannt. Denn wenn sich die Summe namentlich der dichterischen Leistungen La Motte's bei genauer Prüfung nicht allzuhoch beziffert, so gehört doch auch dieses ziemlich geringfügige Facit zur allgemeinen Bilanz, um so mehr als die Atmosphäre, die diesen Dichter-Philosophen umgiebt, überall als besonders eigenartig in Betracht gezogen werden muss. Sie ist aus stark gährenden Elementen zusammen- gesetzt: aus den mannigfachen Gewölken, welche die letzten Regierungsjahrzehnte Ludwig's XIV. verdunkeln, gleitet sie durch die mannigfachen Krisen der Regence hinüber 2u Voltaire's skep- tischem Zeitalter. Bv/pont, Faul, Un poete-philosophe etc. 261 Der Schwerpunkt einer ausführlichen Studie über La Motte liegt demzufolge eigentlich nicht in der Ergründung seines persön- lichen Wertes für den Litterarhistoriker, sondern in der Erforschung der Zeitverhältnisse, von denen der sonst unverständliche Zwiespalt seiner Theorie und Praxis bedingt ward. Es lag daher auch mit Recht in der x\bsicht Dupont's, La Motte als homme de transition nach allen Richtungen hin zu kennzeichnen und dagegen seine Biographie, seine Werke, das Ansehen, dessen er sich bei seinen Zeitgenossen erfreute, naturgemäss mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Sein Standpunkt ist durchaus zu billigen. Immerhin wird ihm der Vorwurf nicht erspart bleiben dürfen, dass sein inte- ressantes Werk in dem ersten ziemlich ausführlichen Abschnitte S. 1 — 99) La Motte den Dichter nicht immer in das richtige Licht gestellt hat. Es soll nicht etwa mit aller Schärfe behauptet werden, dass Dupont die poetischen Verdienste La Motte's viel zu niedrig veranschlagt hätte. Im grossen Ganzen ist seine Abschätzung des Dichters richtig ausgefallen, denn zufällig sind einige nicht erwähnte Mängel andererseits durch Nichtbeachtung wirklicher Vorzüge hin- länglich aufgewogen worden. Aber betont muss werden, dass gerade in diesem ersten Abschnitte Dupont seiner eigenen Maxime untreu geworden ist, in dem er den nahe zur Hand liegenden Vergleich mit zeitgenössischen Leistungen (wie ihn z. B. Oedipe bot) öfters ganz ausser acht gelassen hat. Die drei Seiten (79 — 81), die den Comedies gewidmet sind, berühren nicht einen einzigen der vielen wichtigen Punkte, die eine sorgfältige Darstellung als Beitrag zur Entwicklung eines ganz bestimmten Genre's des französischen Lust- spiels zusammenfassen musste. Eine rein aesthetische, d. h. subjek- tive Kritik der Dichtungen La Motte's ist fast zwecklos, nur die historisch-vergleichende Methode kann bei den hier obwaltenden Verhältnissen wirklichen Gewinn an psychologischen Resultaten zu Tage fördern»') Der zweite, die übrigen beiden Drittel des Gesamtwerkes umfassende Teil ist La Motte, dem Philosophen gewidmet. Die vier ersten Abschnitte dieses zweiten Buches, von denen der erste die Philosophie ums Jahr 1720 charakterisiert, der zweite die litte- rarische Kritik zu Anfang des 18. Jahrhunderts, der dritte die Feinde, der vierte die Freunde La Motte's schildert, bilden eine ebenso einsichtsvolle als geistreiche Vorbereitung auf sein System, dessen Aufstellung zahllose Schwierigkeiten entgegenstehen. An Klarheit, üebersichtlichkeit und Eleganz lässt diese vierfach geglie- derte einleitende Darstellung der Zeitverhältnisse nichts zu wünschen ^) Diese etwas flüchtig gehaltene Beurteilung des ersten Abschnittes des vorliegenden Werkes wird an anderer Stelle näher motiviert werden. 262 RefercAe und Bezensionen. M. J. MinckuMz. übrig. Dieser Teil seines Werkes ist dem Verfasser entschieden am besten gelungen und sichert seiner Studie einen dauernden Wert. La Motte ist kein Philosoph im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Um das Jahr 1720 wird der sogenannte „litterarische" Philosoph zur Zunft gerechnet. Der Horizont desselben ist ziemlich eng begrenzt: Fragen religiöser und politischer Art geht er behutsam aus dem Wege, die wichtigsten Probleme des Daseins üben keine Anziehungskraft auf seine Wissbegier aus. Er rüttelt nicht am religiösen, nicht am staatlichen, sondern am litterarischen Autoritäts- glauben. Wenn er mit einer lästig gewordenen Tradition brechen, veraltete Vorurteile abschütteln will, richtet er seine Angriffe nicht gegen die eigene Nation, sondern gegen Griechenland und Rom, nicht gegen Boileau und Racine, sondern gegen Homer und Ari- stoteles. Le phüosqphe de 1720, en continiuint Descartes, prepare Voltaire (S. 102). La Motte nimmt fünfundzwanzig Jahre lang einen hervorragenden Platz als philosophe de la Poesie et des Beiles Lettres ein. Fontenelle, der sich mehr und mehr, einer Strömung der Bigence folgend, der Vulgarisation der Wissenschaft widmet, hat ihm denselben bereitwilligst eingeräumt. Litterarische Debatten fesseln das gesamte Publikum der Zeit. Die hier in gewissem Sinne angestrebte Geistesfreiheit findet Anklang; sie bildet eine der vielen Zwischenstufen zu dem Skepticismus Voltaire's. Diderot, d'Alembert, Marmontel und Voltaire werden auch La Motte zu den ihrigen zählen. Der bescheidene zaghafte Denker hat sie in rein litterarischen Fragen sogar überflügelt und erntet deshalb vorläufig ihren ausdrücklichen Tadel für sein Rütteln an den Regeln des Classicismus. Auf allen übrigen Gebieten aber ist er ihnen zu konservativ. Er ist nicht devot, aber die Kirche so wenig wie die absolute Monarchie reizt ihn zu ofener Opposition. Immerhin regt sich hie und da in seinen Oden und Fabeln schon ein leiser Anfang berechtigten Grolls gegen die oberste Staatsleitung. Mit Recht bezeichnet Dupont z. B. die Ode La Paix als den Ausfluss einer nicht bloss christlichen sondern rein menschlichen, philosophischen Verurteilung der Kriegsgreuel. Auch in der Fabel: le conquerant et la pauvre femme erfolgt eine wie auf Ludwig XIV. gemünzte scharfe Geisselung massloser Eroberungsgelüste. Namentlich die Oden bieten eine reiche Quelle für die Erkenntnis der philosophischen Ideen La Motte's. Er schöpft mit vollen Händen bei Pascal, La Rochefoucauld, Fontenelle u. a. Trotzdem wahrt er sich eine ge- wisse Originalität. Die Vernunft über den blinden Instinkt trium- phieren zu sehen, wäre sein höchstes Ideal. Mit Resignation sieht er die Hoffnungslosigkeit dieses Wunsches ein, um sich dafür wie zum Ersätze an eine andere für sein Zeitalter charakteristische Illusion zu klammern. Er glaubt fest, dass das mögliche Endziel Dupont, Paul, Un poHe-philosophe etc. 263 ernster redlicher Forschung znr absoluten Wahrheit führe. In diesem Sinne ist auch die grosssinnige Schlussstrophe seiner: Ode ä la louange de M^^ Dacier aufzufassen: Dans notre lutte poetique Du seul vrai, le zde heröique Avoit enflamme notre coeur. Eh! quHmportoü ä notre gloire, Qui de nous deux eüt la vidoire, Pourvü que le vrai füt vaingueurf Le zhle h&töique^ von dem La Motte in seiner Ode spricht, war nun freilich nicht gerade seine starke Seite in litterarischen Fehden. Im Streite mit M^e Dacier zeigt er mehr die witzelnde Art seines Freundes Fontenelle, der es bekanntlich mit keiner üeberzeugung je sehr ernst genommen hat. M^ie Dacier hingegen ist ein seltenes Bild von üeberzeugungstreue. In den drei Kapiteln, ia die Dupont seine Betrachtung der litterarischen Kritik zu Anfang des 18. Jahr- hunderts zerspalten hat (er spricht von der critique erudite, humo- ristique, ironiqtie), Verdient der Platz, den er M"i® Dacier einge- räumt hat, unsere ganz besondere Aufmerksamkeit. La Motte hat die ihr mangelnde Schärfe des Urteils im ersten Teile seiner BSflexions sur la critique *) mit nicht misszuverstehender Deutlichkeit bloss gestellt, andererseits aber, namentlich in den Oden, den Vor- zügen seiner Gegnerin hohes Lob gespendet. Auch spätere, wie Rigault und Sainte-Beuve sprechen rückhaltlos ihre Anerkennung der Verdienste der tapfern Gelehrten aus, aber Keiner hat bis jetzt verstanden, so einsichtsvoll in aller Kürze ihre Mängel und ihre Vorzüge zu beleuchten wie Dupont. Er nennt Mme. Dacier un des derniers representants de cette critique süperbe et pedantesque^ qyCon pourrait appeler la ^^Critique heröique,*^ Diese Streiterin ist grob aber ehrlich. Nur schade, dass ihre Begeisterung für Homer est Sans reserve et sans nuance. Sie proklamiert die Unfehlbarkeit dieses grössten aller Dichter des Altertums. Das ungeschickte Rüstzeug ihrer Partei, die sich statt hinter Gründe nur hinter die Autoritäten dreier Jahrtausende verschanzt, flösst den skep- tischen Gegnern eine unverhohlene Geringschätzung ein. Neben der morgus pedantesque reprisentie par Vhonnete M^^ Dacier findet sich aber auch la mediocrite d'esprü^ tätillonney tracassiere d'Olivet's *) Die von Dupont nicht beachtetete Stelle (t. III. p. 11) lautet: Siy p. ex. un Jiomme qui sgait plusieurs Langues, qui entend les Auteurs Grecs et Latins, qui s^Sleve mime jtisqu'ä la digniti de Scholiaste, si cet homme venoit ä peser son veritable merite^ ü trouveroit souvent quHl se reduit ä avoir eu des yeiuc et de la memoire H y a une gründe difference entre se Souvenir et juger. entre alleguer des autorites ou des raisons. 264 Referate und Rezensionen. M. J, Minckwitz. und des Abb6 Desfontaines, sowie la violence orduriere, la jälotisie basse, Venvie calovinieuse eines Gacou. D'Olivet ist der Repräsentant jener kurzsichtigen Kritik, die über angeblichen Mängeln der Form des Styls die Schönheit und den Totaleindruck einer Schöpfung völlig aus dem Auge verliert. Desfontaines streckt die Tragödie auf das Prokrustesbette; unempfindlich für die vom Dramatiker erzielte Rührung, mäkelt er an den angewendeten Mitteln, rügt z. B. an In^ de Castro, dass Kinder die Bühne betreten dürfen: Cest que Venfance paratt degrader la scene, oü Von est accoutume ä voir des hommes faits et raisonnables, et rien de pueril.^) Gacon, der sich mit Stolz le poete sans fard nennt, wird von Dupont treffend als bravo littiraire bezeichnet, der bei seinen Zeitgenossen in tiefster Missachtung stand und von allen Parteien ohn' Unterschied ver- leugnet wurde. — Die humoristische Kritik gewinnt während der Regence in der Form von Calottes und Parodies die Oberhand. Das Regiment der Calotte, das seine Narrenbrevets zwangsweise ver- leiht, ist in seinem Treiben sehr frisch von Dupont geschildert. Der Regent selbst, Dubois, Law, der Kardinal Fleury und andere hochgestellte Persönlichkeiten werden der tollen Gesellschaft ein- verleibt. Erst um 1751 verschwindet sie, nachdem sie manchen trefflichen Schriftsteller schwer in den Augen der urteilslosen Menge geschädigt hat. La Motte überging derlei frivole Angriffe mit Stillschweigen; gegen die beliebteste Angriffeform der dramatischen Kritik, gegen die Parodie, aber setzte er sich energisch, wenn auch erfolglos zur Wehr. Bezeichnend ist, dass er mit am häufigsten von allen Dichtern der Zeit zur Zielscheibe dieser so drastisch wirkenden Polemik gewählt worden ist. Dupont citiert als Muster der Gattung: Ägn^s de Chaillot, die bekannte Parodie auf Ines de Castro, vom 24. April 1723, die er mit Recht als Meisterwerk dieses Genre's bezeichnet. Aber auch die Parodien der übrigen Dramen La Motte's, insbesondere: Le Chevalier errant (vom 22. Januar 1726*),) eine ebenso zutreffende als derbe Verspottung seines Oedipe verdienen vollste Beachtung. Hätte Dupont z. B. der letzteren mehr Aufmerksamkeit geschenkt, so hätte sein Urteil über das betreffende Drama (S. 65), abgesehen von dem unmittelbaren Ein- drucke, den die Lektüre des Stückes selbst hervorruft, notwendiger- weise in ganz entgegengesetztem Sinne ausfallen müssen. Er scheint sich hier blindlings dem von ihm S. 196 citierten Briefe des P. Tournemine anzuschliessen, in welchem des Oedipe mit den schmeichel- haften Worten gedacht wird: Votre Oedipe rr^a convaincu que nos grands poetes pourraient rendre ä la tragedie la puret^ ei la gravite ') Schon gegen Racine ist übrigens anlässlich der AthcUie derselbe Vorwurf erhoben worden. *) Dupont spricht vom 30. Avril (?) 1726. Dupont, Paul, ün poete-philosophe etc. 265 du theätre grec, emouvoir sans amour, ou du moins sans galanteries romanesques. — Die Gefährlichkeit der Parodien liegt auf der Hand. Erstlich erscheinen sie, wie ein Vergleich der Daten beweist, fast unmittelbar nach den ersten Aufführungen der Dramen, zweitens sind ihre Verfasser zumeist mit gesundem Urteil begabt, sodass sie sofort die Schwächen der Stücke blosszulegen wissen. Im übrigen harmonieren sie trefflich mit der Zeitstimmung. Das Publikum der Regence ist ganz besonders dazu aufgelegt, heute zu bewundern und morgen in den Staub zu ziehen. Verwandt mit den Parodisten ist diejenige Gattung der Spötter, die Dupont als Humoristes be- zeichnet. Er hat zwei ihrer interessantesten Vertreter, Saint-Hya- cinthe und Rivi^re-Dufresny treffend charakterisiert. Der Ton des einen wie des anderen ist munter und originell. Die Art ihrer Kritik verletzt weniger als sie belustigt. Schlimmer steht es mit den ironisierenden Apologien. Durch J. J. Bei hat La Motte ihre vernichtende ätzende Wirkung an sich persönlich erprobt. — Welcher Platz gebührt ihm nun selbst inmitten der von Dupont geschilderten Gruppen von Kritikern? Zur besseren Klarlegung dieser kompli- zierten Frage unternimmt Dupont noch eine taktvolle Musterung der Feinde und Freunde, die besonders bedeutungsvoll in La Motte's Leben und Wirken eingegriffen haben. Er führt ganze Reihen von Silhouetten zunächst aus dem Lager der Feinde, dann aus dem Lager der Freunde (sowie einige Ueberläufer vor) die ausnahmslos mit Meisterhand entworfen sind. Die Partei der erudits weist noch die harmlosesten Gegner La Motte's auf. Ils n'ont pas toujours assez d^esprit pour etre rnechants — bemerkt Dupont. Nur Marais macht eine Ausnahme. Selbst der Tod des Gegners entwaffnet seine kriegerische Feder nicht. Dieser Freund und Mitarbeiter Bayle's hat rastlos von allen Seiten Gegenminen um das von ihm stark beanstandete Ruhmgebäude La Motte's gegraben. Zu der gefähr- lichen Schaar, die sich aus den Reihen abtrünniger Freunde rekru- tiert, gehören die Dichter Roy und Nivelle de la Chaussee. L B. Rousseau triumphiert über den lebenslänglichen Rivalen erst in dem Augenblicke, in dem er selbst schon wieder einem mächtigeren Gegner (Voltaire) das Feld räumen niuss. Auf Voltaire fällt insofern ein ganz besonders interessantes Streiflicht, als sich Dupont der lohnenden Aufgabe unterzogen hat, seine so häufig ins Gegenteil umschlagenden Stimmungen hinsichtlich der Bedeutung La Motte's chronologisch zusammenzustellen. Verletzte Eitelkeit und persön- liche Misserfolge, die er der fadion Lambertine zuschreibt, sind zumeist die Triebfeder der abfälligen Kritik. Erst, als alle Sonder- interessen schwinden, klärt sich sein Urteil soweit, dass er La Motte als einen Kritiker von vornehm-gemässigtem Tone und als achtbaren geistvollen Schriftsteller nicht zu lange an der Pforte 266 Referate und Rezensionen. M, J. MinckivUz. des Temple du Goüt auf Einlass warten lässt. Voltaire's gelegent- licher Groll fällt also nicht allzu schwer in die Wagschale. Eine wirklich tiefe Kluft aber trennt die classigues attardes, les Pom- pignan, les Racine^ les Rollin von der Schule La Motte's. Ihrem Charakter gemäss bekämpfen sie diesen Verderber des guten Ge- schmacks hartnäckig aber würdevoll. Interessant und pikant zu- gleich ist die Untersuchung, die am Schlüsse dieses Kapitels von Dupont an das Bictionnaire Neologique vom Jahre 1726 angeknüpft wird. Wie er in überzeugender Weise nachweist, hat La Motte in diesem eigentümlichen Werke und in den Pamphleten, die dazu den Anhang bilden, langatmigen Formen der Diatribe zur Ziel- scheibe gedient, die im weiteren Verlaufe des Jahrhunderts ver- schwinden, oder besser gesagt, durch Voltaire eine elegante mörde- rische Zuspitzung erfahren werden. — Einer der zahlreichen Gegner, M. de Malazien, wird von Dupont nur flüchtig (S. 175) erwähnt, und dennoch hat er wohl die witzigste Form des Angriffes auf den Verfasser der verkürzten, modernisierten Ilias gewählt, indem er demselben zur Zeit seiner Fehde mit M*»® Dacier eine Fabel widmete, die im Grunde genommen nur eine scherzhaft gehaltene Paraphrase zweier Verse bildet, die er inter CatcUeda veterum Poetarum aufgestöbert hatte. Carminis Hiaci libros consumpsit aseUus: Hoc Trojae fatum est aut equits^ aut ctsinm. In der Gallerie der Freunde La Motte's, die Dupont uns vorführt, fehlt kein Portrait von Bedeutung. Oefters ist dasselbe, wie bei Montesquieu mit einer recht lehrreichen Unterschrift geschmückt. Fontenelle bewahrt selbstverständlich auch während dieser lebens- länglichen Freundschaft seine bewährte Herzenskühle. M"'® de Lambert streift in ihren Aeusserungen über La Motte an eine für ihr skeptisches Zeitalter ungewöhnliche Schwärmerei. Die praktische ]jl/[me ^e Tencin nutzt die allzeit gewandte Feder ihres Besuchers häufig zu Gunsten ihres Bruders, des Erzbischofes aus. Der Marquis de La Faye bewahrt auch als freigebiger Mäcen die liebenswürdige Vertraulichkeit des Jugendfreundes. Montesquieu, der sich gelegentlich sehr anerkennend über Jnes de Castro äussert, kleidet seine Bewun- derung (?) für La Motte in ein ganz bizarres Gewand. In den Pensees hat er die Schrulle, eine Keihe französischer Dichter mit Malern der verschiedensten Nationen und Zeiten zu vergleichen. La Motte stellt er neben Rembrandt! Zu der Gruppe der lau- warmen Bewunderer ist allenfalls noch Piron zu rechnen. Trublet, der gewissenhafte Biograph Fontenelle's und La Motte's, ist bereits zur Genüge aus seinem Memoiren bekannt. Dem Abb6 de Pons hat schon Sainte-Beuve in den Causeries du Lundi (t. XIII) ein bescheidenes Denkmal gesetzt. Sein oft indiscreter Enthusiasmus Duponty Paul, ün poHe-philosophe etc. 267 bezeichnet nach Dupont's eingehender Schilderung die höchste Staffel einer Bewunderung:, die La Motte eher zum Nachteile gereichte. Sein begeisterter Parteigänger und Jünger Marivaux schlägt dagegen etwas weniger ungeschickt die Lärmtrommel. Zwar bekennt er sich in den Salons ganz offenkundig zu den Theorien des Meisters, weis dafür aber im Spedateur frangais seinen geschmeidigen Kritiken der Dramen desselben den Anschein völliger Unparteilichkeit zu verleihen. Die engeren Beziehungen, die sich zwischen ihnen in mancher Hinsicht nachweisen Hessen, streift Dupont (S. 188) leider nur mit kurzen Bemerkungen: le Marivaudage a ses antecedents qui sont nombreux et divers. Indem er aber davon absah, auf den wichtigen Punkt einer gewissen geistigen Verwand schaft seines Schriftstellers mit Marivaux näher einzugehen, hat er sich überaus lohnende, interessante Resultate entschlüpfen lassen. Schuld an dieser bedauerlichen Lücke ist wiederum die schon mehrfach ange- deutete skizzenhafte Behandlung des Abschnittes, der von La Motte dem Dichter handelt. Nachdem in den genannten lehrreichen vier Abschnitten, die den Eingang des zweiten Teiles bilden, dem Leser reiches und doch zugleich sorgfältig gesichtetes Vorbereitungsmaterial in die Hand gelegt worden ist, folgt nun der eigentliche Kern des Buches: La Motte's kritischer und theoretischer Standpunkt. In den modernen Gesichtskreis gerückt, zeigt La Motte der Kritiker nur eine ein- zige wirklich schätzenswerte Seite, er befleissigt sich eines vornehm- gemässigten Tones, einer urhanite exquise, die selbst den gehässigsten Angriffen gegenüber fast immer stand gehalten hat. Ganz so harmlos ist sein Verhalten gegen M^® Dacier wohl aber doch nicht, wie Dupont es (S. 202) hinstellen möchte. Wer die Reflexions sur la crüique durchblättert, wird auf eine stattliche Eeihe mali- tiöser Bemerkungen stossen, die jede Blosse, jedes unbedachtsame Wort der Gegnerin zu feinen Nadelstichen auszunutzen wissen. Als M^ae Dacier z. B. in der Hitze der Beweisführung Despreaux und ihren Gatten in einem Atemzuge genannt hat, benutzt La Motte diesen geringfügigen Umstand zu einer recht deutlichen Küge: M. Bespreavx et M, Bader ont jmtifie VÄcademie; je les respecte tous deuXf comme je le dois, Vun p n j) n 9 10 19 25 28 30 33 40 44 45 47 50 51 56 57 »J 6: lies si^gent statt si6- gent. 1: Gourmandez statt gourmdenza. 1 7 : en est un st. en et un. 12: couchant st. chou- chant. 24: surprendrait st. sur- prendait. 11: ev6nement st. evene- ment. 27: mais st. mai. 14: 6meute st. erneute. 1: Tair st. lair. 3: ä St. a. 13: Charlotte st. Ghar- lotte. 21: ceux-lä st. ceux-lä. 8: monstrueux st. mon- streux. 4: dra-peaux abzuteilen st. drape aux. 8: connait st. connait. 75 Z. 86 ,, 88 90 93 93 »» S. 65 zwischen Z. 4 u. 5 fehlt die Ueberschrift Char- lotte. 2: ai'eule st. aieule. 1: est St. et. 12: fourreau st. fourrear. 11: le peuple st. la peuple. 1 : septi^me st. septieme. 26: l'entrainant st. l'en- trainant. 8: m§me st. m^me. 30: opprobre st. opprobe. 7: qu'ils st. quMl. 10: contre st. centre. 29: N*extermine-t-on st. N'extermine-ton. 12 u. 18: est st. et 14: pratique st. partique. 3: forcen^s st. fercenes. 17: traine st. traine, 14: parait st. parait. 13: de Marat st. du Marat. 27: geölier st. geolier. »j >) 96 97 98 „ 98 „HB „118 „118 „119 „123 „126 „130 „137 Wie man sieht, hat sich ein Unbekannter des misshandelten Textes angenommen und die Fehlerliste entweder eingeschickt oder veranlasst. 18* 276 Referate und Re/sensionen, W, Foerster. einznrücken, da der Anfang desselben Z. 25 steht. — Z. 47, Z. 16 aujourcP hui.] setze Komma statt Punkt. — S. 65, Z. 5 and ff. Barbaronx hat vierzehn Zeilen gesprochen, nnd man ist erstannt, dass er Z. 7 au! ein- mal im Feminin von sich spricht, dass er Z. 11 den Barbaronx selbst anspricht nnd dass auf die nach der Personenrolle S. 64, Z. 27 dem Barbaronx gehörige Rede wiederum Z. 15, Barbaronx spricht. Man merkt sofort, dass die Z. 5— 14 unbedingt Charlotte sprechen, daher in der Mitte etwas ausgefallen sein muss. Eine Vergleichung mit dem Original zeigt sofort, dass der Setzer Folgendes ausgelassen und der Herausgeber und der Korrekturleser nicht bemerkt haben: es fehlen die zwei Schluss- verse des Barbaronx', dann 2 Zeilen Corda/s, hierauf 14 Zeilen Barba- ronx*, endlich 14 Zeilen Corday's, im Ganzen 32 Zeilen!**)— S. 67, Z. 9 aurons-nous] setze Komma statt Punkt. — S. 90, Z. 11 la peuple] lies le peuple**). — S. 96, Z. 8. m^me] lies wemc**). — S. 98, Z. 10. centre] lies contre**). — Ebenda Z. 26. rose] setze ein Komma. — S. 115, Z. 26. N^eoctermine-ton] lies N^eoctermine-t-cn**). — S. 117, Z. 25. voeux] lies yeux (!) — S. 118, Z. 12. Lepatriote et ccUme] lies est**). — Ebenda Z. 14. partique] lies pratique*). — Ebenda Z. 18 Le silence et habüe] ües est**). — S. 119, Z. 3 fercenes] lies forcenSs**). — Ebenda Z. 20. criminelSj] setze Punkt statt Komma! — S. 121, Z. 25. chasse.] setze Komma statt Punkt! — S. 134, Z. 20. produit.] streiche den Punkt! — S, 135, Z. 4. die Zeile ist nach rechts einzurücken, da sie die Fortsetzung des Z. 2 begonnenen Verses ist. Ein so vernachlässigter Text richtet sich von selbst. Kann und darf man aber einen solchen Text Schülern in die Hand geben? Die Anmerkungen stehen kaum auf einem höheren Niveau als der Text. Sie enthalten in der grossen Mehrzahl nichts als meist recht ungeschickte biographische und litterarische Notizen. Da die Einleitung kein Zeitbild des Drama glebt, so sind diese Angaben recht nichtssagend, erklären obendrein ganz bekannte Dinge. Der Schüler wird in den wenigsten Fällen damit was anfangen können. Mit welcher Sorgfalt sie gemacht sind, zeigt recht anschaulich die Anmerkung zu 115, Z. 24. Marat don- nert dort: ä quoi donc vous sert la guillotine, Puisque vous laissez vivre et Biron et Gustine? Von Custine heisst es: „französischer General, geb. zu Metz 4. Februar 1740, wurde am 27. August 1798 hingerichtet.'* Es ist also klar, dass der neben ihm stehende Biron sein Kollege sein dürfte. Wenn man meine Fehlerliste damit vergleicht, so bemerkt man einerseits, dass kein einziger der zahlreichen und meist schweren Interpunktionsfehler gebessert worden ist, andererseits, dass noch neunzehn andere kleine Druckversehen, die ich übersehen, sich vorfinden ; (sie fallen fast alle in die aussertextlichen Petitdruck-Partien, die ich beim Lesen überschlagen habe), aber sie enthalten noch anderes: so wird 9,6 aügent des Druckes in sügent gebessert, 30,11 ivhnement (nicht wie das Fehlerverzeichnis an- führt evenement) in evenementy d. d. die Orthographie des Dichters wird nach der heutigen, dem Dichter natürlich unbekannten. Norm gebessert. Interessant ist die Art der Berichtigung der grossen von mir im Texte (s. oben) nachgewiesenen Lücke von 32 Versen. „S. 65 zwischen Z. 3, 4 u. 5 fehlt dieüeberschrift„C%aWo^fe**", wodurch der Anschein geweckt werden soll, es fehle nichts anderes als die Personenaufschrift. Dass die Lücke nicht gewollt sein kann, zeigt der vollständige Abdruck des ganzen übrigen Drama^s. Dazu kommt, dass, was entscheidend ist, die jetzige Anwort Charlottens (65,5 fg.) zu den vorausgehenden Worten Barbaroux's gar nicht passt. Die fehlenden Verse sind, was bei Ponsard selbstverständlich ist, edlen Inhalts und ohne die Möglichkeit irgend eines Anstosses. Charlotte Corday, Drame en 5 actes, en vers par Frang.Ponsard. 277 Statt dessen lesen wir mit sprachloser Verblüffung: Biron Charles de Gontaut, Herzog von, geb. 26. Juli 1592 (! !) zu Epernay, Marschall von Frankreich, liess sich in eine Verschwörung ein und wurde am 31. Juli 1602 (! !) hingerichtet. (Biron heisst auch ein französischer General)." Dies die sonderbare Anmerkung. Herr Weddigen hat also nicht bemerkt, dass eigentlich dieser in Parenthese beigesetzte Auch-General hier gemeint ist, der andere dagegen schon wegen der Jahreszahlen seiner Lebenszeit hier nichts zu thun haben kann. — Geradezu Unfag ist die Anmerkung zu 24,2 (Beschreibung der Landschaft, in welcher der 2. Akt spielt) „Les campagnes de Caen.' Es heisst da richtig, dass die Stadt in der Nor- mandie liegt und Hauptstadt des D6p. Calvados ist. Dann folgen in 44 Zeilen (!) verschiedene Etymologien des Eigennamens und einige der mannigfaltigen Schicksale der Stadt von den Römern bis Wilhelm den Eroberer und eine Kirchen Versammlung, die den Gottesfrieden, „der be- kanntlich bestimmt, dass Fehden nur an 3 Tagen der Woche ausgefochten werden sollten". Was soll dieses Füllsel, das Manuskript macht, an dieser Stelle? Diese Frage ist auch dann berechtigt, wenn alles Un- passende, was hier vorgebracht ist, richtig wäre. Nun ist das meist hirnloses Geschwätz, freilich nicht Eigentum des Herrn Weddigen, son- dern eines Professor Anglave^ der die merkwürdige Entdeckung macht, dassCaen eine deutsche Kolonie, und zwar der Chatten ist und ursprünglich ,,Chatheim, Heim der Chatten" geheissen habe!! Der Grund dafür ist einleuchtend. „Es giebt heute noch im benach- barten Departement Orne, an dem Flüsschen, an dessen Mündung Caen liegt, eine Ortschaft, die AUemagne heisst, zum untrüglichen Zeugnis ihrer deutschen Abstammung." Wie man sieht, müssen es Ale- mannen gewesen sein. Dazu beachte man, dass das franz. Dictionnaire desPostes den Ort nicht in das D6p. Orne, sondern in das D6p. Calvados, Arrond. und Canton von Caen setzt, fünf Kilometer von dem Ort. Caen selbst liegt auch nicht an der Mündung der Orne, sondern 15 Kilometer davon. Doch genug davon. Es musste aber erwähnt werden, um zu zeigen, wie hilflos der Herausgeber der ersten besten Notiz gegenüber steht und wie er den grössten Unsinn unbesehen hinübernimmt, dann auch deshalb, weil noch diese Chatten Herrn Weddigen den Gedanken eingeflösst haben, die Titelheldin Charlotte von germanischen Kolo- nisten abstammen zu lassen (!), s. weiter unten Beinahe hätte ich vergessen, dass Herr Weddigen als Aussprache von Caen die phonetische Umschreibung Cän (! !) giebt. Wenn man dann bei Sieyhs die Angabe der Aussprache, die der Schüler unter keinen Umständen erraten kann, vermisst, so ist dies eigentlich besser, als wenn eine falsche Aussprache angegeben worden wäre. Anmerkung 6,6 erfährt man die merkwürdige Thatsache, dass die Athener den Böotern den Vorwurf des Mangels an feinem Sinn und des Hanges zur Schwelgerei machten. Ich will über die Berechtigung dieses Vorwurfes mich nicht weiter auslassen; auf jeden Fall ist die Bemerkung an dieser Stelle sinnlos. — Anmerkung 8,14. soll Marat „Stallarzt beim Grafen Artois" gewesen sein. Marat war aber nicht Bossarzt, sondern mSdecin des gardes du corps de monseigneur le comte d^Artois wie schon im Meyer zu lesen ist. Diese falsche Angabe ist zu 12, 14 nochmals wiederholt. — Anmerkung 06;. 6. (Notiz über Barbaroux) übersieht, dass dasselbe schon zu 1, 18 und zwar reichhaltiger gesagt worden ist. — Während 42, 11 neun Zeilen der.But;h, 54, 10 sechs der Judith, 48, 4 fünf dem bösen Catilina und der Culpurnia (so), 110, 23 drei der Stadt Capua, 119, 9 vier dem Veiies,^ 51,,. 10 (drei der Bartholomäusnacht, (wobei die Bedeutung des Wortes an^diidsecD&tedle^erBt nicht erklärt ist), 107, 14 eine dem Tartufe, 92,24 sechs df«li>iMi^i)4€)& 278 Beferate und Bezensionen, Dr. Block. 6, 16 drei sogar der Zipresse als Sinnbild der Traner, n. ä., gewidmet sind, die kein Schüler entbehrt hätte, so sind dagegen Anmerkungen, wie 46, 9 y^GonzcUve de Cordoue von Florian", 65, 28 „Pitt und Cobourg, hervorragende Staatsmänner" doch vielleicht zu kurz. 66, 26 Egide, Aegilde ist ja Druckfehler; wir wollen dasselbe von 67, 13 les sans-adottes annehmen. Wenn auch das Plural-s erlaubt ist (darüber wäre eine Bemer- kung angebracht gewesen), so ist es doch an der behandelten Stelle durch den Eeim ausgeschlossen. S. 6 lässt Marat zu Boudry im Fürstentum „Neuchätel*' geboren sein; es ist der heutige schweizer Kanton Neuen- burg gemeint. Wenn uns so manche Anmerkung eigentlich überflüssig erscheinen könnte, so finde ich nicht wenig Stellen, wo der Schüler sicher eine solche suchen und brauchen wird. z. B.le generalWimpfen 69, b^Achille in der Bedeu- tung des 116, 23, septemhre 120, 2 u. a., auch wohl zu 4, 19 ff. Wird da jeder Schüler erkennen, dass es sich um Horazen^s Siegesgedicht auf die Schlacht von Aktium handelt? Grammatische Anmerkungen kommen nur ganz vereinzelt vor, keine einzige metrische. Nach den Anmerkungen kommt ein Wörterbuch von 23 Seiten; ich habe es nicht angesehen, bemerke nur, dass ich über den Zweck solcher Wörterbücher, worin sich Hunderte und aber Hunderte der gewöhnlichsten, auch dem letzten Schüler geläufigen Vokabeln finden, meine eigene Ansicht habe. Und wann soll denn eigentlich der Schüler ein wirkliches Wörterbuch, wie er es im Leben stets braucht, benatzen lernen? Die Einleitung wird auch kaum jemand befriedigen. Nicht allein, dass sie kein richtiges Bild von Ponsards Wert und Stellung ent- wirft, ist sie auch nicht frei von Irrtümern. So heisst es, dass P. nach der Aufführung seiner Lucrhce seinen Wohnsitz in Paris aufgeschlagen habe. Vapereau iu seinem Dictionnaire bemerkt dagegen: Sans s'etour- dir d'un pr emier succes, it rentra dans son pays et ecrivit ä loisir^ dans la retraite, une tragSdie plus moderne, Ägn^s uff. Der Heraus- geber bezeichnet die kleine Komödie Horace et Lpdie als Drama*) und lässt Ponsard im Juni sterben statt im Juli. Eine gerechte Würdigung der Charlotte Corday vermisse ich ebenso, wie die wichtige Bemerkung, dass Ponsard zu dem Stück durch Lamartine's Girondins veran- lasst worden ist. Dies ist auch deswegen wichtig, weil er dieser Quelle (XLIV) in mehreren Punkten fo^gt. In derselben Richtung; bewegt sich auch Esquiros Charlotte Corday 1840 (2 Bände), welches Werk ebenso wenig erwähnt ist, wiewohl es Ponsard sicher gekannt unc! benutzt hat. Natürlich entfiel so für den Herausgeber die Voran lassing, eine andere überaus wichtige Veröffentlichung zu erwähnen, die sieb gegen die Wahrhaftigkeit der romanhaften Darstelluna: L-'.martine^ und Esquiros' scharf ausspricht» Ich meine die interessante Noiiz der Frau Loyer de Maromme, welche Charlotte persönlich gekannt hat. Wenn auch der Wortlaut ihrer Gegenschrift erst jetzt*) gedruckt worden ist, so war doch alles sachlich Wichtige oder Anziehende längst veröffentlicht worden durch Casimir Pörier in der Revue des Deux Mondes vom 1. April 1862. Der Herausgeber bemerkt S. IV, dass „das Sujet des Stückes auch für uns Deutsche ein hoch interessantes ist." Ich will nicht die Sonderbarkeit dieses Ausdruckes betonen; aber nicht scharf genug kann man sich gegen die Insinuation, welche die Anmerkung zu 24, 8 enthält, aussprechen, dass die Titelheldin germanischer Abstammung ist. *) Auch gegen die Bezeichnung des Lion amoureux als histori- sches Drama liesse sich einwenden, dass der Dichter selbst dies Stück comSdie nennt. *) In der Eevue Hebdomadaire vom 12. und 19. März 1898. Chants d'Ecoles. Chants poptdaires pour Us Ecoles. 279 „Es ist nicht nn wahrscheinlich, dass die Corday's Nachkommen germani- scher Kolonisten sind/' Damit können nur die Wickinger, welche man später Normannen nannte, gemeint sein. Auch nicht die allergeringste Veranlassung liegt vor, diese Stammeszugehörigkeit anzunehmen, es sei denn die Neigung des Herausgebers, die Titelheldin, die Mörderin Ma- rats, uns Qermanen zuzuweisen. Auch das Äussere Charlottens, welche Frau Loyer als Brünette mit kastanienbraunen Haaren und milchweissem Teint, also den bekannten Merkmalen der keltischen Rasse, schildert, spricht dagegen. Woher hat der Herausgeber die sonderbare Bemerkung : ,, sie bezeichnete sich selbst als eine zweite Jeanne d' Are.''? Dies wäre ein merkwürdiger Anachronismus, zur Zeit der französischen Revolutiijn eine Johanna als Nationalheldin zu preisen; Ponsard und vor ihm Lamartine, sprechen nur von Judith und den klassischen Vorbildern (Brutus u. s. f.) Wie man sieht, bat der schlecht gedruckte Text mehr als bedenk- liche Beigaben, so dass man das Büchlein zur Einführung in die Schulen kaum empfehlen kann. Bonn AM RHEIN. W. Foerster. Chants d'Ecoles. Für den Schulgebrauch herausgegeben von Ludwig E. Rolfs und Barthel Müller. Leipzig 1897, Renger. Chants popalaires poar les Ecoles. Po^sies de Maurice Bouchor. M6- lodies recueillies et not6es par Julien Tiersot. Prix: 7ö Cent. Paris, Hachette. 1897. Ein Neuphilologe und ein Gesanglehrer an der Oberrealscbule zu Köln haben sich vereinigt und gemeinsam eine Sammlung französischer Schul- und Volkslieder mit Melodien zum Gebrauche für den französischen Unterricht in deutschen Schulen herausgegeben. Das Büchlein enthält 50 Lieder, welche verschiedenen französischen, schweizer, schwedischen und deutschen Lieder- und Lehrbüchern entnommen sind. Die Melodien sind leiis ein-, teils zweistimmige; 18 derselben sind deutsche. Als besonders hübsch möcht ich das frische Lied Le Eeveü (No. 2) bezeichnen, das ent- zückende Wiegenlied von Brahms Bonne Nuit (No 10), das humoristische Lied Jean de la Lime (No. 13), ferner Le Petit Pierre (No. 14), und für die verschiedenen Jahreszeiten passend, Le Printemps (No. 16), Chanson de Printemps (No. 17), Chanson d'Ete (No. 18), Chanson d^Äutomne (No. 19), Chanson d' River (No. 20); einzelne Blumen werden hübsch charakterisiert in Joli Bouquet (No. 22), und recht wirkungsvoll ist Petit Oiseau (No. 23) mit seiner Abwechselung zwischen Chor- und Sologesang, desgleichen Chante, Petit Oiseau (No. 24) durch seinen Wechsel des Rhythmus; dann das kurze, einfache, aber stimm ungsTolle Liedchen Promenade Matinale (No. 28), sowie die beiden die Heimat feiernden Lieder Chanson du Pays (No. 31) und Le Foyer (No. 32), von denen das letztere nach der englischen Melodie Home^ sweet home zu singen ist. Recht munter klingt Le Postillon (No. 37), an welches sich das auch uns bekannte Jogeux Message (No. 38) reiht, das nach der Melodie „Kommt ein Vogel geflogen" zu singen ist; daran schliesst sich Valse Alsacienne (No. 39) und das auch in andere franz. Lehrbücher aufgenommene Ma Normandie (41) von B6rat. Von alten franz. Volksiedern sind aufgenommen Le Bot Dagobert (No. 47) und Malhrough (No. 49). Uebersetzungen deutscher Lieder sind L'Hote (No. 26) [Einkehr von Uhland], Le Sapin (No. 29) [0 Tannenbaum], Üne rouge Aurore (No. 40) [Morgenrot, 280 Referate und Bezensionen, Dr, Block. Morgenrot], Le hon Camarade (No. 42), La Charge guerrihe de Luteen (No. 44) mit der Melodie von C. M. von Weber, Lorley (No. 46), Le vaste Monde (No. 46) [Der Mai ist gekommen] nnd Chant patriotique (No. 50) [Der Gott der Eisen wachsen Hess], sowie die Hymne Victoire [„Seht, er kommt mit Preis gekrönt'S ans dem Händeischen Oratorium Judas Macchabäus]. Ein Druckfehler ist mir S. 20, Z. 6 aufgefallen, wo zu lesen ist : 0 Moissonneur. — Meine Besprechung des Liederbuches würde unvollständig sein, wenn ich nicht noch einige Worte über die Berechtigung des Liedes im neusprachlichen Unterricht hinzufügte, da es ja immer noch viele Kollegen giebt, welche bei dieser ,, Spielerei und Zeitvergeudung'* bedenk- lich das Haupt schütteln! Es ist meiner Ansicht nach eine, und zwar keine der geringsten, Errungenschaften unserer Reform methode, den neu- sprachlichen Unterricht durch Einführung des Gesanges belebt und aus der Totenstarre erweckt zu haben, in welche er bei der alten grammati- sierenden Methode versunken war. Wie der Schüler die Sprüche, Ge- schichten, Literatur des fremden Volkes kennen lernen soll, so soll er auch das fremde Land selbst, seine Sitten und Gebräuche kennen, er soll wissen, „wie es denkt, spricht, lebt, weint und lacht, und wie es singt!"^) Durch das Lied wird der Schüler mit der fremden Sprache vertrauter, er tritt ihr gewissermassen menschlich näher, er beginnt in ihr zu fühlen und zu empfinden. Aber auch ein anderer Vorteil erwächst aus der Pflege des Gesanges: das Singen ist ein vorzügliches Mittel zur Schulung der Aussprache, vielleicht ein besseres als alle phonetischen Unterwei- sungen, Lauttafeln und Transcriptionen. Die reine Aussprache der Mund- vokale, die saubere Artikulation der Konsonanten, die schwierige Aus- sprache der französischen Nasale und besonders die vokalische Bindung (das Unterlassen des Kehlkopfverschlusslautes), welche noch so häufig in deutschen Schulen vernachlässigt wird, währnnd man die Bindung der Konsonanten mit allzu grosser Pedanterie beobachtet; schliesslich auch noch die Aussprache des dumpfen oder stummen e am Schluss der Wörter, welche in so hohem Masse den Rhythmus der französischen Verse bedingt und nur dann richtig verstanden wird, wenn das sogenannte stumme e als ein musikalisches Element des Verses aufgefasst wird — alle diese Schwierigkeiten, deren möglichst vollständige üeberwindung mit aller Energie im Unterricht gefordert werden muss, werden verhältnismässig leicht durch das Singen gelöst. Es ist daher eine glückliche Idee von H. Schmidt in Altena, im französischen Unterricht, gleich nach den ersten Lauteinübungen, mit den Schülern ein französisches Lied zu singen imd an demselben die Aussprache zu üben und zu befestigen.') Freilich ist dazu erforderlich, dass der Lehrer selbst musikalisch gebildet, oder in der glücklichen Lage ist, wie der Verfasser des besprochenen Buches, einen Gesanglehrer in seinem Kollegium zu haben, der für seine Bestrebungen Verständnis und gefälliges Entgegenkommen zeigt. Während sich sonst der Lehrer begnügen mag, mit seinen Schülern wenigstens einige franzö- sische Lieder nach bekannten deutschen Melodien zu singen, so kann in Verbindung mit den Gesangstunden der französische Unterricht von Er- folgen gekrönt sein, die einen wirklich ästhetischen Genuss bereiten, wie ^) Beyer, Der neue Sprachunterricht. Cöthen 1893. ') Vgl. Die Einübung der französischen Aussprache unter Ver- wertung eines Liedes. (Die Neuen Sprachen^ Band I Heft 9, S. 501 fg.) — Ferner vgl. auch die Vorrede des französischen üebungsbuches für die Unterstufe von Reum. (München, Bamberg, Leipzig, Buchner 1892) S. VIII. Chants d'fkoiles. Chants populairis pour les ikoles, 281 z. B. in der Musterschule zu Frankfurt a. M., wo man im Programm der öffentlichen Schulfeier zu Ostern neben deutschen Chören auch franzö- sehe und englische Chöre findet. (Vgl. das Osterprogramm dieser Schule. 1896). Allerdings ist, wie Überall, so auch hier Masshalten geboten, und ich halte es kaum für angänglich. dass die Schüler neben ihrem deutlichen Liederbuch auch noch das 50 Lieder enthaltende französische von Rolfs nnd Müller in Händen haben. Vielmehr betrachte ich diese Sammlung als ein bequemes und schätzbares Hilfsmittel für den Lehrer, um einige passende Lieder auszuwählen und zur Einübung Text und Noten, viel- leicht auf hektogiaphischeni Wege, zu kopieren. Auch würde ich dann weniger deutsche Lieder in französischem Gewände bevorzugen, als vielmehr echt französische Lieder mit ihrer eigenen Melodie, da erst dann die Schüler den Geist des fremden Volkes richtig erfassen lernen. An die Besprechung dieses für deutsche Schulen bestimmten Liederbüchleins möchte ich noch diejenige des soeben erschienenen Lieder- buches für französische Schulen von Bouchor und Tiersot an- schliessen. Das splendid gedruckte Buch enthält 37 einstimmige Lieder, welche zum grossen Teil einen ganz verschiedenen Geist atmen und einen andern Geschmack verraten, als die von einem Deutschen für deutsche Schulen ausgewählten. Auf ein Marschlied {Le Chant des EcoUers frangais. No. 1), welches begeisterte Vaterlandsliebe zum Ausdruck bringt, folgt ein Lied {Les Vaülants du Temps jadis, No. 2), das die jungen Franzosen an ihre ruhmreichen Ahnen erinnern soll, an die Kelten, die Jungfrau von Orle- ans, Bajard, Crillon und Turenne, und das sie ermahnt, der Väter würdig zu sein ; ebenso verherrlicht das Lied Atix morts pour la Patrie (No. 3), mit feierlich ernstem Rhythmus, die für das Vaterland gefallenen Helden. Ganz reizend ist Le Soldat frangais (No. 4), das nach der Me- lodie eines alten französischen Soldatenliedes zu singen ist. !•' groupe: Oü fen vas-tu, soldat de France, Tout iquipS, pret au combat? Piain de courage et d'espirance, Oü fen vastu, petit soldat? 2* groupe: Cesi comme il plait ä la Patrie; Je vCai qyC a suivre les tambours. Marche toujours! Marche toujours\ En traversant bois ou prairie On peut rever ä ses amours. Gerne möchte der Soldat einmal sein Vaterland wiedersehen: Gloire au drapeau! tPaimerais bien rveoir la France, Mais bravement mourir est beau. Die folgenden Lieder feiern verschiedene französische Provinzen, die Bretagne, die Pyrenäen, das Alpenland, die Provence, das flämische Gebiet und auch, was bezeichnend ist das E 1 s a s s ! Die Elsässer werden ermahnt, in der Verbannung auszuharren und ihre Treue dem alten Vaterlande zu bewahren. Tout vit dans la campagne: Mais toij depuis longtemps, Derrihre la montagne En pleurs tu nous attends, Jühil En pleurs tu nous attends. 0 eher pays d'Älsace, Sois ferme dans ta foi; Sans bruit et sans menace Toujours on pense ä toi, Jühel Toujoun on pense ä toi. 282 Referate und Re/semionen, H. J. Heller, Fid^le en ta souffrance, Tenace avec douceur^ Ah ! songe ä notre France Et garde-lui ton coeur, Jiihe! Et garde-lui ton coeur. Sehr poetisch ist der Text der nees (No. 6) und Chanson des Alpes (N Ah! que vous etes belies, Cimes du Ganigou! Uor de vos Fleurs nouvelles Brille comme un hijou. Roses de la montagne, Que votre souffle est doux! Ah! quel ennui me gagne, Quand je suis loin de vous! Seid, ramenant ses chevres Dans le hrouillard leger, Passe, la flute aux Uvres, Vhomme qui fait songer. Patres de la montagne, Que vos pipeaux sont doiuc! Ah! quel ennui me gagne, Quand je suis loin de vous! Lorsque nos jeunes couples, Par les beaux soirs de mai, Dansent nerveux et souples, Qui n'en serait charm^? Filles de la montagne, Que vos grands yeux sont doux! Ah! quel ennui me gagne, Quand je suis loin de vous! {Chanson des Pyrinees). Das Lied No. 12 schildert den Tod Rolands bei Roncevaux und ist nach der Melodie eines baskischen Volksliedes zu singen, darauf folgt Beethovens Symphonie Hymne des Temps futurs {No. 14) [Freude, schöner Götterfunken]; dann kommen einige Lieder moralischen Inhalts {Amour ßial, 15, La Fete des Morts, 16, La Fin du Juste, 17, Chanson de Lahour, 18), an die sich eine Reihe anderer Lieder schliesst, welche grösstenteils die Natur oder verschiedene Feste behandeln. Besonders hervorheben möchte ich Chanson de Mai (23), La Marche des Rots (25) [die heiligen drei Könige], dann La Belle au Bois dormant (27) [Dornröschen], wo die Melodie einer komischen Oper von D6z6de aus dem vorigen Jahrhundert entnommen ist, und dann noch das graziöse Liedchen No. 30: La Ute du Village, dessen Text lautet: C'est aujourd'hui fite; Roüle, mon tambour! On en perd la tete Bien avant le jour. Le soleü va luire, Tout le del est clair; Et chacun respire La gaUi dana Vair, Aprhs ce long supplice Un temps meilleur viendra; Le jour de la justice Pour toi se levera, Jühe! Pour toi se Ihvera. (No. 10 bis). beiden Lieder Chanson des Pyre- 0. 7). Les Alpes dans Vespace Dressent leur purs sommets; La splendeur et la gräce Les parent ä jamais. Vous seuls savez me plaire, Neiges, sapins, lacs bleus, Bea/ux lacs dont Veau si claire Est le miroir des cieux. tPentends pleurer les sources; Doux est leur chant plaintif. tPaime voir, dans mes courses, Fuir le chamois craintif. Suriout, j^aime ä Vaurore Vaigle qui, loin du sol, Avec un cri sonore Monte d*un large vol. J^ai vu de riches plaines Aux epis dous et blonds; De suaves häleines Passent dans nos vallons. Mais vou^, toujours sublimes, Alpes aux durs chtmins, Vous ilevez vos dmes Vierges de pas humains. • (Chanson des Alpes). Paul Bourget, Becommencements. 283 Sonne, sonne, sonne, Cloche du hameau! Je ne vois personne Soits le vieux ormeau . . . Bien que la frimousse D'un pas matinal. Seul, il se tremousse Pour ouvrir le bal. Ce beau temps de Päques Est ravigotant] Pierre, Antoine et Jacques Viennent en chantant. Qäy que Von arrose Tambo .r et crincrin D^un petit vin rose Qui les met en irain! Le violon grince; Blaise arrive au trot; On dirait un prince, Tant il est faraud. Äccourez, fUlettes De seize ä vingt ans, Fraiches violettes Du jöli printemps! Vite, erärez en danse, Fiei'.rSj rubans et nceuds! Marque la cadence, Bon violoneux! Fais le diable-ä-qicatre; Bacle avec vigueur ; Tu vas faire battre Plus d^un jeune cceur! Die obigen Andeutungen und mitgeteilten Proben werden, hoöe ich, genügen, um zu zeigen, dass die kleine Liedersammlung recht gut ausgewählt ist und dass manches Lied aus derselben auch unserer Jugend Freude machen würde. ^) Elbing. Dr. Block. Paul Bourget) Becommencements. Paris, Lemerre 1897. Zehn Novellen In der ersten, Le Vrai Pere, erfährt die Gräfin de Br6au. dass ihr Geliebter, der eigentliche Vater ihres siebenjährigen Sohnes, und zwar erfährt sie es von ihm selbst, dass er, wegen des Ver- dachts beim Kartenspiel betrogen zu h;«ben, aus seinem Klub habe aus- treten müssen; ihr Mann bestätigt nicht nur den von jenem wirklich verübten Betrug, sondern fügt noch hinzu, dass er wegen Wechsel- fälflchung angeklagt werden wird und evküt' t. dass er den sonst von ihm gern gesehenen Herrn, wenn er sich zuui Weihnachtsfeste bei ihnen ein- finden sollte, hinauswerfen werde. Daraufhin ist sie entschlossen, sich zu vergiften, wird jedoch davon durch die Liebkosungen ihres Sohnes, den sie am späten Aberd beim Berauben des schon ausgeschmückten Weihnachtsbaumes betroffen hatte und durch den Wunsch, ihn vor den angeerbten Unredlichkeiten des Vaters zu bewahren, zurückgehalten; ihre Freundinnen erklären sie. als sie bei der Nachricht von der Ver- haftung des Geliebter sich ruhig zeigt, für herzlos. — In der 12 Jahre jüngere Paul-'Eric auf dem Schloss Eocheuse während die Mutter die Kanonen der Schlacht bei Villersexel hörte und gleich darauf starb. Der deutsche Officier blieb in dieser Schlacht und hatte beim Ausbruch des Krieges seiner Frau, der Besitzerin von Rochense, versprechen müssen, keinen Franzosen zu töten. Achtzehn Jahre alt, geht Paul-'Eric, der schon verschiedene Liebeleien gehabt hat, mit dem älteren Bruder zu der Gräfin de Crossac, an einem Abend, an welchem die literarisch thätige Dame, deren Mann, wie auch der Baron Reutier, nur für gelehrte Forschungen Sinn hat, ein von ihr verfasstes Stück aufführen will, um ihr anzukündigen, dass er sich gänzlich von ihr zu trennen beabsichtigt. Bei dieser Gelegenheit entführt er ihre Vor- leserin Jane Monvel; nachdem er mit ihr einige Monate gelebt hat, lässt er sie auf ihren Wunsch in einer kleinen von ihm verfassten Feeerie spielen; bei ihrem ersten Auftreten fällt sie in eine Versenkung und stirbt. Man hat den Verdacht, dass die Gräfin, um sich zu rächen, ihr diese Falle gelegt hat. Auf dem Opernball erscheint Paul-'Eric, von seinem Bruder begleitet, als Dame im Costüm der byzantinischen Kaiserin Ir^ne. Er dringt in die Loge der Gräfin und vergewaltigt sie da; sinnlos betrunken nach Hause geschafft, will ihn der den Frauen abgeneigte Reutier, der seine unnatürliche von dem jüngeren Bruder geteilte Leiden- schaft büssen möchte, während seines Schlafes erschlagen, steht aber, als derselbe plötzlich erwacht, davon ab, stürzt sich auch nicht, wie er im Augenblick es beabsichtigt, in eine Schlucht, aus welcher er dem Bruder einen Strauss Edelweiss, den dieser nicht erreichen kann, hervorholt. Nach einem Kirchenbrand in dem benachbarten Dorf, bei welchem die beiden Brüder Hülfe geleistet haben, erklärt Reutier dem jüngeren seine Liebe. Sie ziehen bei der Rückkehr ein junges Mädchen aus dem Busch und nehmen sie mit in ihr Schloss ; sie gesteht, dass sie sich da versteckt hat, weil die Kirche von ihr angezündet worden ist wegen eines Burschen, der sie hat vergewaltigen wollen. Ohne Grund ihretwegen eifersüchtig geworden, schlägt Reutier seinen Bruder, so dass dieser eines Arztes be- darf. Das Mädchen hat Abscheu vor Paul-'Eric, weil er im Busch ihr in den Dornenstrauch verwickeltes Haar hatte abschneiden wollen und es später auch thut, aber sie liebt Reutier, der ihr rät, sich dem jüngeren Bruder hinzugeben, worauf er selbst sie heiraten würde; das Mädchen flieht darauf aus dem Schloss, denn sie hat gehört, dass er trotz der Verheiratung sie nicht anrühren werde. Reutier wird von bösen Träumen geplagt, als er erwacht, findet er das Schloss von dem jungen Mädchen in Brand gesteckt. Beide kommen in den Flammen um, nachdem der ältere den jüngeren noch vorher erdrosselt hat. Unwahrscheinlich die Charaktere wie die Thatsachen. — Neu sind : frou froutant, nach Art der Froufrou; le sadisme, die Art, in welcher die Liebe in den Romanen des Marquis de Sade behandelt wird ; renover\ moyenägeux; oiselle. Vögel- chen, von einem Mädchen gesagt; bafouiUer = bafouer; giroyer so viel wie pirouetter (SuppUment au Dictionnaire de V Academie erklärt es so und für veraltet); onglier, Besteck zum Beschneiden der Nägel; füinite, katzenartige Schmiegsamkeit. H. J. Hellkr- M i sze 1 1 en. Die 45. Yersammlung deutscher Philologen und Schulmänner wird im Jahre 1899 vom 26. bis 30. September zu Bremen stattfinden. Die vorbereitenden Geschäfte haben als Obmänner für die neusprach- liche Sektion Dr. HoopSy Professor an der Universität Heidelberg (Bunsenstrasse 4), und Professor Dr. MarecJml, Realschuldirektor in Bremen (Uhlandstrasse 17) übernommen. Anmeldungen von Vorträgen für die Plenarsitzungen sind vor Mitte Juni 1899 an Schulrat Sander, (Peldstrasse 52), oder Dr. C. Wagener, Bremen (Busselstrasse 39), für die Sektion an einen der Sektionsobmänner zu richten. Za Zeitschrift XX S. 44-45. Nach Balaguer, Hist polit. y leteraria de los Trob. 1227 hätten wir auch den Katalanen Bernart Vidal zu den geist- lichen Liederdichtern zu stellen. Abgesehen davon, dass nichts von ihm aufbewahrt ist, habe ich so wenig wie Chabaneau {Hist. de Languedoc X) anderes über ihn ermitteln können, als die schon von Milä (Trob. en Es- pafla 390) gedruckten Verse Server] s von Girona {Grundriss 434, 13 Str. 5): Trobaire melher non es Ni er de chans afinar. De tals dos n'ai vist finor El bisbat de Girones: L'us fo En Bematz Vidals el frays que ab jay Yisc\ e Vhonratz Parazol qu'el vas jay. So schreibt Milä und übersetzt denn auch (p. 371): Aqui hubo D. Bernardo Vidal, el Fraile, que viviö con jubilOj y el honrado Parazol que yace en el sepulcro. Jedoch einmal ist die Form el für den Nom. des männlichen Artikels in alten katalanischen Texten sehr selten (s. Gröbers Grundriss I, 681), auch sonst bei Serveri nicht zu finden; zweitens was ist visc' für eine Form? Es ist vielmehr zu lesen: el frays que ab jay Viscety Vhonratz P. Dieser letztere wird damit zum Geistlichen, womit aber von ihm so wenig wie von Vidal gesagt ist, dass er geistliche Lieder dichtete. Aber Balaguer spielt mehrfach auf Quellen an, die noch keines Provenzalisten Auge gesehen. Vielleicht schöpft er aus demselben Be- richte, der ihm so Schönes von dem kirchlichen Vortrage der geistlichen Alben unter Pauken- und Cimbelnschall erzählt hat. V. LOWINSKY, Novitätenverzeichnis. (Abgeschlossen am 22. Oktober). 1. Bibliographie und Handschriftenkunde. Betz, L. P., Supplement de i'Essai de bibliographie des Qaestions de litt6- rature compar^e. [In: Rev. de phil. fraoQ. et de litt6ratnre XII, S. 118—134.] Bibliographie des onvrages relatifs ä. Tamonr, anx femmes et an mariage, et des livres fac^tieax, pantagra^liques, scatologiqaes^ satyriqnes, etc. ; par M. le comte dM***. 4* editiony enti^rement refondue, augment6e et mise ä jour par J. Lemonnyer. T. 3. Fascicnle 20. In-8®, ä. 2 col., col. 769 ä. 960. Lille, Becour. Chateaubriand. — A propos de Chateaubriand. Notes bibliographiqnes snr son Pamphlet „De la monarchie selon la Charte''^ publikes par le mar- quis de Crranges de Surghres. In 8®, 12 p. Paris, Techener. [Ex- trait du Bulletin du bibliophile.] Chauvin^ Vict.: Bibliographie des ouvrages arabes ou relatifs aux Arabes, publies dans l'Europe chr^tienne de 1810 k 1886. III. gr. 8^ Liege. Leipzig, 0. Harrassowitz in Komm. III. Louqm&ne et les fabulistes. — Barlaam. — 'Antar et les romans de chevalerie. (151 S.) 3.60. Musset. — Notice bibliographique sur la correspondance d' Alf red de Musset; par Maurice Clouard. In -8^, 19 pages. Paris, Charavay. [Extrait de PAmateur d'autographes des 15 mai et 15 juin 1898.] Ullrich, Dr. Herrn.] Robinson und Robinsonaden. Bibliographie, Ge- schichte, Kritik. Ein Beitrag zur vergleich. Litteraturgeschichte, im Besonderen zur Geschichte des Romans und zur Geschichte der Jugend- litteratur. 1. Tl. Bibliographie. (XXIII, 248 S.) Subskr.-Pr. 8.—; Eiuzelpr. 9. — [Forschungen, litterarhistor. Hrsg. v. J. Schick u. M. Frh. V. Waldberg. Vll. Heft gr. S«. Weimar, E. Felber.] Älaryj J. — L'Imprimerie au XVI* siöcle. Estienne Dolet et ses lüttes avec la Sorbonne. In-8^, 64 p. Paris, imp. Jousset. Bourlotonj E. A propos de Torigine de Timprimerie k Poitiers. Vannes, Lafolye. 19 S. S^. [Extrait de la Eevue du Bas-Poitou.] Benouard, P. — Imprimeurs parisiens, Libraires, Fondeurs de caracteres et Correcteurs d'imprimerie depuis l'introduction de Timprimerie k Paris (1470) jusqu'ä la fin du XVI« .si6cle. Leurs adresses, marques, enseignes, dates d'exercice etc. In-18 j6sus, XVI-483 p. avec grav. et plan. Paris; Claudin; 12 fr. Bossuet. — E. Griselhj Manuscrits de Bossuet aux archives commu- nales de Lille. [Etudes p. p. des P^res de la Comp, de J6sus. 20 avril, 5 juin 1898.] 288 NamUttenveriieichms. Cafalogue g6n6ral des manuscrits fran^ais de la ßiblioth^ne nationale; par Henri Omont. Avec la collaboration de C. Couderc, L. Auvray et Ch. de la Ronciöre. Anciens petita fonds fran^ais (I, n<»» 20065-22884) du fonds fran^ais, par Ch. de la Boncihre. In-8^ 661 p. Paris. Leroüx. FiUet, A.j Die altprovenzalische Liederhandschrift N*. [In: Achiv f. d. Stud. d. neueren Spr. n. Litt. CI, S. 111—140.] 2. Encyclopädie, Sammelwerke, Gelehrtengeschichte. Unterhaltungsblätter für Französisch-Lernende. 1. Bd. 1. u. 2. Heft. 12« (8. 1—96.) L., Pahl ä — 50. Jean Baptiste Bastide von Ä. Schulze. [In: Arch. f. d. Stud. d. n. Spr. C, 311-329]. Michelet; par Jean Brunhes. In-18, 72 p. Paris, Perrin et C*- Michelet, conf6rence du centenaire, faite k rOd6on, le 30 juin 1898, par Eugkne Lintilhac. Petit in-8**, 43 pages. Paris. Ollendorff. Michelet p. H. de ESgnier. [In: Rev. de Paris, lö Juillet.] 3* Sprachgeschichte, Grammatik, Lexicographie. Bovy, A.y Une conjecture sur la limite des mondes gaulois et germanique ayant la conquete r omaine [In : Annales de la Soc. d^arcli^ol. de Brn- xelles, t. XIII.] Caian, Gh. de, Les Celtes dans r6pop6e germanique [In: Annales de Bretagne XIII. No. 3, avril 1898.] Kenne, I B. Gallo-römische Kultur in Lothringen und den benachbarten Gegenden [In: Jabr-Buch der Gesellschaft f. lothr. Geschichte und Altertumskunde IX (1897). S. 155—201.] Meinach, S., Esquisse d^une histoire de Tarch^ologie gauloise (pr6historique, celtique, gallo- romaine et franque) (suite) [In: Rev. celt. XIX, No. 3, S. 292—307.] Dottin, G. et H. Bonnemain. — Grammaire historique du fran^ais, ac- compagn^e d'exercices et d*un glossaire, ä Tusage de Tenseignement secondaire moderne et des 6coles primaires sup^rieures; In-18 j6sus, 180 p. Paris. Fouraut. Foerster, W., ('auserie philologique faite k la Soci6tfe Ramend. Avec un appendice: L'fitymologie du fran^ais: Cuistre [Extrait du Bulletin de la Soc. Ramond. 1898] Van Keymeulen, L., Le pangermanisme en Belgique [In: Nouv. Revue 15 Sept.] Salvatore, A. Origine de la langue fran^aise et son d^veloppement hi- storique. Napoli, casa edit. Poliglotta. 16«. p. 46. Herams, W., Zur A))pendix Probi [In: Archiv f. lat. Lexicogr. XI, S. 61 -69.J Jungbluth, B., Sprachliche Untersuchung der von Guignard, Dijon 1878, herausgegebenen altfrz. Cistercienserinnen- Regel [In: Rom. Forsch. X, S. 583—686.) Seyälitz-Kurzhach, Hans von. Die Sprache der altfranzösiscben Lieder- bandschrift No. 389 der Stadtbibliothek zu Bßffi. Dissert. Halle. 88 S. 8. NovUäienverzeichnis. 289 Eiselin, Ad., Darstellung der lautlichen Entwickelung der französischen Lehnwörter iatein. Ursprungs [In: Eom. Forsch. X, S. 503—578.] Harseim, F., Beiträge zum Vocalismus, mit besonderer Berücksichtigung der nebenton- und unbetonten Vortonsilben im Französischen (vom 16. Jahrh. an). Progr. Hamburg 1898. 28 S. 4«. Marchot, P., Feent du » Jonas" [In: Zeitschr. f. rom. Phil. 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Fr. bredouiller [In: Rom. Forsch. X, S. 579.] — , Wall. coMU, gruerien cütyeta [In; Rom. Forsch. X, S. 754.] Paris, G., Parpaing, perplgner [In: Romania XXVII, S. 481—484.] — Poulie [In: Romania XXVII, 484—489.] Regnaud, P, Quelques 6tymologies frangaises. [Jabler, jabot, jacasser, jachere, jailler, jalon, jambe, japper, jaque, jardin, jarre, Jargon, jarousse, jars, jaser, jatte, jauge, jaune, javelle, javelot, jobard, jo- crisse, joie, jouet, joli, Jongleur, Joue, Joug, j otiter, jucher, Jupe, faible, fol, fou] [In: Rev. de phil. frauQ. et de litt. XÜ, 105—117.] Schuchardt, H., Zur Wortgeschichte: Ital. froge, astur, cabo?, ital. toccare u. s. w., bol, cuslir u. s. w., coct%)learium, ambulare u. s. w. [In: Zs. f. rom. Phil. XXII, S. 398—400.] Schuchardt, H., Bugidus [In: Zs. f. rom Phil. XXll, S. 532.] SchuU-Gora, Jeu frangois [In: Zs. f. rom. Phil. XXll, S. 529—531.] Wulff, Fr., andare, andar; amnar, lar; anar, aller [In: Romania XXVII, S. 480 f.] Haase, A. — Syntaxe frangaise du XVIP si^cle. Traduite, avec Pautori- sation de Tauteur, par M. Obert. Pr6face de M. L. Petit de Julle- ville. In 8^, XVI— 479 pages. Paris, Picard et fils. Ellinger, J., Zum Bedeutungswandel innerhalb des stammverwandten fran- zösischen und englischen Wortschatzes [In: Zs. f. d. Realschulwesen XXIII, S. 524—530.] Devatix, A. — Les Noms de lieux dans la r6gion lyonnaise aux 6poques celtique et gailo-romaine. In-8°, 52 p. Lyon, impr. Mougin-Rusand. Ztschr. f. frz. Spr. u. Litt. XX> 19 290 Novitätenverzekhnie. Schiber, Adf.^ Die Ortsnamen des Metzer Landes und ihre geschichtliche und ethnographische Bedeutung. Nach einem Vortrage. [Aus: „Jahrb. der Gesellsch. f. lothr. Gesch."] Lex. 8<>. (S. 46—86.) Metz, (Deutsche Buchh.) Bittl, Dr. Cajetan, Sprachlaute und Lautschrift. Reine und dialekt. Aussprache. Lateinisches Reformalphabet. Physiologische Lautschrift. Naturschrift. Volks - Phonopsychologie. Mit 1 Uebersichtstafel 8°. (14 S.) Graz, P. Cieslar. Larousse^ P. — Nouveau Dictionnaire illustrfe, comprenant: 1^ langue frangaise, 2^ des d^veloppements encyclopödiques sur les lettres, les Sciences et les arts, 3^ la g6ographie, l'histoire et la mythologie, 4° les locutions ^trang^res (latines, anglaises etc.) (quatre dictionnaires en un seul) ; Edition speciale pour la Belgique, consid6rablement aug- mentfee et illustr6e de 2,000 fig. In-18, 1,140 p. Paris, Larousse. 2 fr. 60. Pachalery^ A., Dictionnaire phias6ologique de la langue francjaise. Odessa, Rasspopof, XXVn, 176 S. 8^ ^leeckx et Vandevdde. Nouveau dictionnaire portatif frauQais-flamand et flamand-frauQais. 2 vols. Paris, 8«^. I, 623; II, 620 pp. 4 M. Vocabula Amatoria. — A French-English Glossary of words, phrases, and allusions occurring in the works of Rabelais, Voltaire, Meliere, Rousseau, B6ranger, and otbers. With English equivalents and Sy- nonyms. 274 S. Ißo. Privately printed. 31 sh. 6 d. Zeller, Alf., Les mille et une expressions de la langue pari6e. Ire partie. Amsterdam. J. H. de Bussy. 57 S. 8<> f. 0,80. 4. Metrik, Stilistik, Blietorik. Bleton, A, - Ün pr6curseur lyonnais du Systeme metrique. Grand in-8°, 12 pages. Lyon, imprim. Mougin-Rusand. [Extrait de la Revue du Lyonnais.] Lewis, Ch. M., The foreign sources of modern english versification. Berlin, Mayer u. Müller. 104 S. 8^. Meyer y W., Der Ursprung des Motett's. Vorläufige Bemerkungen [In: Nachrichten von der Kgl. Gesellsch. der Wissenschaft zu Göttingen. Phil.-hist. Klasse 1898. Heft 2. S. 113—145.] d'^Ooidio, Fr., Sull'origine dei versi italiani, a proposito d'alcune piü 0 men recenti indagini [In: Giornale storico XXXII, S. 1—89.] Franke, Edm., Französische Stilistik. Ein Hilfsbuch für den frz. Unter- richt. 2. Aufl. gr. 8<>. (XVIII, 344 S.) B., W. 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Morf, Heinr.f Geschichte der neueren französischen Litteratur (XVI— XIX. Jahrh.) 1. Buch: Das Zeitalter der Renaissance. S^. (X, 246 S.) Strassburg, K. J. Trübner. 2.50. Sand, B.j Drame ancien et drame moderne [In: Rev. de TUniversite de Bruxelles HI, 10. S. 777—787.] Boternians, Ä. J., Die hystorie van die seven wijse mannen van romen. (Academisch proefschrift). Haarlem. De Erven F. Bohn. 8,228 en 3 S. gr. 8^. fl. 2,25. DepreZj E., Une reprfesentation du Mystere de la Passion ä Paris sous Charles V [In : Soc. de l'Hist. de Paris et de J'Ile de France. Bulletin 1898. V^ livr.] Giraud, J. B. — Documents sur Tarmement au moyen äge. V: Docu- ments sur Timportation des armes italiennes ä Lyon k T^poque de la Renaissance; In-8^, p. 193 ä 232. Lyon, irapr. Rey; Tauteur. (1897.) Hervieux, L. — Notice sur les fahles latines d'origine indienne; In-8**, 82 p. Paris. Firmin-Didot et Ce. Morf, H., Y om Bolandslied zum Orlando furioso [In: Deutsche Rundschau iXIV, 9. S. 370—389.] Mussafia, A.. 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Fontenay-le-Comte, bureaux de la Revue du Bas-Poitou [Notes pour servir ä Tliistoire de Tancien theätre en Poitou.] Darlu^ A. — M. Brunetiöre et l'individualisme, ä. propos de l'article „Apres le proces". Petit in-16, 79 pages. Paris, Colin et C«. 1 fr. [Questions du temps präsent J. Demetrescu-Oprettj JB., Rousseau et Herbart, pedagogues et philosophes. Lausanne, Impr. Georges Bridel. These (1896j. 140 S. 8^. Doumic, JB., Le ieminisme du temps le la Renaissance [In: Rev. d. deux mond. 15 Oct 1898, S. 921—932.] Eloesser, J.., Vom französischen Roman [In: Neue deutsche Rundschau IX,5 S. 515-525.] Gisi, M., Französische Schriftsteller in und von Solothurn. Eine histo- risch-litterarische Untersuchung. Festschrift des historischen Vereins von Solothurn, Solothurn, Druck der Zepfel'schen Buchdr. 1898. VIII, 124 S. 8^ [Gehandelt wird von: Beat Ludwig von Muralt, Jean de la Chapelle, Destouches, J.-B. Rousseau, J.-J. Rousseau, Voltaire, J. Delille, Graf von Tressan, Alexandre Dumas, Madame de Staal- De- launay, Pierre- Victor de Besen val.] Lemaitre, J. — Impressions de th6ätre. 10' s6rie. In-18 j6sus, 398 p. Poitiers. Oudin et C«. Paris, iibr. de la m§me maison. 3 fr. 50 [Nou- velle Bibliothöque litt6raire.] LhommSj F., La Com6die d'aujourd'hui. Les Lettre« et les Moeurs In-16, VII— 280 p. Paris, Perrin et C«. Nossig-Prochnikj F., Die Ehefrage in der neuesten französischen Literatur. [In: Die neue Zeit. 20. Aug. 1898. S. 654—661.] Paquier, J., PUniversit6 de Paris et Thumanisme du d6but du XVI« siecle. — J6rome A16andre [In: Revue des quest bist. LXIV, 1 Oct 1898, S. 372—398.] Pappritz, B., Wanderungen durch Frankreich. Beobachtungen und Schil- derungen von Land und Leuten in Mittel- und Süd-Frankreich, sowie den Pyrenäen. Berlin, Fussinger. 335 S. 8. Preis Mk. 3. BecoHUj Ch.j L' Anarchie litt6raire 1. Les Directeurs: F. Brunetiere, J. Lemaitre, R. Doumic, G. Deschamps. 2. Les Courants : E. Rod, E. Zola, Renan, A. France, M. Barres, M. Pujo, H. B6renger, G. Trarieux, V. Chärbonnel, Maurice MaeterJinck, T. de Wyzewa, Ibsen, Fogazzaro, Un volume in-16. Paris. Perrin et C«. 3 fr. 50. RobeHOy F. de, Una pagina della storia deli'amore [a proposito degli amori di Giorgio Sand con Alfrede de Musset e Federigo Chopin.] Milaiio. fratelli Treves. W. p. VU, 223. L. 2. Schwartz, Eud., Esther im deutschen und neulateinischen Drama des Rel'ormationszeitalters. Eine litter.-hist. Untersuchung. 2. Aufl. gr. 8^. (VII, 307 S.) Oldenburg, Schulze. 4.— b« Monographien. Adenet le Bot et son oeuvre, 6tude litt6raire et linguistique p. A. Bovy. Bruxelles, Vromant, 1898. 116 8. 8^ [In: Annales de la Soci6te d'arch6- ologie de Bruxelles t. X ä XII.] Blacatz. Ein Dichter und Dichterfreund der Provence von 0. Soltau, B., E. Ehering. 1.80. 294 NovUätenverzeichnis, Beys, Charles. — Un poöte apologiste de Louis XIII p. le comte de Pny- maigre [In: Rev. des questions histor. 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Paris, en 1673 . . . ou peut-etre en 1703; par Anatole Loquin (d'0rl6ans). 2 vol. in-8^ T. 1«S 644 p.; t. 2, 629 p. Bordeaux. Feret et fils. Orleans, Herluison. Paris, Lib. associös, 13, rue de Buci. [25 fr. les 2 vol. Extrait des Actes de PAcadömie des sciences, belles-lettres et arts de Bordeaux.] Montaigne and Shakespeare p. J. M. Bobertson. London, üniversity Press. 5 sh. Montesquieu in Heidelberg und Mannheim im August 1729, mitgeteilt von D. Hinneschiedt [In: Zeitschr. für die Geschichte des Oberrheins. N. F. Band XIII, Heft 2, S. .441—448.] Musset. — Boh. Marvasij Alfrede de Musset (L'amante) ; conferenza pronunciata al circolo filologico di Napoli, con prefazione di Roberto Bracco. Napoli, Riccardo Marghieri di Giuseppe. 16^ p. 46. L. 1. Pasquier. De Stephani Pasquieri latinis carminibus, p. P. Dupont. Paris, Hachette. 79 S. 8^. Peyrottes, J. A.^ poöte - potier (1813-1858). ißtude par Vignä d'Octon. Suivi de lettres in6dites et documents, publi6s avec notes par S. Leo- tard. In-8^, 64 p. Clermont-FH^rault, imp. L6otard. Bacan (1589-1670), Histoire anecdotique et critique de sa vie et de ses Oeuvres, par M. Louis Arnould. La Formation (1589-1608). Racan avant son mariage (1608-1627) : Poesie profane. Pvacan apr^s son ma- riage (1628-1670) : Po§sie religieuse. Histoire posthume de Racan (1670-1895). ün volume grand in-8 raisin, de 772 pages, avec 14 gra- vures hors texte. Paris, Armand Colin et C«. 12 fr. — Les Stances de Racan sur la retraite; par Louis Arnould. In-8^, 23 pages. La Chapelle-Montligeon, impr. de Notre-Dame-de-Mont- ligeon. [Extrait de la Quinzaine du 1«' juillet 1898.] Bousseau, J.-J. — Comment J.-J. Rousseau fut calomni6 (d'apres des documents in6dits) p. F. Macdonald [In : Rev. des Revues, 1«' Octobre 1898, S. 20-41.1 — ün document in6dit sur le s6jour de J. J. Rousseau ä Grfenoble en 1768 [Extrait des M^moires de la Soc. des sciences et arts de Vi- try-le-FrauQois. 168 S. 8^.] Vgl. Rev. crit. d'hist. et de litt. 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Pu- bliken, avec une pr6face et des notes, par J. F. Thenard. In-16, XL- 292 p. Paris. Flammarion. 3 fr. [Nouvelle Bibliotheque classique des 6ditions Jouaust.] Ledieu, Vabbe. historien de Bossuet. Notes critiques sur le texte de ses „M6moires" et de son „Journal" p. Ch. Urbain [In: Rev. d'hist. litt, de la Fr. V, S. 408-442.] Malherbe. — Po6sies. In-32, 192 p. Paris, libr. de la Bibliotheque natio- nale. 25 cent. [Bibliotheque nationale.] Marivaux. — (Euvres choisies T. l«*': le jeu de l'amour et du hasard; l'Epieuve. In-32, 160 p. Paris, Pfluger. 25 cent. [Bibliotheque natio- nale, n^ 155.] 298 NovUäienverzeidmis. Merimee. — Casimir Stryienski, Lettres de Merim6e ä Stendhal [In; Rev de Paris 15 Juillet] Micheletj J. — (Euvres compl^tes. Histoire de France. T. 10 : la Re- forrae. In- 18 j6suß, 127 pages et portrait. Paris, C. L6vy. 3 fr. 50. — (Euvres compl6tes. Histoire naturelle. La Mer. Avant-propos de Pi- erre Loti, In- 18 Jesus. XVI-428 p. Paris, C. Levy. 3 fr. 50. BabelaiSj F. — Les Cinq Livres de F. Rabelais. Avec une Notice par le bibliophile Jacob. Variantes et glossaire par P. Chiron. 4 vol. in- 16. T, 1«>, XX-338 p.; t. 2, 372 p. ; t. 3, 316 p.; t. 4, 312 p. Paris, libr. Flammarion. [3 fr. le vol. — Nouvelle Biblioth6que classique des Mitions Jouanst.l Racine. — (Euvres, d'apres Tödition de 1760. Illustr^es d'un portrait, de 12 gravures hors texte, de 12 en-tetes et de 49 culs-de-lampe par Jacques de S6ve. 2 vol. in-16. T. 1«', LXXVI-364 p.; t. 2, VIlI-43üp. Paris, Deslinieres. — The&tre choisi. Pr6c6d6 de la biographie de Racine. Edition accom- pagn§e de notices historiques et litt^raires sur chaque piöce, de notes et d'analyses par L, Gasc-Desfosses^ Illustr6e d'un portrait de Racine et de 22 compositions originales d'E. Mas. In-8^, 416. Paris, Hatier. [Bibliothdque anecdotique et littferaire.] Bivarol, A. — (Euvres choisies. Publikes avec une prMace par M. de Lescure. 2 vol. in-16 T. 1", XXXI-324 p.; t. 2, 370 p. Paris, Flam- marion (29 juillet). [3 fr. le vol. — Nouvelle Bibliothöque classique des ^ditions Jouaust.] Rousseau's ausgewählte Werke in 6 Bänden. Uebersetzt von J. H. G. Heusinger. Mit einer Einleitung von Ph. August Becker. 6. Band, 238 S. [Cotta'ßche Bibliothek der Weltlitteratur. Bd. 294. St. J. G.- Cotta. Mk. 1.] Bousseau, J. J. — (Euvres completes. T. 2. In-16, 457 p. Paris, Ha- chette et Ce. 1 fr. [Les Principaux 6crivains frangais.] — Einige nur bruchstückweise bekannte Briefe nebst zwei ungedruckten von J.-J. Rousseau an Herrn von Malesherbes, herausgegeben von 0. Schultz-Gora [In: Archiv für das Stud. der neueren Sprachen. C. 335-351.] Saint'Simon (de). — M6moires complets et authentiques sur le si^cle de Louis XIV et la R6gence. Caliationn6s sur le manuscrit original par M. Cheruelj et pr6c6d6s d'une notice par M. Sainte - Beuve. T. 3. In-16, 479 pages. Paris, Hachette et C«. 1 fr. 25. [Les principaux ifecrivains frangais.] Sales (saint F. de). — (Euvres. Edition compl^te, d'aprös les autographes et les 6ditions originales, enrichie de nombreuses pi^ces in6dites. Publice, sur Tinvitation de Mgr Isoard, 6v§que d'Annecy, par les soins des Religieuses de la Visitation du premier monast^re d'Annecy. T. 10 : Sermons. Vol IV. In-8^ CVII-480 p. et fac-simil6. Annecy, impr. Nierat; libr. Abry. Paris, Lecoffre. Lyon, Vitte. Marseille, Lib. sal6sienne. 8 fr. Sivigne, M™^ de. — Lettres choisies. T. 2. In-32, 191 pages. Paris, Pfluger. 25 Cent. [Biblioth^que nationale.] d*ürß, Honore. — Index de l'Astr^e par Saint- Marc- Gfirardin p. p. F. B. [In: Rev. d'Hist. litt, de la Fr, V, S. 458-483.] 8. Geschichte und Theorie des Unterrichts« Aust, B.y Quelques mois ä Paris. Progr. Breslau 1898. 22 S. 4^ Barthe, Die Ueberbürdung der Oberlehrer der neueren Sprachen [In: Paedag. Archiv. XL, No. 9] Novitätenverzeichnis. 299 Chlebowski, Ä , Ein Beitrag zum französischen Unterricht in der Unter- sekunda des Gymnasiums [In: Neue Jahrb. f. d. Klass. 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Hengesbach, J., Der internationale Schülerbriefwechsel [In: Zts. für das Gymnasial wesen LII, S. 86—90] Hubert, B., Der französische Unterricht nach der analytisch- direkten Me- thode und nach den Preussischen Bestimmungen über das Mädchen- schulwesen vom 31. Mai 1 94 16 S. 8^ L. Kossberg. Klinghardt, Der deutsche Lehrer in Frankreich und seine Aufnahme [In: Pädag. Arch. XL, No. 9.] Münchj W., Die Bedeutung der neueren Sprachen im Lehrplan der preus- sischen Gymnasien. Vortrag, gehalten auf dem VIIL allgemeinen rleutschen Neuphilologentag in Wien 31. Mai 1898 [In: Zts. für das Gymnasialwesen LII, S. 441 — 455.] Neumüller, H., Zur Organisation und Methode des französischen Unter- richts an lateinlosen höheren Lehranstalten. Progr. Oldenburg 1898. 18 S. 40. Novati, F., Se a Vicenza sui primi del secolo decimoquarto siasi impartito un pübblico insegnamento di provenzale [In: Reale istituto lombardo di scienze e lettere. Rendiconti. Serie II. 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Äugi, C. — Grammaire du certificat d'^tudes; Livre de l'felöve. In- 12, 288 p. avec 240 gravures. Paris, Laroosse. 1 fr. 25. — Grammaire enfantine (Premier Livre de grammaire); Livre de TM^ve. In-12, 96 p. avec 100 gravures. Paris, Larousse. 50 cent. — Premier Livre de grammaire. Grammaire enfantine. Livre du maitre. In-12, 180 pages avec 120 grav. Paris, Larousse. 1 fr. — Deuxiöme Livre de grammaire. Livre de r616ve. In-12, 193 p. avec 170 grav. Paris, Larousse. 80 cent. Bechtel, Adf. und Gh. Glauser: Sammlung französischer Aufsatzthemata (mit DispositioTien und Vocabular). — Recueil de sujets de composition. I. T. für die unteren und mittleren Klassen höherer Lehranstalten. Schlüssel gr. 8°. (X, 130 S.) Wien, Manz. 1.20. Breymann, Dr. H., Französisches Lehr- und Uebungsbuch für Gymnasien. I. Teil. 2. Auflage gr 8°. (X, 260 S.) München, ß Oldenbourg, CoissaCj V. — Enseignement m6thodique de l'orthographe. In-12, XII- 180 p. Paris, Delalain fröres. 1 fr. [Enseignement primaire. Cours 616mentaire.] Composition (la) de rh6torique. Recueil de tous les sujets de composition frangaise dounes ä la Sorbonne, de 1893 k 1898, aux examens de la premiere partie du baccalanr^at, avec plans et d6veloppements, par les r6dacteurs du Journal des Examens de la Sarbonne, MM. Bernard P6rez, Ed. Malvoisin, E. Faure, Ed. Gasc-Desfoss^s, Georges Meunier, Edouard L6vy. Suivis de textes propos^s dans les facultas des d6par- tements et des coinpositions dounles de 1888 ä 1898 au concours g6n6ral. In-18 j^sus, VII-494 p. Paris, Croville-Morant. 4 fr. Cours interm^diaire d'orthographe, ou Dict^es et Exercices en rapport avec TExtrait de la Grammaire frangaise; par les Freres des 6coles chr^tiennes. Livre de l'fel^ve. In-12, 196 pages. Paris, Poussielgue, — Cours th^orique et pratique de langue frauQaise. 3. partie. Gram- maire complöte. 6 ed. 8^ (320 S.) Luxemburg, L. Schamburger. Croisad. — Cours de langue fran^aise (Grammaire; Orthographe; Voca- bulaire, RMaction; R6citation et ißlocution); Cours preparatoire. In-16, 152 p. avec grav. Paris, Hatier. Hunziker, J., Französisches Elementarbuch. 1. Teil und 2. Teil., 2. Abschnitt gr. 8^. Aarau, H. R. Sauerländer & Co. I, 5. Auflage. (XV, 210 S.) Geb. in Leinwand 2.50. — H, 2. Neue Auflage (VI, 122 S.) Kart. 1,80. Jaeger's praktische Sprachführer. Nr. 1—3. (Neue [Titel- ]Ausgabe von Bibliothek praktischer Conservationsbücher der wichtigsten neueren Sprachen.) gr. 16^. Frankfurt a/M. (1870), Jaeger's Verlag. 1 — 2 Booch-Arkossy, Dr. F.: Parlez-vous-francjais? Französisch ohne Lehrer in einigen Tagen richtig sprechen, lesen und schreiben zu lernen. (VIII. 120 S.) JuranviUe, MJh C. — La Conjugaison enseign6e par la pratique. Textes suivis, renfermant des verbes de m§me terminaison, devoirs d'inven- tion, dict6es, permutations, conjugaison de tous les verbes pr6sentant des difficult6s. Livre de l'eleve. In-12, 143 p. Paris, Larousse 75 cent. — id. Livre du maitre. In-12, 240 p. Paris, Larousse. 1 fr. 50. Keller, A. — Conseils pour la composition frangaise. La Version, le Theme et les ;6preuves orales. In-18, 97 p. Paris, Massen et C«. [M6- mentos k Tusage des candidats aux baccalaureats et aux 6coles du gouvernement.] Körting, Gustav. Uebungsbuch zum üebersetzen aus dem Deutschen in das Französische für Studierende der neueren Philologie, gr. 8**. (IV, 192 S.) Paderborn, F. Schöningh. 3.60. Novitätenverzeichnis. 301 Kretschmer^ Ad.: Die französische Sprache in Grammatik, Wort imd Schrift für den Schul- und Privatunterricht, gr. 8«. (242 S.) Wien, Korneuburg, Kühkopf & Habel in Komm. 4. — Larousse, P. — Exercices d'orthographe et de syntaxe appliqufes numfe- ros par num6ros k la Grammaire complete et k la Grammaire snp^- rieure, et de nature ä s'adapter ä. tout autre cours de langue fran- gaise. Livre du maitre. ln-12, 300 p. Paris, Larousse. 2 fr. — Gyranastique intellectuelle. Art d'6crire, enseign6 aux §l6ves des deux sexes par des exemples tir6s de nos grands ecrivains, depuis Pascal jusqu'ä Lamartine. Cours d'^tudes classiques, divis6s en quatre degr6s: les Boutons, les Bourgeons, les Fleurs, les Fruits. Livre du maitre. Cours du troisieme et du quatri^me degr6: les Fleurs et les Fruits. In- 12, VIII-253 p. Paris, Larousse. 2 fr. — La Lexicologie des 6coles, Cours complet de langue fran^aise et de style. Cours lexicologique de style. Livre du maitre. In- 12, VII- 278 p. Paris, Larousse. 2 fr. LcQons de langue fran^aise; par les freres des fecoles chretiennes. Cours 616meutaire (ancien cours pr6paratoire). Livre de P616ve. In-16, 148 p. Tours. Mame et fils. Paris, Poussielgue. [Enseignement pri- maire.] Legons de langue firangaise; par les Freres des 6coles chr6tiennes. Cours compl6mentaire (ancien cours superieurj. Livre de Tfelöve. In-16, 304 p. Tours. Mame et fils. Paris, Poussielgue. [Enseignement secondaire moderne.] Otto, Emil: Französische Gespräche (conversations frangaises) oder fran- zösische Konversationsschule. Eine methodische Anleitung zum Fran- zösisch-Sprechen. Neu bearbeitet von H. Runge. 7. Auflage, gr. 8®. (VII, 144 S.) Heidelberg. J. Groos. 1.60. — Französisches Konservations- Lesebuch. Eine Auswahl stufenmässig geordneter Lesestttcke mit Konversations-Uebungen u. einem Wörter- buche. Neu bearbeitet von H. Runge. 2 Abteilungen, gr. 8^. Ebd. 1. Für die unteren und mittleren Klassen. 9. Aufl. (VIII, 263 S.) — 2. Für die oberen Klassen. 5. Aufl. (VII, 287 S.) Scordia, Mme B. — Cours de langue fran^aise. R6dig6 conform6ment aux programmes officiels. Grammaire et Conjugaison; Orthographe et Vocabulaire; Exercices de r6citation. d'observation et de r^daction. (Cours moyen et sup6rieur, h l'usage des candidats au certificat d'6- tudes.) In-16, 324 p. Tours. Paris, Hatier. — Cours de langue frangaise (Grammaire; Orthographe; Vocabulaire; R^daction; R6citation et ifelocution). Cours pr6paratoire. In-16, 152 pages avec grav. Paris, Hatier. Seelig, Max. — Methodisch geordnetes französisches Vocabularium zu den Hölzel'schen Anschauungsbildern (Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Bauernhof, Gebirge, Wald, Stadt) Paris. 12«. (91 S.) Brom- berg, F. Ebbecke. —60. b. Litteratnrgeschichte^ Schulausgaben^ Lesebficher« Henry, A. — Les Auteurs fran^ais de l'enseignement secondaire et du baccalaur6at. 6« edition, completement remani^e et augment^e, con- formfement aux programmes de 1895. In-12, 632 p. Saint-Cloud, imp. Belin fröres. Paris, üb. de la meme maison. Mouchardy A. et C. Blanchet. — Les Auteurs frangais du baccalaurfeat es lettres. Etudes litt6raires. T. 2: les Prosateurs. 3c edition. In-