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Handbuch

der

Spanischen Litteratur.

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Handbuch

der

Spanischen Litteratur.

Auswahl von Musterstücken aus den Werken der klassischen

Spanischen Prosaisten und Dichter von den ältesten Zeiten

bis auf die Gegenwart,

mit biographisch - litterarischen Einleitungen

Ludwig Lemcke.

Erster Band. Die 'JJrosa.

Leipzig,

Friedrich Fleischer. 1855.

f *.

Druck von C. E. Elbert iu Leipzig.

Vorrede.

JJas „Handbuch" dessen ersten Band ich hiermit dem Publicum übergebe, kündigt, glaube ich, schon durch die Art und Weise seiner Einrichtung so deutlich seine Bestimmung an, dass ich mich über diese wohl nur mit wenigen Worten auszusprechen brauche.

Das in so erfreulicher Weise täglich wachsende Interesse für die spanische. Litteratur hat das Bedürfniss eines Buches fühlbar gemacht, welches geeignet wäre, als eine passende Einleitung in das Studium derselben zu dienen. Denn dieses Studium bedarf mehr als irgend ein anderes einer gewissen Vorschule. Die wahrhaft wissenschaftliche Bearbeitung dieses Feldes datirt noch nicht von lange her, neue Forschungen füh- ren noch i i mer zu neuen und wichtigen Ergebnissen, und unter allen bisherigen allgemeinen Werken über die spanische Lilteratur von dem Bouterwek's an bis auf das Tick- nor's ist keins , in welchem sich die Resultate aller bis- herigen Untersuchungen zu einem zusammenhängenden Ganzen und zu einem klaren, objectiv richtigen Bilde verarbeitet fän- den. Das Werthvollste, was seither in diesem Gebiete ge- leistet worden ist, besteht vielmehr in einer Reihe ausgezeichneter Arbeiten über einzelne Th eile der spanischen Litteratur, Arbeiten, unter welchen die aus deutschen Federn geflosse- nen, nach dem bereitwilligen Eingeständnisse der Spanier selbst, die ersten Plätze einnehmen. Man braucht wohl nur die Namen F. Wolf, v. Schack, Huber u. A. zu nennen, um zu erklären, weshalb die Spanier sich in allen die Geschichte ihrer Litteratur betreffenden Fragen vorzugsweise gern auf die

VI VORREDE.

Resultate deutscher Untersuchungen, als auf Autoritäten berufen. Diese reichen Hülfsmittel können aber begreiflicher Weise nur von demjenigen mit Vortheil benutzt werden, der schon eine wenigstens allgemeine Kenntniss des Gebietes mit- bringt. Den desselben noch Unkundigen würde die Masse des Stoffes erdrücken, die Schwierigkeit, sich in dieselbe hineinzuarbeiten, würde ihm das Studium verleiden. Er bedarf zunächst eines Führers, welcher ihn mit den wichtigsten Erscheinungen der spanischen Litteratur, mit den Choryphäen derselben, bekannt macht, und ihm einen Begriff von dem all- gemeinen Character dieser Litteratur giebt, damit er, gleich- sam von den Gipfeln herab, einen Ueberblick über das ganze Gebiet, seine Höhen und seine Tiefen, gewinnen, und sich auf seiner späteren Wanderung durch dasselbe leicht und genau orientiren könne.

Indem ich mich zu der Ausarbeitung eines Buches ent- schloss, welches geeignet sein möchte, diesen Zweck einiger- maassen zu erfüllen, erschien mir als die passendste Form für dasselbe diejenige, welche bereits mit Vortheil in Hand- büchern für das Studium anderer Litteraturen angewandt wor- den ist, nämlich eine chronologisch geordnete Reihe von Musterstückea aus den Werken der vorzüglichsten spa- nisch n Prosaiker und Dichter, mit kurzen Nachrichten über jhr Leben und ihre Werke, bibliographischen Notizen über die Ausgaben del? letzteren, und kritischen Andeutungen über den Platz, welchen sie in der Geschichte ihrer Litteratur ein- nehmen.

Dass gerade ein so eingerichtetes Buch nichts Ueber- ftüssiges sein wilnle. lehrten mich mehrfach ausgesprochene Wünsche nach einem solchen. Denn das einzige, ganz nael, diesem Plane gearbeitete Werk, welches wir besitzen, das „Handbuch der spanischen Sprache und Litteratur'' von I-Y. Bucbholz (Berlin, 1.S01—4. 2 Bnde. 8.) ist. so verdienstlich - auch für seine Zeit war. jetzt, nach Verlauf eines halben Jahrhunderte; bo gut wie unbrauchbar ^-worden. V. A. Hu- fyers trefflichee „Spanisches Lesebuch" hat wohl nicht ^anz die Bestimmung eines Handbaches, da ihm für den Zweck einer VorBChule zum Studium der Litteratur, eine meiner

VORREDE. VII

Ansieht nach unentbehrliche Einrichtung fehlt, nämlich die durchgängige chronologische Anordnung. Unsere trefflichen poetischen Anthologien, Bohl von Fabers Floresta de rimas aiitiguas castellanas, und die in ihrer Einrichtung noch vorzüg- lichere Floresta de rimas modernus castellanas von F. Wolf, gehören, abgesehen davon, dass sie nur die eine Seite der Litteratur behandeln, wohl nicht in die Kategorie der hier in Rede stehenden Bücher, wenn gleich die letztere Sammhing für die Geschichte der neueren spanischen Dichtkunst allerdings zugleich das ausgezeichnetste Lehrbuch ist.

Das vorliegende Handbuch wird aus drei Bänden be- stehen, deren erster der Prosa gewidmet ist. Der zweite wird die lyrische, didactische und epische Dichtkunst, der dritte das Drama enthalten. Ich weiss sehr wohl, was sich gegen eine solche Trennung einwenden lässt, dass die gegenwärtige wissenschaftliche Auffassung der Literatur- geschichte sie mit Recht verwirft und dagegen die chronolo- gische Anordnung alle r litterarischen Erscheinungen nach den Entwickel un g s e po chen fordert. Für mich wäre dieser Weg, der mir manche unnütze Zeile erspart hätte, der bequemere und angenehmere gewesen. Ich habe aber dennoch Bedenken getragen, ihn einzuschlagen, weil ich der festen Ueberzeugiing bin, dass der der Litteratur noch Unkundige, welcher erst die Hanpterscheinungen derselben kennen lernen will, zu wenig vorbereitet ist, um sich ohne Mühe in die strengwissenschaft- liche Anordnung finden zu können. Erst da, glaube ich, ist dieselbe ganz an ihrem Platze, wo eine allgemeine Kennt- niss des Gebietes bereits vorausgesetzt werden kann.

Nachdem einmal der Entschluss gefasst war, die alte Eintheilung beizubehalten, ergab sich von selbst die Not- wendigkeit, bei der Auswahl der in diesen ersten Band auf- zunehmenden Schriftsteller die Rücksicht auf den Werth ihrer Werke als Muster der Prosa vor anderen Gesichtspunkten hin und wieder vorwalten zu lassen. Aus diesem Grunde er- scheint z. B. die Celestina im ersten Bande, die sonst viel- leicht passender erst im dritten ihren Platz gefunden hätte. Aus derselben Rücksicht ist Zurita, den ich anfangs auf- zunehmen beabsichtigte, weggeblieben, weil er, obgleich als

VIII VORREDE.

Geschichtschreiber höchst achtungswerth , doch als Stylist zu tief steht. Freilich durfte ich mich nur in einzelnen aus- gezeichneten Fällen durch diese Rücksicht vorzugsweise be- stimmen lassen; in anderen hat gerade die entgegengesetzte über die Aufnahme entschieden. So erschien mir z. B. An- tonio de Guevara, ungeachtet der Vorzüge seiner Schreib- art, nicht bedeutend genug, um in einem Handbuche einen besonderen Platz einzunehmen. Selbs(Luis de Leon glaubte ch in diesem Bande füglich übergehen zu können, weil seine prosaischen Schriften bei allem stylistischen Werthe doch nur eine untergeordnete Wichtigkeit haben. Unter den neuesten Prosaikern musste natürlich eine strenge Auswahl getroffen werden. Minana habe ich, wenn gleich mit Bedauern, weg- gelassen, weil er ohne eine sehr genaue Kenntniss der neue- ren politischen Geschichte Spaniens schwer verständlich ist, und eine solche wohl nur bei einem kleinen Theile der Leser dieses Handbuchs vorausgesetzt werden kann; aus ähnlichen Gründen auch M esoner o y Romanos, um so mehr als die Gattung der satyrischen Sittenschilderung durch den auch in anderer Beziehung wichtigeren Larra vertreten werden konnte. Die Publicistik bedurfte, glaube ich, keines anderen Repräsen- tanten als Donoso Cortes, der überdies gewiss der glänzend- ste Stylist unter den lebenden spanischen Schriftstellern ist.

Bei der Auswahl der Proben bin ich bemüht gewesen, so viel wie möglich etwas Zusammenhängendes zu geben, da abgerissene Stücke von einer oder anderthalb Seiten, meiner Ansicht nach, ihren Zweck ganz verfehlen. Diesem Bestreben mag mau die Schuld beimessen, wenn man einige Schriftsteller in Bezug auf den ihnen gewidmeten Raum ungerechterweise bevorzugt finden sollte. Dies scheint z. B. bei Montemavor der Fall zu sein. Ich kenne aber in der ganzen Diana kein Stück, das aus dem Zusammenhange gerissen einigermaasen verständlich oder interessant wäre. Von Cervantes' Novellen habe ich leider nur eine der schwächsten geben können, weil der Raum mich nöthigte die kürzeste zu wählen.

Eine möglichst consequente Rechtschreibung zu befolgen, schien n,ir ftr ein Buch , wie das vorliegende, ein wesent- liche Erfordernis». Wie schwer dies schon an und für sich

VORREDE. IX

in einem Werke von einigem Umfange zu erreichen ist, weiss jeder Kenner; in diesem Falle wurde die Schwierigkeit durch meine weite Entfernung vom Druckorte noch vergrössert. Kein Unbefangener wird daher über etwa vokommende In- consequenzen , wie mager und rrwjer, liger o und lijero , gefe und jcfe und ähnliche, erstaunen. Hoffentlich sind dieselben weder so zahlreich noch von solchem Belange, dass sie störend werden könnten.

Für die biographisch - litterarischen Einleitungen sind die neuesten Forschungen gewissenhaft benutzt worden ; jedoch nie ohne eigene, selbstständige Prüfung der Sache, wo eine solche mir irgend möglich war. Ich habe daher auch ein Buch wie das vorliegende nicht für den unrechten Ort gehalten, meine eigenen, von manchen herkömmlichen An- sichten vielleicht abweichenden Meinungen über das Eine oder das Andere offen auszusprechen. Denn wer dem Verfasser eines zur Einleitung in ein Studium bestimmten Werkes zu- muthet , dass er nur wiedergeben soll, was Andere vor ihm gefunden haben, der muthet ihm eben eine blosse Compilation zu. Irre ich in meinen Ansichten, so können diese den Leser nicht irre führen, da derselbe stets die Hülfsmittel angegeben findet, aus welchen er sich bessere Auskunft holen kann. Aber nur auf die wirklich wissenschaftlichen Hülfsmittel habe ich verwiesen, und unter diesen natürlich vorzugsweise diejenigen berücksichtigt, welche dem deutschen Leser am zugänglichsten sind. Bei einem Buche, wie das £egenwärtigej besteht die Schwierigkeit hauptsächlich darin, den Zweck desselben stets unverrückt im Auge zu behalten und für den- selben weder zu viel noch zu wenig zu geben. Ich kann nicht läugnen, dass die Liebe, mit welcher ich die Arbeit ausführte, und der grosse Reiehthum des sich darbietenden Materials mich oft nach der ersteren Seite zu drängen droheten; ob und in wiefern der Zwang, den ich mir deswegen anthun musste, dem Buche Eintrag gethan hat, muss ich der unpar- teiischen Kritik zur Beurtheilung überlassen.

Ich weiss sehr wohl, dass die Mühe, welche Arbeiten wie diese kosten, von demjenigen Theile des Publicums, für welchen sie bestimmt sind, nicht in ihrem ganzen Umfange

X VORREDE.

gewürdigt wird, werde mich aber für die meinige vollkommen belohnt halten, wenn das Buch seinen Zweck erfüllt, zum allseitigen Studium der spanischen Litteratur zu ermuntern und das Interesse für dieselbe in immer weiteren Kreisen zu verbreiten.

Ich kann diese Vorrede nicht schliessen, ohne mit dem wärmsten Danke anzuerkennen, dass die ausserordentliche Libe- ralität, mit w lrher die französische Regierung die Schätze ihrer Bibliotheken zugänglich macht, auch mir in hohem Maasse zu Theil geworden ist. Sehr erleichtert wurde mir die Benutzung derselben durch die zuvorkommende Gefälligkeit der Vorstände der kaiserlichen Bibliothek, insbesondere unseres verehrten Landsmannes Prof. Hase, ersten Conservators der Manuskripte, dessen Namen ich wohl nur zu nennen brauche, um an die ausgezeichnetsten Verdienste um die Wissenschaften und an die liebenswürdigste Humanität zu erinnern. Ihm, sowie Herrn Magniu. der sich auf das bereitwilligste der Mühe der Nachsuchungen für mich unterzog, bekenne ich mich hoch verpflichtet. Endlieh drängt es mich aber auch allen denjeni- gen, welche meine Arbeit durch ihren schätzbaren Rath unter- stützt haben, vor allen Hrn. F. Wolf in Wien, dem ich höcbsl werthvollc Winke und Nachweisungen verdanke, sowie den Herren Edelestand du Meril und Graf A. de Cir- co u rt in Pari- hiermit öffentlich ineinen Dank abzustatten.

Paris, den 13. October 1854.

L. G. Lemcke.

Inhalt.

Seite

Einleitung \

König Alfons der Zehnte 28

Qual deve el Rey ser oomunalniente ä todos los de su seuorio 33

De los vassallos

Por que razones puede el Rey eehar sus Ricos omes de la

tierra 37

De los agoreros e de los sorteros, ect 38

De los moros 40

De como la reyna Dido poblö ä Cartagena 41

De como muri 6 la reyna Dido 43

Bernaldo del Carpio -13

De como tomaron por su senor ä Don Alfonso los de Casti-

ella ect 50

Muerte del Cid 52

Don Juan Manuel

De lo que acontescio ä D- Rodrigo el Franco y sus caballeros 59 De lo que contesciö ä un dean de Sanctiago con Don Ulan

el magieo 02

De lo que fizo un rey moro con tres fijos que a«a . . . . 00

De lo que contesciö al diablo con una pelegrina 09

Lobeira (Vasco de) , 74

Del engendramiento y nacimiento de Amadis 79

Amadis y Oriana 88

Cibdareal (Fern. Gomez de) 94

Carta al doto varon Juan de Mena 90

,, al mismo 97

,, al mismo 4 00

,, al arzobispo de Toledo ,,

,, al mismo arzobispo de Orense 103

Martinez (Alfonso) 103

Vicios de las mugeres 100

XII INHALT.

Seite

Codicia de las mugeres M2

Dcsobediencia de las mugeres !'•'»•

Guzman (Fern. Perez de) 118

Don Pero Lopez de Ayala 120

El rey Don Juan el Segundo 1-1

Don Alvaro de Luna 128

Pulgar (Fern, de) 137

El rey Don Enrique Cuarto 139

El conde de Haro 144

Rojas (Fern, de) 158

La Celestina, Aeto IV loa

„IX 109

Oliva (Fern. Perez de) 179

Diälogo de la dignidad del hombre 180

Salazar (Franc. Cervantes de) 202

Fragmentes del dialogo de la dignidad del hombre .... 203

Mendoza (Diego Hurtado de) 207

Como Lazaro se asentö con un elerigo 2 I i-

Como Lazaro se asentö con un buldero 22-5

Primeras juntas de los moriscos 227

El fuerte de Calalni 237

Montemayor (Jorge de) 240

Historia de Felismena 243

Hita ((tihos Perez de) 262

Batalla de Muza con el maestre de Calatrava. On'gen de

las enemistades de los Zegries y Abencerrajes 2Go

Alemau (Mateo) 280

Como Guzman saliö de su casa, y lo que le sncedio en una

venta 283

Herrera (Antonio de) 300

Cristöval Colon descubre la isla de San Salvador .... 30 I

Muerte de Pizarro 3^0

Mariana (P. Juan de) 3 IX

Principios de] reinado del rey Don Pedro el Cruel .... 322

La batalla de Najera , 328

Muerte del rey Don Pedro el Cruel 333

Brision y muerte de Don Alvaro de Luna 342

Granada (Fray Luis de) 34g

Estamot obligados ä seguir la virtud por causa de los bienes

inestimablec que de presente se le prometen en esta vida . ,300

mento del Sermon de la cesurreccion dal Senor . . . 359

Parte I.

5)

3 .

Parte I,

)?

48

,, Parte I.

))

20

Parte I.

))

21

Parte II

?)

45

ra Cornelia.

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ela

INHALT. XIII

Seite

Perez (Antonio) 362

Carta ä rnilady Riche 365

,, ä la misma

., al rey de Franeia 366

,, ä nn seüor grande y consejero

,, ä doha Juana Coello 369

Cervantes (Miguel de) 37 -I

Don Quijote Parte I. cap. 2 393

'l„ Parte I. 3 398

404

413

423

434

La seiiora Cornelia. Novela 440

Guevara (Luis Velez de) 474

El diablo eojuelo. Tranco II 472

Quevedo (Franc, de) 47g

Vida del gran tacaiio. Cap. II 486

9> >; HI 490

El sueiio de las Calaveras 495

Cartas del caballero de la tenaza 503

Saavedra (Don Diego de) 513

Coteje el principe sus acciones con las de sus antecesores . 516

Todo lo vence el trabajo 52|

Fragmento de la Repüblica literaria 525

Gracian (Baltasar) 53g

La i'eria del mundo 540

Solis (Don Antonio de) 550

Estado en que se hallaban Espaiia y las Indias occidentales

cuando se puso la mano en la conquista de Nueva Espana . 552

Batalla entre los espaüoles y los tlascaltecas 558

Muerte de Montezuma 563

Feijoo (Benito Geronimo) 572

Paralelo de las lenguas castellana y francesa 574

Isla (P. Jose Franc, de) 582

Fray Gerundio estudiando su filosofia 588

Carta ä F. Mascarenhas 597

Cadalso (Don Jose de) 604

Gazel ä Ben-Beley 605

El misino al mismo 606

El mismo al mismo 607

El mismo al mismo 609

XI^ INHALT.

Seite

Munoz (Don Juan Baut.) 610

Cristöval Colon 611

Jovellanos (Don Gaspar Melchor de) 627

Discnrso sobre la necesidad de unir el estudio de la literatura

al de las cieneias 630

Capmany (Don Antonio de) 641

Fray Luis de Leon 642

Conde (Don Antonio) .... 651

Abderahruan ben Moavia 653

Fundacion de Azahrä 663

Toma de Sevilla por los Alnioravides 664

Toreno (Don Jose, conde de) 669

La tropa espanola en Dinamarca .670

Cortes (Don Juan Donoso) 677

La diplomacia 678

Larra (Don Mariano Jose) 692

Empenos y desempenos 695

Quintana (Don Manuel Jose) 703

Guznian el Bueno 705

Zusätze.

S. 29. Das Fuero Juzgo ist zuerst zu Madrid, 1600. fol. ge- druckt worden. Die beste Ausgabe ist die von der königl. Acadeinie der Geschichte besorgte (Madrid, 1815. fol.)

S. 58. Ganz kürzlich ist auch eine französische Uebersetzung des Conde Lucanor erschienen. Sie hat Herrn A. de Puibusque, bekannt durch seine „Histoire compare'e des litteratures Espagnote et Francaise", zum Verfasser, und führt den Titel: „Le comte Lucanor. Apolvgues et fabliaux du XIV. siede, trad. pour la premiere fois de l Espagnol et precedes d'une notice sur la vie et les oeucres de Don Juan Manuel , ainsi que d'une dissertation sur l'introduction de l'Apologue d' Orient enOccident, par A. de Puibusque. Paris 1854. 8. Die ausführliche Biographie D. Juan Manuels ist nach den Quellen bearbeitet, und in einer eigenen Abhandlung verfolgt Hr. P den Weg, welchen der indische Apolog auf seinem Wege vom Oriente zum Occidente ge- nommen hat. Den Erzählungen selbst ist die Reihenfolge wiedergegeben worden, welche sie ohne Zweifel ursprünglich gehabt und durch die Nachlässigkeit des ersten Herausgebers eingebüsst haben. Auch sind sie mit einer bisher unedirten vermehrt, die Hr. Puibusque auch im Urtexte mittheilt. Die beigefügten Anmerkungen enthalten Angaben über den Ursprung und die verschiedenen Versionen der Erzählungen. Es ist dies bis jetzt die ausführlichste Arbeit über den Conde Lucanor und seinen interessanten Verfasser.

S. 59. Der Text von Argote de Molina's Ausgabe des Conde Lucanor ist sehr mangelhaft und namentlich in Bezug auf die Schreibart äusserst nachlässig. Alte und neue Formen finden sich bunt durch einander, hizo neben fizo , hubiese neben oviesse u. s. w. In unsern Auszügen ist aus leicht erklärlichen Gründen in solchen Fällen immer der älteren Form der Vorzug gegeben worden.

S. 138. Pulgar's Briefe stehen auch im ersten Bande des Epistolario EspuTiol. S. oben S. 95.

S. 167. Z. 1. De. la partida del dnima. Es ist dies eine Anspielung auf das bekannte, dem Kaiser Hadrian zugeschriebene Gedicht an seine scheidende Seele.

S. 214. Unter den Ausgaben von Mendoza's Historia de la guerra de Granada verdient noch die von D. Vicente Salvä zu Valencia, 1830. 8. herausgegebene erwähnt zu werden.

S. 362. Gonzalo Perez ist Verfasser einer Uebersetzung der Odyssee in reimlosen Versen, welche von den Spaniern mit Recht als klassisch geschätzt wird und vielleicht die vorzüglichste Ueber-

XVI ZUSÄTZE.

Setzung ist, welche irgend eine Nation von diesem Gedichte aufzuwei- sen hat. Sie ist u. d. T. : La Odisea de Homero pur Gonzalo Perez zu Antwerpen i553. 12. ebend. 1562., 8. und öfter gedruckt worden.

8. 3Ü5. Unter den spanischen Handschriften der kaiserlichen Bibliothek zu Paris befindet sich eine, welche den Titel führt: „Norte </r principes, virreis, presidentes, consejeros, gobemadores, y advertimien- tos politicvs sobre lo publico y particular de una monarquia, importan- tisimos ä los iales , fundados en materia y razon de «stado y gobier no pur Antonio Perez. Diese Schrift ist an einen hohen Staatsbeamten, vielleicht an den Herzog von Lerma selbst gerichtet , und enthält eine Darstellung der inneren Zustände Spaniens, nebst Vorschlägen, dieser Monarchie, welche nach des Verfassers Meinung sichtlich dem TJnter- gange entgegen geht, wieder aufzuhelfen. Ich habe dieselbe gelesen, und finde keinen Grund an Perez' Verfasserschaft zu zweifeln, wie dies z. B. Ochoa in seinem Catälogo de los manuscritos p. löSff. ect. thut. Offenbar rührt die Schrift aus Perez letzten Lebensjahren her, der sich dadurch vielleicht wieder „möglich" machen wollte. In den darin entwickelten Ansichten, namentlich über die zu befolgende auswärtige Politik Spaniens, erkennt man den gewiegten Staatsmann, so wie in der Darstellung der Gebrechen des spanischen Staatslebens den feinen und scharfen Beobachter. Dagegen verrathen die meisten seiner Ver- besseroagsvorschläge allerdings ein Jahrhundert, in welchem man von den natürlichen Grundlagen des Staates noch höchst unklare, von drr Nationalöconomie aber noch gar keine Begriffe hatte. Ihres In- haltes wegen dürfte daher die Schrift kaum einer Veröffentlichung werth sein.

S. 495. El sueiio de las ealaveras. Die leiteinischen Verse Z. 14. und Z. 3. v. u. lauten in deutscher Uebersetzung etwa:

Naht deiner Thür ein frommes Trr umgesicht, So ist's bedeutungsvoll; verjag es nicht, und:

Des Hasen Spur bellt träumeud an der Hund.

S. 552. Die neueste Ausgabe von Solis' Historia de la conquista de Mejico ist zu Paris, 1844. gr. 8. erschienen. Sie enthält noch einen Ueberblick über die Ereignisse von der Eroberung der Stadt bis auf Cortes' Tod, Anmerkungen von D. Jose de la Revilla und die Biographie des Verfassers von Greg. May ans y Siscar.

Einleitung.

Zau- den vielen althergebrachten Irrthümern, die vor einer unbefangenen Betrachtung der Welt- und Menschengeschichte weichen müssen , gehört auch die Ansicht, als ob den soge- nannten ungemischten Nationen gewisse Vorzüge des Geistes und Charakters vor den aus der Mischung verschiedener Volks- stämme entstandenen inne wohnten. Ganz im Gegentheil sehen wir gerade die edelsten , thatkräftigsten , durch wahr- haft eigentümliche Schöpferkraft in Staatsleben, Wissenschaft, Litteratur oder Kunst ausgezeichneten Völker aus einer Misch- ung sehr verschiedenartiger Elemente hervorgegangen, ja die Vorzüge dieser Mischlingsnationen vor den sogenannten reinen treten so deutlich hervor, die Geschichte wirkt so unverkenn- bar auf die Bildung solcher Mischungen hin, dass wir diese Verschmelzung des Verschiedenartigen für ein Gesetz des Völkerlebens halten müssen.

Unter den Nationen, welche als Beispiele für diese histo- rische Erfahrung dienen können und Jedem, der von der Ge- schichte mehr als die Oberfläche kennt, augenblicklich vor die Erinnerung treten werden, steht diejenige, mit deren Litteratur wir uns in dem vorliegenden Handbuche beschäftigen, in erster Reihe. Fast in keinem Lande Europa's haben sich im Laufe der beglaubigten Geschichte so viele Völker verschiedener Ab- stammung herumgetummelt, wie in Spanien, und nur wenige dieser Völker sind leicht und spurlos über den Boden der Halbinsel hinweggeschritten. Die meisten haben in Jahrhun- derte langer Ansässigkeit durch grössere oder geringere Ver- schmelzung mit den schon vorgefundenen ihren Beitrag zur Bildung der spanischen Nation geliefert und dem Geiste und @pan. £t>6. I. 1

9 EINLEITUNG.

Charakter derselben ihr unverkennbares und unverlöschliches Gepräge aufgedrückt. Aus dieser Mischung heterogener Ele- mente ist aber eine Nation hervorgegangen, die, wie manchen dunkeln Flecken der Menschenfreund aus ihrer Geschichte auch hinweg wünschen möchte, wie sehr sie in der Entwicklung einzelner Zweige der menschlichen Thätigkeit hinter anderen, v<»n der Natur minder begünstigten Nationen zurückgeblieben sein mag, doch durch die Eigenschaften ihres Geistes und Charakters zu den interessantesten Erscheinungen auf der Völkerbühne gehört, als Culturvolk aber ganz besonders durch die hohe Eigentümlichkeit und unverfälschte Nationalität ihrer Litteratur einen der ersten Plätze in der Culturgeschichte der Menschheit zu beanspruchen hat.

Die Geschichte einer National litt er atur, die ja eben ein Ausfluss des Nationalcharakters ist, würde sich daher selbst ihrer sichersten Führung berauben , wenn sie nicht vor allen Dingen die Elemente, aus welchen die Nation hervorge- gangen ist, so wie den Process, durch welchen und die Um- stände, unter welchen diese Elemente in eins verschmolzen wurden, ins Auge fassen wollte. Eine Geschichte der spani- schen Nationalliterattur hat demnach mit einem Ueberblick über die Entstehungsgeschichte der Nation und ihres Geistes und Charakters bis zu der Zeit, von welcher die ersten Denk- male ihrer Litteratur datiren, zu beginnen. Hiermit aber geht die Geschichte der Sprache, als in welcher der Nationalgeist am unmittelbarsten in die Erscheinung tritt, Hand in Hand.

Das Land, welches wir jetzt die pyrenäische Halbinsel nennen, war schon zu der Zeit, wo die beglaubigte Geschichte seiner zueral erwähnt, seinem grössern Theile nach von einem Mischvolke bewohnt. Die alten Urbewohner des Lan- des, die Iberer, als deren letzte üeberbleibsel wir muthmass- lich die in der Westecke der Pyrenäen wohnenden Basken /u betrachten haben, waren bereits in vorhistorischer Zeit den von Osten her eingewanderten Gelten nach langem Kampfe endlich erlegen und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen, welchem die Römer mit Rücksicht auf seinen Ursprung den bezeichnenden Namen Celtiberer gaben, und welches in mehrere, doch, wie es scheint, in Sprache und Sitten nicht wesentlich von einander verschiedene Stämme zerfiel. Das Volk des Älterthums, welchem die Celtiberer bekannt wurden, waren die Phönizier, die in 8ehr früher, aber keines- genau zu bestimmender Zeil auf ihren weiten Handels- zügen auch Spanien berührten und, gelockt durch den Metall- reichthum des Landes, Niederlassungen an dessen Südküste,

EINLEITUNG. 3

unter andern die Stadt Gades (Cadix) gründeten. Sie waren es auch wahrscheinlich, welche dem Lande den Namen Spa- nija (Kaninchenland) gaben. Da sie jedoch ihre Ansiedlungen auf einen schmalen Strich an den Küsten des mittelländischen Meeres beschränkten, ohne sich weiter in das Innere der Halbinsel zu verbreiten, so war der Einfluss, den sie auf Sprache und Sitten der Bevölkerung ausübten, nur in den südlichen Theilen des Landes von einiger Bedeutung und Nachhaltigkeit. Später gründeten auch die Griechen an der südöstlichen Küste einige Colonien, die aber ohne allen nachweisbaren Einfluss blieben. Wichtig dagegen wurde der der Karthager , welche nach dem Sinken der phönicischen Macht die Erbschaft ihres Mutterlandes in Spanien antraten. Sie waren sehr bald darauf bedacht, ihr Gebiet daselbst zu vergrössern, und hatten bereits das südwestliche Küstenland in ihrer Gewalt , als ihr erster Krieg mit den Römern sie nöthigte , von weiteren Eroberungen einstweilen abzustehen. Nachdem sie jedoch ihre Inseln im Mittelmeer an die Römer verloren, wurde ihnen der Besitz Spaniens wünschenswerther als je, und theils durch Gewalt der Waffen, theils durch fried- liche Verträge mit einzelnen celtiberischen Stämmen, dehnten sie ihre Macht bis zum Ebro aus, gründeten an der Südküste die wichtige Stadt Neu-Carthago (Carthagena) und befanden sich im Besitz des grösseren Theiles der Halbinsel, als ihr Angriff auf die den Römern verbündete Stadt Sagunt den Anlass zum zweiten punischen Kriege gab, der grossentheils in Spanien geführt wurde und nach siebzehnjährigem wechsel- vollen Kampfe damit endete, dass die Karthager das Land gänzlich räumen mussten. Mit ihrem Abzüge aber waren die Römer immer erst Herren eines kleinen Theiles der Halbinsel, und erst nach zweihundertjährigem Kampfe gegen die unbe- siegten oder immer wieder von Neuem sich empörenden celtiberischen Stämme, wurde unter Augustus das Eroberungs- werk mit der Unterwerfung der nördlichen Bevölkerung voll- endet. Auf die Besiegung der Basken mussten die Welter- oberer ganz verzichten und auch ihre Herrschaft über die asturischen und galizischen Gebirgsbewohner war wohl wenig mehr als eine nominelle.

Noch während der Dauer dieses Eroberungskrieges aber ging das Werk der Romanisirung des celtiberischen Volkes Schritt vor Schritt vor sich. In den eroberten und beruhigten Provinzen wurden Niederlassungen angelegt, zahlreiche Römer siedelten nach dem schönen Spanien über , verbreiteten römi- sche Sitte, Sprache und Cultur unter die celtiberisehe Bevöl-

KIXLEITUXG.

kerung und schon innerhalb des ersten halben Jahrhunderts waren die Anfänge einer Verschmelzung beider Völker wahrzunehmen. Da zeigte sich denn, dass die tapferen und freiheitsliebenden Celtiberen, welche ihre Nationalität und iJnabhangigkeit so mannhaft vertheidigt hatten, auch ein sehr bildsames, für Cultur hoch empfängliches Volk waren Die romische Civilisation machte rasche Fortschritte, die lateinische Sprache verdrängte schnell die Landessprache und schon in den ersten Jahren des Kaisertums war nicht nur der grösste Iheil des Landes vollkommen römisch, sondern die Spanier waren auch von allen Provinzialen des Weltreichs diejenigen bei flehen das Romerthum die tiefsten Wurzeln ges'chWen hatte und die schönsten Früchte trug. Nirgends ausser Italien wurde das Lateinische schöner und reiner gesprochen, nirgends ThandeT ""V0 -iel ^ fÜr W-— haft und S

tronole Tel 1F ? Y^"' Und S<?lbst in der stolze" Me- tropole des Reichs gelangten spanische Talente zu einer Gel- tung, wie sonst nur wirkliche römische Bürger sie sich ver- schaffen konnten Mehrere der ausgezeichnetsten Seh [fite 1 r Roms, wie die beiden Seneca's, Martial, Luean, Columella u i waren geborne Spanier. Früher als ander n Nichtrömern irden öffentliche Aemter in Rom Spaniern verliehen und schon am Ende des ersten Jahrhunderte n. Chr. gab Spanfen dem Reiche einen Kaiser dessen wn- i r> S ^Panien wörtlich geworden ist ^ ReSierung sPric»-

Die Romanisirung Spaniens erstreckte sich, wie mit Sicher hei anzunehmen ist, bis an die nördlichen Geb -ge Gah en " Astunens und des Baskenlnnd^c t •. Y ß Taimens, wohl lan^e 7,* n ,-?' Jenseits derselben blieb sie

lag. Zu, nur sporadisch und bis zu den Basken ge-

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"' ■l11"" Sprachen unter ähnlichen Umständen

EINLEITUNG. 0

mit ganz ähnlichen Wirkungen wiederholt. *) Wenn wir daher nach Analogien anderer Sprachen und nach dem , was sich später aus der lingua rustica in die classische Latinität ein- schlich, urtheilen dürfen, so bestanden jene Abweichungen nicht blos in dem Gebrauche nicht rein römischer Wörter, son- dern die lingua rustica enthielt auch bereits die ersten Keime jener Eigentümlichkeiten in sich, welche die heutigen soge- nannten romanischen Sprachen gemeinschaftlich von der latei- nischen Muttersprache unterscheiden. Wahrscheinlich also vernachlässigte die römische Volkssprache hin und wieder die Flexionen der Haupt- und Zeitwörter, was dann den Ersatz derselben durch Präpositionen und Hülfsverba zur notwen- digen Folge hatte. Vielleicht bediente sie sich auch zuweilen des demonstrativen Fürworts und des Zahlwortes unus in einer Weise, aus welcher sich später der Artikel bildete.

Es liegt in der Natur der Sache, dass es zunächst und vorzugsweise dieses Volksidiom war, welches die Provinzen von den römischen Eroberern erhielten und welches schnell eine grosse Verbreitung gewann, ehe noch den Provinzialen mit der zunehmenden Bildung die correcte Schriftsprache be- kannt wurde. Nicht minder natürlich ist es, dass diese Ver- derbniss der Sprache (wenn anders ein naturgemässer, von der Geschichte selbst veranstalteter Vorgang diesen Namen verdient) im Munde der Provinzialen einen raschen Fortgang nahm, dass die anfangs nur unbedeutenden Abweichungen der eigentlich römischen lingua rustica in den Provinzen bald be- trächtlicher, die anfangs nur gelegentlichen bald zum fest- stehenden Gebrauch wurden. Dass ferner durch die Eigen- fhümlichkeit der Sprachorgane der Provinzialen die römischen Laute zum Theil alterirt wurden, darf als gewiss angenommen werden, obwohl schwerlich schon während der Periode des Kai- serthums eine eigentliche Entstellung der römischen Wörter stattfand. Unvermeidlich dagegen war es , dass das Latein in den Provinzen eine Anzahl von Wörtern aus der Landes- sprache, welche lateinisch umgeformt wurden, in sich aufnahm, theils Bezeichnungen im Laufe der Zeit neu entstehender oder dem beschränkten Räume der Provinz angehörender Begriffe, theils Wörter, die durch häufigen Gebrauch so feste Wurzeln

*) Wir erinnern nur an das Persische und Vulgär- Arabische, die sich auf ganz ähnliche Weise, jenes aus dem Zend und Pehlwi, dieses aus der arabischen Schriftsprache gebildet haben. Auch eine Vergleichung des Neuhochdeutschen mit dem Gothischen kann in manchen Punkten hierher gezogen werden.

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in der Gewohnheit geschlagen hatten, dass die entsprechenden römischen Ausdrücke ihnen weichen mussten.*)

Die C'ultur der Schriftsprache that gleichwohl lange dem Fortschreiten der Verderbniss des Lateins im Volksmunde Einhall, und je grösser die Bildung in der Provinz war, desto mehr behielt auch das Volksidiom von der Reinheit des acht Römischen. Es ist dies ein wohl zu beachtender Umstand; denn sicher verdankt das Spanische die grosse Aehnlichkeit, die es in den Lautverhältnissen mit der lateinischen Mutter- sprache bewahrt hat, gerade der überwiegenden Bildung seiner damaligen Bevölkerung.

Im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde in Spanien das Christenthum eingeführt, und als Kaiser Con- stantin dasselbe zur Staatsreligion erhob, bekannte sich schon ein grosser Theil der Halbinsel zu dem" neuen Glauben. Welchen Einfluss diese Veränderung auf den Charakter der damaligen Spanier hatte und wie sich die neue Lehre gerade im Geiste dieses Volkes reflektirte, darüber zu urth eilen fehlt es uns an Anhaltspunkten. Wir dürfen indessen mit Sicher- heit annehmen, dass das Christenthum in Spanien so wrenig wie in irgend einem andern Lande der Welt des Alterthums schon damals seine volle segensreiche Wirkung ausüben oder demVolks- leben einen neuen Aufschwung geben konnte. Die Völker des Alterthums waren im Absterben; auch das Christenthum blieb bei ihnen grossentheils etwas Aeusserliches, etwas Angelerntes, und erst grosse Umwälzungen im Völkerleben mussten den Boden vorbereiten, auf welchem die ausgestreute Saat der gottlichen Lehre keimen, blühen und Früchte tragen konnte.

Die Tage dieser neuen Zeit naheten mit raschen Schritten. Die materielle wie die moralische Kraft der römischen Pro- vinzen war durch den systematischen Despotismus des Kai- serthums bis auf das Mark ausgesogen. Unter dem Drucke einer furchtbaren Steuerlast, unter Institutionen, die der Selbst- regieruug und individuellen Thätigkeit auch nicht einen Zoll breit Raum liessen, verödeten die früher blühenden Gefilde, Banken die Städte, erlahmten Handel und Gewerbfleiss, und im Gefolge der Arinuth kam die stumpfe Gleichgültigkeit gegen das Edle und Hohe und erstickte allen Sinn für Geistes- bildung und geistige Bestrebungen. Von Vaterlandsliebe, Nationalsinn und Aufopferungsfähigkeit konnte unter solchen Umständen keine Rede sein, und wehrlos fiel eine römische

♦) Siehe einige derselben in Diez, Gramm, d. rom. Sprachen. Bd. I. p. 69.

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Provinz nach der andern in die Hände der von Norden und Osten her in das Reich einbrechenden Barbaren.

Spanien, kaum noch der Schatten von dem, was es im ersten Jahrhunderte des Kaiserthums gewesen, wurde zuerst von den wilden Horden der Alanen, Silinger, Sueven und Vandalen geplündert und verheert, später (414) von dem gewaltigen Volke der Westgothen überschwemmt. Wie diese letzteren den Stamm der Silinger fast ganz ausrotteten und die Alanen zwangen sich mit den Vandalen zu vereinigen, wie diese 429 Spanien verliessen, um ein grosses Reich in Africa zu gründen, wie nach langem Kampfe endlich auch das Suevenreich den Westgothen erlag und diese so in den unbestrittenen Besitz der ganzen Halbinsel gelangten, ist aus der politischen Ge- schichte bekannt. Wir haben hier nur die Folgen dieser Er- eignisse zu betrachten, mit welchen, wie überhaupt mit der grossen Völkerwanderung, für das gesammte europäische, Völkerleben, so auch für die pyrenäische Halbinsel eine ganz neue Existenz beginnt.

Die Westgothen, welche in Spanien ein selbstständiges Reich gründeten, zeichneten sich schon vor der Zeit, wo sie zuerst in Spanien eindrangen, vor anderen germanischen Stäm- men durch Empfänglichkeit für Cultur aus. Sie hatten bereits seit einem Jahrhundert mit den Römern in näherem Verkehr gestanden, besassen einen Anflug römischer Sitte, bekannten sich zum Christenthum, ja sie konnten ein Phänomen unter den germanischen Stämmen als einen Beweis ihrer Gesittung, schon in dieser frühen Periode in der Bibelüber- setzung ihres Bischofs Ulfilas ein schriftliches Denkmal ihrer eigenen Sprache aufweisen.

Dieser günstige Umstand, dass die Eroberer Spaniens schon die ersten Schritte auf der Bahn der Civilisation zurück- gelegt hatten, war für das Schicksal des Landes von hoher Bedeutung. Durch den Einfall der Gothen in Spanien gingen vergleichungsweise weniger Schöpfungen der alten Cultur ver- loren, als in anderen Ländern und der neue Staat konnte früher als andere gleichzeitig entstehende zu geordneten Zu- ständen gelangen. Für die Eingebornen war die neue Herr- schaft, trotz der Verschiedenheit der Sitten und der Bildungs- stufe der Gothen, ein Fortschritt im Vergleich zu dem Des- potismus des römischen Kaiserthums; die culturempfänglichen Gothen aber wurden bald bereitwillige Schüler des zwar un- kräftigen aber verfeinerten Volkes , dem sie geboten. Wäh- rend also einerseits die Germanen sich Cultur und Sprache der besiegten Nation schnell zu eigen machten, andererseits

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aber Muth und Thatkraft der Romanen durch das Beispiel ihrer kräftigen und tapfern Beherrscher mächtig gehoben wur- den, rückten beide in ihren Sitten bald einander näher. Den- noch aber bestanden sie heinah zweihundert Jahre lang als getrennte Nationen neben einander, jede, wie das Princip der germanischen Stämme überhaupt es mit sich brachte, nach ihrem eigenen Rechte lebend. Hierzu trug, ausser dem aus- drücklichen Gesetze König Eurich's , welches Ehen zwischen Gothen und Romanen verbot, besonders die Glaubensver- schiedenheit bei. Die Gothen waren nämlich eifrige A rianer, während die Romanen sich zur orthodoxen katholischen Kir- che bekannten. Erst als König Reccared (586-601) mit seinem ganzen Volke zum Katholicismus übertrat und sein Nachfolger Receswinth das Verbot der Mischehen aufhob, konnte der Process allmähliger Verschmelzung beginnen, welcher einer neuen Nation das Dasein gab. Von jetzt an hörte auch die rechtliche Trennung beider Racen auf, da3 römische Recht wurde ausdrücklich aufgehoben und das west- gothische Gesetzbuch, die lex Wisigothorum , nach und nach durch neue Zusätze den Bedürfnissen des neuen gesellschaft- lichen Zustandes angepasst. erhielt allgemeine und ausschliess- liche Gültigkeit für das ganze Volk.

Die so aus der Verschmelzung des romanisch-celtischen mit dem germanischen Stamme gebildete oder wenigstens im Laufe des 7. Jahrhunderts in der Bildung begriffene Nation, muss , wenn gleich sie nach dem ursprünglich herrschenden Volke die gothische hiess, doch als eine neue betrachtet werden, und bildet die Grundlage der nachherigen spani- schen Nation. In welchem Verhältnisse in diesem, wie in den anderen durch die Völkerwanderung entstandenen neuen Völkern Westeuropa's germanische und romanische Elemente gemischt waren, würde Gegenstand einer besonderen Unter- suchung sein müssen, für welche in diesem Abrisse kein Raum ist. Für unsern Zweck mag die allgemeine Bemerkung genügen, dass es wesentlich diese Mischung von Germanismus und Romanismus ist, auf welcher der gegen das Alterthum 80 wesentlich veränderte Geist, Charakter und die Weltan- schauung der neu gebildeten Nationen des Mittelalters beruht, die in Verbindung mit der Art und Weise, wie sich in ihnen das Christentum reflektirte, der ganzen europäischen Welt ihre neue, in den Hauptziigen noch jetzt fortdauernde Gestalt gegeben haben. Ganz besonders aber ist gerade dieser neue Geist als die Quelle derjenigen Poesie zu betrachtsn, die wir im Gegensatz zu der sogenannten classischen mit

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Rücksicht auf ihren Ursprung die romantische nennen, und die, ihrem innern Wesen nach allen gemeinschaftlich, bei den einzelnen Nationen durch äussere Umstände sowohl wie durch die. geistige Verschiedenheit der sich mischenden Stämme mo- dificirt erscheint*).

Einige Züge, welche späterhin im Character der spani- schen Nation scharf hervortreten, lassen sich in den Völker- elementen, denen sie ihre Entstehung verdankt, ohnschwer nachweisen. Dahin gehört, ausser dem was in allen roma- nischen Ländern gemeinschaftlich germanisch ist, besonders der Fanatismus in Glaubenssachen, welchen die Spa- nier erweislich von ihren westgothischen Urvätern geerbt ha- ben, in deren Charakter die Verfolgungssucht einen hervor- ragenden Zug bildet. Zwei Jahrhunderte ihrer Geschichte sind angefüllt mit blutigen Verfolgungen, die sie, als Arianer, gegen die Katholiken ausübten. Später, als sie selbst zum Katholicismus übergetreten waren, wendete sich ihr ganzer Hass gegen die Juden, die nirgends im damaligen Europa so hart bedrängt wurden, wie im Westgothenreiche. Mit Recht sagt Montesquieu (Espr. des Lois XXVIII. 1): „Dem west- gothischen Gesetzbuche verdanken wir alle Grundsätze und Ansichten der heutigen Inquisition, und die Mönche haben die Gesetze, welche die westgothischen Bischöfe gegen die Juden erlassen hatten, nur eopirt." Gleichfalls ein echt germanischer Zug, aber in der spanischen Nation reiner als in irgend einer anderen romanischen erhalten, ist jener Individualismus, der auch das spanische Staatsleben selbst in den Zeiten des schwersten Despotismus vor dem Principe der Centralisation bewahrt hat, im Charakter des Spaniers aber die Grundlage seines edlen Stolzes und seiner Selbstachtung bildet. In den hartnäckigen Vertheidigern der Nationalität und heimischen Sitte gegen fremde Herrschaft aber, erkennen wir leicht den Geist der alten Celtiberer wieder.

Besonders wichtig für unsern Zweck ist es zu wissen, wie es im westgothischen Reiche um die Pflege der Wissen- schaften stand, und wie sich die Sprache gestaltete. Was die erstere betrifft, so war bereits seit den letzten Zeiten des rö- mischen Kaiserthums, wie in den übrigen Provinzen des Rei- ches, so auch in Spanien die Bildung in tiefem Verfall. Die

*) Leider hat die bisherige Literaturgeschichte, in ihrer einseitigen Berücksichtigung des bloss Aesthetischen, es fast allgemein verschmäht, sich auf gründliche ethnographische Untersuchungen zu stützen, bei welchen für die romanischen Nationen die einzelnen Gesetzbücher des Mittelalters als Führer dienen könnten.

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früher so zahlreichen Schulen waren fast sämmtlieh einge- gangen und nur die zum geistlichen Stande bestimmten jun- gen Leute erhielten einen nothdürftigen Unterricht in den zu diesem Zwecke an den Hauptbischofssitzen errichteten Schu- Len . in denen das Trivivm und Quadrivium (d. i. die soge- nannten sieben freien Künste) gelehrt wurden. So wurde, wie üherall, auch in Spanien die Geistlichkeit die fast alleinige Inhaberin wissenschaftlicher Kenntnisse. Eigentliche Gelehrte gehörten aber auch in diesem Stande zu den Aus- nahmen, denn selbst das berufsmässige Wissen der meisten Geistlichen ging, wie uns Zeitgenossen berichten, nicht über die Kenntniss der Leidensgeschichte Christi hinaus. Gründ- liehe Kenntniss des classischen Latein war nur bei wenigen zu finden, des Griechischen gar nicht zu gedenken ; denn den Geist an den Schriften des classischen Alterthums zu nähren galt nicht nur für überflüssig , sondern sogar für verderblich, und die Leetüre derselben wurde den Geistlichen vom Bi- schöfe Isidorus von Sevilla geradezu verboten. Die Schuld dieses Zustandes trug keinesweges die Herrschaft der Gothen. Im Gegentheile war es wohl ihrer Empfänglichkeit für gei- stige Büdung zu danken, dass es mit der Wissenschaft in Spanien nicht noch schlimmer aussah. Von allen deutschen Stämmen damaliger Zeit betheiligten sie sich am meisten an wissenschaftlichen Bestrebungen, und unter den durch gelehrte Kenntnisse ausgezeichneten Geistlichen des damaligen Spa- niens finden sich mehrere von gothischer Abkunft. Auch von mehreren westgothischen Königen wurde die Gelehrsamkeit geschätzt und gefordert, so besonders von Sisebut (612 620) von dem wir noch einige Schriften in lateinischer Sprache besitzen, von Chindas win th (642 652) und Receswinth (652 672), welcher gleichfalls Schriftsteller war. Der Haupt- gegenstand der litterarischen Thätigkeit war, wie überall in jener Periode, die Erörterung spitzfindiger theologischer Fra- gen, nächstdem die Geschichtschreibung, die sich jedoch nicht über den gewöhnlichen trocknen Chronikenstyl erhob. Die Pfi< sge anderer weltlicher Wissenschaften war so gering, dass sie